Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Whistleblower - In gefährlicher Mission

CAN/DEU

2010

Larysa Kondracki

Rachel Weisz, Vanessa Redgrave, Monica Bellucci, David Strathairn

Ein engagiertes Thrillerdrama nach wahren Begebenheiten: Die US-Polizistin Kathryn Bolkovac arbeitet als Friedenswächterin im Nachkriegsbosnien der späten 1990er Jahre am Aufbau des Landes mit. Und wird mit Frauenhandel und Zwangsprostitution in illegalen Nachtclubs konfrontiert. Kathryns Ermittlungen deuten auf einen internationalen Verbrecherring hin, in den internationale Unternehmer bis hin zu den obersten Reihen der UN verwickelt sind. Bald wird Kathryn bei ihren Ermittlungen behindert und schließlich ihres Amtes enthoben. Sie muss das Land verlassen – doch sie hat Beweismaterial gesammelt…
Einführung: Eva Schaab, Amt der Gleichstellungsbeauftragten, Stadt Mannheim

Son of Saul

HUN

2015

László Nemes

Géza Röhrig, Sándor Zsótér

Das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im Oktober 1944: Der ungarische Gefangene Saul Ausländer wird einem Sonderkommando von jüdischen Inhaftierten zugeteilt. Seine Aufgabe könnte schrecklicher nicht sein: Er muss bei der Massenvernichtung mithelfen und die Leichenberge in den Krematorien verbrennen. Moralische Erlösung findet er nur, als er die Leiche eines toten Jungen „rettet“, indem er dessen Körper nicht den Flammen überlässt, sondern ihn fortan wie seinen Sohn behandelt. Als sich ein Widerstand formiert, der in die Geschichtsbücher eingehen wird, beschließt Saul den Kindesleichnam heimlich einem Rabbiner zu übergeben und dem Jungen eine menschenwürdige Beerdigung zukommen zu lassen… Dem Film gelingt ein formal brillanter Zugang: Statt die monströse Todesfabrik en gros abzubilden, konzentriert er sich auf ein Rad im System. Das Blickfeld bleibt dabei auf ein Minimum reduziert, einen klaustrophobisch vollgepackten Ausschnitt im 4:3-Format. Diese Nähe trifft den Zuschauer in zuvor nie dagewesener Form. Während Kritiker Nemes vorwerfen, durch seinen unmittelbaren Ansatz drohe der Holocaust zur Attraktion zu werden, so schreiben sie ihm doch zu, eine völlig neue, wichtige filmische Position über die Shoah geschaffen zu haben. Eines muss man Nemes sicher lassen: Er schont niemanden und zeigt das institutionalisierte Töten als das, was es ist: unerträglich. Seine Inszenierung lässt keine schützende Distanz zu.
Nach der Vorstellung am Dienstag, 03.05., Filmdiskussion mit Dr. Peter Bär, Cinema Quadrat

Antoine

CAN

2008

Laura Bari

Antoine malt, übt Korbwürfe und fährt Schlittschuh. Ob eine Bewegung sitzt, muss der Sechsjährige fühlen oder hören. Er ist von Geburt an blind, aber er besucht eine normale Schule, wo ihn Lehrer und Mitschüler unterstützen. Auch die Regisseurin Laura Bari fordert Antoine heraus. Sie macht ihn zum Co-Autor ihres Films. Gemeinsam treiben sie die Idee auf die Spitze, dass ein blinder Junge das Gleiche tun kann wie ein Sehender. Privatdetektiv Antoine braust mit dem Auto über die Landstraße, auf der Suche nach der mysteriösen Madame Rouski, die sich beim Duschen in tausend Tropfen aufgelöst hat. Die Botschaft des verspielten Abenteuers: Was die Sinne nicht wahrnehmen, ersetzt die Fantasie. Mit anschließender Diskussion. Kooperationspartner: UNICEF Hochschlgruppe Mannheim.

