Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Mauer

FRA/ISR

2004

Simone Bitton

Der Titel sagt exakt, worum es in dem Dokumentarfilm von Simone Bitton, einer aus Marokko stammenden Jüdin geht: Um eine Mauer. Es ist diejenige, die Israel derzeit zwischen sich und den palästinensischen Gebieten errichtet. Die Filmemacherin greift damit eines der politisch brisantesten Themen der Welt auf und sucht doch einen Zugang, der so unpolitisch und so nahe am Leben ist wie möglich. In einem klassisch dokumentarischen Ansatz folgt der Film der Mauer der Trennung, die eine der historisch bedeutendsten Landschaften zerstört, indem sie das eine Volk einsperrt und das andere eingrenzt. Auf der Baustelle dieser irrsinnigen Mauer trotzen tägliche Ansprachen und heilige Gesänge – auf Hebräisch und Arabisch – dem Diskurs des Krieges inmitten des ohrenbetäubenden Lärms der Bulldozer. MUR erlaubt dem Zuschauer einen letzten Blick auf die Schönheit dieser Landschaft und die Menschlichkeit seiner Bewohner, bevor sie hinter der Mauer verschwinden.

Haus der Stille

DEU

2023

Simone Geißler

Simone Geißler, Aaron Thiesse, Lutz Scheffer, Cosma Dujat, Anna Motzel

Eine Autorin zieht sich in die Abgeschiedenheit der Lüneburger Heide zurück, um an ihrem neuen Roman zu arbeiten, der auf autobiografischen, traumatischen Erlebnissen basiert. Doch es geschehen mysteriöse Vorfälle – offenbar wird sie von einem Mann verfolgt, der ihre Erinnerungen genau zu kennen scheint und sie damit an den Rand der physischen und psychischen Grenzen bringt.
In ihrem feministischen Psychodrama verschiebt Schauspielerin Simone Geißler (die in ihrem Regiedebüt auch die Hauptrolle übernahm) die Grenzen zwischen Realität und Alptraum, wenn die Protagonistin sich der Bedrohung stellen und das Risiko eingehen muss, tief in die Abgründe ihrer Angst zu tauchen.

11 Architekten über Friedensreich Hundertwasser

DEU

2007

Simone Wendel

Elf deutsche namhafte Architekten sprechen über ihre unterschiedlichen Einschätzungen zu Hundertwassers architektonischem Werk und äußern offen ihre Meinung zu dem beliebten Künstler. Fragen wie „können 90% aller Menschen irren, die von Hundertwassers Architektur begeistert sind, oder ist moderne Architektur nur etwas für wenige Auserwählte?“ fordern die Architekten auf, Stellung zu beziehen und geben dem Zuschauer die Möglichkeit, durch die Vielzahl der Standpunkte, sein Bild über Hundertwasser zu formen und ebenfalls über die Macher der zeitgenössischen Architektur nachzudenken. (also leider ab 18 Jahren)

Kings of Kallstadt

DEU

2014

Simone Wendel

Was verbindet Immobilien-Tycoon Donald Trump und die Heinz- Tomaten-Ketchup-Dynastie? Ihre Vorfahren stammen aus Kallstadt in der schönen Pfalz. Der geballte Unternehmergeist muss in den Genen stecken, so jedenfalls lautet die These oder zumindest der Impetus der Filmemacherin Simone Wendel – ebenfalls Kallstadterin, selbstredend. Die Pfälzer waren schon seit jeher mit sehr viel Selbstbewusstsein gesegnet, es gibt sogar BGH-Urteile über die Gerissenheit dieser besonderen Spezies. Die Gerissenheit unserer Regisseurin hier geht immerhin soweit, dass sie Herrn Trump in persona vor die Kamera zerrt.
Natürlich kommen auch die wahnsinnigen Kallstadter zu Wort, die natürlich wissen, warum Trump und Heinz in Amerika so groß sind. Super Nebenerkenntnis dieses Films: Die Pfälzer pflegen ein derart aktives Dorfleben, das sogar mehr Vereinsmitglieder als Einwohner zählt. Am Ende wird ein ganzes Kaff nach New York eingeladen. OMG! Sie sollen an der deutsch-amerikanischen Steuben-Parade teilnehmen, und das mitten in der Weinlese…
Für einen Pfälzer ein „no go“, aber auch hier gilt es, einmal mehr auf die pfälzische Schläue zu vertrauen. Die Trauben kommen schon irgendwie in den Zuber, auch wenn halb Kallstadt auf dem so genannten „Sauerkraut Boulevard“ rumhängt…

