Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Der Hund begraben

DEU

2016

Sebastian Stern

Justus von Dohnányi, Juliane Köhler, Georg Friedrich

Hans im Unglück: Er wird entlassen. Abends will er das Problem seiner Familie mitteilen – doch die Tochter hat einen Freund und ist unansprechbar. Und seine Frau hat einen streunenden Hund bei sich aufgenommen: Der Hund als Gattenersatz. Gegen jede Vernunft kauft sich Hans von der Abfindung ein Cabrio. Saust nach Hause. Und rums – am nächsten Tag sucht die Familie verzweifelt den Hund. Auftritt Mike: Der bietet sich an, Hans zu helfen – nistet sich dann aber selbst bei Hans ein, zur Freude der Ehefrau: Der Freund als Hundeersatz.
Sebastian Stern gelingt eine konsequent durchgespielte Komödie, unterstützt von einem großartigen Ensemble und versetzt mit dem richtigen Quäntchen schwarzen Humors: Die Tragik des Alltags wendet sich ins absurd Makabre.

Talking Money – Rendezvous bei der Bank

DEU/CHE/GEO

2019

Sebastian Winkels

Die Bank hat Geld. Der Kunde braucht Geld. So ist es überall auf der Welt. Von Benin bis Pakistan, von Bolivien bis in die Schweiz, von Deutschland bis Georgien beobachtet Sebastian Winkels Begegnungen zwischen Kunde und Berater. Die Vergabe eines Kredits gestaltet sich dabei von Land zu Land emotional unterschiedlich, von Genervtheit bis Ehrfurcht, von Demut bis Stolz. Aus dem Blick der Kamera über die Schulter des Bankangestellten ergibt sich so eine Gesamtschau der sozialen Bedeutung von Geld: Fünfzehnmal treffen sich Menschen zum finanziellen Stelldichein, zu einem tragikomischen Machtspiel, bei dem Bluff und Pokerface zum guten Ton gehören.

Marie und die Schiffbrüchigen

FRA

2016

Sébastien Betbeder

Vimala Pons, Pierre Rochefort, Éric Cantona, Damien Chapelle, André Wilms, Emmanuelle Riva

Journalist Siméon findet auf dem Weg aus der Bar die Brieftasche von Marie. Sie ist Gelegenheitsmodell, gescheiterte Babysitterin – und Single, weil sie sich gerade von ihrem Langzeitfreund getrennt hat. Bei der Übergabe des Portemonnaies ist Siméon sofort verliebt – und es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem bald auch Siméons WG-Partner Oscar mitmischt. Auf der kleinen Ile de Groix sorgen eine geladene Waffe und der ausgeflippte alte Popstar Cosmo dafür, dass die Situation weiter außer Kontrolle gerät… Der Sohn von Jean Rochefort, der ehemalige ManU-Superstar Cantona und Jungstar Vimala Pons – die der „Hollywood Reporter“ aufgrund ihrer unbeholfenen Direktheit neben Greta Gerwig stellt – überzeugen in dieser verschrobenen Dreier-Romanze irgendwo zwischen Romantik und Irrwitz.
Preview vor dem Bundesstart!

Coco Ferme / Coco Farm

CAN

2023

Sébastien Gagné

Oscar Desgagnés, Joey Bélanger, Emma Bao Linh Tourné, Benoît Brière

Der 12-jährige Max ist zunächst gar nicht erfreut, als er Montreal verlassen und mit seinem Vater aufs Land ziehen muss. Schnell wird ihm aber klar, dass auf dem Land nicht alles schlecht ist. Zum Beispiel die Frühstückseier, die hier von glücklichen Hühnern stammen. Begeistert von der guten Qualität beschließt Max, gemeinsam mit ein paar Freunden, die tierfreundliche Coco Farm zu gründen, auf der das Tierwohl an erster Stelle steht.

