Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

1001 Nacht Teil 3: Der Entzückte

POR/FRA/DEU/CHE

2015

Miguel Gomez

Crista Alfaiate, Américo Silva, Amar Bounachada

In seiner Trilogie nutzt der gefeierte portugiesische Regisseur Miguel Gomes die Struktur von „Tausendundeine Nacht", um von Portugals desolater wirtschaftlicher Lage zwischen August 2013 und Juli 2014 zu erzählen, als das gebeutelte Krisenland in Konflikt mit der EU geriet. Ein „Wunderfilm“ (Zeit), dessen drei Teile jeweils ihre Charakter ändern und sich zu einem über sechsstündigen Ereignis vereinen, dessen deutscher Partner Maren Ades Produktionsfirma Komplizen Film ist.
Im dritten Teil verlässt Scheherazade das Schloss und trifft auf eine Reihe exzentrischer und skurriler Menschen, etwa einen Paddler mit 200 Kindern und einen Räuber, der auch ein seelenvoller Tänzer ist. Sie begegnet Touristen, die sich über die Verschmutzung des Meeres erregen, weil Scheherazade die Lampe eines Flaschengeistes ins Wasser wirft; und Angehörige der Arbeiterklasse fangen als Hobby Vögel und lassen diese bei einem hochkomplizierten Gesangswettbewerb gegeneinander antreten.

Dead Or Alive

Japan

1999

Miike Takashi

Aikawa Show, Takeuchi Riki

Ryuichi und seine Gangsterbande sind der Meinung, daß sie der japanischen Gesellschaft nichts schulden – eher umgekehrt. Sie beschließen, den Drogenhandel ihrer Stadt zu übernehmen. Doch die erste Drogenfuhre wird gleich von dem Polizisten Jojima abgefangen. Er beobachtet die kriminelle Szene sehr genau und hat Ryuichi als seinen neuen Gegner ausgemacht. Der Zusammenprall von Gangsterverzweiflung und Gesetzestreue ist nur noch eine Frage der Zeit. Dabei sind sich der Yakuza und der Cop ähnlicher, als ihnen lieb ist. „Dead or alive“ beginnt furios mit einem 6-minütigen Bilderwahnsinn, einer apokalyptischen Hymne an die Reizflut des Milleniums. Und doch wirkt dieser Anfang konventionell im Vergleich zum audiovisuellen Sturm des Finales. Dazwischen hat Regisseur Miike Takashi das Porträt einer entwurzelten Gesellschaft in Form eines harten Thrillers gepackt. Die Kamera führte Yamamoto Hideo, der auch „Hana-Bi“ filmte.

Silvana – Eine Pop-Love-Story

SWE

2017

Mika Gustafson, Olivia Kastebring, Christina Tsiobanelis.

Silvana Imam, energiegeladene Punk-Rapperin mit litauischen und syrischen Wurzeln, kämpft mit kompromisslosen Texten für Feminismus und gegen jedwede Form von Repression. So wurde sie zur Ikone der jungen Generation in Skandinavien. Der Film begleitet sie über mehrere Jahre und zeigt neben ihrem Aufstieg von der Underground-Künstlerin zum Star auch ihre ersten großen Chart-Erfolge und den Beginn ihrer Liebesbeziehung zur schwedischen Pop-Künstlerin Beatrice Eli.
Die drei Regisseurinnen, die nach einigen Musikvideos ihr Langfilmdebüt geben, lassen mit ihrem innovativen, mitreißenden Stil das intensive Leben und die energiegeladenen Erfahrungen Silvanas unmittelbar von der Leinwand auf den Zuschauer wirken.

