Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Rebellinnen - Fotografie. Underground. DDR

DEU

2020

Pamela Meyer-Arndt

Natürlich gab es in der DDR eine Kunstszene im Untergrund – doch kannte man im Westen nur sehr wenige Protagonist*innen und Werke außerhalb der offiziellen Verlautbarungen über das Kunstschaffen im real existierenden Sozialismus. Der Film von Pamela Meyer-Arndt porträtiert drei Frauen, die sich gegen das System aus Bespitzelung und Unterdrückung gewehrt haben: Tina Bara, Cornelia Schleime und Gabriele Stötzer sind drei Künstlerinnen, die in der Underground-Kunst-Szene in den 70er und 80er Jahren der DDR aktiv waren. Sie fotografierten und drehten Filme, hielten ihre Wirklichkeit jenseits der Propaganda fest. „Die teilweise krassen Bilder von Tina Bara, Cornelia Schleime und Gabriele Stötzer ließen mich anfangs zurückschrecken. Es sind starke Bilder des weiblichen Widerstands im Angesicht der Unterdrückung. Sie könnten überall auf der Welt gemacht worden sein, zu jeder Zeit. Die Haut, das Nacktsein, das Verletzliche, die Geste sich selbst auszuliefern – das ist so stark“, schreibt die Regisseurin über ihren Film, der unsere sehr eingeschränkte Wahrnehmung der Kunstszene der DDR korrigiert.
Der Film war ursprünglich für 13. Oktober angekündigt, musste aber verschoben werden.
Einführung: Dr. Dorothee Höfert, Kunsthalle Mannheim

Mandy

USA

2018

Panos Cosmatos

Nicolas Cage, Andrea Riseborough, Bill Duke

Shadow Mountain, 1983: Red Miller hat nichts mehr zu verlieren. Seine große Liebe Mandy wurde verbrannt. Sektenführer Jeremiah hat sie in Brand gesetzt, weil sie ihm nicht gefügig war. Also zieht Red los, von Rachedurst getrieben: Mit einer eigenhändig geschmiedeten Kriegsaxt in der Hand und einer Teufelsdrogen in den Adern sucht er Jeremiah und seine Sektenjünger … In diesem fiebrig-alptraumhaften, durchgestylten Höllentrip mit Heavy-Metal-Symbolik, dämonischen Motorradmutanten und surrenden Kettensägen gibt Nicolas Cage wohl die intensivste Performance seines langen Schauspielerlebens: „Eine Synapsen-schmelzende Orgie von kosmischen Proportionen, die unglaublich Spaß macht.“ (Sight and Sound).

Xenia - Eine neue griechische Odyssee

GRC

2014

Panos H. Koutras

Kostas Nikouli, Nikos Gelia

Die Brüder Danny und Ody könnten unterschiedlicher nicht sein: Ody ist 18, geerdet, reif und hat sich in Athen trotz seiner dort verpönten albanischen Herkunft eine Existenz aufgebaut. Der 16-jährige Danny hingegen ist sprunghaft, abenteuerlustig, schwul und tappt von einem Fettnäpfchen ins nächste. Nach dem Tod ihrer geliebten Mutter taucht Danny spontan bei seinem älteren Bruder in der griechischen Hauptstadt auf, um sich dort ins Nachtleben zu stürzen. Nach einem Zwischenfall müssen die beiden vor der Polizei fliehen und beschließen, ihren lange verschollenen, wohlhabenden Vater wiederzufinden…
Regisseur Koutras gelingt eine außergewöhnliche Mischung aus Drama und Komödie, indem er einerseits die unerbittliche nächtliche Unterwelt Athens samt Drogen, Fremdenfeindlichkeit und Straßenstrich beleuchtet, andererseits den sympathischen Charme und Witz wahrer Bruderliebe spielen lässt. Ein berührender, mitreißender Coming-of-Age-Film über Anderssein und familiären Zusammenhalt – vielfach ausgezeichnet!

