Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Sage-homme

FRA

2023

Jennifer Devoldère

Karin Viard, Melvin Boomer

Medizin ist seine Leidenschaft, doch leider setzt Léopold die Aufnahmeprüfung in den Sand. Aus der Not heraus meldet er sich für eine Ausbildung zur Hebamme an. Widerwillig legt er die pinke Uniform an und begibt sich in eine völlig unbekannte Welt, die nicht nur größtenteils von Frauen bevölkert wird, sondern auch völlig neue Anforderungen an den jungen Mann stellt. Langsam gewöhnt er sich an den von Einfühlsamkeit geprägten Alltag. Gleichzeitig wächst die Sorge, was sein privates Umfeld von der ungewöhnlichen Berufswahl halten wird.

Ginger & Rosa

GBR

2012

Sally Potter

Elle Fanning, Alice Englert, Timothy Spall, Christina Hendricks, Annette Benning

London 1962: Die beiden Teenager Ginger und Rosa sind unzertrennlich. Ginger fühlt sich zu Poesie und politischem Protest hingezogen, während Rosa ihr zeigt wie man Zigaretten raucht, Jungs küsst und betet. Als Gingers Eltern sich im Streit trennen und Gingers Vater Roland ein besonderes Interesse an Rosa entwickelt wird ihre tiefe Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Mit GINGER & ROSA ist Sally Potter ein Film gelungen, der persönliche und politische Entwicklung auf faszinierende Weise verknüpft und gekonnt zusammenführt. Sie erzählt eine Coming-of-Age-Geschichte zwischen Liebe und Politik, Loyalität und Rebellion. Es geht um Freundschaft und Verrat, um Freiheit und Verantwortung, und um moralische und ethische Entscheidungen, die Menschen aufgrund ihres speziellen Wertesystems treffen. Ausgezeichnet beim Toronto Film Festival und beim Telluride Film Festival.

Orlando

GBR/FRA

1992

Sally Potter

Tilda Swinton, Quentin Crisp, Jimmy Somerville

Ein englischer Edelmann durchlebt wechselweise als Mann und Frau die vier Jahrhunderte zwischen der höfischen Zeit von Königin Elisabeth I. und dem London des 20. Jahrhunderts. Seine geschlechtsgebundenen Erfahrungen sind ein ironisch-kritisches Spiegelbild der gesellschaftlichen Vorherrschaft des Mannes und des wachsenden emanzipatorischen Bewusstseins der Frau. Eine mit ästhetischen Bildkompositionen und großer Schauspielkunst gestaltete Verfilmung des gleichnamigen Romans von Virginia Woolf.
Zum Vortrag von Lioba Schlösser am Sonntag, 12:15 Uhr

Buñuel – Im Labyrinth der Schildkröten

ESP/NLD/DEU

2018

Salvador Simó

Nach EIN ANDALUSISCHER HUND und DAS GOLDENE ZEITALTER war Luis Buñuel ein Star der surrealistischen Szene – und skandalträchtig. Für einen dritten Film fand er keinen Produzenten – bis der Bildhauer Ramón Acín im Lotto gewinnt. Und Buñuel für seinen dritten Film LAS HURDES – LAND OHNE BROT in die verarmte spanische Region Extremadura ging, um das karge Leben der Bewohner zu dokumentieren.
Basierend auf der gleichnamigen Graphic Novel erzählt Salvador Simó in Animationsform eine faszinierende Episode der Filmgeschichte: Er verbindet Buñuels unorthodoxe, radikale filmische Methoden mit biografischen Elementen und baut echtes Filmmaterial vom damaligen Dreh mit ein. Er mischt Dokumentarisches – vieles ist belegt – und Fiktives – dies aber stets in Buñuels surrealistischem Geist: „Ein Stück Kinogeschichte, so bizarr wie die Werke seiner Protagonisten – und Animation ist die konsequenteste Art, sie zu erzählen.“ (epd Film)

