Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Nan Goldin - All the Beauty and the Bloodshed

USA

2022

Laura Poitras

Die Fotoarbeiten von Nan Goldin finden sich in den Sammlungen der großen Kunstmuseen. Und diese Museen – etwa Metropolitan, Guggenheim, Louvre, Tate – hängen am Sponsoring verschiedener Mäzene, zum Beispiel der milliardenschweren Familie Sackler. Diese hat ihr Geld jahrzehntelang durch ein Präparat ihrer Pharmafirma Purdue verdient, das als süchtig machendes Opioid unter dem Namen Oxycontin über Jahre Hunderttausenden von Menschen in den USA verschrieben wurde – mit furchtbaren Folgen. Auch Nan Goldin selbst hat lange gebraucht, um sich von der Oxycontin-Abhängigkeit zu befreien. In einer beispiellosen Kampagne konnte sie die Kunstförderung durch Gewinne am gewissenlosen Verkauf eines tödlichen Suchtmittels seitens der Familie Sackler aufdecken und dadurch bewirken, dass die betroffenen Museen inzwischen Zuwendungen durch die Sacklers als Art-Washing ablehnen. Die Regisseurin Laura Poitras hat einen bewegenden Film über Nan Goldins mutigen Feldzug gegen schmutziges Geld im Kunstbetrieb gedreht, in welchem sie zugleich auch über ihre Fotografie, ihr Leben und ihr politisches Engagement berichtet.
Einführung: Luisa Heese, Dipl. Kult., Kunsthalle Mannheim

Der Prinz und die Tänzerin

GBR

1957

Laurence Olivier

Marilyn Monroe, Laurence Olivier, Sybil Thorndike, Richard Wattis

Im Vorfeld der Krönungsfeierlichkeiten von George V. 1911 in London lernt Großherzog Karl, Prinzregent des Balkan-Reichs Karpathien, die Tänzerin Elsie kennen. Er lädt sie in seine Gemächer. Sie erliegt nicht den Annäherungsversuchen des verwitweten Aristokraten, verliebt sich allerdings. Mit ihrer entwaffnenden Nonchalance wird sie nicht nur Zofe der Königinmutter, sondern kann auch eine karpathische Revolution im Keim ersticken und Karl davon überzeugen, die Demokratie einzuführen.

Marilyn Monroe produzierte diesen Film selbst: eine romantische Komödie vor den politischen und diplomatischen Umtrieben vor dem Ersten Weltkrieg. Monroe und Regisseur und Co-Star Laurence Olivier gerieten sich legendär in die Haare, doch spielt sie hier eine ihrer besten Rollen.

Hamlet

GBR

1948

Laurence Olivier

Laurence Olivier, Basil Sydney, Eileen Herlie, Jean Simmons

Vom Geist seines verstorbenen Vaters, des Königs von Dänemark, erfährt Prinz Hamlet, dass sein Onkel den Vater vergiftet hat, um selbst den Thron zu besteigen. Hamlet versucht, den Mörder zu überführen – es folgen Intrigen, Wahnsinn, Tod.

Laurence Olivier, einer der großen englischen Bühnen- und Filmdarsteller, inszeniert das Shakespearedrama in meisterhafter dynamischer Verbindung von theaterhafter Stilisierung und filmischer Inszenierung. Vier Oscars!

Üben üben üben

NOR/DEU

2023

Laurens Péro

Kornelia Melsæter, Fride Snipsøyr Holøs, Trine Eilertsen

Als Klimaaktivistin weigert sich Trine zu fliegen. Dann wird sie, die talentierte Trompetenspielerin, zum Vorspiel ans berühmte Opernhaus in Oslo eingeladen, und ihr bleiben nur wenige Tage, um die 1500 Kilometer von den einsamen Lofoten zur Hauptstadt zurückzulegen. Um ihren Prinzipien treu zu bleiben, fährt sie per Anhalter… Allerdings stellt der Roadtrip durch Norwegens raue und schöne Landschaft ihre Leidenschaft für Musik und ihren Umweltschutz-Idealismus gehörig auf die Probe.
In seinem einfühlsamen Roadmovie vor atemberaubender Kulisse wirft Laurens Pérol aktuelle, gesellschaftskritische Fragen auf nach persönlichen Zielen und Wünschen und der Bereitschaft zum Verzicht angesichts der Klimakrise, die unser aller Zukunft betrifft.
Am Sonntag, den 15.09.2024, in Anwesenheit von Regisseur Laurens Pérol, mit anschließender Diskussion und Q&A!

