Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Frohes Schaffen - Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral

DEU

2012

Konstantin Faigle

Nina Poll, Helene Grass

In der Doku-Fiktion begibt sich Regisseur Konstantin Faigle auf die Reise zu den Wurzeln der Arbeit und unseres Arbeitsbegriffs und geht der Frage nach, wie unsere Gesellschaft darauf reagiert, wenn es in Zukunft immer weniger Arbeitsplätze geben wird. Faigles essayistisch-satirische Doku-Fiktion zeigt: Der moderne aufgeklärte Mensch ist nicht frei von Irrglauben und geistigem Zwang. Er hat längst einen anderen Gott erwählt: Die Arbeit. Arbeit ist eine Sucht, ein Fetisch, ein Mantra, das uns tagtäglich umgibt. Sie ist zugleich Sicherheit, Selbstbestätigung und Existenzberechtigung. In Zeiten von Wirtschaftskrise und rasantem Arbeitsplatzabbau hinterfragt FROHES SCHAFFEN diesen „heiligen“ Lebenssinn der Arbeit. Eine wunderbar ketzerische, filmische Reflektion – unterhaltsam, humorvoll und zugleich tiefgründig!

Kara Kafa

TUR

1979

Korhan Yurtsever

Betül Asçioglu, Savas Yurttas, Cüneyt Kaymak, Özlem Güler.

Deutschland – für ihn das Land unbegrenzter Möglichkeiten, das seine Familie aus der Armut retten wird. Jedoch bringt das neue Leben viele Schwierigkeiten und Unerwartetes – so engagiert sich seine Frau in der Frauenbewegung, sein Sohn verweigert die Schule, die Tochter muss ohnehin zuhause bleiben beim neugeborenen Bruder. KARA KAFA hebt sich mit seinem linken, politischen Blick auf die Arbeitsmigration vom Gros des deutsch-türkischen Kinos ab. Nach seiner Fertigstellung verbot das damalige turkische Zensurkomitee den Film: Er verletze „die Ehre Deutschlands, der befreundeten Nation“. Gegen Regisseur Korhan Yurtsever wurde wegen des Films Anklage erhoben, er floh nach Berlin, wo er einige Jahre im Exil lebte. 2022 tauchte überraschend das Original-Negativ des Films auf, das als Grundlage der digitalen Restaurierung diente.

Underdog

HUN

2014

Kornél Mundruczó

Zsófia Psotta, Sándor Zsótér

Schon den ersten Sequenzen von UNDERDOG wohnt ein subtil beunruhigendes Geheimnis inne, das sich im Lauf der Ereignisse stetig zuspitzt: Hagen ist ein prächtiger, treuer Hund und mit der jungen Lili hat er ein tolles Frauchen. Aber als das Mädchen zu seinem Vater muss, beginnt für Hagen ein Martyrium: Er wird auf Bestreben des Vaters ausgesetzt, flüchtet bald vor Hundefängern, wird von einem Bettler verkauft und landet schließlich im Tierheim. Hier beschließt er, diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die ihm und seinen Artgenossen böse mitgespielt haben: Die Menschen. In seinem sechsten Film entwirft der ungarische Regisseur ein Schreckensszenario vom Aufstand einer gedemütigten Spezies gegen ihre Peiniger, eine Parabel auf die gesellschaftlichen Missstände, nicht nur in Ungarn, sondern in der ganzen Welt.
In der Sektion "Un Certain Régard" auf dem Filmfestival von Cannes mit einer "Hunde-Palme" ausgezeichnet.

Winter in Sokcho

FRA

2024

Koya Kamura

Bella Kim, Roschdy Zem, Park Mi-Hyeon

Winter in der südkoreanischen Küstenstadt Sokcho. Es ist nicht viel los in der Pension, in der die 23jährige Sooha arbeitet: Rezeptionistin, Putzkraft, Köchin – und dann kommt der Franzose Yan Kerrand an, ein Comickünstler aus der Normandie. Sooha kann Französisch, sie wird Dolmetscherin und Fremdenführerin. Die beiden beobachten sich gegenseitig, prüfen sich, knüpfen eine zerbrechliche Verbindung…

Ein zarter, ein sensibler Film über Sehnsucht und Verzagtheit, über Inspiration, die sich nicht einstellen will, über ein Geheimnis, das die Mutter hütet, über die Felsen an der koreanischen Küste. Der französisch-japanische Regisseur Koya Kamura umkreist vorsichtig seine Charaktere in dieser Stadt, die im Winterschlaf zu liegen scheint.

