Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Die Liebenden Des Polarkreises –

Spanien

1998

Julio Medem

Fele Martinez, Najwa Nimri

Der Zufall ist einer der schönsten Bausteine für eine romantische Kinogeschichte. So ist auch diese Story das wundersame, aufregende Abenteuer einer immer wieder von Zufällen bestimmten, leidenschaftlichen und heimlichen Liebe, abwechselnd erzählt aus der Sicht der beiden Liebenden Ana und Otto. Als sich die beiden im zarten Alter von acht Jahren zum ersten Mal begegnen, fühlen sie sich sofort magisch voneinander angezogen. In diesem Moment nimmt ein Kreis seinen Anfang, in dessen Radius sich Ana und Otto immer wieder begegnen und verlieren und der sich letztlich am Polarkreis schließt. Der finnische Polarkreis ist für Medem ein Utopia. Dort beantwortet er die Frage des Filmthemas, ob nämlich wahre Liebe ein Menschenleben anhalten kann. „Ein Liebesfilm für das neue Jahrtausend ist Medem gelungen, in dem Unschuld und Sophistication zusammen treffen, behutsame Ironie und schöne Sentimentalität ineinander greifen.“ (Süddeutsche Zeitung)

Tierra

Spanien

1996

Julio Médem

Carmelo Gómez, Emma Suárez

Fast acht Jahre hat es gedauert, bis dieser Film des spanischen Regisseurs und Drehbuchautors Julio Médem in die deutschen Kinos gekommen ist. Médem schrieb und inszenierte die Geschichte um den Kammerjäger Angel, dessen Name bewusst gewählt ist. Er empfindet sich zur einen Hälfte als Mensch zur anderen als Engel. Wegen seiner schizophrenen Gedanken hat er gerade einen Aufenthalt in der Psychiatrie hinter sich und soll nun ein Dorf in einer Weinregion von einem seltsamen Schädling befreien. Dort verlieben sich dann die beiden unterschiedlichen Teile von Angel in zwei komplett unterschiedliche Frauen: in die schüchterne, spröde Angela und in die provokante Mari. „Tierra ist virtuos entworfen… ein außergewöhnliches Kinoereignis, denn der Spanier versteht es brillant, den charakteristischen Reiz einer Landschaft herauszuformen.“ (Kölnische Rundschau)

Juniors

FRA

2022

Hugo P. Thomas

Vanessa Paradis, Ewan Bourdelles, Noah Zandouche

Mit kahlem Kopf sitzt der 14-jährige Hobby-Streamer Jordan an seiner PlayStation, schuld ist eine Panne beim Haareschneiden. Seine wenigen Zuschauer zeigen sich außerordentlich großzügig und überhäufen (den augenscheinlich an Krebs erkrankten) Jordan mit Spenden. Als die geliebte Spielkonsole den Geist aufgibt, wird aus dem Zufall eine perfide Lüge und aus dem „kranken“ Jordan ein Superstar. Schnell wächst ihm die Aufmerksamkeit in der sonst so ruhigen Gemeinde über den rasierten Kopf und die kaputte Konsole wird zur kleinsten Sorge. Eine einzelne, kleine Lüge in einem winzigen Dorf in Südfrankreich. Wie schlimm kann die schon sein? Das lernen die Freunde Jordan und Patrick auf die harte Tour, denn im digitalen Zeitalter wachsen den Lügen in Windeseile Beine. Neben den Stolperfallen des Internets geht es dabei auch um moderne soziale Dynamiken und wie zerbrechlich sie sein können. Durch seine Teilnahme am Schlingel-Filmfestival in Chemnitz im Herbst 2023 sprach sich JUNIORS schnell als Tipp in der Jugendfilmszene herum. Es ist der erste Langfilm, bei dem Regisseur Hugo P. Thomas alleine Regie führte. Er wirkte außerdem am Drehbuch mit.

Liebe Oma, guten Tag!

LTU/DEU

2017

Jurate Samulionyte, Vilma Samulionyte

Auf der Flucht der deutschstämmigen Bevölkerung vor der Roten Armee drehte Ella Fink plötzlich um. Und kehrte nach Litauen zurück, angeblich wegen eines gewissen Kazimieras. Doch der Verlobte war verschwunden; Ella blieb hinter dem Eisernen Vorhang, gründete eine Familie – und beging mit 72 Jahren Selbstmord. Die Schwestern Jurate und Vilma Samulionyte, Filmemacherin und Fotografin, begeben sich auf eine filmisch-investigative Entdeckungsreise in die Vergangenheit der eigenen Familie – ihr Dokumentarfilm dokumentiert das Bedürfnis nach Wissen und Gewissheit über die eigene Herkunft und ist gleichzeitig Liebesbekenntnis gegenüber den Eltern, die manchmal die Büchse der Pandora aus gutem Grund nicht aufmachen möchten.
Der Film läuft in Kooperation mit Zephyr – Raum für Fotografie zur Sonderausstellung "Rimaldas Vikšraitis – Am Rand der bekannten Welt" der Reiss-Engelhorn-Museen.
Im Anschluss Filmgespräch mit den Regisseurinnen.