Taranta on the Road

ITA

2017

Salvatore Allocca

Nabiha Akkari, Helmi Drid, Alesiso Vassallo, Giandomenico Cupaiuolo, Emmanuele Aita

Kurz nach dem arabischen Frühling 2011 erreichen Amira und Tarek, zwei tunesische Migranten, die eigentlich nichts gemeinsam haben, die italienische Küste in Apulien. Durch Zufall treffen sie auf die lokale und reichlich erfolglose Musikband „Die Evangelisten“. Die drei Bandmitglieder halten die beiden Tunesier für ein Paar, das ein Kind erwartet, und entscheiden sich, ihnen zu helfen, Frankreich zu erreichen. Die Reise, die Angst, die Liebe, die unsichere Zukunft und der Wunsch, den eigenen Weg zu finden, verbinden alle in einer lebensverändernden Erfahrung in diesem Roadmovie, das sich zur romantischen Komödie entwickelt.

Ab heute sind wir ehrlich – L’ora legale

ITA

2017

Salvo Ficarra, Valentino Picone

Salvo Ficarra, Valentino Picone, Leo Gullotta, Vincenzo Amato, Tony Sperandeo

Die sizilianische Kleinstadt leidet unter der Misswirtschaft des langjährigen korrupten Bürgermeisters Gaetano Patanè, der politische Gegner mit allen Tricks rechtzeitig auszuschalten versteht. Bei den anstehenden Wahlen traut sich einzig der integre, aber unerfahrene Lehrer Pierpaolo Natoli, als Außenseiter gegen ihn anzutreten. Das Wunder geschieht: Er wird gewählt. Doch alsbald stellt sich heraus: Natoli meint es ernst mit seinen Wahlversprechen. Er regiert nach Ordnung und Ehrlichkeit. Dabei waren die alten Zeiten für viele so bequem…
Das sizilianische Komikerduo Ficarra und Picone, stets gemeinsam als Autoren, Regisseure und Hauptdarsteller ihrer Filme tätig, ist in Italien ungemein populär. Ihre freche Politsatire L’ORA LEGALE wurde zum größten Komödienerfolg des Jahres.

Unzertrennlich – Indivisibili

ITA

2017

Salvo Ficarra, Valentino Picone.

alvo Ficarra, Valentino Picone, Leo Gullotta, Vincenzo Amato, Tony Sperandeo

Viola und Daisy sind 18, musikbegabt – und siamesische Zwillinge, die an der Hüfte zusammengewachsen sind. In ihrem Heimatort Castel Volturno bei Neapel werden sie als glückbringendes Wunder der Natur verehrt. Ihr zwielichtiger Vater nutzt ihr Talent bei zahlreichen Auftritten aus, die die ganze Familie ernähren. Das geht so lange gut, bis Viola sich verliebt und die Zwillinge herausfinden, dass sie mit einer Operation getrennt werden könnten. Doch Eltern, Verwandte, Mitbürger, sogar die katholische Kirche, alle sehen nun ihre Interessen bedroht …
Eine bizarre Geschichte mit hypnotischer Bildsprache, zwischen krassem Realismus und Surrealismus, die untergründig auch komplexe Themen wie Identität und Individualität behandelt.

