Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Now

DEU

2020

Jim Rakete

Fridays for Future, Plant for the Planet, Extinction Rebellion, Ende Gelände – und und und: 2019 formierte sich weltweit die Jugend zum Jahr des Protests gegen die desaströse Umwelt- und Klimapolitik. Greta Thunberg ist die Ikone dieser Zukunftsbewegung – doch Jim Rakete blickt auf die Aktivistinnen und Aktivisten ganz vielfältiger Initiativen, in denen sich Protest und Handeln vereinen, darunter Luisa Neubauer, Felix Finkbeiner, Nike Mahlhaus. Der berühmte Porträtfotograf zahlreicher Persönlichkeiten der deutschen und internationalen Musik- und Filmszene befragt in seinem engagierten Kinodebüt einige der Protagonist*innen der Klimarebellion nach ihren Motiven, ihren Zielen, ihrem Zorn – und macht klar: Was immer auch geschehen muss, es muss jetzt geschehen. Denn eines ist sicher: Weder durch eine Pandemie noch durch Wahlkampf lässt sich die Klimakrise aufhalten.

The Graffiti Artist

USA

2004

Jimmy Bolton

Ruben Bansie-Snellman, Pepper Fajans

Nick ist ein eher unauffälliger, introvertierter Typ ohne Freunde, der sich gern treiben läßt. Doch er hat eine große Passion: Graffiti. Nachts streift er durch Industriebrachen und die menschenleere Innenstadt von Portland, um Bushaltestellen, Häuserwände und Eisenbahnwaggons mit seinen Tags und Graffitis zu besprühen. Verfallende Stadtlandschaften sind die Folie für Nicks subversive Kunst – „Rupture the System“ ist sein Credo. Sehr zum Ärger der Staatsmacht, die ihm permanent auf den Fersen ist. Auf einem seiner Streifzüge begegnet Nick schließlich Jesse, einem anderen Sprayer. Nick ist fasziniert von Jesse und folgt dessen Tags bis nach Seattle, wo sich die beiden kennenlernen. Vorsichtig entsteht eine Freundschaft, in der die Kommunikation fast ausschließlich über das gemeinsame Sprayen stattfindet. Unterwegs auf ihren Skateboards überziehen sie die Stadt mit Tags und Graffitis. Die Gegensätzlichkeit ihres Stils vereinen die beiden in spannungsgeladenen Bildern. Als spannungsgeladen erweist sich aber auch die Freundschaft selbst. Während Nick ein Auge auf Jesse geworfen hat, scheint sich dieser mehr für Mädchen zu interessieren. Schließlich ist es dann aber Jesse, der Nick verführt – um kurz darauf alleine nach Portland zurückzukehren. War Nick für ihn nur ein Abenteuer oder flüchtet er vor seinen Gefühlen?

El Sonido Del Bandoneón - The Sound Of The Bandoneón

ARG/NL

2011

Jiska Rickels

Der Film ist eine liebevolle, melancholische Hommage an das Bandoneón, das wie kein anderes mit Leidenschaft in Verbindung gebracht wird. Was macht die Seele und den speziellen Klang dieses magischen Instrumentes aus, welches so sehr zu Argentinien und dessen musikalischem Ausdruck, dem Tango, gehört? Ursprünglich aus Deutschland stammend, brachten es Einwanderer mit an den Rio de la Plata – zwischen 1911 und 1943 schätzungsweise 60.000 Stück. Doch scheint die Ära des Bandoneóns zu Ende zu gehen, da neue kaum noch gebaut werden und auch nicht mehr die originäre Qualität und Klang besitzen. Anhand zweier Protagonisten, Néstor Marconi, einer der berühmtesten Bandoneónspieler und dem Lehrmeister Daniel Vedia, zeigt der Film deren leidenschaftlicher Kampf, das Instrument am Leben zu halten. Jiska Rickels, 1977 in den Niederlanden geboren, produzierte zunächst Musiktheaterstücke und studierte Regie zwischen 1998 und 2003 an der Filmakademie in Amsterdam und der HFF in München. Als Regisseurin und Drehbuchautorin drehte sie mehrere prämierte dokumentarische Kurz- und Langfilme (UNTERTAGE, 2003; 4 ELEMENTE, 2006). Ihr dritter Langfilm EL SONIDO DEL BANDONEÓN eröffnete 2011 das Internationale Dokumentarfilm-Festival in Amsterdam. In Kooperation mit Tangodeseos, Heidelberg

