Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Songs From The Second Floor

Schweden

2000

Roy Andersson

Lars Nordh, Stefan Larsson

Eines Abends, irgendwo in unserer Hemisphäre ereignet sich Seltsames: Ein Angestellter wird in erniedrigender Art entlassen, ein Immigrant wird brutal auf der Strasse zusammengeschlagen, ein Magier begeht einen verheerenden Fehler während seiner Show. Aus dem Chaos sticht eine Figur heraus – Karl, dessen Gesicht mit Asche bedeckt ist. Er hat gerade seinen Möbelladen angezündet, um die Versicherungssumme zu kassieren. Am folgenden Tag beginnt das Chaos fühlbar zu werden, als eine „Direktorenkommission“ dem Wahnsinn verfällt und die Stadt selbst durch einen entsetzlichen Verkehrsstau lahm gelegt wird. Rigoros reduziert Andersson die filmsprachliche Ausdrucksweise, es gibt keine Kamerabewegungen, Perspektivenwechsel oder Montagetechniken, keine Nahaufnahmen, nur Totalen oder Halbtotalen. Der Blick des Zuschauers bleibt sich selbst überlassen. Mit einem ausgeprägten Sinn für das Absurde präsentiert der Regisseur in einprägsamen Szenenbildern die Welt als Manege für traurige Clowns und wurde dafür in Cannes mit der Silbernen Palme ausgezeichnet. „…with many scenes that linger in the mind – like those of David Lynch`s ERASERHEAD or Terry Gilliam`s BRAZIL“ (Sight and Sound)

The Times of Harvey Milk

Roy Epstein

San Francisco in den 70er-Jahren: Rund um die Castro Street entsteht die erste von Schwulen geprägte Nachbarschaft. Die früher unsichtbare Minderheit entwickelt ein neues Selbstbewusstsein, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich dieses auch politisch manifestiert. In diesem Klima der Emanzipation wird der charismatische Schwulen-Aktivist Harvey Milk zum ersten offen homosexuellen Stadtverordneten. Kaum im Amt, wird der mutige Kämpfer für Bürgerrechte und Gerechtigkeit erschossen. Der Film THE TIMES OF HARVEY MILK, schon selbst ein Stück Filmgeschichte, rekonstruiert Milks Leben, das beispielhaft für Mut und Engagement steht, für die frühe Lesben- und Schwulenbewegung. Grundgerüst des Films war auch ein von Harvey Milk aufgenommenes Tonband, das nach seinem Willen nur dann abgespielt werden sollte, falls er durch einen Anschlag ums Leben käme. Das faszinierende Dokument eines Kampfes um Anerkennung, der 2009 auch im Spielfilm "Milk" von Regisseur Gus van Sant dramatisiert wurde. (also ab 18)

A Thought of Ecstasy

DEU/USA/CHE

2017

RP Kahl

RP Kahl, Deborah Kara Unger, Ava Verne, Lena Morris, Buddy Giovinazzo

August 2019. Frank erkennt in einem neu erschienenen Buch seine eigene zwanzig Jahre zurückliegende Geschichte wieder: Die verlorene Liebe zu Marie, die nach Amerika verschwunden ist. Auf der Suche nach ihr reist Frank in die heiße Wüste der USA, auf einem sonnendurchfluteten Trip durch Verführung und Todessehnsucht …
Inspiriert von George Bataille und Jean Baudrillard, irgendwo zwischen ZABRISKIE POINT und Film Noir, zwischen Nicolas Roeg, Werner Herzog und David Lynch inszenierte RP Kahl seinen Erotik-Wüsten-Thriller in bester Pulp-Tradition mit heftigen S/M-Ausschlägen. So wie Begehren eine neue Realität schafft und Fiktion das Leben durchdringt, kann Wahn die Wirklichkeit verändern. Und ein Kuss der Anfang von Kannibalismus sein.

