Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Blood Simple - Eine mörderische Nacht

USA

1984

Joel u. Ethan Coen

John Getz, Frances McDormand, Dan Hedaya, M. Emmet Walsh

Voilà das Erstlingswerk der Coen-Brüder, zur Einstimmung auf unser Filmseminar ab 21. März: Weil seine Frau Abby lieber mit seinem Angestellten Ray ins Bett geht, heuert Barbesitzer Marty den zwielichtigen Privatschnüffler Visser an, um die untreue Gattin samt Liebhaber ermorden zu lassen. Visser kassiert zwar das Geld, bringt dann jedoch statt den beiden seinen Auftraggeber um die Ecke. Alle Spuren führen nun zu Abby und Ray…
Ein kleiner Vorgeschmack auf das 12. Mannheimer Filmseminar von 21. – 23. März 2014.

Sep Ruf – Architekt der Moderne

DEU

2025

Johan Betz

Dokumentarfilm

Welche Architekturideen gab es nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs in Deutschland, und wer entwarf staatliche Gebäude und private Häuser? Der Münchner Architekt Franz-Joseph Ruf (1908 – 1982) zum Beispiel war davon überzeugt, dass nur offene Strukturen, luftige Treppenhäuser und viel Glas die Demokratie der jungen BRD repräsentieren könnten. Sep Ruf ist zwar längst nicht so bekannt wie seine Kollegen Gottfried Böhm, Frei Otto oder Hans Scharoun, doch gehört er zu den wichtigsten Protagonisten der deutschen Nachkriegsarchitektur. Er entwarf 1954 den Neubau für die älteste deutsche Kunstakademie in Nürnberg und schaffte 1958 den internationalen Durchbruch durch den Bau des Deutschen Pavillons der Weltausstellung in Brüssel. 1963 erhielt er den Auftrag für den Entwurf des Bonner Kanzler-Bungalows. Filmregisseur Johann Betz gelingt es, mit Blick auf Rufs Bauten sowie Kommentaren von Zeitgenossen, Architekturexperten sowie Bewohnern seiner Häuser die gestalterische Handschrift von Sep Ruf zu verdeutlichen.

Soundtrack to a Coup d’État

BEL/FRA/NLD

2024

Johan Grimonprez

Dokumentarfilm

Die CIA schickt Louis Armstrong nach Afrika: Wie ist Jazz mit der Ermordung des kongolesischen Premiers Lumumba, also mit Kolonialismus und der großen Weltpolitik verbunden?

Die Verknüpfung von Nikita Chruschtschows berühmtem Wutausbruch vor den Vereinten Nationen am 12. Oktober 1960 mit dem geklatschten Rhythmus einer Jazz-Session bildet nur eine der vielen genialen Einfälle dieses großartigen Films über die Ermordung des kongolesischen Premierministers Patrice Lumumba und Jazz als Mittel im Kampf um US-amerikanische Hegemonialansprüche. Johan Grimonprez, neben seiner Tätigkeit als Filmemacher vor allem als Bildender Künstler (u. a. DOCUMENTA-Teilnehmer 1997) bekannt, verwebt in seinem vielfach preisgekrönten Essayfilm Globalpolitik und Musikhistorie, das Erbe des Kolonialismus, die Unabhängigkeitsbewegungen vieler afrikanischer Staaten in der Nachkriegszeit, die Machenschaften der CIA und die Verstrickungen afroamerikanischer Musikgrößen zu einem Film, der selbst fast wie eine lässige und klug gebaute Jazz-Sinfonie daherkommt. Einer der besten und klügsten Dokumentarfilme des Jahres: „entwickelt einen Sog, der einen unweigerlich hineinzieht und danach auch nicht mehr loslässt.“ (epd Film)

High Performance - Mandarinen lügen nicht

AUT

2014

Johanna Moder

Marcel Mohab, Manuel Rubey

Der mit dem Publikumspreis des Max-Ophüls-Festival 2014 ausgezeichnete Film erzählt die alte Geschichte zweier grundverschiedener Brüder auf unkonventionell lustige Weise neu: Rudi ist Anzugträger, Daniel fährt Fahrrad. So verschieden die beiden Brüder sind, so interessieren sie sich doch für dieselbe Frau. Aus unterschiedlichen Gründen, wie sich für Nora bald herausstellt… Eine raffinierte Komödie mit Dialogwitz und Tiefgang um Loyalität, Familienbande und Manipulation.