Nicht Alle Waren Mörder

DEU

2006

Jo Baier

Nadja Uhl, Aaron Altaras, Hannelore Elsner

Der Film NICHT ALLE WAREN MÖRDER basiert auf den Erinnerungen des Schauspielers und Autors Michael Degen. Wer waren die Menschen, die Degen in der Nazi-Zeit halfen zu überleben? Berlin, 1943: Der elfjährige Michael beobachtet mit seiner Mutter, wie die jüdischen Nachbarn aus ihren Häusern geholt werden. Vor Schock erst wie gelähmt, gelingt es den beiden in einer todesmutigen Aktion, das Gebäude vor den Augen der Gestapo-Männer zu verlassen. Zwei Jahre verbringen sie im Untergrund, immer auf der Flucht vor Verrat, Entdeckung und dem sicheren Tod. Hier erleben sie Hunger und Bombennächte, aber auch Menschlichkeit und Freundschaft. Denn sie finden ganz normale Menschen, die aus den unterschiedlichsten persönlichen Motiven bereit sind, ihr eigenes Leben für die Flüchtlinge aufs Spiel zu setzen: die patente Lona, der Kommunist Hotze, die russische Diva Ludmilla, der Lokomotivführer Redlich und das Berliner Original „Oma Teuber“.

Cranko

DEU

2024

Joachim A. Lang

Sam Riley, Lucas Gregorowicz, Hanns Zischler, Friedemann Vogel, Elisa Badenes

Stuttgart 1960 – als der Choreograph John Cranko mit dem Flugzeug landet, ahnt er nicht, dass dieser Moment sein Leben verändern wird. Er soll als Gast am Stuttgarter Ballett choreographieren. In London musste er aufgrund seiner Homosexualität zahlreiche Demütigungen bis hin zu einem Arbeitsverbot ertragen; hier erholt sich Cranko von den erniedrigenden Erfahrungen, niemand scheint sich an seinem unkonventionellen Lebensstil zu stören. Er wird nach kurzer Zeit Ballettdirektor, Liebling des Publikums, gibt sich seiner Kunst und einem berauschenden Lebensstil hin.

Der rasante und steile Aufstieg bis zur Weltspitze, das „Stuttgarter Ballettwunder“, machen John Cranko zu einem Superstar seiner Zeit: „Sensibles wie auch schweres Porträt des Choreografen John Cranko, der von Stuttgart aus dem Ballett neuen Schwung gegeben hat.“ (taz).

St. Pauli! Rausgehen. Warmmachen. Weghauen.

DEU

2008

Joachim Bornemann

Hafen, Kiez, Schanzen- und Karoviertel, der Bau der Südtribüne und der Aufstieg des FC St. Pauli in die 2. Bundesliga bilden den Rahmen für die Geschichte rund um den bekanntesten Stadtteil Hamburgs. Es geht um den Kampf einer Mannschaft um den Aufstieg, den Kampf um ein neues Stadion und um den Kampf eines Roger Hasenbein, der Vorsitzender des Fanclubsprecherrats ist und der auf der Straße als Streetworker gegen Sucht, Armut und Kriminalität kämpft.

