Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Reise nach Jerusalem

DEU

2018

Lucia Chiarla

Eva Löbau, Veronika Nowag-Jones, Axel Werner, Beniamino Brogi

Alice: 39 Jahre, Single, arbeitslos. Sie ist freiberufliche Redakteurin, krebst herum zwischen Jobabsagen und Bewerbungstraining und lebt von Benzingutscheinen, die sie in obskuren Marktforschungsprojekten bekommt. Und immer bemüht sie sich verzweifelt, nach außen als erfolgreiche Freelancerin zu erscheinen. Bis alles zusammenkracht, nicht nur der Vorderzahn (und ihre Krankenversicherung ist natürlich schon lange perdu).
Das Leben als „Reise nach Jerusalem“: Wie im Kindergeburtstagsspiel, bei dem einem immer der letzte Platz weggeschnappt wird, gerät Alice immer tiefer in Erniedrigung und Selbstdemütigung. Lucia Chiarla, 2005 aus Italien nach Berlin gezogen, hat ihren Film ohne Förderung, mit geringem Budget und hohem Eigenengagement gedreht – man kann nur ahnen, dass die Regisseurin weiß, wovon sie erzählt: „Ein großartig gruseliges Drama mit einer grandiosen Eva Löbau.“ (Süddeutsche Zeitung)

Franco vor Gericht: Das spanische Nürnberg?

DEU/ESP

2018

Lucía Palacios, Dietmar Post

Historiker schätzen die Zahl der Opfer des Regimes von Francisco Franco auf rund 140.000 Menschen. Doch lange Zeit wurden die systematischen Gräueltaten in Spanien nicht aufgearbeitet, die Verantwortlichen nicht vor Gericht gestellt. 2010 reichten einige Opfer in Buenos Aires Klage ein, die Untersuchungsrichterin María Servini stellte 24 internationale Haftbefehle aus. Der Dokumentarfilm stellt die argentinische Klage in den historischen und juristischen Kontext und stellt die Frage, ob es zu einer spanischen Version der Nürnberger Prozesse kommen kann.
Einführung: María José Carrión, Universität Mannheim
Anschließend Filmgespräch mit Dietmar Post
In Kooperation mit dem Romanischen Seminar der Universität Mannheim und ABSOLVENTUM

Alice und das Meer

FRA

2014

Lucie Borleteau

Ariane Labed, Melvil Poupaud, Anders Danielsen Lie

Alice ist zweite Mechanikerin auf dem Frachter Fidelio – wo ausgerechnet ihr Verflossener ihr Vorgesetzter ist. Doch Alice, die die Freiheit des Meeres sucht, ist zugleich gebunden, denn an Land wartet ihr Freund, den sie leidenschaftlich liebt…
Eine Frau, die sich in einer Männerdomäne behauptet, die die Möglichkeiten des Lebens, der Beziehungen und der Sexualität in einer ungewöhnlichen Umgebung für sich erkundet, dreht die Konventionen des Seefahrts-Abenteuerfilms um. In Lucie Borleteaus Debütfilm tut sich in der unendlichen Weite der See eine Parallelwelt auf, in der Alice zwischen Selbstsuche und Selbstbestimmung ihren Weg navigieren muss auf ihrer ganz persönlichen emotionalen Odyssee.

Mein Leben: Ein Tanz

ESP

2016

Lucija Stojevic

Antonia Santiago Amador war unter dem Namen "La Chana" eine der großen Stars in der Flamenco-Welt. Weltweit begeisterte sie das Publikum in den 60er und 70er Jahren mit ihrem einzigartigen Tanzstil. Salvador Dalí war ein glühender Verehrer, und Peter Sellers, mit dem sie zusammen in BOBO IST DER GRÖSSTE (1967) zu sehen war, lud sie zu sich nach Hollywood ein. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere verschwand La Chana jedoch plötzlich von der Bildfläche. Nach 30 Jahren Bühnenabstinenz beginnt die Flamenco-Ikone, aus Liebe zum Tanz, mit der Arbeit an ihrem Comeback und schenkt dem Zuschauer einen tiefen und doch kurzweiligen Einblick in ihr Leben, auf und hinter der Bühne.