Der Tango Der Rashevskis

Sam Garbarski

Hippolyte Girardot, Ludmila Mikaël, Michel Jonasz

Die Rashevskis sind das, was man eine sehr liberale jüdische Familie nennen könnte. Doch als die Großmutter Rosa 81jährig verstirbt, sind ihre Kinder und Enkelkinder alles andere als vorbereitet. Denn obwohl Rosa ihr Leben lang Religion im allgemeinen und Rabbis im besonderen hasste, hat sie zur Überraschung aller ein Grab auf dem jüdischen Friedhof reservieren lassen. Eine nahezu unüberwindbare Schwierigkeit ist nun schon die Frage, nach welchem traditionellen jüdischen Ritus sie beerdigt werden kann. Für die Rashevskis beginnt mit dem Tod Rosas eine mehr oder weniger intensive Zeit religiöser Selbstfindung die von Ninas Proklamation, eine jüdische Familie gründen zu wollen, bis zu Ricas turbulenter Beziehung zu seiner muslimischen Freundin reicht. Noch komplizierter wird es, als Antoine, ein nichtjüdischer Freund der Familie, auf der Beerdigung Nina wiedertrifft und sich in sie verliebt. Als er erfährt, dass sie nur einen jüdischen Mann heiraten könne, versucht er natürlich, ein Lösung zu finden. Mit Humor, witzig und amüsant erzählt der Film die Geschichte der Rashevskis und ihrer Suche nach Bedeutung und Identität ihres jüdischen Erbes. In Frankreich war dieser Film der Überraschungserfolg des vergangenen Jahres. Großes Kino in berauschenden Bildern

American Beauty

USA

1999

Sam Mendes

Spacey, Annette Bening, Thora Birch, Wes Bentley, Mena Suvari.

Von außen scheint Lester Burnham alles zu haben, was man sich wünschen kann, doch hinter der Fassade sieht es ganz anders aus. Als er sich in Angela, die Freundin seiner Tochter, verliebt, beginnt für ihn ein neues Leben: Er wirft seinen Job hin, erfüllt sich lang unerfüllte Träume und fantasiert über eine Affäre mit Angela.
Sam Mendes erschuf mit AMERICAN BEAUTY eine großartige Vorstadt-Satire, die bei den Golden Globes drei Hauptpreise und fünf Oscar-Auszeichnungen für Regie, Drehbuch, Hauptdarsteller, Kamera und als bester Film gewann. Die Klischees der Seifenopern werden umgedreht und der amerikanische Traum als ein Scherbenhaufen hinterlassen.
Einführung: Robert Hörr

James Bond 007 - Skyfall

GBR/USA

2012

Sam Mendes

Daniel Craig, Javier Bardem, Ralph Fiennes, Naomi Harris

James Bonds Loyalität zu seiner Vorgesetzten M wird auf die Probe gestellt, als die resolute Chefin des MI6 von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt wird. M hat Daten verloren, die alle Agenten enttarnen können, die in terroristische Zellen eingeschleust wurden. Dadurch gerät der britische Geheimdienst ins Fadenkreuz eines Verbrechers, durch dessen Skrupellosigkeit viele Menschen ihr Leben lassen müssen. Nun liegt es an 007, die unheimliche Bedrohung aufzuspüren und aufzuhalten, die den gesamten Geheimdienst an den Rand des Zerfalls treibt. Und wie Bond schnell merkt, ist sein Gegenspieler kein Unbekannter, der darüber hinaus bestens mit der Vorgehensweise des MI6 vertraut ist – aus eigener Erfahrung. Der Agent im Dienste Ihrer Majestät setzt nun alles daran, dem Verbrecher das Handwerk zu legen. Es ist egal, zu welchem Preis – so lautet die Anweisung.
In diesem Bond ist alles drin, was einen Bond ausmacht – das Girl, der Bösewicht, die exotischen Schauplätze. Aber der Film fühlt sich anders an.
Vorgestellt von Dr. Gerhard Schneider

The Empire of Light

GBR/USA

2022

Sam Mendes

Olivia Colman, Micheal Ward, Colin Firth, Toby Jones, Crystal Clarke

Südengland, in den 1980er Jahren: Im altehrwürdigen Kino „Empire Cinema“ arbeitet Hilary, eine Frau mittleren Alters, die an einer bipolaren Störung leidet. Der Kinobesitzer nutzt dies schamlos aus, sowohl emotional als auch sexuell. Hilary lässt alles über sich ergehen, bis Stephen neu im Kino anfängt. Sie kommen sich näher, trotz des Altersunterschieds, trotz der Missbrauchserfahrungen, die Hilary belasten, trotz des Rassismus, dem Stephen als Afroeuropäer ausgesetzt ist.
Zwischen Romantik und Melancholie erzählt Sam Mendes (AMERICAN BEAUTY) von fragiler Liebe und flüchtigem Miteinander wie von Diskriminierung und Aggression – und von der Magie des Kinos und, auf Umwegen, von seiner eigenen Kinosozialisation.
Der Film läuft für die Öffentlichkeit im Rahmen eines Symposiums des Arbeitskreises Psychoanalyse und Film.
Mit Einführung und Diskussion, anschließend Get-together

Pat Garrett jagt Billy The Kid

USA

1973

Sam Peckinpah

James Coburn, Kris Kristofferson, Richard Jaeckel, Katy Jurado, Bob Dylan

1881 in New Mexico: Pat Garrett wird zum Sheriff ernannt und erhält den Auftrag, die Gegend „aufzuräumen“. Dies beinhaltet auch die Festnahme von Billy the Kid, für den Garrett ein väterlicher Freund war. Doch nun stehen sie auf verschiedenen Seiten des Gesetzes.

Der Film ist ein elegischer Spätwestern über Garretts Pflicht als Gesetzeshüter und seiner Loyalität zu Billy the Kid. Sam Peckinpah thematisiert, wie es für seine ungewöhnlichen und auch gewaltvollen Western typisch ist, den Konflikt zwischen alter Freundschaft und den Anforderungen des Gesetzes.

In einer Nebenrolle Bob Dylan als Begleiter von Billy the Kid: Der Welthit „Knockin‘ On Heaven’s Door“ wurde von Dylan für PAT GARRETT JAGT BILLY THE KID komponiert.

The Wild Bunch - Sie Kannten Kein Gesetz

USA

1969

Sam Peckinpah

William Holden, Ernest Borgnine, Robert Ryan

Bei einem Überfall auf ein Büro der Eisenbahngesellschaft in Starbuck geraten Pike Bishop und seine Wild Bunch in einen Hinterhalt. Sie werden von einer Gruppe von Kopfgeldjägern erwartet, angeführt von Deke Thornton, einem ehemaligen Mitglied der Bande. Nach einem Massaker fliehen Pike und die verbliebenen Männer, gejagt von Thornton, mitten hinein in die Wirren der mexikanischen Revolution. THE WILD BUNCH gilt als Peckinpahs Meisterwerk und als definitiver Spätwestern. Nicht die heroisch verklärte Landnahme ist das Thema, sondern der letzte Widerstand von Outlaws gegen das Vordringen der Zivilisation und des Gesetzes. Ehre, Männerfreundschaft und Tapferkeit werden von Peckinpah in ein zersetzendes Blutbad getaucht. In THE WILD BUNCH herrscht Krieg, und Peckinpah inszeniert ihn in Bildern explosiver Gewalt. Das Massaker in Starbuck und die Schlacht in Aqua Verde werden von Peckinpah, Lucien Ballard und dem Cutter Louis Lombardo zu makabren Totentänzen geformt. Mit mehreren Kameras aus zum Teil extravaganten Perspektiven gefilmt, im ständigen Wechsel von Einstellungsgrößen, Zeitlupe und Echtzeit ? selbst das Eindringen der Projektile in die Körper wird auf der Tonspur wahrnehmbar -, gehen diese Sequenzen in ihrer Drastik über alles hinaus, was bis dahin an Gewaltdarstellung im Kino zu sehen war. Achtung: Zu unserem Ärger hat uns der Verleih nicht die angekündigte rekonstruierte Originalfassung geliefert, sondern eine deutsche Fassung. Wir bedauern das, aber solche Fehler auf Seiten der Filmverleihe kommen leider gelegentlich vor.

