Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

For Ahkeem

USA

2017

Jeremy S. Levine, Landon Van Soest

 „Es gibt keine Optionen mehr“, macht der Jugendrichter der 17-jährigen Daje klar. Wegen Aufsässigkeit flog sie von der öffentlichen Schule. Ihre letzte Chance ist eine private Institution für Schwererziehbare. Nach und nach skizziert der Film das Ausmaß der Per-spektivlosigkeit schwarzer Jugendlicher in St. Louis, Missouri. Doch wirklich begreifen lässt sich ihre Situation erst allmählich: wenn man auf ihrem Schulheft die vielen Namen von ihren Freunden sieht, mit dem Kuli gekritzelt – dahinter ein R.I.P. und ein frisches Datum. Daje lebt in einer ausschließlich schwarzen Umgebung, unweit von Ferguson, Missouri, wo im August 2014 der Schüler Michael Brown von einem weißen Polizisten erschossen wurde. Daje, die beeindruckende Protagonistin, ist weder Opfer noch Muster: Über sie erzählt der Film vom Aufwachsen in den heutigen USA, zwischen Rassismus, Gewalt und dem Wunsch nach aussichtsreicherer Zukunft.
„Der Film findet den richtigen Zugang zu jenen, die immer noch viel zu selten im amerikanischen Kino auftauchen.“ (Süddeutsche Zeitung)

Blue Ruin

USA

2013

Jeremy Saulnier

Devin Ratray, Amy Hargreaves

Der geheimnisvolle Außenseiter Dwight Evans erhält eine Nachricht, die sein Leben völlig auf den Kopf stellt. Ein Mann, der seiner Familie Grauenvolles angetan haben muss und mit dem er noch eine Rechnung offen hat, wird aus dem Gefängnis entlassen. Dwight kehrt daraufhin zurück zum Haus seiner Kindheit und will sich an dem ehemaligen Gefängnisinsassen rächen. Da Dwight jedoch absolut kein Profi darin ist, jemanden umzubringen, muss er sich entsprechend ausrüsten und ein Waffentraining absolvieren, denn er kann nicht mal jemanden aus zwei Metern Entfernung erschießen.
Bei den Filmfestspielen von Cannes mit dem von der internationalen Filmkritiker- und Filmjournalisten-Vereinigung verliehenen FIPRESCI-Preis prämiert.

All the Little Animals

GBR

1998

Jeremy Thomas

Christian Bale, John Hurt, Daniel Benzali

Bobby ist geistig beeinträchtigt – er flieht vor seinem cholerischen, hasserfüllten Stiefvater, der Bobbys Maus-Haustier getötet hat. In Cornwall trifft er auf Mr. Summers, der sich eine besondere Lebensaufgabe gestellt hat: Er sammelt entlang der Autobahn überfahrene Tiere und beerdigt sie. Bobby wird sein Lehrling, entdeckt so eine eigenartige, fast idyllische Verbindung zur Natur. Doch der Stiefvater ist ihm auf den Fersen…

Jeremy Thomas, einer der profiliertesten Filmproduzenten überhaupt, schuf mit seiner einzigen Regiearbeit eine Außenseitergeschichte über Tod und Überleben, Trost und Moral und Gewalt. Der Film von 1998 kommt erst jetzt in die deutschen Kinos – eine echte Entdeckung! „Der junge Christian Bale und der lässige John Hurt machen dieses düster-moderne Märchen zum Ereignis.“ (Viennale)

Oedipus

Frankreich

2000

Jérôme Enrico

Angela Molina, Roschdy Zem

In einem Swimmingpool in Marseille treibt ein ertrunkener Autoverkäufer. Polizist Sami zweifelt an der Unfall-Theorie seines Kollegen und Schwagers Richard und untersucht auf eigene Faust die wenigen Spuren. Sami wird immer stärker in den Strudel der Wahrheitssuche hineingezogen. Je näher er der Klärung des Falles kommt, desto stärker wird sein Gefühl, dass er den Täter kennt. Fast unmerklich, dann immer deutlicher schleichen sich Elemente von Sophokles klassischer Tragödie von Vatermord und Mutterschändung in diesen dunklen, milieudichten Autorenkrimi voller Symbolik und Vieldeutigkeit. Den klassischen Chor ersetzt ein Rapper-Trio und einmal mehr ist Marseille in diesem modernen „film noir“ nicht nur schwarz vom Dunkel der Nacht allein.