Drunken Noodles

USA/ARG

2025

Lucio Castro

Laith Khalifeh, Ezriel Kornel, Matthew Risch, Joél Isaac

Heiße Sommernächte in Brooklyn – Kunststudent Adnan ist in der Stadt, um die Wohnung seines Onkels zu hüten. Er hat nächtliche sexuelle Begegnungen mit einem Essenskurier, er jobbt in einer Kunstgalerie, wo die verspielt-queer-expliziten Stickereien des älteren Künstlers Sal ausgestellt werden. Mit Sal hatte Adnan ein Jahr zuvor eine zärtliche Affäre – Vergangenheit und Gegenwart verflechten sich, zwischen Hook-Ups am Spielplatz und dem Rauschen der Stadt, zwischen funkelnden Häuserschluchten und einer Hütte mitten im Wald entführt der Film sein Publikum aus dem Driften durch New York in die sommernachtträumerischen Gefilde des Verwunschenen: Dort liegt im Sex so viel Bedeutung wie in der Kunst, dort kann man sich fallenlassen und einfach genießen.

Eine der großen Entdeckungen des Filmfestivals in Cannes 2025!

End of the Century

ARG

2019

Lucio Castro

Juan Barberini, Ramón Pujol, Mía Maestro, Helen Celia Castro-Wood.

Ocho, argentinischer Dichter, trifft in Barcelona Javi. Nach mehreren missglückten Annäherungen kommt es zu einem heißen One-Night-Stand – der aber alles andere als unverbindlich bleibt. Denn allmählich bemerken Ocho und Javi, dass sie sich 20 Jahre zuvor schon einmal getroffen haben…
In knapp eineinhalb Stunden entfaltet der Film eine epische, Jahrzehnte übergreifende Liebesgeschichte über die Lebensentwürfe – laut IndieWire „der beste schwule Film des Jahres“.

La Ciénaga - Der Morast

RA

2001

Lucrecia Martel

Graciela Borges, Mercedes Morán, Martin Adjemian, Diego Baenas, Silvia Baylé

Hochsommer im Nordwesten Argentiniens. Brütende Hitze und tropische Gewitter haben die Landschaft in einen einzigen Morast verwandelt. Hier verbringt Mecha, ein Frau Mitte 50 mit einem eitlen Mann und vier Kindern zusammen mit der Familie ihrer Cousine Tali den Sommer auf ihren Landsitz. Die lähmende Monotonie des Alltags ist leicht mit ein bißchen Alkohol fortgespült, und so entwickelt sich am Rande des verdreckten Pools dumpfe Mischung aus Hitze, Langeweile und Aggression. Die junge Argentinierin Lucrecia Martel schuf mit ihrem Debüt ein Panorama vom Untergang einer dekadenten Gesellschaft. Ein Untergang ohne Eile, aber auch ohne Zeit zum Luftholen. Mit wenigen, skizzenhaften Einstellungen beschwört sie eine unheilschwangere Stimmung herauf. Unausgesprochene Tabus lähmen die Kommunikation zwischen den Menschen, deren Weltanschauung und latenter Rassismus bezeichnend für eine ganze Gesellschaftsschicht ist. Wie in einem Sumpf stecken sie fest, unfähig, ihre Positionen zu ändern und dem drohenden Unheil zu entkommen. Die Homepage des Verleihs: www.pegasosfilm.de

Zama

ARG/BRA/ESP/FRA/NLD

2017

Lucrecia Martel

Daniel Giménez Cacho, Lola Duenas, Matheus Nachtergaele, Juan Minujín

Don Diego de Zama, ein in Südamerika geborener Offizier der Spanischen Krone, sitzt in einem Provinzkaff an der Küste fest. Tagtäglich wartet er auf seine Versetzung nach Buenos Aires und befolgt untertänigst jede Anweisung, um ja kein Fehlverhalten an den Tag zu legen. Doch während die Gouverneure kommen und gehen, bleibt der ersehnte Brief des Königs aus. Nach Jahren der Warterei hat Zama genug, und er tritt einer Soldatentruppe bei, die hinter einem gefährlichen Banditen her ist.
Die argentinische Meisterregisseurin Lucrecia Martel bietet in ihrem ans surreale grenzende Historiendrama Einblicke in Kolonialismus und Klassendynamiken – vor allem aber porträtiert sie einen Charakter zwischen Statusbewusstsein, Selbsttäuschung und Lethargie in einem so geheimnisvollen wie banalen Südamerika