Das Pfauenparadies

ITA/DEU

2021

Laura Bispuri

Dominique Sanda, Alba Rohrwacher, Maya Sansa, Fabrizio Ferracane

An einem Wintertag, in ihrer Wohnung am Meer, bringt Nena ihre Familie zusammen, um ihren Geburtstag zu feiern. Alle sind da: ihr Mann, ihr Sohn, ihre Tochter, ihre Großcousine, ihre Schwiegertochter, ihr Ex-Schwiegersohn mit seiner neuen Freundin, ihre Enkelin Alma, ihre Haushälterin und deren Tochter. Und dann ist da noch Paco, Almas Pfau. Während alle auf ein Mittagessen warten, das nie serviert werden wird, verliebt sich das ungewöhnliche Haustier in eine kleine Taube auf einem Gemälde. Diese unmögliche Liebe – und deren tragisches Ende – wird zum Katalysator für einen Nachmittag, der die ganze Familie erschüttert: Die Gäste sind gezwungen, sich in die Augen zu schauen und sich als das zu offenbaren, was sie wirklich sind.
Laura Bispuri (SWORN VIRGIN, 2015, MEINE TOCHTER, 2018) führt in flüssiger Inszenierung und mit großer Alltagsnähe eine Familienfeier zur Offenbarung unausgesprochener Wahrheiten, zum Infragestellen von Beziehungen – und zur Annahme von neuer Verantwortung. Das fragile Familiengebilde gerät ins Wanken; und so kann etwas Neues entstehen.

Sworn Virgin

ITA/ALB/DEU/CHE/KOS

2016

Laura Bispuri

Alba Rohrwacher, Flonja Kodheli, Lars Eidinger

Um sich nicht in eine arrangierte Ehe fügen zu müssen, hat Hana in den abgelegenen Bergen Albaniens den traditionellen Schwur abgelegt, als Mann zu leben und ewig Jungfrau zu bleiben. Nach Jahren beschließt Hana – die in ihrer Wahl-Geschlechtlichkeit Mark genannt wird –, sich neu mit dieser Entscheidung auseinanderzusetzen, und macht sich auf nach Italien.
Um 19.30 Uhr Begrüßung durch Stadtrat Thorsten Riehle
Diskussionspartnerinnen: Margret Göth, Dipl.-Psychologin, Mitglied der Geschäftsführung bei PLUS, und Eva Schaab, Amt der Gleichstellungsbeauftragten Mannheim
Kooperationspartner: Stadt Mannheim, Amt der Gleichstellungsbeauftragten
Mitgliederaktion: Eintritt frei für Mitglieder von Cinema Quadrat e. V.

Trenque Lauquen I + II

ARG/DE

2022

Laura Citarella

Laura Paredes, Ezequiel Pierri, Rafael Spregelburd

Ein langer Film in zwei Teilen und zwölf Kapiteln:
Laura, junge Biologin aus Buenos Aires, kommt für einen Forschungsauftrag in die Provinzstadt Trenque Lauquen – und verschwindet plötzlich. Zwei Männer suchen sie, beide lieben diese Frau, beide verstehen nicht, warum sie gegangen ist. Spielt die russische Autorin Alexandra Kollontai eine Rolle, deren Bücher Laura gelesen hat? Was hat es mit den Briefen auf sich, die Laura in der lokalen Bücherei gefunden hat, aus denen eine Liebesgeschichte aus alter Zeit hervorgeht?
Mit verschachtelten Rückblenden, poetischer Vernetzung von Film und literarischer Lektüre, mit einem so unterhaltsamen wie intelligenten Labyrinth aus Berichten, Gerüchten, Fantasien schuf Laura Citarella einen kunstvollen Ritt durch Filmgenres, von Romantic Comedy über Fantasy und Thriller bis Mysterydrama, originell und verspielt.

Don’t Blink – Robert Frank

USA

2015

Laura Israel

Ein bis heute nachgefragtes Foto-Buch mit 83 SW-Aufnahmen machte ihn berühmt: „The Americans“ erschien 1959 und war das Ergebnis einer jahrelangen Reise durch die USA. Robert Frank, 1924 in Zürich geboren, gelang damit eine großangelegte Bildreportage: Aus seinen Bildern spricht ein unverhohlener Rassismus der weißen Mehrheits-Amerikaner ebenso wie eine bemitleidenswerte Entfremdung der Menschen voneinander – die Kehrseite des „American Dream“. Robert Frank, einer der kreativsten und einflussreichsten Fotografen des 20. Jahrhunderts, arbeitete später vielfach als Filmemacher; so begleitete er 1972 die Rolling Stones für seinen Film COCKSUCKER BLUES.
Einführung: Dr. Claude Su