Brasileirinho

BRA

2005

Mika Kaurismäki

BRASILEIRINHO ist ein Film über den Chôro, die erste urbane original-brasilianische Musik, die sich im Laufe der vergangenen 130 Jahre zu einer faszinierenden Form moderner tropischer Klänge entwickelt hat. Heute ist der Chôro die letzte authentische Latino-Musik, die noch ihrer internationalen Verbreitung harrt. Der Film erinnert an die Geschichte des Chôro und verweist auf seine ungebrochene Vitalität. Die Ausschnitte des Konzerts, das das Trio Madeira Brasil mit Gästen in einem der traditionellen Musiktheater von Rio gab, belegen seinen Reichtum an Rhythmen und Melodien. Interviews mit bekannten Samba- und Bossa-Nova-Musikern wie Zezé Gonzaga, Elza Soares und Guinga veranschaulichen den Einfluß, den Samba, Bossa Nova und Choro wechselseitig aufeinander ausüben. Regisseur ist Aki Kaurismäkis Bruder Mika Kaurismäki, der mit BRASILEIRINHO erneut seine besondere Nähe zur Musik und zu Lateinamerika auf die Leinwand bringt. (also leider, leider ab 18)

Honey Baby

DEU

2004

Mika Kaurismäki

Henry Thomas, Irina Björklund, Helmut Berger, Bela B

Musiker Tom aus Amerika (Henry Thomas aus „E.T.“) hat seinen kreativen Antrieb verloren und von Halle an der Saale, wo er gestrandet ist, längst die Nase voll. Sein schmieriger Manager Martin (Bela B. Felsenheimer von den Ärzten) schickt ihn, nachdem sein Klient in Deutschland nicht einmal mehr auf Hochzeitsfeiern ankommt, auf eine ausgedehnte Tour durch Osteuropa, Richtung St. Petersburg. Schon vor dem ersten Konzert gerät die Reise außer Kontrolle, als Tom die hübsche Russin Natascha kennen lernt, die ebenfalls Halle verlassen hat, und nun vor ihrem Verlobten fliehen muß, den sie kurz vor der Hochzeitsfeier sitzen ließ. Bald verlieben sich die beiden und geraten in den Weiten Osteuropas in immer seltsamere und zunehmend surreale Abenteuer. Als Tom jedoch herausfindet, daß Natascha ihm nicht die ganze Wahrheit über ihre Vergangenheit erzählt hat, scheint das Glück des jungen Paares für immer zerstört. Eine „Magical Mystery Tour – angelehnt an den griechischen Mythos von Orpheus und Eurydike“ nennt der finnische Regisseur Mika Kaurismäki seinen in Deutschland produzierten Road-Movie HONEY BABY, der aus den Genreelementen aus Tragikkomödie, Musik und Mystery zusammengesetzt ist.

Mama Africa

DEU/ZAF/FIN

2011

Mika Kaurismäki

Ein Porträt über Miriam Makeba, die Stimme Südafrikas. Die Musikdokumentation erzählt über die 2008 verstorbene Sängerin, die es als ihre Lebensaufgabe sah, die westliche Welt mit afrikanischer Musik bekannt zu machen und den Kampf gegen die Apartheid aus dem Exil voranzutreiben. Mit Live-Aufnahmen der Welterfolge wie „Click Song“ oder „Pata Pata“. Publikumspreis der Panorama-Reihe der Berlinale 2011. Eine weitere tolle Weltmusikdoku von Mika Kaurismäki.

Moro No Brasil

D / BRA / FIN

2002

Mika Kaurismäki

Walter Alfaiate, Velha Guarda Da Mangueira, Margareth Menezes, Antônio Nóbrega, Ivo Meirelles

Mika Kaurismäki hat sich einen lang gehegten Wunsch erfüllt und seine kalte Heimat Finnland hinter sich gelassen, um im tropischen Rio de Janeiro eine eigene Musikkneipe aufzumachen. Fasziniert von den Menschen seiner zweiten Heimat, ihrer Lebensfreude und dem musikalischen Reichtum des Landes machte er sich im vergangenen Jahr auf eine 4.000 Kilometer lange Reise durch Pernambuco, Bahia und Rio de Janeiro, drei brasilianische Bundesstaaten, die symbolisch für Musikstile stehen wie Frevo, Maracatu, Coco, Embolada, Forró und Samba. Kenntnisreich und begeistert wählt Kaurismäki aus der Fülle der Stile aus, konzentriert sich auf die Musik der Strasse und erzählt mitreißend vom Leben und vom Alltag Brasiliens, in dem Musik eine so ganz andere Rolle spielt als hierzulande. Die Vielzahl der Einflüsse, die die Musik seit der Kolonialisierung vor 500 Jahren geprägt haben, die indigenen Ursprünge, die kulturellen Traditionen afrikanischer und europäischer Natur spiegeln sich in der Vielfalt der Instrumente, der Rhythmen und der Stile des riesigen Landes mit seinen 170 Millionen Einwohnern.