Mother’s Baby

AUT/CHE/DEU

2025

Johanna Moder

Marie Leuenberger, Hans Löw, Claes Bang, Julia Franz Richter

Die 40-jährige Julia ist endlich schwanger, dank der Kinderwunschklinik von Fruchtbarkeitsspezialist Dr. Vilfort. Doch bei der Geburt treten Komplikationen auf. Und als Julia, die ihren Beruf als Dirigentin erstmal pausiert, mit dem Baby vereint ist, stellt sich das erhoffte Glück nicht ein. Das Kind ist still – zu still, geradezu apathisch. Ehemann Georg wischt Julias Empfindungen beiseite. Aber: Ist es überhaupt das Baby, das sie geboren hat?

Mutterschaft als Psychothriller mit Horrortendenz: Johanna Moder schildert sehr genau, unter welchen Erwartungen Mütter stehen, mit einer großartigen Marie Leuenberger in der faszinierenden Mutter-Rolle voller Ambivalenz und Unschärfen. „Der zwischen Drama und Horrorfilm changierende Film macht die Elternzeit zum Schreckenserlebnis und bringt Babyalltag, das Gesellschaftsbild der Mutter und Genretopoi geschickt zusammen.“ (Filmdienst)

Un café sans musique c’est rare à Paris

DEU/FRA

2019

Johanna Pauline Maier

Jana Klein, Charles Fage, Jutta Wernicke, Rainer Sievert, Stéphane Schoukroun

Annas Gepäck ist über Nacht aus dem Hotel verschwunden. Auf den Straßen von Paris trifft sie zwei deutsche Touristen – die sie mit Hanna ansprechen und zu kennen scheinen. Sie folgt den beiden, verliert sie, trifft im Nachtclub den einsamen Eric – und der ist am nächsten Morgen offenbar nicht mehr nur ein One-Night-Stand, sondern ihr langjähriger Freund, mit dem sie eine Tochter hat. Doch das ist nicht die letzte irritierende Station auf dieser Reise durch verschiedene Identitäten – nicht als Mystery-Thriller inszeniert, sondern als experimentelles Drama der Selbst- und Fremdwahrnehmung, des Ich und des Du in einem filmischen Traumspiel.

Draußen

DEU

2018

Johanna Sunder-Plassmann, Tama Tobias-Macht

Matze, Elvis, Peter und Sergio: Vier Persönlichkeiten, vier Überlebenskünstler. Was sie erlebt und überlebt haben, was sie vom Leben wissen und wie erfindungsreich sie sich organisieren, macht ihnen so leicht niemand nach. Die vier leben draußen, auf der Straße oder im Wald. Sie schildern ihr Leben – vielleicht hört ihnen bei diesem Film erstmals jemand zu. Und sie geben Einblicke – die persönlichen Gegenstände, die sie mit sich führen, erzählen ganz eigene Geschichten von einem früheren, besseren Leben. Zwischen dem harten Leben in der Obdachlosigkeit, den Erinnerungen und den beinahe traumartigen Einschüben sorgsam drapierter Habseligkeiten tun sich Abgründe auf, die Lebenswege zerstören können.

Das große Museum

AUT

2014

Johannes Holzhausen

Wer schon immer wissen wollte, wie ein Museum hinter den Ausstellungskulissen tickt, ist hier richtig – der Regisseur Johannes Holzhausen durfte mit seiner Kamera ausgedehnte Streifzüge durch die prachtvollen Räume und gut gefüllten Magazine des Kunsthistorischen Museums in Wien machen. Er beobachtet die Restauratoren bei ihrer höchst diffizilen Arbeit, hört den Kuratoren bei der Planung immer neuer Ausstellungsevents zu und vergisst dabei auch nicht die unabdingbaren Marketing-Kampagnen und Politiker-Besuche, ohne die ein Museum heute nicht mehr bestehen könnte. Ein pensionierter Museumsdirektor kommt auch zu Wort, der die Kampagnen für Kunst mit denen für Zahnpasta vergleicht. Der Film beobachtet den Spagat zwischen altehrwürdiger Kultureinrichtung und aktueller Kulturdienstleistung.
Einführung: Dr. Dorothee Höfert