Nue Propriété

BEL

2006

Joachim Lafosse

Isabelle Huppert, Jérémie Renier, Yannick Renier

Die Zwillinge Thierry und François leben mit ihrer Mutter Pascale auf dem Land. Während sie zum gelegentlich auftauchenden Vater eine distanzierte Beziehung pflegen, ist das Verhältnis zu ihrer Mutter umso intensiver. Die drei sind eine eingespielte Gemeinschaft. Doch Pascales elterliche Fürsorge stößt langsam an ihre Grenzen. Von der Routine ihres Alltags zunehmend ernüchtert, will sie das Haus verkaufen, um mit ihrem Freund Jan neu anzufangen. Bei den Söhnen stoßen diese Gedanken auf wenig Gegenliebe. Isabelle Huppert brilliert und berührt in diesem fein beobachteten Familiendrama als eine Frau mittleren Alters, die sich nach einer Veränderung in ihrem Leben sehnt. (also leider ab 18)

Kill Me Today, Tomorrow I'm Sick

DEU

2018

Joachim Schroeder, Tobias Streck

Karin Hanczewski, Carlo Ljubek, Sigi Zimmerschied, Joachim Steinhöfel, Henryk M. Broder

Was auf den ersten Blick daherkommt wie ein überraschendes Ufo des deutschen Kinos, ist in Wahrheit ein fulminantes Lebenszeichen, eine Satire ohne ethische Gebrauchsanweisung“, schreibt Dominik Graf in der FAZ: Im Pristina des Jahres 1999, mitten im Chaos des Balkankriegs zwischen Serben, Kosovo-Albanern und NATO, ist Anna Teil der internationalen Hilfsaktion und soll freie, demokratische Medien aufbauen. Doch sie gerät in einen Haufen neurotischer, ignoranter, korrupter und gelangweilter Kollegen, guter Wille trifft auf böse Wirklichkeit, und schnell schleift sich in der allgemeinen Verantwortungslosigkeit Annas hohe Motivation ab. Idealismus, Opportunismus und Zynismus bilden die tiefschwarzhumorige, explosive Mischung dieses Films – inklusive eingebautem Realismus in dem ganzen absurden Irrsinn: Der Film ist inspiriert von den Tagebuchaufzeichnungen einer OSZE-Mitarbeiterin, die im Kosovo tätig war.

Auf Anfang [:reprise]

NOR

2006

Joachim Trier

Pal Stokka, Henrik Elvestad.

Der Film erzählt die Geschichte der Freunde Erik und Phillip, zweier gegensätzlicher junger Männer, die am Anfang ihrer Schriftstellerkarriere stehen. AUF ANFANG [:reprise] ist ein leichter und zugleich tiefsinniger Film über das Zusammenspiel von Freundschaft und Verrücktheit, Genie und Wahnsinn, Kreativität und Liebe, Hoffnung und Traum, die mit der Realität des Lebens zusammenprallen und zu ungeahnten Wegen führen – traurigen und glücklichen. AUF ANFANG [:reprise] erzählt vom Reichtum der Möglichkeiten, die das Leben bietet. Ein Film über das Lebensgefühl der Twenty-Something-Generation, so wie einst François Truffauts JULES & JIM.
„Ein junges, wildes Generationenporträt aus Norwegen. Fühlt sich an wie ein guter Independent-Popsong.“ Bayern 3