Als Susan Sontag im Publikum sass

DEU

2021

RP Kahl

Saralisa Volm, Luise Helm, Heike-Melba Fendel, Celine Yildirim, RP Kahl

April 1971: In New Yorks Town Hall findet eine Podiumsdiskussion statt, die berühmt werden sollte: „A Dialogue on Women’s Liberation“ mit der Autorin Germaine Greer, der feministischen Aktivistin Jacqueline Caballos, der Literaturkritikerin Diana Trilling und der LGBT-Aktivistin Jill Johnston – und mit Norman Mailer als Moderator. Der Abend war ein intellektueller Hochgenuss, ein Streiten und Debattieren voll unterhaltsamer Momente und wichtiger Einsichten. Dieser Essay-Film zeigt ein Re-Enactment dieses Abends im Ballhaus Ost, live performt vor Publikum und vermischt mit vertiefenden Vor- und Nachgesprächen unter den Beteiligten. Damit wird die damalige feministische Debatte mit der heutigen verknüpft: Was stand vor 50 Jahren im Mittelpunkt, was ist inzwischen überwunden, woran hakt es heute noch, und was wird sich nie ändern – beispielsweise die chauvinistische Haltung eines Mannes vom Typus Norman Mailer? „Der Film versteht sich als eine Aufforderung zur notwendigen Diskussion in den Grauzonen – dort, wo es schwierig wird, Position zu beziehen.“ (Kino-zeit.de)

Angel Express - Director's Cut

DEU

2011

RP Kahl

Chris Hohenester, Wilfried Hochholdinger, Ulrike Panse

Großstadt-Singles lassen sich von Club zu Club durch die Nacht treiben, auf der Suche nach dem ultimativen Kick. Eine von Hand zu Hand gehende Pistole setzt ihrem Lebensgefühl ein gefährlich reales Ultimatum und formt den Reigen der Figuren in dieser Sinfonie einer Großstadt. Großstadt-Singles lassen sich von Club zu Club durch die Nacht treiben, auf der Suche nach dem ultimativen Kick. Eine von Hand zu Hand gehende Pistole setzt ihrem Lebensgefühl ein gefährlich reales Ultimatum und formt den Reigen der Figuren in dieser Sinfonie einer Großstadt.

DEU

2024

RP Kahl

Rainer Bock, Clemens Schick, Bernhard Schütz

1965 endete der erste Frankfurter Auschwitzprozess, die erste Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen durch die BRD-Justiz. 1965 kompilierte Peter Weiss aus den Prozessprotokollen ein Theaterstück, das RP Kahl nun für die Leinwand adaptiert hat, als Verdichtung, als Zusammenfassung, als Panorama über das Lager, von der Rampe bis zu den Krematorien, von Phenol bis Zyklon B, von der Medizinbaracke bis zur politischen Abteilung bis zum Tod von Lilly Tofler. Ein Richter, ein Ankläger, ein Verteidiger, dutzende Angeklagte und eine Reihe von Zeug*innen in einem stilisierten Raum: Wir hören erschütternde Berichte von Leben und Tod im Lager, erschütternde Abwiegelungen der Angeklagten, erschütternde Nachfragen durch den Ankläger, erschütternde Widerworte des Verteidigers. In Kahls eindringlicher Inszenierung – mit dynamischer Kamera, Lichtsetzung und Musikakzenten – steht das Wort im Mittelpunkt, das das Unerträgliche umschreibt: „Eine vierstündige Zumutung, der man sich unbedingt unterziehen sollte“ (FAZ); „Erinnerungskultur ist hier kein trockener Schulstoff, sondern lebensnahe Konfrontation.“ (Süddeutsche Zeitung)

Made in Bangladesh

FRA/BGD/DNK/PRT

2019

Rubaiyat Hossain

Rikita Nandini Shimu, Novera Rahman, Deepanwita Martin, Parvin Paru

Bangladesch ist das Land der Textilnäherinnen. In der Hauptstadt Dhaka arbeitet, wie viele andere Frauen, die 23jährige Shimu in einer der zahllosen Nähfabriken. Als wegen eines Kurzschlusses ein Feuer ausbricht und eine Kollegin stirbt, wird den Arbeiterinnen eine Teil des Lohns verweigert – doch Shimu ergreift die Initiative, um mit Hilfe einer NGO eine Gewerkschaft zu gründen…
Nach dem verheerenden Brand in einer Textilfabrik 2013 mit tausenden von Toten begann die Regisseurin Rubaiyat Hossain zu recherchieren – und drehte schließlich diesen auf Tatsachen basierenden Spielfilm, in den sie viele Erzählungen von Gewerkschafterinnen aufnahm, über Druck und Drohungen, über Arbeiter- und Frauenrechte, über patriarchale Familienstrukturen und darüber, welches Ausbeutungssystem hinter einem T-Shirt steckt.
Am 14.09.2021. Einführung und Filmdiskussion mit Susanne Kammer, Eine-Welt-Forum Mannheim