Roman Polanski: A Film Memoire

GBR

2011

Laurent Bouzereau

Wir kennen seine Filme. Wir kennen seine privaten Katastrophen. Doch über sein Leben wissen wir dennoch nichts. Mit der Dokumentation ROMAN POLANSKI: A FILM MEMOIR gibt der Produzent und enge Freund Andrew Braunsberg einen Einblick in den Menschen und Filmkünstler Roman Polanski. In intensiven Gesprächen zeichnet er Stationen eines unglaublichen Lebens, angefangen von der Kindheit im Krakauer Ghetto, über die ersten Filme in Polen, den Umzug nach Paris, seine Karriere in Europa und Amerika, gekrönt mit einem Oscar für DER PIANIST, die Tragödie des Mordes an seiner schwangeren Frau Sharon Tate in Los Angeles, seine Verhaftung im Jahr 1977 bis zum heutigen Schaffen und Leben in Frankreich.

Auszeit

Frankreich

2001

Laurent Cantet

Aurélien Recoing, Karin Viard

Vincent hat seinen Job verloren, verschweigt dies aber seiner Familie und seinen Bekannten. Er fährt ziellos durch die Gegend, schläft in seinem Auto und berichtet seiner Frau telefonisch von nie stattgefundenen Meetings und fiktiven Kollegen. Bald versteigt er sich in die Lüge, selbst gekündigt zu haben, um bei der UNO in Genf zu arbeiten. Um seine Scheinexistenz finanzieren zu können, veruntreut er Gelder von Freunden und ehemaligen Kollegen. Aurélien Recoing spielt den bizarren Hochstapler mit unglaublicher Unterkühltheit, die hervorragend mit den kühl fotografierten, fast stilisierten Bildern korrespondiert. Ein eigenes Universum von Autobahnen, Raststätten, Einbauküchen, gläserne Großraumbüros und Hotelfoyers entsteht, in dem ein Mann von der Freiheit träumt, auch wenn darin Niederlage und Triumph ununterscheidbar werden. Inspirationsquelle für den Film war ein spektakuläres Drama, das 1993 in einem französischen Dorf kulminierte. 18 Jahre lang hatte ein Mann seine Familie belogen, von Reisen durch die ganze Welt berichtet, während er seine Zeit meist auf Waldwanderungen verbrachte. Als seine Scheinexistenz zusammenbrach, tötete er seine Frau, seine beiden Kinder und seine Eltern. Er selbst vergiftete sich und legte ein Feuer, wurde jedoch gerettet.

Die Klasse

FRA

2008

Laurent Cantet

François Bégaudeau, Vincent Caire, Rachel Régulier

ENTRE LES MURS basiert auf einem Roman von François Bégaudeau, der selber Lehrer war und die Hauptfigur spielt, den Klassenlehrer François. Der Film widersetzt sich jeder Festlegung auf das Klischee Migrantenkinderproblemschulenfilm” und erzählt nur vom ganz normalen Wahnsinn, der in einer normalen Schule mit normalen Lehrern und Schülern abläuft, von der Hilflosigkeit auf allen Seiten und von dem Ehrgeiz aller, sich von den Umständen nicht fertigmachen zu lassen. Dabei erreicht er eine unglaubliche Spannung und Intensität. Nach einhelliger Auffassung hochverdient gewann ENTRE LES MURS 2008 die Goldene Palme in Cannes. ENTRE LES MURS ist in Mannheim, wo Schulklassen ähnlich vielfältig zusammengesetzt sind, nun erstmalig in OmU im Kino zu sehen. Endlich muss man sich nicht mehr fragen, warum François eigentlich Deutsch spricht, wenn, aufgrund des Tafelbildes jederzeit sichtbar, die französische Sprache Gegenstand seines Unterrichtes und der Diskussion mit den Schülern ist. Neben Grammatiklektionen und Annäherungen an so etwas Exotisches wie ein Gedicht stehen die ganz großen Fragen im Raum: „Wer bin ich?”, „Wie siehst du mich?” und „Was bildest du dir eigentlich ein?”.