Jahrgang 45

Jürgen Böttcher

Rolf Römer, Monika Hildebrand, Paul Eichbaum

Ost-Berlin 1965, Prenzlauer Berg: Al und Lisa sind ein junges Paar. Nicht nur die bedrückenden Wohnverhältnisse machen den beiden zu schaffen, sondern auch ihre Beziehung selbst. Sie verletzen sich häufig, wissen jedoch auch, was sie aneinander haben. Sie sind sich bewußt, daß sie ein spießbürgerliches Leben wie das ihrer Eltern nicht leben wollen, und das staatlich vorgezeichnete Leben ist für beide keine Alternative. Böttchers Spielfilm wurde von der SED als nihilistisch und skeptizistisch eingestuft und verboten. Erst 1990 konnte er den Film fertigstellen. Er drehte an Originalschauplätzen und arbeitete hauptsächlich mit Laiendarstellern.

Nach dem Dunkel kommt das Licht

DEU

2011

Jürgen Enders

Ohne Vorankündigung werden am 22. und 23. Oktober 1940, bis auf wenige Ausnahmen, alle Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland, insgesamt über 6.500 Menschen, aus ihren Wohnungen geholt und in neun Zügen in das Internierungslager Gurs am Fuß der Pyrenäen verschleppt. Drei Überlebende sprechen über Ihr Schicksal in diesem Film: Über die Kinderjahre in Kaiserslautern und Karlsruhe, über die Zeit in den Lagern und die Schwierigkeit für sie als Kinder, das Unverständliche zu verstehen. (also ab 18)

Die Geschichte Der O.

F

1972

Just Jaeckin

Corinne Clery, Udo Kier

DIE GESCHICHTE DER O. beruht auf dem gleichnamigen sadomasochistischen Roman der französischen Autorin Pauline Réage, Pseudonym von Anne Desclos (1907-1998), einem Standardwerk der SM-Literatur, und in gewisser Weise machte die Verfilmung Filmgeschichte: Ein dem Masochismus zugeneigtes Mädchen wird durch ihren Geliebten und seinen älteren Freund, einen reichen Engländer, der sie in einem Schloß bei Paris gefangenhält, gefesselt, ausgepeitscht, maskiert und dazu gebracht, ihnen und anderen Männern jederzeit und auf jede Weise zur Verfügung zu stehen. Ihre absolute Unterwürfigkeit gilt als Beleg fraulicher Liebe und Selbsterfüllung. Einige Kritiker nahmen die Sadomaso-Fantasie allerdings arg ernst: „Der … mit verschwenderischem Luxus ausgestattete Softporno weist eine sexual-faschistische Haltung auf, die der Frau ihre Existenzberechtigung nur als Lustobjekt des Mannes zubilligt.“ (Film-dienst) (falls man es dazu sagen muss…)

Something in the Dirt

USA

2ß22

Justin Benson, Aaron Moorhead

Justin Benson, Aaron Moorhead, Sarah Adina Smith, Issa Lopez

Levi und John philosophieren kiffenderweise über das Leben, als plötzlich der Aschenbecher zu schweben beginnt. Sie wittern das große Geld und filmen das rätselhafte Ereignis. Auf der weiteren Suche nach dem Übernatürlichen geraten sie immer tiefer in einen Strudel wilder Verschwörungstheorien und seltsamer Phänomene, in denen sie Vorzeichen eines nahenden Endes erkennen.
Das Regieduo Moorhead und Benson hat mittlerweile ein eigenes Genre intelligent-kreativer Indie-Science-Fiction geschaffen: nach dem okkulten Mindfuck THE ENDLESS und dem Zeitreisethriller SYNCRONIC etwa auch die Marvel-Serie MOON KNIGHT – und nun einen hoch originellen Low-Budget-Verschwörungsthriller inklusive Meta-Film-Gedankenspielen und charmantem Porträt zweier verlorener Männer.

