Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Nord

NOR

2009

Rune Denstadt Langlo

Anders Baasmo Christiansen, Kyrre Hellum, Marte Aunemo

Jomar raucht, schläft und trinkt ziemlich viel – mit Vorliebe hochprozentigen Alkohol. Seit ein Unfall seine Sportkarriere beendet hat, gibt er sich als Liftwärter in der verschneiten Einöde Norwegens seinem Selbstmitleid hin. Als Jomar erfährt, dass er einen vierjährigen Sohn hoch im Norden haben soll, begibt er sich mit seinem Schneemobil und einem Fünf- Liter-Kanister Alkohol als einzigem Proviant auf eine ebenso kuriose wie poetische Reise. Unterwegs durch atemberaubende Landschaften Richtung Polarkreis begegnen ihm allerhand skurrile Gestalten. Ein einsames junges Mädchen, ein lebensmüder Greis, ein fröhlicher Panzerfahrer und ein Junge mit originellen Trinkgewohnheiten weisen Jomar den Weg zurück ins Leben. NORD ist ein skurriles Road-Movie, so komisch und rührend wie David Lynchs „Straight Story“. Als Eröffnungsfilm des Panorama auf der Berlinale 2009 wurde NORD mit dem Fipresci-Preis und dem Europa Cinema Label ausgezeichnet.

The Phantom Of The Opera

USA

1925

Rupert Julian

Lon Chaney, Mary Philbin

In den Gewölben der Pariser Oper lebt Erik, ein entstellter Musiker, der die Schauspieler und Bühnenarbeiter in Angst und Schrecken versetzt. Er hat sich in die junge Sängerin Christine verliebt und sorgt dafür, daß sie die Hauptrolle bekommt. Als sich Christine einem Verbot Eriks widersetzt, entführt er sie in die Katakomben. Unter den tausenden Gesichtern von Chaney erwies sich Erik, das Phantom, als eines der einfachsten und besten, obwohl es erst nach der Hälfte des Film ganz zu sehen ist. Zunächst ist das Phantom nur ein drohender Schatten, der die Chormädchen in die Flucht schlägt. Erst als ihm Christine die Maske abreißt, sehen wir das totenähnlich knöcherne Gesicht. Rupert Julian ist vor allem bekannt als der Mann, der Stroheim bei der Regie von MERRY-GO-ROUND abgelöst hat. Er selbst wiederum konnte PHANTOM OF THE OPERA nicht beenden. Nach einigen Unstimmigkeiten mit Chaney wurde er durch Edward Sedgwick ersetzt.

Die Geträumten

AUT

2015

Ruth Beckermann

Anja Plaschg, Laurence Rupp

Sie war 22, er 27 Jahre alt, als die dramatische, rauschhafte, auch unendlich traurige Liebesgeschichte begann: 1948 lernen sich Ingeborg Bachmann und Paul Celan kennen, und bis zu Celans Tod 1971 lieben sie sich; und stoßen stets an Grenzen, an die eigenen und die des anderen. Der Briefwechsel zwischen Bachmann und Celan bildet die Grundlage dieses Films, eine poetische Korrespondenz zweier Künstlerseelen, fast ein Minnegesang-Duett. Zwei Schauspieler lesen mit großer Empathie vor, von Liebe, Zweifeln, Sehnsucht, Eifersucht und künstlerischer Selbstvergewisserung, von Rausch und Verlustangst, Entzücken und Erschrecken, Nähe und Fremdheit: Auf diese Weise erreicht Ruth Beckermann eine konzentrierte Intensität von Emotion und Intellekt.

