Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Bergman Island

FRA/BEL/DEU/SWE

2021

Mia Hansen-Løve

Vicky Krieps, Tim Roth, Mia Wasikowska, Anders Danielsen Lie

Das Künstlerpaar Tony und Christine reist zur Bergman-Woche auf die Insel Fårö. Inspiriert vom Geist der großen Regielegende wollen die beiden Filmschaffenden hier den Sommer verbringen und ihre neuen Drehbücher schreiben. Während Tony, bereits ein gefeierter Regisseur, schnell mit seiner Arbeit vorankommt, hadert die 25 Jahre jüngere Christine mit ihrer Geschichte, in der es um eine Filmemacherin geht, die auf Fårö ihre Jugendliebe wiedertrifft. Christines Zweifel belasten die Beziehung – ihr Schlafzimmer ist dasjenige, in dem Bergman SZENEN EINER EHE drehte –, und langsam beginnen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion zu verschwimmen.

Vor der Kulisse der malerischen Insel Fårö lotet Mia Hansen-Løve in ihrer biografisch inspirierten Tragikomödie mit Film-im-Film-Struktur die Tiefen künstlerischer Inspiration beim kreativen Schaffensprozess aus. „Wunderbar elegante, subtile Studie über das Verhältnis von Leben und Kunst.“ (epd Film)

Der Vater Meiner Kinder

FRA

2009

Mia Hansen-Løve

Louis-Do de Lencquesaing, Chiara Caselli, Alice de Lencquesaing

Grégoire Canvel ist kein Filmproduzent, wie man sich ihn vorstellt. Er ist kein knüppelharter Typ mit Dollarzeichen in den Augen, sondern sensibel und liebevoller Vater von drei Kindern. Er jagt neuen Ideen nach und gibt neuen Talenten eine Chance. Aber: zwischen Kalkulation und Kunst verliert er sich, seine Arbeit frisst ihn auf, und die Firma schreibt tiefrote Zahlen, weder die Liebe zum Kino noch die Liebe zur Familie kann ihn vor dem psychischen Absturz retten. Mia Hansen-Løve erzählt von einem schweren Schicksalsschlag mit einer bewundernswerten Zärtlichkeit.

Un Amour De Jeunesse

DEU/FRA

2007

Mia Hansen-Løve

Sebastian Urzendowsky, Lola Créton

Die 15-jährige Camille und der 19-jährige Sullivan lieben sich leidenschaftlich. Als Sullivan im Winter 1999 Paris für ein Jahr verlässt, um nach Südamerika zu gehen, und seine Briefe immer seltener werden, bricht für Camille die Welt zusammen. Nach einer langen Zeit voll Kummer beginnt sie 2003 mit einem Architekturstudium und verliebt sich in ihren Dozenten Lorenz. Alles scheint perfekt, würde nicht plötzlich Sullivan wieder auftauchen. UN AMOUR DE JEUNESSE ist Liebesdrama und Coming-of-Age-Geschichte zugleich, das mit bemerkenswerter Tiefgründigkeit die ambivalente Macht der Liebe beleuchtet. Der mit kurzen Einstellungen und viel Dynamik arbeitende Film verweigert sich den Konventionen des Kunstkinos und wird gerade dadurch zu einem souveränen Autorenfilm.

22 Bahnen

DEU

2025

Mia Maariel Meyer

Luna Wedler, Jannis Niewöhner, Sabrina Schieder, Laura Tonke, Zoë Baier

Die Tage von Tilda sind streng getaktet: Mathematikstudium; Job an der Supermarktkasse; schwimmen; sich um die kleine Schwester Ida kümmern; und sich um die Mutter kümmern, die ein Alkoholproblem hat. Dann bekommt Tilda eine vielversprechende Promotionsstelle in Berlin angeboten. Und sie trifft Viktor, der wie sie selbst immer 22 Bahnen schwimmt… Aber Tilda kann doch ihre Schwester nicht zurücklassen!

Die Verfilmung des Bestsellers von Caroline Wahl nimmt die dynamische Sprache der Vorlage auf und besticht durch die großartigen Darsteller*innen – allen voran Luna Wedler als Tilda, die ihr Leben auf die Reihe bringen muss angesichts einer unberechenbaren Mutter.