King Cobra

USA

2016

Justin Kelly

Garrett Clayton, James Franco, Christian Slater, Alicia Silverstone, Molly Ringwald

Sean ist 17, als er seine große Chance ergreift: Unter dem Namen Brent Corrigan wird er zum ersten schwulen Porno-Megastar des Online-Zeitalters. In seiner kühnen Mischung aus queerem Bio-Pic, trashigem Erotikthriller und entlarvender Porno-Satire konnte Regisseur Justin Kelly einen illustren Cast versammeln – neben James Franco und Christian Slater als Porno-Produzenten agieren auch Alicia Silverstone und Molly Ringwald in dieser schwulen Antwort auf BOOGIE NIGHTS.

Milch ins Feuer

DEU

2024

Justine Bauer

Karolin Nothacker, Johanna Wokalek, Pauline Bullinger, Anne Nothacker

„Es gibt ja ganz wenig Dialekt im Deutschen Spielfilm. Und wenn doch, dann so, als wäre ein Dialekt an sich schon selbst ein Witz“, sagt Regisseurin Jusine Bauer: „Ich habe das nicht verstanden und mich gefragt, warum eigentlich alle Leute gleich sprechen sollen, egal wo sie herkommen.“

MILCH INS FEUER ist im Hohenlohischen, Nahe Schwäbisch Hall, angesiedelt, in einem kleinen Dorf, in dem Katinka den Hof übernehmen will, aber gegenüber dem Bruder das Nachsehen hat, während die Freundin schwanger ist, ein offenes Geheimnis, und der Nachbarbauer gegen „die da oben“ protestiert. Ein langer Sommer an der Jagst, in dem aus der Ballenpresse Heuballen geboren werden und auf dem kastrierten Stier geritten wird, in einem Film, der die Realität der landwirtschaftlichen Arbeit mit Symbolen des Frauseins, der Mutterschaft, des Lebens unter dem Radar traditionell-patriarchalischer Traditionen verbindet. „MILCH INS FEUER blickt wie durch ein Brennglas in die reale Lebenswelt eines kleinen Bauerndorfes, ohne beschönigende Überhöhung, aber mit poetischer Wucht.“ (kino-zeit.de)

Anatomie eines Falls – Anatomie d’une chute

FRA

2023

Justine Triet

Sandra Hüller, Swann Artaud, Milo Machado Graner, Antoine Reinartz

Sandra, deutsche Schriftstellerin, lebt mit ihrem französischen Mann Samuel und ihrem Sohn Daniel abgelegen in einem Chalet in den französischen Alpen. Dann wird Samuel tot aufgefunden. Unfall? Selbstmord? Mord? Der Polizei erscheinen die Umstände verdächtig, Sandra wird verhört und angeklagt, es beginnt ein aufreibender Indizienprozess. Strafverfolgung und Justiz bohren in das private, widersprüchliche, komplexe Beziehungsgeflecht zwischen den Eheleuten – Sandra Hüller arbeitet nuanciert alle Facetten ihrer Figur heraus. Gewinner der Goldenen Palme – erst zum dritten Mal für einen von einer Frau inszenierten Film.

Arcade Fire: The Reflektor Tapes

CAN

2015

Kahlil Joseph

Dieser Film von Kahlil Joseph, der mit einem Kurzfilm beim Sundance Festival 2013 den Grand Jury Prize gewann, gewährt einen faszinierenden Einblick in die Entstehung von Arcade Fires’ hochgelobtem Album und internationalem Nummer-Eins-Hit „Reflektor“. Der Film bringt die Albumerfahrung in einen neuen Zusammenhang und nimmt den Zuschauer in eine kaleidoskopische, akustische und visuelle Landschaft mit. Er zeichnet die kreative Reise der Band nach, die Grundlagen, die sie auf Jamaika schufen, die Aufnahmen, die sie im Studio in Montreal fortsetzten, und ein Spontankonzert in der ersten Karnevalsnacht in einem haitianischen Hotel, bevor sie ihre atemberaubende Show in brechend volle Hallen nach Los Angeles und London brachten. Besonderer Leckerbissen für alle Musikliebhaber: Im Film bekommen die Fans einen noch unbekannten, brandneuen Song der Band zu hören.
Zusätzlich mit 20 Min. Bonumaterial (Interview mit der Band)

Elefant

POL

2022

Kamil Krawczycki

Jan Hrynkiewicz, Pawel Tomaszewski, Ewa Skibinska, Ewa Kolasinska

Der 22-jährige Bartek führt einen kleinen Bauernhof in den polnischen Bergen. Sein Vater hat sich davongemacht, er muss für seine Mutter da sein. Frei fühlt er sich nur, wenn er Zeit mit seinen geliebten Pferden verbringen kann. Doch als eines Tages der lange verschollene Nachbarssohn Dawid ins Dorf zurückkommt, gerät Barteks von Pflichterfüllung geprägter Alltag durcheinander. Er muss sich entscheiden: zwischen einem Leben für die Familie und seinen immer stärker werdenden Gefühlen für Dawid.
Inspiriert von Filmen wie GOD’S OWN COUNTRY und BROKEBACK MOUNTAIN erzählt ELEFANT von der ersten Liebe und Selbstwerdung eines jungen schwulen Mannes inmitten einer rauen, aber atemberaubend schönen Landschaft. Ein leidenschaftlicher Film, der Mut und Hoffnung macht.