Jacques - Entdecker der Ozeane

FRA

2016

Jérôme Salle

Lambert Wilson, Audrey Tautou, Pierre Niney, Laurent Lucas, Benjamin Lavernhe. 123 Min. FranzOmdtU. FSK: 6 Jacques Yves Cousteau

Jacques Yves Cousteau: Der Meeresforscher mit roter Mütze war Pionier, Entdecker, Filmemacher, Autor, Wissenschaftler – und Geschäftsmann. Er entwickelte sich zum globalen Star und Frauenheld, der für ein gutes Bild alles opfert, mit Ölkonzernen zusammenarbeitet, Kliffe sprengt oder Haie massakriert. Während Cousteau auf Reisen war, wuchsen seine Kinder in Internaten auf. Philippe kehrt als Erwachsener zu den Eltern zurück – und erkennt seinen Vater kaum wieder. Im Bewusstsein um die Fragilität der Natur begibt sich Philippe mit Jacques Cousteau auf eine gemeinsame Antarktisexpedition…

In seinem Biopic huldigt Jérôme Salle dem Meeresabenteurer, hebt ihn aber vom hohen Denkmalsockel herunter. Mit grandiosen Aufnahmen und einer exzellenten Besetzung schuf er ein intimes, persönliches Porträt – und blickt auf einen Wendepunkt im Leben von Jacques Cousteau.
Einführung: Éva Léchelle M.A., Deutsch-Französische Sprach- und Kulturvermittlerin

The Life Before This

Kanada

1999

Jerry Ciccoretti

Sarah Polley, Stephen Rea

Bei einem Überfall kommen mehrere Besucher eines Coffee-Shops ums Leben: In Rückblenden zeigt Ciccoretti, wie die Opfer ihren letzten Tag verbringen und – noch wichtiger – wie sie der Willkür des Schicksals vielleicht doch noch entgehen könnten.

Pharao

POL

1966

Jerzy Kawalerowicz

Jerzy Zelnik, Andrzej Girtler, Wieslawa Mazurkiewicz

Der Film spielt im antiken Ägypten. Der Titelheld ist aber keine historisch verbürgte Persönlichkeit, sondern der fiktive Pharao Ramses XIII. Der junge Herrscher legt sich mit den Priestern an und will sie entmachten. Regisseur Jerzy Kawalerowicz konzentrierte sich, ohne dabei die Hollywood-Klischees zu bemühen, auf die Darstellung der universellen Mechanismen des Kampfes um die Macht und um den Einfluß der Religion auf das gesellschaftliche Leben. PHARAO war für die polnische Filmindustrie eine Großproduktion, ein Exportschlager, und einer der größten kommerziellen Erfolge des polnischen Kinos.

Eo

POL/GBR/ITA

2022

Jerzy Skolimowski

Sandra Drzymalska, Lorenzo Zurzolo, Mateusz Kosciukiewicz, Isabelle Huppert

Die Welt, aus dem Blickwinkel eines Esels gesehen: Ein Grauesel wird von Tierschützern aus einem Zirkus befreit, landet in einem Pferdestall, bricht aus, gerät in eine Kleinstadt-Bar und auf eine Fuchsfarm. Der Reichtum des Films liegt in den Begegnungen und Begebenheiten, die der Esel auf seinem Weg durchmacht. In seiner Hommage an Robert Bressons ZUM BEISPIEL BALTHASAR von 1966 gelingt Jerzy Skolimowski eine überzeugende Gesellschaftsfabel zwischen Leiden und Glück und surrealen Momenten. Skolimowski ist seit den 1960ern eine Größe des europäischen Kinos, mit Drehbüchern für Andrei Wajda und Roman Polanski, mit DEEP END (1970) und (zuletzt) ESSENTIAL KILLING (2010), mit Auszeichnungen in Berlin und Cannes. In diesem Spielfilm mit tierischem Hauptdarsteller kann alles passieren, Skolimowski lässt seinen Esel sogar träumen. „Man kann kaum glauben, dass dieser visuell so moderne, irrwitzige Film von einem 84-Jährigen stammt.“ (Filmfestival Cologne)  