Die Saat

DEU

2021

Mia Maariel Meyer

Hanno Koffler, Dora Zygouri, Anna Blomeier, Andreas Döhler, Robert Stadlober

Im Schweiße seines Angesichts schuftet Rainer auf der Baustelle. Sein erster Job als Bauleiter ist die dringend benötigte große Chance. Die steigenden Mieten in der Stadt haben ihn, seine schwangere Frau und die 13-jährige Tochter Doreen bereits zum Umzug in ein renovierungsbedürftiges Häuschen im Umland gezwungen. Dort freundet sich Doreen mit dem Nachbarmädchen Mara an, deren Eltern so reich wie borniert sind. Doch Mara stachelt Doreen zu bösen Streichen an. Und Vater Rainer, der alles richtig machen will, wird auf der Arbeit degradiert und gedemütigt. Als ein älterer Mitarbeiter gefeuert werden soll, stellt sich Rainer gegen den neuen Vorgesetzten und wird unwillkürlich zum Anführer eines aufkeimenden Widerstands.
Regisseurin Mia Maariel Meyer beschreibt eine durch Kapitalismus entmenschlichte Welt, in der der Kampf für Gerechtigkeit und Integrität zur Zerreißprobe wird. Unaufhaltsam steigt der Druck, Hoffnungen werden zerschlagen, sozialer Aufstieg ist unmöglich. „Es ist schmerzhaft, mitzuerleben, wie sich die Wut in Rainer und Doreen immer mehr aufstaut. Die herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse produzieren nichts als Abstumpfung, Lähmung oder eben Brutalität.“ (epd Film)

Petting Zoo

DEU/GRC/USA

2015

Micah Magee

Devon Keller, Austin Reed

Layla steht kurz vor ihrem Schulabschluss, als sie erfährt, dass sie schwanger ist. Ihren Freund hat sie gerade verlassen und weil sich ihre Familie weigert, einer Abtreibung zuzustimmen, fügt sich Layla in ihre Situation und lässt den Plan, auf’s College zu gehen, fallen. Weil es zwischen ihr und den Eltern nicht funktioniert, zieht sie zur Großmutter, wo auch der Onkel mit seiner Familie lebt. Sie hält sich mit einem Job in einem Call Center über Wasser und lernt nebenbei für ihre Abschlussprüfungen. Auf einem Konzert wirft Layla einen Blick auf Aaron, der so ganz anders ist als der Junge, von dem sie schwanger ist. Mit genauem und empathischem Blick und in großer Nähe zur Hauptfigur erzählt PETTING ZOO davon, wie es sich anfühlt, als Minderjährige aus der Bahn geworfen zu werden. Gedreht in einem Vorort von San Antonio, Texas – der Stadt mit der zweithöchsten Rate von Teenagerschwangerschaften in den USA.

Moskau einfach!

CHE

2020

Micha Lewinsky

Philippe Graber, Miriam Stein, Michael Maertens, Mike Müller

Zürich, Herbst 1989. Viktor Schuler ist braver Polizeibeamter und wird undercover ins Schauspielhaus eingeschleust: Die Behörde, sehr aufmerksam, wenn es um linke Umtriebe geht, will alles wissen zum revolutionären Potential am mutmaßlich moskaugesteuerten Theater. Unter dem Namen Walo lässt er sich als Statist engagieren – und lernt eine Welt kennen, die völlig anders ist als das geordnete Beamtendasein im Büro. In Deutschland fällt die Mauer, in Zürich bröckeln Viktors Überzeugungen – und dann wird ein ungeheurer Skandal publik um eine Million Geheimakten, mit denen die Bundesanwaltschaft widerrechtlich Andersdenkende bespitzelt hat.

Micha Lewnisky gelingt eine großartige Satire, die die Paranoia der Polizeibehörden aufs Korn nimmt und auch die Salonkommunisten des Theaters nicht auslässt. Zugleich ist MOSKAU EINFACH! eine ernstzunehmende filmische Aufarbeitung des Fichenskandals, in dem ein rechtsreaktionärer Staat im Staate im tiefen Selbstverständnis als wahrer Hüter der wahren Schweiz das eigene Volk beschnüffelt und drangsaliert hat.