Sonic Mirror

DEU/CHE/FIN

2008

Mika Käurismaki

Zentrum der Musik-Dokumentation SONIC MIRROR ist der amerikanische Schlagzeuger Billy Cobham, den Kaurismäki schon als Schuljunge verehrte. Dabei steht die Musik als ein universelles, der Sprache weit überlegenes Kommunikationsmittel im Mittelpunkt. So begleitet die Kamera den menschenfreundlichen Kosmopoliten zu einer Aufführung mit der Espoo Big Band nach Finnland, folgt ihm durch die belebten Straßen der brasilianischen Millionenstadt Salvador de Bahía, wo Cobham mit Kindern in einer Perkussion- Gruppe arbeitet, oder zeigt ihn in seiner alten Heimat Brooklyn. Die bewegendsten Szenen sind beim Besuch Cobhams mit der afrikanischen Perkussion-Gruppe Okuta in einem Heim für Autisten in der Schweiz entstanden. (und damit leider ab 18, auch wenn der Film äußerst erbaulich ist)

Sakuran - Wilde Kirschblüte

JAP

2006

Mika Ninagawa

Anna Tsuchiya, Masanobu Ando, Kippei Shiina, Hiroki Narimiya, Yoshino Kimura, Miho Kanno, Masatoshi Nagase, Renji Ishibashi

Japan im 18. Jahrhundert: mit acht Jahren wird Kiyoha an ein angesehenes Bordell in Tokio verkauft, wo sie sich den Konventionen widersetzt, zur ranghöchsten Kurtisane avanciert und gegen alle Logik auf die große Liebe hofft, die sie aus ihrer Gefangenschaft befreien soll. Manga-Künstlerin Moyoco Anno lieferte die Vorlage, Sängerin Ringo Shiina schrieb die Musik und Popstar und Model Anna Tsuchiya ist in der Hauptrolle zu sehen. Eine Symphonie von Farben, Formen, Gegenständen, verbunden mit Musik verschiedener Provenienz: japanische Tradition, Tangoklänge, Bigband-Sound: ein Ineinanderfließen verschiedener sinnlicher Empfindungen.

Finnisches Blut, schwedisches Herz

FIN

2012

Mika Ronkainen

Kai Latvalehto, Tauno Latvalehto

„Finnish Rock“ war lange ein Markenzeichen des Gitarristen Kai Latvalehto. Doch als hundertprozentiger Finne fühlt er sich gar nicht. Denn Kai hat seine Kindheit in Schweden verbracht, wo sein Vater sein Geld als „Gastarbeiter“ verdiente. Die Reise, die die beiden nun mit dem Auto nach Göteborg unternehmen, ist keine nostalgische Tour in die Familiengeschichte – sie offenbart auch viele Details zur sozialen Lage der finnischen Minorität in Schweden. Immer wieder unterbrochen von live eingespielten Songs, die das Los der Immigranten stimmungsvoll beklagen, erkundet das emotionsstarke Roadmovie die Kluft zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen. Gleichzeitig führt die Offenbarung so manchen Familiengeheimnisses zu einer Annäherung zwischen Vater und Sohn, die auf ihrem Roadtrip erstmals auch ihre persönlichen Konflikte zur Sprache bringen.