Oslo, 31. August

NOR

2011

Joachim Trier

Anders Danielsen Lie, Hans Olav Brenner

„Ich bin 34 Jahre alt. Ich habe nichts.“ Das ist die Selbsteinschätzung von Anders, ehemals cooler Journalist in Oslo, der in zwei Wochen seinen Drogenentzug abschließen wird. Er gilt als clean und darf für einen Tag die Klinik auf dem Land verlassen zum Vorstellungsgespräch in die Stadt. Kurz zuvor hat er versucht, sich mit Steinen in der Tasche in einem See zu ertränken. Dieses Mal ist er wieder aufgetaucht. Aber alles deutet darauf hin, dass der Tag in Oslo für ihn zu einem Abschied wird. Aus einem gutbürgerlichen Elternhaus stammend kennt Anders seine Fähigkeiten und Möglichkeiten genau, aber er ist nicht in der Lage, sie zu nutzen. In Oslo sucht er alte Freunde auf, die mitten im Leben stehen, mit typischen Problemen der Mittdreißiger. Ihre Lebensentwürfe führen Anders vor Augen, wie viele Chancen er schon verpasst hat. Anders steht längst außerhalb dieses Lebens. Alle aufmunternden Worte, die Möglichkeit eines Jobs haben keine Wirkung auf ihn. Je mehr er sich mit anderen Menschen umgibt, desto deutlicher wird, dass er nicht mehr dazu gehört. Er scheint sich davon befreit zu haben, sich selbst etwas beweisen zu müssen. Und das lässt allen Anzeichen zum Trotz ein wenig Hoffnung aufkommen…
Die Geschichte von Anders ist zugleich ein subjektives Porträt der Stadt Oslo und der Generation der Mittdreißiger. Betörende Bilder der Stadt korrespondieren mit dem Seelenzustand des Protagonisten. Im faszinierenden Licht Oslos und bei beginnender winterlicher Kälte gelingt es Joachim Trier, seinen Protagonisten niemals selbstmitleidig, sondern radikal ehrlich wirken zu lassen.

Archipelago

GBR

2010

Joanna Hogg

Tom Hiddleston, Amy Lloyd

Auf Edward wartet ein großes Abenteuer, ein bedeutender Schritt in die Unabhängigkeit: Der junge Mann will für ein Jahr nach Afrika gehen, um ehrenamtlich zu arbeiten. Vorher soll die Familie jedoch noch einmal zusammenkommen, um den Abschied zu feiern, und so bricht er mit Mutter und Schwester zu einem Urlaub auf den abgelegenen Scilly-Inseln auf. Hier wollen sie auch Edwards Vater treffen, doch als sich dessen Anreise verzögert, bekommt die heile Familienfassade Risse… „Eine Meditation, eine filmische Disputation für vier Personen. Ein schöner, merkwürdiger Film für alle, die weder an Zufälle noch an Notwendigkeiten glauben und doch wissen, dass alles im Leben von ihnen abhängt.“ (Der Tagesspiegel, Berlin)

Papusza - Die Poetin der Roma

POL

2013

Joanna Kos-Krauze & Krzysztof Krauze

Zbigniew Walerys, Jowita Miondlikowska

Poetischer Film in monumentalen Schwarzweiß-Aufnahmen über die Roma-Poetin Bronislawa Wajs: Erzählt wird die wahre Geschichte der polnischen Dichterin Papusza. Mit der Veröffentlichung ihrer Gedichte trat sie der traditionellen Denkweise der Menschen über Frauen gegenüber. Anfang des 20. Jahrhunderts geboren, erlebte sie beide Weltkriege, wurde in eine Verlobung gezwungen und lebte in großer Armut. Ihr Leben änderte sich, als der Dichter Jerzy Ficowski ihr Talent zum Schreiben entdeckte. Der Film handelt auch vom repressiven, die Sesshaftigkeit einfordernden Umgang der polnischen Regierung mit Minderheiten. Überzeugende Mischung aus Zeitzeugnis und Künstlerporträt.

Deus Hochzeit

Portugal / Frankreich

1998

João César Monteiro

Rita Durão, João César Monteiro, Joana Azevedo

João de Deus ist ein kauziger Individualist, ein Erotomane und anarchischer Lebenskünstler, der alle Tabus und Grenzen des so genannten guten Geschmacks überschreitet und den Kampf mit Gott und dem Teufel zugleich herausfordert. Nach einem Picknick auf einer Bank im Grünen erscheint ein Gesandter Gottes und schenkt dem Alten einen Koffer voller Geld, das ihn zum reichsten Mann der Erde macht. Doch erst einmal läßt João den Koffer geöffnet stehen, um eine lebensmüde junge Frau vor dem Ertrinken zu retten und sie der Obhut eines Klosters anzuvertrauen. Der portugiesische Filmemacher João César Monteiro ist ein Paradiesvogel – im eigenen Land wie auch in Europa. In DEUS‘ HOCHZEIT erzählt er eine ungewöhnliche und provokante Liebesgeschichte und feiert die Freiheit einer dem Zeitgeist entrückten Welt, die sich selbst genügt und von Geschäften, Intrigen und Machtspielen nichts wissen will. „Es bleibt… eine grundlose Heiterkeit. Das Bild eines glücklichen Menschen, im Paradies oder auf einer Bank am Teich, ist vielleicht erfunden, nicht mehr als eine Phantasie. In Monteiros Film ist es wirklicher geworden. (epd Film)

Der Ornithologe

POR

2016

João Pedro Rodrigues

Paul Hamy, Xelo Cagiao, Han Wen.

