Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Finnisches Blut, schwedisches Herz

FIN

2012

Mika Ronkainen

Kai Latvalehto, Tauno Latvalehto

„Finnish Rock“ war lange ein Markenzeichen des Gitarristen Kai Latvalehto. Doch als hundertprozentiger Finne fühlt er sich gar nicht. Denn Kai hat seine Kindheit in Schweden verbracht, wo sein Vater sein Geld als „Gastarbeiter“ verdiente. Die Reise, die die beiden nun mit dem Auto nach Göteborg unternehmen, ist keine nostalgische Tour in die Familiengeschichte – sie offenbart auch viele Details zur sozialen Lage der finnischen Minorität in Schweden. Immer wieder unterbrochen von live eingespielten Songs, die das Los der Immigranten stimmungsvoll beklagen, erkundet das emotionsstarke Roadmovie die Kluft zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen. Gleichzeitig führt die Offenbarung so manchen Familiengeheimnisses zu einer Annäherung zwischen Vater und Sohn, die auf ihrem Roadtrip erstmals auch ihre persönlichen Konflikte zur Sprache bringen.

Holy Spirit

DEU

2018

Mike Baran

Tom Schuster, Stefanie Mendoni, Michael Foerster, Matthias Kostya, Ottfried Fischer

Wallendes Haupthaar, bestechende Augen, ein ebenmäßiges Antlitz: Gustl Wanninger, Schreiner, sieht aus wie Jesus. Er ist perfekt als Werbefigur für bayrischen Whisky, der klares Quellwasser in „Trinity Malt“ verwandelt. Der schnöselige Werbefuzzi Harry Sandmann engagiert Gustl, doch dann geschieht ein Mord, und vielleicht hat Gustl was damit zu tun?
Ein Münchner Verein zur Förderung junger Kunst steht hinter dieser exzenttrisch-satirischen Independent-Produktion, in der sich Comedy und Mystery fröhlich tanzend umarmen. Zusammengehalten von einem gelungenen Krimiplot wandelt sich der Film auch mal in eine Sketchshow, zum Musikclip oder zur Musicalperformance – eine höchst vergnügliche Mischung!

Ronnie Wood – Somebody Up There Likes Me

GBR

2019

Mike Figgis

Ron Wood spielt „nur“ die zweite Gitarre bei den Stones – Keith Richards steht viel mehr im Fokus. Doch ohne Ronnie geht nichts, weder im Sound noch im Persönlichkeitszirkus der Band – das beweist Mike Figgis (LEAVING LAS VEGAS) mit diesem straighten Doku-Porträt, das entspannt, informativ und ohne Firlefanz Woods Karriere von der Jeff Beck Group über die Faces bis zu den Stones verfolgt, ihn als bildenden Künstler zeigt und seine Alkohol- und Drogenabgründe ausleuchtet. Auch seine Kunst an der Gitarre kommt nicht zu kurz: und Ronnie Wood steht endlich mal im Mittelpunkt!

Time Code

USA

2000

Mike Figgis

Holly Hunter, Kyle MacLachlan, Stellan Skaarsgaard, Salma Hayek

Geschichten sind selten so einfach, wie sie scheinen, und meistens sowieso gleich mehrere. Grund genug für Mike Figgis (LEAVING LAS VEGAS), das Vielfache des Erzählens ins Bild zu setzen. TIME CODE zeigt auf sauber geviertelter Leinwand vier Filme: Eine Frau in einer Limousine, eine andere im Therapie-Gespräch, eine Filmcrew im Meeting, ein Casting. In heftigen Schwenks folgen die Handkameras den Figuren, wackeln ihnen aus sicherer Entfernung hinterher oder fixieren im Close Up die Gesichter. Figgis hat ohne Pause drehen lassen, und er zeigt das Ergebnis ungeschnitten. Wo nicht der Kamera-Fokus die Aufmerksamkeit lenkt, dirigiert sie der Regisseur über den Ton, der mal diese, mal jene Situation lautstärker betont. Nach anfänglicher Irritation ergeben die vier Geschichten eine Form und ein komplexes Gefüge, aus dem sich die Handlung herausbildet: Eine zynische Story über das Filmbusiness in Los Angeles mit allem, was dazu gehört, Intrigen, Drogen, Sex und Gewalt. Wir zeigen den Film anläßlich der Ausstellung „Alle Zeit der Welt“ im Landesmuseum für Technik und Arbeit.

