Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Punch

NZL

2022

Welby Ings

Jordan Oosterhof, Conan Hayes, Tim Roth

Ein Küstenstädtchen in Neuseeland. Jim, 17 Jahre, ist ein Boxtalent, der nächste Sieg kann ihn zum Profi machen. Sein Vater (Hollywoodstar Tim Roth) trainiert ihn, setzt große Hoffnungen auf ihn – doch nach seiner Begegnung mit Whetu, einem offen schwulen Maori, gibt es für Jim auf einmal Dinge, für die es sich wirklich zu kämpfen lohnt.
Zwei junge Männer, die sich gegen die auch in Neuseeland noch durchaus gegenwärtige Homophobie behaupten müssen: Aus einer Vater-Sohn-Geschichte im ruppigen Boxmilieu entwickelt Regisseur Welby Ings eine zarte Liebesgeschichte, bei der Jim mit Whetu nicht nur seine sexuellen Perspektiven erweitert, sondern auch seine Vorstellungen, was ein gutes Leben ist.

Reise Ins Glück

Deutschland

2004

Wenzel Storch

Wenzel Storchs (DER SOMMER DER LIEBE) neuer Film ist eine grell inszenierte Mischung aus Märchen und Abenteuerfilm. Ein Film, der geradezu überquillt vor verrückten Ideen, der begeistert mit seiner verschwenderischen Liebe zum Detail, mit gigantischen Kulissen und handgebastelten Trickfilmsequenzen. Der mit allen Wassern gewaschene Kapitän Gustav will sich zur Ruhe setzen. Mit seiner bunt zusammen gewürfelten Mannschaft aus Mensch und Tier, zu der neben zahlreichen Eingeborenen auch ein Bär, eine Eule und fünf Frösche gehören, strandet er auf einer geheimnisvollen Insel. Voller Freude bereitet man sich auf den Landgang vor, denn noch ahnt niemand an Bord, dass im Herzen der Insel ein böser König haust. König Knuffi regiert im Zeichen des Teppichklopfers. Im Laufe der turbulenten Handlung treten u.a. auf: – Eva, die bezaubernde Braut des Kapitäns, – 1 Schneckenschiff – Gustavs 1. Offizier, eine brummige Natur im warmen Pelz (lefzensynchron vertont von Harry Rowohlt), – königstolle Ommas – 2 Propagandaminister, deren Harndrang im ganzen Inselreich berüchtigt ist – 1 Bordkapelle mit verliebtem Sänger (vertont von Max Raabe) – der König der Feinschmecker, der Opfer einer Gehirnwäsche wird, – 6 Eingeborene, die die Wissenschaft längst für ausgestorben hält – 5 Frösche – 1 Eule – und 1 weißes Kaninchen (vertont von Horst Tomayer) “Terry Gilliam on crack.“ (Montreal Mirror) „Storch ist eine Ausnahmeerscheinung in der Filmbranche. Der Mann arbeitet Tag und Nacht an einem Ausstattungsfilm, wie es ihn in Deutschland sonst nur als Major-Produktion à la DIE UNENDLICHE GESCHICHTE gibt.“ (Die Zeit)

Aguirre, der Zorn Gottes

DEU/MEX/PER

1972

Werner Herzog

Klaus Kinski, Ruy Guerra, Helena Rojo, Peter Berling

Peru im 16. Jahrhundert: Spanische Konquistadoren suchen im Amazonasgebiet nach dem sagenhaften Goldland „El Dorado“. Unterführer Lope de Aguirre, ausgesandt zur Dschungel-Erkundung und Nahrungssuche, kehrt nicht zum Haupttrupp zurück, sondern erzwingt eine Rebellion. Sein Ziel ist die Errichtung eines idealen Staates und die Zeugung eines neuen Menschengeschlechts, größenwahnsinnig erklärt er den spanischen König Philipp II. für abgesetzt und nennt sich selbst den „Zorn Gottes“. Mit seinen Soldaten lässt er sich flussabwärts treiben. Hunger, Fieber und Indianerüberfälle dezimieren die kleine Truppe – Halluzination und Wirklichkeit beginnen sich zu vermischen…

Ein Abenteuerfilm im Dschungel, in dem sich Natur, Historie, Wahn, Symbolik und die Wirklichkeit eines strapaziösen Drehs vermischen; Klaus Kinski brilliert als pathologische Führerfigur. AGUIRRE, DER ZORN GOTTES war das erste gemeinsame Projekt des „Duo infernale“ Werner Herzog und Klaus Kinski: „Ich hatte die Fähigkeit, dieses wilde Wesen auf der Leinwand produktiv werden zu lassen“, sagte Herzog 1999 im „Spiegel“-Interview, „deshalb war ich für Kinski ein notwendiger Gegenpart.“