Kings of Kallstadt – Ein Film über Dorfliebe und Größenwahn

DEU

2014

Simone Wendel

Kallstadt ist ein Dorf in der Pfalz. Viel mehr als Weinköniginnen und Kerwe kann es hier nicht geben, sollte man denken. Doch in Kallstadt liegen die Wurzeln zweier großer US-amerikanischer Dynastien: Die Vorfahren der Ketchup-Familie Heinz sowie die von Präsident Donald Trump. Liegt ein Geheimnis in diesem unscheinbaren Ort, in dem es mehr Vereinsmitglieder als Einwohner gibt? Simone Wendel porträtiert das Dorf, aus dem sie selbst stammt, und reist mit einer Delegation aus Kallstadt nach Amerika, um einer Einladung zur deutsch-amerikanischen Parade Folge zu leisten; zum denkbar ungünstigsten Augenblick: mitten in der Weinlese. Gedreht wurde lange, bevor Donald Trump seine Absichten erklärte, USPräsident zu werden – sonst hätte ihn Simone Wendel auch kaum vor die Kamera bekommen: Das war zu Zeiten, als Kuchen und Wein noch geholfen haben, in den 26. Stock des Trump-Towers zu gelangen…
Zur Amtseinführung zeigen wir diesen witzigen, liebevollen Dokumentar-Heimatfilm, der durch den Lauf der Geschichte noch einmal eine ganz andere Bedeutung erhalten hat.
Im Anschluss Gespräch mit den Filmemachern

God Man Dog

TWN

2007

Singing Chen

Tarcy Su, Jack Kao, Chang Han

Sowohl Göttern als auch Hunden wird in Taiwan Respekt und Mitgefühl entgegen gebracht. Warum gibt es dann für den Menschen keine Erlösung? Weder für Ching, die ihre Trauer über den Verlust ihres Kindes nicht überwinden kann, noch für den alkoholabhängigen Biung mit Frau und Tochter, die weit entfernt lebt, noch für den Mann, der herrenlose Buddhastatuen repariert, noch für den durch die Lande ziehenden Jungen Xian. Allen gemeinsam ist ihr Versuch, sich der drohenden Verzweiflung mit Hilfe der Religion zu entziehen. Der Regisseurin Singing Chen gelingt mit diesem Film ein kleines Wunder. Sie schafft es, die verschiedenen Handlungsstränge wie Bälle beim Jonglieren so in der Luft zu halten, dass sich ihre Flugbahnen auf wundersame und unerwartete Weise kreuzen. Bilder von erstaunlicher Schönheit entwickelt, deren Magie durch graziöse Leichtigkeit und eine geradezu unheimlich rhapsodische Form besticht. (also ab 18)

Exte

JAP

2007

Sion Sono

Chiaki Kuriyama, Ren Osugi, Miku Sato

In einer Kleinstadt treiben blutrünstige Haarverlängerungen ihr Unwesen: Am modischen Kopf ihres neuen Besitzers angebracht, entwickeln sie schnell ein mörderisches Eigenleben. Die Spuren führen zu Totenwächter Yamazaki. Als der kahlköpfigen Leiche eines Mädchens meterlange Haare aus den Wunden sprießen, entführt der Haarfetischist sie zu sich nach Hause. Bürstend und striegelnd verbringt er seine Zeit mit ihr und verkauft schließlich Teile der unglaublichen Haarpracht an den Friseursalon Gilles de Rais, in dem auch die langhaarige Yuko arbeitet… Mit der Schauspielerin Chiaki Kuriyama, die als persönliche Leibwächterin von O-Ren Ishii (Lucy Liu) in Quentin Tarantinos KILL BILL Vol. 1 für Aufsehen sorgte.

