Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Der Scharlachrote Buchstabe

BRD/ESP

1972

Wim Wenders

Senta Berger, Rafael Albaicín, Ángel Álvarez

Nordamerika in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Noch gehört das Land den Indianern. In einem kleinen Puritanerdorf lebt eine junge Frau mit ihrer unehelichen Tochter. Einmal im Jahr muss sie deswegen an den Dorfpranger, wo die Bewohner sie nach dem Namen des Vaters fragen, sie verspotten und schmähen. Aber sie mag den Namen des Vaters nicht preisgeben. Dann kommt ihr vermeintlich toter Ehemann zurück und will ihren Liebhaber entlarven. Mit dieser Verfilmung des Buches von Nathaniel Hawthorne, starten wir eine Reihe mit Filmen von Wim Wenders. In diesem frühen Film erkennen lässt sich bereits seine große Liebe für Nordamerika, eine Leidenschaft, die er später immer wieder thematisieren wird. Im März und April folgen weitere frühe Wenders-Klassiker.

Der Stand Der Dinge

DEU/POR/USA

1982

Wim Wenders

Patrick Bauchau, Jeffrey Kime, Camilla More

Friedrich Munro, ein Regisseur deutscher Herkunft, dreht mit amerikanischen Geldern einen Film in Portugal. Drehort für sein Remake des Science-Fiction-Films “The Survivors” ist ein verlassenes Hotel an der Küste, das schon bessere Zeiten gesehen hat. Die Dreharbeiten finden ein abruptes Ende, als es von einem Tag auf den anderen kein Filmmaterial mehr gibt. Nach Auskunft des Kameramanns kann nicht weitergedreht werden, der nach Los Angeles abgereiste Produzent Gordon bemühe sich aber, die Finanzierung des Projekts weiter zu sichern. Da Gordon aber nichts von sich hören lässt, bricht Friedrich schließlich nach Los Angeles auf… Der Stand der Dinge wurde 1982 in Venedig mit dem Hauptpreis, dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Der Film ist eine vielschichtige Reflexion über das Filmemachen und die Unterschiede der europäischen und amerikanischen Filmproduktion. Er ist eng mit den negativen Erfahrungen verbunden, die Wenders selbst in Hollywood gemacht hatte. Subtil deutet Wenders außerdem die existenzielle Bedeutung an, die die Filmarbeit für alle am Produktionsprozess Beteiligten hat: Die künstliche Bühne eines Filmsets wird zu einer Art Schutzraum, der seine Mitglieder nicht nur vor der Wirklichkeit, sondern auch vor den eigenen Schattenseiten behütet.

Falsche Bewegung

BRD

1974

Wim Wenders

Rüdiger Vogler, Hanna Schygulla, Hans-Christian Blech, Nastassja Kinski

FALSCHE BEWEGUNG gilt mittlerweile als Klassiker des deutschen Kinos und war Wenders erster großer Erfolg. Wilhelm Meister fühlt sich zum Schriftsteller geboren. Doch ihm fehlt das dafür nötige Interesse an Menschen und deren Leben und Geschichten. Aus diesem Grund schickt ihn seine Mutter auf eine Exkursion durchs Land. Unterwegs trifft Wilhelm auf einige seltsame Wesen der Gattung Mensch und erlebt mit diesen skurrile Geschichten. Er reist von Glückstadt über Hamburg und Bonn bis nach Frankfurt. Er trifft ein ungleiches Paar, verliebt sich in eine Schauspielerin und freundet sich mit einem umherschweifenden Dichter an. Doch was Wilhelm in der Ferne sucht, kann er nur bei sich selbst finden. Peter Handke schrieb, frei nach Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre”, das Drehbuch zu diesem oft übersehenen Film von Wenders. Rüdiger Vogler, Hanna Schygulla, Hans-Christian Blech und die 13-jährige Nastassja Kinski in ihrer ersten Rolle hauchen den Worten Handkes so überzeugend Leben ein, wie man es selten im deutschen Kino zu sehen bekommt. Falsche Bewegung erhielt folgerichtig sechs deutsche Bundesfilmpreise, unter anderem für Film, Drehbuch und Regie.