Friends & Family

USA

2001

Kristen Coury

Dieses Paar hat alles, was man in Manhattan braucht: ein wunderschönes Haus, einflußreiche Freunde, gut sitzende Anzüge, Manieren und viel, viel Geld – und, das Wichtigste: Stephen und Danny haben einander! Aber als überraschenderweise Stephens Eltern ihren Besuch anmelden, droht ihr großes Geheimnis aufzufliegen – nicht etwa, daß sie schwul sind, denn darüber wissen die Eltern alles. Was sie nicht wissen, ist: Stephen und Danny arbeiten für Don Patrizzi – als Auftragskiller der Mafia! Da sie vorgegeben haben, einen schwulen Catering-Service zu leiten, müssen die örtlichen Mafiosi jetzt helfen, die Fassade aufrechtzuerhalten – und einen auf tuntige Kellner machen. Absurde Verwicklungen und handfestes Chaos sind vorprogrammiert, doch die kriminellen Machos enthüllen ganz unbekannte Talente – was auch nötig ist, denn Stephens Vater arbeitet beim FBI… Wer hier einen trockenen Martini bestellt, sollte sich in Acht nehmen: denn hier kommt die schwule Mafia! „Einer der witzigsten Filme der letzten Zeit – eine hysterische Farce!” (Seattle Gay News) “Viel unterhaltender als Robin Williams und Nathan Lane in THE BIRDCAGE!” (TimeOut London)

The Chronology of Water

USA/FRA/LVA

2025

Kristen Stewart

Imogen Poots, Thora Birch, Michael Epp, Jim Belushi

Lidia wächst im Oregon der 1970er Jahre in einem von Gewalt und Alkohol geprägten Umfeld auf. Als begabte Schwimmerin sucht sie Zuflucht im Wasser, doch Schmerz und Selbstzerstörung begleiten sie auch an Land. Erst im Schreiben beginnt sie, sich ihre eigene Geschichte anzueignen und Erfahrungen von Verletzung und Verlust in Sprache zu verwandeln.

„Im Wasser, wie in Büchern, kann man sein Leben hinter sich lassen“ – in ihrem Spielfilm-Regiedebüt löst Kristen Stewart die autobiografische Vorlage der Schwimmerin und Schriftstellerin Lidia Yuknavitch aus den Konventionen des klassischen Biopics. Statt einer linearen Lebensgeschichte erzählt der Film aus der subjektiven Perspektive seiner Hauptfigur – körperlich, fragmentarisch, aus nächster Nähe. „Was für ein Debüt! Schauspielerin Kristen Stewart emanzipiert sich mit ihrer ersten Regiearbeit endgültig vom Konsenskino Hollywoods. Furioser Trip, der einen unter Garantie kräftig durchschüttelt.“ (programmkino.de)

The Salvation

DNK

2014

Kristian Levring

Mads Mikkelsen, Eva Green, Eric Cantona, Jeffrey Dean Morgan

Wenn es das Genre Western noch nicht gebe – es müsste für Mads Mikkelsen neu erfunden werden. Zum Glück ist das nicht nötig, denn es hat sich der dänische, einstige Dogma-Regisseur Kristian Levring einen alten Regietraum erfüllt und einen fulminanten, berauschenden Remix des klassischen amerikanischen und italienischen Western gedreht. So kommt mit THE SALVATION nun ein dänischer, in Südafrika gedrehter Western in die deutschen Kinos, in dem sich Schauspieler aus Schweden, Dänemark, Frankreich, Großbritannien und den USA duellieren, wobei den wenigen Amerikanern ausschließlich Bösewicht-Rollen vorbehalten sind. Das grimmige Auge-um-Auge-Drama von Levring ist eine kritische Auseinandersetzung mit amerikanischen (Gründungs-)Mythen und dabei auch als Parabel auf heutige Konflikte, insbesondere um Öl, lesbar.