Auf der Suche nach dem seltenen Schwarzstorch gerät der Ornithologe Fernando mit seinem Kajak auf einem Fluss im Norden Portugals in eine Stromschnelle; kentert; ertrinkt beinahe. Und wird von zwei erzkatholischen chinesischen lesbischen Pilgerinnen gerettet, die freilich bizarre Pläne mit ihm haben – ein Re-Enactment des Märtyrertums des Heiligen Sebastian. Fernando muss sich vor seinen Helferinnen retten und kämpft sich durch den dichten Wald, wo verschiedene mysteriöse Begebenheiten auf ihn warten: Karnevalistische betrunkene Schamanen, barbusige lateinsprechende Amazonen und eine erotische Begegnung mit einem stummen Hirten… João Pedro Rodrigues, einer der wichtigsten Regisseuren Portugals und einer aufregendsten Auteurs des queeren Kinos, erzählt eine mystische Odyssee durch eine betörend surreale Dschungelwelt, die zugleich eine zeitgemäße, queere Interpretation der Legende des Heiligen Antonius ist: Ein Film wie ein Traum von Tod, Auferstehung und Märtyrertum, der sexuelle und spirituelle Grenzen auflöst.
In Locarno erhielt Rodrigues den Silbernen Leoparden für die beste Regie.

Irrlicht

PRT/FRA

2022

João Pedro Rodrigues

Mauro Costa, André Cabral, Margarida Vila-Nova, Miguel Loureiro

2069: Auf dem Sterbebett erinnert sich der ehrwürdige Regent Alfredo, König ohne Krone, an seine ausschweifende Jugend als Feuerwehr-Azubi. Die Begegnung mit seinem Ausbilder Afonso entzündete damals eine leidenschaftliche Liebe – und den gemeinsamen Willen, den Status quo zu verändern.
Der neue Film des portugiesischen Kultregisseurs João Pedro Rodrigues (DER ORNITHOLOGE, 2016) ist eine wild-irrlichternde Mischung aus Musical, Folklore, Fantasy und queerer Erweckungsgeschichte im Zeichen von Postkolonialität und Klimaschutz – mit perfekt choreografiertem Liebestanz, sexy Feuerwehrmännern in Jockstraps und Baum-Penis-Memory gegen den Flächenbrand. „Einer der schönsten Filme des Jahres 2022!“ (Süddeutsche Zeitung)

Das Phantom

POR

2000

Joao Pedro Rodriguez

Ricardo Meneses, Beatriz Torcato, Andre Barbosa

Rodriguez’ Held ist ein Müllmann in Lissabon, dieser prachtvollen Stadt, die nach Mitternacht allerdings auch nicht viel anders aussieht als Brooklyn. Der Müll, die Stadt und der Sex – das bedeutet für Sérgio, den jungen Streuner mit knackigem Hintern und Waschbrettbauch, die unablässige Befriedigung seiner polymorph-perversen Gelüste. Was die anderen wegwerfen, wird für ihn zur Schatzkammer der Sekrete und Gerüche. Ständig sieht man ihn in diesem ausschließlich in der Dunkelheit spielenden Film an irgendetwas schnüffeln, alte Lumpen kneten oder auch mal die Duschkabine eines öffentlichen Schwimmbades ablecken. Ob nun das schwarze Kunstleder eines Motorradsitzes, die Unterhose der Nachbarin oder der eigene Hund, für Sérgio ist potenziell alles Fetisch. Und die Stadt gehorcht willig den Phantasmen ihres animalischen Helden, bis hin zu Polizisten, die ihn beim Spannen ertappen, dann aber gleich lüstern mit dem Schlagstock zustoßen. Überhaupt wird in O FANTASMA hinter jeder Tür gerubbelt, gerammelt, masturbiert und gefummelt. Wenn dann auch noch Latexsex ins Spiel kommt, erleben wir auf der Leinwand endgültig die Apotheose eines sexualisierten Nosferatu. (die taz)