China Blue

USA

2005

Micha X

Regisseur Peled teilt die Perspektive dreier Arbeiterinnen einer Jeansfabrik; Menschen, überwiegend junge Frauen, die täglich unter Hochdruck bis zu 14 Stunden schuften – illegal ohne einen Vertrag in der Tasche und für einen Hungerlohn von zwei Euro pro Tag. Dabei grenzen die Zustände in diesen Betrieben schon an Sklaverei. Folglich sind Filmemacher bei den Unternehmern auch nicht willkommen. Peled hat sie überlistet und nur so Bilder eingefangen, denen die Augen kaum trauen wollen: Einige Mädchen heften sich Wäscheklammern an ihre Lider, damit sie im Erschöpfungszustand nur ja nicht einschlafen. Nachts drängen sie sich in engen Achtbett-Zimmern mit dürftigen Waschmöglichkeiten. An ein Privat- oder gar Intimleben in solch bescheidenen Behausungen ist gar nicht zu denken. Männerbesuch ist nicht gestattet, Schwangeren droht eine Kündigung, wenn sie nicht abtreiben.

Auge in Auge - Eine deutsche Filmgeschichte

DEU

2008

Michael Althen u.a

100 Jahre deutsche Filmgeschichte in 100 Minuten. AUGE IN AUGE spürt den großen Momenten des deutschen Kinos nach, lässt unvergessliche Bilder Revue passieren und macht Lust auf die Wiederbegegnung mit Klassikern. Filmschaffende wie Doris Dörrie, Wim Wenders sowie unser Gast Dominik Graf erzählen anhand von ausgewählten Szenen, welche Filme für sie wichtig waren und debattieren darüber, was eigentlich so deutsch am deutschen Film ist.

James Bond 007 - Die Welt ist nicht genug

GBR/USA

1999

Michael Apted

Pierce Brosnan, Sophie Marceau, Robert Carlyle, Denise Richards.

Bond – zum dritten Mal: Pierce Brosnan – wird Leibwächter: Als im Hauptquartier des MI6 ein Industrieller getötet wird, soll Bond dessen Tochter Elektra (Sophie Marceau) beschützen. Er reist nach Aserbaidschan, wo die Tochter die Arbeit des Vaters an einer Öl-Pipeline fortsetzt. Natürlich eskaliert die Situation und steigert sich zur nuklearen Bedrohung. „Die Welt ist nicht genug“ bzw. „Orbis non sufficit“ wurde bereits in ON HER MAJESTY’S SECRET SERVICE als Motto der Familie Bond eingeführt. „Q“ wird in diesem Film zum letzten Mal von Desmond Llewelyn dargestellt, der kurz nach der Premiere bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. 

Der Kampf Um Die 11%

Michael Busse

In Nordbaden/Nordwürttemberg fand im Winter 1971 ein Arbeitskampf statt. Chronologisch beginnend mit der Urabstimmung am 12. November 1971 versucht der Film, die Widersprüche zwischen Führung und Basis der IG Metall am Beispiel dieses Arbeitskampfes darzustellen. Wir zeigen den Film als 16mm-Kopie aus dem Stadtarchiv Mannheim. (also leider ab 18)

Alexis Sorbas

USA/GBR/GRC

1964

Michael Cacoyannis

Anthony Quinn, Alan Bates, Irene Papas

Ein intellektueller Engländer erbt auf Kreta ein halb verfallenes Kohlebergwerk. Und schließt dort Freundschaft mit Alexis Sorbas – einem Schlitzohr, Lebenskünstler, Freigeist, der vor Vitalität strotzt und der allen Schicksalsschlägen zum Trotz Sirtaki tanzt.

Einer der erfolgreichsten Filme der Kinogeschichte!

