Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Grand Budapest Hotel

USA/DEU

2014

Wes Anderson

Ralph Fiennes, Tony Revolori, F. Murray Abraham, Mathieu Amalric, Tilda Swinton, Adrien Brody, Jeff Goldblum, Harvey Keitel, Jude Law, Bill Murray, Saoirse Ronan, Léa Seydoux, Jason Schwartzman etc. pp.

An der Ostgrenze des europäischen Kontinents, in der Republik Zubrówka, unterhalb des alpinen Sudetenwalds, verbreitet das leicht heruntergekommene Grand Budapest Hotel noch immer den Glanz der Habsburgerzeit. In fünf Kapiteln und vier Zeitebenen erzählt Wes Anderson in seinem unnachahmlich verspielten Stil vom legendären Portier Gustave, der den jungen, staatenlosen Zéro Mustafa als Protégé annimmt. Gemäldediebstahl, Mordverdacht, Zug- und Schlittenfahrten, eine Geheimgesellschaft, kunstvolle Torten, Faschismus und, möglicherweise, Stefan Zweig liegen in der Spielzeugkiste, aus der Anderson seinen Film zusammensetzt – ein Ringelreihen hochkarätiger Stars und eine weitumspannende fröhliche Fantasie über die jüngere europäische Geschichte, in der trotz atemberaubender Exzentrik die Trauer über die Katastrophen des 20. Jahrhunderts durchscheint.

The Hills Have Eyes

USA

1977

Wes Craven

Susan Lanier, Robert Houston, Dee Wallace

Auf dem Weg nach Kalifornien geraten die Carters in ein atomares Testgebiet der Army. Hier werden sie von einer Gruppe Kannibalen überfallen, die verirrte Durchreisende möglichst grausam zu Nahrung verarbeiten. Der zweite Spielfilm des mittlerweile vor allem durch SCREAM bekannten Regisseurs Wes Craven ist eines der Gründungswerke des modernen Horrorfilms. Der Regisseur und seine Kamera beginnen hier, sich an einer Ästhetik der Gewalt zu erproben, die mittlerweile in wesentlich stärkerer Form in Mainstream-Produktionen Einzug gehalten hat. Man sieht menschliches Fleisch sich vom Körper lösen, Knochen darunter hervorscheinen und eine gehörige Menge an rosarotem Filmblut sich über Leinwand und Darsteller verteilen.

Escape To Life – Die Klaus Und Erika Mann Story

D

2000

Wieland Speck & Andrea Weiss

Christoph Eichhorn, Maren Kroymann, Cora Frost

Das berühmte Schwarz-Weiß-Foto, das die Avantgarde-Künstlerin Lotte Jacobi 1930 in Berlin aufnahm, darf nicht fehlen: Erika im Profil mit Kurzhaarschnitt, Hemd und Schlips. Sie sieht aus wie ein Mann und dreht den Kopf hinüber zu Klaus, der lässig eine Zigarette im Mund hält und sie mit verschleiertem Blick von der Seite anschaut. „Wir traten wie Zwillinge auf, die Erwachsenen wie die Kinder hatten uns als Einheit zu akzeptieren“, sagt die Stimme aus dem Off. Erika und Klaus Mann, die beiden ältesten Kinder von Thomas Mann, waren unzertrennlich, bis sie sich im Exil allmählich abhanden kamen. Die Dokumentation über ihr turbulentes Leben und ihre entschiedene politische Haltung thematisiert auch ihre Homosexualität und ihre Drogenprobleme. Temporeich, mit viel Zeitkolorit, einem Interview mit Erika Mann selbst und präzisen Kommentaren einiger einstiger Vertrauter entsteht eine Doppelbiographie der Geschwister. Ein gelungenes Porträt zweier Zeitgeist-Ikonen der zwanziger bis vierziger Jahre mit einmontierten farbigen Spielfilmszenen nach einigen Erzählungen und Romanpassagen von Klaus Mann.

Pssst!

Russland

2002

Wiktor Kossakowski

Eine Frau sammelt frisch gefallenen Schnee, Strassenwischerinnen wirbeln Staub auf und das Liebespaar stolpert in die Pfütze. Eine Chronik des Absurden. Während eines Jahres filmte Kossakowski, was sich vor dem Fenster seiner Wohnung in St. Petersburg abspielte, wobei er den Regeln des Zufalls folgte. Anhand von scheinbar belanglosen Ereignissen lädt uns der Filmemacher zu einer Offenbarungsfeier des Alltags ein. PSSST! ist eine realistische Komödie, deren besonderer Reiz darin liegt, dass sie sich in eine mit dem Surrealismus flirtende, abstrakte Erzählung verwandelt. So öffnet sich denn das Fenster in dieser Strasse in St. Petersburg, der Stadt mit der strahlenden Vergangenheit und der chaotischen Gegenwart, auf zahlreiche andere Strassen der ganzen Welt. PSSST! wurde für den Europäischen Filmpreis 2003 nominiert und u.a. auf dem Dokumentarfilmfestival München 2003 und dem Montreal International Festival of New Cinema ausgezeichnet.

"Enjoy the Music" - Die Pianistin Edith Kraus

DEU

2012

Wilhelm Rösing & Marita Barthel-Rösing

Im Zentrum des Films steht immer Edith Kraus: In den 1920er Jahren studierte sie bei Artur Schnabel in Berlin Klavier als Meisterschülerin. 1942 wurde sie, zusammen mit ihrer Familie und ihrem Mann, in das Ghetto Theresienstadt gebracht. Während ihre gesamte Familie nach Auschwitz deportiert wurde, überlebte Kraus den Zweiten Weltkrieg. Sie wanderte nach Israel aus und wurde zur gefeierten Pianistin. Im Film kommen Weggefährten zu Wort und sie selbst, die unaufgeregt von ihrem Leben erzählt. Von ihrer Liebe zur Musik, ihrem Weg zurück auf die Bühnen der Welt, ihrer Rückkehr nach Deutschland, nach all den Jahren. Und von der dunkelsten Zeit ihres Lebens, in der nur die Musik sie gerettet hat.
Ein kluger, ruhiger Film, spannend auch ohne viel bewegtes Archivmaterial. Außerdem eine respekt- und liebevolle Verbeugung vor einer großen Künstlerin, die im September 2013 hundertjährig verstorben ist.

Die Drei von der Tankstelle

DEU

1930

Wilhelm Thiele

Lilian Harvey, Willy Fritsch, Heinz Rühmann, Oskar Karlweis

Willy, Kurt und Hans sind pleite. Gepfändet vom Gerichtsvollzieher müssen die drei Freunde ernsthafte Arbeit suchen. An einer vielbefahrenen Landstraße machen sie eine Tankstelle auf. Eine ihrer besten Kundinnen wird die kesse Lilian, in die sich alle drei unabhängig voneinander verlieben.
Die „Tonfilmoperette“ – virtuose Komödien mit schwungvollen Schlagern in flottem Erzählrhythmus und mit selbstreferentieller Ironie – war eine höchst erfolgreiche Erfindung des Weimarer Kinos. DIE DREI VON DER TANKSTELLE stellte den Auftakt für dieses neue, moderne Filmgenre dar: Ein Film, der bis heute nichts von seinem Charme und seinem Witz verloren hat.
Einführung: Dr. Alexander Sigelen

The Wolves Of Kromer

Will Gould

Lee Williams, James Layton, Kevin Moore

Seth und Gabriel tragen Kunstpelzjacken mit angenähten Schwänzen, haben krallenartige Fingernägel und spitze Ohren. Die beiden „Wölfe“ – schöne, junge, schwule Traummänner – lieben sich und machen die malerische Gegend um das walisische Kromer unsicher. Ihr Treiben ist der dortigen Bevölkerung ein Dorn im Auge, und so versuchen zwei altjüngferliche Hausdamen, ihnen einen Mord in die Schuhe zu schieben. Mit seinem surreal-romantischen Kriminalmärchen gelingt Regiedebütant Gould ein schwung-volles und ungewöhnliches Plädoyer für mehr kirchliche Toleranz gegenüber der Homosexualität. „…wahrscheinlich der innovativste, interessanteste und eigenwilligste Gay-Film, den ich seit Jahren gesehen habe.“ (Filethirteen.com)

Shut Up and Play the Hits

GBR

2012

Will Lovelace

James Murphys Band LCD Soundsystem brachte sie alle zusammen – eine Generation der 30jährigen, die entdecken musste, dass auch sie vergänglich ist. Murphy war es, der uns den Sound dazu um die Ohren schlug: laut, selbstbewusst und gleichzeitig erschütternd melancholisch. Auf dem Gipfel des Erfolgs trifft er eine Entscheidung, die unsere Zeit nicht verstehen kann und die doch unumgänglich ist: aufzuhören. Um Kaffee zu kochen, eine Familie zu gründen, mit dem Hund zu gehen. Den Ausstieg plant er minutiös. Von Bekanntmachungen bis hin zum letzten Konzert von LCD Soundsystem im New Yorker Madison Square Garden vor 20.000 Menschen. Das Finale der Band ist furioses Fest und Begräbnis zugleich, ein Rausch mit Mythoscharakter. SHUT UP AND PLAY THE HITS begleitet Murphy in den Stunden vor und nach dem letzten Konzert. Und bringt dabei den Sound mit tragischer Wucht auf die Leinwand, die auch den von den Stühlen reißen wird, der noch nie von LCD Soundsystem gehört hat.

Lilies Not for Me

GBR/ZAF/FRA/USA

2024

Will Seefried

Fionn O’Shea, Robert Aramayo, Erin Kellyman, Louis Hofmann

England in den 1920ern. Schriftsteller Owen landet wegen seiner Homosexualität in der geschlossenen Psychiatrie. Während einer Reihe von ärztlich verordneten „romantischen Verabredungen“ erzählt er einer Krankenpflegerin seine Geschichte: Wie er zuerst glaubte, Frieden und Glück mit seiner Liebe zu Philip gefunden zu haben – und zu spät erkannte, wie tief dessen Selbsthass wirklich saß. Denn Philip wollte mit einer Operation seine verbotenen Gefühle zügeln – und Owen sollte das Messer führen.

Basierend auf historischen Ereignissen erzählt der Film von den Ursprüngen der Konversionstherapie in unvergesslichen Bildern, die diese „Behandlungen“ und ihrer Folgen sicht- und fühlbar machen – eine herzzerreißende, letztlich dennoch lebensbejahende Geschichte in einer dunklen Epoche für queere Menschen: „LILIES NOT FOR ME zeigt die brutale Schlichtheit der Homophobie und zugleich die fragile Stärke queerer Selbstbehauptung. Ein Film, der lange nachhallt.“ (queer.de)

Die Sünderin

BRD

1951

Willi Forst

Hildegard Knef, Gustav Fröhlich, Robert Meyn, Änne Buck

Der große Skandalfilm der frühen Nachkriegszeit: Hildegard Knef spielt die Prostituierte Marina, die sich nach schwerer Jugend im Krieg – mit Eltern, die sie verlassen, und einem Halbbruder, der sie vergewaltigt – in den gescheiterten Maler Alexander verliebt. Der ist an einem Hirntumor erkrankt, der ihn erblinden lässt. Um die Operation zu bezahlen, versucht sie, ihm zu helfen, indem sie sich erneut verkauft.

Der Mythos will, dass die sekundenlange Nacktheit von Hildegard Knef die harsche Verurteilung des Melodrams verursacht habe. Tatsächlich aber stießen sich die katholische wie die evangelische Kirche an der Darstellung von Prostitution, „wilder Ehe“ und an der Sterbehilfe-Thematik: Kirchenvertreter traten aus dem FSK-Gremium aus, Bischöfe riefen zum Boykott auf, es kam zu tumultartigen Protesten gegen die Kinos, die den Film zeigten. Hildegard Knef: „Von Kanzeln angegriffen und von Pfarrern zerpflückt, von Tränengas und Stinkbomben verfolgt, von Protestkundgebungen und Umzügen begleitet, war der Film dennoch oder deswegen in seinen ersten drei Wochen von zwei Millionen Deutschen gesehen worden.“

The Boy

USA

2016

William Brent Bell

Lauren Cohan, Rupert Evans

Die junge Amerikanerin Greta nimmt einen Job als Kindermädchen bei einem älteren, vermögenden Paar in einem englischen Dorf an. Solange Mr. und Mrs. Heelshire verreist sind, soll sie sich um deren achtjährigen Sohn Brahms kümmern. Doch kaum in Übersee angekommen, stellt Greta Sonderbares fest. Denn nicht nur überreichen die Heelshires ihr eine ganze Liste an Dingen, die im Umgang mit Brahms zu beachten sind, auch erweist sich der „Junge“ als lebensgroße Porzellanpuppe. Nach und nach bricht Greta auf dem großen Anwesen, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, alle Regeln. Jede Übertretung bewirkt ein unheimliches Vorkommnis. Bald schwebt sie in Lebensgefahr…

The Maze

USA

1953

William Cameron Menzies

Richard Carlson, Veronica Hurst, Katherine Emery

Als der Schotte Gerald MacTeam vom Tod seines Onkels erfährt, löst er abrupt die Verlobung mit der schönen Kitty und zieht sich in das geheimnisvolle Schloss zurück, das er in den schottischen Highlands geerbt hat. Kitty weigert sich jedoch, die Trennung hinzunehmen, und reist gemeinsam mit ihrer Tante hinterher. Bei ihrer Ankunft wird schnell klar: Gerald ist nicht mehr derselbe. Liegt dies etwa an dem düsteren Geheimnis, das im Heckenlabyrinth des Anwesens lauert?

William Cameron Menzies, dessen Karriere von der Stummfilmzeit bis in die 1950er Jahre reichte, prägte den ikonischen Look zahlreicher Hollywood-Großproduktionen. Für VOM WINDE VERWEHT erhielt er nicht nur einen Ehrenoscar, sondern wurde auch als erste Person überhaupt offiziell als „Production Designer“ bezeichnet. THE MAZE zeigt eindrucksvoll, wie perfekt Menzies’ markanter Stil – seine vielschichtigen Bildkompositionen und die bewusste Staffelung des Raums – für das 3D-Kino geeignet war. Über seine außergewöhnliche Bildgestaltung hinaus besticht dieser schwarzweiße Old-School-Gruselfilm vor allem aber durch ein Finale, das man gesehen haben muss, um es zu glauben.

Was kommen wird – Things to Come

GBR

1936

William Cameron Menzies

Raymond Massey, Edward Chapman, Ralph Richardson, Margaretta Scott

Ein Zeitraum von 100 Jahren in der südenglischen Stadt Everytown, erzählt anhand der Familien Cabal und des Arztes Harding: An Weihnachten 1940 bricht der Krieg aus; er wird Jahrzehnte weitergehen. Die Kampfmaschinen werden moderner, die Bomben zerstörerischer, das Giftgas tödlicher. Die Zivilisation liegt darnieder. In den 1970ern herrscht ein Warlord über die inzwischen mittelalterlich anmutende Stadt. Eine Gruppe radikaler Pazifisten stellt sich ihm entgegen…

Einer der bedeutendsten, prägendsten Science-Fiction-Filme, nach dem Roman von H. G. Wells: Zwischen der Dystopie des Krieges und dem Fortschrittsglauben des Pazifismus entfaltet sich in faszinierenden Bildern eine Vorausschau auf die Zukunft.

Blacula

USA

1972

William Crain

William Marshall, Vonetta McGee, Denise Nicholas, Thalmus Rasulala, Gordon Pinsent, Charles Macaulay

Vampirfilm trifft Blaxploitation: Der titelgebende Vampir war in seinem vorherigen Leben ein afrikanischer Prinz, der gemeinsam mit seiner Frau Verbündete im Kampf gegen den Sklavenhandel sucht. Dabei landen die beiden ausgerechnet beim Grafen Dracula, der sich als beinharter Rassist entpuppt. Dracula verwandelt den Prinzen in den Untoten „Blacula“ und tötet dessen Frau. Als Blacula 200 Jahre später im Los Angeles der frühen 70er-Jahre zu neuem Leben erwacht, nimmt der wilde Genremix seinen Lauf. Dabei werden sowohl zeittypische Stereotype – schwache Frauen liegen in den Armen starker Männer, Schwule werden als exaltierte Tunten dargestellt – als auch klassische Muster des Horrorfilms bedient: Blacula ist ein tragischer Suchender, der in einer Zufallsbegegnung die Reinkarnation seiner Frau zu erkennen meint. Eine Besonderheit sei noch erwähnt: Da es sich um einen „schwarzen“ Film handelt, erklingen statt düsterer Orchesterklänge dynamische Soulbeats – SHAFT lässt grüßen!
Einführung: Christian Lohse

Juarez

USA

1939

William Dieterle

Paul Muni, Bette Davis, Brian Aherne, Claude Rains, John Garfield

Wie kam es zur „Erschießung Kaiser Maximilians“? Napoleon III. will in den 1860er Jahren mit Hilfe reformfeindlicher Kräfte ein mexikanisches Kaiserreich zu errichten. Dem österreichischen Erzherzog Maximilian bietet er 1864 die mexikanische Kaiser-Krone an. Idealist Maximilian will das Land zum Wohlstand führen. Schließlich aber fällt er durch Verrat in die Hände seines Gegners, Präsident Benito Juarez, und wird im Juni 1867 erschossen. Mit Kurzvortrag von Stefanie Müller, M.A. zur Historie und dem Manet-Gemälde der Kunsthalle Mannheim. (also ab 18 Jahren) Ort: Kunsthalle Mannheim

Vorstellung Im Theater Im Pfalzbau, Ludwigshafen

William Dieterle

Cinema Quadrat archiviert die Filme des im Ludwigshafen geboren Regisseurs William Dieterle, der in den 30er und 40er Jahren in Hollywood bekannt wurde. Eine besondere Filmaufführung im Theater. William Dieterles 1954/55 entstandener Film gliedert sich in drei Teile, die die Schaffensperioden Richard Wagners mit den drei Lieben des Komponisten vor dem politischen Zeithintergrund verknüpfen. So stellt er die dramatisch-biographische Schilderung eines Lebens im Dienste der Kunst dar. Dieterle bedient sich dabei des Kunstgriffs, Wagner von Zeit zu Zeit, quasi neben seiner Rolle, die eigenen Erinnerungen ins Publikum sprechen zu lassen. Daneben klingen in der Handlung Elemente aus Dieterles Leben, so zum Beispiel die Zwänge der Abhängigkeit, aber auch seine Faszination durch die 1848er Revolution an. Unter großem Medien- und Publikumsinteresse fanden die Dreharbeiten in Bayreuth und an anderen Orten statt, in deren Verlauf der Regisseur, der aus Hollywood ein anderes Arbeiten gewöhnt war, manche Schwierigkeit zu meistern hatte. Der Film wurde auf Englisch gedreht und sollte anschließend synchronisiert werden. Da der Regisseur überstürzt in die usa zurückkehren musste, konnte er Schnitt und Synchronisation des Films nicht selbst überwachen. So konnte er nicht verhindern, dass im Juli 1955 eine stark gekürzte und mangelhaft synchronisierte Fassung von Magic Fire, wie das Original hieß, in die Kinos kam, die dann auch nur wenig Zuschauerinteresse fand. Proteste Dieterles bewirkten nur wenig, und auch die von ihm autorisierte korrigierte Fassung wurde wenig wahrgenommen, obwohl sie auf positive Resonanz stieß. In Ludwigshafen besteht nun die Gelegenheit, sich diesen Richard-Wagner-Film im Hollywood-Stil anzusehen. Wir zeigen William Dieterles Film als Hommage an den Sohn der Stadt Ludwigshafen, auch aus Trauer darüber, dass in diesem Jahr der Dieterle-Preis nicht vergeben wird. Zugleich ist die Aufführung ein Beitrag zu unserem Walküre-Begleitprogramm.

Vulcano

Italien

1949

William Dieterle

Anna Magnani, Rossano Brazzi

Inselbewohner stehen ihr abweisend gegenüber, nur ihre jüngere Schwester empfängt sie freudig. Die Schwestern werden von den auf der Insel üblichen Arbeiten ausgeschlossen und arbeiten deshalb auf dem Boot von Donato, der vorgibt ein Taucher zu sein. VULCANO wurde von Anna Magnani als eine Art Gegenfilm zu STROMBOLI initiiert. Während ihr bisheriger Geliebter Rossellini seinen ersten Film mit Ingrid Bergmann drehte, engagierte Magnani Hollywood-Regisseur William Dieterle für eine vergleichbare Produktion auf der Nachbarinsel. Dieterles Film galt lange als verschollen. Anfang der 90er Jahre wurde das einzige Nitro-Positiv der deutschen Fassung entdeckt. Das Original ist noch immer verschollen.

The Signal

USA

2014

William Eubank

Brenton Thwaites, Olivia Cooke

Die Collegestudenten und Computerfreaks Nic und Jonah sind gemeinsam mit Nics Freundin Haley auf einem Trip durch den Südwesten der USA, als sie ein Signal ihres geheimnisvollen Hacker-Rivalen Nomad aufspüren. Ihre Suche führt sie in eine abgelegene Gegend Nevadas. In einem verfallenen Haus mitten im Nirgendwo glauben sie, Nomad gefunden zu haben, doch plötzlich wird Haley entführt und Jonah und Nic verlieren das Bewusstsein. Als Nic erwacht, befindet er sich offenbar in einem isolierten Forschungslabor. Er weiß nicht, was mit seinen Freunden passiert ist, und muss sich den unangenehmen Fragen eines mysteriösen Mannes stellen. Was zuerst wie eine Verwechslung aussieht, wird für die Freunde zum ausgewachsenen Albtraum…

Atemlos vor Angst

USA

1977

William Friedkin

Roy Scheider, Bruno Cemer, Francisco Rabal, Amidou

Jackie Scanlon hat sich auf der Flucht vor Auftragsmördern in einem südamerikanischen Kaff versteckt. Als im Dschungel eine Ölraffinerie brennt, muss schnellstmöglich Nitroglyzerin dorthin transportiert werden, um per Explosion das Feuer auszublasen. Scanlon und drei weitere verlorene Gestalten melden sich, den erschütterungsempfindlichen Sprengstoff mit zwei Lastwagen zur Unglücksstelle zu transportieren.
William Friedkins Remake des Abenteuerklassikers LOHN DER ANGST (1953) geht keine Kompromisse ein: Es ist rau, dreckig, kantig, stellt eine verkommen-korrupte Welt ohne Hoffnung dar. Gedreht im Dschungel der Dominikanischen Republik schuf Friedkin Hochspannungskino. Der Film war damals ein Flop – er kam gleichzeitig mit KRIEG DER STERNE ins Kino. Für filmstarts.de „ein zu Unrecht in Vergessenheit geratenes Meisterwerk des New Hollywood-Kinos und eine in Spannung, Qualität und Schauwert selten erreichte Speerspitze des modernen Abenteuer-Kinos.“

Cruising

USA

1980

William Friedkin

Al Pacino, Paul Sorvino, Karen Allen, Richard Cox

Ein sadistischer Serienmörder tötet im schwulen Leder- und SM-Milieu von New York. Der Killer scheint aus der Szene zu kommen. Steve Burns wird als verdeckter Ermittler eingesetzt: schlank und dunkelhaarig entspricht er dem Typus der Opfer. Der heterosexuelle Burns muss undercover nach den Regeln dieser für ihn so andersartigen Gesellschaft spielen. Er ist zugleich irritiert wie fasziniert von der lustvollen Atmosphäre in den Szenelokalen – und der Killer tötet weiter…
William Friedkins Thriller – vor Ort in Schwulenclubs gedreht – wurde zunächst kontrovers aufgenommen und gilt heute als höchst einflussreiche Reise in den homosexuellen Underground.

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