Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Brothers – Kardesler

TUR/DEU/BGR

2018

Ömür Atay

Yigit Ege Yazar, Caner Sahin, Gözde Mutluer, Cem Zeynel Kiliç

Als der erst 17-jährige Yusuf nach vier Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, kehrt er zurück in das rigide System von Familie und Tradition. Sein älterer Bruder Ramazan holt ihn ab – Erinnerungen und Schuldgefühle quälen beide Brüder. Denn Yusuf hatte für Ramazan die Schuld an der Ermordung seiner Schwester auf sich genommen: Als Minderjähriger wurde er mit verringertem Strafmaß verurteilt. Doch während Yusuf sich immer mehr in sich zurückzieht, verdrängt Ramazan die Vergangenheit und leitet mit Elan ein Motel an einer Schnellstraße Richtung Iran. Und Yusuf erkennt, dass er sich von seinem dominantern Bruder viel zu lange nicht gelöst hat – insbesondere, als Yasemin ins Leben der Brüder tritt.
Ömür Atay verbindet in seinem Debüt die Pole von Ehrenmord, Schuld und Strafe, von Blutbande und Tradition, von Moral und Gerechtigkeit, und erforscht in seinem emotionsgeladenen Drama die komplexe Psychologie seiner Charaktere.

Du erleuchtest die Nacht - Sen aydinlatirsin geceyi

TUR

2013

Onur Ünlü

Ali Atay, Demet Evgar, Damla Sönmez, Ercan Kesal, Ahmet Mümtaz Taylan, Serkan Keskin, Ezgi Mola, Nadir Saribacak, Cengiz Bozkurt

Das Leben in einem kleinen anatolischen Stadt schlendert auf: Cemal ist ein Linienrichter in der lokalen Fußballspiele, Yasemin arbeitet in einem Bauernhof, Defne verkauft Bücher aus ihrem Stand in der Stadt, Doktor Irfan ist beschäftigt mit seinen Patienten. In ihrer Stadt, die zwei Sonnen und drei Vollmonde am Himmel ihr eigen nennt, versucht Cemal, der sonst keine Erwartungen an das Leben stellt, einen Ausweg zu finden um an Yasemin heranzukommen, die wiederum Objekte aus der Ferne bewegen kann.
Onur Ünlü, 1973 in Izmit geboren, ist Regisseur, Dichter und Schriftsteller. Absolvierte die Fachbereich Kommunikationswissenschaften, Kommunication Arts. Dann, Marmara Universität , Fakultät für Kommunikation in der Abteilung für Kommunikationswissenschaften hat seinen Master-Abschluss.

Ceviche, mein Lieblingsessen aus Peru

CAN

2015

Orlando Arriagada

In den letzten zehn Jahren hat Peru die Welt mit seiner innovativen, wohlschmeckenden und abwechslungsreichen Gastronomie erobert. Das wichtigste Gericht hierbei ist der Ceviche, frischer Fisch oder Meeresfrüchte, mariniert im Saft der Zitrone mit Koriander und Chili, sowie mit den Beilagen Mais und Süßkartoffeln. Von der nördlichen Küste Perus durch den Amazonas bis nach Lima durchstreift der Dokumentarfilm die historischen, kulinarischen, kulturellen und soziologischen Aspekte dieses Gerichts, das seit der präkolumbianischen Zeit in Peru gegessen wurde und sich nun auf der ganzen Welt ausbreitet.
Orlando Arriagada, geboren in Chile, lebt in Québéc. Im Jahr 2000 produzierte er seinen ersten Film, der er bisher über 30 folgen ließ. Im Jahr 2007 gründete er die Produktionsfirma Pimiento. Seit 2011 arbeitet er auch als Dokumentarregisseur.
Peruanischer Gaumenschmaus
im Anschluss an den Film „Ceviche, mein Lieblingsessen aus Peru“
Clarisa Bravo, Köchin aus Leidenschaft, gibt im Anschluss an den Film den Besucher*nnen die Möglichkeit, die Vielfalt der Küche ihrer Heimat Peru kennenzulernen. Genießen Sie kulinarische Köstlichkeiten aus den Anden und genießen Sie einen ganz besonderen Gaumenschmaus mit peruanischen Häppchen: Unter anderem Mango-Ceviche, Ceviche mixto (Fisch), Ceviche Champignons, Papa a la Huancaína, Causa gefüllt.
An der Bar erwarten Sie Pisco Sour und andere peruanische Überraschungen.
Um Reservierungen oder Kartenvorkauf wird gebeten.
In Kooperation mit dem Förderverein Jugendhaus Waldpforte.
Eintrittspreis inkl. drei Appetithappen der peruanischen Küche:
Normal 22 €; ermäßigt 19 €; Mitglieder Cinema Quadrat/Medienforum HD 18 €