Gerne schaut die Cinéfête in andere französischsprachige Länder, zuletzt hauptsächlich nach Afrika. In dieser Saison freuen wir uns, erstmals einen Film aus der kanadischen Québec-Provinz zu zeigen, der auch thematisch unwiderstehlich ist: COCO FERME erzählt von dem unstillbaren Unternehmergeist des jungen Max, der den sprichwörtlichen Hammer in die Hand nimmt und mit Hilfe seiner Freunde versucht, die Welt ein kleines Stück besser zu machen.

Kleines Mädchen

FRA

2022

Sébastien Lifshitz

Die siebenjährige Sasha wusste schon immer, dass sie ein Mädchen ist, auch wenn sie als Junge geboren wurde. Von ihren liebevollen Eltern erfährt sie vollste Unterstützung. Sie gehen mit ihrer Tochter Kleider kaufen und begleiten sie zu ihrer Therapeutin, die Gender-Dysphoria bei Sasha diagnostiziert. Doch das kleine Mädchen erfährt nicht überall Verständnis: Ihre Lehrer beharren auf einem starren Junge-Mädchen-Denken und fordern entsprechende Anpassung.
Sébastien Lifshitz (PLEIN SUD, 2009) hat die kleine Sasha ein Jahr lang begleitet. Er fängt die Herausforderungen, Erfolge und Rückschläge des Mädchens und ihrer Familie mit behutsamen Bildern ein und stellt damit höchst empathisch konservative Vorstellungen von Geschlecht in Frage. Sein mehrfach ausgezeichneter Film zeigt  – auf Augenhöhe des Kindes – Sashas täglichen Kampf, von ihrem sozialen Umfeld als die gesehen und anerkannt zu werden, die sie wirklich ist.
Mit Einführung und Diskussion
In Kooperation mit dem LGBT+Friends-Netzwerk von BASF

Plein Sud - Auf Dem Weg Nach Süden

FRA

2009

Sébastien Lifshitz

Yannick Rénier, Léa Seydoux, Théo Frilet

Vier Menschen in einem Auto, auf dem Weg von Frankreich in den Urlaub nach Spanien. Die Geschwister Mathieu und Léa lieben beide Männer, und Jérémie steht eindeutig auf Frauen – und besonders auf Léa. Nur Sam, der Fahrer, der die anderen drei auf dem Weg aufgegabelt hat, hat zunächst ganz andere Sorgen: seine komplizierte Beziehung zu seiner Mutter. PLEIN SUD ist ein Familiendrama, ein Road-Movie und ein Sommerfilm mit entsprechend leichter Bekleidung bis hin zu ganz nackter Haut…

Spiders – Ihr Biss ist der Tod

FRA

2023

Sébastien Vaniček

Théo Christine, Sofia Lesaffre, Finnegan Oldfield, Jérôme Niel, Lisa Nyarko

Kaleb hat eine Schwäche für exotische Tiere, die er in seiner Wohnung in einem Pariser Wohnblock hütet. Seine neueste Errungenschaft ist eine seltene Spinne unbekannter Herkunft: besonders angriffslustig, extrem giftig und hochgradig invasiv. Es kommt, wie es kommen muss: Sie entwischt. Und vermehrt sich. Schon bald gibt es die ersten Todesopfer, Auf der Flucht vor der Armee von beißenden Achtbeinern müssen sich Kaleb und seine Freunde Stockwerk für Stockwerk ihren Weg in die Freiheit erkämpfen – und die Behörden haben das Gebäude abgeriegelt…

Dieses originelle Creature Feature macht Angst und Spaß zugleich! Denn Regisseur Vaniček setzt nicht nur auf Tierhorror, sondern setzt das Setting in einem prekären Banlieue-Mietshaus geschickt (und realistisch) ein. Euphorisches Lob gab es von Stephen King und von Sam Raimi, der Vaniček gleich für den nächsten Teil seiner EVIL DEAD-Reihe verpflichtet hat. „Einer der effektivsten Spinnen-Filme überhaupt!“ (programmkino.de)

Ghost School

PAK/DEU/SAU

2025

Seemab Gul

Nazualiya Arsalan, Samina Seher, Adnan Shah Tipu

Die Schule ist geschlossen. Die zehnjährige Rabia versucht herauszufinden, warum die Jungs den Unterricht im Nachbardorf besuchen dürfen, die Mädchen aber davon ausgeschlossen sind. Ihre Fragen werden nicht beantwortet; dafür erfährt sie von dem Gerücht, die Schule sei verflucht, ihr Lehrer von einem Dschinn besessen.