Holy Spirit

DEU

2018

Mike Baran

Tom Schuster, Stefanie Mendoni, Michael Foerster, Matthias Kostya, Ottfried Fischer

Wallendes Haupthaar, bestechende Augen, ein ebenmäßiges Antlitz: Gustl Wanninger, Schreiner, sieht aus wie Jesus. Er ist perfekt als Werbefigur für bayrischen Whisky, der klares Quellwasser in „Trinity Malt“ verwandelt. Der schnöselige Werbefuzzi Harry Sandmann engagiert Gustl, doch dann geschieht ein Mord, und vielleicht hat Gustl was damit zu tun?
Ein Münchner Verein zur Förderung junger Kunst steht hinter dieser exzenttrisch-satirischen Independent-Produktion, in der sich Comedy und Mystery fröhlich tanzend umarmen. Zusammengehalten von einem gelungenen Krimiplot wandelt sich der Film auch mal in eine Sketchshow, zum Musikclip oder zur Musicalperformance – eine höchst vergnügliche Mischung!

Ronnie Wood – Somebody Up There Likes Me

GBR

2019

Mike Figgis

Ron Wood spielt „nur“ die zweite Gitarre bei den Stones – Keith Richards steht viel mehr im Fokus. Doch ohne Ronnie geht nichts, weder im Sound noch im Persönlichkeitszirkus der Band – das beweist Mike Figgis (LEAVING LAS VEGAS) mit diesem straighten Doku-Porträt, das entspannt, informativ und ohne Firlefanz Woods Karriere von der Jeff Beck Group über die Faces bis zu den Stones verfolgt, ihn als bildenden Künstler zeigt und seine Alkohol- und Drogenabgründe ausleuchtet. Auch seine Kunst an der Gitarre kommt nicht zu kurz: und Ronnie Wood steht endlich mal im Mittelpunkt!

Time Code

USA

2000

Mike Figgis

Holly Hunter, Kyle MacLachlan, Stellan Skaarsgaard, Salma Hayek

Geschichten sind selten so einfach, wie sie scheinen, und meistens sowieso gleich mehrere. Grund genug für Mike Figgis (LEAVING LAS VEGAS), das Vielfache des Erzählens ins Bild zu setzen. TIME CODE zeigt auf sauber geviertelter Leinwand vier Filme: Eine Frau in einer Limousine, eine andere im Therapie-Gespräch, eine Filmcrew im Meeting, ein Casting. In heftigen Schwenks folgen die Handkameras den Figuren, wackeln ihnen aus sicherer Entfernung hinterher oder fixieren im Close Up die Gesichter. Figgis hat ohne Pause drehen lassen, und er zeigt das Ergebnis ungeschnitten. Wo nicht der Kamera-Fokus die Aufmerksamkeit lenkt, dirigiert sie der Regisseur über den Ton, der mal diese, mal jene Situation lautstärker betont. Nach anfänglicher Irritation ergeben die vier Geschichten eine Form und ein komplexes Gefüge, aus dem sich die Handlung herausbildet: Eine zynische Story über das Filmbusiness in Los Angeles mit allem, was dazu gehört, Intrigen, Drogen, Sex und Gewalt. Wir zeigen den Film anläßlich der Ausstellung „Alle Zeit der Welt“ im Landesmuseum für Technik und Arbeit.

Timecode

USA

2000

Mike Figgis

Kyle MacLachlan, Salma Hayek, Stellan Skarsgård, Jeanne Tripplehorn, Holly Hunter

Der Zuschauer als sein eigener Schnittmeister: Ein mit vier Kameras aufgenommenes filmisches Experiment, das die Handlung ohne Schnitt wiedergibt. Ein Split-Screen zeigt die vier verschiedenen Szenerien, die auf den ersten Blick keine Verbindung zu haben scheinen. Doch mehr und mehr durchdringen sie einander und verschmelzen durch die Tonspur zu einer Einheit.
Durch sein Interesse bestimmt der Zuschauer letztlich selbst den Schwerpunkt der Handlung.