Die Höhle der vergessenen Träume

USA

2010

Werner Herzog

Suraj Sharma, Ilja Richter

Über 20.000 Jahre waren die Chauvet-Höhlen in Südfrankreich von einem Felssturz versiegelt. 1994 entdeckten Forscher die Grotten und fanden Hunderte von unberührten Gemälden, über 30.000 Jahre alt, eine wissenschaftliche Sensation. Sie stammen aus einer Zeit, als Neandertaler noch über die Erde streiften und Mammuts und Eiszeitlöwen die beherrschenden Spezies in Europa waren. Nur wenige Menschen dürfen die Höhlen besichtigen, es benötigte große Überzeugungsarbeit, bis Werner Herzog als erster Filmemacher die Räume betreten und filmen konnte. Mit seinen 3D-Aufnahmen fängt er die ganze Magie und Schönheit eines der ehrfurchtgebietendsten Orte auf Erden ein…
Eintrittspreise: 10,- € normal / 8,- € ermäßigt / 7,- € für Mitglieder von Cinema Quadrat e.V.

Die Höhle der vergessenen Träume - 3D

FRA/CAN/DEU/USA/GBR

2010

Werner Herzog

Über 20.000 Jahre war die Chauvet-Höhle in Südfrankreich von einem Felssturz versiegelt. 1994 entdeckten Forscher die Grotte und fanden Hunderte von unberührten Gemälden, über 30.000 Jahre alt, eine wissenschaftliche Sensation. Sie stammen aus einer Zeit, als Neandertaler noch über die Erde streiften und Mammuts und Eiszeitlöwen die beherrschenden Spezies in Europa waren. Nur wenige Menschen dürfen die Höhle besichtigen, es benötigte große Überzeugungsarbeit, bis Werner Herzog als erster Filmemacher die Räume betreten und filmen konnte. Mit seinen 3D-Aufnahmen fängt er die ganze Magie und Schönheit eines der ehrfurchtgebietendsten Orte auf Erden ein, lässt die uralten Bilder mit enormer Sogwirkung plastisch und lebendig werden. Während er auf seine unverwechselbare Art über Kunst, Urzeit und Gegenwart philosophiert.
Wir zeigen den Film in digitaler 3D-Projektion.

Fitzcarraldo

DEU

1982

Werner Herzog

Klaus Kinski, Claudia Cardinale, José Lewgoy

Ein Wahnsinnsfilm über ein Wahnsinnsprojekt: Für FITZCARRALDO, die Geschichte eines Musikliebhabers, der sein eigenes Opernhaus im peruanischen Dschungel errichten will, ließ Werner Herzog unter anderem ganz real ein 160-Tonnen-Schiff über einen Berg ziehen. Die von den Geldgebern „nicht diskutierte Selbstverständlichkeit“, Modelle zu verwenden, ließ er nicht gelten. Nachdem Teile des Films mit Jason Roberts, Mario Adorf und Mick Jagger (ja, der Mick Jagger) schon gedreht waren, musste das Projekt komplett wiederholt werden, denn Roberts wurde krank, Adorf und Jagger verließen die Produktion. Der neu engagierte Klaus Kinski hatte am Set dann solche Wutausbrüche, dass als Statisten anwesende Indigene angeblich Herzog anboten, Kinski umzubringen. Vermutlich wäre ohne den schwierigen Dreh dieses atemberaubende Ergebnis nicht möglich gewesen: „FITZCARRALDO ist wuchtiges Kino, das an die Grenzen geht. Besessenheit, der Wille, im wahrsten Sinne des Wortes Berge zu versetzen, der Zwang, eine Vision in die Tat umzusetzen – darum geht es in diesem ebenso epischen wie drastischen Abenteuer-Drama.“ (Deutsche Welle)

Grizzly Man

USA

2005

Werner Herzog

Timothy Treadwell war Tierschützer, campierte viele Sommer lang in Alaska, um Grizzlys zu studieren. Sah sich selbst mehr und mehr als Freund der Bären an – eine enge Beziehung zu den Wildtieren, die sehr einseitig war. Im Jahr 2003 wurden er und seine Freundin von einem Grizzly angefallen und aufgefressen.
Werner Herzog konnte das Videomaterial übernehmen, das Treadwell über die Jahre aufgenommen hatte, und rekonstruiert die Psyche dieses naiv-besessenen Menschen, der Bär werden wollte. Diese Annäherung an eine unerlöste Seele ist unheimlich, und zugleich äußerst behutsam erzählt: Herzog gelingt es, die Sicht Treadwells gegenüber seinen geliebten Tieren mit seiner eigenen Sicht einer unendlich gleichgültigen Natur zu verbinden. Dieses faszinierende Meisterwerk fand beschämenderweise keinen deutschen Filmverleih – begründete aber in den USA die glühende Verehrung für Herzog, die bis heute anhält.