Riverbanks

GRC/TUR/DEU

2015

Panos Karkanevatos

Andreas Konstantinou, Elena Mavridou

Der Fluss Evros trennt die Türkei von Griechenland. Er ist eine dieser Grenzen, an denen Flüchtlinge auf dem Weg in die EU sterben. Sie ertrinken, erfrieren oder treten auf eine Mine. Chryssa arbeitet als Schleuserin, sie bringt Kinder, die Drogen im Rucksack haben, über die Grenze. Das ist alles andere als eine ehrbare Tätigkeit, aber Chryssa sieht keine Alternative, um genug Geld zu verdienen. Dieses braucht sie, um ihre Verwandten zu unterstützen. Chryssa trifft auf Yannis, einen griechischen Soldaten, der freiwillig Minenfelder räumt. Er hat nur noch wenig Lebenslust und sucht in der Einsamkeit des verminten Geländes neuen Mut. Yannis und Chryssa verlieben sich. Sie wollen gemeinsam fliehen – was die Drahtzieher des Menschenhandels zu verhindern suchen …

Morgen ist auch noch ein Tag

ITA

2023

Paola Cortellesi

Paola Cortellesi, Valerio Mastandrea, Romana Maggiora Vergano, Emanuela Fanelli

Rom 1946, nach der Befreiung vom Faschismus. Delia ist die Frau von Ivano und Mutter dreier Kinder, zudem pflegt sie ihren Schwiegervater und bessert mit vielen kleinen Hilfsarbeiten die Haushaltskasse auf. Ivano aber zeigt stets, wer der Ernährer ist; nicht nur mit Worten, auch mit Prügeln. Dann trifft ein mysteriöser Brief ein, der ihr Hoffnung gibt in diesem gewaltvollen Leben, das möglicherweise auch auf ihre Tochter warten wird.

Mit Empathie und Respekt erzählt Paola Cortellesi von einer Frau in der patriarchalen Gesellschaft, und zwar in einem Moment, der den Frauen Italiens neuen Mut macht, im geschichtlichen Niemandsland der Nachkriegszeit. Vielfach ausgezeichnet, war dies 2023 der meistgesehene Film in Italien.

Der Erzengel und ich – Beata te

ITA

2022

Paola Randi

Serena Rossi, Fabio Balsamo, Paola Tiziana Cruciani, Gianni Ferreri, Valentina Correani

Schon mal einem Erzengel begegnet? Marta Pellegrino, 40, Single, erfolgreiche Theaterregisseurin, staunt nicht schlecht: Plötzlich steht ein seltsamer Typ ganz in weiß vor ihr, der behauptet, der Erzengel Gabriel zu sein. Und er verkündet ihr, dass sie ein Kind zur Welt bringen wird, obwohl sie schon länger keine Beziehung mehr mit einem Mann hatte. Marta lacht ihn aus. Doch Gabriel lässt nicht locker und quartiert sich für zwei Wochen bei ihr ein. Innerhalb dieser Frist soll sie sich entscheiden, ob sie das „Geschenk“ annehmen will oder nicht…
Eine absurd-märchenhafte Ausgangssituation, aus der Regisseurin Paola Randi mit charmanter Leichtigkeit eine Komödie zaubert, in der die Funken und Pointen nur so sprühen. Serena Rossi als Marta und Fabio Balsamo als herrlich skurriler Erzengel strahlen eine Spielfreude aus, die sich unmittelbar überträgt. Wunderbar.
Paola Randi über ihren Film:
Als ich von der Idee zu BEATA TE hörte, fand ich sie sofort umwerfend: An ihrem vierzigsten Geburtstag erscheint einer Frau die berüchtigte biologische Uhr in Form von Erzengel Gabriel. Die traditionsreiche italienische Komödie trifft hier auf eine zeitgenössische, internationale, großstädtische Note, einerseits bissig, aber auch warmherzig und einnehmend. Überzeugt hat mich außerdem die Gelegenheit, ein so wichtiges Thema wie das Recht der Frauen, auf Selbstbestimmung, für oder gegen ein Kind, mit Leichtigkeit und gleichzeitig mit Tiefgang zu behandeln. Denn, wie uns die Meisterinnen und Meister lehren, bedeutet Komödie Freiheit.
Paola Randi (*1970 in Mailand) arbeitet nach ihrem Jurastudium für verschiedene internationale NGOs, gleichzeitig studiert sie Kunst, Musik und Theater. 2011 dreht sie ihren ersten Langfilm INTER PARADISO, der im gleichen Jahr die Cinema Italia-Tournee eröffnet. 2018 folgt TITO E GLI ALIENI (TITO, DER PROFESSOR UND DIE ALIENS). Nach einigen Fernsehserien ist BEATA TE ihr neuester Spielfilm.
Weitere Infos: https://www.cinema-italia.net/filme.php?selectedday=37&selectedfilm=2