In Weiter Ferne, So Nah!

DEU

1993

Wim Wenders

Otto Sander, Peter Falk, Horst Buchholz, Nastassja Kinski

Der zum Menschen gewordene Engel Daniel hatte seinen Freund Cassiel allein zurückgelassen. Als Cassiel ein Mädchen, dass auf einem Balkon im zehnten Stock eines Hochhauses das Gleichgewicht verloren hatte, vor dem sicheren Tod bewahrt, muss er feststellen, dass er, ohne selbst entschieden zu haben, nun ebenfalls Mensch geworden ist. Schon bald bedrückt ihn die Lieblosigkeit der Mitmenschen. Cassiel rettet dem Geschäftsmann Tony Baker das Leben und wird zum Dank sein Partner. Als er jedoch auf Bakers NS-Vergangenheit sowie Porno- und Waffengeschäfte stößt, wagt der gefallene Engel eine riskante Aktion…

Lisbon Story

DEU/POR

1995

Wim Wenders

Rüdiger Vogler, Patrick Bauchau, Vasco Sequeira

Per Postkarte erhält Toningenieur Phillip Winter eine Einladung von Regisseur Friedrich Monroe nach Lissabon, um vor Ort an dessen neuem Filmprojekt mitzuwirken. Als er jedoch dort eintrifft, fehlt von Monroe jede Spur. Winter beschließt, auf eigene Faust loszuziehen und O-Töne für Monroes Film einzufangen. Ausgestattet mit einem Aufnahmegerät begibt er sich auf eine spannende Entdeckungsreise durch die Straßen Lissabons in deren Verlauf er die Liebe findet und dem Charme der Stadt erliegt. Der Zuschauer wiederum erliegt der Poesie, mit der Wenders in gewohnt getragenem Erzähltempo die Stadt Lissabon mit all ihren Gerüchen, Klängen und Bildern portraitiert, während in flimmernden Sepia-Momenten immer wieder ihr Alltag eingefangen wird. Ein Film wie eine Reise!

Nick's Movie - Lightning Over Water

DEU/SVE

1980

Wim Wenders

Nicholas Ray, Wim Wenders, Susan Ray

Mit NICK’S MOVIE setzte Wenders seinem Freund, der Regielegende Nicholas Ray (Johnny Guitar, Rebel Without A Cause), ein Denkmal. Ray, dessen letzter Film bereits 16 Jahre zurück lag, steht im Zentrum dieser gemeinschaftlich realisierten Arbeit, in der sich Wirklichkeit und Erfindung, Spielfilmhandlung und Dokumentation regelrecht durchdringen. Der unsentimentale, doch zutiefst persönliche Filmessay schildert die letzten Wochen im Leben des krebskranken Ray und reflektiert auf beeindruckende Weise die Bedingungen und Komplikationen filmischen Schaffens und Denkens. Die unterschiedlichen Positionen werden dabei auch formal perfekt umgesetzt. Die schönen und klaren Bilder der Filmkamera werden immer wieder unterbrochen von flimmerndem, körnigen Video-Material, mit verzerrten Farben und konturlosen Rändern. Die verschiedenen Materialien rücken ganz genau ins Bewusstsein, dass das, was hier passiert, ein Film ist und doch auch Wirklichkeit. „Ray und Wenders wollen, was das Kino immer sucht, aber nur selten erreicht: die Intensität des wirklichen Lebens, die völlige Verschmelzung von Entwurf und Ausführung, von Kunst und Realität, von Kino und Leben. Ray setzt alles, um seinen letzten großen Traum ein letztes Mal zu träumen. NICK’S MOVIE ist eine letzte Provokation; er macht das Undenkbarste zum beiläufigen Geschehnis; das Sterben zu einem Stoff für einen Mystery Thriller. Es ist die experimentierfreudigste Arbeit in Wenders’ und Rays Werk.” (Norbert Grob)

