Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Code 46

GBR

2003

Michael Winterbottom

Tim Robbins, Samantha Morten, Om Puri

Die Ozonschicht der Welt ist bereits soweit verschwunden, daß normales Leben auf unserem Planeten nicht mehr möglich ist. Entweder gehört man zu den Privilegierten die in übervölkerten, hochindustrialisierten Städten leben dürfen oder man vegetiert in unzivilisierten Wüstengegenden vor sich hin. Klonen und Gen-Manipulationen sind gängige Praxis. Vor diesem Zukunftsszenario siedelt Winterbottom seine Science-Fiction-, Detektiv- und Liebesgeschichte in einem an. Er entwirft die Vision einer Zukunft, in der der Mensch nur soviel wert ist, wie sein Erbmaterial. „Was fremd ist, kann dem Zuschauer schon in der nächsten Einstellung vertraut vorkommen, und Vertrautes nimmt unvermutet die Dimensionen eines Albtraums an.“ (Filmdienst 5/2005)

In This World

GB

2002

Michael Winterbottom

Jamal Udin Torabi, Enayatullah

Die afghanischen Cousins Jamal und Enayatullah leben in der pakistanischen Stadt Peshawar nahe der afghanischen Grenze. Ihre Familie beschließt, die beiden nach England zu schicken, damit sie dort ein besseres Leben haben und für die anderen sorgen können. Ihre Route führt sie über die Grenze in den Iran, durch Teheran, in die Berge der Region Kurdistan und weiter in die Türkei. Hinter Istanbul fängt der beschwerlichste Teil der Reise an – 40 Stunden eingeschlossen in einem Frachtcontainer zusammen mit anderen Flüchtlingen. Michael Winterbottom reiste für seine Halbdokumentation, die 2003 in Berlin mit dem goldenen Bären ausgezeichnet wurde, selbst durch Pakistan, um dort Geschichten zu sammeln und Drehorte zu finden. Mittlerweile hat die Realität die Fiktion eingeholt, nach Abschluß der Dreharbeiten machte sich Jamal erneut als Flüchtling auf den Weg nach London, diesmal um endgültig um zu bleiben. „Winterbottom … schwingt weder die Moralkeule, noch klagt er an. Er erzählt in starken Bildern von einer Reise durch Landschaften, die fremdartig anmuten, und von Völkern, über die wir wenig wissen.“ (Stuttgarter Nachrichten)

Gertrud Baer - Ein Leben Für Die Gleichberechtigung Der Frau, Für Frieden Und Freiheit.

BRD

1977

Michaela Belger

Der Film berichtet über die „burgerlich-radikale Frauenbewegung“ Deutschlands von 1900 bis 1945 und die Aktivitäten der „Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit“. Anhand von historischem Bild- und Filmmaterial und einem Interview mit der damals 85- jährigen, in der Schweiz lebenden Gertrud Baer wird die Geschichte jener Zeit aus Sicht der Frauenrechtlerinnen betrachtet. Gertrud Baer trat bereits 15-jährig dem Verein für Frauenstimmrecht in Hamburg bei. Nach der Gründung der „Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit“ 1951 in Den Haag widmete sie sich aktiv der politischen Arbeit. Mit einer Einführung von Dr. Beatrix Geisel vom Mannheimer Büro der Frauenbeauftragten.

Der Gewöhnliche Faschismus

UdSSR

1965

Michail Romm

Der Dokumentarfilm DER GEWÖHNLICHE FASCHISMUS gilt als ein Meilenstein des Dokumentar- und Kompilationsfilms. Anhand bis dahin unbekannten Bild- und Filmmaterials entwirft der sowjetische Regisseur Michail Romm eine facettenreiche, psychologisch fundierte Studie über Voraussetzungen, Entstehung und Erscheinungsformen des deutschen Faschismus. Mit unbestechlichem Blick, der vor allem die alltäglichen und gewöhnlichen Aspekte der Barbarei enthüllt; und essayistischem Kommentar analysiert Romm die Wurzeln des Faschismus und dessen verhängnisvollen Einfluss auf die menschliche Psyche.