Guilty Of Romance

JAP

2011

Sion Sono

Kanji Tsuda, Megumi Kagurazaka, Miki Mizuno

Izumi ist eine gewöhnliche Hausfrau, deren Alltag und Ehe seit vielen Jahren reine Routine ist. In ihrem Leben und in ihrer Beziehung zu ihrem Mann gibt es keine Romantik, keine Lei-denschaft. Jede Stunde ähnelt der anderen, jede Berührung scheint einstudiert. Eines Tages beschließ Izumi, ihre Sehnsüchte und sexuellen Wünsche nicht länger zu unterdrücken, sondern sie endlich auszuleben… Eine „wilde Mixtur aus Thriller und Melodram, aus Bataille, und Kafka …, garniert mit an italienische „gialli“ erinnernden Farbexplosionen… So überbordend von Ideen, Formexperimenten und anderen Exzentritäten ist im an Talenten nicht ge-rade armen Japan sonst kein Regisseur und selbst weltweit muss man lange suchen, bis man solch eine Lust am Kino auf der Leinwand zu sehen bekommt“, meint Kritiker Joachim Kurz.

Love Exposure

JPN

2008

Sion Sono

Takahiro Nishijima, Hikari Mitsushima, Sakura Ando

Yu ist eigentlich ein braver Schüler, doch um bei seinem Priester-Vater die Beichte ablegen zu können, begeht er absichtlich Sünden – vor allem sexuelle Entgleisungen scheinen bei seinem Vater gut anzukommen. Als Yu bei einem seiner voyeuristischen Streifzüge – in Frauenkleidung – auf seine große Liebe Yoko trifft, wird es allerdings kompliziert: Sie ist die Tochter der Affäre seines Vaters, die von nun an mit ihm unter einem Dach lebt. Als seine ganze neue Familie von einer wahnsinnigen Sekte gekidnappt wird, beginnt für Yu der große Kampf um seine Liebe. Sion Sono, avantgardistischer Filmpoet, mischt in LOVE EXPOSURE Katholizismus und Perversion, Beethoven und japanische Popkultur, Kampfkunst und Liebesdrama zu einem entfesselten, faszinierenden Kinorausch.
Einführung: Jost Henze

The Whispering Star

JAP

2015

Sion Sono

Megumi Kagurazaka, Kenji Endo

In einer fernen Zukunft ist der Mensch zu einer bedrohten Spezies geworden. Durch den unaufhaltbaren technischen Fortschritt bestehen mittlerweile 80 Prozent der Bevölkerung aus Robotern mit künstlicher Intelligenz. Auch die Androidin Yoko Suzuki, Kennziffer 722, zählt dazu. Als interstellares Botenmädchen fliegt sie von Planet zu Planet, um den Menschen, die jetzt an den entlegensten Orten des Universums wohnen, scheinbar banale Pakete zu überbringen: einen Hut, ein Stift oder ein altes Foto – Erinnerungen aus längst vergangenen Zeiten. In ihrem Raumschiff geht Yoko immer denselben Ablauf durch, während sie jahrelang unterwegs zum nächsten Ziel ist. Mit der Zeit findet sie heraus, was es wirklich bedeutet, ein Mensch zu sein…

