Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Chefs Leckerbissen

ESP

2008

Nacho G

Javier Cámara, Lola Dueñas, Fernando Tejero

Er ist ein begnadeter Koch, beim Bereiten von Gaumenfreuden Perfektionist bis ins Mark und sehr offen schwul: der temperamentvolle Maxí (Javier Cámara). Sein schickes Restaurant liegt mitten in Madrids buntem Szeneviertel Chueca. Maxís größter Traum: ein Stern im Restaurantführer Michelin. Doch statt um die Verarbeitung bester Zutaten muss er sich um rote Zahlen, seine durchgeknallte Oberkellnerin Alex (Lola Dueñas) und ihre ständigen Männerprobleme kümmern. Und plötzlich – das hat gerade noch gefehlt – auch noch um zwei Kinder, seinen nach einer schiefgegangenen Ehe erfolgreich verdrängten Nachwuchs. Angesichts des exzentrischen Papas bricht dieser nicht gerade in Jubelstürme aus. Und dann ist da noch der attraktive neue Nachbar, ein argentinischer Ex-Fußballstar, bei dem Maxí wie auch seiner Kellnerin das Wasser im Munde zusammenläuft … Regisseur Nacho García Velilla tischt mit seinem Spielfilmdebüt eine wahrhaft köstliche Komödie auf, die als Top 1-Titel wochenlang die spanischen Kinocharts anführte. Beim Filmfestival in Malaga wurde die Gourmet-Farce sowohl mit dem Publikumspreis als auch mit dem Preis für den besten Schauspieler geehrt. Wir sagen: zu Recht! Und wünschen: Buen appetito! (also ab 18)

Aheds Knie

ISR/DEU/FRA

2021

Nadav Lapid

Avshalom Pollak, Nur Fibak, Yoram Honig, Lidor Ederi, Yonathan Kugler

Die 17jährige Palästinenserin Ahed Tamimi wurde 2017 verhaftet unter der Anklage, israelische Sicherheitskräfte bedroht zu haben; der nationalreligiöse Knesset-Sprecher tweetete echauffiert, dass Ahed mindestens einen Schuss ins Knie verdient habe. Nadav Lapid nimmt diese Episode als Ausgangspunkt für einen wütenden und angriffslustigen Film über Nationalismus, Zensur, Konformität: Der gefeierte Filmemacher Y. – unverkennbar ein Alter Ego des Regisseurs – soll in einer entlegenen Wüstensiedlung seinen letzten Film präsentieren. Dort legt ihm eine Beamtin des Kulturministeriums ein Formular vor, worüber Y. nach der Vorführung keinesfalls diskutieren darf: Siedlungsbau, Brutalität gegen Palästinenser, Sippenhaft bei Gewalttaten.
Der experimentell-essayistische Spielfilm über persönliche und politische Dämonen ist ein drastisches Hadern mit dem eigenen Land. Nadav Lapid, der für seinen vorherigen Film SYNONYMES den Goldenen Bär gewonnen hat, erhielt für AHEDS KNIE den Preis der Jury in Cannes.

Policeman

ISR

2011

Nadav Lapid

Yftach Klein, Yaara Pelzig

Yaron ist Anführer einer israelischen Anti-Terror-Einheit, fühlt sich wohl mit den Kollegen, seiner schwangeren Frau und den Aufträgen, die auch in der Tötung von Menschen münden. Gar nicht wohl in der Welt fühlen sich Shira und Natanel, die Anführer einer Gruppe von jugendlichen Revolutionären. Als Yaron die jungen Kidnapper einer Milliardärsfamilie eliminieren soll, trifft er dabei auf Shira und zwei Weltanschauungen prallen aufeinander. Die Geschichte klingt wie ein Entführungsthriller, ist aber ein präzises Psychodrama eines Landes, das sich nicht nur mit äußeren Feinden konfrontiert sieht.