Palermo Shooting

DEU/FRA

2008

Wim Wenders

Dennis Hopper, Campino, Jana Pallaske, Lou Reed

Als erfolgreicher Fotograf lebt Finn ein so prominentes wie hektisches Leben in Düsseldorf. Die Nächte sind ruhelos, sein Mobiltelefon schreit immer, die Musik im Kopfhörer ist sein wichtigster Begleiter. Als seine Existenz urplötzlich aus den Fugen gerät, lässt er alles hinter sich. Seine Reise führt ihn nach Palermo. Dort wird er von einem mysteriösen Schützen verfolgt, der ihm nach dem Leben trachtet. Gleichzeitig beginnt für ihn ein neues Leben inklusive neuer Liebe. Auch die Bekanntschaft mit dem Tod wird er machen, den kein Geringerer als Dennis Hopper spielt…

Paris, Texas

BRD/FRA/GBR

1984

Wim Wenders

Harry Dean Stanton, Nastassja Kinski, Hunter Carson

Vier Jahre nach seinem Verschwinden taucht Travis in einem einsamen Nest wieder auf. Heruntergekommen, verwahrlost und halb verdurstet bricht er in der Bar des kleinen Ortes zusammen. Da Travis kaum etwas spricht, gelingt es nur dank einer Visitenkarte, seinen Bruder ausfindig zu machen, der herbeieilt, um den lange Vermißten abzuholen. Zurück in Los Angeles sieht Travis um ersten Mal seit langer Zeit seinen kleinen Sohn Hunter wieder, und es ist diese Begegnung, die dem schweigsamen Mann den Mund öffnet. Nach und nach beginnt er zu reden, und auf diese Weise enthüllt sich seine Geschichte. Gemeinsam machen sich Vater und Sohn auf die Suche nach Jane, Travis Ex-Frau und Hunters Mutter, die irgendwo in Texas leben muss… Unter den vielen großartigen Filmen von Wim Wenders ist Paris, Texas mit Sicherheit sein bekanntester. Und es gibt nicht wenige Filmkenner, die behaupten, dieser Film sei gewissermaßen die Quintessenz des Filmschaffens von Wenders und enthalte alles, was das Wirken dieses Regisseurs ausmache. Auch wenn diese Aussage mit Sicherheit ein wenig verkürzt ist, birgt sie doch viel Wahres in sich – zumindest die Erkenntnis, dass dieser in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnete Film ein über alle Zeiten erhabenes Kunstwerk ist, das auch noch in hundert Jahren Gültigkeit haben wird. Eine Metapher auf die ewige Suche, das niemals endende Wandern und die Lieben, die mancher einst auf seinem Weg durch das Leben verloren hat. (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

Perfect Days

JPN/DEU

2023

Wim Wenders

Koji Yakusho, Arisa Nakano, Tokio Emoto

Hirayama ist Toilettenreiniger in Tokio. Schweigsam und hingebungsvoll verrichtet er seine Arbeit. Sein Alltag ist genau strukturiert bis hin zum Musikhören und Bücherlesen. In den Arbeitspausen fotografiert er Bäume. Er scheint vollkommen zufrieden zu sein: Er folgt dem Rhythmus des Lebens zwischen Arbeit und privaten Ritualen. Dann taucht seine Nichte auf.
Wim Wenders wollte eigentlich eine Auftrags-Dokumentation über Tokios architektonisch erstaunliche Toilettenhäuschen drehen – daraus wurde dieser weltweit gefeierte Spielfilm. Die poetische und anrührende Meditation über die Schönheit der alltäglichen Dinge und die unendlich verschlungenen Pfade des menschlichen Lebens lief zwischen Darstellerpreis in Cannes und Oscarnominierung für Japan im Programm des IFFMH 2023.
Einführung: Sascha Keilholz, Leitung Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg
Einlass ab 20:30 Uhr – Eintritt: 10 € / 7 € erm. / 6 € Mitglieder Cinema Quadrat e.V.