Tokyo Tribe

JPN

2014

Sion Sono

Akihiro Kitamura, Ryôhei Suzuki

Im Tokio der nahen Zukunft beherrschen die sogenannten Tokyo Tribes die Stadt. Die rivalisierenden Clans ziehen durch die Ghettos, Slums und Nachtclubs, um ihr jeweiliges Territorium zu verteidigen: Sie führen einen brutalen Krieg um die Vorherrschaft in der Unterwelt. In Tokyo Tribe fliegen Worte als Reime über die Bildfläche: Japans Who’s who des Hip-Hop gibt sich in dieser opulenten Rap-Oper die Ehre und verleiht dem Mythos der Bandenkriege einen neuen, kunstvoll-rotzigen Glanz. Regie-Exzentriker Sion Sono („Love Exposure“) verbindet Hip-Hop und Martial Arts zu einer zynischen Gewaltorgie nach einer Manga-Vorlage von Santa Inoue.

Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt

Slatan Dudow

Hertha Thiele und Ernst Busch

Bertolt Brecht interessierte sich früh für das neue Medium Film und machte sich 1931 gemeinsam mit dem Regisseur Slatan Dudow und dem Komponisten Hanns Eisler an ein eigenes Filmprojekt: KUHLE WAMPE ODER: WEM GEHÖRT DIE WELT? Der Film erzählt die Geschichte der Berliner Arbeiterfamilie Bönicke, die während der Weltwirtschaftskrise aus ihrer Wohnung vertrieben wird und in die Gartenkolonie “Kuhle Wampe” zieht. Formal setzen Brecht und Dudow dabei auf die Montagetechnik, die von Sergej Eisenstein entwickelt worden war. Unmittelbar nach der Fertigstellung verhinderte die Zensur zunächst die Uraufführung, 1933 verboten die Nationalsozialisten KUHLE WAMPE endgültig. Heute gilt das Werk als Meilenstein des politischen Kinos. Einführung: Dr. Peter Bär

Anxiety

POL/DEU/CHE

2023

Sławomir Fabicki

Magdalena Cielecka, Marta Nieradkiewicz, Sabine Timoteo

Zwei gegensätzliche Schwestern: Małgorzata ist organisiert, entschlossen, karriereorientiert. Łucja dagegen ist impulsiv, suchend, eine erfüllte Mutter. Das Leben hat sie in unterschiedliche Richtungen geführt – doch sie unternehmen gemeinsam die wichtigste aller Reisen, als Łucja die todkranke Małgorzata in eine Klinik für Sterbebegleitung in die Schweiz bringt. Beide Schwestern haben unterschiedliche Absichten: Małgorzata möchte die Welt zu ihren eigenen Bedingungen verlassen, Łucja hofft, ihre Schwester davon zu überzeugen, für ihr Leben zu kämpfen.

Ein Roadmovie mit dem Lebensende als Ziel: „Ich bin keiner dieser Regisseure, die das Geschichtenerzählen feiern“, sagt Regisseur Sławomir Fabicki, „es ist das ‚Charaktererzählen‘, das mich interessiert.“ So lebt der Film von der Dynamik zwischen den Schwestern, deren gegenseitige Liebe zugleich egoistisch bleibt – und sich vielleicht doch weiterentwickelt.

Sleepy Hollow

GBR/DEU

1999

Tim Burton

Johnny Depp, Christina Ricci, Miranda Richardson, Michael Gambon, Christopher Walken, Christopher Lee

Police Constable Ichabod Crane setzt im New York des Jahres 1799 auf moderne Methoden – zu modern für den Chef. Er wird nach Sleepy Hollow versetzt, um eine geheimnisvolle Mordserie aufzuklären. Dort geht die Legende, dass ein untoter hessischer Söldner als kopfloser Reiter umherzieht und wahllos Menschen umbringt. Ichabod Crane muss seine Methoden der Logik und Rationalität auf den Kampf gegen das Übernatürliche der Unterwelt umstellen…

Tim Burton adaptiert für dieses Horrormärchen frei Washington Irvings Erzählung „The Legend of Sleepy Hollow“ von 1820 (die wiederum von der deutschen Romantik beeinflusst war). Burton lässt dabei seinen düster-makaber-schwarzhumorigen Fantasien freien Lauf – Oscar für das beste Szenenbild!