Before, Now & Then

IDN

2022

Kamila Andini

Happy Salma, Laura Basuki, Arswendi Bening Swara, Ibnu Jamil

Jamil. 103 Min. IndonesischOmdtU. FSK: k. A.
Indonesien, in den 1960er Jahren: In einem gewaltvollen antikommunistischen Putsch wird Präsident Sukarno durch General Suharto abgelöst. Nanas Mann ist in den politischen Wirren verschollen, ihr Vater verstorben, sie selbst verarmt. Jahre später führt sie an der Seite eines reichen Sudanesen ein materiell komfortables Leben. Doch in ihren Träumen lebt die Vergangenheit weiter.
In eleganter Regieführung und opulenter Bildgestaltung folgt der Film seiner Protagonistin, die in lückenhaften Erinnerungen ihre Gegenwart reflektiert: eine zeitlos-starke Betrachtung des Patriarchats aus weiblicher Sicht.

Bohnenstange

RUS

2019

Kantemir Balagov

Viktoria Miroshnichenko, Vasilisa Perelygina, Andrey Bykov, Igor Shirokov

Leningrad 1945: Die brutale Belagerung durch die Deutschen ist vorüber, doch der tägliche Überlebenskampf geht weiter. Iya, eine hagere, hochgewachsene junge Frau, hat den kleinen Sohn ihrer Freundin Masha durch den Krieg gebracht. Doch Iya leidet unter Anfällen, und bei einem ihrer Zusammenbrüche geschieht ein tragisches Unglück. Als Masha von der Front in die zerstörte Stadt zurückkehrt und vom Tod ihres Sohnes erfährt, kann sie sich nur kurz mit Trauer aufhalten, zu groß ist ihr Hunger nach Leben und Zukunft. Sie will ein neues Kind, und da sie selbst nicht mehr schwanger werden kann, soll Iya ihr dabei helfen und ihre Schuld begleichen.
Inspiriert von dem Dokumentarroman „Der Krieg hat kein weibliches Geschlecht“ der belarussischen Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch zeichnet BOHNENSTANGE ein apokalyptisches, visuell und emotional eindrückliches Panorama der traumatisierten Überlebenden in der unmittelbaren russischen Nachkriegszeit. Der Film wurde u. a. in der Cannes-Sektion „Un Certain Regard“ mit dem Regiepreis ausgezeichnet.

Ein Junge namens Titli

IND

2014

Kanu Behl

Shashank Arora, Lalit Behl

Es braucht nur einen einzigen Blick, um zu begreifen, dass TITLI mit dem klassischen Bollywoodkino nichts zu tun hat. Die Farben sind blass, die Kamera wacklig, das Schauspiel authentisch. Titli ist der jüngste von drei Brüdern. Mit ihrem Vater leben die drei in einer schäbigen Hütte in Delhi. Zusammen führen sie das Familiengeschäft und bilden eine kleine, aber brutale Bande von Autodieben. Besonders der älteste Bruder Vikram ist ein Tyrann, wie er im Buche steht. Baawla hingegen gibt sich seinem Schicksal ruhig hin. Nur Titli ist entschlossen, aus diesem Geschäft auszutreten. Doch dafür braucht er Geld und muss sich gegen seine Familie stellen. Die entscheidet derweil ihn mit Neelu zu verheiraten, da sie sich erhoffen, ihn über sie kontrollieren zu können. Stattdessen tut sich das unfreiwillige Ehepaar zusammen, um ihren Schranken zu entfliehen und ihre eigenen Träume zu verwirklichen. Die Folgen, die dieser Versuch hat, sind fatal…