Taxi Para Tres

Chile

2001

Orlando Lübbert

Alejandro Trejo, Daniel Muñoz, FernandoGómez-Roviria

TAXI PARA TRES ist eine skurrile Tragikomödie aus dem modernen Chile nach dem Ende der Pinochet-Diktatur. Zwei Kleinkriminelle aus den Elendsvierteln Santiagos entführen ein Taxi mitsamt Fahrer. Nach einigem Widerstand erkennt der seinen eigenen Vorteil in dieser Allianz, und langsam entwickelt sich eine Art Freundschaft innerhalb dieses eigenartigen Trios. „Ich wollte keine larmoyant-politische Anklage“, sagt Regisseur Orlando Lübbert, „wir müssen Geschichten erzählen, die diese verkrampft-verhaltene Grundstimmung in unseren Ländern nach dem Ende der Militärdiktaturen aufgreifen – in Europa hat man noch immer eine sehr reduzierte Vorstellung vom lateinamerikanischen Film als eine reine Bebilderung politischer Militanz …“ TAXI PARA TRES wurde in Chile zu einem Publikumserfolg und 2001 beim Festival von San Sebastian als bester Film ausgezeichnet. In Zusammenarbeit mit dem Festival „Cine Latino“.

Citizen Kane

USA

1941

Orson Welles

Orson Welles, Joseph Cotten, Dorothy Comingore, Ruth Warrick, Everett Sloane

„Rosebud“, das ist das letzte Wort von Charles Forster Kane. Doch was soll das sein? Ein Journalist beginnt, der Spur dieses Rätsels zu folgen. Er stößt bei seiner Recherche auf das faszinierende Leben eines ehrgeizigen amerikanischen Medienzars der zwanziger Jahre, der als vielfacher Millionär Jahrzehnte lang über zahllose Zeitungen sowie Radiostationen herrscht. Doch der Erfolg macht aus ihm einen korrupten und machtgierigen Menschen. Eine Handlung, die mosaikartig aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird, eine Kameraarbeit, die mit bestechender Tiefenschärfe arbeitet: CITIZEN KANE ist so innovativ und originell, dass er zurecht über Jahrzehnte als bester Film aller Zeiten galt.
Einführung: Harald Mühlbeyer

Die Lady von Shanghai

USA

1947

Orson Welles

Rita Hayworth, Orson Welles, Everett Sloane, Glenn Anders

Elsa und ihr Ehemann Arthur Bannister heuern Michael O´Hara als Matrose für eine Reise mit der Luxusjacht von New York nach San Francisco an. Unterwegs kommt der Anwalt George Grisby, ein Geschäftspartner Arthurs, mit an Bord. Michael verliebt sich in die geheimnisvolle Elsa und sie gehen eine Affäre ein. Zugleich lässt sich O’Hara auf Grisbys Plan ein: Sie wollen Grisbys Tod vortäuschen, um die hohe Lebensversicherung zu kassieren. Mit den versprochenen 5000 Dollar will O‘Hara mit Elsa durchbrennen. Doch dann wird Grisby tatsächlich ermordet…

DIE LADY VON SHANGHAI ist ein fesselnder Noir-Klassiker von Orson Welles, der mit seiner ausgeklügelten Handlung und der atmosphärischen Dichte besticht. Die Kombination aus cleverem Plot-Twist, beeindruckenden visuellen Effekten (eine Schießerei im Spiegelkabinett!) und Welles‘ herausragender Regie macht diesen Film zu einem unvergesslichen Erlebnis.