So sind wir, so ist das Leben - Toni, en famille

FRA

2003

Nathan Ambrosioni

Camille Cottin, Léa Lopez, Thomas Gioria, Louise Labèque, Oscar Pauleau, Juliane Lepoureau

Vor 20 Jahren war Toni ein Pop-Star, heute steht die Familie im Mittelpunkt: Fünf Kinder verschiedener Altersstufen, die sie alleine erzieht. Die großen und kleinen Sorgen der sechs Familienmitglieder bilden einen bunten Alltag, in dem die meisten Probleme mit Bravour gemeistert werden. Doch bald ziehen die beiden Ältesten aus und Toni steht vor der großen Frage: Was, wenn das Nest irgendwann leer ist? Ein musikalisches Comeback? Oder ein längst verschollenes Studium wiederaufnehmen? Mit einer unwiderstehlichen Leichtigkeit balanciert der Film die Bedürfnisse seiner Charaktere aus und bleibt dabei stets unterhaltsam, ohne an Authentizität einzubüßen. Eine beeindruckende Leistung des französischen Nachwuchstalents Nathan Ambrosioni, der den Schnitt, das Drehbuch und die Regie übernahm. Es ist bereits der vierte Langfilm von Ambrosioni, der 1999 geboren wurde.

Die Einsamkeit der Großstädter*innen

DEU

2024

Sobo Swobodnik

Margarita Breitkreiz, Sarah Sandeh, Rebecca Rudolph, Susana AbdulMajid

Auf der Suche nach Kommunikation, Auseinandersetzung, Aufmerksamkeit, Gesehenwerden, Lust, Begierde, Sex und ja, auch Liebe: als postpandemischer „Reigen“ im Dating-Zeitalter kommt dieser hybride dokumentarische Spielfilm daher. „Karate“ kontaktiert über Dating-Apps zehn unterschiedliche Frauen, trifft sie, um der Einsamkeitswüste der Großstadt in Krisenzeiten zu entkommen. Und erfährt in diesen ganz unterschiedlichen Begegnungen viel über Leben, komplexe Beziehungsstrukturen, Einsamkeit, sich selbst.

Die Dialoge des Films sind größtenteils den realen Chats zwischen den kommunizierenden Frauen entnommen – „das Werk steckt voller treffender Beobachtungen über modernes Dating, über sich wandelnde Bedürfnisse und Beziehungsmuster und nicht zuletzt über gesellschaftliche Erwartungen.“ (kino-zeit.de)

Gegen den Strom – Abgetaucht in Venezuela

DEU

2019

Sobo Swobodnik

Ein Film über ein Land im Umbruch, über ein transatlantisches Musikprojekt, über zerplatzte und aufrechterhaltene linke Utopien und das Leben als Mitglied einer terroristischen Vereinigung: Thomas Walter wird seit 25 Jahren als linksradikaler Terrorist von der Bundesstaatsanwaltschaft per Haftbefehl gesucht. Im Frühjahr 2017 ist er aus dem illegalen Untergrund aufgetaucht mit einem Asylantrag in Venezuela. Als Musik- und Lebenskünstler komponiert er dort Lieder, oftmals zusammen mit dem aus Heidelberg stammenden Mal Élevé, Ex-Sänger der Band Irie Révoltés: Songs über eine Welt ohne Grenzen, über Hierarchien und Ausbeutung, über Rassismus und Widerstand.
Sobo Swobodnik – seine Tochter ist eine Nichte von Thomas Walter – reiste in die venezolanischen Anden, um Walters Geschichte von Untergrund, Flucht und Illegalität zu erfahren und sein Leben in der schwierigen Situation Venezuelas festzuhalten. Dabei bietet der Film Thomas Walter nicht einfach ein unkritisches Podium, sondern stellt einer gewissen Selbstromantisierung die brachiale Lebenssituation gegenüber.