Elektra

GR

1962

Michael Cacoyannis

Irene Papas, Aleka Catsell, Yannis Fertis

ELEKTRA ist der erste Teil von Michael Cacoyannis’ Euripides-Trilogie. Gedreht wurde in den Ruinen der Burg von Mykene und in der umgebenden Argolis. Die Landschaft ist mit eigenem Gewicht in Szene gesetzt, Wind und Wolken laden das Geschehen auf. Der aus Troja heimkehrende Agamemnon, der König von Mykene, wird von seiner Gattin Klytämnestra und deren Geliebten Aigisthos ermordet. Seine Tochter Elektra und sein Sohn Orestes fühlen sich zur Rache verpflichtet. Elektra wird mit einem Bauern verheiratet, Orestes außer Landes gebracht. Als sie am Grab des Vaters zusammentreffen, beschließen sie gemeinsam, Klytämnestra und ihren Geliebten zu töten.

Mit Ikea Nach Moskau

Deutschland

2000

Michael Chauvistré

„Wir sind Ikea“ ist die Hymne des Films und Manuela und Ulf aus Berlin sind Ikeas beste Angestellte. Im Frühjahr 2000 verlassen sie Ehepartner und Kinder, um in Moskau eine Filiale des bekannten Möbelgeschäftes aufzubauen. Regisseur Chauvistré begleitet die beiden, zeigt die Filialeröffnung aus Personal- und Kundensicht und den Firmenpatriarchen Ingvar Kamprad mit der Plastiktüte in der Hand beim Dienst am Kunden. Der Film hat keinen Kommentar und so bleiben diese magischen Momente erhalten, die es nur in Dokumentationen gibt: Der alte Mann, der sein Ohr an „Billy“ legt, pocht und horcht, bevor er das Regal für gut befindet, die Frauen, die bei der Tombola Betrug wittern, und das junge Paar mit der riesigen Lampe. „Wer seine Bücher in „Billy“ oder dem Dauerbrenner „Ivar“ aufbewahrt, sollte sich diesen Film ansehen.“ (epd Film)

Westworld

USA

1973

Michael Crichton

Yul Brynner, Richard Benjamin, James Brolin

In einem Freizeitpark der Zukunft kann jeder ein Held sein: Cowboy, Ritter, Römer – alles ist möglich, denn die Gegner sind Androiden, die die Vergnügungssüchtigen im Rollenspiel besiegen können. Bis durch einen Systemfehler Roboter und Sicherheitsprotokolle außer Kontrolle geraten: Für Peter und John, die gerade einen Abenteuerurlaub im „Wilden Westen“ unternehmen, wird aus dem Spiel ganz schnell ernst, als sich ein mechanischer Revolverheld ganz genregemäß auf Rachefeldzug begibt.
Yul Brynner spielt einen Revolverhelden mit tödlicher Mission – als Roboter: In einer hochspannenden Mischung aus Science Fiction und Western fragt Bestsellerautor Michael Crichton in seiner ersten Regiearbeit auch nach dem Wesen des Menschen – und nach dem Spaß am Töten. Die gleichnamige HBO-Erfolgsserie basiert auf diesem Film.

Casablanca

USA

1942

Michael Curtiz

Humphrey Bogart, Ingrid Bergman, Claude Rains, Paul Henreid, Conrad Veidt

CASABLANCA gilt als Kultfilm der Kultfilme: Die Geschichte des desillusionierten Humphrey Bogart in seiner Kaschemme in Casablanca, wo sich die treffen, die vor den Nazis fliehen, und seiner alten Liebe Ingrid Bergman, der er hier wiederbegegnet, hat Generationen von Kinogängern berührt – und das, ohne kitschig zu sein. Denn der Konflikt zwischen Liebe und Pflicht trifft den Kern dessen, was so gerne als Menschlichkeit bezeichnet wird…

In der ersten deutschen Synchronfassung wurden die Hinweise auf Nazis eliminiert und der Widerstandskämpfer zum Atomphysiker umdeklariert – erst 1975 kam der Film ungekürzt in Deutschland an.