Pina 3D

DEU/FRA/GBR

2011

Wim Wenders

Die deutsche Tänzerin und Choreografin Pina Bausch ist die Pionierin des modernen Tanztheaters. Wim Wenders‘ Hommage zeigt Ausschnitte aus vier von Pina Bauschs Tanztheaterstücken: Le sacre du printemps, Café Müller, Kontakthof und Vollmond, getanzt von Tänzer*innen des Tanztheater Wuppertals, das nach ihr benannt wurde.

Der Dokumentarfilm wird in 3D gezeigt, um ein tieferes Eintauchen in den jeweiligen Ausschnitt zu ermöglichen. Im ersten Abschnitt aus Le Sacre du Printemps soll eine auserwählte Jungfrau dem Frühlingsgott geopfert werden. Café Müller handelt vom Suchen, Kontakthof ist ein generationsübergreifendes Stück und in Vollmond spielen die Darsteller auf einer mit Wasser überschwemmten Bühne.

PINA gewann den deutschen Filmpreis 2011.

Das Salz der Erde

BRA/FRA

2014

Wim Wenders, Juliano Ribeiro Salgado

Der brasilianische Fotograf Sebastião Salgado war Zeitzeuge einschneidender Ereignisse; seine beeindruckenden Fotoreportagen von internationalen Konflikten, Kriegen und ihren Folgen, Hungersnöten, Vertreibung und Leid geben erschütternde Einblicke in globale Geschehnisse. Wim Wenders und Juliano Ribeiro Salgado, Sohn des Fotografen, zeigen in DAS SALZ DER ERDE dessen bewegendes Leben und Werk aus verschiedenen Perspektiven: Zum einen aus der Sicht des Sohnes, der seinen Vater auf vielen Reisen mit der Filmkamera begleitet hat. Zum anderen aus dem Blickwinkel des Bewunderers und Profis Wim Wenders, selbst Fotograf und einer der großen zeitgenössischen Filmemacher.
DAS SALZ DER ERDE wurde in Cannes mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet und war 2015 für den Oscar nominiert.
Einführung: Dr. Dorothee Höfert.

Perfect Days

JPN/DEU

2023

Wim Wenderw

Kōji Yakusho, Arisa Nakano, Tokio Emoto

Hirayama ist Toilettenreiniger in Tokio. Schweigsam und hingebungsvoll verrichtet er seine Arbeit. Sein Alltag ist genau strukturiert bis hin zum Musikhören und Bücherlesen. In den Arbeitspausen fotografiert er Bäume. Er scheint vollkommen zufrieden zu sein: Er folgt dem Rhythmus des Lebens zwischen Arbeit und privaten Ritualen. Dann taucht seine Nichte auf.

Wim Wenders wollte eigentlich eine Auftrags-Dokumentation über Tokios architektonisch erstaunliche Toilettenhäuschen drehen – daraus wurde dieser weltweit gefeierte Spielfilm. Die poetische und anrührende Meditation über die Schönheit der alltäglichen Dinge und die unendlich verschlungenen Pfade des menschlichen Lebens lief zwischen Darstellerpreis in Cannes und Oscarnominierung für Japan auch im Programm des IFFMH 2023.

Referentin: Sabine von Falkenhausen (Ludwigshafen)

Tears Of The Black Tiger

Thailand

2000

Wisit Sasanatieng

Chartchai Ngamsan, Stella Malucchi, Supakorn Kitsuwon

Dum und Rumpoey kennen einander schon seit ihrer Kindheit. Als sich die beiden während ihres Studiums in Bangkok wieder begegnen, verlieben sie sich ineinander. Doch Dum schließt sich einer Gruppe von Banditen an, um den Tod seines Vaters zu rächen, und nennt sich fortan Schwarzer Tiger. Rumpsoey wird von ihrem Vater gezwungen, den Polizeioffizier Kumjorn zu heiraten, dessen Aufgabe es ist, die Bande aus dem Verkehr zu ziehen, der Dum angehört.