Una noche - Eine Nacht in Havanna

CUB/USA

2012

Lucy Mulloy

Dariel Arrechaga

Elio und Raul sind Zwillingsbrüder, aufgewachsen in Havanna. Aber sie wollen weg: nach Florida. Zwar lieben sie ihre Heimat mit ihrer Magie und Einzigartigkeit sehr, fühlen sich aber auch eingesperrt und haben scheinbar für sich keine Perspektive. Darum wagen sie mit einer Freundin die Flucht, die gefährliche Fahrt übers Meer wie so viele Landsleute zuvor. Sie basteln ein Floss aus Autoreifen und Brettern…

Waste Land

GBR/BRA

2010

Lucy Walker

Auf einer gigantischen Müllkippe am Rande der Mega-City Rio de Janeiro sortieren ganze Gruppen von Männern und Frauen in schlecht bezahlter und nicht ungefährlicher Arbeit den Abfall von Millionen Menschen. Der international anerkannte brasilianische Fotograf Vik Muniz, selbst Sohn armer Leute aus São Paolo, hatte die Idee zu einem eigenwilligen Kunstprojekt: Er begann, mit ihnen gemeinsam berühmte Gemälde der europäischen (!) Kunstgeschichte aus Abfall nachzulegen – aus Plastikplanen, Drahtresten, Konservenbüchsen, Lumpen und Papierfetzen. Muniz’ Fotografien dieser riesigen, beeindruckenden Müllcollagen nach Werken großer Meister wurden ausgestellt und zum Verkauf angeboten; der Erlös sollte den Müllsammlern, den „Catadores“, zu Gute kommen. Geht der Plan auf? Verhilft der bekannte Fotograf den auf der Müllkippe Arbeitenden zu einem menschenwürdigen Leben? Oder sind sie nur Teil eines medienwirksamen Projektes, mit dem Muniz sich selbst feiert?
Begleitprogramm zur Sonderausstellung der Kunsthalle „Konstruktion der Welt. Kunst und Ökonomie“
Einführung: Dr. Dorothee Höfert

Ich bei Tag und du bei Nacht

DEU

1923

Ludwig Berger

Käthe von Nagy, Willy Fritsch, Amanda Lindner, Julius Falkenstein, Ida Wüst

Grete arbeitet in einem Maniküre-Salon, Hans ist Kellner in einem Nachtlokal. Beide bewohnen dasselbe Miet-Zimmer: Er bei Tag, sie bei Nacht. Gesehen haben sich die beide noch nicht, hegen aber große Abneigung zueinander: Immer ist irgendwas in Unordnung. Dann lernen sie sich kennen, ohne zu wissen, dass sie das Zimmer teilen… Die originelle Komödie spielt doppelbödig mit den Glücksversprechen des Kinos im Kontext der Wirtschaftskrise: Die Protagonisten mit den märchenhaften Namen Hans und Grete sehnen sich nach der Liebe, wie sie auf der Leinwand zu sehen ist, wenn man sonntags ins Kino geht.
Noch bis Januar blickt die Reihe „Tonfilme des Weimarer Kinos“ zurück auf die Goldene Zeit, als die deutsche Filmkunst zu den besten der Welt zählte – in einer Zeit des technischen Umbruchs, als sich der Tonfilm durchsetzte, und in einer Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs und der politischen Radikalisierung.
Einführung: Harald Mühlbeyer

Schwarzer Zucker, rotes Blut

DEU

2024

Luigi Toscano

Dokumentarfilm

Der Mannheimer Fotograf und Filmemacher Luigi Toscano forscht nach der Herkunft von Anna Strishkowa aus Kyjiw. Sie ist ein Kleinkind, als sie am 4. Dezember 1943 an der Rampe von Auschwitz steht. Weder kennt sie die Namen ihrer Eltern, noch weiß sie, woher sie stammt. Toscano lernte sie 2015 im Rahmen seines Fotoprojektes „Gegen das Vergessen“ – über 400 Porträtbilder von Holocaust-Überlebenden – kennen. Seither lässt ihn das Schicksal von Anna Strishkowa nicht los. Die Spurensuche nach Annas Herkunft führt ihn von Auschwitz in das weißrussische Dorf Pronino, zum Lager Potulice-Lebrechtsdorf in Polen, nach Kyjiw und Drohobytsch in der Ukraine bis nach Unna in Nordrhein-Westfalen. „Was er im Laufe seiner zähen, zudem vom ausbrechenden Krieg in der Ukraine überschatteten Recherche herausfindet, ist erstaunlich und erschütternd, die Reaktionen der alten Dame gehen zu Herzen.“ (Tagesspiegel)