Ressources Humaines

F

1999

Laurent Cantet

Jalil Lespert, Jean-Claude Vallot

Frank hat in Paris Betriebswirtschaft studiert und kehrt jetzt in seine Heimatstadt in der Provinz zurück, um ein Praktikum in der Firma zu machen, in der sein Vater seit 30 Jahren an der Maschine steht. Voller Eifer stürzt er sich in eine Umfrage zur Einführung der 35-Stunden-Woche, doch Gewerkschaftsvertreter und Arbeiter begegnen ihm mit Misstrauen. Als Frank durch Zufall erfährt, dass seine Arbeit der Umstrukturierung des Betriebs dient und Entlassungen zur Folge haben wird, von denen auch sein Vater betroffen ist, organisiert er einen Streik. Ausgerechnet bei seinem Vater, der den Aufstieg seines Sohns voller Stolz verfolgt und dessen Karriere gefährdet sieht, stößt er auf taube Ohren. RESSOURCES HUMAINES wurde in Frankreich von Publikum und Kritik mit großer Zustimmung aufgenommen und im Februar letzten Jahres mit zwei Césars ausgezeichnet: für Jalil Lespert als Nachwuchsschauspieler und als bester Debütfilm. „Eine packende Geschichte über Arbeitsethik und Aufsteigermentalität, Anpassung und Widerstand. Überzeugend und subtil vermittelt sie den Riss, den sozialer Aufstieg innerhalb eines Mikrokosmos hinterlassen kann.“ (film-dienst)

Die Eiche - Mein Zuhause

FRA

2022

Laurent Charbonnier, Michel Seydoux

210 Jahre! So alt ist die Eiche, die in dieser beeindruckenden Naturdokumentation im Mittelpunkt steht. Ihr Alltag ist alles andere als statisch und langweilig. Tiere aller Arten – von Ameise bis Eichhörnchen, von Rüsselkäfer bis Eichelhäher, von Feldmaus bis Wildschwein – sie alle tummeln sich in und um den alten Baum. Wie in jeder Gemeinschaft kommt es auch hier zu spannenden Begegnungen…
Gekonnt verwenden die Regisseure die filmischen Mittel der Bildkomposition und -montage, um das Naturgeschehen bis ins kleinste Detail zu erfassen (mit Hilfe von Mikrokameras!). Der Film kommt ganz ohne belehrende Erzählerstimme aus. Die subtile Tongestaltung konzentriert sich vor allem auf die natürliche Geräuschkulisse.
Alles in allem ein besonderes Hör- und Seherlebnis, das in bester Auflösung auf unserer großen Kinoleinwand mit Surroundsound von Groß und Klein voll ausgekostet werden kann.
Eintritt: 5 € für alle

Lola und das Meer

BEL/FRA

2019

Laurent Micheli

Mya Bollaers, Benoît Magimel, Els Deceukelier, Sami Outalbali, Jérémy Zagba

Lola ist 18, hat pinke Haare und macht gerade ihr Diplom als Veterinär-Assistentin. Als ihre Mutter Catherine stirbt, sorgt ihr Vater Philippe dafür, dass sie die Trauerfeier verpasst. Denn zwei Jahren zuvor hatte Philippe den Kontakt zu Lola abgebrochen: Zu dieser Zeit war Lola noch Lionel, und Philippe kann bis heute das Trans-Outing seines Kindes nicht akzeptieren. Doch Lola ist entschlossen, ihrer Mutter den letzten Wunsch zu erfüllen: Catherine wollte unbedingt in den Dünen ihres Elternhauses an der belgischen Küste beigesetzt werden – und zwar von Philippe und Lola zusammen. Widerwillig machen sich Vater und Tochter auf die gemeinsame Reise.
Für ihre einfühlsame Darstellung in diesem emotionalen Roadmovie voller feiner Überraschungen wurde Mya Bollaers als erste offene Trans-Person mit dem belgischen Filmpreis Magritte ausgezeichnet.
Einführung: Sophie Rudolph, Institut Français Mannheim