Nan Goldin - All the Beauty and the Bloodshed

USA

2022

Laura Poitras

Die Fotoarbeiten von Nan Goldin finden sich in den Sammlungen der großen Kunstmuseen. Und diese Museen – etwa Metropolitan, Guggenheim, Louvre, Tate – hängen am Sponsoring verschiedener Mäzene, zum Beispiel der milliardenschweren Familie Sackler. Diese hat ihr Geld jahrzehntelang durch ein Präparat ihrer Pharmafirma Purdue verdient, das als süchtig machendes Opioid unter dem Namen Oxycontin über Jahre Hunderttausenden von Menschen in den USA verschrieben wurde – mit furchtbaren Folgen. Auch Nan Goldin selbst hat lange gebraucht, um sich von der Oxycontin-Abhängigkeit zu befreien. In einer beispiellosen Kampagne konnte sie die Kunstförderung durch Gewinne am gewissenlosen Verkauf eines tödlichen Suchtmittels seitens der Familie Sackler aufdecken und dadurch bewirken, dass die betroffenen Museen inzwischen Zuwendungen durch die Sacklers als Art-Washing ablehnen. Die Regisseurin Laura Poitras hat einen bewegenden Film über Nan Goldins mutigen Feldzug gegen schmutziges Geld im Kunstbetrieb gedreht, in welchem sie zugleich auch über ihre Fotografie, ihr Leben und ihr politisches Engagement berichtet.
Einführung: Luisa Heese, Dipl. Kult., Kunsthalle Mannheim

Hamlet

GBR

1948

Laurence Olivier

Laurence Olivier, Basil Sydney, Eileen Herlie, Jean Simmons

Vom Geist seines verstorbenen Vaters, des Königs von Dänemark, erfährt Prinz Hamlet, dass sein Onkel den Vater vergiftet hat, um selbst den Thron zu besteigen. Hamlet versucht, den Mörder zu überführen – es folgen Intrigen, Wahnsinn, Tod.

Laurence Olivier, einer der großen englischen Bühnen- und Filmdarsteller, inszeniert das Shakespearedrama in meisterhafter dynamischer Verbindung von theaterhafter Stilisierung und filmischer Inszenierung. Vier Oscars!

Üben üben üben

NOR/DEU

2023

Laurens Péro

Kornelia Melsæter, Fride Snipsøyr Holøs, Trine Eilertsen

Als Klimaaktivistin weigert sich Trine zu fliegen. Dann wird sie, die talentierte Trompetenspielerin, zum Vorspiel ans berühmte Opernhaus in Oslo eingeladen, und ihr bleiben nur wenige Tage, um die 1500 Kilometer von den einsamen Lofoten zur Hauptstadt zurückzulegen. Um ihren Prinzipien treu zu bleiben, fährt sie per Anhalter… Allerdings stellt der Roadtrip durch Norwegens raue und schöne Landschaft ihre Leidenschaft für Musik und ihren Umweltschutz-Idealismus gehörig auf die Probe.
In seinem einfühlsamen Roadmovie vor atemberaubender Kulisse wirft Laurens Pérol aktuelle, gesellschaftskritische Fragen auf nach persönlichen Zielen und Wünschen und der Bereitschaft zum Verzicht angesichts der Klimakrise, die unser aller Zukunft betrifft.
Am Sonntag, den 15.09.2024, in Anwesenheit von Regisseur Laurens Pérol, mit anschließender Diskussion und Q&A!

Roman Polanski: A Film Memoire

GBR

2011

Laurent Bouzereau

Wir kennen seine Filme. Wir kennen seine privaten Katastrophen. Doch über sein Leben wissen wir dennoch nichts. Mit der Dokumentation ROMAN POLANSKI: A FILM MEMOIR gibt der Produzent und enge Freund Andrew Braunsberg einen Einblick in den Menschen und Filmkünstler Roman Polanski. In intensiven Gesprächen zeichnet er Stationen eines unglaublichen Lebens, angefangen von der Kindheit im Krakauer Ghetto, über die ersten Filme in Polen, den Umzug nach Paris, seine Karriere in Europa und Amerika, gekrönt mit einem Oscar für DER PIANIST, die Tragödie des Mordes an seiner schwangeren Frau Sharon Tate in Los Angeles, seine Verhaftung im Jahr 1977 bis zum heutigen Schaffen und Leben in Frankreich.

Auszeit

Frankreich

2001

Laurent Cantet

Aurélien Recoing, Karin Viard

Vincent hat seinen Job verloren, verschweigt dies aber seiner Familie und seinen Bekannten. Er fährt ziellos durch die Gegend, schläft in seinem Auto und berichtet seiner Frau telefonisch von nie stattgefundenen Meetings und fiktiven Kollegen. Bald versteigt er sich in die Lüge, selbst gekündigt zu haben, um bei der UNO in Genf zu arbeiten. Um seine Scheinexistenz finanzieren zu können, veruntreut er Gelder von Freunden und ehemaligen Kollegen. Aurélien Recoing spielt den bizarren Hochstapler mit unglaublicher Unterkühltheit, die hervorragend mit den kühl fotografierten, fast stilisierten Bildern korrespondiert. Ein eigenes Universum von Autobahnen, Raststätten, Einbauküchen, gläserne Großraumbüros und Hotelfoyers entsteht, in dem ein Mann von der Freiheit träumt, auch wenn darin Niederlage und Triumph ununterscheidbar werden. Inspirationsquelle für den Film war ein spektakuläres Drama, das 1993 in einem französischen Dorf kulminierte. 18 Jahre lang hatte ein Mann seine Familie belogen, von Reisen durch die ganze Welt berichtet, während er seine Zeit meist auf Waldwanderungen verbrachte. Als seine Scheinexistenz zusammenbrach, tötete er seine Frau, seine beiden Kinder und seine Eltern. Er selbst vergiftete sich und legte ein Feuer, wurde jedoch gerettet.

Die Klasse

FRA

2008

Laurent Cantet

François Bégaudeau, Vincent Caire, Rachel Régulier

ENTRE LES MURS basiert auf einem Roman von François Bégaudeau, der selber Lehrer war und die Hauptfigur spielt, den Klassenlehrer François. Der Film widersetzt sich jeder Festlegung auf das Klischee Migrantenkinderproblemschulenfilm” und erzählt nur vom ganz normalen Wahnsinn, der in einer normalen Schule mit normalen Lehrern und Schülern abläuft, von der Hilflosigkeit auf allen Seiten und von dem Ehrgeiz aller, sich von den Umständen nicht fertigmachen zu lassen. Dabei erreicht er eine unglaubliche Spannung und Intensität. Nach einhelliger Auffassung hochverdient gewann ENTRE LES MURS 2008 die Goldene Palme in Cannes. ENTRE LES MURS ist in Mannheim, wo Schulklassen ähnlich vielfältig zusammengesetzt sind, nun erstmalig in OmU im Kino zu sehen. Endlich muss man sich nicht mehr fragen, warum François eigentlich Deutsch spricht, wenn, aufgrund des Tafelbildes jederzeit sichtbar, die französische Sprache Gegenstand seines Unterrichtes und der Diskussion mit den Schülern ist. Neben Grammatiklektionen und Annäherungen an so etwas Exotisches wie ein Gedicht stehen die ganz großen Fragen im Raum: „Wer bin ich?”, „Wie siehst du mich?” und „Was bildest du dir eigentlich ein?”.

