Weibliche Sexualität wird im Horrorfilm oft mit etwas Bedrohlichem, Übermenschlichem, gar Tödlichem assoziiert. Wenn weibliche Lust geweckt wird, scheint sie unkontrollierbar und nahezu zerstörerisch. Durch das Erwecken von Schock, Ekel oder Angst werden physische Reaktionen evoziert, die das Gesehene negativ konnotieren können. Die Frau auf der Leinwand wird in dieser Konnotation vielleicht sogar zur Urheberin dieser Erlebnisse. Hinter einer solchen Inszenierung steht jedoch auch ein Bruch mit gesellschaftlichen Vorstellungen und Konventionen um eine passive weibliche Sexualität, die Frau wird vom Objekt zum handelnden Subjekt. Einige Genrefilme inszenieren diese Handlungen als radikale und durchaus anti-patriarchale Konsequenzen der Subjektwerdung und Machtaneignung der Frau. An Beispielen aus zeitgenössischen Horrorfilmen wird der Angst vor weiblicher Lust und ihrer ambivalenten Inszenierung nachgegangen.
Dr. Lioba Schlösser ist Filmwissenschaftlerin und vertritt aktuell die Professur für Bildwissenschaft, Theorie der Wahrnehmung, Kommunikation und Medien an der Münster School of Design, FH Münster. Außerdem arbeitet sie als Koordinatorin für Gleichstellung und Diversity an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und unterrichtet als Dozentin an der Filmakademie Ludwigsburg. Ihre Forschungsgebiete sind Gender- und Queer Studies, Mythen- und Körpertheorie sowie körperpolitische Diskurse um Normativität in Film und Serie.
Ihre jüngste Publikation ist Schlösser, Lioba (2025): Diversity in Pixar Films. How Does CGI Influence the Diversity of Character Representation? In: Grabbe, Rupert-Kruse, Schmitz (eds.): The Digital Condition of Moving Image. Marburg, Büchner-Verlag.