Herz aus Glas

DEU

1976

Werner Herzog

Josef Bierbichler, Stefan Güttler, Clemens Scheitz, Volker Prechtel, Sonja Skiba

Rubinglas: Das Geheimnis zu seiner Herstellung geht verloren mit dem Tod des Glasbläsermeisters. Das Dorf verfällt schrittweise in Verwirrung und Wahnsinn, der Hüttenbesitzer engagiert den Hias, einen Seher aus den Bergen, um das Produktionsverfahren des kostbaren Glases aus dem Reich der Toten zurückzuholen. Doch Hias empfängt Visionen von Zerstörung und Wahnsinn – mitten in einem bayrischen Dorf des 19. Jahrhunderts sieht er die Schrecken des 20. Jahrhunderts voraus.

Das Drehbuch – von Herbert Achternbusch! – basiert auf den Legenden um den Weissager Mühlhiesl aus dem Bayrischen Wald. Herzog berichtet, dass er seine Schauspieler (außer Sepp Bierbichler) hypnotisiert habe, was ihrem Spiel eine merkwürdige Stilisierung verleiht; die oft mysteriösen Dialoge wurden demnach unter Hypnose improvisiert. Mit seiner Inszenierungsweise etabliert Herzog eine metaphysisch-entrückte Atmosphäre, die diesem Film eine suggestive Schönheit verleiht. Marcus Stiglegger auf ikonenmagazin.de: „HERZ AUS GLAS ist die vermutlich bildgewaltigste Etüde Herzogs – ein Film wie die Gemälde von Caspar David Friedrich und Arnold Böcklin. [Der Film] belohnt mit Bildern, die man in dieser visionären Dichte allenfalls aus dem osteuropäischen Kino kennt: von Tarkowski und Klimow vielleicht. […] Und Popol Vuhs ätherische Klänge heben diese Eindrücke endgültig in eine entrückte Sphäre.“

Kaspar Hauser - Jeder für sich und Gott gegen alle

DEU

1974

Werner Herzog

Bruno S., Walter Ladengast, Brigitte Mira, Willy Semmelrogge, Alfred Edel, Enno Patalas

Kaspar Hauser haust in einem Kellerverlies, isoliert von den Menschen. Eines Tages wird er hinausgeführt und in Nürnberg alleingelassen. Ein Lehrer rettet ihn davor, im Zirkus als Freak begafft zu werden, lehrt ihn Lesen und Schreiben, bringt ihm Religion, Musik und Logik bei.

Werner Herzog erzählt die Geschichte des rätselhaften Findlings Kaspar Hauser weitgehend nach den Überlieferungen des Volkstums, und dringt doch tief ein in eine höhere Realität des frühen 19. Jahrhunderts: Mit diesem wilden Menschen bricht ein Naturwesen in die von der Aufklärung geprägte Kulturgesellschaft ein. Als Hauptdarsteller fand Herzog den Berliner Straßenmusiker Bruno S., der mit seiner ganz eigenen, unvergesslichen Persönlichkeit den Film prägt. „Während bei Truffaut [in DER WOLFSJUNGE], trotz aller Einschränkungen, Optimismus vorherrschte, gibt Herzog dem pädagogischen Fortschrittsglauben keine Chance. Bei ihm vollzieht Erziehung sich als herzlose Dressur, die das Objekt zerstört zurücklässt. Der (ästhetisch vielfach betörende) Film liefert reichen Stoff für Diskussionen.“ (Jury der Evangelischen Filmarbeit, Dezember 1975).

Herzog verwendete den Filmtitel auch als Titel seiner 2022 erschienenen Memoiren.