Ressources Humaines

F

1999

Laurent Cantet

Jalil Lespert, Jean-Claude Vallot

Frank hat in Paris Betriebswirtschaft studiert und kehrt jetzt in seine Heimatstadt in der Provinz zurück, um ein Praktikum in der Firma zu machen, in der sein Vater seit 30 Jahren an der Maschine steht. Voller Eifer stürzt er sich in eine Umfrage zur Einführung der 35-Stunden-Woche, doch Gewerkschaftsvertreter und Arbeiter begegnen ihm mit Misstrauen. Als Frank durch Zufall erfährt, dass seine Arbeit der Umstrukturierung des Betriebs dient und Entlassungen zur Folge haben wird, von denen auch sein Vater betroffen ist, organisiert er einen Streik. Ausgerechnet bei seinem Vater, der den Aufstieg seines Sohns voller Stolz verfolgt und dessen Karriere gefährdet sieht, stößt er auf taube Ohren. RESSOURCES HUMAINES wurde in Frankreich von Publikum und Kritik mit großer Zustimmung aufgenommen und im Februar letzten Jahres mit zwei Césars ausgezeichnet: für Jalil Lespert als Nachwuchsschauspieler und als bester Debütfilm. „Eine packende Geschichte über Arbeitsethik und Aufsteigermentalität, Anpassung und Widerstand. Überzeugend und subtil vermittelt sie den Riss, den sozialer Aufstieg innerhalb eines Mikrokosmos hinterlassen kann.“ (film-dienst)

Die Eiche - Mein Zuhause

FRA

2022

Laurent Charbonnier, Michel Seydoux

210 Jahre! So alt ist die Eiche, die in dieser beeindruckenden Naturdokumentation im Mittelpunkt steht. Ihr Alltag ist alles andere als statisch und langweilig. Tiere aller Arten – von Ameise bis Eichhörnchen, von Rüsselkäfer bis Eichelhäher, von Feldmaus bis Wildschwein – sie alle tummeln sich in und um den alten Baum. Wie in jeder Gemeinschaft kommt es auch hier zu spannenden Begegnungen…
Gekonnt verwenden die Regisseure die filmischen Mittel der Bildkomposition und -montage, um das Naturgeschehen bis ins kleinste Detail zu erfassen (mit Hilfe von Mikrokameras!). Der Film kommt ganz ohne belehrende Erzählerstimme aus. Die subtile Tongestaltung konzentriert sich vor allem auf die natürliche Geräuschkulisse.
Alles in allem ein besonderes Hör- und Seherlebnis, das in bester Auflösung auf unserer großen Kinoleinwand mit Surroundsound von Groß und Klein voll ausgekostet werden kann.
Eintritt: 5 € für alle

Lola und das Meer

BEL/FRA

2019

Laurent Micheli

Mya Bollaers, Benoît Magimel, Els Deceukelier, Sami Outalbali, Jérémy Zagba

Lola ist 18, hat pinke Haare und macht gerade ihr Diplom als Veterinär-Assistentin. Als ihre Mutter Catherine stirbt, sorgt ihr Vater Philippe dafür, dass sie die Trauerfeier verpasst. Denn zwei Jahren zuvor hatte Philippe den Kontakt zu Lola abgebrochen: Zu dieser Zeit war Lola noch Lionel, und Philippe kann bis heute das Trans-Outing seines Kindes nicht akzeptieren. Doch Lola ist entschlossen, ihrer Mutter den letzten Wunsch zu erfüllen: Catherine wollte unbedingt in den Dünen ihres Elternhauses an der belgischen Küste beigesetzt werden – und zwar von Philippe und Lola zusammen. Widerwillig machen sich Vater und Tochter auf die gemeinsame Reise.
Für ihre einfühlsame Darstellung in diesem emotionalen Roadmovie voller feiner Überraschungen wurde Mya Bollaers als erste offene Trans-Person mit dem belgischen Filmpreis Magritte ausgezeichnet.
Einführung: Sophie Rudolph, Institut Français Mannheim

Heart of a Dog

USA/FRA

2015

Laurie Anderson

Die Performance-Künstlerin Laurie Anderson, seit Jahrzehnten Star der New Yorker Subkultur, knüpft in diesem Film Erinnerungen, Träume und Beobachtungen zu Amerika nach 9/11 an den Tod ihres geliebten Hundes. Erst stirbt der Hund, dann die Mutter, dann der Mann, der Sänger und Gitarrist Lou Reed. Anderson wurde harsch mit den großen Fragen konfrontiert: Was soll der Tod? Wozu die Liebe? Wohin geht das Leben? Die filmischen Bilder zu diesen wohl philosophischsten aller Fragen illustrieren das Gesagte und werden trotzdem einem eigenen ästhetischen Anspruch gerecht. Anderson hat einen Film gedreht, bei dem man zu ihrer Stimme auf einem beruhigenden Soundteppich aus Synthies floatet, der in atmosphärisch dichten 70 Minuten ein Erinnerungs- und Reflexionsfeuerwerk abfackelt, das das extrem Persönliche zu einem allgemeingültigen existentiellen Ratgeber zu machen versucht. Ein Versuch, der geglückt ist. „Ein wunderbarer Film.“ (Die ZEIT)