Aus einer scheinbar einfachen Frage entwickelt sich eine Reise durch ein Labyrinth aus Aberglauben, Autorität und Korruption: In der Tradition der Filme von Abbas Kiarostami wird die beharrliche Suche einer jungen Protagonistin zum Ausgangspunkt einer Erkundung gesellschaftlicher Verhältnisse: Bildung und soziale (Un)Gleichheit gehen Hand in Hand. „Beeindruckend! Spannend wie ein Thriller mit schönen Anklängen wie aus einem Märchen.“ (Radio Eins)

Branded to Kill

JAP

1967

Seijun Suzuk

Joe Shishido, Mariko Ogawa, Annu Mari

Wilde Schießereien, präzise Auftragsmorde: Hanada fuhrt ein aufregendes Leben. Er liebt seine Frau und den Duft von kochendem Reis. Und er ist einer der besten Killer – Killer Nr. 3, um genau zu sein. Doch eines Tages tritt die mysteriöse Misako in Hanadas Leben und erteilt ihm einen fatalen Auftrag. Hanadas Alptraum beginnt: Er versagt und das Opfer uberlebt. Nun ist ihm sein eigenes Syndikat auf den Fersen, seine Frau verrät ihn und Killer Nr. 1 fordert ihn zu einem Zweikampf auf Leben und Tod…
Stylischer als James Bond und gewagter als die Nouvelle Vague: Mit BRANDED TO KILL fand die rastlos kreative Schaffensphase von Seijun Suzuki (TOKYO DRIFTER, 1966) fur das Studio Nikkatsu ihren Höhepunkt: „delirierender Fiebertraum von Film – ein Außenseiter-Klassiker vergleichbar mit Samuel Fuller oder Jean-Luc Godard.“ (New York Times)

Beruf Mörder

JAP

1967

Seijun Suzuki

Jo Shishido, Mariko Ogawa, Mari Ann

Wilde Schießereien, präzise Auftragsmorde: Das ist Hanadas Leben. Er liebt seine Frau und genießt gutes Essen. Er ist einer der besten Killer – Killer Nr. 3, um genau zu sein. Eines Tages tritt die mysteriöse Misako in Hanadas Leben und erteilt ihm einen fatalen Auftrag. Er versagt und das Opfer überlebt – für Handa beginnt ein Alptraum. Nun ist ihm sein eigenes Syndikat auf den Fersen, seine Frau verrät ihn und Killer Nr. 1 fordert ihn zu einem Zweikampf auf Leben und Tod.

Koroshi No Rakuin - Branded To Kill

JAP

1967

Seijun Suzuki

Jo Shishido, Koji Nanbara, Isao Tamagawa

Wilde Schießereien, präzise Auftragsmorde: Hanada führt ein aufregendes Leben. Er liebt seine Frau und den Duft von kochendem Reis. Er ist einer der besten Killer – Killer Nr. 3, um genau zu sein. Eines Tages tritt die mysteriöse Misako in Hanadas Leben und erteilt ihm einen fatalen Auftrag. Hanadas Alptraum beginnt: Er versagt und das Opfer überlebt. Nun ist ihm sein eigenes Syndikat auf den Fersen, seine Frau verrät ihn und Killer Nr. 1 fordert ihn zu einem Zweikampf auf Leben und Tod. Eine visuell herausragend inszenierte Profilkillergeschichte, die heute als Meisterwerk Anerkennung genießt.