Die Zeit Ihres Lebens

GBR

2008

Jocelyn Cammack

Wenn britische Intellektuelle im Altersheim leben, tun sie das mit Stil. In der Residenz Mary Feilding Guild im Norden Londons erscheint man zum Essen in Kostüm und Anzug. Das Seniorenheim ist bekannt dafür, alte Menschen körperlich und geistig besonders zu fördern. Hier leben auch Alison, Hetty und Rose, zusammen 290 Jahre alt. Die eine ist Autorin, die andere Journalistin, die dritte Friedensaktivistin. Die drei verbindet eine selbstironische Art und die Freude daran, ihre Erfahrungen weiterzugeben. In einer Lebensphase, die in unserer Gesellschaft als unproduktiv gilt, mischen sie sich ein in öffentliche Debatten – mit Zeitungsartikeln und bei Demonstrationen. Ein respektvoller Blick auf das hohe Alter, wie es sich jeder wünschen würde. Mit anschließender Diskussion.

Kafkas Der Bau

DEU

2014

Jochen Alexander Freydank

Axel Prahl, Josef Hader

Franz hat sich in seinem Berufs- und Familienleben perfekt eingerichtet. Doch fürchtet er permanent, dass die von ihm aufgebaute Ordnung gestört werden könnte – sei es von anderen Menschen oder von allen möglichen ominösen Gefahren. Er beginnt, sich zurückzuziehen, zu verbarrikadieren, seine Wohnung in einen Bunker zu verwandeln. Und wie so oft bei Kafka steht das eine für das andere: so auch in diesem Drama um die schleichende Verwandlung eines Mannes, bei dem die Paranoia mehr und mehr überhand gewinnt. DER BAU basiert auf einer nie fertiggestellten Erzählung, die Franz Kafka zwischen 1923 und 1924 verfasste und die nach seinem Tod erstmals 1931 in der Zeitschrift Witiko erschien. In der Geschichte versucht ein nicht näher spezifiziertes Tier, das einem Dachs ähnelt, vergeblich die Perfektion seines Erdbaus zu erreichen, um sich gegen Feinde schützen zu können… 

Der Ost-Komplex

DEU

2016

Jochen Hick

Eine Liebesgeschichte ist der Ausgangspunkt für Mario Rölligs Lebensdrama: 1985 lernte er als Jugendlicher einen BRD-Politiker kennen und lieben, 1987 versuchte Röllig, aus der DDR in den Westen zu fliehen. Er wurde verhaftet und ins Stasigefängnis gesteckt. Heute ist Röllig „DDR-Zeitzeuge“, führt durch „sein“ altes Gefängnis, hält Vorträge – und macht immer wieder sein Schwulsein zum Thema. Was nicht wenige irritiert, auch in der CDU, bei der Röllig seit langem Mitglied ist…

Ich kenn keinen – Allein unter Heteros

DEU

2003

Jochen Hick

Schwule Lebenswelten sind etablierter Bestandteil einer postmodernen städtischen Kultur. Jochen Hick nähert sich dem Thema aus anderer Perspektive: Sein mit dem Teddy- Award ausgezeichneter Film porträtiert vier schwule Männer, die im ländlichen Schwaben versuchen, ein erfülltes Leben zu führen – allein unter Heteros: den jungen Forstwirt Stefan, den Schwarzwälder Uwe, den Älbler Hartmut und Richard, geboren 1924. den Älbler Hartmut und Richard,
geboren 1924.

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