Die „Wolfzeit“ ist einer alten germanischen Sage zufolge die Zeit unmittelbar vor der Apokalypse, in der Mord, Wollust und Verrat die Erde überziehen, und Haneke erzählt eine Apokalypse, die so realistisch und unspektakulär wie eindringlich ist: Anne und ihre Familie fliehen vor einer nicht näher benannten Katastrophe in ihr Ferienhaus. Dort angekommen, müssen sie feststellen, dass es von Fremden besetzt ist. Diese Konfrontation ist nur der Beginn eines schmerzlichen Lernprozesses: Und was als Geschichte einer Familie beginnt, entwickelt sich zu einer kollektiven Tragödie. Der Österreicher Michael Haneke gehört zu den umstrittensten, aber auch konsequentesten Regisseuren unserer Tage. Filme wie FUNNY GAMES oder DIE KLAVIERSPIELERIN brachten ihm den Ruf, ein schonungsloser Chronist der Gefühlskälte zu sein. Kompromisslos und hart ist auch sein neuester Film geraten. WOLFZEIT ist ein stiller Horrorfilm, eine beklemmende, formal wie inhaltlich bestechende Abhandlung über Menschen im Ausnahmezustand.