It's All Gone Pete Tong

USA/CAN

2004

Michael Dowse

Kate Magowan, Paul Kaye, Beatriz Batarda

Frankie Wilde lebt als DJ auf Ibiza – erfolgreich, aber auch exzessiv. Er ist die meiste Zeit unter Rauschgifteinfluss, und auch sein Manager Max tut ihm nicht gut. Langsam aber sicher geht sein ganzes Leben den Bach hinunter: Seine Frau verlässt ihn, er beginnt sein Gehör zu verlieren und nimmt immer mehr Drogen. Als er taub ist und die ebenfalls gehörlose Penelope kennen lernt, öffnen sich ihm neue Pfade, die Musik zu erleben. Aber die Geister der Vergangenheit wird er so schnell nicht los. Ein packendes Drama über und mit viel elektronischer Musik. (also ab 18)

Contact High

AUT

2009

Michael Glawogger

Michael Ostrowski, Detlev Buck, Ed Hauswirth

Der deutsche Autohändler Harry soll für Woytila eine Tasche aus Polen abholen, gibt den Auftrag aber an den Gauner Schorsch weiter. Dieser ist von der Idee wenig begeistert, weil ihm erstens der Führerschein abgenommen wurde und er zweitens lieber die Fernsehübertragung des 24-Stunden-Rennens von Le Mans ansehen will. Deshalb gibt er die Mission wiederum an seine Bekannte Mao weiter. Diese gibt wiederum den Auftrag an die glücklosen Würstelstandbetreiber Max Durst und Hans Wurst weiter. Bald fliegen sie durch polnische Nächte, sehen Hunde, Schweine und Schwertfische…

Das Vaterspiel

DEU/FRA/AUT

2008

Michael Glawogger

Jeremy Strong, Ulrich Tukur, Christian Tramitz

Rupert Kramer ist der Sohn eines österreichischen Ministers, der vom linken Rebellen zum korrupten Nutznießer des Systems geworden ist. Mit seinen 35 Jahren hat es „Ratz“, wie ihn seine Freunde nennen, zu nicht mehr als dem Entwurf eines Computerspiels gebracht. In diesem Computerpiel lässt sich der Spieler Level für Level auf einen bösen Kampf mit dem eigenen Vater ein. Ein Anruf seiner Jugendliebe Mimi führt Ratz in die USA und diese Tage an der Ostküste verändern sein Leben dramatisch. In New York verknüpfen sich nämlich die drei Handlungsstränge: Die Geschichte einer jüdischen Familie, die bei den Massakern der Nazi-Zeit vernichtet wurde, die Geschichte der Familie eines Täters, die im amerikanischen Exil das Geheimnis seiner Identität wahrte, und die Geschichte der österreichischen Familie Kramer, die sich politisch und psychisch auflöst.

Megacities

A

1998

Michael Glawogger

Die Großstadt – Faszinosum und Schreckbild zugleich. Mit diesem Zwiespalt setzt sich Michael Glawogger in seinem 1998 entstandenen semidokumentarischen Film MEGACITIES auseinander. Der Film wurde in Bombay, New York, Moskau und Mexiko-Stadt gedreht. In zwölf Episoden versucht der Film, Momente aus den Leben von Shankar, dem Bioskopmann, Babu Khan, dem Farbensieber (Bombay), Modesto, dem Hühnerfüßeverkäufer, Nestor, dem Müllsammler, Cassandra, der Schauspielerin (Mexiko-Stadt), Oleg, Borja, Kolja und Mischa, den Straßenkindern, Larissa, der Kranfahrerin (Moskau) und Toni, dem Hustler (New York) zu erzählen. Außerdem sehen wir Szenen aus einem Moskauer Polizeirevier und der Sendung eines New Yorker Lokalradios. Alle dargestellten Personen befinden sich am unteren Ende der sozialen Stufenleiter, alle träumen von einem besseren Leben. Doch ihr derzeitiges Leben ist geprägt von harter Arbeit, Armut und Gewalt. „Die Welt ist ein schrecklicher und doch lebenswerter Ort, das will ich zeigen. Ich glaube, viel von unserem Verhältnis zum „Rest der Welt“ ist von Angst geprägt; wir kennen diesen Rest aus vorwiegend schlechten Nachrichten oder – durch eine äusserst bedenkliche Tourismusentwicklung – vom neokolonialistischen Standpunkt der Ressorthotel-Urlauber aus. Aber hinter diesen schlechten Nachrichten und exotisch-freundlichen Hotelkellnern stecken Menschen mit sehr ähnlichen Kämpfen und Träumen wie wir selbst.“ (Michael Glawogger) Diskussionsleitung: Prof. Astrid Hedtke-Becker, Fachhochschule Mannheim, Hochschule für Sozialwesen

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