Waldheims Walzer

AUT

2018

Ruth Beckermann

„Waldheim nein, Waldheim nein!“ skandiert eine Menschenmenge 1986 im Zentrum von Wien: Im Wahlkampf um das Amt zum österreichischen Bundespräsidenten kam die internationale Debatte um die verleugnete NS-Vergangenheit von Kurt Waldheim voll ins Rollen. Ruth Beckermann war eine der AktivistInnen, die die Wahl des ehemaligen UN-Generalsekretärs Waldheim verhindern wollten, und begab sich mit der Kamera hinein in die Abgründe der österreichischen Seele – unter Waldheim-Verteidigern schlugen Hetze, Verleumdung, Medienschelte und Antisemitismus durch. Mehr als 30 Jahre später analysiert sie mit ihren eigenen Bildern und mit einer Fülle an Archivmaterial diesen Wendepunkt der österreichischen Nachkriegsgeschichte: Die Lebenslüge, dass Österreich sich selbst und der Welt vortäuschte, das erste Opfer der Nazis gewesen zu sein, brach in sich zusammen.

Struggle

A

2003

Ruth Mader

Aleksandra Justa, Gottfried Breitfuß, Margit Wrobel, Martin Brambach, Rainer Egger

„Struggle“ ist ein Film über Existenzkampf, Arbeitskampf und Daseinskampf. „Struggle“ spielt in Arbeitswelten: auf den Erdbeerfeldern, in Fabriken, in Büros, in Autos, auf den Straßen. Die Protagonisten: Eine Erdbeerpflückerin aus dem Osten, die für sich und ihr Kind um eine bessere Existenz ringt – und ein Wiener Immobilienmakler. Kurz gibt es die Chance auf die „Substanz“ im Leben. Mit Ruth Mader (Gfrasta) erobert eine weitere konsequente Vertreterin der jungen Wiener Schule die Filmwelt.

Nächster Halt: Fruitvale Station

USA

2013

Ryan Coogler

Michael B. Jordan, Octavia Spencer, Melonie Diaz, Ahna O’Reilly, Kevin Durand, Chad Michael Murray.

In den frühen Morgenstunden des 1. Januar 2008 wurde in Oakland Oscar Grant III. von einem Polizeibeamten durch einen Schuss in den Rücken getötet. In seinem Regiedebüt rekapituliert Ryan Coogler (BLACK PANTHER, 2018) die letzten 24 Stunden des 22-Jährigen, der viele gute Vorsätze gefasst hat, die er am Silvestertag umsetzen will: Er ist wegen Drogen- und Waffenbesitzes vorbestraft und will nun, gemeinsam mit seiner Freundin, sein Leben ändern. Ein zuverlässiger Vater für die vierjährige Tochter sein. Das Verhältnis zu seiner Mutter zurechtrücken. Eine Arbeit suchen. Abends aber will er den Jahreswechsel feiern und fährt mit der U-Bahn in die Stadt. Doch es kommt zu einer Rangelei. Und die Polizei ist schnell zur Stelle…
Zahlreiche Handyaufnahmen der Tat belegen die grundlose, rassistische Brutalität der Polizei; es kam in den folgenden Tage zu zahlreichen Protestmärschen. Der Täter wurde wegen fahrlässiger Tötung verurteilt und nach 11 Monaten auf Bewährung entlassen. Die Verfilmung der wahren Ereignisse wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem auf dem Sundance Festival mit dem Haupt- und Publikumspreis und in Cannes.
Die Hälfte der Verleih-Erlöse an die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland.

Lost River

USA

2014

Ryan Gosling

Christina Hendricks, Iain De Caestecker, Saoirse Ronan, Eva Mendes.

Ein surreales Tableau, ein irrer Fiebertraum, ein Abgesang auf die Urbanität: Ryan Goslings bisher einziges Regiewerk vereint hochstilisierte Bilder städtischen Untergangs mit einem morbiden Grand Guignol Etablissement, eine bizarre Unterwasserwelt mit einem verfluchten Haus. Die Einflüsse von David Lynch, Nicolas Winding Refn, Terrence Malick sind unübersehbar, Gosling arrangiert sie zu einem so reizvollen wie unterhaltsamen Bilderbogen: Er setzt seine Neonfarben und die Symbolbilder, die 80er Jahre-Musik und die düstere Erotik zu einem ästhetischen Erlebnis zusammen. Gedreht wurde dieses düstere Stück Americana in Detroit, der sterbenden Stadt…