Heart of a Dog

USA/FRA

2015

Laurie Anderson

Die Performance-Künstlerin Laurie Anderson, seit Jahrzehnten Star der New Yorker Subkultur, knüpft in diesem Film Erinnerungen, Träume und Beobachtungen zu Amerika nach 9/11 an den Tod ihres geliebten Hundes. Erst stirbt der Hund, dann die Mutter, dann der Mann, der Sänger und Gitarrist Lou Reed. Anderson wurde harsch mit den großen Fragen konfrontiert: Was soll der Tod? Wozu die Liebe? Wohin geht das Leben? Die filmischen Bilder zu diesen wohl philosophischsten aller Fragen illustrieren das Gesagte und werden trotzdem einem eigenen ästhetischen Anspruch gerecht. Anderson hat einen Film gedreht, bei dem man zu ihrer Stimme auf einem beruhigenden Soundteppich aus Synthies floatet, der in atmosphärisch dichten 70 Minuten ein Erinnerungs- und Reflexionsfeuerwerk abfackelt, das das extrem Persönliche zu einem allgemeingültigen existentiellen Ratgeber zu machen versucht. Ein Versuch, der geglückt ist. „Ein wunderbarer Film.“ (Die ZEIT)

Ungeduld des Herzens

DEU

2025

Lauro Cress

Ladina von Frisching, Giulio Brizzi, Livia Matthes, Thomas Loibl

Ein Bowlingabend, ein Missverständnis – und ein Moment, der zwei Leben verändert. Um einer Frau zu imponieren, fordert der junge Bundeswehrsoldat Isaac deren Schwester Edith zum Spiel auf. Etwas zu robust – denn sie sinkt schlaff zu Boden. Erst jetzt bemerkt Isaac Ediths Rollstuhl… Beschämt sucht Isaac die Nähe der Frau, die er verletzt hat. Doch je stärker Isaac versucht, Edith „zu heilen“, desto tiefer verstricken sich beide in ein Geflecht aus Schuld, Selbsttäuschung und Sehnsucht.

Was als Geste des Mitgefühls beginnt, wird zur gefährlichen Versuchung, sich als Retter zu fühlen: Lauro Cress verlegt Stefan Zweigs gleichnamigen Roman über Mitleid und moralische Überforderung in Form eines intensiven Psychodramas in die Gegenwart – beim Max Ophüls Preis Saarbrücken als bester Film und für den besten Schauspielnachwuchs ausgezeichnet.

Norte, the End of History

PHL

2013

Lav Diaz

Angeli Bayani, Sid Lucero

Dostojewskis Schuld und Sühne trifft auf poetischen Realismus. Ein verbitterter Jurastudent begeht einen brutalen Doppelmord; ein Familienvater muss seinen Kopf dafür hinhalten und bekommt eine harte Gefängnisstrafe, seine Frau streift mit den beiden Kindern übers Land auf der Suche nach einer Art Erlösung. Lav Diaz verwebt in NORTE die verschiedenen Erzählstränge zu einem fulminanten, anspielungsreichen und spannenden Gesellschaftsroman, in dem die individuellen Schicksale der Protagonisten den Spiegel bilden für eine in den Jahrhunderten des Kolonialismus und den Jahrzehnten der Diktatur beschädigte Gesellschaft. Lav Diaz ist ein Meister des Erzählens und momentan sicherlich einer der herausragenden Persönlichkeiten des Autorenkinos. Seine Filme finden weltweit große Beachtung und wurden bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
In Cannes 2013 wurde NORTE als einer der wichtigsten Filme des Festivals gefeiert.
Mitgliederaktion: am 29.01. Eintritt für Cinema Quadrat-Mitglieder frei!