Sex In Brno

CZE

2003

Wladimir Morávek

Katerina Holánova, Jan Budár, Martin Pechlát

Es ist ein Jahr her, daß sich der Gärtnerlehrling Standa und Olinka bei einer Sportveranstaltung kennengelernt haben. Seither haben sie sich beinahe jeden Tag geschrieben und sich für den heutigen Abend verabredet, was bedeutet, daß sie auch zwangsläufig die Nacht zusammen verbringen müssen. Und dieses berühmte erste Mal muß natürlich genau geplant werden. Deshalb haben sich Olinkas Freundinnen in der Nachbarwohnung einquartiert, um mit Rat, Tat und Schnittchen zur Stelle zu sein und unerwartete Zwischenfälle – wie beispielsweise die zu früh heimkehrende Mutter – zu meistern und sich über Sex zu unterhalten. Man hat nicht viel Abwechslung in Brno, wie es scheint. Im Original heißt der Film denn auch „Langeweile in Brno“ und diesen Aspekt greift Regisseur Morávek vor allem in den Figuren der parallel agierenden Pärchen auf, die zwar das erste Mal längst hinter sich, mit den weiteren Malen aber auch so ihre Problemchen haben. Zum Beispiel ein alternder Seriendarsteller und eine frustrierte Psychologin, die diesen unbedingt in ihr Bett bekommen will. So pendelt diese liebenswerte Komödie zwischen ironischer Weltsicht und sozialer Genauigkeit und Lust auf mehr Filme aus Tschechien macht der Film allemal.

Goodbye Lenin!

DEU

2002

Wolfgang Becker

Kurz vor dem Mauerfall fällt die Mutter des 21-jährigen Alex Kerner ins Koma und wacht acht Monate später wieder auf. Da für die verdiente DDR-Aktivistin und Gorbatschow-Anhängerin jede Aufregung lebensgefährlich ist, darf sie nichts von den politischen Änderungen erfahren. Deshalb lässt Alex auf 79qm Plattenbau den Sozialismus weiterleben. Doch mit der Zeit werden die westlichen Einflüsse immer größer und Alex hat alle Mühe die Scheinwelt aufrecht zu erhalten. Rasend komisch, hinreißend grotesk und unendlich bewegend, erzählt Wolfgang Becker auf ebenso eigenwillige wie unwiderstehliche Art eine andere Geschichte der gesamtdeutschen Historie. Vorgestellt von: Dr. Gerhard Schneider Thema: Überwindung der Spaltung – politisch, psychisch.

Ich klage an

DEU

1941

Wolfgang Liebeneiner

Heidemarie Hatheyer, Paul Hartmann, Mathias Wiemann

Vordergründig ist ICH KLAGE AN ein ergreifendes Sterbehilfe-Melodram: Hanna Heyt ist an multipler Sklerose erkrankt. Während ihr Mann, Medizinprofessor, verzweifelt an einem Heilmittel forscht, schreitet die Krankheit unaufhaltsam fort. Schließlich bittet Hanna darum, sie zu erlösen. Ihr Mann wird angeklagt, ein Mordprozess muss klären, ob die Tat ein humanitärer Akt war. Das Drama um unheilbares Leiden und Tötung auf Verlangen war Teil einer großangelegten Propagandaaktion, die den Weg für ein angestrebtes Sterbegesetz bereiten sollte, in dem die systematische „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ juristisch gefestigt werden sollte. Auf subtile psychologische Weise wird der Filmzuschauer zur Akzeptanz eines rechtlichen Rahmens für staatliches Töten verführt, zur Akzeptanz der Euthanasie – weshalb der Propagandafilm heute nur in besonderem Rahmen mit Einführung und Diskussion aufgeführt werden darf.
In Kooperation mit den Fachschaften Geschichte und Medien- und Kommunikationswissenschaften der Universität Mannheim. Einführung: Dr. Dominik Nagl und Madeleine Dahl

Das Boot – Director’s Cut

DEU

1981

Wolfgang Petersen

Jürgen Prochnow, Klaus Wennemann, Herbert Grönemeyer, Martin Semmelrogge, Uwe Ochenknecht