Aragami

Japan

2002

Ryuhei Kitaamura

Takao Osawa, Masaya Kato

Ein verwundeter Samurai irrt durch die Wälder und bricht an den Pforten eines Tempels zusammen. Als er wieder erwacht, sind seine Wunden geheilt und der Hausherr bittet ihn zu bleiben. Bei einem großzügigen Mahl erklärt der mysteriöse Gastgeber, dass er kein Mensch sondern „Aragami“ sei, der rasende Gott des Krieges. Er fordert seinen Gast zu einem ungewöhnlichen Duell heraus: Der Samurai soll Aragami im Kampf töten, um ihn von seinem ewigen und leidvollen Leben zu erlösen. ARAGAMI steht in der Tradition klassischer japanischer Samuraifilme, geht aber stilistisch darüber hinaus und begeistert neben seiner visuellen Kraft durch pointierte Dialoge, die im Kampf zweier Schwertkunstmeister kulminieren. „Twists im Fünf-Minuten-Takt, urkomisches Understatement im Wechsel mit schwindelerregenden Kamerabeschleunigungen, dazu Schwertkampf-Einlagen, die jedem Fan Standing Ovations abnötigen.“ (Fantasy Filmfest) In der folgenden Woche zeigen wir den zweiten Teil des Duel Project: 2LDK von Jukihiko Tsutsumi.

Drive My Car

JAP

2021

Ryusuke Hamaguchi

Hidetoshi Nishijima, Toko Miura, Masaki Okada, Reika Kirishima

Zwei Jahre nach dem Tod seiner geliebten Frau wird der Schauspieler und Regisseur Yusuke Kafuku eingeladen, bei einem Theaterfestival in Hiroshima Tschechows „Onkel Wanja“ zu inszenieren. Als Chauffeurin wird ihm Misaki, jung und zurückhaltend, zugewiesen. Während der gemeinsamen Autofahrten öffnen sich die beiden füreinander, und Kafuku muss sich den Rätseln der Vergangenheit stellen. Denn im Hauptdarsteller des Stücks weiß er den Liebhaber seiner verstorbenen Frau vor sich.
Die Verfilmung von Haruki Murakamis gleichnamiger Erzählung erhielt in Cannes unter anderem den Drehbuchpreis. In erlesenen Bildern lässt Regisseur Hamaguchi seine Protagonisten um Geheimnis und Wahrheit kreisen, um Schauspiel und Wirklichkeit. „In ruhigem Fluss und intellektuell inspirierend ist DRIVE MY CAR wohl das reifste und eleganteste Drama 2021.“ (Viennale)

Silent Waters

Pakistan / D / F

2003

Sabiha Sumar

Kirron Kher, Aamir Malik

Charkhi, ein Dorf im pakistanischen Punjab, 1979. Ayesha ist eine gut situierte Frau in den besten Jahren. Seit ihr Mann gestorben ist, bessert sie ihre Rente mit Koranstunden für junge Mädchen auf. Doch ihr Leben dreht sich um ihren verträumten Sohn Saleem, der bis über beide Ohren in Zubeida verliebt ist. Derweil wurde über ganz Pakistan Ausnahmezustand verhängt. General Zia ul Haq plant, das Land in einen islamischen Staat zu verwandeln. Auch vor Charkhi macht die Islamisierung nicht halt. Saleem ist fasziniert von der Zielstrebigkeit einer Gruppe islamischer Fundamentalisten, schließt sich ihnen an und verläßt dafür sogar Zubeida. Als Sikh Pilger aus Indien in das Dorf strömen, spitzen sich die Ereignisse zu. SILENT WATERS ist der erste pakistanische Film, bei dem eine Frau Regie führte und wurde ausschließlich an Originaldrehorten in Pakistan realisiert. Beim Filmfestival Locarno 2003 wurde er mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnet, Kirron Kher erhielt darüber hinaus den Leoparden als beste Hauptdarstellerin.

Romeos... Anders Als Du Denkst

DEU

2011

Sabine Bernardi

Rick Okon, Maximilian Befort, Liv Lisa Fries

Im falschen Körper geboren zu sein, war schon immer ein interessanter Filmstoff für seichte Verwechslungscomedys oder bleischwere Arthaus-Dramen. Sabine Bernardi findet in ihrem Debütfilm die richtige Mischung: Transsexualität als Thema ernst nehmen, respektvoll behandeln und dennoch mit wunderbar frischer Regie, flottem Drehbuch und einer glaubwürdig agierenden Darstellerriege eine höchst amüsante Unterhaltung bieten. Für alle Besucher des Eröffnungsfilms ROMEOS gibt es am Donnerstag, 2. Februar um 19.30 Uhr ein Glas Sekt zur Begrüßung.

The Mies van der Rohes – A Female Family Saga

CHE

2023

Sabine Gisiger

Dokumentarfilm mit Spielszenen mit Katharina Thalbach

Ludwig Mies van der Rohe gilt als einer der wichtigsten Protagonisten modernen Bauens im 20. Jahrhundert und wurde zu Lebzeiten für seine neuartigen Stahlstrukturen und großflächigen Verglasungen berühmt. Der Film zeichnet aber nicht das Leben dieses Architekturstars nach, sondern widmet sich seiner Frau Ada, seinen drei Töchtern Georgia, Marianne und Waltraut und seiner Partnerin Lilly Reich. Sie alle bleiben 1938 in Deutschland bzw. Europa zurück, als der politisch nicht angepasste Ehemann, Vater und Vorgesetzte Mies in die USA geht, um sich den zunehmenden Repressionen durch die Nationalsozialisten zu entziehen. Im Film spielt Katharina Thalbach die Tochter Georgia van der Rohe, die sich als Tänzerin und Schauspielerin einen Namen machte. Sie berichtet von einem familiären Leben, in dem sich alles um den in der Öffentlichkeit stehenden Vater drehte. Die Regisseurin, Sabine Gisiger, gestaltet den Film mit Hilfe von fiktiven Interviews, die ausschließlich auf authentischen Aussagen beruhen, ergänzt von privaten, unveröffentlichten Filmausschnitten, Bildern und Dokumenten.

Fritz Bauers Erbe – Gerechtigkeit verjährt nicht

DEU

2022

Sabine Lamby, Cornelia Partmann, Isabel Gathof

Der systematische Massenmord in den KZs des NS-Regimes wurde nicht von Einzelnen begangen, sondern stützte sich auf tausende Schuldige. Lange wurde die deutsche Justiz dem nicht gerecht. Ab 1963 wurden Angeklagte erstmals durch den Generalstaatsanwalt Fritz Bauer vor Gericht gebracht; doch eine Prozessflut folgte auf diese Frankfurter Auschwitz-Prozesse nicht. Rund 60 Jahre später findet Fritz Bauers Erbe nun Anwendung: Der Film zeigt anhand der jüngsten NS-Prozesse gegen inzwischen betagte Täter, wie sich in der deutschen Rechtsauffassung ein neues Prinzip etabliert. Unter anderem mit Zeitzeugenberichten von Überlebenden erzählt der Film aufrüttelnd und bewegend, wie Gerechtigkeit ihren Weg in deutsche Gerichte findet; endlich. „Unschätzbar bedeutsames Zeitdokument und hochgradig spannender Dokumentarfilm.“ (Filmbewertungsstelle, Besonders Wertvoll)
In Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Mannheim-Sandhofen
Einführung: Dr. Marco Brenneisen, Marchivum Mannheim

Wildes Alaska

DEU

2015

Sabine und Lothar Preiser.

Mehrere Monate waren Sabine und Lothar Preiser aus Ludwigshafen in Alaska unterwegs. Eine grandiose Natur mit dem höchsten Berg Nordamerikas, dem Denali (früher Mount McKinley) mit 6190 Metern, und den Küstengebirgen mit seinen Gletschern hielt sie gefangen; gleichfalls eine faszinierende Tierwelt mit Braunbären, Elchen, Walen und Weißkopfseeadlern. Die Reise beginnt im Denali Nationalpark und führt über Anchorage in den Katmai Nationalpark. An der ehemals größten Kupfermine der Welt begibt sich der Film auf die Spuren der ersten Goldsucher Anno 1898, nach Skagway, dem wohl authentischsten Ort des Goldrausches. Die Reise geht weiter zur Hauptstadt und endet in Hyder, der freundlichsten Geisterstadt am südlichsten Punkt Alaskas.
Anschließend Filmgespräch mit den Regisseuren.

Blessing Bell

Japan

2002

Sabu

Susumu Terajima, Naomi Nishida

Der Morgen erwacht über dem verlassenen Hof einer Fabrikanlage. Die Welt scheint still zu stehen. Da setzt sich ein Mann namens Igarashi in Bewegung. Wortlos lässt er sich treiben und erlebt innerhalb von 48 Stunden die erstaunlichsten Dinge: Er kommt unschuldig wegen Mordverdacht ins Gefängnis, schlägt – wieder auf freien Füßen – tatsächlich jemanden tot, rettet Kinder aus einem brennenden Haus, wird von einem Auto angefahren, sieht im Krankenhaus den Geist eines alten Mannes entschwinden, beobachtet, wie ein Selbstmörder von einer Brücke springt, gewinnt Millionen im Lotto und verliert sie wieder. BLESSING BELL lebt von seinen absurden und grotesken Momenten und Wendungen. Der vielleicht größte Reiz dieses Films aber liegt in seiner paradoxen Kombination zweier Extreme: Die Handlung könnte actionreicher kaum sein, die Erzählweise dagegen ist langsam, still und poetisch. Wunderbare Nachtaufnahmen und subtile Licht-Schatten-Kontraste machen den Film auch aus künstlerischer Sicht zu einem kleinen Meisterwerk. „Von großer Einfachheit, voller Zufälle, ein Ton, der manchmal aussetzt, und Helden, die kein einziges Wort sagen.“(taz)

Happiness

JAP/DEU

2016

Sabu

Masatoshi Nagase, Hiroki Suzuki, Erika Okuda, Orakio

Mit einer großen Box kommt Kanzaki in eine Kleinstadt. In einem heruntergekommenen Laden holt er einen seltsamen Helm heraus und setzt ihn einer alten, teilnahmslos wirkenden Frau auf. Nach einem kurzen Moment kehrt Freude in ihr Gesicht zurück. Denn der selbstgebaute Helm ermöglicht es seinem Träger, die schönsten Erinnerungen seines Lebens noch einmal erfahren zu können. Kanzakis einzigartige Erfindung macht die Runde, jeder möchte sich von Kanzaki und seinem Helm behandeln lassen. Doch niemand ahnt etwas von der geheimen Absicht, weshalb der Seelentröster diese Stadt gewählt hat.
Vor wenigen Wochen erst lief MR. LONG – jetzt kommt Sabus nächster Film in die deutschen Kinos, ein Rachethriller, der abseits ausgetretener Genre-Pfade sanft daherkommt und mit einigen Überraschungen aufwartet, „ein Drama von existenzialistischer Kraft, das nach harmonischem Beginn wie ein Schlag in die Magengrube geht.“ (Nippon Connection)

Jam

JPN

2018

SABU

Machida Keita, Aoyagi Sho, Suzuki Nobuyuki

Hiroshi, ein mäßig erfolgreicher Schnulzensänger, wird von einer seiner Anhängerinnen gefangen genommen. Takeru wiederum glaubt, seine im Koma liegende Freundin durch gute Taten heilen zu können. Tetsuo schließlich versucht, sich an dem Yakuza zu rächen, der ihn einst ins Gefängnis brachte. Drei junge Männer, die in derselben Stadt leben, die völlig unterschiedlich sind – und SABU (von dem zuletzt MR. LONG und HAPPINESS bei uns ins Kino kam) lässt sie aufeinanderprallen, in einer poppig bunten, dramatisch wilden Dramaturgie der Zufalls- und Schicksalswege: Ein Genremix, der fließend zwischen ernstem Drama, Situationskomik und brutaler Action wechselt. Und ein wilder, rasanter, überraschender Ritt für den Zuschauer.

Monday

Japan

1999

Sabu

Shinichi Tsutsumi, Yasuko Matsuyuki, Ren Osugi

Sabu ist einer der etabliertesten der jungen, wilden Regisseure aus dem fernen Nippon. Innerhalb von zweieinhalb Jahren drehte er drei Filme – nach eigenen Skripts. Sabus Filme brechen mit nahezu jedem Gesetz des klassischen Erzählkinos, sie besitzen die Ambivalenz und Logik eines Traumes bzw. Alptraumes. In MONDAY erwacht Tagaki, ein einfacher Angestellter, in einem ihm fremden Hotelzimmer und erinnert sich an nichts. Zusammen mit dem Zuschauer begibt er sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit und macht haarsträubende Entdeckungen. Die japanische Antwort auf FALLING DOWN beginnt wie eine surreale Komödie von Buñuel und entwickelt sich zu einer pechschwarzen Achterbahnfahrt, die in der Apokalypse mündet. Voller Phantasie und mit viel Lust an Absurditäten schickt Sabu seine gebeutelte Gestalt auf einen wahren Horrortrip. Schrägste Kamerawinkel, groteske Situationen und ein wilder Mix aus Gewalt, etwas Sex und viel Humor machen MONDAY zu einer sehenswerten Mischung aus schwarzer Komödie, Thriller, Tanzfilm und Sozialkritik.

Mr. Long

PN/TWN/HKG/DEU

2017

SABU

Chen Chang, Yiti Yao, Sho Aoyagi, Runyin Bai

Der Taiwanese ist der perfekte Auftragskiller, der jeden Job tadellos erledigt. Bis eine seiner Missionen in Tokio missglückt. Fünf Tage bleiben ihm, um das Geld für seine Rückreise per Schiff aufzutreiben, zugleich muss er sich schwerverletzt verstecken. In einer tristen Wellblechsiedlung kommt er unter – und was bisher eine überstilisierte Killerballade war, mutiert zum humanistischen Drama. In seinem Unterschlupf nämlich versorgt ihn der Junge Jun mit Gemüse. Und der schweigsame, coole Killer beginnt zu kochen. So lecker, dass es sich in der Nachbarschaft herumspricht und er als Mr. Long eine Zweitkarriere mit einem Imbissstand beginnt. Freilich gibt es auch noch seine Vergangenheit…
SABU ist Spezialist für das Aufeinandertreffen von Abwegigem und Normalem, mit Gespür für Stil und für bizarren Witz kombiniert er Action und Gewalt, Slapstick, Tragikomödie und Gefühl: Ein Film, bei dem man nie weiß, was als nächstes um die Ecke kommt, und der den Zuschauer doch nie alleine lässt.

Anvil! Die Geschichte Einer Freundschaft

USA

2009

Sacha Gervasi

Mit 14 schworen sich die Schulfreunde Steve „Lips“ Kudlow und Robb Reiner aus Toronto für immer zusammen zu rocken. Mit ihrer Band Anvil wurden sie zu Halbgöttern des kanadischen Metal und veröffentlichten 1982 eines der härtesten Albums in der Metal-Geschichte: „Metal on Metal“. Das Album beeinflusste eine ganze Generation von Musikern, darunter Metallica, Slayer und Anthrax. All diese Bands verkauften in der Folge Millionen von Platten, wohingegen Anvils Karriere einen ganz anderen Lauf nahm – nämlich direkt in die Bedeutungslosigkeit. Aber Lips und Robb gaben ihren Kindheitstraum nie auf und rockten weiter, immer im Glauben daran, dass Anvil eines Tages der langersehnte Erfolg beschert werden würde. Der Film begleitet Lips und Robb, die nun um die fünfzig sind, bei den Aufnahmen zu ihrem dreizehnten Album „This is thirteen“. Sie schlagen sich mit zunehmend ungeduldigeren Familien, penetranten Gläubigern und Alterszipperlein herum. Sie wissen, es ist ihre letzte Chance den Durchbruch zu schaffen. In Vorbereitung auf das Album reist die Band nach Europa, ihre größte Tournee seit zwanzig Jahren. Und sogar nach Anvil-Maßstäben ist es eine unvorstellbare Aneinanderreihung von Katastrophen.

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