Croupier

England / Deutschland

1998

Mike Hodges

Clive Owen, Gina McKee, Alex Kingston

Jack ist Schriftsteller, doch der vom Verleger gewünschte Roman aus dem Fußballmilieu mit Drogen, Skandalen und viel Sex will ihm nicht gelingen. Da kommt ihm ein Anruf seines Vaters, der ihm eine Stelle als Croupier besorgt hat, gerade recht. Der Job entwickelt sich zusehends zu einer Obsession. Obwohl Jack die Spieler verachtet, die Tag für Tag fast chancenlos ihr Geld in die Kassen des Casinos schütten, fasziniert ihn die zwielichtige Atmosphäre. Als ihm eine Spielerin anbietet, an einem Überfall auf das Casino teilzuhaben, willigt er entgegen seiner Überzeugung ein. Denn je mehr er als Croupier erlebt, desto konturenreicher entwickelt sich auch sein Roman, der sich längst nicht mehr mit Fußball, sondern mit dem Glücksspiel beschäftigt. CROUPIER ist ein faszinierendes Vexierspiel von großer stilistischer Geschlossenheit, ange-reichert mit konzentrierten, lakonischen Dialogen und einem überzeugenden, sehr präsenten Hauptdarsteller. „…ein abgeklärt-lakonisches Meisterstück…“ (Filmbulletin)

High Hopes

GB

1988

Mike Leigh

Philip Davis, Ruth Sheen, Edna Dore

HIGH HOPES verfolgt drei Paare im Zentrum von London: Cyril und Shirley, die „Alternativen“, die für sich eine Nische in Thatchers England gefunden haben. Cyrils Schwester Valerie, deren Verführungs- und Kochkünste bei ihrem Ehemann auf wenig Reaktion stoßen und die gerne so wäre, wie die Yuppie-Nachbarn ihrer alten Mutter. Die sitzt apathisch in ihrem kleinen Reihenhaus im ehemaligen Arbeiterviertel, in dem sich nun die versnobte „Mittelklasse“ breit macht. Als die Mutter sich beim Einkaufen aussperrt, erklärt sich die Nachbarin nur widerwillig bereit, die alte Dame hereinzubitten, damit deren Tochter Valerie verständigt werden kann. Diese rückt voller Neugier an, um das Heim der Emporkömmlinge zu begaffen. Mit seinem zweiten Kinofilm ist dem britischen Regisseur Mike Leigh das Kunststück gelungen, eine präzise Bilanz der deprimierenden Thatcher-Ära zu ziehen, die filmisch jedoch kein bisschen deprimierend ist. Die zärtlich-ironische Tragikomödie wurde 1988 auf dem Filmfestival von Venedig mit dem Preis der internationalen Filmkritik ausgezeichnet, Ruth Sheen erhielt 1989 den European Film Awards als Beste Schauspielerin. In Zusammenarbeit mit dem Nationaltheater zeigt Cinema Quadrat begleitend zur neuen Produktion „Gestochen scharfe Polaroids“ die britischen Filme TRAINSPOTTING und HIGH HOPES. Am 10. + 11.12. (TRAINSPOTTING) und 20.12. (HIGH HOPES) gibt es im Anschluss an den Film eine Diskussion mit Beteiligten der Theaterproduktion.

Mr. Turner - Meister des Lichts

GBR

2014

Mike Leigh

Timothy Spall, Paul Jesson, Dorothy Atkinson

Ganz ruhig, fast wie in Zeitlupe, entfaltet Regisseur Mike Leigh in seinem Spielfilm-Künstlerporträt die Kamera-Bilder für die Betrachter und führt auf diese Weise angemessen in die atmosphärisch dichten Gemälde und Aquarelle des englischen Malers William Turner (1775 – 1851) ein. Der Film beginnt mit einer Landschaft im warmen Licht eines Nachmittags. Zwei Frauen spazieren gemächlich am Flussufer entlang und geben den Blick frei auf die massige Gestalt des Künstlers, der seine Umgebung – Wolken, Wasser, Felder – mit höchster Konzentration wahrnimmt und skizziert. Wir erleben seine bis heute faszinierenden Farbspiele auf Leinwand und Papier, die sich als Landschaften in Licht und Dunst, in Nebel und Dunkelheit lesen lassen, zugleich aber können sie als sinnliche Aussagen über das körperlose Licht begriffen werden, das in der Malerei in die Materialität von Farben übersetzt wird. Turners künstlerische Radikalität wurde von den Zeitgenossen teils gefeiert, teils als handwerkliches Unvermögen abgelehnt; sein Werk gilt heute als Meilenstein auf dem Weg in die Abstraktion des 20. Jahrhunderts.