Timecode

USA

2000

Mike Figgis

Kyle MacLachlan, Salma Hayek, Stellan Skarsgård, Jeanne Tripplehorn, Holly Hunter

Der Zuschauer als sein eigener Schnittmeister: Ein mit vier Kameras aufgenommenes filmisches Experiment, das die Handlung ohne Schnitt wiedergibt. Ein Split-Screen zeigt die vier verschiedenen Szenerien, die auf den ersten Blick keine Verbindung zu haben scheinen. Doch mehr und mehr durchdringen sie einander und verschmelzen durch die Tonspur zu einer Einheit.
Durch sein Interesse bestimmt der Zuschauer letztlich selbst den Schwerpunkt der Handlung.

Croupier

England / Deutschland

1998

Mike Hodges

Clive Owen, Gina McKee, Alex Kingston

Jack ist Schriftsteller, doch der vom Verleger gewünschte Roman aus dem Fußballmilieu mit Drogen, Skandalen und viel Sex will ihm nicht gelingen. Da kommt ihm ein Anruf seines Vaters, der ihm eine Stelle als Croupier besorgt hat, gerade recht. Der Job entwickelt sich zusehends zu einer Obsession. Obwohl Jack die Spieler verachtet, die Tag für Tag fast chancenlos ihr Geld in die Kassen des Casinos schütten, fasziniert ihn die zwielichtige Atmosphäre. Als ihm eine Spielerin anbietet, an einem Überfall auf das Casino teilzuhaben, willigt er entgegen seiner Überzeugung ein. Denn je mehr er als Croupier erlebt, desto konturenreicher entwickelt sich auch sein Roman, der sich längst nicht mehr mit Fußball, sondern mit dem Glücksspiel beschäftigt. CROUPIER ist ein faszinierendes Vexierspiel von großer stilistischer Geschlossenheit, ange-reichert mit konzentrierten, lakonischen Dialogen und einem überzeugenden, sehr präsenten Hauptdarsteller. „…ein abgeklärt-lakonisches Meisterstück…“ (Filmbulletin)

High Hopes

GB

1988

Mike Leigh

Philip Davis, Ruth Sheen, Edna Dore

HIGH HOPES verfolgt drei Paare im Zentrum von London: Cyril und Shirley, die „Alternativen“, die für sich eine Nische in Thatchers England gefunden haben. Cyrils Schwester Valerie, deren Verführungs- und Kochkünste bei ihrem Ehemann auf wenig Reaktion stoßen und die gerne so wäre, wie die Yuppie-Nachbarn ihrer alten Mutter. Die sitzt apathisch in ihrem kleinen Reihenhaus im ehemaligen Arbeiterviertel, in dem sich nun die versnobte „Mittelklasse“ breit macht. Als die Mutter sich beim Einkaufen aussperrt, erklärt sich die Nachbarin nur widerwillig bereit, die alte Dame hereinzubitten, damit deren Tochter Valerie verständigt werden kann. Diese rückt voller Neugier an, um das Heim der Emporkömmlinge zu begaffen. Mit seinem zweiten Kinofilm ist dem britischen Regisseur Mike Leigh das Kunststück gelungen, eine präzise Bilanz der deprimierenden Thatcher-Ära zu ziehen, die filmisch jedoch kein bisschen deprimierend ist. Die zärtlich-ironische Tragikomödie wurde 1988 auf dem Filmfestival von Venedig mit dem Preis der internationalen Filmkritik ausgezeichnet, Ruth Sheen erhielt 1989 den European Film Awards als Beste Schauspielerin. In Zusammenarbeit mit dem Nationaltheater zeigt Cinema Quadrat begleitend zur neuen Produktion „Gestochen scharfe Polaroids“ die britischen Filme TRAINSPOTTING und HIGH HOPES. Am 10. + 11.12. (TRAINSPOTTING) und 20.12. (HIGH HOPES) gibt es im Anschluss an den Film eine Diskussion mit Beteiligten der Theaterproduktion.

Mr. Turner - Meister des Lichts

GBR

2014

Mike Leigh

Timothy Spall, Paul Jesson, Dorothy Atkinson

Ganz ruhig, fast wie in Zeitlupe, entfaltet Regisseur Mike Leigh in seinem Spielfilm-Künstlerporträt die Kamera-Bilder für die Betrachter und führt auf diese Weise angemessen in die atmosphärisch dichten Gemälde und Aquarelle des englischen Malers William Turner (1775 – 1851) ein. Der Film beginnt mit einer Landschaft im warmen Licht eines Nachmittags. Zwei Frauen spazieren gemächlich am Flussufer entlang und geben den Blick frei auf die massige Gestalt des Künstlers, der seine Umgebung – Wolken, Wasser, Felder – mit höchster Konzentration wahrnimmt und skizziert. Wir erleben seine bis heute faszinierenden Farbspiele auf Leinwand und Papier, die sich als Landschaften in Licht und Dunst, in Nebel und Dunkelheit lesen lassen, zugleich aber können sie als sinnliche Aussagen über das körperlose Licht begriffen werden, das in der Malerei in die Materialität von Farben übersetzt wird. Turners künstlerische Radikalität wurde von den Zeitgenossen teils gefeiert, teils als handwerkliches Unvermögen abgelehnt; sein Werk gilt heute als Meilenstein auf dem Weg in die Abstraktion des 20. Jahrhunderts.

Naked – Nackt

GB

1993

Mike Leigh

Johnny, der arbeitslose Anti-Held aus Manchester, flieht aus seiner Heimatstadt nach London. Zunächst quartiert er sich bei seiner EX-Geliebten Louise ein und mischt Ihre WG auf, danach verbringt er zwei Nächte und eine Tag auf den Straßen der Stadt und wird zum Beobachter und Kommentator einer aus den Fugen geratenen Welt. Das London der Nach-Thatcher-Ära ist ein Ort der Zerrissenheit, ein Schauplatz menschlicher Zerstörung. Den Menschen, denen Johnny begegnet, steht das Scheitern auf Gesicht und Körper geschrieben. Drogen, Alkohol und Ausweglosigkeit. Doch Johnnys unbedingter Wille zum Überleben und seine Energie machen NAKED trotz aller Trostlosigkeit zu einem aufrüttelnden und fesselnden Film. Gesprächsführung: Hans-Uwe Daumann, Leiter „Offener Kanal“ Ludwigshafen

Inuk

GRL/FRA

2010

Mike Magidson

Gaba Petersen, Ole Jørgen Hammeken

In seinem Spielfilmdebüt INUK erzählt Magidson eine Coming-of-Age-Geschichte eines verwahrlosten Jungen ohne Zukunft. Damit greift er in Grönland weit verbreitete Probleme auf: Inuk leidet unter seiner ständig betrunkenen Mutter und seinem gewalttätigen Stiefvater, während er keinerlei Aussichten auf einen Beruf hat. Eine Sozialarbeiterin bietet dem Jungen schließlich eine Herausforderung: Gemeinsam mit dem von der Vergangenheit traumatisierten Jäger Ikuma soll er sich den Strapazen einer wochenlangen Robbenjagd aussetzen. Vor atemberaubender Kulisse inszeniert Magidson einen Abenteuerfilm, in dem zwei sehr unterschiedliche Charaktere aufeinander treffen und sich ihren inneren Dämonen stellen müssen. Außerdem zeigen wir den Film am 9. u. 10.5. sowie vom 30.5. bis zum 1.6. in Originalfassung mit deutschen Untertiteln.

Dieses Sommergefühl

FRA/DEU

2016

Mikhaël Hers

Anders Danielsen Lie, Judith Chemla, Marie Rivière, Féodor Atkine

Eines Tages kippt die 30jährige Sasha mitten im Alltag um. Sie stirbt. Ihre Familie muss Abschied nehmen, ihr Freund Lawrence muss mit seiner Trauer umgehen. Auf ihn und auf Sashas Schwester Zoé konzentriert sich fortan die Geschichte, wenn mitten im Sommer der Tod Einzug hält, wenn der Schicksalsschlag verarbeitet werden muss. Aber es geht in DIESES SOMMERGEFÜHL nicht nur um Trauerarbeit, sondern um das Lebensgefühl junger Kosmopoliten, die neugierig sind auf das Leben. Zoé ist Französin, Lawrence Amerikaner, und Mikhaël Hers porträtiert diese beiden jungen Menschen über drei Sommer hinweg, in Berlin, in Paris, in New York. Mit dieser offenen, authentischen Dramaturgie gelingt es, Atmosphäre, Sensibilität, das Leben selbst filmisch einzufangen: Hers buchstabiert den Kern der Tragödie, die Stärke der Emotionen nicht aus, sondern setzt auf eine Leichtigkeit, die an Eric Rohmer erinnert.

Passagiere der Nacht

GTA

2022

Mikhaël Hers

Charlotte Gainsbourg, Quito Rayon-Richter, Noée Abita, Megan Notham, Emmanuelle Béart, Didier Sandre

Paris, 1981: In der Nacht der Präsidentschaftswahl feiert Frankreich den Sieg von François Mitterand. Es herrscht Aufbruchstimmung. Ändern wird sich auch Elisabeths Leben: Ihre Ehe ist zerbrochen, sie muss sich allein um ihre Teenager-Kinder kümmern. Sie findet Arbeit bei der nächtlichen Radiosendung „Les passagers de la nuit“ und lernt dort die junge, arbeitslose Außenseiterin Talulah kennen. Sie nimmt die ausgegrenzte, ziellose Jugendliche zu sich nach Hause – und Talulah scheint als Katalysator für das neue Leben der Familie zu wirken.
Mikhaël Hers (MEIN LEBEN MIT AMANDA, 2018) blickt zurück auf die 80er und fokussiert die Binnenverhältnisse eine Familie: Sein intimes, fesselndes Familienporträt fängt die scheinbar alltäglichen Momente des Familienmiteinanders ebenso liebevoll ein wie die somnambule Stimmung von Sinnlichkeit und Melancholie der Late-Night-Radionächte.

Die Hütte am See

FIN/GBR

2017

Mikko Makela

Janne Puustinen, Boodi Kabbani, Mika Melender

Leevi, der in Paris studiert, hilft im Sommer in der finnischen Heimat seinem Vater bei der Renovierung des Ferienhauses. Zur Unterstützung kommt Tareq hinzu, ein Architekt aus Syrien…
Ganz selbstverständlich erzählt der Film von einer schwulen Liebe: Nicht als schwere Tragödie, sondern als Bild einer zerbrechlichen sommerlichen Idylle: ein vielschichtiges romantisches Drama, das zusätzlich mit intensiven Sexszenen überzeugt. Läuft bei uns vor dem Kinostart!

Die Geschichte vom Holzfäller

FIN/DEU/DNK/NL

2022

Mikko Myllylahti

Jarkko Lahti, Hannu-Pekka Björkman, Iivo Tuuri

Bad Boy Kummer

CH/DEU

2010

Miklós Gimes

Tom Kummer, Nina Kummer, Andreas Lebert, Frances Schoenberger, Alexander Osang, Holger Hoetzel

Tom Kummer ist der Star der gefälschten Interviews. Er traf Sharon Stone, Sean Penn oder Bruce Willis zu langen, „ernsthaften Gesprächen“, die alle erfunden waren. Vier Jahre lang belieferte Kummer seriöse Blätter in Deutschland und der Schweiz, bis er aufflog. Kummer hat alle über den Tisch gezogen: Die Medien, die Stars, und vielleicht sich selber. Ein Film über das weggeworfene Leben eines großen Talents- und über die Frage, was Wahrheit ist. Professorin für Journalistik mit dem Schwerpunkt Wissenschaftsjournalismus an der Hochschule Darmstadt – PD Dr. Marc-André Reinhard, Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl Sozialpsychologie der Universität Mannheim, „Lügenforscher“ – Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ludwig M. Eichinger, Direktor des Instituts für Deutsche Sprache und Ordinarius für Germanistische Linguistik an der Universität Mannheim

Abrir puertas y ventanas – Offene Türen, offene Fenster

ARG

2011

Milagros Mumenthaler

María Canale, Martina Juncadella

Buenos Aires, Ende Sommer. Marina, Sofia und Violeta leben alleine in der großen Villa ihrer kürzlich verstorbenen Großmutter. Sie hat die drei Schwestern groß gezogen. Nun versucht jede der jungen Frauen auf ihre eigene Weise die Leere zu füllen, welche der Tod ihrer wichtigsten Bezugsperson hinterlassen hat. Mit traumwandlerischer Leichtigkeit, höchst einfühlsam und innovativ erzählt der vielfach prämierte Debütfilm von drei jungen Frauen im zeitlosen Raum zwischen Unschuld und Verantwortung.

Offene Türen, offene Fenster - Abrir puertas y ventanas

ARG/CH/NDL

2011

Milagros Mumenthaler

Maria Canale, Martina Juncadella

Vielfach prämiertes Debütdrama um drei Schwestern in Buenos Aires auf dem Weg zur Selbstständigkeit: Nach dem Tod ihrer geliebten Großmutter leben Marina, Sofia und Violeta alleine in dem Haus, in dem sie groß geworden sind. Es fällt ihnen nicht leicht, mit dem Verlust ihrer wichtigsten Bezugsperson fertigzuwerden und jedes der Mädchen entwickelt eine eigene Strategie, um den schweren Weg ins Erwachsenenleben zu finden. Doch eines Tages verschwindet ausgerechnet Violeta, die sich am meisten von allen zurückgezogen hat, spurlos…
"Der umfassendste, der gelungenste Film, und überdies ein Erstlingswerk. Für uns ein brillianter Film, ein perfektes Kammerspiel über Ausgesprochenes und Unausgesprochenes. Wir haben hier eine große Regisseurin, soviel ist gewiss." Paulo Branco, Jurypräsident Int. Filmfestival Locarno.

Mit 25 Gehts Bergab

DEU

2006

Milka Pavlicevic

Dem Anti-Aging-Trend auf der Spur: Mit 25 Jahren setzt der natürliche Alterungsprozess ein. Für viele bedeutet diese Erkenntnis den Anfang vom Ende. Mit Diäten und Fitnessprogramm versuchen sie, sich ihre Jugend zu erhalten. Und wenn das nicht mehr reicht, kommen Medikamente und die Chirurgie zum Einsatz. Die Dokumentation zeigt, dass weltweit Erfahrung und Lebensweisheit ihren Stellenwert längst eingebüßt haben und dass die Suche nach Mitteln und Wegen zur Erhaltung von Schönheit und Jugend kaum noch Skrupel kennt. Filmpartner: DRK/DRK-Jugend (also leider ab 18)

Nanouk

BUL/DEU/FRA

2019

Milko Lazarov

Mikhail Aprosimov, Feodosia Ivanova, Galina Tikhonova, Sergey Egorov, Afanasiy Kylaev

In der jakutischen Eiswüste des sibirischen Nordens leben einsam und in der Tradition ihrer Vorfahren Sedna und Nanouk, ein in die Jahre gekommenes Inuitpaar. Ihre Jurte besteht aus Rentierfellen, sie versorgen sich mit Jagen und Fischen: Es ist ein schweigsamer und rauer Alltag. Doch das Überleben wird schwieriger, denn die wenigen Tiere um sie herum verenden an einer mysteriösen Krankheit. Und die immer früher einsetzende Schneeschmelze und Stürme bedrohen die schützende Behausung. Chena, ein junger Mann, ist die einzige Verbindung zur Zivilisation – und zu Tochter Ága. Die hat vor langer Zeit diesen unwirklichen, lebensfeindlichen Ort, das traditionelle Leben und die Familie verlassen. Nanouk möchte seine Tochter noch einmal wiedersehen. Im Angesicht so vieler Entbehrungen macht er sich schließlich auf den Weg – von der Wildnis in die Stadt und zu Ága.

In großen Bildern, zeichnet der mehrfach preisgekrönte Film ein intimes Porträt einer unbeherrschten Welt, in der der Mensch dennoch geborgen ist in der Natur, die ihn umgibt. Immer wieder auch scheint eine magisch-poetische Ebene auf. Doch die erkrankte Natur, die Endlichkeit des Lebens, die Eiswelt und die Reise in die Moderne sind nur allzu real.

Im Anschluss Filmdiskussion.

Bitte beachten Sie die Programmänderung: Der ursprünglich angekündigte Film ZER muss leider entfallen.

Die Moskauer Prozesse

DEU

2013

Milo Rau

Politisches Theater in Moskau – auf der Bühne stehen dabei Akteure aus dem realen Leben: professionelle Anwälte, ein Richter, Zeugen und Experten aller politischen Couleurs. Im Stil eines Gerichtsdramas mit offenem Ausgang entsteht so ein verstörendes und widersprüchliches Bild des heutigen Russlands. Nach drei Tagen fällt ein Schöffengericht aus sechs Moskauer Bürgern ihr Urteil: für oder gegen die Demokratie, für oder gegen die Freiheit der Kunst.

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