Dieses obskure Objekt der Begierde

FRA/ESP

1977

Luis Buñue

Fernando Rey, Carole Bouquet, Ángela Molina, Julien Bertheau

Der gut situierte bürgerliche Geschäftsmann Mathieu ist besessen vom jungen Hausmädchen Conchita: Seit er sie bei sich angestellt hat und noch lange, nachdem sie gekündigt hat, stellt er ihr nach. Sie lässt seine Annäherungsversuche zu – und stößt ihn dann wieder ab. Er hechelt hinter ihr her, sie spielt mit ihm. Er begehrt sie, sie lässt sich begehren – und verweigert die Erfüllung, die Mathieu so obsessiv liebestoll sucht.
Der letzte Film von Luis Buñuel gilt als einer seiner besten: Ironisch faltet er Männlichkeit und Bourgeoisie zusammen bei dieser Jagd nach einem erotischen Trugbild. Der geniale Clou dabei: Buñuel lässt Conchita von zwei Schauspielerinnen darstellen, zwischen sinnlicher Verführerin und kühler Intellektueller.

Belle de jour

FRA

1967

Luis Buñuel

Catherine Deneuve, Jean Sorel, Michel Piccoli, Geneviève Page

Severine Serizy ist eine junge schöne Pariser Bürgersfrau und glücklich verheiratet mit ihrem Mann Pierre. Sie liebt ihn, jedoch gibt es für sie ein Problem, mit dem sie sich nicht zufrieden geben kann: nämlich im Bett mit Pierre, der ihre Bedürfnisse nicht erfüllt. Sie begibt sich lieber in erotische Tagträume, geprägt von Fesselspielen und Demütigungen. Als selbst dies nicht für Severine ausreicht, beginnt sie, tagsüber als Prostituierte zu arbeiten. Dort trifft sie auf viele Freier, welche vernarrt in sie sind. Und stets ist ihr Doppelleben in Gefahr, aufzufliegen.

Das Gespenst der Freiheit

ITA/FRA

1974

Luis Buñuel

Michel Pic coli, Monica Vitti, Jean-Claude Brialy

Im Februar gibt uns Helmut van der Buchholz vom buero für angewandten realismus aus der unglaublichen Nachbarstadt Ludwigshafen die Ehre. Der 1965 geborene Ausnahmekünstler wird uns alles über das Wahnsinnsbuero und seine Aktivitäten berichten – vom Kegeln über die Kunstweltmeisterschaft hin zum jährlichen Festivals des schlechten Geschmacks ‚Niveau unter Null’. Dass Helmut van der Buchholz seine Brötchen als Architekt verdient, ist weniger geläufig, seine Aktionen als Maler, Musiker und Performer hingegen wird man nie mehr vergessen! Sein Lieblingsfilm ist: DAS GESPENST DER FREIHEIT. Szenisch aneinandergereihte Bilder einer verkehrten, aus den Fugen geratenen Welt: Eine Abendgesellschaft, die sich zur gemeinsamen Verdauung versammelt – statt auf Stühlen sitzen sie auf WCs, während das Essen verschämt auf einem stillen Örtchen eingenommen wird; Mönche beten zunächst für einen Sterbenden und verpokern anschließend ihre Devotionalien. Und so weiter. „Sprengstoff in einer Pralinenschachtel verpackt“ (Hans Blumenberg)

Der diskrete Charme der Bourgeoisie

FR/ITA/ESP

1972

Luis Buñuel

Fernando Rey, Michel Piccoli

Der Botschafter Rafaele will sich mit Freunden zu einem Essen treffen. Aber immer kommt etwas dazwischen, und die Störungen werden immer abstruser: Mal sind die Gäste einen Tag zu früh dran, dann ist der Restaurantbesitzer tot. Kein anderer Regisseur hat sich so konsequent provokativ mit dem zivilisierten, bürgerlichen Leben in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auseinandergesetzt wie der Spanier Luis Buñuel.