Naked – Nackt

GB

1993

Mike Leigh

Johnny, der arbeitslose Anti-Held aus Manchester, flieht aus seiner Heimatstadt nach London. Zunächst quartiert er sich bei seiner EX-Geliebten Louise ein und mischt Ihre WG auf, danach verbringt er zwei Nächte und eine Tag auf den Straßen der Stadt und wird zum Beobachter und Kommentator einer aus den Fugen geratenen Welt. Das London der Nach-Thatcher-Ära ist ein Ort der Zerrissenheit, ein Schauplatz menschlicher Zerstörung. Den Menschen, denen Johnny begegnet, steht das Scheitern auf Gesicht und Körper geschrieben. Drogen, Alkohol und Ausweglosigkeit. Doch Johnnys unbedingter Wille zum Überleben und seine Energie machen NAKED trotz aller Trostlosigkeit zu einem aufrüttelnden und fesselnden Film. Gesprächsführung: Hans-Uwe Daumann, Leiter „Offener Kanal“ Ludwigshafen

Inuk

GRL/FRA

2010

Mike Magidson

Gaba Petersen, Ole Jørgen Hammeken

In seinem Spielfilmdebüt INUK erzählt Magidson eine Coming-of-Age-Geschichte eines verwahrlosten Jungen ohne Zukunft. Damit greift er in Grönland weit verbreitete Probleme auf: Inuk leidet unter seiner ständig betrunkenen Mutter und seinem gewalttätigen Stiefvater, während er keinerlei Aussichten auf einen Beruf hat. Eine Sozialarbeiterin bietet dem Jungen schließlich eine Herausforderung: Gemeinsam mit dem von der Vergangenheit traumatisierten Jäger Ikuma soll er sich den Strapazen einer wochenlangen Robbenjagd aussetzen. Vor atemberaubender Kulisse inszeniert Magidson einen Abenteuerfilm, in dem zwei sehr unterschiedliche Charaktere aufeinander treffen und sich ihren inneren Dämonen stellen müssen. Außerdem zeigen wir den Film am 9. u. 10.5. sowie vom 30.5. bis zum 1.6. in Originalfassung mit deutschen Untertiteln.

Dieses Sommergefühl

FRA/DEU

2016

Mikhaël Hers

Anders Danielsen Lie, Judith Chemla, Marie Rivière, Féodor Atkine

Eines Tages kippt die 30jährige Sasha mitten im Alltag um. Sie stirbt. Ihre Familie muss Abschied nehmen, ihr Freund Lawrence muss mit seiner Trauer umgehen. Auf ihn und auf Sashas Schwester Zoé konzentriert sich fortan die Geschichte, wenn mitten im Sommer der Tod Einzug hält, wenn der Schicksalsschlag verarbeitet werden muss. Aber es geht in DIESES SOMMERGEFÜHL nicht nur um Trauerarbeit, sondern um das Lebensgefühl junger Kosmopoliten, die neugierig sind auf das Leben. Zoé ist Französin, Lawrence Amerikaner, und Mikhaël Hers porträtiert diese beiden jungen Menschen über drei Sommer hinweg, in Berlin, in Paris, in New York. Mit dieser offenen, authentischen Dramaturgie gelingt es, Atmosphäre, Sensibilität, das Leben selbst filmisch einzufangen: Hers buchstabiert den Kern der Tragödie, die Stärke der Emotionen nicht aus, sondern setzt auf eine Leichtigkeit, die an Eric Rohmer erinnert.

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