Hotel

AUT/DEU

2004

Jessica Hausner

Franziska Weisz, Birgit Minichmayr, Marlene Streeruwitz

HOTEL ist ein Mystery-Thriller, der im tief verborgenen finsteren Wald spielt. Irene findet im Waldhotel ihre neue Stelle und ist fasziniert von der magischen Atmosphäre einer fantastischen wie rätselhaften Ruhe. Schnell erfährt sie, daß ihre Vorgängerin auf mysteriöse Weise verschwunden ist und beginnt, der großen Stille zu misstrauen. Die labyrinthischen Hotelflure und verwaisten Passagen führen ins Nichts, die verschwiegene Belegschaft scheint ebenso feindselig wie desinteressiert. Schleichend verwebt sich ihr eigenes Schicksal mit dem ihrer Vorgängerin. Bald sieht sie sich von einer geheimnisvollen Gefahr bedroht, der sie verzweifelt zu entrinnen versucht. Preis: Bester Film, Diagonale 2005. FSk: frei ab 12 Jahren

Roads - Zwischen Düsseldorf und New Orleans

DEU

2015

Jessica Jacoby

1938 gelang dem jüdischen Fotographen Klaus Jacoby die Flucht aus Nazideutschland in die USA. 1950 kehrte er in sein Geburtsland zurück, als Journalist arbeitete er für eine Zeitung der amerikanischen Streitkräfte. Und lernte bei einer Reportage über deutsche Künstler Susanne Körber kennen, Tochter der Schauspielerin Hilde Körber und ihres vormaligen Ehemannes Veit Harlan – berüchtigt für seinen Propagandafilm JUD SÜSS…
Jessica Jacoby, Berliner Journalistin und Filmemacherin, ist die Tochter von Klaus Jacoby und Susanne Körber – und sie fand bei einer Tante in Südafrika über hundert Briefe, die ihre Großeltern väterlicherseits ihren Kindern geschrieben hatten vor der Deportation nach Minsk 1941. Diese Briefe und das Tagebuch ihres Vaters verknüpft die Regisseurin zu einem bewegenden filmischen Dialog, das Vertreibung und Exil, aber auch die Nachkriegszeit mit ihren Verwerfungen und Sehnsüchten nachzeichnet.
Anschließend Filmdiskussion mit Jessica Jacoby

Roads – Zwischen Düsseldorf und New Orleans

DEU

2ß15

Jessica Jacoby

1938 gelang dem jüdischen Fotographen Klaus Jacoby die Flucht aus Nazideutschland in die USA. 1950 kehrte er in sein Geburtsland zurück, als Journalist arbeitete er für eine Zeitung der amerikanischen Streitkräfte. Und lernte bei einer Reportage über deutsche Künstler Susanne Körber kennen, Tochter der Schauspielerin Hilde Körber und ihres vormaligen Ehemannes Veit Harlan – berüchtigt für seinen Propagandafilm JUD SÜSS…
Jessica Jacoby, Berliner Journalistin und Filmemacherin, ist die Tochter von Klaus Jabocy und Susanne Körber – und sie fand bei einer Tante in Südafrika über hundert Briefe, die ihre Großeltern väterlicherseits ihren Kindern geschrieben hatten vor der Deportation nach Minsk 1941. Diese Briefe und das Tagebuch ihres Vaters verknüpft die Regisseurin zu einem bewegenden filmischen Dialog, das Vertreibung und Exil, aber auch die Nachkriegszeit mit ihren Verwerfungen und Sehnsüchten nachzeichnet.
Anschließend Filmdiskussion mit Jessica Jacoby

A Touch of Sin

CHN/JAP

2013

Jia Zhang-Ke

Jiang Wu, Meng Li

Der Gewinnerfilm des Goldenen-Löwen für das beste Drehbuch in Cannes 2013 vernetzt vier Personen, die in verschiedenen Regionen Chinas leben und mit ihrem Dasein nicht zurechtkommen. Sie kommen aus unterschiedlichen Regionen des Landes, leben sehr unterschiedliche Leben und stehen vor unterschiedlichen Problemen und Herausforderungen. Im China des 21. Jahrhunderts und zwischen Fortschritt, Globalisierung und einer weit verbreiteten Armut machen sie alle jedoch die Erfahrung, wie sie auf die eine oder andere Weise in eine folgenschwere Spirale der Gewalt geraten. Und sie alle müssen einen eigenen Weg finden, damit umzugehen…
Am 09.03. „Krönchenfilm“: für CQ-Mitglieder Eintritt frei.

Caught by the Tides

CHN

2024

Jia Zhang-Ke

Zhao Tao, Li Zhubin, Pan Jianlin, Lan Zhou

Qiaoqiao und Bin sind verliebt – doch als Bin in eine andere Provinz zieht, bleibt Qiaoqiao unglücklich zurück. Sie macht sich auf die Suche, eine Suche, die mehr als 20 Jahre umspannt, in denen sich das Land um sie herum gravierend verändert.