Ungeduld des Herzens

DEU

2025

Lauro Cress

Ladina von Frisching, Giulio Brizzi, Livia Matthes, Thomas Loibl

Ein Bowlingabend, ein Missverständnis – und ein Moment, der zwei Leben verändert. Um einer Frau zu imponieren, fordert der junge Bundeswehrsoldat Isaac deren Schwester Edith zum Spiel auf. Etwas zu robust – denn sie sinkt schlaff zu Boden. Erst jetzt bemerkt Isaac Ediths Rollstuhl… Beschämt sucht Isaac die Nähe der Frau, die er verletzt hat. Doch je stärker Isaac versucht, Edith „zu heilen“, desto tiefer verstricken sich beide in ein Geflecht aus Schuld, Selbsttäuschung und Sehnsucht.

Was als Geste des Mitgefühls beginnt, wird zur gefährlichen Versuchung, sich als Retter zu fühlen: Lauro Cress verlegt Stefan Zweigs gleichnamigen Roman über Mitleid und moralische Überforderung in Form eines intensiven Psychodramas in die Gegenwart – beim Max Ophüls Preis Saarbrücken als bester Film und für den besten Schauspielnachwuchs ausgezeichnet.

Norte, the End of History

PHL

2013

Lav Diaz

Angeli Bayani, Sid Lucero

Dostojewskis Schuld und Sühne trifft auf poetischen Realismus. Ein verbitterter Jurastudent begeht einen brutalen Doppelmord; ein Familienvater muss seinen Kopf dafür hinhalten und bekommt eine harte Gefängnisstrafe, seine Frau streift mit den beiden Kindern übers Land auf der Suche nach einer Art Erlösung. Lav Diaz verwebt in NORTE die verschiedenen Erzählstränge zu einem fulminanten, anspielungsreichen und spannenden Gesellschaftsroman, in dem die individuellen Schicksale der Protagonisten den Spiegel bilden für eine in den Jahrhunderten des Kolonialismus und den Jahrzehnten der Diktatur beschädigte Gesellschaft. Lav Diaz ist ein Meister des Erzählens und momentan sicherlich einer der herausragenden Persönlichkeiten des Autorenkinos. Seine Filme finden weltweit große Beachtung und wurden bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
In Cannes 2013 wurde NORTE als einer der wichtigsten Filme des Festivals gefeiert.
Mitgliederaktion: am 29.01. Eintritt für Cinema Quadrat-Mitglieder frei!

The Woman Who Left

PHL

2016

Lav Diaz

Charo Santos-Concio, John Lloyd Cruz, Michael De Mesa, Nonie Buencamino

1997. Horacia sitzt seit 30 Jahren wegen Mordes im Gefängnis. Dann tauchen neue Beweise auf, die ihre Unschuld beweisen – und die Schuld ihres reichen Liebhabers aus Jugendtagen. Horacia ist nun eine freie Frau, doch die Jahrzehnte haben ihr alles genommen. Was ihr bleibt, ist die kalte Wut auf den Mann, der sie einst ins Gefängnis brachte. Während sie ihm nachspürt, lernt Horacia weitere Nachtgestalten kennen: eine transsexuelle Prostituierte, eine von Dämonen geplagte Obdachlose und einen buckligen Eierverkäufer. Ihnen wird sie zur großherzigen Freundin – und sie wartet geduldig auf ihre Gelegenheit zur Rache.
Dem philippinischen Meisterregisseur Lav Diaz gelingt ein visuell überwältigendes, archaisches und tief menschliches Drama über Schuld und Solidarität, Absolution und Rache. Diaz, bekannt für seine überlangen, epischen Filme, ließ sich für diese poetische Rachestory, in schwarz-weiß gefilmt, von einer Kurzgeschichte Leo Tolstois inspirieren. Der Film gewann den Goldenen Löwen von Venedig.

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