Holy Shit

DEU

2023

Rubén Abruña

Dokumentarfilm

Was geschieht mit der Nahrung, die wir verdauen, nachdem sie unseren Körper verlassen hat? Ist es Abfall, der weggeworfen wird, oder eine Ressource, die wiederverwendet werden kann? Regisseur Rubén Abruña begibt sich auf eine investigative und unterhaltsame Suche durch 16 Städte auf vier Kontinenten. Er folgt der Fäkalienspur von den langen Pariser Abwasserkanälen bis zu einer riesigen Kläranlage in Chicago. Er trifft die Poop Pirates aus Uganda, die mit ihrer Arbeit und ihren Liedern den Menschen beibringen, wie sie Fäkalien in sicheren Dünger verwandeln können. Im ländlichen Schweden zeigt ihm ein Ingenieur eine Trockentoilette, die aus Urin Dünger herstellt. In Hamburg und Genf entdeckt er Wohnkomplexe mit dezentralen Kläranlagen, die aus menschlichen Exkrementen Strom und Dünger erzeugen. Am Ende findet Abruña Antworten darauf, wie menschliche Fäkalien weltweit Ernährungssicherheit, Umweltschutz, Hygiene und dem Kampf gegen die Klimakrise dienen können.

Das Neuss-Testament

DEU

2009

Rüdiger Daniel

Wolfgang Neuss (1923-1989) war "Der Mann mit der Pauke", Filmstar, Spielverderber, Bundesfilmpreisträger, Spaßvogel, Haschrebell. Am 5. Mai jährt sich sein Todestag zum zwanzigsten Mal. Als junger Soldat schießt er sich den Zeigefinger der linken Hand ab. Er will raus aus dem Krieg und Clown werden, und er mausert sich zum populärsten Kabarettisten im Nachkriegs-Deutschland. In den 68ern verwandelt er sich zum Kommunisten, dann wandelt er sich zum meditierenden Haschrebellen, den heute im Internet 150.000 Einträge zitieren. Der Querkopf zieht uns in seinen Bann: Er erzählt, dichtet, singt und schreit über sich und über seine Wandlungen. Neuss spaltet die Nation und die Menschen, die ihm begegnen. Am 2. Mai 1989, drei Tage vor seinem Tod, ruft Neuss den Filmemacher Rüdiger Daniel in seine Wohnung in die Lohmeyerstraße in Berlin-Charlottenburg. Er will sprechen und hinterlässt Daniel seinen finalen Monolog. Das vorliegende "Selbstporträt" basiert auf diesen zum Teil unveröffentlichten letzten Aufnahmen. Dazu gesellen sich Zeitzeugen, die das erste Mal vor der Kamera von ihrem Leben mit Wolfgang Neuss erzählen: seine Schwester Eva, seine Geliebte Gisela Groenewold und sein "Sympathisant" Richard von Weizsäcker. Außerdem erinnern sich sein Anwalt, sein Biograf und seine beiden Masseure an das "Ungeheuer von Loch Neuss", wie sich Neuss selbstironisch bezeichnete. (also leider ab 18)

Hitlers Hollywood

DEU

2017

Rüdiger Suchsland

Was weiß das Kino, was wir nicht wissen? Über 1000 Spielfilme wurden in den Jahren 1933 bis 1945 in Deutschland hergestellt. Bei den wenigsten handelt es sich um offene Propaganda. Aber noch weniger der im Nationalsozialismus produzierten Filme sind harmlose Unterhaltung. Rüdiger Suchsland kompiliert in seinem essayistischen Dokumentarfilm Filmausschnitte aus der NS-Zeit, um dieser dunkelsten und dramatischsten Periode deutscher Filmgeschichte näherzukommen: Manipulativ, ideologisch ausgerichtet, eskapistisch – aber mit ihren Stars, Glamour und technische Perfektion auch eine Traumfabrik. Doch welche Träume wurden hier erschaffen? Und was erzählen sie über ihre Zeit?
Referentin: Angelika Zitzelsberger-Schlez

Von Caligari zu Hitler

DEU

2015

Rüdiger Suchsland

Caligari, Mabuse, Nosferatu: Die dämonische Leinwand der Weimarer Republik war voll solcher unheimlichen wie faszinierenden Gestalten. Siegfried Kracauer baute an ihnen eine These auf: dass diese Leinwandfiguren psychologisch den Weg zu Hitler bereiteten – „Da Deutschland so verwirklichte, was in seinen Filmen von Anfang an bereits angelegt war, nahmen die Leinwandgestalten tatsächlich Leben an.“ Für den Filmkritiker Rüdiger Suchsland ist Siegfried Kracauer der ideale Reisebegleiter auf einer Tour durch das Kino der Weimarer Zeit: Eine Epoche der Moderne, in der die deutsche Filmkunst die größte der Welt war und in der zugleich die Zerrissenheit der Gesellschaft im Kern schon angelegt war. Mit vielen Filmausschnitten geht Suchsland der historisch-gesellschaftlichen Frage nach: „Was weiß das Kino, das wir nicht wissen?“
Referentin: Eva Berberich

André Butzer, seine Kunst und seine Zeit

DEU

2023

Rudij Bergmann

Ein Abend mit Rudij Bergmann und mit einer musikalischen Widmung an den Filmemacher durch den international bekannten Komponisten und Gitarristen Claus Boesser-Ferrari:
André Butzer, 1973 in Stuttgart geboren, ist ein Bildender Künstler, der sich zwischen Expressionismus und Disney, Pop-Art und Konzeptkunst verorten lässt. Der Mannheimer Regisseur Rudij Bergmann, kürzlich mit dem renommierten Baerwind-Preis ausgezeichnet, hat Butzer über viele Jahre filmisch begleitet. Ob auf den winterkalten Straßen von Manhattan, im geschichtsträchtig Marais von Paris, am windigen Strand von Venice in Los Angeles, ob im Bilderlager von Rangsdorf bei Berlin oder im Museo Nacional Thyssen-Bornemisza in Madrid – immer geht es um Kunst und um die vielschichtigen künstlerischen Visionen des international agierenden André Butzer.
Der Film, den Bergmann als „zeitloses Dokument“ jenseits vergänglicher Aktualität definiert, wurde ermöglicht durch die langjährige Freundschaft des Filmemachers mit dem Stuttgarter Sammlerehepaar Rudolf und Ute Scharpff. Ihnen hat Rudij Bergmann seinen Butzer-Film gewidmet.
In Kooperation mit Kunsthalle Mannheim
Rudij Bergmann stellt seinen Film persönlich vor.
Der Gitarrist und Komponist Claus Boesser-Ferrari, der die Filmmusik geschrieben hat, führt eine eigens für Bergmann komponierte musikalische Widmung an den Filmemacher live im Kinosaal auf.

Robert Häusser – Leben und Werk

DEU

2009

Rudij Bergmann

Der renommierte Filmemacher und Kunstkritiker Rudij Bergmann begleitete im Jahr 2009 den international berühmten Fotografen Robert Häusser zu den Stationen seiner außergewöhnlichen Karriere und verknüpfte Leben und Werk des Ausnahmekünstlers, der von 1952 bis zu seinem Tod 2013 in Mannheim lebte. Zum 100. Geburtstag des Fotokünstlers zeigen wir den Film in Anwesenheit von Rudij Bergmann.

In Kooperation mit den Reiss-Engelhorn-Museen, begleitend zur Ausstellung „Sachlich neu – Fotografien von August Sander, Albert Renger-Patzsch & Robert Häusser“ (bis 27.4. im Museum Peter & Traudl Engelhornhaus)

Einführung: Prof. Dr. Claude W. Sui, Leiter des Forum Internationale Photographie an den Reiss-Engelhorn-Museen

Anschließend Filmgespräch mit Rudij Bergmann

Robert Häusser – Leben und Werk

DEU

2009

Rudij Bergmann

Der renommierte Filmemacher und Kunstkritiker Rudij Bergmann begleitete im Jahr 2009 den international berühmten Fotografen Robert Häusser zu den Stationen seiner außergewöhnlichen Karriere und verknüpfte Leben und Werk des Ausnahmekünstlers, der von 1952 bis zu seinem Tod 2013 in Mannheim lebte. Zum 100. Geburtstag des Fotokünstlers zeigen wir den Film in Anwesenheit von Rudij Bergmann.

In Kooperation mit den Reiss-Engelhorn-Museen, begleitend zur Ausstellung „Sachlich neu – Fotografien von August Sander, Albert Renger-Patzsch & Robert Häusser“ (bis 27.4. im Museum Peter & Traudl Engelhornhaus)

Einführung: Prof. Dr. Claude W. Sui, Leiter des Forum Internationale Photographie an den Reiss-Engelhorn-Museen

Anschließend Filmgespräch mit Rudij Bergmann

Das Rote Zimmer

DEU

2010

Rudolf Thome

Katharina Lorenz, Seyneb Saleh, Peter Knaack

ROTE SONNE hieß vor vierzig Jahren der Film, mit dem Rudolf Thome seinen Ruf als herausragender Filmemacher begründete. In seinem neuen Werk mit der gleichen Farbe im Titel geht es um ein ganz ähnliches Thema: starke, selbstbewusste Frauen und ihr Verhältnis zum anderen, manchmal etwas passiven Geschlecht. Es ist eine Ménage-à-trois, von der Thome hier auf wunderbare Weise erzählt: Der Berliner Kussforscher Fred – ja, diesen Beruf gibt es wirklich – wird von Luzie und Sibil dazu auserkoren, einen Harem zu gründen.

Detektive

DEU

1996

Rudolf Thome

Marquard Bohm, Ulli Lommel, Uschi Obermaier, Elke Haltaufderheide, Iris Berben

Marquard Bohm ist einer der coolsten Typen, die es im deutschen Kino je gegeben hat. Ulli Lommel ranchierte zwischen Fassbinder und Trashfilmen. Und Uschi Obermaier ist ohnehin eine Nummer für sich. Mit den interessantesten Darstellern des jungen Films drehte Rudolf Thome seinen Debütfilm: Eine raffinierte Story um zwei schnoddrige Schwabinger Typen, die sich als Detektive versuchen. Mit dem Kniff, sowohl für den Auftraggeber wie auch für ihre Zielpersonen zu arbeiten, um doppelt abzukassieren. Ein Plan, der natürlich nur nach hinten losgehen kann. In der hochkreativen Filmszene Münchens entstand Ende der 1960er ein unglaublich intensives, lebendiges Kino, das den Autorenfilm mit Genrevarianten bereicherte und ihn so in den Pop hinüberführte: Das Bewusstsein von den Möglichkeiten des Kinos war verbunden mit dem Bewusstsein der Gegebenheiten in diesen Zeiten des Umbruchs.
Einführung: Peter Bär

Rote Sonne

BRD

1969

Rudolf Thome

Marquard Bohm, Uschi Obermaier, Diana Körner, Sylvia Kékulé, Gaby Go, Henry van Lyck, Peter Moland, Günter Lemmer, Don Wahl, Peter Berling, Axel Willschrei, Hark Bohm

Thomas (Marquard Bohm) trampt nach München, um seine verflossene Liebe Peggy (Uschi Obermaier, Fotomodell und Mitglied der Berliner „Kommune 1”) wieder zu sehen. Diese hat sich mittlerweile in einem männermordenden Vamp verwandelt, die mit ihren „Partnerinnen in Crime „ eine Kommune bewohnt und einen Liebhaber nach dem anderen um die Ecke bringt. Hin und her gerissen zwischen ihren wieder aufkeimenden Gefühlen für Thomas und den feministischen „Verpflichtungen“ der Kommune, beschließt sie zu fliehen… Ein grotesk-unterhaltsamer 68er-Kultfilm von Rudolf Thome mit einer außerordentlich schönen Fotografie, der das Lebensgefühl einer Generation wiederspiegelt. Präsentiert von APO-OPA Einhart Klucke, in Zusammenarbeit mit ver.di Mitmachprogramm.

Return to Dust

CHN

2022

Ruijun Li

Wu Renlin, Hai-Qing.

Der chinesische Bauer Ma bewirtschaftet sein Land mit Esel und Pflug. Er ist der letzte Unverheiratete in seiner Familie. Guiying ist körperlich fragil, unfruchtbar und über das im ländlichen China übliche Heiratsalter längst hinaus. Zwischen Ma und Guiying wird eine Ehe arrangiert, in der die beiden als zwei Fremde aufeinandertreffen, die Vereinzelung und Demütigung gewohnt sind. Die von außen verordnete Heirat wird zur gemeinsamen Bestimmung, in der die beiden Nähe, Fürsorge und Freude entdecken.
Regisseur Li Ruijun drehte in seinem Heimatdorf in der nordchinesischen Provinz Gansu, feiert die Schönheiten der Natur und thematisiert Zwangsverstädterung und Entwurzelung. Vor allem aber geht es ihm in seiner Erzählung um die unvermutete Liebe seiner arglosen und verletzlichen Charaktere.
Im September 2022 wurde der Film in China verboten – er zeigt wohl eine Wirklichkeit, von der das Regime nichts wissen will.
Die Filmkritik urteilte:
„Nicht bloss beeindruckend, sondern sehr nahe jenem Bereich, wo Begriffe wie ‚Meisterwerk‘ oder ‚filmische Offenbarung‘ angemessen klingen. – Eine tief berührende Parabel über die Arbeit am eigenen Glück.“ (Die Wochenzeitung – WOZ) – „Staatschef Xi verspricht Wohlstand durch Urbanisierung, die Armut sei besiegt. Etwas anderes soll man nicht sehen, kann man auch nicht mehr. Zumindest in China nicht. Hier schon. Und wer den bewegenden Film sehen kann, sollte ihn sich anschauen.“ (Neue Zürcher Zeitung) – „Eine singuläre Liebesgeschichte, die so zärtlich und natürlich wirkt, wie sie schon lange nicht mehr erzählt wurde.“ (OutNow)

Sparrows

ISL/DNK/HRV

2015

Rúnar Rúnarsson

Atli Oskar Jalarsson, Ingvar E. Sigursson, Kristbjörg Kjeld

Der 16jähriga Ari ist gezwungen, von seiner Mutter aus Reykjavik in seine alte Heimat zu seinem Vater zu ziehen, in den abgeschiedenen Nordwesten Islands, wo schlicht gar nichts los ist. Die raue Landschaft spiegelt die schwierigen Beziehungen zum Vater wie auch zu den alten Freunden wider. Nichts ist, wie es war oder wie es sein sollte. Seine Sandkastenfreundin ist jetzt mit dem ruppig-aggressiven Einar zusammen. Seine Großmutter, die ihm Halt gegeben hat, stirbt. Stilistisch souverän erzählt SPARROWS seine Geschichte vom Erwachsenwerden um die Frage, ob aus der Vorhölle der Jugend ein Mindestmaß an Empfindsamkeit ins Erwachsenenleben hinüber zu retten ist, ein existentielles Drama über einen Jungen, geworfen in eine ihm fremde Welt, eine subtile Vater-Sohn-Geschichte – "eines der herausragenden Ereignisse im ausgehenden Kinojahr 2016." (epd Film)

Chasing the Wind

NOR

2013

Rune Denstad Langlo

Sven-Bertil Taube, Tobias Santelmann

Anna ist vor Jahren aus ihrem Heimatdorf in Norwegen weggegangen um vor ihrem Leben zu fliehen und in Berlin neu zu beginnen. Sie startet eine Karriere als Modedesignerin und lebt mit ihrem Verlobten zusammen. Als sie jedoch erfährt, dass ihre Großmutter gestorben ist, kehrt sie zurück zu ihrer Familie – zu ihrem schweigsamen verbitterten Großvater. In ihrer Heimat trifft sie auch auf ihren Ex-Freund einer vergangenen Zeit und sieht sich bald mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Schließlich kommen Erinnerungen an ein altes Unglück in der Familie an die Oberfläche, das das Miteinander nachhaltig verändert hat. Doch schon bald erkennt Anna, dass eine Rückkehr manchmal auch ein Neubeginn sein kann.
Nach seinem erfolgreichen Roadmovie „Nord“ beweist Filmemacher Langlo in seinem bitter-süßen Werk ohne die üblichen Klischees und dramatischen Verwicklungen ein feines Gespür für die alltäglichen Katastrophen und Folgen falscher Entscheidungen, unter denen man ein Leben lang leidet.

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