The Royal Train

AUT/ROU

2019

Johannes Holzhausen

Sie ist die „Hüterin der Krone“ einer Monarchie, die es längst nicht mehr gibt: Margareta von Rumänien. Die Prinzessin betreibt seit einigen Jahren in der Republik Rumänien mit großem, manchmal komischem, meist bierernstem Protokoll Lobbyarbeit für eine Rückkehr ihres Hauses an die Staatsspitze. Der „Königliche Zug“ spielt dabei eine wesentliche Rolle: Nach historischem Vorbild fährt Margareta mit ihrer Entourage im Salonwagen durch das Land und wird von Menschen gefeiert, für die das Königshaus ein bedeutender Identitätsfaktor ist. Auf den Routen des königlichen Zugs macht Johannes Holzhausen auf erhellende und unterhaltsame Weise die Bruchlinien der europäischen Geschichte in der Moderne erkennbar.

Checker Tobi und die Reise zu den fliegenden Flüssen

DEU

2023

Johannes Honsell

Dokumentarfilm

Tobias Krell, bekannt als Checker Tobi aus dem KiKA, geht auf Abenteuer: Um eine verschlossene Schatzkiste zu öffnen, muss er die Weltumseglerin Marina suchen, die den Schlüssel hat. Seine Reise führt ihn nach Vietnam in die größte Höhle der Welt und in die berühmte Halong-Bucht mit ihren tausenden Kalksteininseln, über das stürmische südchinesische Meer, zu Pferde-Hirten in der mongolischen Steppe und zu Indigenen im Amazonas-Regenwald Brasiliens. Informationen und Abenteuer: Tobias Krell weiß, wie er ein Millionenpublikum packen kann.

Eintritt: 5 € für alle

Curveball – Wir machen die Wahrheit

DEU

2020

Johannes Naber

Sebastian Blomberg, Dar Salim, Thorsten Merten, Michael Winterborn, Virginia Kull

Curveball: Im Baseball ist das ein Wurf, der kaum zurückgeschlagen werden kann. „Curveball“: Das war der Deckname, den der BND dem Iraker Rafid Alman gab.
Der BND-Biowaffen-Experte Wolf ist besessen von der Idee, dass Saddam Hussein irgendwo im Irak Massenvernichtungswaffen herstellt und lagert. Doch Wolf findet nichts – bis sich im Jahr 1999 Rafid Alman beim BND meldet und sein Wissen gegen Asyl und einen deutschen Pass anbietet. Wolf und seine Vorgesetzten wittern eine brisante Sensation – sind sie doch mit Alman als Quelle dem CIA wie auch dem Mossad endlich mal voraus! Doch stimmt es, was der Iraker behauptet? Und was, wenn nicht? Und was, wenn die Amerikaner eine Lüge für ihre Politik benutzen?
Der Film zur Irakkrieg-Lüge: Johannes Naber hat lange recherchiert – und drehte eine faktenbasierte, bittere Farce, in der der Geheimdienst-Skandal zur turbulenten, irrwitzigen Satire wird, ohne seine Ernsthaftigkeit zu verleugnen.

Der Albaner

DEU/AL

2010

Johannes Naber

Nik Xhelilaj, Stipe Erceg and André Hennicke

Der junge Arben liebt Etleva, die Tochter der Nachbarsfamilie, und würde sie gerne heiraten. Doch Etleva ist einem anderen versprochen – und der bietet 10.000 Euro Brautgeld. Als herauskommt, dass Etleva von ihrer heimlichen Liebe schwanger ist, kocht die Volksseele in dem kleinen albanischen Dorf. Arben flieht ohne Papiere nach Berlin, um möglichst schnell an das Geld zu kommen. Bewegend und eindrucksvoll. Einer der stärksten Wettbewerbsbeiträge beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen 2011.

Zeit der Kannibalen

DEU

2013

Johannes Naber

Devid Striesow, Katharina Schüttler

Öllers und Niederländer haben alles im Griff. Seit sechs Jahren touren die erfolgreichen Unternehmensberater durch die dreckigsten Länder der Welt, um den Profithunger ihrer Kunden zu stillen. Ihr Ziel scheint nah: endlich in den Firmenolymp aufsteigen, endlich Partner werden! Als sie erfahren, dass ihr Teamkollege Hellinger den ersehnten Karriereschritt gemacht hat, liegen die Nerven blank. Up or out ist das Prinzip. Dass Hellinger sich bald aus ungeklärten Gründen aus dem Bürofenster stürzt, hilft ihnen auch nicht weiter. Ausgerechnet die junge, ehrgeizige Bianca rückt für ihn nach. Sarkasmus macht sich breit, Neurosen brechen aus – die Zeit der Kannibalen bricht an… Schön böse, spannende Komödie mit dem besten, was die Republik an Schauspielern zu bieten hat. Preis der deutschen Filmkritik als bester Film auf der Berlinale 2014.
Vorgestellt von: Edeltraud Tilch-Bauschke