Forget Baghdad

IN

2002

Samir

Vier irakische Juden, die in den 50er Jahren aus dem Irak nach Israel auswanderten, erzählen dem Schweizer Filmemacher Samir, der selbst in Bagdad geboren wurde, ihre Lebensgeschichte: der Bürgerrechtler Shimon Ballas, der Bestsellerautor Sami Michael, der heute arabisch schreibende Schriftsteller Samir Naqash und der Bauunternehmer Moshe Houri. Alle gehörten damals der irakischen kommunistischen Partei an und hatten bei ihrer Ankunft im Gelobten Land mit einem Kulturschock zu kämpfen. Außerdem kommt Ella Habiba Shohat zu Wort, die Mitte der 50er Jahre als Kind irakischer Einwanderer in Israel geboren wurde. Samirs Dokumentation zeigt deutlich, wie eng die gesamte Region des Mittleren und Nahen Ostens geografisch und kulturell miteinander verwoben ist.

Iraqi Odyssey

IRQ/CHE/DEU/ARE

2014

Samir

Zwischen vier und fünf Millionen Iraker leben im Exil, verstreut über die ganze Welt. Unter ihnen auch der Schweizer Filmemacher Samir, der als 6-jähriger mit seinen Eltern in die Schweiz flüchtete. Mit Hilfe seiner Familienmitglieder versucht er eine Antwort auf die Frage zu finden, wie es soweit kommen konnte und wie die Familie mit dieser Situation umgeht. Dafür führt er zahlreiche Interviews mit seinen rund um den Globus verstreuten Verwandten und hinterlegt diese mit histori- schem Material. Die Geschichte der Emigration und der Ankunft in den neuen (Heimat?-)Ländern verwebt er in beispielhafter Weise mit der Geschichte des Irak. Ein faszinierender Dokumentarfilm, der aus einem neuen Blickwinkel ein Stück Weltgeschichte präsentiert.

Deckname Jenny

DEU

2017

Samira

Sarah Graf, Holger Doellmann, Ulf Peter Schmitt, Monika Wiedemer

Klimawandel. Flüchtlinge an den Zäunen Europas. Eingesperrt in Lagern. Zuschauen ist nicht mehr, da ist sich die Clique um die junge Frau mit dem Decknamen Jenny einig. Doch als „Jennys“ Vater von deren militanten Ambitionen hört, muss er sich seiner eigenen Vergangenheit stellen; um die jungen Aktivist*innen im Untergrund aufzuspüren, erneuert er seine alten Kontakte, die einst in der Bewegung 2. Juni oder in den Revolutionären Zellen aktiv gewesen waren. Es geht um spießbürgerliche Ex-Linke, um Bio-Feinkostläden, um grünen Mittelstand, um vegane Linksradikale und Tierrechtler*innen: Die Regisseurin Samira bietet in ihrem höchst unkonventionellen Film ein Panorama der autonomen Linken – der heutigen wie der vergangenen. Und das mit einem gehörigen Maß an Selbstironie – sie selbst ist seit Jahrzehnten in der radikalen Linken aktiv.
In Kooperation mit der Anarchistischen Gruppe Mannheim
In Anwesenheit der Regisseurin und Drehbuchautorin Samira, mit anschließendem Filmgespräch

Fünf Uhr Am Nachmittag

Iran

2003

Samira Makhmalbaf

Ein Jahr nach dem Sturz der Taliban drehte Samira Makhmalbaf in den Trümmern Kabuls diesen preisgekrönten, semidokumentarischen Film über das moderne Afghanistan. Jeden Nachmittag um fünf Uhr bringt der Vater seine Tochter auf dem Eselskarren zur Koranschule – glaubt er. Doch Noqreh huscht ein Haus weiter, tauscht die Latschen gegen Pumps, schlägt den Schleier zurück und geht in eine der neu eröffneten Schulen für Frauen. Während ihr Vater und ihre Schwägerin mit krankem Kind auf die Rückkehr von Noqrehs Bruder aus Pakistan warten, versucht Noqreh einen eigenen Weg zu finden. Heimlich verliebt sie sich in die Vorstellung, Präsidentin ihres Landes zu werden. Ein junger Dichter befeuert Noqreh in ihrem absurd scheinenden Wunsch. „Das Anrührende, Naive, Zärtliche der Geschichte steht im schroffen, schönen Kontrast zu Bildern von alttestamentarischer Kraft. Herausragend“ (tip, Berlin) Ausgezeichnet mit dem Preis der Internationalen Jury auf dem Filmfestival Cannes 2003.