1941, der zweite Weltkrieg: Das U-Boot U-96 patrouilliert im Atlantik, um alliierte Schiffe zu versenken. Der Kriegsberichterstatter Leutnant Werner soll über die passionierte Moral der Besatzung an Bord berichten, doch die ständige Bedrohung durch feindliche Zerstörer sowie der enge Raum, auf dem die Mannschaft zusammenlebt, zeigen die hässliche Fratze des Krieges auf.
DAS BOOT taucht in die Psyche der Besatzungsmitglieder ein und zeigt ihre Ängste und Konflikte. Noch heute gilt der Film als einer der besten Kriegsfilme. Wolfgang Petersens packendes Antikriegsdrama – einer der besten deutschen Filme aller Zeiten – kam 1981 mit 149 Minuten in die Kinos, wurde ab 1985 als fünfstündige TV-Serie gesendet. Der Director’s Cut von 1997 vereint die beiden Fassungen.
Einführung: Sabine Fischer
Achtung, frühere Uhrzeit

Die unendliche Geschichte

DEU

1984

Wolfgang Petersen

Barret Oliver, Noah Hathaway, Tami Stronach, Tilo Prückner, Deep Roy

Auf dem Dachboden seiner Schule liest Bastian Balthasar Bux ein Buch über die Welt Phantásien, wo der junge Krieger Atreju der schwer erkrankten Kindlichen Kaiserin zu helfen versucht.

Glücksdrache Fuchur, der Steinbeißer, die uralte Schildkröte Morla – nach Michael Endes Bestseller bringt die Verfilmung durch Wolfgang Petersen die Abenteuer über die Rettung Phantásiens auf die große Leinwand. Die Großproduktion mit damals unerhörten 60 Millionen D-Mark-Budget überzeugt durch die liebevoll handgemachten Spezialeffekte.

Der Rote Rausch

BRD

1962

Wolfgang Schleif

Klaus Kinski, Brigitte Grothum, Dieter Borsche

Vierzig Jahre galt DER ROTE RAUSCH als verschollen, jetzt ist er in Leo Kirchs Filmarchiv wieder aufgetaucht. Die Geschichte spielt im östereichisch-ungarischen Grenzgebiet am Neusiedler See. Hier ist seit Jahren der Mann von Katrin verschollen. Als ein Fremder auftaucht, glaubt sie für einen Moment, er sei der vermisste Ehemann und ruft seinen Namen; Martin. Und so nennt sich der verstört wirkende Ankömmling Klaus Kinski fortan, den Katrin mit auf den heimatlichen Hof ihres Vaters nimmt. Der Fremde freundet sich mit Katrins Tochter an, erzählt ihr poetisch-traurige Märchen, und offenbart eine ungewöhnliche Zärtlichkeit im Umgang mit dem Kind. Mit sanftem Gemüt und kindlich leiser Stimme spielt Klaus Kinski in seiner ersten Hauptrolle gegen sein Image als Edgar Wallace Bösewicht an. Expressiv wie ein Stummfilmmime gibt er den Flüchtling, mit vor Angst geweiteten Augen. Angst vor dem was er vergessen zu haben scheint. Angst vor seiner Vergangenheit, als gesuchter Frauenmörder.

Der Mann dem man den Namen stahl

Wolfgang Staudte

Axel von Ambesser, Klaus Pohl

Während eines Ausflugs in die Großstadt wird Fridolin Biedermann die Brieftasche gestohlen. Da sich darin seine persönlichen Unterlagen befanden, ist er seiner Identität beraubt. Der Dieb ist ein Urkundenfälscher und Heiratsschwindler, der die Papiere missbraucht, um krumme Geschäfte abzuwickeln. Als ein Haftbefehl erlassen wird, gehen beide Männer der Justiz ins Netz. Für Fridolin beginnt auf der Suche nach seiner Identität ein absurder Gang durch die Instanzen des Behördenapparats. Eine Verwechslungskomödie, die von Goebbels verboten, zunächst nicht fertig gestellt und erst 1996 rekonstruiert wurde. Mit einführendem Vortrag von Harald Mühlbeyer.

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