Mein Liebster Feind

BRD

1999

Werner Herzog

Der Filmemacher Werner Herzog erzählt in seiner Dokumentation von seiner Arbeit mit Kinski, der für ihn gleichermaßen genial und faszinierend als auch maßlos und abstoßend war. Er berichtet von den Dreharbeiten zu AGUIRRE und FITZCARRALDO, von der aufbrausenden Maßlosigkeit seines Stars, wenn eine Szene nicht so gelang, wie der sich das vorstellte („du Zwergenregisseur“) und von den verletzlichen und sanften Seiten Kinskis, der begeistert wie ein Kind mit einem Schmetterling spielt. Herausgekommen ist eine interessante Dokumentation, die Komplexität dieses schillernden Künstlers überzeugend vermittelt und auch die Ambivalenz zwischen ihm und dem Regisseur Herzog deutlich macht.

My Son, My Son, What Have Ye Done?

USA

2009

Werner Herzog

Michael Shannon, Willem Dafoe, Chloë Sevigny, Udo Kier

Im Rahmen, des von David Lynch produzierten, packenden Geiseldramas erzählt Kultregisseur Werner Herzog von einem Menschen am Rande des Wahnsinns. Ein Sohn erschlägt seine Mutter mit einem Schwert. Als die Detectives an den Tatort kommen, erfahren sie nach und nach mehr über die eigenartigen Ereignisse, die Brad McCullum zu seiner unglaublichen Tat geführt haben. Seine Verlobte Ingrid berichtet ihnen über die Wesensveränderung des Mannes, der sich nun mit zwei Geiseln im Haus gegenüber verschanzt hat.

Nosferatu - Phantom der Nacht

DEU/FRA

1979

Werner Herzog

Klaus Kinski, Bruno Ganz, Isabelle Adjani, Roland Topor, Walter Ladengast

Jonathan Harker, der mit seiner Frau Lucy im Wismar des 19. Jahrhunderts lebt, wird nach Transsilvanien geschickt, um mit einem gewissen Graf Dracula um den Kaufvertrag eines Wismarer Hauses zu verhandeln. In der Nacht wird Jonathan vom Grafen gebissen, der sich dann aufmacht nach Wismar, in einem Sarg. Und der dort Lucy sucht.
1922 hatte Friedrich Wilhelm Murnau mit NOSFERATU – EINE SYMPHONIE DES GRAUENS den ersten großen Vampirfilm vorgelegt, eine unautorisierte Verfilmung von Bram Stokers „Dracula“-Roman. Herzog verbindet beide Quellen, nutzt Stokers erzählerische Motive und Murnaus Bildwelt, um in seiner zweiten Zusammenarbeit mit Klaus Kinski das unheimliche Porträt eines leidenden Untoten zu zeichnen, der eine Stadt mit dem Grauen überzieht.

Wo die grünen Ameisen träumen

DEU

1984

Werner Herzog

Bruce Spence, Wandjuk Marika, Roy Marika, Ray Barrett, Norman Kaye

Im australischen Outback sucht eine Bergwerksgesellschaft nach Uran; ein großer Teil des Landes wurde schon in eine Wüstenei verwandelt. Eine Gruppe von Aborigines versucht verzweifelt, ihr heiliges Land gegen die anrückenden Bulldozer zu verteidigen – es ist der Ort, an dem die grünen Ameisen die Welt erträumen.
Werner Herzog drehte in der australischen Wüste in Zusammenarbeit mit Aborigines diese Geschichte, für die er einen eigenen Mythos erfunden hat. Und ergibt sich dabei nicht in exotische Sentimentalitäten, sondern führt den Film hinein in einen juristischen Prozess – wobei er Motive einer tatsächlichen gerichtlichen Auseinandersetzung verwendet. Welten treffen aufeinander: ein heiliger Holzstab der Aborigines gegen die Besitzurkunden des Großkonzerns, Mythos gegen Profit. In faszinierenden Bildern kombiniert Herzog Poesie mit ökologischem und politischem Engagement. „Eine in faszinierenden Bildern, kontemplativem Rhythmus und nahezu heiterem Tonfall dargebotene Studie über das weltweite Vergehen von Hören und Sehen, das Verschwinden der Träume und die Verhärtung westlicher Denk- und Bewusstseinsformen.“ (Filmdienst)

Wovon träumt das Internet?