Momo

DEU, ITA

1986

Johannes Schaaf

Radost Bokel, Mario Adorf, Armin Mueller-Stahl, Leopolde Trieste, John Huston

Das Waisenmädchen Momo lebt in einem alten Amphitheater mit besonderer Gabe: Sie kann gut zuhören. Doch immer mehr graue Herren tauchen auf, rechnen den Menschen vor, wie sie Zeit sparen können, so dass bald niemand mehr Zeit hat für Mitmenschen oder für das Schöne im Leben. Momo kommt hinter das Geheimnis der zigarrenrauchenden grauen Herren. Die Schildkröte Cassiopeia führt sie zu Meister Hora, denn der Verwalter der Zeit ist der Einzige, der helfen kann.

Die Verfilmung des Kinderbuch-Bestsellers von Michael Ende – der selbst am Drehbuch mitgeschrieben hat – ist ein spannendes, kluges Märchen, in dem sich Fantasie und Gesellschaftskritik vereinen. Ein zeitloser Klassiker!

Traumstadt

DEU

1973

Johannes Schaaf

Rosemarie Fendel, Eva-Maria Meineke

Ausdrucksstarke Adaption des Fin-de-Siècle-Romans „Die andere Seite“ von Alfred Kubin: Anna und Florian, ein Künstlerehepaar aus München, träumen von der absoluten Freiheit. Auf eine geheimnisvolle Einladung hin durchqueren sie halb Asien und gelangen in einen utopischen Staat, der Erfüllung ihrer Sehnsucht verspricht. Doch die dort herrschende Regellosigkeit führt zur Eskalation von Gewalt und Dekadenz. Florian lernt eine andere Frau kennen und durchlebt mit ihr seine wildesten Phantasien, Anna kommt mit dem neuen Leben nicht zurecht. Die ganze Stadt steht vor dem Untergang… Breit angelegtes Filmgemälde mit orgiastisch-mondänen Bildreizen. Einführung: Dorothee Höfert

Geschichten vom Franz

AUT/DEU

2022

Johannes Schmid

Jossi Jantschitsch, Nora Reidinger, Leo Wacha

Ach, der Franz hat’s schwer! In seiner Klasse ist er einer der Kleinsten, und wegen seiner blonden Locken wird er oft für ein Mädchen gehalten. Zu allem Überfluss versagt ihm in stressigen Situationen die Stimme. Dann wird er von allen ausgelacht, und auch sein strenger Lehrer Zickzack macht sich über ihn lustig. Da entdeckt der Franz im Internet den Influencer Hank, der Tipps gibt, wie man ein “echter Mann” wird. Zusammen mit seinen Freunden Gabi und Eberhard macht er sich auf den Weg “vom Zero zum Hero” …
Handlung und Figuren von Christine Nöstlingers gleichnamiger Kinderbuchreihe, die zwischen 1984 und 2014 erschienen ist, wurden behutsam in die Gegenwart versetzt. Dabei ist ihr anarchischer Witz zum Glück erhalten geblieben. Und es fällt angenehm auf, dass auf extreme Übertreibungen und Klischees verzichtet wird, die leider vielen heutigen Kinderfilmen eigen sind. Nicht nur deshalb ist der Besuch des Films auch für erwachsene Zuschauer:innen ein Vergnügen. Und am Ende steht die schöne und versöhnliche Erkenntnis, dass der Franz und seine Freunde einfach gut und richtig sind, wie sie sind.
Eintritt: 5 € für alle

Wintertochter

DEU/POL

2011

Johannes Schmid

Nina Monka, Ursula Werner

Die zwölfjährige Katharina fällt aus allen Wolken, als sie erfährt, dass ihr richtiger Vater der russische Matrose Alexei ist. Wutentbrannt verlässt sie ihre Eltern und bricht mit der 75-jährigen Nachbarin Lene ins nahe polnische Stettin auf, mit im Gepäck ihren besten Freund, den etwas jüngeren Knäcke. Weil Alexeis Schiff bereits Richtung Danzig abgelegt hat, entwickelt sich eine wahre Odyssee – auch für die heimatvertriebene Lene, die ihre Vergangenheit wieder entdeckt. WINTERTOCHTER ist ein spannend und berührend erzählter, generationsübergreifender Film, der auch die deutsche Geschichte reflektiert. Diskussionspartnerinnen: Sigrid Schuster-Schmah, Schriftstellerin und Susanne Martinez, Schriftstellerin.