Schwarze Tafeln

Iran

2000

Samira Makhmalbaf

Said Mohamadi, Behnaz Jafari

Auf der Flucht vor Soldaten irrt die Bevölkerung der kurdischen Dörfer im Iran durch die Berge. Ihnen folgt eine Gruppe von Lehrern, die mit schwarzen Schiefertafeln versuchen, etwas Bildung in das unwegsame Gelände zu transportieren. Zwei der Lehrer trennen sich von den anderen. Reboir trifft Kinder, die vom Schmuggel mit gestohlenen Waren leben – sie haben keine Zeit zum Lernen. Und Said stößt auf einen Treck älterer kurdischer Männer, die von einer jungen Frau mit Kind begleitet werden. Hartnäckig suchen sie einen Weg über die Grenze in den Irak, zurück in ihre Heimat, aus der sie vor Jahren grausam vertrieben wurden. SCHWARZE TAFELN ist ein politischer Film und zugleich eine Reflexion über die Grund-lagen der Zivilisation: das Wort und die Schrift. Der zweite Spielfilm der erst zwanzigjähri-gen Regisseurin (DER APFEL) ist ein Meisterwerk des jungen, politisch engagierten Kinos aus dem Iran. In Cannes erhielt SCHWARZE TAFELN im Jahr 2000 den Prix du Jury. „Über all dem schwebt ein so verhaltener wie ansteckender Optimismus.“ (tip) „Mit einem unfehlbaren Sinn für das Detail, für Bildkomposition, Montage und Suggestion, aber auch für ironischen Humor, hat Samira Makhmalbaf einen ebenso aufwühlenden wie lyrischen Film geschaffen.“ (Le Monde)

Lebanon

ISR/DEU/FRA

2009

Samuel Maoz

Yoav Donat, Itay Tiran, Oshri Cohen

Es ist eine scheinbar ganz einfache Mission: Eine Panzer-Besatzung, bestehend aus vier jungen israelischen Männern, soll eine feindliche Stadt auskundschaften. Es ist Juni 1982, der Beginn des ersten Libanonkrieges. Aber dann verlieren die vier auf brutale Weise ihre Unschuld … Der Drehbuchautor und Regisseur Samuel Maoz hat mit dem Film seine eigene Teilnahme an diesem Krieg verarbeitet. Für sein Antikriegsdrama hat er bei den Filmfestspielen in Venedig den Goldenen Löwen erhalten – und das war nur eine von vielen Auszeichnungen.

Polder – Tokyo Heidi

CHE/DEU

2015

Samuel Schwarz, Julian M. Grünthal

ina Fog, Christoph Bach, Philippe Graber.

Film und App und Game und Realität und Virtualität gehen ineinander über und lösen sich gegenseitig auf. Dantes „Inferno“ trifft Heidi- Idylle, Alice wandelt in den Wunderwelten japanischer Mangas. „Neuroo-X“ heißt der krakenartige Großkonzern, dessen populäre Games die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Spiel aufheben. Das ultimative Spielerlebnis: Der Gamer wird in phantastische Abenteuer katapultiert. Dann stirbt Neuroo-X-Manager Marcus. Seine Geliebte Ryuko taucht in das Geheimnis seines Todes und der Spiele ein. Und die Archetypen C. G. Jungs treffen sich im Cosplay-Gewand mit mittelalterlichen Hexen- und Henkerfiguren. In sattgrünen Almlandschaften, die wie Auenland oder Oz wirken…
Surrealer Experimantalfilm, absurder Trash, Kunstvideo-Performance – POLDER – TOKYO HEIDI ist all das und nichts davon: „ein groteskes Gruezi aus der Schweiz!“ (Kino-zeit.de)

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