 

Die Geschichte von Frank und Nina – La storia del Frank e della Nina

ITA

2024

Paola Randi

Gabriele Monti, Ludovica Nasti, Samuele Teneggi, Marco Bonadei, Bruno Bozzetto

Drei junge Leute in einem grauen Mailänder Vorort: Der geheimnisvolle Carlo alias „Gollum“ ist der Erzähler dieser Geschichte, obwohl er nicht sprechen kann und seine Gedanken am liebsten als Graffiti auf die Wände sprüht. Der scheinbar allwissende Frank dagegen redet zu viel, glaubt nicht an seine Existenz vor dem 18. Geburtstag und verdient etwas Geld, indem er für andere Kids deren Hausaufgaben macht. Und dann ist da die ehrgeizige Nina aus einer Roma-Familie, die studieren will, um frei zu sein. Zugleich ist sie mit ihren 16 Jahren aber schon Mutter und mit einem lokalen Gangster liiert. Dieses unwahrscheinliche Trio findet zu einer Ersatzfamilie zusammen, erlebt skurrile Abenteuer, bis die Realität sie wieder einholt. Doch wie sagt Frank so schön: „Realität ist nur eine Frage des Standpunkts“ – also können die drei eigentlich ihre eigene Geschichte schreiben…

Paola Randi, vor zwei Jahren mit BEATA TE / DER ERZENGEL UND ICH bei Cinema Italia erfolgreich, entwirft in ihrem neuesten Film das mitreißende, auch stilistisch unkonventionelle Porträt dreier jugendlicher Außenseiter, denen es mit viel Fantasie und einer Portion Verrücktheit gelingt, aus ihrem trostlosen Alltagsleben auszubrechen.

Die Regisseurin über ihren Film:

Diese Geschichte entstand aus dem Wunsch heraus, meine Stadt zu schildern: Mailand. Ich habe Mailand als Teenager erlebt, dann bin ich weggegangen und wollte nun eine Stadt mit der Energie und den Augen junger Menschen erzählen. Die Helden dieser Geschichte sind drei Freunde mit ihren Träumen, auf der Suche nach ihrem Platz in der Welt, nach Freiheit, nach der Bestätigung ihrer Einzigartigkeit, nach ihrer Art, die Welt und ihre Beziehungen zu erleben, auf der Suche nach einer anarchischen Liebe, nach der Befreiung von der Welt der Erwachsenen mit ihren Regeln, in denen diese drei keinen Platz finden. Denn sie sind einzigartig und unwiederholbar (wie du und ich) und die sozialen Zwänge der Stadt sind ihnen zu eng. Dies ist eine Geschichte von drei Jugendlichen mit einem stummen Erzähler, einer revolutionären Realistin und einem unverbesserlichen Träumer und ihren Abenteuern auf der Suche nach ihrer Zukunft, in einer romantischen und rauen, aber gleichzeitig unwiderstehlichen Stadt.

Paola Randi

Cheyenne – This Must Be The Place

ITA/FRA/IRL

2011

Paolo Sorrentino

Sean Penn, Frances McDormand, Judd Hirsch, Eve Hewson, Harry Dean Stanton, David Byrne

Der einst erfolgreiche Rockstar Cheyenne erfährt, dass sein Vater im Sterben liegt. Wegen Flugangst fährt er mit dem Schiff von Irland nach New York – und kommt zu spät. 30 Jahre hatte er keinen Kontakt, nun entdeckt er, dass der Vater Zeit seines Lebens den ehemaligen Auschwitz-Aufseher Alois Lange gesucht hat, der ihn, den Häftling, damals gequält hat. Cheyenne heftet sich an Langes Spuren.

Popkultur, NS-Verbrechen und das komplizierte Seelenleben eines abgehalfterten Rockstars: „Cheyenne ist eine Paraderolle für Sean Penn – ein Film voller wundervoller Rätsel und entrückter Bilder.“ (Süddeutsche Zeitung“

Ewige Jugend

ITA/FRA/CHE/GBR

2015

Paolo Sorrentino

Michael Caine, Harvey Keitel, Rachel Weisz, Paul Dano, Jane Fonda

Das Leben im eleganten Schweizer Sanatorium: Mick – Harvey Keitel – ist alt, aber noch immer als Regisseur im Geschäft. Hofft er zumindest, und versucht, seine langjährige Muse – Jane Fonda – für ein neues Projekt zu gewinnen. Fred – Michael Caine – ist alt, und als Dirigent will er nicht mehr arbeiten, auch nicht, wenn die Queen persönlich darum bittet.
Um diese beiden so gegensätzlichen Freunde spinnt Paolo Sorrentino sein fabelhaftes Panorama der Alten, der Alternden und der ewig Jungen und wird seinem Ruf als großartigem Geschichtenerzähler mehr als gerecht: Anekdoten, Episoden, kleine Aperçus flicht er zu einer großen, leichten, tiefen Mediation über das Leben zusammen

Die „visuelle Wundertüte verblüfft durch ein Füllhorn famoser Einfälle, geschliffener Dialoge sowie einem exzellenten Ensemble“ (programmkino.de) – und war mit vier Auszeichnungen großer Gewinner des Europäischen Filmpreises 2015.

La Grande Bellezza - Die große Schönheit

ITA/FRA

2013

Paolo Sorrentino

Toni Servillo, Carlo Verdone, Sabrina Ferilli, Carlo Buccirosso

Jep Gambardella, Journalist, ist seit gut vierzig Jahren Teil von Roms mondäner High Society. Vor Jahrzehnten ist ihm ein gefeierter Roman gelungen, dem er nie ein Zweitwerk hat folgen lassen. Dafür lässt er alles um sich wirbeln wie in einem magischen Kaleidoskop: Frauen, Reichtum, verschwenderische Abendessen in luxuriösen Anzügen. Aber Jep blickt zugleich hinter die Fassade dieses Nobellebens der Oberflächlichkeit. Das rauschende Fest seines 65. Geburtstages markiert den Anlass, die fehlende Substanz anzuzweifeln, den Sinn zu hinterfragen, die eigene Vergänglichkeit anzuerkennen. Und so zeigt dieses hinreißende, klarsichtige Gesellschaftsporträt die prächtige Schönheit des Luxus – und verdeutlicht zugleich die Exzesse der Dekadenz.

Ein Film wie ein zauberhaftes Gedicht, zudem eine Hommage an Fellinis LA DOLCE VITA – 2014 gab es dafür den Oscar, den Golden Globe und vierfach den Europäischen Filmpreis.

La Grande Bellezza – Die große Schönheit (Extended Version)

ITA/FRA

2013

Paolo Sorrentino

Toni Servillo, Carlo Verdone, Sabrina Ferilli, Carlo Buccirosso

Jep Gambardella, Journalist, ist nun seit gut vierzig Jahren Teil von Roms mondäner High Society. Vor Jahrzehnten ist ihm ein gefeierter Roman gelungen, dem er nie ein Zweitwerk hat folgen lassen. Dafür lässt er alles um sich wirbeln wie in einem magischen Kaleidoskop:  Frauen, Reichtum, verschwenderische Abendessen in luxuriösen Anzügen. Aber Jep blickt zugleich hinter die Fassade dieses Nobellebens der Oberflächlichkeit. Das rauschende Fest seines 65. Geburtstages markiert den Anlass, die fehlende Substanz anzuzweifeln, den Sinn zu hinterfragen, die eigene Vergänglichkeit anzuerkennen. Und so zeigt dieses hinreißende, klarsichtige Gesellschaftsporträt die prächtige Schönheit des Luxus – und verdeutlicht zugleich die Exzesse der Dekadenz. Ein Film wie ein zauberhaftes Gedicht, zudem eine Hommage an Fellinis LA DOLCE VITA – 2014 gab es dafür den Oscar, den Golden Globe und vierfach den Europäischen Filmpreis.
Wir zeigen die gegenüber der Kinofassung um 30 Minuten längere, von Paolo Sorrentino erstellte Extended Version des Films.