Tokyo Drifter

AP

1966

Seijun Suzuki

Ryuji Kita, Tetsuya Watari, Hideaki Esumi

„Auf der Reise, die kein Ende kennt, vergess ich Tokyo, irgendwann“ singt Tetsu (Tetsuya Watari), ein Yakuza, dessen Syndikat nicht mehr existiert. Er zieht sich mit seinem Boss Kurata aus Tokio zurück, doch die Stadt holt sie ein. Denn der feindliche Yakuzaboss Otsuka will Tetsu tot sehen und setzt seinen besten Killer „Viper“ (Tamio Kawaji) auf ihn an. Ohne Rückhalt im eigenen Syndikat beginnt für den Drifter eine tödliche Wanderung… TOKYO DRIFTER ist neben BRANDED TO KILL der Film, auf dem der Ruf des Regisseurs als begnadeter Stilist des Kinos beruht. Seine gewagten Farbkompositionen und Einstellungen, die man nicht vergisst, machen TOKYO DRIFTER zu einem Juwel unter den Massenproduktion des japanischen Yakuzafilms der 60er und beweisen einmal mehr, was der Nouvelle Vague zum Credo wurde: „All you need to make a movie is a girl and a gun“ (Jean-Luc Godard).

Grain - Weizen

TUR/DEU/FRA/SWE/QAT

2017

Semih Kaplanoglu

Jean-Marc Barr, Ermin Bravo, Grigory Dobrygin, Cristina Flutur

Ein abrupter Klimawandel hat das Leben auf der Erde nahezu unmöglich gemacht. Menschen leben in Ruinenstädten oder als Flüchtlinge in ländlichen Gebieten, die durch unsichtbare Elektrobarrieren von den Städten getrennt sind. Der Wissenschaftler Erol Erin begibt sich auf die Suche nach einem berühmten Genetiker, der eine Lösung für die fortwährenden Missernten besitzen könnte, die die Menschheit in dieses Chaos gestürzt hat. Doch Akman wird in der verbotenen Zone vermutet…
Sieben Jahre nach seinem Berlinale-Gewinner BAL – HONIG wandelt Semih Kaplanoglu mit GRAIN – WEIZEN, seinen ersten englischsprachigen Film mit großem internationalem Cast, auf den Spuren von Tarkowskis STALKER: Mit überwältigenden Bildern und seiner mythisch-philosophischen Geschichte entführt er in eine Zukunft, die so fern doch gar nicht mehr scheint.

Die SIrene

FRA/DEU/LUX/BEL

2023

Sepideh Fars

Omid, 14 Jahre, lebt in Abadan, der größten Hafenstadt des Irans. Es ist 1980 – und Bomben fallen auf die Raffinerie. Die irakischen Truppen belagern die Stadt. Omids Bruder kämpft an der Front, er selbst liefert Essen aus, bekommt so alle Aspekte des Lebens und des Leidens der Zivilbevölkerung mit. Und fasst allmählich einen Plan: Ein altes Schiff liegt am Hafen; mithilfe eines früheren Ingenieurs, armenisch-orthodoxen Priestern, einer vor der iranischen Revolution berühmten Sängerin will er seine Arche flottmachen.
Die Exiliranerin Sepideh Farsi erzählt in ihrem nicht auf Kinder gemünzten Animationsfilm von den Auswirkungen des Krieges kurz nach der Khomeini-Revolution, zwischen dem Widerstand gegen die irakischen Feinde und der Etablierung einer ultrareligiösen Diktatur.