USA

2016

Werner Herzog

Wenn Werner Herzog sich einem Thema nähert, dann nimmt er es ganz in sich auf, formt es nach seinem Gutdünken, um etwas ganz anderes herauszubringen, als man im herkömmlichen Sinne erwarten würde. Hier nun untersucht Herzog – der nach eigenen Angaben nicht mal ein Handy besitzt – das Phänomen Internet. In seinen Episoden rund um Vernetzung, Kommunikation und künstliche Intelligenz interessiert ihn das konkrete Internet freilich kaum: Eine Familie, die heftigem Cybermobbing ausgesetzt war, oder Jugendlichen, die an Internetsucht leiden, begegnet er mit Sympathie, aber nur kurz. Viel mehr konzentriert sich Herzog auf die großen Visionen, auf die Utopien, die das Verbinden von Computern mit sich bringt: Von den Anfängen in Forschungslabors der University of California bis zu Elon Musks Träumen von Marsflügen. Zwischendurch: Sonnenwinde und Mönche mit Smartphones. Das Große, Überweltliche: Das ist es, was Herzog interessiert. Wenn die philosophischen Aspekte sich mit dem technischen Fortschritt verbinden, dann stellt sich die Frage nach diesem Organismus namens Internet – und ob diese Kreatur vielleicht schon unserer Kontrolle entglitten ist.
WOVON TRÄUMT DAS INTERNET? ist weniger Dokumentar- als Essayfilm: So ist es eben, wenn Werner Herzog sich einem Thema nähert.

Woyzeck

DEU

1979

Werner Herzog

Klaus Kinski, Eva Mattes, Wolfgang Reichmann, Willy Semmelrogge, Josef Bierbichler

Eine kleine Garnisonsstadt Mitte des 19. Jahrhunderts. Woyzeck dient einem Hauptmann als Bursche und einem Arzt für medizinische Ernährungsexperimente – mit dem bisschen Geld versucht er, seine Geliebte Marie und ihr uneheliches Kind zu ernähren. Doch sie betrügt ihn mit einem Major, Woyzeck hört Stimmen, er ist eifersüchtig und verzweifelt…

Werner Herzog hält sich eng an Büchners Dramenfragment, das sich wiederum an einen realen Mordfall anlehnt. Er begann die Dreharbeiten im tschechischen Telč nur wenige Tage nach seiner NOSFERATU-Verfilmung, um die Erschöpfung seines Darstellers Kinski nach der vorhergehenden, großangelegten Produktion kreativ zu nutzen. Er schafft dabei eine stilisierte Atmosphäre geistigen und gesellschaftlichen Verfalls – und Kinski spielt die Hauptrolle zurückgenommen und verletzlich, wie man es ihm gar nicht zutrauen würde. „Man möchte fast glauben, Herzog habe sich selber beweisen wollen, dass er auch ohne Überdruck, ohne zwanghafte Gigantomanie arbeiten kann. Immerhin wird die gespenstische Ruhe dieses Films, die stummfilmhafte Schlichtheit, mit der Woyzecks Tragödie passiert, dem zornigen Drama Georg Büchners gerechter als jeder expressive Mummenschanz.“ (Die Zeit, 1979)

Fata Morgana + La Soufrière

Werner Herzog

Dokumentarfilm

Doppelprogramm:

Fata Morgana

DEU 1971. R: Werner Herzog. Essayfilm. 79 Min. FSK: 6

Bilder nicht von dieser Welt: FATA MORGANA ist ein visuelles Erlebnis über Kreation und Transformation. Herzog und sein Stamm-Kameramann Jörg Schmidt-Reitwein suchen die Sahara und die Sahelzone auf, filmen in hypnotischen Aufnahmen. Dabei verbindet Herzog assoziativ die halluzinativen Szenen und poetischen Bilder der faszinierenden Landschaft mit einer herzogschen Variante des Popol Vuh, des Heiligen Buches der guatemaltekischen Maya. Lotte H. Eisner, die große Film-Philosophin und Mentorin Herzogs, liest diesen Schöpfungsmythos, unterlegt ist die visionäre Bild-, Sprach- und Gedankencollage mit Musik unter anderem von Leonard Cohen und Blind Faith. „Hier, vielleicht so stark wie in sonst keinem Herzogfilm (mit Ausnahme von Aguirre), offenbart sich Herzogs ambivalentes Naturverständnis. Die Natur erscheint einerseits in ihrer brachialen Gewalttätigkeit, in ihrer Zerstörungskraft; andererseits aber in ihrer mit Pathos geladenen Überwältigung des Betrachters.“ (filmtipps.at)

La Soufriére – Warten auf eine unausweichliche Katastrophe

DEU 1976. R: Werner Herzog. Dokumentarfilm. 31 Min. FSK: k. A.