Victim

SVK/CZE/DEU

2022

Michal Blaško

Vita Smachelyuk, Gleb Kuchuk, Igor Chmela

Irina, eine alleinerziehende Mutter aus der Ukraine, lebt mit ihrem 13-jährigen Sohn Igor in einer kleinen Stadt an der tschechischen Grenze. Eines Nachts entdeckt sie, dass Igor von drei Unbekannten attackiert wurde, und ihre Welt bricht zusammen. Als er wieder aufwacht, behauptet er, dass die Angreifer Roma waren. Im Laufe der Zeit werden die Zweifel an seiner Geschichte jedoch immer größer – gleichzeitig dient der Fall für eine gewalttätige Neonazi-Kampagne…
Basierend auf realen Ereignissen erzählt dieses kraftvolle Debüt über Rassismus, Fake News und den Aufstieg der Neuen Rechten, wenn verschiedene Akteure der Medien, der Politik und der Zivilgesellschaft die Realität strategisch für ihre Zwecke manipulieren.

Valeria Is Getting Married

ISR/UKR

2022

Michal Vinik

Lena Fraifeld, Dasha Tvoronovich, Yakov Zaada Daniel. Avraham Shalom Levi

Christina erwartet in Tel Aviv ihre jüngere Schwester Valeria aus der Ukraine: Denn Valeria soll in Israel erstmals ihren Verlobten Eytan treffen. Die Ehe wurde online arrangiert, wie einst auch bei Christina, die mit ihrem Michael glücklich ist – der hat Valerias geplante Heirat vermittelt. Doch als sich Valeria und Eytan endlich gegenüberstehen, zweifelt Valeria an der ganzen Sache. Und Michael gibt seiner Frau Christina die Schuld daran.
Die arrangierte Ehe: Das bedeutet für manche Frauen die Möglichkeit, prekären Lebensumständen zu entkommen. Regisseurin Michal Vinik blickt auf diese Art freiwilliger Heiratsvermittlung – und inszeniert ein dichtes, starkes Kammerspiel zum Verhältnis von Beziehungen und Freiheit; inklusive subtiler Demontage patriarchaler Macht- und Abhängigkeitsbedingungen.

Der Dybbuk

POL

1937

Michał Waszyński

Abraham Morewski, Ajzyk Samberg, Lili Liliana

In einer jüdischen Kleinstadt im 19. Jahrhundert haben sich zwei Freunde abgesprochen: Schon vor der Geburt sind Leje, Tochter des einen, und Chonen, Sohn des anderen, einander versprochen. Doch 18 Jahre später bricht Lejes Vater das Versprechen und verheiratet sie mit jemand anderem – und unheilvoll geht Chonens Geist auf Leje über…

Dieses in mystische und kabbalistische Traditionen eingebettete Liebesmelodram gilt als Meisterwerk des jiddischen Kinos – und heute als wertvoller Einblick in die polnische Schtetl-Kultur vor der Vernichtung durch die Deutschen.

Odessa, Odessa

ISR/FRA

2005

Michale Boganim

ODESSA, ODESSA ist ein dreiteiliger Film, der uns von Odessa in der Ukraine nach ‘Little Odessa’ in New York und nach Aschdod, Israel, führt. Im Gespräch mit verschiedenen Menschen geht es um Hoffnungen, Illusionen und den Traum von Freiheit. Diese Reise in vergangene Zeiten erzählt zugleich die Geschichte der Diaspora. Michale Boganim: „Am Anfang stand die Lektüre der Erzählungen von Isaak Babel, die mich zu einer Reise nach Odessa veranlasste. Dann entwickelte sich so etwas wie eine kleine Liebesgeschichte, eine Obsession.“ (also leider ab 18, und wenn es noch so harmlos ist)

Tel Aviv – Beirut

FRA/DEU/CYP

2023

Michale Boganim

Zalfa Seurat, Sarah Adler, Shlomi Elkabetz

Frieden ist Utopie; aber wäre er nicht machbar, wenn Israelis und Libanesen im ewigen Konflikt auf die gemeinsamen Wurzeln blicken würden? Von 1984 bis 2006 spannt sich dieser Film, entlang des israelisch-libanesischen Konflikts, erzählt anhand zweier Frauen: Tanya, Tochter des mit der israelischen Armee verbundenen Südlibanesen Fouad, und Myriam, Ehefrau von Yossi, der als 20jähriger in den Krieg zieht und nicht mehr davon loskommt.
Die französisch-israelische Regisseurin Michale Boganim erzählt von der harten Realität der Libanon-Kriege, von dem vergessenen Schicksal von Israels libanesischen Helfern, von Frauen, die Opfer einer männlich geprägten Politik sind – und von der Sehnsucht, dass es zwischen Tel Aviv und Beirut auch anders sein könnte.

Les Ordres

Kanada

1974

Michel Brault

Hélène Loiselle, Jean Lapointe

Legendär und brisant: Michel Braults semi-dokumentarisches Zeitporträt über die »Oktoberkrise« 1970, als die Regierung in Folge seperatistischer Terrorakte das Kriegsrecht ausrief und über 400 kanadische Bürger ohne Anklageerhebung inhaftiert wurden.

Sundown – Geheimnisse in Acapulco

MEX/FRA/SWE

2021

Michel Franco

Tim Roth, Charlotte Gainsbourg, Iazua Larios

Acapulco, Mexiko: In einem Luxushotel verbringt Neil und mit seiner Schwester Alice und deren Kindern seinen Urlaub. Dann ein Anruf aus London: Ihre Mutter ist verstorben. Die Ferien werden abgebrochen – am Flughafen gibt Neil vor, seinen Ausweis im Hotel vergessen zu haben. Alice und die Kinder reisen zurück, Neil aber mietet sich in einer billigen Absteige ein, vertreibt seine Zeit mit Biertrinken am Strand und lernt die Einheimische Berenice kennen. Mit immer neuen Ausflüchten gegenüber Alice zieht er sich aus seiner Familie, seinen Beziehungen, seinem Leben zurück. Bis ein weiteres Unglück geschieht.

Der zurückgenommen inszenierte Thriller lebt von dem grüblerisch-fragilen Tim Roth: „Mysteriös, schwer zu fassen und lange nachwirkend – mit SUNDOWN schenkt Michel Franco dem Publikum ein Highlight des Kino-Sommers.“ (artechock.de)

Dave Chapelle's Block Party

USA

2005

Michel Gondry

Dave Chappelle, Wyclef Jean, Kanye West

Dave Chappelle, beliebter Starkomiker von MTV, weiß, wie man feiert. Im September 2004 erfüllt er sich selbst einen Traum und organisierte mit DAVE CHAPPELLE’S BLOCK PARTY in Brooklyn das Event, zu dem er selbst immer schon mal gehen wollte. Was da abging, war eine so noch nie gesehene und gehörte Verbindung aus Comedy-Show, Live Music-Acts und Straßenfest – umsonst – für eine ganze Neighborhood. Jill Scott, Kanye West, Common, The Roots oder Mos Def sind die Stars dieses sensationellen Konzerts, das noch dazu in einer umjubelten Reunion der Fugees gipfelt. Regisseur dieses außergewöhnlichen Musikfilms ist Michel Gondry (SCIENCE OF SLEEP).

Der Schaum der Tage – L’écume des jours

FRA

2013

Michel Gondry

Romain Duris, Audrey Tautou, Gad Elmaleh, Omar Sy, Aïssa Maïga, Charlotte Le Bon

Michel Gondry, der exzentrische Bastler unter Frankreichs Regisseuren, verfilmte Boris Vians surrealen Kultroman als einfallsreiche, bilderfinderische Fantasmagorie: Ein höchst verspieltes Melodram, eine ungeheuer fantasievolle Liebestragödie. Der reiche Lebemann Colin hat alles, was er braucht: Koch, Chauffeur, eine Maus in der Küchenschublade und ein Pianocktail, das zu Musik den perfekten Cocktail mixt. Dann verliebt er sich unsterblich in Chloé, und alsbald heiraten die beiden. Sie sind so glücklich – doch eine Schneeflocke setzt sich in Chloés Lunge fest, in der nun eine Seerose wächst. Teure Medikamente bringen ebenso wenig Heilung wie eine Blumenkur, und alsbald hat Colin sein ganzes Vermögen ausgegeben.
Ein wilder, trauriger, liebevoller, übermäßiger, absurder Film, in dem Türklingeln herumkrabbeln und man auf Wolken fliegen kann – und der trotz seiner Märchenhaftigkeit der Wahrheit großer Liebe auf die Spur kommt.
Einführung: Prof. Dr. Cornelia Ruhe

Das kostbarste aller Güter – La plus précieuse des marchandises

FRA/BEL

2024

Michel Hazanavicius

Animationsfilm

Polen im Winter 1943. Die Frau eines Holzfällers findet in der Nähe der Bahngleise ein Baby im Schnee. Das Kind wurde in einem Akt größter Verzweiflung aus einem fahrenden Zug geworfen – aus einem Todeszug auf dem Weg in das Vernichtungslager Auschwitz. Trotz bitterer Armut und ohne über die drohenden Konsequenzen nachzudenken, nimmt die kinderlose Frau das kleine Mädchen in ihre Obhut. Dieses Kind – das kostbarste aller Güter – wird das Beste und Schlimmste in den Menschen zum Vorschein bringen.

Mit der visuellen Atmosphäre eines klassischen Zeichentrickfilms vereint Michel Hazanavicius in seinem ersten Animationsfilm die Bitternis von Holocaust, Krieg, Armut und Tod mit einer märchenhafte Geschichte der Menschlichkeit und des Friedens.

La plus précieuse des marchandises / Das kostbarste aller Güter

FRA

2024

Michel Hazanavicius

Animationsfilm

Im Polen der 1940er betet eine arme Bäuerin jeden Tag zu Gott, endlich mit einem Kind gesegnet zu werden. Aus einem vorbeifahrenden Zug wird aus einem Akt der Verzweiflung ein Baby geworfen und von ihr gefunden. Ihr Glück wandelt sich schnell zu Angst, als ihr Mann das Kind nicht im Haus haben will, schließlich gehört es zu den „Herzlosen“. Die Bäuerin weigert sich und beginnt so eine jahrelange Reise, die ihr Leben verändern wird.

Liebe und Empathie stehen seit Jahrtausenden im Kontrast zur Grausamkeit, zu der Menschen untereinander fähig sind. Ob in fiktiven Erzählungen oder tagesaktuellen Nachrichten aus aller Welt, selbst die Jüngsten bleiben nicht von ihr verschont, weswegen dieses leider zeitlose Thema einen Platz im Programm der Cinéfête verdient. Inszeniert wurde der stimmungsvolle Animationsfilm vom preisgekrönten Regisseur Michel Hazanavicius, das Drehbuch zum Film schrieb er gemeinsam mit Jean-Claude Grumberg, dem Autor der Buchvorlage. Premiere feierte LA PLUS PRÉCIEUSE DES MARCHANDISES im Mai 2024 im Wettbewerb von Cannes.

Falafel

LEB

2006

Michel Kammoun

Elie Mitri, Gabrielle Bou Rached, Issam Bou Khaled

In einer Sommernacht in Beirut ist der junge Libanese Toufic mit seinem Moped zu einer Party unterwegs, anstatt den Abend daheim bei der Familie zu verbringen. Ausgelassen albert er mit seinen Freunden herum, flirtet hoffnungsfroh mit der hübschen Yasmin. Doch auch 15 Jahre nach Ende des Bürgerkriegs lauert noch an jeder Straßenecke Gewalt. Als ein Autofahrer wütend seine Waffe zückt, will sich Toufic rächen. Modernes Kino aus dem Libanon, dessen lockere Party-Stimmung kippt, als die Schatten des Bürgerkrieges heraufziehen. „Das libanesische Kino rüstet auf zum Widerstand gegen die ewig gleichen Feindbilder und seine Waffe heißt Phantasie.“ (fr-online.de)

Blow Up

GBR

1966

Michelangelo Antonioni

Vanessa Redgrave, David Hemmings

Antonioni präsentiert in seinem ersten außerhalb Italiens gedrehten Film nicht nur das Swinging London der 1960er Jahre. Zum Thema Swinging sei hier noch gesagt, dass dies in unserem Falle hier leicht untertrieben ist: Ist es doch vor allem ein hoch energetischer, Gitarren zertrümmernder Auftritt der Yardbirds mit dem jungen Jeff Beck an der Gitarre, der die Beatles und die Stones wie langweilige Messdiener aussehen lässt – Punk avant la lettre. Zur Story, die alles andere als ein klassischer Thriller-Plot ist, sondern vielmehr die von Antonioni so genannte „Natur der Realität“ hinterfragt: Thomas, ein gelangweilter Modefotograf, glaubt in den zufälligen Schnappschüssen, die er in einem Park gemacht hat, Belege für einen Mord zu entdecken. Die Filmanalyse kristallisiert die Spuren der Realität und der Interpretationen der Bilder heraus. Und auch jenseits der Analyse: Blow Up ist und bleibt ein Meisterwerk, das 1966 die Goldene Palme bei den Filmfestspielen von Cannes erhielt.
Filmanalyse: Dr. Peter Bär

Il deserto rosso – Rote Wüste

ITA

1964

Michelangelo Antonioni

Monica Vitti, Richard Harris, Carlo Chionetti, Xenia Valderi

Giuliana, die Frau eines Ingenieurs und Fabrikbesitzers in Ravenna, gerät nach einem Autounfall in Angstzustände: Mann und Kind werden ihr fremd, die künstliche Umwelt der Fabriken und Raffinerien, die neuen Technologien, die ihren Mann Ugo faszinieren, werden in ihrer Wahrnehmung bedrohlich, verwandeln sich in apokalyptische Visionen des Zerfalls. Nach einer kurzen Liaison mit einem Kollegen und Partner ihres Mannes kehrt sie jedoch ins alltägliche Leben zurück.
Il DESERTO ROSSO war Michelangelo Antonionis erster Farbfilm. Er schildert die psychische Krise seiner Heldin mit einer raffinierten, bewusst irrealen Farbdramaturgie. Es ist auch einer der ersten Filme, die sich Mitte der 60er Jahren mit den Folgen der Industrialisierung und Umweltverschmutzung auseinandersetzten. Monica Vitti spielte zum vierten Mal die Hauptrolle in einem Film von Antonioni und ist mit ihrer eindringlichen Darstellung hier auf der Höhe ihrer Kunst. Wir zeigen Il DESERTO ROSSO – 1964 in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet – auch als Hommage an die unlängst verstorbene großartige Schauspielerin.

Zabriskie Point

USA

1970

Michelangelo Antonioni

Mark Frechette, Daria Halprin, Rod Taylor

„Ich bin bereit zu sterben. Aber nicht vor Langeweile.“ Sprach’s, und verließ die studentische Diskussion um revolutionäres Handeln und Einsatz von Gewalt. Tatsächlich kommt es bei Protesten zu Todesopfern – Mark befürchtet, dass man ihn verdächtigen könne, stiehlt ein Flugzeug und haut ab. Mark ist unbehaust, individuell, ein Verlorener in einem verlorenen Land; im Death Valley trifft er auf Daria, eine junge Angestellte auf dem Weg zu einer Konferenz. Sie begegnen sich, sie diskutieren, sie philosophieren, und es kommt zu einer der außergewöhnlichsten, grandiosesten Liebesszenen der Filmgeschichte. Doch der Gesellschaft aus Gewalt und Konsum ist nicht zu entkommen bis zum unvergesslichen, hochexplosiven Ende.
Antonioni, der Meister des italienischen Kinos, begibt sich hinein in den Zeitgeist einer durchrüttelten USA zwischen Rednecks und Hippies. Er erzählt von einer radikalisierten, militarisierten, gnadenlosen Gesellschaft, von Gegenkultur, von Ausreißern, von Liebe und dem unmöglichen Konjunktiv der Zweisamkeit. Der Soundtrack stammt von Pink Floyd und Grateful Dead.

Il buco – Ein Höhlengleichnis

ITA/FRA/DEU

2021

Michelangeloe Frammartino

Paolo Cossi, Jacopo Elia, Denise Trombin, Nicola Lanza

Wirtschaftsboom im Italien in den 1960ern – und eine Gruppe junger Höhlenforscher bricht vom Piemont aus in den Süden auf, um eine der tiefsten Höhlen Europas zu erkunden. Weit im Hinterland von Kalabrien erreichen sie zum ersten Mal den Abgrund von Bifurto, 687 Meter tief. Die Expedition bleibt weitgehend unbemerkt von den umliegenden Bewohnern, nur ein alter Hirte und sein Esel haben die Höhle im Blick. Bei diesem Film ist die eigentliche Handlung unwesentlich – es geht um das Schauen und das Hören, weil die Form und die Bilder vor dem Inhalt stehen: Zwischen dokumentarischem Beobachten und fiktionaler Inszenierung stellt Regisseur Frammartino die Höhlenexpedition von vor 60 Jahren nach, mit historischem Equipment geht es hinab in ein Reich voll Sinnlichkeit, in einem Film von geradezu spiritueller Dimension.
IL BUCO wurde mehrfach preisgekrönt, unter anderem in Venedig und mit dem Hauptpreis des Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg 2021. Am Sonntag vor dem diesjährigen IFFMH-Start zeigen wir den Film zusätzlich in einer Matinee-Vorstellung mit Einführung durch ein Mitglied des IFFMH-Teams.

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