Unser Amerika

DEU/CHE

2005

Kristina Konrad

„Nicaragua war das Vietnam meiner Generation.“ (Kristina Konrad) Filmemacherin Kristina Konrad ist auf Spurensuche in Nicaragua, einer Reise durch die Gegenwart der Vergangenheit – 25 Jahre nach einer Revolution, die niemand für möglich hielt. Eine persönliche Annäherung einer Europäerin an ein kleines lateinamerikanisches Land, das sich damals von einer 45–jährigen Diktatur befreite, das Unmögliche versuchte und vom großen Nachbarn USA unerbittlich bekämpft wurde. Im Zentrum stehen Frauen, die damals zu den Waffen griffen und ihr täglicher Überlebenskampf heute: was ist geblieben vom großen Traum von Unabhängigkeit und Gerechtigkeit? In Kooperation mit dem Nicaragua-Verein Mannheim-El-Viejo. Jeweils mit anschließenden Diskussionen mit Mitgliedern des Vereins.

Aufbruch – Prostitution überwinden

DEU

2024

Kristine Tauch, Matthias Gathof

Dokumentarfilm

Der Dokumentarfilm von Kristine Tauch und Matthias Gathof geht unter die Haut und bewegt zum Handeln. Im Zentrum steht Ronja, die nach fast 10 Jahren aus der Prostitution aussteigt und heute für deren Überwindung kämpft. Ergänzt durch weitere Stimmen, Forschung und das Zeugnis eines ehemaligen Freiers zeigt der Film, wie eng Prostitution mit gesellschaftlichen Strukturen verflochten ist.

Dekalog 6. Ein Kurzer Film über Die Liebe

Polen

1988

Krzysztof Kieslowski

Olaf Lubaszenko, Grazyna Szapolowska

In einem Warschauer Wohnsilo lebt der 19jährige Tomek und träumt von der Liebe. Mit einem Fernrohr beobachtet Tomek jeden Abend Magda, die im Block gegenüber wohnt. Nur um ihr näher zu kommen, fährt er jeden Morgen die Milch aus. Mit fingierten Zahlungsanweisungen lockt er sie zu seinem Postschalter und traktiert sie mit Telefonaten. Als er ihr endlich sein Tun und seine Gefühle gesteht, ist Magda wütend und berührt zugleich. Kieslowski erzählt mit kühler Beobachtungsgabe, aber heißem Herzen in leidenschaftlich genauen Bildern. Mit einer Einführung zum Thema „Der Blick in das Innere eines anderen Menschen“, von J. Malewski.

Die zwei Leben der Veronika

FRA/POL/NOR

1991

Krzysztof Kieslowski

Inène Jacob, Wladyslaw Kowalski, Sandrine Dumas, Philippe Volter

Die zwanzigjährige polnische Sängerin Weronika entdeckt eines Tages in Krakau in einer französischen Touristengruppe eine Doppelgängerin, die durch ein Fenster des gerade abfahrenden Omnibusses Sehenswürdigkeiten fotografiert – und dabei zufällig auch Weronika mit aufs Bild bekommt. Weronika gewinnt einen Gesangswettbewerb, bricht aber während ihres ersten Auftritts als Solistin aufgrund einer Herzschwäche tot zusammen. Die Französin, die Weronika auffiel, heißt Véronique und ist ebenfalls zwanzig Jahre alt. Erst, als sie ihre Urlaubsfotos aus Polen durchsieht, erkennt Véronique sich selbst und ihre Doppelexistenz. Parallelitäten, Spiegelungen, Bindungen: Kieslowski, einer der einflussreichsten europäischen Filmemacher, spielt mit romantischen Märchenmotiven, mit Zufall, Schicksal und metaphysischen Zusammenhängen.

Drei Farben: Rot

POL/FRA

1994

Krzysztof Kieslowski

Irène Jacob, Jean-Louis Trintignant, Jean-Pierre Lorit

DREI FARBEN: ROT ist der dritte Teil einer Trilogie des polnischen Regisseurs Krzysztof Kieślowski über die drei Farben der Tricolore, die symbolisch für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit stehen. Zum Film: Die Pariser Studentin Valentine lernt durch einen Unfall einen pensionierten Richter kennen, der einsam und verbittert in seinem Haus lebt. Irritiert bemerkt sie, dass er die Telefone seiner Nachbarn abhört … zum zynischen Amüsement… und es entbrennt zwischen den beiden eine bittere Diskussion über das Gute im Menschen, oder eben nicht… Vorgestellt von J. Malewski.

Drei Farben: Weiss

POL/FRAU

1993

Krzysztof Kieslowski

Zbigniew Zamachowski, Julie Delpy, Janusz Gajos

Die Französin Dominique lässt sich von ihrem Mann, dem polnischen Friseur Karol, scheiden. Aufgrund seiner Sprachschwierigkeiten hat Karol vor dem Scheidungsrichter keine Chancen: Er verliert nicht nur seine Frau, sondern auch den von seinen Ersparnissen gekauften Salon. Nach einem Neuanfang in Polen bringt er es zu einem Vermögen – das er benötigt, um sich an Dominique zu rächen. Mit einer Einführung durch Jan Malewski.