F Wie Fälschung

FRA

1975

Orson Welles

Orson Welles, Oja Kodar, François Reichenbach, Elmyr de Hory, Clifford Irving, Edith Irving

Ein ironischer Filmessay über den wahren und den Waren-Wert der Kunst. Welles, der sich als Taschenspieler einführt und als Scharlatan bezeichnet („Dies ist ein Film über Tricks und Lügen“), präsentiert sich schließlich im Schneideraum als ein kommentierender, absoluter Herrscher über sein Material; ein sehr disparates Material, das sich auf drei Menschen konzentriert: den Kunstfälscher Elmyr de Hory, den durch seine falsche Howard-Hughes-Biographie bekannt gewordenen Clifford Irving und die jugoslawische Bildhauerin Oja Kodar, mit der der französische Filmdokumentarist François Reichenbach ein Feature über „Girl watching“ dreht. Welles setzt sich und seine wechselhafte Karriere mit dem Leben und der Arbeit dieser drei in Verbindung, zieht Parallelen zu großen und weniger erfolgreichen Künstlern und inszeniert schließlich mit Oja selber einen Fake, indem er glauben machen will, sie wäre ein Modell Picassos gewesen und hätte ihn zu 22 Bildern inspiriert. Sie aber habe diese Bilder dann verbrannt und durch eigene Fälschungen ersetzt. Welles ironisch zu Oja: „Darf ich dich Pablo nennen?“ Mit Kurzvortrag von Dr. Thomas Köllhofer zur Biographie des legendären Kunstfälschers Elmyr de Hory sowie zum Thema Kunstfälschung und Kunstmarkt.

Im Zeichen des Bösen

USA

1958

Orson Welles

Charlton Heston, Orson Welles, Janet Leigh, Akim Tamiroff

Das Ende des klassischen Film-noir-Genres beginnt mit einer der legendärsten Kamerafahrten der Filmgeschichte. Eine Autobombe explodiert an der Grenze zwischen den USA und Mexiko und hat die erbitterte Auseinandersetzung zwischen dem mexikanischen Drogenfahnder Vargas und seinem amerikanischen Kollegen Quinlan zur Folge.
Welles, von dem auch das Drehbuch stammt und der den unglaublich fetten Polizeicaptain verkörpert, hat IM ZEICHEN DES BÖSEN mit seinem typischen bahnbrechenden Inszenierungsstil versehen. Da das Studio mit Welles’ Fassung des Films nicht einverstanden war, zerschnitten die Produzenten den Film, ließen einige Szenen von einem anderen Regisseur nachdrehen und kürzten das Werk auf 95 Minuten. 1998 wurde ein Director’s Cut angefertigt, basierend auf einem alten Memo von Welles, der der ursprünglichen Vision so nahe kommt wie möglich.

In Front of Others

ISL

2016

Óskar Jónasson

Snorri Engilbertsson, Hafdis Helga Helgadottir, Hilmir Snær Guðnason, Svandis Dora Einarsdottir

Eine liebenswerte romantische Komödie: Der introvertierte Hubert hat Probleme im Umgang mit anderen Menschen. Als er Hanna kennenlernen möchte, behilft er sich damit, seinen besten Freund und dessen Selbstbewusstsein zu imitieren. Auch den isländischen Präsidenten kann er gut nachmachen, und um seine Schüchternheit zu überwinden, verfällt er in eine Stand-up-Comedy-Masche. Doch Hanna ist zunehmend genervt – wo bleibt Huberts Authentizität, wenn die Imitation anderer zur Zwangshandlung wird?

Jud Süß – Film ohne Gewissen

DEU/AUT

2010

Oskar Roehler

Tobias Moretti, Martina Gedeck., Moritz Bleibtreu, Justus von Dohnanyi, Armin Rohde, Paula Kalenberg, Ralf Bauer

Josef Goebbels will den Vernichtungsfeldzug gegen die Juden filmisch untermauern: JUD SÜSS wird unter der Regie von Veit Harlan zum Prestigeobjekt der Filmbranche. Ferdinand Marian ist als Hauptdarsteller auserkoren – und der lässt sich erfolgsgetrieben und naiv auf den Film ein. Zu spät begreift er, dass er in ein Vehikel des Holocaust hineingeraten ist, das nun sein Gesicht trägt – der bösartige antisemitische Propagandafilm JUD SÜSS erreichte bis 1945 nach Schätzungen 20 Millionen Menschen.
Oskar Roehler porträtiert mit großartiger Besetzung das Schicksal des Schauspielers Ferdinand Marian, der erkennen muss, dass ihm nichts übrigbleibt, als in einem mörderischen System zu funktionieren.
Einführung und Diskussion: Dr. Peter Bär
In Kooperation mit der Abendakademie Mannheim

Montag Morgen

Frankreich / Italien

2001

Otar Iosseliani

Jacques Bidou, Arrigo Mozzo, Anne Kravz-Tarnavsky

Auch in seinem 16. Film beschäftigt sich Altmeister Iosseliani mit kleinen Fluchten und dem Aufbegehren gegen ein sinnloses Dasein: Zwei Männer haben das Leben derart satt, dass sie sich dem neuen Wochenanfang einfach nicht mehr stellen wollen. Vincent, passionierter Raucher und Hobbymaler fühlt sich von seiner Familie und der Arbeit in der Fabrik drangsaliert. Und Alfred kann die ewig gleichen Gesichter und Meckereien in seinem Dorf nicht mehr ertragen. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach Venedig, wo sie schnell neue Freunde finden, u.a. einen verarmten Adligen, mit Hingabe von Iosseliani selbst gespielt. Die Leichtigkeit, mit der der gebürtige Georgier die kleinen Widrigkeiten und die Anarchie des Alltags inszeniert, hat ihm häufig den Vergleich mit Jacques Tati eingebracht. Iosselianis Humor ist skurril, seine Charaktere sind auf den ersten Blick bizarr – und doch der Wirklichkeit abgeschaut. LUNDI MATIN wurde im letzten Jahr auf der Berlinale mit dem silbernen Bären ausgezeichnet. „Es ist Iosselianis eigentümlich musikalische Filmsprache, die allem Gezeigten eine kaum zu fassende Leichtigkeit und Schönheit verleiht.“ (Katja Nicodemus, Die Zeit)

Die Heilige Johanna

USA

1957

Otto Preminger

Der Film basiert auf George Bernard Shaws „dramatischer Chronik“ von der mutigen Landjungfrau Johanna, die sich von Gott berufen fühlt, an der Spitze der französischen Truppen gegen die Engländer ins Feld zu ziehen und als Ketzerin verbrannt wird. Es entstand ein Werk, das stark dem Theater verpflichtet ist. Es spielt in einer Welt, in der alle Werte verloren sind und zwischen den Menschen keine Kommunikation mehr möglich ist.

Engelsgesicht

USA

1952

Otto Preminger

Robert Mitchum, Jean Simmons

Ambulanzfahrer Frank kann in letzter Sekunde Mrs. Tremanye retten, bevor sie in ihrem Auto an Gasen erstickt. Frank lernt ihre Tochter Diane kennen und lieben und stellt fest, dass die ihre Stiefmutter so sehr hasst, wie sie ihren Vater liebt. Als Diane das Auto der Stiefmutter manipuliert, stürzt der Vater mit in den Tod. Diane und Frank müssen sich vor Gericht verantworten, werden aber freigesprochen. Als Frank sich von ihr trennen will, wird Diane zur Furie… Böser Film noir, in dem Jean Simmons als Engel des Todes an der Seite von Robert Mitchum eine denkwürdige femme fatale gibt.

Wer fuhr den grauen Ford?

DEU

1950

Otto Wernicke

Otto Wernicke, Wolfgang Neuss, Erich Scholz, Til Kiwe, Hilde Sessak

Nach einer wahren Begebenheit im Mannheim des Jahres 1949: Drei junge Männer schlagen sich mit Gaunereien durchs Leben. Als einer von ihnen, der sensible Penny, aus Liebe zu einer Frau aussteigen will, überreden ihn seine Kumpane zu einem letzten Coup. Der spektakuläre Überfall auf einen Geldtransport verläuft nach Plan. Durch eine unvorsichtige Tat des moralischen Penny kommt die Polizei der Bande jedoch auf die Spur…

Dem Drehbuch lag der aufsehenerregende Mannheimer Postraub zugrunde, bei dem die Täter 160.000 Mark erbeuteten. Der Film findet seine Motive in Mannheimer Kneipen, am Hafen und auf den Straßen. Charakterdarsteller Otto Wernicke (DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE) lieferte mit WER FUHR DEN GRAUEN FORD? seine einzige Regiearbeit ab. Das Ergebnis ist ein ebenso spannender wie intelligenter Krimi um eine Gruppe junger Männer, die in den Wirren des Nachkriegs-Deutschland aus Mangel an Zukunftsperspektiven auf die schiefe Bahn geraten.

Die Uraufführung fand in Mannheim statt.

Augenblicke

BRD

1972

Ottomar Domnick

Eine „lyrische Paraphrase über die Zerstörung unserer Umwelt“ nannte Ottomar Domnick AUGENBLICKE, den dritten Teil seiner ‚Trilogie der abstrakten Reflexionsfilme‘: „Mich drängte es, das Thema ‚Zerstörung‘ zu vollenden: Zerstörung des menschlichen Lebens durch Krebskrankheit und Atombombe („ohne datum“), Zerstörung des Geistes durch Unterdrückung und Terror („N.N.“), und jetzt – wenn auch stiller, aber unausweichlicher – Zerstörung der Welt, auf der wir leben: Umwelt.“ Domnicks letztes Werk ist ein frühes Öko-Epos, allerdings bar jener Sentimentalität, die die Naturschutzbewegung bis heute charakterisiert – in gewisser Hinsicht ist sein nächster Verwandter hier Antonioni („Il deserto rosso / Die rote Wüste“): Gleich dem Meister aus Ferrara ist Domnick fasziniert von den Mutationen und falschen Farben, von der Gestalt dieser neuen Welt. Irgendwo ist alles Schaffen Zerstörung.

Gino

BRD

1960

Ottomar Domnick

Eleonore van Hoogstraten, Kurt Haars

Der Besitzer eines Steinbruchs empfindet sein Leben als einsam und leer. Immer wieder greift er zum Telefon und ruft seine Ex-Frau, eine Schriftstellerin, an und bleibt doch stumm, wenn sie den Hörer abnimmt. Seine Kontaktunfähigkeit und immer noch rege Eifersucht verführen ihn zu dem Einfall, seine Ex-Frau durch einen jungen italienischen Gastarbeiter überwachen zu lassen. Dieser dringt nun allabendlich in deren Wohnung ein und steht sprachunmächtig und schüchtern zwischen dem kühl-modernen Luxus. Die Frau lässt ihn gewähren, geneigt, den blinden Zufall auszunutzen. Doch das Sehnen des Jungen gilt nicht ihr, sondern ihrem Wagen und dem Traum vom schnellen Fahren. Enttäuscht und in ihrer Eitelkeit gekränkt, überlässt sie ihm, wohl wissend, dass er nicht fahren kann, ihre Schlüssel.

Jonas

DEU

1957

Ottomar Domnick

Robert Graf, Elisabeth Bohaty, Heinz-Dieter Eppler

Ottomar Domnick (1907-1989) war Facharzt für Neurologie und Psychiatrie. Seine große Leidenschaft galt der zeitgenössischen Kunst, Musik und insbesondere dem Film. Neben dokumentarischen Kurzfilmen machte er in 50er und 60er Jahren auch abendfüllende Filme, mit denen er zum Pionier des deutschen Autorenfilms avancierte. JONAS liefert einen zynischen, konsumkritischen Kommentar zum Wirtschaftswunder und der Einsamkeit der Großstadtmenschen. Die einfache Geschichte erzählt in ausdrucksstarken Bildern von einem Mann, der, seines eigenen Hutes beraubt, den eines anderen stiehlt und folglich in einen Gewissenskoflikt gerät. Eine experimentelle Collage aus Text, Bild und Jazzmusik. Mit Einführungen von Dr. Inge Herold und Dr. Peter Bär. Ort: Kunsthalle Mannheim.

N.n.

BRD

1968

Ottomar Domnick

Ein erfolgreicher Architekt erhält den Auftrag für den Bau eines „perfekten Gefängnisses“. Nach anfänglicher Begeisterung befallen ihn im Laufe der Planung immer mehr Zweifel an Recht und Unrecht, die ihn schließlich in eine tiefe seelische Krise stürzen. „Diese Geschichte eines Erfolgsmenschen, der von dem Konflikt zwischen Auftrag und Verantwortung aufgerieben wird, steht als Beispiel für den Menschen dieser Zeit, exemplarisch für uns alle.“ (Kurt Leonhard)

Ohne Datum

BRD

1962

Ottomar Domnick

Ein Mann Anfang vierzig hat von seinem Arzt erfahren, dass er an einem inoperablen Tumor leidet. Er wird mit verschiedenen Strahlentherapien behandelt, jedoch bleibt ungewiss, ob diese helfen können oder ob an einem Tag, der noch ohne Datum ist, der Tod eintritt. Domnick weiß, dass es keine Bilder und Töne für Verzweiflung und Hoffnung gibt: So sind diese Gefühle hier denn auch bloß der Ausgangspunkt für eine Meditation über Formen – Infusionsschläuche, Atemgeräte, Bettgestänge, Fensterrahmen – und was sie über ihre Welt – das Krankenhaus, das Siechen- sagen können. „OHNE DATUM ist der entschlossenste Schritt zum absoluten Film hin, der seit langem nicht nur in Deutschland, sondern in der Welt gewagt worden ist.“ (Stuttgarter Zeitung)

Ich wünsche dir ein schönes Leben

FRA

2015

Ounie Lecomte

Céline Sallette, Anne Benoît, Elyes Aguis, Françoise Lebrun

Elisa, Physiotherapeutin, zieht zusammen mit ihrem Sohn Noah für einige Monate als Vertretung in einer Praxis nach Dünkirchen. Dort ist Elisa vor 30 Jahren anonym geboren und von ihrer leiblichen Mutter direkt zur Adoption freigegeben worden. Obwohl sich ihre Mutter nach wie vor nicht zu erkennen geben möchte, hofft Elisa auf ein Einlenken oder auf den Zufall. Sie möchte nicht nur ihre eigenen, sondern auch die Fragen ihres Sohnes Noah beantworten können. Wer die unbekannte Mutter ist, ahnt der Zuschauer alsbald – die Frage ist, ob und wie ein Zusammenkommen möglich oder erwünscht ist. Regisseurin Ounie Lecomte entfaltet ein intimes Familiendrama, in dem das Körperliche – bei der Berufsausübung der Physiotherapeutin – und das Seelische – die Nachvollziehbarkeit von Wünschen, Fragen und Entscheidungen – in so perfekte wie fragile Balance gebracht werden.
Preview vor dem Bundesstart!

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