Jia Zhang-Ke (STILL LIFE, 2006, ASCHE IST REINES WEISS, 2018) ist der große filmische Chronist des modernen China; in seinem neuen Film folgt er seiner Protagonistin, dargestellt von Zhao Tao, die in vielen seiner Filme mitspielt. Ihre Geschichte verflicht er mit Filmmaterial, das er seit 2001 in verschiedenen chinesischen Provinzen gedreht hat, und schafft so das authentische Porträt des Wandels. „Einer der überraschendsten, ungewöhnlichsten, schönsten Filme, die dieses Jahr im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes gezeigt wurden.“ (programmkino.de)

Die Reise ins Labyrinth

GBR/USA

1986

Jim Henson

David Bowie, Jennifer Connelly

Die 15-jährige Sarah flüchtet sich immer wieder in Fantasiewelten. Als sie eines Abends auf ihren kleinen Bruder Toby aufpassen muss, hört er nicht mehr auf zu weinen und prompt wünscht sie sich, dass er von Kobolden entführt wird. Plötzlich ist Toby tatsächlich weg und der Koboldkönig Jareth erscheint: Sarah bekommt 13 Stunden Zeit, um ihren Bruder aus seinem Schloss zu befreien. Wenn sie es nicht schafft, wird Toby in einen Kobold verwandelt. Allerdings ist Jareths Schloss von einem riesigen Labyrinth umgeben…

Der Film von „Muppets“-Erfinder Jim Henson etablierte er sich schnell zum Kultfilm – nicht zuletzt durch Musiklegende und Koboldkönig David Bowie!

Abschied vom Collini-Center: Night on Earth

FRA/GBR/DEU/USA

1991

Jim Jarmusch

inona Ryder, Gena Rowlands, Armin Müller-Stahl, Roberto Benigni, Matti Pellonpää.

1971 gegründet, seit 1990 im Collini-Center: Nun geht eine Ära zu Ende für das Kommunale Kino in Mannheim. Wir brechen hier die Zelte ab – und bauen in K 1 eine neue Leinwand auf!
Zur Finissage zeigen wir einen unserer Lieblingsfilme. In einer Versteigerung bieten wir Teile unseres Inventars feil, von Plakaten über VHS-Kassetten und DVDs bis zu Kinosesseln. Das Publikum ist bei freiem Eintritt und Open End an der Bar eingeladen, sich vom Kino im Collini-Center zu verabschieden mit einem fröhlichen „Auf Wiedersehen!“ – in K1, 2 zur Neueröffnung am 30. November.
Night on Earth: Fünf Länder, fünf Taxen, fünf einzigartige Geschichten, eine Nacht: Taxifahrten durch Los Angeles, New York, Paris, Rom und Helsinki sind Begegnungen mit verschrobenen Charakteren, Momentaufnahmen der Gesellschaft, Spiele des Zufalls. Jarmusch entfaltet eine weltumspannende Gemeinschaft, inklusive Ostdeutschen mit Automatikgetriebe-Problemen, schlagfertigen Blinden, besoffene Finnen und todesmutigen Italienern. Lakonisch und liebevoll entfaltet Jim Jarmusch im kleinen Raum des Taxis große Geschichten und zollt nebenbei verehrten Regiekollegen Referenz.
Eintritt frei!

Dead Man

USA

1995

Jim Jarmusch

Johnny Depp, Gary Farmer, Billy Bob Thornton

Voller Tatendrang und Zukunftspläne startet der junge Amerikaner William Blake in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gen Westen — begleitet von den elektronischen, unendlichen Gitarrenklängen Neil Youngs. In einer Eisenfabrik am Ende der Bahnschienen will William als Buchhalter arbeiten. Doch dazu kommt es nie. Denn schon am ersten Abend in seiner neuen Heimatstadt erschießt er ungewollt zu seiner eigenen Überraschung einen eifersüchtigen Westernhelden. Plötzlich zum Outlaw geworden, muss William Blake fliehen. Selbst durch eine Kugel des Kontrahenten verletzt, beginnt für William eine Reise in seine wahre Zukunft — in eine Welt auf der anderen Seite des Lebens als Dead Man. Düsterer Abgesang auf den Western, voller parodistischer Genrezitate und Cameoauftritte von Iggy Pop, Robert Mitchum, Gabriel Byrne und John Hurt.