Ramba Zamba

DEU

2ß22

Sobo Swobodnik

RAMBA ZAMBA ist in Dokumentarfilm über Inklusion, Diversität, Integration und Partizipation anhand des Berliner Theaters RambaZamba, das seit über 30 Jahren die Zusammenarbeit von behinderten und nicht behinderten Menschen lebt. Und der Film ist zugleich selbst Teil des inklusiven künstlerischen Programms, bei dem sich der integrative Ansatz der Theaterarbeit im filmischen Prozess fortsetzt – eine beobachtende Dokumentation, in der das Theater aus sich selbst heraus geschildert wird. Es geht nicht um Beeinträchtigung, sondern um den einzigartigen Menschen, um seine Kreativität, Ausdrucksfähigkeit und Gestaltungskraft – nicht anders, sondern besonders.
Im Anschluss Gespräch mit Ursula Frenz, Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen der Stadt Mannheim, und Kristina Funk, Vorständin Lebenshilfe Region Mannheim-Schwetzingen-Hockenheim e.V.

Die Verführten

USA

2017

Sofia Coppola

Colin Farrell, Nicole Kidman, Kirsten Dunst, Elle Fanning, Oona Laurence, Angourie Rice, Emma Howard

Eine Mädchenschule in Virginia. Teil der Südstaaten, die im Bürgerkrieg gegen die Yankees kämpfen. Die Front ist nahe. Und plötzlich ist da dieser verletzte Soldat. Ein Feind, einer aus dem Norden. Die Schulleiterin entscheidet, ihn in Pflege zu nehmen – ein Mann, ein Gegner in einem Haus voller Frauen. Die Lehrerinnen und Schülerinnen buhlen alsbald um seine Aufmerksamkeit – halten ihn aber zugleich gefangen.
In ihrer ästhetisch feinfühligen Verfilmung des Romanes A Painted Devil – den Don Siegel schon 1971 mit Clint Eastwood in der Rolle des verwundeten Objektes von Begierde, Hass, Rache und Verführung verfilmt hat – betont Sofia Coppola die aktive Rolle der Frauen: In tiefe Gefühlsverwirrungen gestürzt durch die Störung des Gleichgewichtes, durch Begehren, Pflicht, Nächstenliebe und Selbsterhaltung, wird aus dem erotischen Chaos eine Geschichte von Macht und Ermächtigung.

Lost in Translation

USA

2003

Sofia Coppola

Bill Murray, Scarlett Johansson, Giovanni Ribisi, Anna Faris

Whisky-Werbung in Japan: Das Refugium alternder US-Filmstars, die sich auf einfache Art was dazuverdienen. Bob Harris wohnt eine Woche im Hotel in Tokio, für die Zeit des Werbedrehs. Und er langweilt sich zu Tode. Bis er die Amerikanerin Charlotte kennenlern, jung, lebendig, frisch verheiratet mit einem Boulevardfotografen. Während ihr Mann tagsüber arbeitet, sitzt sie allein im Hotel; und die beiden Verlorenen in einem fremden Land finden einander, werden zu Komplizen in ihrer Einsamkeit…
Der alternde Star, dessen Ehe zerrüttet ist, die junge Frau, die am Anfang ihrer Lebenspartnerschaft steht, das fremde Land mit fremder Sprache und Kultur, die Isolation im Hotel: Aus einfachen Faktoren baut Sofia Coppola – die in den 1990ern in Tokio ein Modeunternehmen gegründet hatte – ihren großen Erfolgsfilm auf, der ihr unter anderem einen Drehbuchoscar einbrachte: Ein Kultfilm, in dem Bill Murray und Scarlett Johansson ihre Müdigkeit, ihre Sprachlosigkeit, ihre Verlorenheit zu einer platonischen Liebesromanze ausbauen.

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