The Woman Who Left

PHL

2016

Lav Diaz

Charo Santos-Concio, John Lloyd Cruz, Michael De Mesa, Nonie Buencamino

1997. Horacia sitzt seit 30 Jahren wegen Mordes im Gefängnis. Dann tauchen neue Beweise auf, die ihre Unschuld beweisen – und die Schuld ihres reichen Liebhabers aus Jugendtagen. Horacia ist nun eine freie Frau, doch die Jahrzehnte haben ihr alles genommen. Was ihr bleibt, ist die kalte Wut auf den Mann, der sie einst ins Gefängnis brachte. Während sie ihm nachspürt, lernt Horacia weitere Nachtgestalten kennen: eine transsexuelle Prostituierte, eine von Dämonen geplagte Obdachlose und einen buckligen Eierverkäufer. Ihnen wird sie zur großherzigen Freundin – und sie wartet geduldig auf ihre Gelegenheit zur Rache.
Dem philippinischen Meisterregisseur Lav Diaz gelingt ein visuell überwältigendes, archaisches und tief menschliches Drama über Schuld und Solidarität, Absolution und Rache. Diaz, bekannt für seine überlangen, epischen Filme, ließ sich für diese poetische Rachestory, in schwarz-weiß gefilmt, von einer Kurzgeschichte Leo Tolstois inspirieren. Der Film gewann den Goldenen Löwen von Venedig.

Son of Cornwall – Der Tenor John Treleaven

DEU

2020

Lawrence Richards

Startenor John Treleaven hat es als Opernsänger aus einem kleinen Fischerdorf in Cornwall auf die großen Bühnen der Welt geschafft. In Rollen wie Siegfried, Tristan oder Peter Grimes begeisterte er viele Jahre lang das Publikum an Opernhäusern wie der Royal Opera House Covent Garden und der English National Opera in London, war engagiert in Wien, Tokio und Los Angeles, auch in Mannheim (wo er sein Deutschland-Debüt gab). In diesem mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilm porträtiert Dokumentarfilmer Lawrence Richards seinen Vater John Treleaven: Wie ist es, wenn man sein Talent entdeckt? Wie bringt man seine Persönlichkeit ein in einer Operninszenierung? Und wie ist das Verhältnis zwischen internationaler Karriere und der Familie zuhause? Entlang der Küste von Cornwall lassen Vater und Sohn die Opern-Laufbahn Revue passieren, sprechen darüber, was zum künstlerischen Schaffen antreibt und welche Opfer Treleaven wie auch sein Sohn Lawrence aufbringen mussten.
In Anwesenheit von Regisseur Lawrence Richards

Le Voyage de Talia

BEL

2022

Christope Rolin

Aminata Sarr, Nadège Bibo-Tansia, Oumy Sow

Talia ist Europäerin. Sie lebt in Belgien, spricht die Sprache und ist fester Teil der Gesellschaft. Ihre Wurzeln liegen im Senegal, den sie selbst noch nie gesehen hat. Eine Reise nach Dakar soll sie näher mit dem Land ihrer Vorfahren in Verbindung bringen, doch vor Ort findet sie nur eine leere Villa vor, die ihrer Familie gehört. Ohne Orientierung wandert Talia durch ein fremdes Heimatland, bis sie auf Malika trifft, eine geheimnisvolle fliegende Vogelhändlerin. Der belgische Independent-Film zeigt die zunehmend schwierige Aufgabe einer modernen Generation junger Europäer*innen vom Suchen und Finden der eigenen Identität, die oft parallel zum ohnehin schwierigen Erwachsenwerden stattfindet. Es ist der erste Langfilm des belgischen Regisseurs Christophe Rolin.