Down by Law

USA

1986

Jim Jarmusch

John Lurie, Tom Waits, Roberto Benigni, Nicoletta Braschi, Ellen Barkin

Mit seinem dritten Spielfilm kam Jim Jarmusch ganz groß raus: Der irre Trip dreier flüchtiger Knackis durch die Sümpfe von Luisiana begeisterte die Independent-Film-Familie weltweit.
John Lurie und Tom Waits, obercool und unschuldig im Knast, raufen sich zusammen und treffen auf den dauerquasselnden, in zerbrochenem Englisch radebrechenden Italiener Roberto Benigni. Das Trio bildet eine Notgemeinschaft, aus der so etwas wie Freundschaft wird. In bestechend rauen Schwarzweißbildern spielt Jarmusch seine Stärken aus: Lakonisch, poetisch, voll Humor und Humanismus, melancholisch und mit Sinn fürs Absurde führt seine eigenwilligen Protagonisten in die Freiheit; in mehrfacher Hinsicht. Ein Kultfilm!

Ghost Dog

USA / FRANKREICH

1999

Jim Jarmusch

Forest Whitaker, John Tormey, Cliff Gorman

Ghost Dog ist ein US-Samurai der 90er Jahre. Er lebt auf dem Dach eines Hochhauses mit seinen Tauben, die ihm als Boten dienen – im Zeitalter von Internet und Handy ein Anachronismus, der ihn schützt und quasi unsichtbar macht. Er arbeitet für den Mafiaboß Louie, weil der ihm als Kind bei einer Schießerei das Leben rettete. Als Ghost Dog bei einem Auftrag eine zufällig anwesende junge Frau laufen läßt, will der Kopf der Mafiafamilie den unzuverlässigen Killer töten. Forest Whitaker als charismatischer Samurai, der scheinbar schwerelos durch die Straßen der Großstadt gleitet, obwohl er auf den ersten Blick eher wie ein behäbiger Rapper aussieht, ist in seiner besten Rolle seit der des Jazz-Saxophonisten Charlie Parker in BIRD zu sehen. Mit einem Vortrag von Dr. Ludwig Janus zu dem Thema „Die tragische Individuationsreise eines Schwarzen zwischen Samurai-Idealen und amerikanischem Mafia-Milieu“.

Ghost Dog - Der Weg Des Samurai

USA

1999

Jim Jarmusch

Forest Whitaker, John Tormey, Cliff Gorman

Ghost Dog lebt über der Welt, unter Vögeln, in einer Hütte, die er auf dem Dach eines verlassenen Gebäudes errichtet hat. Ghost Dog ist ein professioneller Killer, der im Dunkel der Nacht verschwindet und sich unbemerkt durch die Stadt bewegen kann. Sein Leitfaden ist ein alter Verhaltenscodex der Samurai. Als Ghost Dogs Grundsätze von der verstörten Mafiasippe, die ihn gelegentlich beschäftigt, sträflich missachtet werden, reagiert er strikt im Einklang mit dem Weg des Samurai. Ein überragender Forest Whitaker kann es mit dem Gangster-Archetypen Alain Delon durchaus aufnehmen. Wie stets bei Jarmusch lebt auch „Ghost Dog“ von einer magischen Stimmung, die sich schon nach wenigen Minuten einstellt. Vorgestellt von Bernd Böhlendorf

Nicht On Earth

USA

1991

Jim Jarmusch

In Los Angeles, New York, Paris, Rom und Helsinki steigt jemand in ein Taxi und die Fahrt beginnt. Fünf Geschichten, die gleichzeitig, jedoch in unterschiedlichen Zeitzonen spielen, erzählt Jim Jarmusch, Allerweltsgeschichten, rührend, komisch, absurd manchmal, Touristenanekdoten eines etwas anderen Reisenden. Eine Hollywoodagentin stellt ihrer Taxifahrerin in Los Angeles eine Karriere in Aussicht. Dem kindlich schüchternen Helmut verwandelt sich, unter Führung seines coolen Begleiters, die Stadt New York in einen Traum. In Paris muss sich ein Taxifahrer von der Elfenbeinküste mit zwei rassistischen Diplomaten aus Kamerun auseinandersetzen. In Rom legt der unaufhörlich plappernde Erotomane seine Beichte ab, während sein Fahrgast, ein Priester, stirbt. Und in Helsinki sitzt ein betrunkener Mann im Schnee und wartet. Jarmusch konnte seine filmische Reflexion über die Zeit mit einem riesigen Staraufgebot besetzen, Tom Waits machte die Musik dazu.

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