Ein Kurzer Film über Das Töten

Polen

1987

Krzysztof Kieslowski

Miroslaw Baka, Krysztof Globisz

Der Zufall führt Jacek, Piotr und einen Taxifahrer zusammen, anschließend sind zwei von ihnen tot. Die Montage des Films unterwirft sich ihrem dramaturgischen Prinzip, pendelt zwischen den drei Geschichten, bevor sie zu einer Erzählung werden. Kieslowski, der als Dokumentarfilmer begann, erspart dem Zuschauer dabei nichts: Das Töten wird minutiös vorgeführt. Dabei werden der Mord und die Hinrichtung einander gegenübergestellt. EIN KURZER FILM ÜBER DAS TÖTEN ist der fünfte Teil des Dekalog-Projekts, eines Zyklus von zehn Filmen, die sich auf die zehn Gebote beziehen. Der gesamte Zyklus kostete etwa soviel wie ein kleineres Fernsehspiel im deutschen Fernsehen und machte Kieslowski auf einen Schlag über die polnische Grenze hinaus bekannt. EIN KURZER FILM ÜBER DAS TÖTEN wurde 1988 bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet und erhielt außerdem den Europäischen Filmpreis Félix.

Familiye

DEU

2017

Kubilay Sarikaya, Sedat Kirtan

Kubilay Sarikaya, Arnel Taci, Muhammed Kirtan, Violetta Schurawlow

Danyal, nach fünfjähriger Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen, muss sich um seine beiden jüngeren Brüder kümmern, den spielsüchtigen Miko und den mit Down-Syndrom geborenen Muhammed. Doch das ist alles andere als leicht: Miko hat Schulden bei einigen gnadenlosen Gangstern, die nun bezahlt werden wollen, und Muhammed soll in ein Heim gesteckt werden. Langsam gerät das ohnehin zerbrechliche Gleichgewicht innerhalb der Familie aus den Fugen, zumal in ihrer schwierigen Existenz im Lynar-Kiez von Berlin-Spandau Gewalt weiterhin zu ihrem Alltag gehört…
Die beiden Regisseure, die sich als Streetworker und Türsteher durchschlugen, drehten den Film in, aus und mit ihrem Kiez: Milieustudie, Familiendrama, Gangsterfilm. Moritz Bleibtreu betreute als Pate diese rigorose Independent-Produktion – „ein Glücksfall für alle, die nach authentischen Geschichten auf der Leinwand suchen.“ (musikexpress)

Unloved

Japan

2001

Kunitoshi Manda

Yoko Moriguchi, Toru Nakamura

Mitsuko lebt und arbeitet in einer japanischen Kleinstadt. Sie ist mit ihrem bescheidenen Lebensstandard zufrieden und hat einen recht sorglosen Alltag. Als sie die Wahl zwischen zwei Männern treffen muss, glaubt sie, sich selbstsicher dieser schwierigen Entscheidung stellen zu können. Bald muss sie aber entdecken, dass sowohl der smarte Karrieremann Eiji als auch ihr verträumter Nachbar Hiroshi sehr ehrgeizig sind und um sie kämpfen. UNLOVED ist eine radikale Studie über einen unzeitgemäßen Charakter, die durch ihre extrem reduzierte, kontemplative Bildsprache fasziniert. „Als ich gemeinsam mit meiner Frau den Charakter von Mitsuko entworfen habe, kamen wir schnell zu dem Schluss, dass wir eine ungewöhnlich starke Frau zeigen wollten…. Man könnte fast sagen, dass Mitsuko einen Feldzug führt gegen eine Gesellschaft, in der Wettbewerb jedes Handeln bestimmt und Respekt das höchste Ziel bedeutet.“ (Kunitoshi Manda)

Mond

AUT

2024

Kurdwin Ayub

Florentina Holzinger, Andria Tayeh, Celina Antwan, Nagham Abu Baker

Die ehemalige Kampfsportlerin Sarah verlässt Österreich, um drei Schwestern aus einer reichen Familie in Jordanien zu trainieren. Was sich nach Traum-Job anhört, nimmt bald beunruhigende Züge an: Die jungen Frauen sind von der Außenwelt abgeschottet und werden konstant überwacht. Sport scheint sie nicht zu interessieren. Was also ist der Grund, dass Sarah engagiert worden ist?