Der Mann, der seine Haut verkaufte

TUN/FRA/BEL/DEU/SWE

2020

Kaouther Ben Hania

Yahya Mahayni, Dea Liane, Koen de Bouw, Monica Bellucci

Syrien, 2011. Eine missglückte Liebeserklärung in der Öffentlichkeit lässt Sam Ali den Zorn des Regimes spüren, er flieht in den Libanon. Und muss das drohende Aus für die Liebe seines Lebens erleben, als seine Abeer einen Diplomaten heiratet und nach Brüssel zieht. Sam schleicht sich in seiner aussichtslosen Situation in Ausstellungseröffnungen in Beiruter Galerien, um von den kostenlosen Buffets zu profitieren – und erhält von dem international bekannten Künstler Jeffrey Godefroi ein Angebot, das er nicht ablehnen kann: Als Flüchtling kommt Sam nicht nach Belgien, aber Kunstwerke dürfen frei in die EU exportiert werden. Und Sam verkauft seine Haut: Godefroi tätowiert Sams Rücken, der so zum hochpreisigen Kunstwerk wird und auf den Ausstellungen des Starkünstlers nach Europa präsentiert werden darf, Reisefreiheit inklusive. In Belgien scheint er seiner Abeer so nah – doch die Dynamiken des Kunstmarkts kümmern sich nicht um sein menschliches Schicksal.
Die tunesische Regisseurin Kaouther Ben Hania verknüpft die wahre Geschichte des menschlichen Kunstwerks Tim Steiner, der seinen Rücken dem belgischen Konzeptkünstler Wim Delvoye zur Verfügung stellte, mit den Zwängen der Flüchtlingspolitik: provokante Kunstsatire trifft auf moralisches Dilemma.

Olfas Töchter

FRA/TUN/DEU/SAU

2023

Kaouther Ben Hania

Zwei der vier Töchter von Olfa haben sich nach dem Arabischen Frühling dem IS angeschlossen. Die renommierte tunesische Filmemacherin Kaouther Ben Hania bietet tiefe Einblicke in Denkmuster und Dynamiken im Tunesien der letzten eineinhalb Jahrzehnte, wenn sie dieses Familiendrama filmisch rekonstruiert: Neben Interviews mit den realen Familienmitgliedern setzt sie Schauspielerinnen ein, die das damalige Geschehen nachspielen. Die jüngeren Töchter treten als sie selbst auf, die älteren, verschwundenen werden von Darstellerinnen gespielt; die Mutter trifft auf die Mutter-Darstellerin. In eleganter Inszenierung, mit großer emotionaler Wucht und kammerspielartiger Intensität ergibt sich so das Bild einer von Scham, Sündenbewusstsein und Körperfeindlichkeit geprägten Erziehung, von emotionalem Missbrauch durch die Mutter, von körperlichem Missbrauch durch den Stiefvater, von einem Arabischen Frühling, nach dem der Islamismus als Befreiung erscheint von rigiden Traditionen.

In guten wie in schweren Tagen

IND

2001

Karan Johar

Shah Rukh Khan, Kajol, Amitabh Bachchan, Jaya Bachchan, Hrithik Roshan

Ein farbenprächtiger Bilderrausch, mitreißende Tanzszenen, dramatische Handlung: Einer der international erfolgreichsten indischen Filme überhaupt erzählt ein opulentes Familienmelodram. Weil er sich nicht in eine arrangierte Ehe fügen wollte, wurde Rahul vom Vater verstoßen. Mit seiner Geliebten, der quirligen Anjali, zog er nach England – wo ihn Jahre später unerkannt sein Bruder Rohan besucht, in der Hoffnung, die Familie versöhnen zu können…
Melodram, Komödie, Liebesepos, und natürlich Musical – dieser Film vereint alles, was das Hindi-Kino ausmacht. Seit seinem ersten Kinoeinsatz in Deutschland, damals unter dem Titel SOMETIMES HAPPY, SOMETIMES SAD, gilt er als der ultimative Bollywood-Kultfilm. In Kooperation mit Zephyr – Raum für Fotografie der Reiss-Engelhorn- Museen.

Never Say Goodbye

IND

2006

Karan Johar

Amitabh Bachchan, Shahrukh Khan, Rani Mukherjee

Dev Saran ist ein ehemaliger Fußball-Star, der in New York lebt und dessen verheißungsvolle Karriere durch einen tragischen Unfall jäh beendet wurde, während seine Frau Rhea gerade erst auf dem Weg nach oben ist. Zynisch geworden, fühlt sich Dev in seiner Villa wie ein Gefangener und nicht einmal sein Sohn gerät nach seinen Wünschen, denn der spielt lieber Geige als Fußball. Devs Leben ändert sich, als er per Zufall Maya begegnet. Denn auch die junge Frau, verheiratet mit dem PR-Manager Rishi, fühlt sich in ihrer Ehe nicht mehr so richtig wohl. Schnell wird Dev und Maya klar, dass ihre Begegnung schicksalhaft ist, dass sie im jeweils Anderen genau das finden, was ihnen in ihrer Ehe fehlt… Bollywood vom Feinsten!

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