Iwan der Schreckliche Teil 1 und 2

UdSSR

1944 / 1958

Sergei Eisenstein

Nikolai Tscherkassow, Serafima Birman, Pawel Dadotschnikow

Er ist 16 Jahre alt, als er sich selbst zum Zaren krönt: Die schillernde Figur des Zaren Iwan, den schon seine Zeitgenossen „den Schrecklichen“ nannten, wird in den Händen von Filmregisseur Sergei Eisenstein zum Helden eines epochalen Historiendramas. Der zweiteilige Film schildert dabei nicht nur Aufstieg und Herrschaft des Zaren, sondern nimmt auch dessen Niedergang und zunehmenden Wahnsinn unter die Lupe. Während der erste Teil des Films, 1944 uraufgeführt, noch ganz der damaligen Staatsräson zu folgen scheint, wurde der zweite Teil von Stalin verboten und erst 1958 veröffentlicht. Die Musik stammt von Sergei Prokofjew.
Der Film läuft begleitend zur Neuinszenierung von Mussorgskis Oper „Boris Godunow“ am Nationaltheater Mannheim, die in verschiedener Hinsicht in Beziehung steht zu Eisensteins Film: Die selbstinszenierte Konfrontation Russlands mit dem Westen, die absolute Herrschaft, die innere und äußere Unterdrückung des Volkes, aufgesetzte und echte Spiritualität, die Fragen der Gerechtigkeit und Strafe, Verschwörung und Krieg – all dies und noch mehr verbindet die beiden Werke.
Filmvorführung in zwei Teilen mit Einführung. Die Einführung wird musikalisch umrahmt von Rita Kapfhammer (Mezzosopran) und Gábor Bartinai (Klavier).
Besucher des Films erhalten bei Vorlage eines Opern-Tickets „Boris Godunow“ ermäßigten Eintritt. Umgekehrt gibt es einen 25% Rabatt für die Opernaufführungen bei Vorlage eines entsprechenden Kino-Tickets.
Es gibt für alle Begrüßungsgetränk.

Oktober. Zehn Tage, die die Welt erschütterten

RUS

1928

Sergei Eisenstein, Grigori Alexandrow

Wassili Nikandrow, Nikolai Popow, Nikolai Powoiski

Sergei Eisenstein wurde 1927 beauftragt, die russische Revolution filmisch zu würdigen – mit OKTOBER schuf er eines seiner bekanntesten Werke, das die Möglichkeiten der noch jungen Filmkunst eindrucksvoll präsentierte.
In unserem Themenabend zeigen wir das einzig erhaltene Fragment der deutschen Fassung des Films aus dem Jahr 1928.
Die historische Dimension der Revolution erläutert Prof. Helmut Dahmer (Wien) mit einem Vortrag: „Oktober 1917 – Putsch oder revolutionärer Aufbruch?“.
Die Schauspielerin Bettina Franke rezitiert russische Revolutionsliteratur.
Live-Musikbegleitung von ewo mit Bernd Köhler (Gitarre), Laurent Leroi (Akkordeon) und Joachim Romeis (Geige). In Kooperation mit dem Aktionsbündnis „Wir zahlen nicht für Eure Krise!“
Mehr zur Oktoberrevolution: 1917 – DER WAHRE OKTOBER am 23.11.!

Die Sanfte

FRA/DEU/RUS/LTU/UKR/NLD

2017

Sergei Loznitsa

Vasilina Makovtseva, Marina Kleshcheva, Lia Akhedzhakova, Valeriu Andriuta

Zurück zum Absender: Eine Frau erhält ein Paket zurück, das sie ihrem Mann ins sibirische Gefängnis geschickt hat. Warum? Was ist mit ihrem Mann geschehen? Auf dem Postamt erfährt sie nichts. Also macht sie sich auf in den Osten Russlands, um ihrem Mann das Paket persönlich zu überbringen: Kondensmilch, Dosenfisch, Zigaretten. Bei ihrer entschlossenen Suche nach Antworten lässt sie sich durch nichts aufhalten, auch nicht von Gewalt, Demütigungen, Ignoranz und Selbstsucht. Das Gefängnis wirkt wie eine uneinnehmbare Festung, in der Bürokratie, Willkür und Machtmissbrauch herrschen, und die Menschen, die ihr vielleicht helfen können, wirken alles andere als seriös…
Der ukrainische Regisseur bringt, inspiriert von Dostojewski, ein parabelhaftes Gesellschaftsdrama auf die Leinwand, in dem sich seine Protagonistin durch ein Russland zwischen Misstrauen, Opportunismus und Hilflosigkeit bewegt, inszeniert mit größter filmischer Wucht.

Donbass

UKR/DEU/FRA/NLD/ROU/POL

2018

Sergei Loznitsa

Boris Kamorzin, Valeriu Andriuta, Tamara Yatsenko, Thorsten Merten

Seit 2014 herrscht in der Donbass-Region in der Ostukraine ein blutiger Konflikt zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Truppen. In 13 kaleidoskopartigen, teils absurden Vignetten zeigt der ukrainische Regisseur Sergei Loznitsa ein Land, das zwischen dem Alltag im Bürgerkrieg, informellen Machtstrukturen, Korruption und Fake News zerrieben wird. Eine Gruppe Schauspieler inszeniert einen TV-Beitrag über einen fingierten feindlichen Anschlag; aus Rache für einen vermeintlichen Rufmord kippt eine Politikerin Fäkalien über den Kopf eines Chefredakteurs; ein Mann führt durch eine weitverzweigte Bunkeranlage, in dem dutzende Menschen Zuflucht vor Feuerbeschuss suchen. Beschlagnahmungen, Kontrollschikanen und Prügelstrafen sind an der Tagesordnung. Der kalte Horror von Angst, Gewalt und Hysterie erfasst mehr und mehr Bereiche des Lebens und nimmt immer groteskere Züge an…
Loznitsa erhielt für seinen medienkritischen und hochpolitischen Episodenfilm mehrere Preise, unter anderem in Cannes für die beste Regie in der Sektion „Un Certain Regard“.

Im Nebel

RUS/DEU

2012

Sergei Loznitsa

Vladimir Svirski, Vlad Abashin

Partisanen in der UdSSR kämpfen während des Zweiten Weltkriegs gegen die deutschen Besatzer. Als einige von ihnen gefasst werden, werden sie gehängt. Nur Sushenya wird freigelassen. Das bringt jedoch die Partisanen gegen den jungen Vater auf. Hat er seine Mitkämpfer verraten? In der Nacht wird Sushenya entführt und soll erschossen werden. Doch bevor es dazu kommt, werden die Drei angegriffen – und Sushenya entscheidet sich, seinen verletzten Gegnern zu helfen. In der deutschen Koproduktion IM NEBEL folgt Regisseur Sergei Loznitsa der Gruppe ungleicher Kämpfer bei ihrer Flucht durch den Wald. Er erzählt so eine Geschichte um Moral und Recht in einer Zeit, in der ganz eigene Regeln gelten.

Luftkrieg – Die Naturgeschichte der Zerstörung

DEU/LTU/NLD

2022

Sergei Loznitsa

Der ukrainische Regisseur Sergei Loznitsa setzt sich anhand von brillant restauriertem Archivmaterial ohne einordnenden Kommentar mit dem Ausmaß der Zerstörung vor allem von deutschen und britischen Städten im Zweiten Weltkrieg auseinander. Inspiriert von W. G. Sebalds Buch „Luftkrieg und Literatur“ wirft er damit entscheidende ethische Fragen auf: Ist es moralisch vertretbar, die Zivilbevölkerung im Krieg ins Visier zu nehmen? Ist es möglich, Massensterben mit „höheren“ Idealen zu rechtfertigen? Diese Themen sind heute noch genauso aktuell wie vor 80 Jahren und zeigen sich insbesondere im aktuellen Krieg Russlands gegen das Heimatland des Regisseurs – wobei der Film vor der Eskalation des Angriffskriegs fertiggestellt wurde, Premiere war im Mai 2022 in Cannes.
In Kooperation mit dem MARCHIVUM, Mannheims Archiv und Haus der Stadtgeschichte und Erinnerung
Einführung: Dr. Christian Groh, MARCHIVUM

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