El Angel Exterminador

MEX

1962

Luis Buñuel

Jacquline Andere, Jose Baviera, Augusto Benedicto

Knapp zwei Dutzend Leute, Frauen und Männer der besten Gesellschaft, kultiviert und elegant, reich und verwöhnt, folgen nach einer Theaterpremiere der Einladung des Aristokraten Nobile zu einer Party in seinem Haus. Man unterhält sich, isst und trinkt, amüsiert sich. Doch niemand macht Anstalten den Salon zu verlassen, obwohl die Party längst vorbei ist. Irgendwann aber muß es sein, bei dem einen oder anderen. Doch es geht nicht über eine bestimmte Linie hinaus, obwohl alle Türen offen stehen, und deshalb wählt man als Notlösung für die Notdurft einen Wandschrank. Aus einem anderen Wandschrank quillt einige Tage und Nächte später das Blut eines Liebespaars, das sich die Adern aufgeschnitten hat : hatten sie Angst das Haus Nobile nie wieder verlassen zu können, oder davor das Haus Nobile und den Wandschrank ihrer Liebe verlassen zu müssen?

L'age D'or (das Goldene Zeitalter) + Land Ohne Brot

FRA

1930

Luis Buñuel

Gaston Modot, Lya Lys, Max Ernst, Pierre Prévert

„L‘ ÂGE D‘OR ist der einzige Film meiner Karriere, den ich in einem Zustand von Euphorie Enthusiasmus und Zerstörungsrausch drehte, in dem ich Vertreter der ‘Ordnung’ angreifen und ihre ‘ewigen’ Prinzipien lächerlich machen wollte ; mit diesem Film wollte ich absichtlich einen Skandal herbeiführen. Die Begeisterung, von der ich damals besessen war, habe ich seither niemals wieder gefunden, ebenso wenig wie die Gelegenheit, mich noch einmal in so vollkommener Freiheit ausdrücken zu können. Es war die damalige Epoche, die einen solchen Geisteszustand hervorbrachte, und ich fühlte mich nicht allein: die ganze Gruppe der Surrealisten stand hinter mir. (…)“ (Luis Buñuel)

Le Fantôme De La Liberté

FRA

1972

Luis Buñuel

Adriana Asti, Julie Bertheau, Jean-Claude Brialy

Szenisch aneinandergereihte Bilder einer verkehrten, aus den Fugen geratenen Welt: Eine Abendgesellschaft, die sich zur gemeinsamen Verdauung versammelt – statt auf Stühlen sitzen sie auf WCs, während das Essen verschämt auf einem stillen Örtchen eingenommen wird; Mönche beten zunächst für einen Sterbenden und verpokern anschließend ihre Devotionalien. Und so weiter. „Nieder mit der Freiheit!“ rufen zu Beginn des Films die Spanier im Toledo des Jahres 1808. Denselben enthusiastischen Ruf hört man am Ende, als ein Polizeipräfekt und dessen Doppelgänger im Zoo von Vincennes neue Käfige besichtigen. Buñuel denunziert die Rituale des Bürgertums durch ihre Verkehrung – die Anti-Phrase legt die Phrase bloß. „Sprengstoff in einer Pralinenschachtel verpackt“ (Hans Blumenberg)

Los Olvidados

MEX

1950

Luis Buñuel

Die großen Städte der Zivilisation bergen im Schatten ihrer stolzen Prachtbauten Elendsviertel, in denen Jugendliche in Schmutz, Hunger und Not aufwachsen. Unter dem Zwang dieser Verhältnisse werden sie dem Verbrechen ausgeliefert. Das ist der Ausgangspunkt für Buñuels Film. Es ist die Geschichte des kleinen Pedro, der gegen den Zufall, das Unglück und das Verbrechen ankämpft, verkörpert in seinem Gegenspieler Jaibo. Als er aufhört, sich ihnen zu beugen, hat er das Verhängnis in Schicksal verwandelt und seinen eigenen Tod besiegelt.

Monatsprogramme PDF

Open Air

[ti_openair]
WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner