Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Come pecore in mezzo ai lupi - Schafunter Wölfen

ITA

2023

Lyda Patitucc

sabella Ragonese, Andrea Arcangeli, Carolina Michelangeli, Gennaro Di Colandrea, Aleksandar Gavranić, Alan Katić

Stefania ist eine toughe Polizistin und Expertin für Spezialaufträge. Ihr harter, scheinbar undurchdringlicher Charakter wurde geprägt durch ihren Beruf und eine schmerzhafte Familiengeschichte. Als Undercover Agentin hat sie gerade das Vertrauen einer Bande serbischer Schwerkrimineller gewonnen, die mitten in Rom einen Überfall planen. Plötzlich bekommt der Fall für sie persönlich eine ganz neue Dimension, als sie ihren jüngeren Bruder Bruno, zu dem sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte, im Kreis der Gangster entdeckt. Die Situation spitzt sich immer mehr zu.

Dieser packende, extrem spannende Thriller ist das Regiedebut der jungen Lydia Patucci und zugleich ein aufregend zeitgemäßer, feministischer Beitrag zum typisch italienischen Genre des poliziesco, des Polizeifilms.

Lyda Patitucci über ihren Film:
Für mich ist Kino in erster Linie Emotion, und mit COME PECORI IN MEZZO AI LUPI wollte ich die übliche Männerdomäne des Polizeithrillers aus weiblicher Perspektive erobern. Das ist die Art von Filmen, die ich liebe und die ich machen will, durch sie versuche ich Gefühle zu erleben und auszudrücken. Das Wichtigste in diesem Film sind die Figuren. Ich habe versucht, die Protagonisten dieser Geschichte so zu erzählen, wie sie sind: mit einem trockenen, direkten, ehrlichen, rohen und sogar rücksichtslosen Ton, aber gleichzeitig mit Gefühl und ohne sie zu verurteilen. Stefania, die Polizistin, verkörpert eine zentrale innere Zerrissenheit. Während sie bei der Arbeit alles unter Kontrolle hat, selbst wenn sie in Lebensgefahr steht, scheint sie im Privat- und Gefühlsleben auf der Entwicklungsstufe eines Kindes oder Jugendlichen steckengeblieben zu sein. Und genau dieses Privatleben wird Stefania in ihrem Beruf auf die Probe stellen und in Gefahr bringen.Weitere Informationen:

https://www.cinema-italia.net/filme.php?selectedday=37&selectedfilm=1

Strange Culture

USA

2007

Lynn Hershman Leeson

Steve Kurtz ist Performance-Künstler, seine Arbeit dreht sich um das Thema Biotechnologie. In der Terrorfurcht nach dem 11. September erregt er die Aufmerksamkeit des FBI. Der Verdacht: Bio-Terrorismus. Kurtz drohen 20 Jahre Haft für den Besitz von Bakterien, die jeder frei über das Internet bestellen kann. STRANGE CULTURE/FREMDKULTUREN ist Teil einer Aktion, mit der sich bekannte Künstler mit Kurtz solidarisieren. 19.30 Uhr: Eröffnungsveranstaltung des Festivals mit Sektempfang, Filmbeginn: 20.00 Uhr Mit anschließender Diskussion mit Ricardo Cristof Remmert-Fontes, "Aktion Freiheit statt Angst", Berlin, u.a.

We Need To Talk About Kevin

GBR

2011

Lynne Ramsey

Tilda Swinton, John C

Die ehemalige Reisejournalistin und Cosmopolitin Eva Khatchadourian trägt eine schwere Last. Grund ist ihr Sohn Kevin, der bereits als Baby eine eigenwillige Distanz zeigt, die es Mutter Eva schwer macht, Nähe aufzubauen. Während ihr Mann Franklin an seinem Sohn nichts Ungewöhnliches sieht, ist Eva besorgt über die mangelnde Empathie und seine Lust an Zerstörung. Regisseurin Lynne Ramsay enthüllt zugleich spannend wie bewegend erst nach und nach ein Familiendrama. Sie zeigt, wie ein einst glückliches Paar in eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes schlittert.

Estrada Para Ythaca - Street To Ithaka

BRA

2010

M

G.Parente, Pedro Diógenes, Luiz und Ricardo Pretti

„Ich gehe nach Ithaka”, eröffnet Alberto seinen Freunden. Betrunken sind sie, wortlos trauernd um einen verstorbenen Freund. „Ich gehe alleine”, setzt er nach – und verschwindet in nächtlicher Dunkelheit. Seine drei Freunde bemächtigen sich daraufhin eines herumstehenden Autos und bringen ihn mit sanfter Gewalt in ihre Gemeinschaft zurück. Die Reise hat begonnen – und mit ihr ein Road Trip der besonderen Art: Im gestohlenen Auto, nur einen Kochtopf und einige Flaschen Cachaça im Gepäck, führt sie die Straße nach Ithaka durch den unberührten Nordosten Brasiliens. Wie im gleichnamigen Gedicht des griechischen Dichters Konstantin Kavafis, ist der Weg das Ziel – ein weiter Weg, voller Umschwünge, voller Einsichten. Ithaka ist kein Ort, sondern ein Zustand, der die Jungs mit ihrem verstorbenen Freund zusammenführen und ein letztes Abschied nehmen ermöglichen soll. Schlicht, authentisch und von der Kamera in karge Poesie übersetzt. Guto Parente und Pedro Diógenes, 1983 und 1984 in Fortaleza geboren, sowie die Zwillinge Luiz und Ricardo Pretti, 1982 in Rio de Janeiro geboren, drehen seit fünf Jahren Kurzfilme. „Estrada para Ythaca“ ist ihr erster gemeinsamer Spielfilm, der auf dem 13. Tiradentes Filmfestival in Brasilien 2010 mit dem Kritikerpreis und dem Preis der Jugendjury als „Bester Film“ ausgezeichnet.

Coming Apart

USA

1969

M. M. Ginsberg

Rip Torn, Sally Kirkland, Viveca Lindfors

Ein Mann, ein Apartment, eine Filmkamera: Joe Glassman arbeitet als Psychiater und ist privat von seinen sexuellen Obsessionen beherrscht. Seine Wohnung gleicht einem Versuchslabor, in dem Frauen ihre eigenen erotischen Phantasien ausleben können, manchmal wird auch nur gekifft und geredet. Aber seine Kamera nimmt alles auf. Der Therapeut spielt dabei den distanzierten Beobachter ebenso wie den temperamentvollen Liebhaber. In kühlem Schwarz-Weiß gedreht, strukturiert durch eine genau arrangierte Mischung von Kalkül und Spontaneität, ähnelt COMING APART formal bisweilen Andy Warhols BLUE MOVIE, nimmt aber auch schon Jean Eustaches LA MAMAN ET LA PUTAIN vorweg. Andere Kritiker erkennen in ihm ein Bindeglied zwischen Andy Warhol und Jean-Luc Godard. Für über dreißig Jahre in der Versenkung verschwunden, wurde COMING APART, der stark verdichtet den Geist der späten Sechziger verkörpert, auf keinem Festival gezeigt. Erst jetzt wurde seine Wiederentdeckung anlässlich einer Retrospektive im „Museum of Modern Art“ gefeiert: als einer jener Filme, die nichts weniger als „ihren Regisseur unsterblich machen.“

Ein Todsicheres Geschäft

GB/BRD

2000

M. X. Oberg

Thomas Schmauser, Ben Gazzara

Hugo Nagel hat sich in einem kleinen walisischen Küstendorf niedergelassen. Er träumt davon, ein eigenes Beerdigungsinstitut zu eröffnen und hat als Bestattungsgehilfe auch schon einen Fuß im „todsicheren Geschäft“. Doch der zugereiste Deutsche wird in dem Ort mit der statistisch größten Dichte potentieller Sterbefälle nicht gerade mit offenen Armen aufgenommen. Erst als die ehemalige Jazz-Größe Jim Lagota bei ihm auftaucht, um die Leiche eines Konzertgastes zu entsorgen, erfüllt sich Hugos Wunsch auf ungewöhnliche Weise. Die skurrile Komödie inszeniert ihre Helden in Landschaftsbildern von satter Pracht. Die Farben des Himmels, des Meeres, der Wiesen leuchten um die Wette und überstrahlen die Düsternis der Totenwelt. Die morbide Atmosphäre in einem Dorf, in dem sich außer Meeresrauschen nicht viel tut, hat Oberg (UNTER DER MILCHSTRASSE) gut eingefangen. Im Mittelpunkt dieses mit zurückhaltendem Humor und leiser Ironie erzählten Films steht Thomas Schmauser als Jüngling mit klopfendem Herz. Ein Glücksgriff ist auch Ben Gazzara, der mit großem Sarkasmus das Leben betrachtet und als väterlicher Freund das Schicksal seines Schutzbefohlenen in die Hände nimmt.

Trains

POL

2024

Maciej J. Drygas

Dokumentarfilm

TRAINS ist ein vielfach ausgezeichneter Found-Footage-Dokumentarfilm, der ausschließlich aus Archivmaterial und Sounddesign besteht: Er erzählt die Geschichte des 20. Jahrhunderts anhand von Eisenbahnwaggons, mit einem sich wiederholenden Refrain. Denn alle paar Jahre spielen sich auf Bahnhöfen weltweit unheimlich ähnliche Szenen ab: Waggons voller Männer, die in den Krieg ziehen und verwundet oder als Opfer zurückkehren. Diesem Kreislauf folgt ein Exodus der Zivilisten, Evakuierte vermischen sich mit aus Lagern heimkehrenden Kriegsgefangenen, und Soldaten siegreicher Armeen führen die Besiegten an, bis wieder normale Passagiere an den Bahnhöfen erscheinen. Der Bilderstrom führt durch Zeiten des Krieges, Phasen brüchigen Friedens und sich wiederholender Katastrophen. Zwischen den Konflikten blitzen stille, alltägliche Momente auf. Ein kollektives Porträt der Menschen im Europa des 20. Jahrhunderts.

Codipendent Lesbian Space Alien Seeks Same

USA

2011

Madeleine Olnek

Drei lesbische Aliens werden in einer ganz besonderen Mission auf die Erde gesandt: Sie sollen sich von Erdlingen endlich einmal die Herzen brechen lassen, damit ihre überbordenden romantischen Gefühle nicht weiter die Ozonschicht ihres Heimatplaneten zerstören. So machen sich die co-abhängige Barr, die promiske Zylar und die hinreißende Zoinx munter in der New Yorker Lesbenszene auf die Suche nach der großen Liebe. Regisseurin Olnek legt mit ihrem umwerfend witzigen Spielfilm-Debüt ein interplanetarisches Märchen mit Zitaten aus "Invasion of the Body Snatchers", Woody Allens "Manhattan" und einer Prise "Akte X" vor.

Wild Nights with Emily

USA

2018

Madeleine Olnek.

Molly Shannon, Amy Seimetz, Susan Ziegler

Emily Dickinson (1830-1886) gilt als eine der wichtigsten Dichterinnen der Weltliteratur – und als eine mysteriöse Frau, die zurückgezogen lebte und zu sensibel für die Welt gewesen sein soll. Dass Emily über Jahrzehnte eine leidenschaftliche Liebesbeziehung mit ihrer Jugendfreundin und späteren Schwägerin Susan Gilbert führte, wussten zu ihren Lebzeiten nur wenige. Auch nach Emilys Tod wurde die Beziehung streng geheim gehalten – vor allem von Emilys ehrgeiziger Verlegerin Mabel, die sogar die posthum veröffentlichten Gedichte manipulierte und Emilys feurige Liebesbriefe für Susan an Männer umadressierte.
Basierend auf Dickinsons rekonstruierten Briefen handelt Madeleine Olneks lustvolle Komödie von einer quicklebendigen Dichterin, die ihrer Zeit und vor allem der männlich dominierten Literaturwelt um Längen voraus war. Der Film erzählt zudem beispielhaft, wie eine lesbische Lebensgeschichte bewusst umgeschrieben wurde, um in ein hetero-normatives Narrativ zu passen. Für IndieWire „die beste lesbische Komödie seit Jahren.“
Einführung: Ilona Scheidle
In Kooperation mit Lesbisch-Schwule Geschichtswerkstatt Rhein-Neckar

Volare - Fliegen

ITA

2024

Magherita Buy

Margherita Buy, Anna Bonaiuto, Elena Sofia Ricci, Caterina De Angelis, Francesco Colella, Roberto De Francesco

Eines Tages wird Anna B. klar, dass sie etwas tun muss. Sie ist eine erfolgreiche Schauspielerin, aber leidet an panischer Flugangst, die sie nach außen hin nicht zugeben will. Gerade hat sie die begehrte Hauptrolle im neuen Film eines berühmten koreanischen Regisseurs an eine Konkurrentin verloren, weil sie es nicht über sich brachte, nach Seoul zu fliegen. In der Action-Fernsehserie, in der sie mitspielt, muss sie bei Flugszenen immer öfter gedoubelt werden. Und jetzt hat ihre Tochter auch noch ein Stipendium in Kalifornien bekommen. Und so meldet Anna sich schließlich für einen einwöchigen Kurs zur Überwindung der Flugangst an, der in einem abgelegenen Winkel des römischen Flughafens Fiumicino stattfindet. Ihre Teilnahme soll natürlich streng geheim bleiben. Leichter gesagt als getan…

In ihrem Regiedebut gelingt Margherita Buy, einer der populärsten Darstellerinnen des italienischen Kinos, eine äußerst unterhaltsame Komödie mit Tiefgang, basierend auf autobiografischen Erfahrungen. Und mit einer urkomischen Glanzrolle für Anna Bonaiuto, die als Anna B.s gestresste Agentin mit allen Mitteln versucht, das ausbrechende Chaos in den Griff zu kriegen.

Der Film DIECI MINUTI – ZEHN MINUTEN mit Margherita Buy in einer der Hauptrollen läuft ebenfalls im diesjährigen Cinema Italia-Programm.

Margherita Buy über ihren Film:

Dieser Film begann mit meiner persönlichen Erfahrung: Ich habe Angst zu fliegen. Das ist etwas, das mich in meinem Leben, meiner Arbeit und meiner persönlichen Entwicklung sehr eingeschränkt hat. Reisen muss so bereichernd sein, aber ich tue es nur in Gedanken, ich versetze mich an Orte, die ich leider nie sehen werde. Ich wollte von mir selber auf ironische Weise erzählen, es ist ein Film, der die Leute zum Lachen bringen soll. Allerdings hat mehr als die Hälfte der Bevölkerung Angst zu fliegen, das betrifft nicht nur mich. Als ich erzählte, ich wollte einen Film darüber machen, haben mir so viele Menschen gesagt: „Ich kenne das auch!“

Weitere Informationen:

Nelly & Nadine - EIne wahrhaft unglaubliche Liebesgeschichte

SWE/BEL/NOR

2022

Magnus Gertten

Patricia Charbonneau, Helen Shaver, Audra Lindley, Andra Akers

NELLY & NADINE ist die unglaubliche Liebesgeschichte zweier Frauen, die sich am Heiligabend 1944 ineinander verlieben – mitten im Schrecken der Kriegslager im KZ Ravensbrück. Jetzt hat Nellys Enkelin entschieden, das verborgene Privatarchiv der Liebenden zu öffnen, und entdeckt ihre bemerkenswerte Geschichte vom Verlieben inmitten des Horrors, von erzwungener Trennung, Überleben, Wiedervereinigung und lebenslanger, geheimer Beziehung. Aus Fotos, Liebesbriefen, Filmrollen und Nellys Tagebuch erzählt der Film eine Geschichte gegen jede Wahrscheinlichkeit. Ausgezeichnet mit dem Teddy Award-Jurypreis der Berlinale! „Ein ergreifender Film über eine tiefe lesbische Liebe und über die Notwendigkeit persönlichen und kollektiven Erinnerns.“ (Radio Eins)

Lingui – Heilige Bande

TCD/FRA/BEL/DEU

2021

Mahamat-Saleh Haroun

Achouackh Abakar Souleymane, Rihane Khalil Alio, Youssouf Djaoro

Amina lebt mit ihrer 15-jährigen Tochter Maria allein in einem Vorort von N’Djamena im Tschad. Ihr ohnehin schwieriges Leben als alleinerziehende Mutter nimmt eine entscheidende Wendung, als sie erfährt, dass ihre Tochter vergewaltigt wurde und schwanger ist. Maria will das Kind nicht. In einem Land, in dem eine Abtreibung gegen die Religion, aber auch das Gesetz verstößt und schwere Strafen nach sich zieht, sieht sich Amina mit einem Kampf konfrontiert, der von Anfang an verloren scheint.
Mahamat-Saleh Haroun, einer der wichtigsten Vertreter des afrikanischen Kinos (und 2017/18 Kulturminister im Tschad), erzählt auf beeindruckende Weise von sozialen Missständen, von einer patriarchalischen Gesellschaft – und von Frauen, die sich widersetzen. „Lingui“ ist das tschadische Wort für „(Ver)Bindung“, für soziale Anteilnahme und Solidarität – entschlossen fordern Amina und Maria für sich Lingui ein.

Un Homme Qui Crie - Ein Mann Der Schreit

TCD/FR

2010

Mahamat-Saleh Haroun

Youssouf Djaoro, Emile Abossolo M´bo, Dioucounda Koma

Es ist eine trügerische Idylle, angesichts des Elends und der Armut, die jenseits des Zaunes der luxuriösen Hotelanlage in der Hauptstadt des Tschad herrscht. Für die perfekte Pflege des Pool-Bereichs ist Adam zuständig, der Bademeister, der vor vielen Jahren einmal zentralafrikanischer Schwimmmeister war. Er geht bereits auf die Sechzig zu und wird von seinem Sohn Abdel unterstützt. Adam ist fast so etwas wie der heimliche Chef des Hotels, er ist geachtet und respektiert. Nach hotelinternen Umstrukturierungen kommt es zu gravierenden Veränderungen in Adams Leben…

Abouna - Der Vater

Tschad / Frankreich

2002

Mahamet-Saleh Haroun

Ahidjo Mahamat Moussa, Hamza Moctar Aguid

Im Tschad, einem der ärmsten Länder der Erde, ist es nicht ungewöhnlich, wenn Männer ihre Familien verlassen, um irgendwo im Ausland Arbeit zu suchen. Auch der Vater von Tahir und Amin ist eines Tages verschwunden. Vor allem Amin vermißt den Vater, der ihm abends immer eine Geschichte vorgelesen hat. Die Brüder fangen an, die Schule zu schwänzen, um nach ihrem Vater zu suchen. Als sie abends im Kino sitzen, meinen sie, ihn auf der Leinwand wiederzuerkennen und klauen kurzerhand die Filmrolle. Allmählich und sacht macht Regisseur Mahamet-Saleh Haroun spürbar, was der Weggang des Vaters für die Familie bedeutet. Seine Abwesenheit wirkt wie eine Leerstelle, von der ein negativer Sog ausgeht. Harouns Erzählhaltung wahrt dabei Distanz und ist gleichzeitig voller Mitgefühl. Er setzt auf eine besonnene Kameraführung, harmonische Farbgebung und die melancholische Musik des malinesischen Gitarristen Ali Farka Touré.

To a Land Unknown

PSE/GBR/FRA/NLD/DEU/GRC/QAT/SAU

2024

Mahdi Fleifel

Mahmood Bakri, Aram Sabbagh, Mohammad Alsurafa

Wie tausende andere palästinensische Geflüchtete leben die Cousins Reda und Chatila in einem Armutsviertel am Rande Athens in Not. Sie bestehlen Einheimische, prostituieren sich, sparen Geld, um mit gefälschten Pässen aus Griechenland rauszukommen. Als der drogenabhängige Reda aber das gemeinsame Ersparte verliert, entwickelt Chatila einen riskanten Plan: um sich und ihre Familien in der Heimat aus auswegloser Lage zu befreien, nehmen sie Geiseln…

Einfühlsam, bewegend, fesselnd setzt sich der Film des dänisch-palästinensischen Regisseurs mit der verzweifelten Situation vieler Palästinenser*innen auseinander, die staatenlos einer von Rassismus und Ungleichheit geprägten Welt ausgeliefert sind. „Dramaturgisch packend und mitreißend gespielt, könnte diese Geschichte über das bittere Elend staatenloser Geflüchteter nicht relevanter sein.“ (Screen)

Barakah Meets Barakah

SAU

2016

Mahmoud Sabbagh

Hisham Fageeh, Fatima Al Banawi, Sami Hifny

Die erste romantische Komödie, die je in Saudi-Arabien realisiert wurde: In der saudischen Hafenstadt Dschidda soll Barakah als Ordnungsbeamter dafür sorgen, dass das öffentliche Leben nach dem islamischen Recht verläuft. Dies tut er immer freundlich, aber ohne religiösen Eifer, viel lieber spielt er in einer Laientheatergruppe Hamlet. Seine Rolle ist die der Ophelia, Proben und Aufführungen mit Frauen sind verboten. Als er ein illegales Fotoshooting unterbinden soll, verliebt er sich auf den ersten Blick in Bibi, die für das Label ihrer Adoptivmutter ‚Heavenly Hips‘ modelt. Nur wie soll er sie näher kennenlernen, in einem Land, das jeder Form von „Dating“ feindlich gegenübersteht? Gemeinsam hebeln sie das System von Tradition, Etikette und Religionspolizei aus in einer aberwitzigen, atemberaubenden Komödie für all jene, die schon immer mal wissen wollten, was in Saudi-Arabien eigentlich los ist. Und die sich gerne überraschen lassen.

Foto: Ostkreuz

DEU

2015

Maik Reichert

Dokumentarfilm

Die erfolgreichste deutsche Fotoagentur „Ostkreuz“ wurde nach der Wende 1990 in Berlin gegründet. Vorbild war die weltberühmte Fotoagentur „Magnum“ in Paris – und der Anspruch an die Fotoqualität von „Ostkreuz“ entsprechend hoch. Die sieben anfänglichen Mitglieder, unter ihnen Ute und Werner Mahler, Sybille Bergemann und Harald Hauswald, waren bereits in der ehemaligen DDR mit der Kamera unterwegs; sie haben den sozialistischen Alltag dokumentiert, haben coole Fotos für „Sibylle“ (die einzige Mode-Zeitschrift der DDR) geliefert und immer wieder den Alltag der Menschen auf der Straße, in der Fabrik, im Büro und in privaten Räumen festgehalten. Auch im vereinten Deutschland liegt der Schwerpunkt der Agentur bis in die Gegenwart auf der Dokumentarfotografie. Die Zeit der Wiedervereinigung, die Ähnlichkeiten und die Unterschiede zwischen Ost und West werden in den Fotos deutlich, aber auch die jeweils eigene gestalterische Herangehensweise der bedeutendsten Mitglieder der Agentur und ihre Vorliebe für Schwarz-Weiß-Aufnahmen kommen im Film nicht zu kurz.

Baran

Iran

2001

Majid Majidi

Zahra Bahrami, Hossein Abedini, Mohammad Amir Naji, Abbas Rahimi

Der iranische Regisseur Majid Majidi greift in seinem neuesten Film das Thema der 1,5 Millionen afghanischen Flüchtlinge in seinem Heimatland auf. Er erzählt von einer Baustelle in Teheran. Den siebzehnjährigen Lateef, der die Arbeiter dort mit Essen und Tee versorgt, kränkt es, als ein afghanischer Junge eines Tages seine Aufgaben übernehmen soll und er stattdessen schwere Zementsäcke zu tragen hat. Er versucht, dem „Neuen“ das Leben so schwer wie möglich zu machen, bis er eines Abends Gesang aus dem Teeraum hört. Lateef schaut hinter den Vorhang und entdeckt ein wunderschönes Mädchen, Baran. Majid Majidi, der als Schauspieler, unter anderem bei Mohsen Makhmalbaf, begonnen hat, erzählt in BARAN eine stille, fast utopisch schöne Liebesgeschichte, in der die Gefühle, auch wenn sie nie ausgesprochen werden, eine Gegenwelt zum Elend der Wirklichkeit erahnen lassen.

Die Farben Des Paradieses

Iran

1998

Majid Majidi

Mohammad ist blind, für ihn setzt sich die Welt aus Geräuschen und Gerüchen zusammen, Gegenstände und Gesichter tastet er mit den Händen ab, um sich ein Bild davon machen zu können. Als er in den Sommerferien von seinem Vater von der Blindenschule in Teheran abgeholt wird, freut er sich auf das „Wiedersehen“ mit seinen beiden Schwestern und der Großmutter. Doch der Vater schämt sich seines behinderten Sohnes, er will sich nach dem Tode seiner Frau wieder verheiraten und schiebt Mohammad zu einem Tischler ab. „Die Landschaft im Norden des Iran diente dem Film als eine natürliche Kulisse, deren betörende Schönheit nicht von der Hand zu weisen ist. Mir ging es aber nicht um großartige Landschaftsaufnahmen, sondern ich wollte sehen, wie sich die Figuren, insbesondere Mohammad, gegenüber der Natur verhielten. Er erlebt die Natur auf eine ganz andere Weise als wir, indem er nicht von seinen Augen, sondern von seinen anderen Sinnen Gebrauch macht.“ (Majid Majidi) Im Anschluss an den Film besteht die Möglichkeit zur Diskussion. Sie wird geleitet von Günter Kipfmüller, Leiter Goethe Institut Mannheim-Heidelberg.

Garden of Words

JAP

2013

Makato Shinkai.

In Japan kündigt sich die Regenzeit an und Tokyo versinkt immer häufiger in schweren, unheilverkündenden Wolken. Der Oberschüler Takao schwänzt eines verregneten Morgens die Schule und zieht sich in einen Pavillon im Park zurück. Dort trifft er auf Yukino, eine Frau, die ebenfalls ihren Job sausen lässt, um der Hektik der Großstadt zu entfliehen. Takao träumt von seinem Wunsch, ein Schuhmacher zu sein und zeichnet Entwürfe, während die Fremde ihren Vormittag mit Alkohol und Schokolade verbringt. In ihrem kleinen Zufluchtsort freunden sich die beiden langsam an und blicken den Regentagen schon bald mit freudiger Erwartung entgegen, denn dann begegnen sie sich erneut. Anime- Romantik vor wunderschön, ästhetisch gestalteten Farbwelten und einer Musik zum Versinken….
Im Vorprogramm zeigen wir SHE AND HER CAT, ebenfalls von Makato Shinkai.

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