La Soufrière, ein Vulkan auf Guadeloupe, scheint 1976 kurz vor dem Ausbruch zu stehen. Werner Herzog reist auf die Insel und harrt zusammen mit einer kleinen Crew aus: Kühne Bilder vom Kraterrand, leere Straßen, ausgestorbene Ortschaften – die Bevölkerung ist weitestgehend evakuiert, nur dieses Filmteam bleibt und wartet auf die Explosion des Berges.

Der Vulkan bricht nicht aus. Die Katastrophe ereignet sich nicht. Oder ist sie nur verschoben?

The White Diamond

DEU/JPN/GBR

2004

Werner Herzog.

Der Traum vom Fliegen ist einer der ältesten der Menschheit. Auch der britische Luftfahrt-Ingenieur Dr. Graham Dorrington ist ihm erlegen und er konstruierte das Luftschiff The White Diamond um einzigartige Aufnahmen vom Dach der Baumkronen des tropischen Regenwaldes zu filmen. Doch der deutsche Tier- und Naturfilmer Dieter Plage stürzte mit dem von Dorrington konstruierten Luftschiff bei waghalsigen Dreharbeiten im Dschungel von Sumatra ab und kam dabei ums Leben. Dieses tragische Ereignis ist der Ausgangspunkt für Werner Herzogs neuen Film THE WHITE DIAMOND indem er wieder sein Talent für außergewöhnliche Dokumentationen unter Beweis stellt. Wie üblich ist der Filmer ab und an im Bild zu sehen und spricht den sympathisch-fatalistischen Off-Kommentar diesmal in Englisch. Gedreht wurde im handlichen digitalen High-Definition-Format, um das Filmen auf dem Zwei-Mann-Fluggerät zu ermöglichen.

Uliisses

BRD

1982

Werner Nekes

Tabea Bloomenschein, Armin Wölfi

Vor hundert Jahren, am 16.6. 1904, ließ James Joyce seinen Helden Leopold Bloom durch Dublin treiben. Ein schöner Anlaß, zwei Verfilmungen des Meisterwerks „Ulysses“ zu zeigen. ULIISSES ist eine homerische Reise durch die Geschichte des Kinos mit Musik u.a. von Helge Schneider. Seine Themen sind der mythologische Odysseus von Homer, der Ulysses von James Joyce und die synthetische Figur Telemach/Phil von Neil Orams „The Warp“. Werner Nekes fasst die drei Figuren zusammen und zeigt ihre Geschichte analog zur Geschichte der „Lichteratur“, des Schreibens mit Licht = Film. „ULIISSES ist ein Großwerk äusserster Verdichtung. Gegenstand ist die Bildersprache selbst: Das Sehen lernen und das Sehen wollen.“ (Frankfurter Rundschau)

Diese Nacht

FRA/DEU/POR

2008

Werner Schroeter

Pascal Greggory, Sami Frey, Eric Caravaca

Ossorio, der Held einer gescheiterten Widerstandsbewegung kehrt auf der Suche nach seinen einstigen Freunden und seiner Geliebten zurück in die belagerte Stadt Santa María. Aber nicht nur die Lage hat sich verändert, auch seine Freunde: Während eine hemmungslose Miliz die Stadt terrorisiert, versucht jeder nur noch seine eigene Haut zu retten. Es bleibt nur diese Nacht zur Flucht. Bei der Verfilmung eines Romans von Juan Carlos Onetti ist Regisseur Schroeter ein poetisch-gewaltvolles Drama gelungen.

Malina

BRD/AUT

1990

Werner Schroeter

Isabelle Huppert, Matthieu Carrière

Eine namenlose Schriftstellerin lebt in Wien mit dem ruhigen und sanften, aber stets präsenten Malina zusammen, dem sie keine wirklichen Gefühle entgegenbringt. Sie verliebt sich leidenschaftlich in den jungen Ungarn Ivan, der für sie das Leben selbst repräsentiert. Ivan entzieht sich ihrem emotionalen Verlangen jedoch immer mehr und beginnt schließlich eine neue Affäre. Die Schriftstellerin stürzt dadurch in eine völlige Krise und verliert jeden Bezug zur Realität. Malina zwingt sie zur Besinnung und erweist sich als ihr Retter und zugleich als ihr Dämon. Das nach dem gleichnamigen Buch von Ingeborg Bachmann adaptierte Drehbuch von Elfriede Jelinek inszenierte Werner Schröter mit der Radikalität der Gefühle und des Leidens. Vorgestellt von Dr. Eva Berberich.

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