Ava

FRA

2017

Léa Mysius

Noée Abita, Laure Calamy, Juan Cano, Tamara Cano

Die dreizehnjährige Ava verbringt den Sommer mit ihrer Familie an der französischen Atlantikküste. Salz in den Haaren, gegen die Sonne blinzeln, tropfende Badeanzüge, Pommes Frites und Eis. Doch der schöne Schein trügt, denn Ava weiß, sie wird in Kürze erblinden. Dennoch stürzt sie sich voll Lust und Lebensfreude in ihr Abenteuer Jugend. Wild und ungestüm, mal sonnendurchflutet, mal dunkel ist dieser Film, impressionistisch inszeniert und immer wieder in mythische Gefilde ausbrechend: Das vielversprechende Debüt von Léa Mysius, die in Cannes für ihr Drehbuch ausgezeichnet wurde. Im Mittelpunkt: Noée Abita, die Ava mit Haut und Haaren verkörpert auf ihrer Reise durch den Sommer, durch die Emotionen, durch die Pubertät

The Five Devils

FRA

2022

Léa Mysius

Adèle Exarchopoulos, Sally Dramé, Swala Emati, Moustapha Mbengue

Die siebenjährige Vicky lebt mit ihren Eltern in einem Bergstädtchen am See „Les Cinq Diables“. Sie hat eine magische Gabe: Sie kann jeden beliebigen Duft reproduzieren und sammelt Gerüche in sorgfältig beschrifteten Gläsern. So hat sie auch den Duft ihrer Mutter eingefangen, die sie exzessiv liebt. Mit Ankunft der Schwester ihres Vaters aber wird Vicky durch deren Geruch in dunkel-archaische Rückblenden versetzt: Zwischen ihrer Mutter und ihrer Tante ist nicht alles so, wie es scheint.
Léa Mysius verbindet in ihrem Film auf packende Weise Konzepte von Identität, Sexualität und Mystik mit Motiven von Zeitreise – und die Darstellung der Mutter durch Adèle Exarchopoulos (BLAU IST EINE WARME FARBE) ist eine naturgewaltige Wucht.

Emporte-moi

Kanada

1999

Léa Pool

Karine Vanasse, Pascale Bussières

Quebec in den frühen 60er Jahren: Die heranwachsende Hanna muß sich mit den Widrigkeiten des Teenager-Daseins und dem konfliktbeladenen Alltag in ihrer jüdisch-katholischen Familie auseinandersetzen. Trost und Inspiration findet die eigensinnige Heldin ausgerechnet in frühen Filmen Godards – aber ob Anna Karina wirklich ein geeignetes role-model ist?

The Drover´s Wife - Die Legende von Molly Johnson

AUS

2021

Leah Purcell

Leah Purcell, Rob Collins, Jessica De Gouw, Sam Reid

Im Jahr 1893 in der rauen Landschaft der Snowy Mountains im australischen Outback sind die Hierarchien klar: Mann über Frau, Weiß über Schwarz. Doch gerade hier ist die hochschwangere Molly Johnson mit ihren Kindern auf einer Farm komplett auf sich allein gestellt. Ihr Mann ist seit Monaten fort zum Viehtrieb im Hochland. Bewaffnet mit einem Gewehr, einem Überlebenswillen aus Stahl und dem Beschützerinstinkt einer Mutter ist Molly bereit, alles für ihre Kinder und ihr Überleben zu tun. In der nahen Siedlung freilich muss sich der neue Polizeichef erst an die ungeschriebenen Regeln der Gegend gewöhnen, als er es mit einem schrecklichen Mordfall und der Fahndung nach einem geflohenen Aborigine zu tun bekommt. Und als Molly auf ihrem Grundstück einen verwundeten Aborigine findet, kommt es zur tödlichen Auseinandersetzung.
Als Regisseurin, Drehbuchautorin und Hauptdarstellerin inszeniert Leah Purcell – selbst mit Aborigine-Wurzeln – einen hochspannenden Australien-Western: „Leah Purcells indigene, feministische Neuinterpretation von Henry Lawsons bekannter Kurzgeschichte [aus dem Jahr 1892] ist ein Schuss zwischen die Augen einer weißgetünchten Fabel.“ (The Guardian)

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