Referentin: Anja Guck-Nigrelli

 

La Grazia

ITA

2025

Paolo Sorrentino

Toni Servillo, Anna Ferzetti, Orlando Cinque, Massimo Venturiello

Mariano De Santis, Präsident der italienischen Republik, steht am Ende seiner Amtszeit. Auf seinem Schreibtisch liegen zwei Gnadenersuche und ein – von seiner Tochter ausgearbeiteter – Gesetzentwurf zum Thema Sterbehilfe. Er zögert seine Entscheidungen hinaus – nicht, um ihnen auszuweichen, sondern um Muße zu haben für seine Gedanken, die in die Vergangenheit und in philosophische Gefilde um Recht, Gerechtigkeit und Verantwortung schweifen.

„Ein Staatspräsident, der Gangster-Rap hört und verurteilte Mörder im Gefängnis besucht, kann nur eine Kinofigur sein. Paolo Sorrentino hat sie sich ausgedacht: LA GRAZIA ist einer seiner besten Filme.“ (FAZ)

Parthenope

ITA/FRA

2024

Paolo Sorrentino

Celeste Dalla Porta, Silvio Orlando, Luisa Ranieri, Peppe Lanzetta, Gary Oldman

Parthenope – Name einer Sirene in der griechischen Mythologie und Stadtgöttin von Neapel. So heißt die Studentin, deren Leben der Film verfolgt: Sie strahlt einen Zauber aus, dem sich kein Mann entziehen kann – selbst ihr Bruder stürzt sich, besessen von ihrer Schönheit, von einer Klippe. Zugleich strebt sie als Anthropologin nach Wissen, lässt sich ihre Unabhängigkeit nicht nehmen.

Rund um die Trias Schönheit, Jugend und Vergänglichkeit erschafft Sorrentino ein sonnendurchtränktes, bildgewaltiges Denkmal an seine Geburtsstadt Neapel – ein märchenhaft-allegorischer Traum.

Cäsar Muss Sterben

ITA

2012

Paolo und Vittorio Taviani

Kunst ist eine Möglichkeit, sich geistige Freiheiten zu verschaffen. Wenn man hinter Gefängnismauern sitzt so wichtig wie die Nahrungsaufnahme. Das zumindest stellen die beiden italienischen Regie-Altmeister unter Beweis, die sechs Monate lang die Proben zu William Shakespeares „Julius Cäsar“ begleitet haben. Der Film, Gewinner der Berlinale 2012, wurde im Hochsicherheitstrakt der römischen Haftanstalt Rebibbia erarbeitet und inszeniert. Die Schauspieler, ausnahmslos Insassen dieses Gefängnisses, kamen dabei meist zum ersten Mal in Berührung mit dem Theater – und mit ihren eigenen Gefühlen…

Eine private Angelegenheit – Una questione privata

ITA

2017

Paolo und Vittorio Taviani

Luca Marinelli, Lorenzo Richelmy, Valentina Bellé, Giulio Beranek, Francesca Agostini

Paolo und Vittorio Taviani, die beiden großen Protagonisten des europäischen Autorenkinos, kehren in ihrem letzten gemeinsamen Film (Vittorio ist im April 2018 gestorben) noch einmal zurück in die Endphase des Zweiten Weltkriegs. Wie in ihrem Meisterwerk DIE NACHT VON SAN LORENZO erzählen sie eine packende Geschichte von Mut und Widerstand, Freundschaft und Liebe in Kriegszeiten, nach dem gleichnamigen Roman von Beppe Fenoglio.
Der junge Partisan Milton ist in der nebligen Landschaft des Piemont unterwegs. Er sucht seinen Freund Giorgio, gleichzeitig sieht er ihn als Konkurrenten in seiner Leidenschaft für Fulvia, jene junge Frau, die sich längst in den Norden abgesetzt hat, aber in den Träumen der beiden präsent bleibt. Es ist die Zeit der zu Ende gehenden Faschistenherrschaft, verschiedene Widerstandsgruppen kämpfen gegen die deutschen Truppen und die einheimischen Schwarzhemden. Alle haben den Überblick verloren, leben im Nebel einer Zeit, in der niemand sicher sein kann, ob der andere Freund oder Verräter ist.
„In Italien – und nicht nur dort – prägen rechte Populisten derzeit wieder die Politik. Davon, wohin das auch in ihrem Land geführt hat, haben die Gebrüder Paolo und Vittorio Taviani in Filmen erzählt, die das europäische Autorenkino mitgeprägt haben, allen voran in LA NOTTE DI SAN LORENZO. Was schleichend sich etablierte, endete im Faschismus und im Zweiten Weltkrieg. Höchste Zeit, sich zu besinnen. Es ist, als wollten die beiden daran erinnern, wenn sie in UNA QUESTIONE PRIVATA noch einmal in die Zeit des Widerstands gegen die Faschisten blenden. Sie tun es auf der Basis des 1963 erschienenen autobiografischen Romans von Beppe Fenoglio, der seinerseits zu Italiens Schlüsselwerken gehört. In einprägsamen Bildern und einem unaufgeregten Rhythmus zeigen Paolo und Vittorio Taviani, dass am Ende die Liebe und die Freundschaft zählen. Gleichzeitig führen sie vor Augen, wie das Gedankengut der Populisten in die Irre führt. Eine der verrücktesten Figuren im Film ist ein todgeweihter Gefangener, der in den Bergen mit einem Schlagzeug-Singsang durchdreht.“
Walter Ruggle, Schweizer Filmkritiker

Die Überglücklichen – La pazza gioia

ITA

2016

Paolo Virzì

aleria Bruni Tedeschi, Micaela Ramazzotti, Valentina Carnelutti

Ein Film, der so viel Lebensfreude versprüht, dass man dringend verrückt werden möchte: Maria Beatrice Morandini Valdirana ist Gräfin und Quasselstrippe. Seitdem sie sich in einen Berufsverbrecher verliebt hat, muss sie sich in der rustikalen Villa Biondi psychologischer Behandlung unterziehen. Als die junge Donatella, die außerhalb ihres eigenen Universums kaum anzutreffen ist, dort ebenfalls Patientin wird, nimmt Beatrice die gebrochene Frau unter ihre Fittiche. Alsbald ergibt sich eine seltene Gelegenheit: Beatrice und Donatella büchsen aus. Dicht gefolgt von einem Dutzend Psychologen jagen sie durch die Toskana.
Zwischen bipolaren Glücksschüben, manischer Zielstrebigkeit und zwanghafter Furchtlosigkeit suchen sie das Glück bei ihrem Ausflug in dieses Freiluft-Irrenhaus, das man viel zu oft mit der Realität verwechselt. Ein großartig gewitztes Zeitbild italienischer Gegenwart und das Portrait einer furiosen Frauenfreundschaft, die uns vor dem Irrsinn rettet.
Einführung: Dott.ssa Allessandra Volpe, Romanisches Seminar, Universität Mannheim

Jeff Koons – A Private Portrait

ITA

2023

Pappi Corsicato

Dokumentarfilm

Er gehört sicher zu den bekanntesten zeitgenössischen Künstlern – denn sein Werk ist zwischen Kitsch, Kunst und Kommerz angesiedelt und sorgt für Amüsement und Skandal. In seinen (teuer gehandelten!) Gemälden und Objekten beschäftigt sich Jeff Koons immer wieder mit Themen wie Unschuld, Schönheit, Sexualität und Glück. Seine Arbeiten sind inhaltlich für jeden Betrachter sofort zugänglich, und seine quietschbunten Hasen, Welpen, Zwerge aus Porzellan, Metall oder Grünpflanzen ziehen die Blicke in jeder Ausstellung ebenso auf sich wie die von ihm dargestellten Berühmtheiten, ob Porno-Star oder Pop-Musiker. Geboren 1955 in einer Kleinstadt in Pennsylvania/USA faszinieren ihn Kunst und Design sehr früh, und seine ersten Arbeiten zeigt er in den Schaufenstern des elterlichen Möbelhauses. Ein Kunststudium und eine zweitweise Anstellung im MoMa New York bestärken Jeff Koons darin, als freischaffender Künstler zu arbeiten. Ab seiner ersten Einzelausstellung 1985 in einer New Yorker Galerie sorgen seine Werke für kontroverse Kritiken. Der Film gibt einen guten Einblick in die spannenden Produktions- und Kommunikationsmethoden des umstrittenen Künstlers.

Bakjwi - Durst

ROK

2009

Park Chan-wook

Kang-ho Song, Ok-vin Kim, Hae-sook Kim

Durst beginnt mit einer per den Pointe: der Geburt des Vampirismus aus dem Geist der Nächstenliebe. Sang-hyun, ein katholischer Priester aus Südkorea, meldet sich freiwillig als Testperson für ein christliches Forschungsprojekt. Als er durch eine künstliche Virusinfektion stirbt, erweckt ihn eine Bluttransfusion zu neuem Leben. Durch das fremde Blut wird der Geistliche zum – zunächst noch christlichen – Vampir. Aber kann man Gutes tun, wenn man zum Überleben schlecht sein muss? Bald lassen sich Katholizismus und Vampirismus aber nicht mehr verbinden. Das überraschende Meisterwerk eines genialen Filmemachers, eine groteske Lovestory voller Poesie und zugleich ein düsterer Vampir-Film.

Durst

Durst KOR

2009

Park Chan-Wook

Song Kang-ho, Shin Ha-kyun, Kim Ok-bin

Im neuesten Werk von Park Chan-Wook unterstützt ein katholischer Priester ein Forschungsprojekt, das ein Heilmittel gegen ein tödliches Virus sucht. Das medizinische Experiment geht schief, der Geistliche stirbt. Nach einer Blutinfusion erwacht er wie durch ein Wunder wieder zum Leben, allerdings als Vampir. Der tief gläubige Mann ist fortan hin- und hergerissen zwischen seiner Gier nach Blut und seiner Berufung als Priester. Er kehrt in seine Heimat zurück, trifft dort einen alten Freund und vor allem dessen Frau, zu der er sich hingezogen fühlt. Die junge Frau sieht in seiner „Veranlagung“ die Chance, mit seiner Hilfe ihren ungeliebten Mann los zu werden. Aus dem einst frommen Mann wird ein hemmungsloser Mörder. Das düstere Opus hat auf dem Filmfestival in Cannes in diesem Jahr den Großen Preis der Jury gewonnen.

I'm A Cyborg But That's Ok

KOR

2006

Park Chan-wook

Su-jeong Lim, Rain, Hie-jin Choi, Byeong-ok Kim, Dal-su Oh

Young-gun ist ein Cyborg – das ist zumindest ihre Meinung. Nach einem Unfall bei einem Energieladevorgang, der wie ein Selbstmordversuch wirkt, wird sie in eine Psychiatrie eingeliefert. Dort trifft sie auf den Masken tragenden Il-soon, einen begabten Dieb, der nicht nur in der Lage ist, Wochentage zu stehlen, sondern auch die Fähigkeiten und Charakterzüge anderer Leute. Nachdem Young-gun ihn bittet, ihre Sympathie zu stehlen, entwickelt er Interesse an der jungen Frau. Da sich Young-gun weigert, andere Nahrung als Batterien zu sich zu nehmen, versucht er sie vor dem Hungertod zu retten. Fantasiereiches Märchen aus den Händen von Park Chan-wook („OLD BOY“).

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