Synonymes

FRA/DEU/ISR

2019

Nadav Lapid

Tom Mercier, Quantin Dolmaire, Louise Chevillotte, Uri Hayik

Yoav kommt nach Paris, um seiner ungeliebten Heimat Israel zu entkommen. Hier will er seine Nationalität und seine Herkunft auslöschen, kein hebräisches Wort will er mehr aussprechen. Doch seine Wohnung ist leer, seine Sachen werden ihm gestohlen. Immerhin bleibt ihm sein Wörterbuch, französische Synonyme sind seine Begleiter auf der Suche nach einem neuen Leben – doch das seltsame Paar Emile und Caroline, seine einzigen französischen Bekannten, die nervigen Besuche im Konsulat, ein Job als Aktmodell bzw. Pornodarsteller verdeutlichen nur das Niemandsland, in das er sich manövriert hat.
Zwischen Satire, Farce und existentiellem Drama verarbeitet Nadav Lapid eigene Erfahrungen – und erhielt dafür den Goldenen Bären der Berlinale 2019.

Yes

DEU/FRA/ISR/CYP

2025

Nadav Lapid

Ariel Bronz, Efrat Dor, Naama Preis, Alexey Serebryakov, Sharon Alexander

Tel Aviv nach dem Massaker des 7. Oktobers: Der Musiker Y. und seine Partnerin, die Tänzerin Yasmine, unterhalten als sexy Partyclowns mit grellen Performances eine dekadente israelische Oberschicht. In ihrer prekären Lage können sie es sich nicht leisten, „Nein“ zu sagen. Dann erhält Y. von einem russischen Oligarchen den Auftrag, eine patriotisch-blutige Hymne auf den Krieg Israels gegen die Palästinenser*innen zu schreiben, während über die Bildschirme Nachrichten vom Grauen in Gaza flimmern und sich die Straßen Tel Avivs mit nationalistischer Propaganda füllen.

Nadav Lapid (2019 Goldener Bär für SYNONYMES) zeigt zügellos und bissig sein Heimatland als Nation zwischen Dekadenz und Zerstörung, Hoffnung und Resignation. Zu Recht gilt Lapids mit Brutalität und Zärtlichkeit erzählte Satire auf eine von Krieg und Terror zerrissene Gesellschaft als Israels umstrittenster Film des Jahres.

The Green Prince

DEU/ISR/GBR

2013

Nadav Schirman

Mosab Hassan Yousef, Gonen Ben Yitzhak

The Green Prince erzählt die wahre Geschichte des ältesten Sohnes eines Hamas Gründers, der die Seiten wechselte. Die Dokumentation folgt der Lebensgeschichte des Mosab Hassan Yousef, der schon in jungen Jahren bereit ist, gegen Israel zu kämpfen. Er wächst im Westjordanland auf, sein Vater ist ein Gründungsmitglied der Terror-Organisation Hamas. Das Weltbild des jungen Palästinensers wird jedoch auf den Kopf gestellt, als er immer wieder Zeuge schrecklicher Verbrechen der Hamas wird. Mit 17 Jahren gelangt er illegal an Waffen, um Widerstand gegen Israel zu leisten. Nachdem er vom israelischen Geheimdienst festgenommen wird, trifft er eine folgenschwere Entscheidung: Er beschließt, als Spion für die israelische Geheimpolizei Shin Bet in den Dienst zu treten. Unter dem Decknamen The Green Prince führt er nun ein Doppelleben. Ihm gegenüber steht der Mann vom israelischen Geheimdienst, der ihn rekrutierte: Gonen Ben Yitzhak. Die beiden schildern die Ereignisse mit einer derartigen Ruhe, die ob des unglaublichen Themas einem beim Zuschauen fast den Atem raubt und gerade deswegen für unglaubliche Spannung sorgt.

Tage am Meer

ARG

2016

Nadia Benedicto

eticia Mazur, Sofía Del Tuffo, Lucá Frittaón, Lucía Aráoz de Cea, Patricio Aramburu

in Ausflug an eine Kleinstadt am Meer: Doch Sofía macht mit ihren Töchtern Irina und Patchi nicht einfach nur einen kleinen Strandurlaub. Sie hat sich frisch von ihrem Mann getrennt. Und muss sich neu finden. Während Irina ihre ersten Liebeserfahrungen macht und die Anfänge des Erwachsenseins erlebt, stürzt sich die kleine Schwester Patchi mit kindlicher Begeisterung ins Strandabenteuer und geht auch mal verloren. Und Sofía hat mit ihren Gefühlen zu kämpfen und lernt einen charmanten Fernsehmechaniker kennen – in einer psychologisch genau erzählten Geschichte um Beziehungen, innerhalb und außerhalb der Familie.

Das fehlende Grau

DEU

2015

Nadine Heinze, Marc Dietschreit

Sina Ebell, Rupert J. Seidl

Das deutsche Drama DAS FEHLENDE GRAU erzählt von den nächtlichen Erlebnissen einer jungen Frau mit Borderline-Syndrom. Das fehlende Grau war für Vickie nie ein Problem. Die junge Frau hat eine bunte Persönlichkeit und weiß, wie sie die Aufmerksamkeit von Männern auf sich ziehen kann. Dazu bewegt sie sich zwischen den Polen eines lautschrillen Auftretens und einer kindlich-leisen Zurückgezogenheit, denn Vickie leidet unter dem, was man klinisch als emotional instabile Borderline- Persönlichkeitsstörung bezeichnet. Auf ihren Streifzügen durch die Nacht sucht die impulsive Frau die Nähe zu anderen Menschen, nur um sie im nächsten Augenblick doch wieder von sich wegzustoßen. Sie folgt fremden Männern ins Hotel und nach Hause, kann in entscheidenden Momenten eine wirkliche Nähe jedoch nicht zulassen. Ihr Leben scheint eine Aneinanderreihung von Widersprüchen zu sein und obwohl sie stets um Kontrolle bemüht ist, können Vickies Ausschweifungen nicht immer so weitergehen. Als sie schließlich auf ein kleines Mädchen trifft, ändert sich alles…

Furyo – Merry Christmas, Mr. Lawrence

GBR/JPN

1983

Nagisa Oshima

Ryuichi Sakamoto, David Bowie, Tom Conti, Takeshi Kitano, Jack Thompson

1942. In einem japanischen Kriegsgefangenenlager stehen sich ein britischer Offizier und der japanische Kommandant als Vertreter zweier Kriegskasten und zweier Kulturen gegenüber. Vergangene Schuld, militärischer Ehrenkodex und homoerotische Anziehung bestimmen die Thematik dieses psychologischen Thrillers. Die zwei Hauptrollen werden von den Musikstars David Bowie und Ryuichi Sakamoto verkörpert. Bei der Musik zu diesem Film handelt es sich um Sakamotos erste Filmpartitur.
Einführung: Dr. Peter Bär

Im Reich der Sinne

JPN/FRA

1976

Nagisa Ōshima

Eiko Matsuda, Tatsuya Fuji, Aoi Nakajima, Yasuko Matsui, Meika Seri

Ein Film nach einem wahren Fall 1936 in Japan: Abe Sada arbeitet im Geisha-Haus von Kichizō, zwischen ihnen entwickelt sich eine leidenschaftliche Beziehung. Kichizō verlässt seine Familie für Sada, verfällt ihr mehr und mehr, sie geben sich abgeschottet von der Außenwelt ihren grenzenlosen Begierden hin, bis zum letzten, tödlichen Liebesakt.

Nagisa Ōshimas bekanntester Film gilt als Klassiker des erotischen Kinos – und sorgte wegen seiner Radikalität und Explizität für einen Skandal. Nun kommt der Film in restaurierter Qualität wieder in die Kinos: „Dieser kompromisslose Film ist nicht im Geringsten gealtert – vielleicht, weil Filme, die wirklich von Sex handeln, noch immer so selten sind, trotz der angeblichen Sexualisierung, die uns überall umgibt. Ōshimas Film erweitert und vertieft die sinnliche Sphäre.“ (The Guardian)

Nackte Jugend - Naked Youth

JAP

1960

Nagisa Oshima

Yusuke Kawazu, Miyuki Kuwano, Yoshiko Kuga, Fumio Watanabe

Ein Teenager-Liebespaar verdient sich Geld mit kleineren Gaunereien und mit Erpressungen, nachdem sich die Frau von älteren Männern im Auto hat mitnehmen lassen. Wie sich die beiden immer weiter in die Kriminalität hineinsteigern, erinnert an Godards AUSSER ATEM, der zur gleichen Zeit entstand: Beide Filme sind Ausdruck einer globalen Befindlichkeit, mit Gewesenem zu brechen und Neues zu entwickeln. Inhaltlich verknüpft NACKTE JUGEND Besitz und Sexualität, formal lässt Oshima die Bildsprache explodieren mit gewagten Blickwinkeln und radikaler Nähe der Handkamera. Seine erzählerische Wucht ließ Nagisa Oshima (IM REICH DER SINNE, 1976) zum führenden Vertreter der japanischen Neuen Welle werden.
Zum 10. Mannheimer Filmsymposium 1995 kam Nagisa Oshima persönlich nach Mannheim.
Einführung: Dr. Peter Bär, Cinema Quadrat

Der Sohn des Mullahs

SWE

2023

Nahid Persson Sarvestani

Der Arm des Regimes ist lang: Der regimekritische Journalist Roohollah Zam musste Iran verlassen, arbeitete von Frankreich aus, deckte korrupte iranische Netzwerke auf. Nach Morddrohungen wurde er unter Polizeischutz gestellt. Dann schlugen die iranische Regierung und ihre Geheimdienste zu: Zam geriet in eine Falle, wurde entführt, verurteilt, hingerichtet. Die schwedisch-iranische Regisseurin Nahid Persson Sarvestani begleitete Zams Exil-Leben seit 2019, filmte ihn in seinem Versteck – und auch ihr Leben wurde bedroht. Ihr Porträt eines Exilierten wird zum Spionagethriller und zur erschütternden Anklage eines unerbittlichen Staatsystems, sie „liefert ein komplexes Bild, was es heißt, im und zum Iran journalistisch investigativ zu arbeiten“. (Amnesty International)

Der Kampf geht weiter – nicht zuletzt mit Zams Tochter Niaz, einer wichtigen Akteurin der „Frauen Leben Freiheit“-Bewegung.

In Kooperation mit der Initiative Frauen Leben Freiheit Rhein-Neckar

Mit Einführung und Diskussion

El Tren Blanco

Argentinien

2003

Nahuel García

Am späten Nachmittag erreicht der aus den Vororten kommende so genannte „weiße Zug“ Buenos Aires. Er hat den Auftrag, die Ausgestoßenen des Systems aufzusammeln. Seine Passagiere sind die „cartoñeros“ (Kartonmenschen), Ausgestoßene, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, daß sie einsammeln, was andere weggeworfen haben. Der „tren blanco“ transportiert die Papiersammler, die in normalen Zügen unerwünscht sind, für umgerechnet 2,50 Euro für zwei Wochen abends in die Stadt hinein und nachts wieder heraus. Der Dokumentarfilm zeigt einen Abend im Leben der „cartoñeros“, erzählt in verschiedenen Episoden von Männern und Frauen sowie deren Kindern, die sie begleiten und von ihren unterschiedlichen Ansichten über ihre Arbeit. Diskussionsleitung: Günter Kipfmüller, Leiter des Goethe Instituts Mannheim-Heidelberg. Nur am 12.1. mit Moderation und anschließendem Gespräch.

Daniel Hope - Der Klang des Lebens

DEU/CHE

2017

Nahuel Lopez

Daniel Hope ist einer der vielfältigsten und bedeutendsten Geiger seiner Generation. Ein international umjubelter Star, der von Beijing über Berlin bis nach New York die großen Konzertbühnen bespielt. Seine Geschichte ist die einer einzigartigen Karriere. Es ist aber auch die Geschichte von Flucht und Vertreibung, von Heimatsuche und Identitätsfindung: Er wurde 1973 in Südafrika als Enkel deutscher Juden geboren, die in letzter Minute vor den Nazis flüchten konnten. Seine Familie siedelte als Apartheidsgegner nach England über. Dort traf Hope mit vier Jahren Yehudi Menuhin – und entschied seinen Lebensweg als Geiger. 2016 wurde er Musikdirektor des Zürcher Kammerorchesters und zog nach Berlin, ins Land seiner Vorfahren – Anlass für Nahuel Lopez, den Ausnahmemusiker dokumentarisch zu begleiten und ihn einfühlsam und facettenreich zu porträtieren.

Die Jungfrau, die Kopten und ich

FRA

2012

Namir Abdel Messeeh

Dieser Film ist eine echte Mutter-Sohn-Geschichte. Wie sollte es auch anders sein, wo es doch um die Jungfrau Maria geht. Ein Sohn dreht einen Dokumentarfilm, der der Mutter nicht in den Kram passt, der am Ende aber nur dank ihrer tatkräftigen Unterstützung vollendet wird. Bis dahin kabbeln sich Mutter und Sohn vor laufender Kamera, sie sticheln, sie drohen, sie tarnen und täuschen auf liebenswürdigste Weise und verstricken sich dabei immer mehr und immer konstruktiver in diesen Film, der eine psychosoziale Eigendynamik entfaltet, an deren Ende beide einen ganz neuen Zugang zu ihrer eigenen Familiengeschichte finden. Toll!

Die langen hellen Tage

GEO/DEU/FRA

2013

Nana Ekvtimishvili & Thomas Groß

Lika Babluani, Mariam Bokeria

Sommer 1992 in Tiflis. Georgien schlittert von der gerade erlangten Unabhängigkeit in einen blutigen Konflikt. Die beiden 14-jährigen Freundinnen Eka und Natia reifen in dieser Umbruchszeit von Mädchen zu Frauen. Sie nabeln sich mühsam von ihren Elternhäusern ab, wo viel gestritten oder befehligt wird. Sie rebellieren gegen die repressive Lehrerin, lassen eine Pistole, das Geschenk eines Verehrers, kreisen. Als der aggressive Kote Natia entführt, was nach alter Sitte ein Hochzeitsritual ist, fühlt sich Eka von ihr im Stich gelassen. Authentischer, autobiografisch geprägter Rückblick auf eine Mädchenjugend in Georgien 1992. Virtuos nimmt der Film von Ekvtimishvili und Groß die verschütteten Traditionen des georgischen Kinos wieder auf, verwebt Laut und Leise, Melancholie und Lieblosigkeit, Gewaltausbrüche und Idylle, frühreife Kaltblütigkeit und kindliche Naivität zu einer wunderbar rhythmischen, aufregenden filmischen Komposition.

Mein Freund Aus Faro

DEU

2008

Nana Neul

Anjorka Strechel, Lucie Hollmann, Tilo Prückner

Als die burschikose Mel von der Anhalterin Jenny für einen jungen Portugiesen gehalten wird, erfindet sie sich kurzerhand neu. Sie gibt sich als Miguel aus. Jenny und Mel verlieben sich Hals über Kopf. Eine Frage der Zeit, bis die Sache auffliegt mit Miguel. Das Erstlingswerk von Nana Neul gewann den Max Ophüls-Preis 2008 für das beste Drehbuch: „Ehe man sich versieht, zieht uns die Autorin mit eindrucksvollen Bildern in ein Spiel der Verführung und Verwirrung der Geschlechter. Ohne ein schweres Drama zu sein, erzählt uns der Film die dramatische Suche nach Identität durch ein fein gezeichnetes Figurenensemble. Mit wenigen Worten wird hier viel gesagt“, schrieb die Jury.

Maysoon

DEU/GRC

2025

Nancy Biniadaki

Sabrina Amali, Florian Stetter, Susanne Bormann, Zoë Valks

Eine Beziehung zerbricht, ein Reisepass läuft ab – und plötzlich steht alles auf dem Spiel.

Maysoon, ägyptische Archäologin, die als Museumsführerin in Berlin arbeitet, lebt mit ihrem Partner Tobi und ihren beiden kleinen Kindern zusammen. Alles ist gut – bis Tobi nach einem Strandausflug offenbart, dass er eine Affäre hat. Zugleich holt sie ihre politisch aktive Vergangenheit im Arabischen Frühling ein, zumal die Abschiebung droht. Während sie den Verlust ihrer Existenz, ihrer Familie und ihrer Kontrolle fürchtet, beginnt Maysoon einen Kampf – gegen Tobi, gegen das System, gegen sich selbst.

Sabrina Alami – Schauspielpreis beim Filmfestival Oldenburg – bringt eine herausragende Leistung, die alle Facetten von Zärtlichkeit, Verzweiflung und intensiver Wut umfasst. „Mutiger Film, der mit seiner Zartheit und Radikalität lange nachhallt.“ (epd Film)

Das Zimmer Meines Sohnes

I/F

2000

Nanni Moretti

Nanni Moretti, Laura Morante

In Ancona führen Giovanni und Paola mit ihren beiden heranwachsenden Kindern, der Tochter Irene und dem Sohn Andrea, ein harmonisches Familienleben. Giovanni ist Psychoanalytiker. In seiner Praxis werden ihm Neurosen offenbart, die in scharfem Kontrast zu seinem eigenen wohlgeordneten Dasein stehen. Giovanni pflegt zahlreiche Gewohnheiten, die seinem Leben Halt geben. Er liest, hört Musik und joggt unermüdlich durch die Stadt. Eines Morgens wird Giovanni zu einem seiner Patienten gerufen und kann so nicht, wie verabredet, mit seinem Sohn Andrea joggen gehen. Andrea beschließt, stattdessen mit seinen Freunden tauchen zu fahren. Er wird nicht mehr zurückkehren… Der bislang erfolgreichste Film von Nanni Moretti über Liebe, Leid und Hoffnung wurde 2001 bei den Filmfestspielen von Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. „Ein kongenial verfilmtes Drama, ein berührendes Meisterwerk! DAS ZIMMER MEINES SOHNES ist Nanni Morettis reifstes Werk. Ohne falsche Töne gelingt die Gratwanderung zwischen heiterer Leichtigkeit und tiefster Trauer.“ (Blickpunkt Film) Mit einem Vortrag von G. Schneider zu dem Thema „Tod und Unerreichbarkeit – das Ende der Psychoanalyse?“

Der Italiener

ITA/FRA

2006

Nanni Moretti

Silvio Orlando, Margherita Buy, Daniele Rampello

Bruno Bonomo ist ein Filmproduzent, und leider kein sehr guter. Noch dazu steht auch seine Ehe vor dem endgültigen Aus. Da spielt ihm das Schicksal das Drehbuch einer jungen Regisseurin in die Hände, „Der Kaiman“. Auf den ersten Blick scheint es ein Script zu einem mittelmäßigen Thriller zu sein, beim genaueren Hinsehen entpuppt es sich als eine Abrechnung mit den politischen Machenschaften Silvio Berlusconis, ein Stoff, der den Verzweifelten wachrüttelt: wild entschlossen macht er dieses riskante Projekt zu seiner neuen Lebensaufgabe, in der Hoffnung, dadurch nicht nur den finanziellen Ruin abzuwenden, sondern auch seine Ehe zu retten. Zwischen Scheidungskrieg und Finanzierungsproblemen, zwischen Hoffnung und Resignation balancierend, wird für Bonomo dieses Projekt zu einer Angelegenheit von Leben und Tod. Der neue Film des zur Zeit wohl bedeutendsten Regisseur Italiens, Nanni Moretti (APRILE, DAS ZIMMER MEINES SOHNES).

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