Kurdwin Ayub bricht mit den üblichen Klischees von privilegierten Weißen in Nahost oder von Soap-Opera-haften Geschichten westlicher Influencer in arabischen Paradiesstädten: Nach SONNE (2022) schafft sie mit MOND einen schlauen, fesselnden Film von thrillerhafter Faszination und beweist, dass sie zu einer der aufregendsten Stimmen des zeitgenössischen deutschsprachigen Kinos gehört.

Sonne

AUT

2022

Kurdwin Ayub

Melina Benli, Law Wallner, Maya Wopienka, Kerim Dogan, Omar Ayub, Awini Barwari

Yesmin, Nati und Bella legen „Losing My Religion“ auf, schmeißen sich in sexy TikTok-Pose und schmettern den REM-Song, gehüllt in die Hijabs von Yesmins strenggläubiger Mutter. Ihr Video geht viral – und die Hölle bricht los. Gezielt-geglückte Provokation oder religiöser Affront? Für die drei Mädels folgt schneller Ruhm, Nati und Bella lassen sich voll ein auf ihr neues Image. Aber Yesmin, die einzige überzeugte Muslima, hat das Problem, sich nun ständig rechtfertigen zu müssen, wie man Religion auslebt. Wann ist Religion Privatsache, wie wichtig ist das Kopftuch wirklich?
Das Übereinanderstürzen von Meinungen, das Ausagieren im Netz, die Forderungen ans richtige (weibliche) Verhalten und ans richtige (religiöse) Dazugehören: Die irakisch-österreichische Regisseurin Kurdwin Ayub hat den Finger am Puls der Zeit und den Fuß auf dem Gaspedal. Ihr wildes, energisches Gen-Z-Porträt ist eine kluge Abrechnung mit medialer Meinungskultur. Ihr kraftvoller, entlarvender und empathischer Film wurde auf der Berlinale als bester Erstlingsfilm ausgezeichnet.

La Clave – Das Geheimnis der kubanischen Musik

DEU

2021

Kurt Hartel

„Claves“: Das waren ursprünglich hölzerne Schiffsnägel, rhythmisch aufeinandergeschlagen. „La Clave“: Das rhythmische Element, erzeugt durch diese Klanghölzer, bildet den Herzschlag der kubanischen Musik. Die Clave führt die Zuschauer durch diesen Film: Bei aller Vielfalt der kubanischen Musikspiele ist doch dieser spezielle Rhythmus beherrschend. Lokale Musiker*innen erzählen die Geschichte der kubanischen Musik, unverfälscht und ohne die typischen Klischees. Jazz, Klassik, Percussion, Folklore werden in vielen Konzertpassagen ausgiebig gewürdigt – und auch die Wichtigkeit, musikalisches Wissen an künftige Generationen weiterzugeben. Im Proberaum, im Konzertsaal, auf den Straßen von Havanna: Dieses lebendige Porträt der kubanischen Musikszene zeigt, wie Musik ganz selbstverständlich in das alltägliche Leben Kubas integriert ist.

Landraub

DEU/AUT

2015

Kurt Langbein

„Kaufen Sie Land. Es wird keines mehr gemacht.“ (Mark Twain) Jedes Jahr gehen etwa zwölf Millionen Hektar Agrarfläche durch Versiegelung verloren. Wer reich werden will, investiert und profitiert – egal, wer darunter leiden muss. LANDRAUB porträtiert die Investoren und ihre Opfer. Die einen verweisen auf sichere Nahrungsversorgung und Wohlstand für alle, die anderen erzählen von Vertreibung, Versklavung und vom Verlust ihrer wirtschaftlichen Grundlagen. Eine Fläche halb so groß wie Europa wurde bereits aufgekauft, die Bauern und indigenen Völker mussten weichen. Statt Bauern bestimmen Profitinteressen über die Böden. Statt Nahrung für die Region anzupflanzen, wird im großen Stil für die Märkte der wohlhabenden Länder produziert. LANDRAUB wühlt auf, macht nachdenklich und animiert zum aktiven Tun. Der Widerstand gegen „Landgrabbing“ wird kräftiger und lauter …und animiert selbst aktiv zu werden."
Im Anschluss an die Vorstellung am 22.09. Diskussion mit Attac.

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