La joven revolución hondurena - Die Junge Honduranische Revolution

HND

2008

Johannes Wilm

Der deutsch-dänische Aktivist Wilm arbeitete lange Zeit für die revolutionäre Regierung Nicaraguas. Eines Sommers reiste über die Grenze nach Honduras, wo er durch Zufall Zeuge eines studentischen Aufstands wurde, den er dokumentierte: Nachdem ein Militärputsch die honduranische Regierung um Präsident Manuel Zelaya stürzte, lehnten sich, erstmals seit 30 Jahren, 3000 Studenten gegen die Polizei auf. Die Dokumentation beschreibt die persönliche Situation, politische Einschätzungen und Perspektiven der beiden Köpfe des Protests. In Kooperation mit dem Nicaragua-Forum Heidelberg und dem Nicaragua-Verein Mannheim – El Viejo e.V. Im Anschluss: Aktuelle Informationen zur Entwicklung in Honduras mit Diskussion. (also leider mal wieder ab 18)

DEU/JPN

2024

Andreas Hartmann, Arata Mori

Dokumentarfilm

„Johatsu“ heißt so viel wie „Verdunstung“: Jährlich verschwinden in Japan etwa 100.000 Menschen. Einige von ihnen organisieren ihr Verschwinden mit Hilfe von Night Moving Companies – unter anderem dem Unternehmen von Saita folgen Andreas Hartmann und Arata Mori in ihrem Dokumentarfilm, um zu sehen, wie das „Verdunsten“ funktioniert und aus welchen Gründen manche Menschen mit ihrem alten Leben brechen und ein neues anfangen wollen: Manche fliehen aus einer unglücklichen Beziehung, andere können dem enormen gesellschaftlichen Druck nicht standhalten, wieder andere versuchen, sich aus kriminellen Verstrickungen zu befreien. Scham, Angst und toxische Verhältnisse sind der Preis einer strikten sozialen Kontrollkultur, der die Johatsu zu entkommen versuchen: „Das Regieduo wirft nicht nur einen Blick hinter die Kulissen der obskuren Praxis des Verschwindens, sondern dringt tief in die menschliche Natur vor.“ (Dokfest München)

Unheil

DEU

2018

John Bock

Frank Seppeler, Lars Eidinger, Effi Rabsilber

Der Künstler John Bock (*1965) lässt sich nicht auf ein Medium festlegen. Er verbindet Malerei, Installation, Theater, Musik und Film und schafft skurril verfremdete Räume, in denen Realität und Traum grotesk ineinander übergehen. In der Kunsthalle ist seine begehbare Einheit „LiquiditätsAuraAromaPortfolio“ von 1998 ausgestellt (2019 überarbeitet). In den letzten Jahren hat sich Bock, der eine Professur an der Kunstakademie Karlsruhe innehat, auch dem Medium des Films zugewandt. In UNHEIL wird das mittelalterliche Dorf eines beliebten Freilichtmuseums in Torgelow (Nähe Greifswald) zum Drehort für ein düsteres Geschehen. Der Film, mit Anklängen an Historiendrama, Horrorfilm und Fantasy, schont die Zuschauer*innen nicht: Er zeigt erschreckende Rituale voller abstoßender Grausamkeiten. Die Bewohner*innen starren vor Dreck und sind gleichfalls erstarrt in Aberglauben. Plötzlich taucht ein Fremder im Dorf auf, gespielt von Lars Eidinger. Er erweist sich als Schamane und steht entgegen aller Erwartungen für Fortschritt, Technik und Entwicklung, während die Sippschaft auf die scheinbar bewährten Rituale setzt, wenn nötig auch auf Menschenopfer…
Einführung: Dr.des. Gunnar Saecker, Kunsthalle Mannheim

Monatsprogramme PDF

Open Air

[ti_openair]
WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner