Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Little Senegal

ALG

2000

Rachid Bouchareb

Sotigui Kouyaté, Sharon Hope, Roschdy Zem, Karim Traoré, Adetoro Makinde

Nachdem Alloune jahrelang Fremdenführer in einem senegalesischen Sklavenmuseum war, will er nach seiner Pensionierung endlich seine eigene Familiengeschichte erforschen. Er macht sich auf die Spuren seiner Vorfahren in die USA und gelangt schließlich nach mühseligen Recherchen in den Südstaaten nach New York. Dort, in einem Wohnviertel namens Little Senegal in Harlem, findet er seine entfernte Cousine Ida und seinen Neffen Hassan. Doch seine neu entdeckten Verwandten zeigen sich wenig begeistert. Ihre alltäglichen Probleme sind zu groß, als daß sie sich für ihre afrikanischen Wurzeln interessieren, zumal sie sich mehr als Afroamerikaner denn als Afrikaner fühlen. In langen ruhigen Einstellungen erzählt der französische Regisseur Bouchareb in seinem einfühlsam inszenierten Film die Geschichte der Sklaverei mit den aus ihr resultierenden sozialen Problemen in der Gegenwart. Dabei wirkt der erste Teil, Allounes Spurensuche, fast dokumentarisch, zeichnet sie doch die Recherche Boucharebs nach. Angesichts der tiefen Spaltung zwischen Afroamerikanern und Afrikanern spart er sich eine Dramaturgie, die auf Versöhnung und ein schlichtes Happy-End hinausläuft. Homepage des Verleihs: www.alamodefilm.de

Tour de France

FRA

2016

Rachid Djaïdani

Gérard Depardieu, Sadek, Louise Grinberg

Der 20jährige Far’Hook gilt als kommender Star in der französischen Rap- Szene. Er gibt sich mit seiner ins Gesicht gezogenen Basecap und seinen wüsten Texten hart – muss aber nach einem Hahnenkampf mit einem anderen Rapper schleunigst untertauchen. Sein Produzent verweist ihn an seinen Vater Serge – der ist Hobbymaler und will auf einer kleinen Tour französische Hafenstädte abklappern auf den Spuren von Joseph Vernet, dem Haus und Hafen-Maler von Louis XV. Far’Hook darf Serges Staffelei schleppen und sich dessen Sprüche über Far’Hooks Herkunft anhören; der Altlinke Serge ist inzwischen in Front National-Richtung abgedriftet. Es folgt ein aberwitziger Generationen- und Kulturenclash zwischen dem jungen Rapper und dem knurrigen Alten. Gérard Depardieu hat in den letzten Jahren Gefallen gefunden an absonderlichen Buddy-Filmtrips – in diesem Fall entsteht in der Partnerschaft mit dem Rapper Sadek „ein krauses kleines Roadmovie, in dem gesungen, gemalt und gedichtet wird.“ (epd Film)

Sommer auf dem Land

DEU/POL/FIN

2011

Radoslaw Wegrzyn

Zbigniew Zamachowski, Lucyna Malec

Nach dem Tod seiner geliebten Frau Iza gibt sich Konzertpianist Bogdan ganz seiner Trauer und auch dem Alkohol hin. Schon als Kinder hatten sich die beiden die ewige Liebe versprochen, umso schwerer wiegt der Verlust. Nun lebt er allein auf dem Bauernhof seiner Mutter. Eine Entdeckung verhilft Bogdan zu neuer Lebensfreude: Klara, seine Kuh, reagiert begeistert auf klassische Musik! Außerdem glaubt der Witwer in Klara seine reinkarnierte Frau zu erkennen. Bald ist das gesamte Dorf verrückt nach Klaras Milch… Osteuropäisch-tieftragisch-skurril-komisch!

Kontinental ’25

ROU

2025

Radu Jude

Eszter Tompa, Gabriel Spahiu, Adonis Tanța, Șerban Pavlu

In Cluj, der Hauptstadt Transsylvaniens, soll Gerichtsvollzieherin Orsolya ein Haus zwangsräumen. Ein Luxushotel soll dort errichtet werden – doch ein Obdachloser, vertrieben aus seinem Unterschlupf im Keller, begeht Selbstmord. Von Schuldgefühlen geplagt sucht Orsolya Rat – aber weder ihr Ehemann, ihre beste Freundin, einer ihrer ehemaligen Studenten noch die Beichte bei einem orthodoxen Priester können ihr moralisches Dilemma auflösen.

In seiner auf dem iPhone gedrehten Tragikomödie verweist Radu Jude (Goldener Bär 2021 für BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN) auf die Widersprüche und Heucheleien des modernen Europas: In Cluj herrschen sowohl der Aufschwung in Tourismus und Baubranche wie auch Armut, Obdachlosigkeit und Nationalismus. Ist Orsolya die Einzige, die sich ihre Menschlichkeit bewahrt hat?

Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen

ROU/BGR/DEU/FRA/CZE

2018

Radu Jude

Ioana Iacob, Alexandru Dabija, Alex Bogdan, Ilinca Manolache, Erban Pavlu, Ion Rizea

Unter Staatsführer Ion Antonescu wurde der massive Antisemitismus in der rumänischen Gesellschaft zur offiziellen Vernichtungspolitik erklärt; unter seiner Leitung wurden im Oktober 1941 über 25.000 Juden in Odessa massakriert. Seine Rolle im Zweiten Weltkrieg wird aber bis heute glorifiziert.
Eine junge Regisseurin plant nun eine groß angelegte, radikale Theateraufführung zu Rumäniens Beteiligung am Holocaust. Als Reenactment der damaligen Ereignisse soll das Theaterstück das Publikum aufrütteln, doch bereits vor der Premiere zeigen sich zahlreiche Probleme: Es gibt Unmut unter den Komparsen, die Stadtregierung möchte das Stück zensieren, und auch in Marianas Privatleben läuft nicht alles glatt. Die als Weckruf konzipierte Performance gerät Schritt für Schritt zur Farce. Und der Film – dessen Titel sich auf ein historisches Zitat Antonescus bezieht – entpuppt sich als so kluge wie komplexe Mischung aus geschichtlicher Rekonstruktion und absurder Komödie, die mit Mitteln der Brechungen und Spiegelungen verschiedener Erzählebenen Geschichtsvergessenheit, Erinnerungskultur und die Möglichkeiten und das Scheitern politischer Kunst verhandelt.

Tuesday After Christmas

ROU

2010

Radu Muntean

Maria Popistasu, Mimi Branescu, Mirela Oprisor

Raluca und Paul küssen sich, lachen zusammen und necken sich gegenseitig. Sie sind wie frisch verliebt. Aber Paul ist seit zehn Jahren mit Adriana verheiratet und Vater einer Tochter. Raluca ist seine Geliebte. Paul, der in seinem Alltag mit scheinbarer Leichtigkeit zwischen Familie und Affäre wechselt, ist glücklich. Doch als sich Raluca und Adriana zufällig begegnen, wird ihm klar, dass er sich für eine der zwei Frauen entscheiden muss. Noch vor Weihnachten.

It's Winter

RN

2005

Rafi Pitts

Mitra Hadjar, Ali Nicksolat, Hashem Abdi

Der iranische Familienvater Mokhtar (Hashem Abdj) verliert im Winter seine Arbeit und sieht keine Chance, in der Heimat eine neue Anstellung zu finden. Deshalb trennt er sich zeitweilig von Frau und Kindern: Er geht ins Ausland, um dort sein Glück zu suchen. Doch er lässt monatelang nichts von sich hören, er ruft weder an noch schickt er einen Brief. Im Herbst kommt Marhab (Ali Nicksolat), der selbst auf der Suche nach Arbeit ist, in die Stadt. Er lernt die zurückgelassene Frau kennen, von der es heißt, sie habe keinen Ehemann mehr. Ohne große Erklärungen auskommendes iranisches Drama, in dem Rafi Pitts (DIE FÜNFTE JAHRESZEIT) die Realität mit sparsamen und poetischen Bildern einfängt. Vier Personen aus der Arbeiterklasse müssen darin das schwere Leben in einem Dorf meistern.

Soy Nero

MEX/FRA/DEU

2016

Rafi Pitts

Johnny Ortiz, Khleo Tomas, Rory Cochrane, Michael J. Harney

Der junge Mexikaner Nero gelangt inmitten des Feuerwerks zur Silvesternacht durch den Grenzzaun in die USA. Sein erstes Ziel ist sein Bruder, der in Beverly Hills als Angestellter in einer Luxusvilla wohnt. Sein Plan ist, eine Green Card zu erhalten: Dazu muss er sich zwei Jahre in der Armee einschreiben – indem er für die USA kämpft, kann er Bürger der USA werden.
Rafi Pitts – der in England studiert hat, im Iran Filme drehte und in Paris lebt – reduziert seine Geschichte von emotionalen, sozialen und realen Grenzen auf vier Schauplätze, an denen sich das Schicksal von Nero vollzieht, vom Grenzübergang über die Fahrt hinein ins gelobte Land zum feudal-dekadenten Anwesen bis zum Wachtposten in der nahöstlichen Wüste. Für seinen kammerspielartigen Ansatz findet Pitts atemberaubende, aber auch harte Bilder in diesem ersten Film, der die Green Card Soldiers in den Fokus der Geschichte nimmt. Der Film basiert auf einem realen Fall und beleuchtet die Praktiken, die zur Erlangung der US-Bürgerrechte führen sollen. Wenn sie funktionieren.

Zeit Des Zorns

IRN/DEU

2010

Rafi Pitts

Rafi Pitts, Mitra Hajjar, Ali Nicksaulat

Ali lebt mit seiner Frau und seiner sechsjährigen Tochter in der Metropole Teheran. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis arbeitet er in einer Fabrik, doch wegen seiner Gefängnisstrafe erlauben ihm seine Vorgesetzten nur, während der Nachtschicht zu arbeiten. Zeit mit seiner Familie kann Ali deswegen kaum noch verbringen. Dennoch versucht er, ein normales Leben zu führen. Von Zeit zu Zeit zieht er sich in die Wälder zurück, wo Stille herrscht und Einsamkeit. Hier, im Niemandsland wilder Natur, geht Ali auf die Jagd. Im Dickicht der Bäume sucht er nach einem möglichen Ziel. Doch die trügerische Ruhe seiner geregelten Lebensbahnen wird herausgefordert, als die Stadt in Aufruhr gerät. Menschenmassen ziehen durch die Straßen und die Tumulte erfassen bald auch Ali und seine Familie. Eines Tages kehrt Ali in eine verwaiste Wohnung zurück – seine Frau und seine Tochter sind spurlos verschwunden. Nach stundenlangem Warten auf der Polizeistation erfährt er schließlich, dass seine Frau bei einer Demonstration erschossen wurde, doch von seiner Tochter fehlt jede Spur. Hilfe kann er von der Polizei nicht erwarten – im Gegenteil, sie verdächtigt ihn, mit den Demonstranten zu sympathisieren. Zwei Tage später wird auch sein Kind tot aufgefunden. Von maßlosem Zorn ergriffen, nimmt Ali sein Gewehr und bezieht Stellung auf einem Aussichtspunkt über den zirkulierenden Highways Teherans. Als ein Polizeiwagen in sein Blickfeld gerät, glaubt Ali sein Ziel gefunden zu haben. ZEIT DES ZORNS ist die so melancholische wie drängende Anatomie einer Rache. Mit Bildern, die nach Himmel und Hölle greifen, gelingt Rafi Pitts ein zeitloses, hochsymbolisches und lyrisches Kunstwerk über Stillstand und Bewegung in einem getriebenen Land. Der schon mehrfach preisgekrönte Regisseur lässt aus Entrückung und Schweigen eine fesselnde Leuchtkraft entstehen, er schuf das aufrechte Porträt einer unbefriedeten und unbefriedigten Gesellschaft. „Ein verzweifelt starkes Stück Kino aus dem Iran.“ (Der Tagesspiegel).

Miyama, Kyoto Prefecture

DEU/JAP

2022

Rainer Komers.

Das karge und autarke Leben in den japanischen Bergen nördlich von Tokio, eingefangen zwischen Regenzeit und erstem Schnee. Ein Ort, den die Zeit vergessen hat – und doch, selbst hier, ein Gefühl der Unruhe zwischen Tradition und Moderne. Rainer Komers porträtiert die Dorfgemeinschaft von Miyama: junge Familien, die versuchen, sich eine Existenz aufzubauen, die Alten, die ein genügsames Leben aus einer anderen Zeit zu führen scheinen, die Natur, der traditionelle Reisanbau, der Kampf gegen die Makaken. Und Uwe Walter aus dem Ruhrgebiet: ein Kenner des traditionellen No-Theaters und ein Meister der Shakuhachi-Flöte, der vor Jahrzehnten das abgelegene und ruhige Leben in Miyama für sich gewählt hat.
„Wer immer schon das Gefühl hatte, eine gewisse Sehnsucht nach dem japanischen Landleben zu verspüren, findet in diesem Kunstwerk von einem Dokumentarfilm tausend Gründe dafür.“ (Frankfurter Rundschau)

November

EST/NDL/POL

2017

Rainer Sarnet

Dieter Laser, Taavi Eelma, Rea Lest

Herbst in einem estnischen Dorf: Der alte deutsche Baron schwelgt zusammen mit seiner Tochter im heruntergekommenen Schloss im Reichtum, während die Bauern versuchen, den Winter zu überleben. Und dafür ist jedes Mittel recht. Es wird gestohlen, betrogen, die Menschen verkaufen ihre Seelen an den Teufel. Werwölfe, Geister und die Pest treiben ihr Unwesen. In dieser sonderbaren Welt treffen sich zwei junge Menschen: Das Bauernmädchen Liina liebt den Dorfjungen Hans, doch der ist in die junge Baroness verliebt – und beiden ist für die Liebe jedes Mittel recht.
Visionär, absurd und derb, fantasievoll, unheimlich und wunderschön: Regisseur Rainer Sarnet hat dieses dunkle Erwachsenen-Märchen, frei nach Andrus Kivirähks Erfolgsroman „Der Scheunenvogt“ aus dem Jahr 2000, in kontrastreichem Schwarzweiß inszeniert: Beim Tribeca Film Festival wurde NOVEMBER für die beste Kameraarbeit ausgezeichnet.

Wo bist Du, João Gilberto?

EST/NLD/POL

2017

Rainer Sarnet

Dieter Laser, Taavi Eelma, Rea Lest

„Girl from Ipanema“, „Chega de Saudade“ oder „Corcovado“ – diese Klassiker des Bossa Nova sind nach wie vor Welthits der lateinamerikanischen Musik. Erfunden wurde ihr einzigartiger, leiser Klang von einem Mann, dessen Gitarre und Gesang alle kennen, mit dem aber seit langem kaum jemand gesprochen hat, weil er sich seit dreißig Jahren in einem Hotelzimmer in Rio de Janeiro versteckt: João Gilberto. 2011 erschien mit „Hobalala“ ein Buch des deutschen Journalisten Marc Fischer über die obsessive Suche nach der verschollenen Musiklegende – Georges Gachot nimmt sich nun sowohl dieses Buches als auch der Spurensuche an: Die Suche nach dem Phantom, das detektivische Aufspüren von Indizien und die besessenen Individuen Fischer und Gachot verschmelzen und gehen auf in der Sehnsucht, die der Bossa Nova beschwört.

Angst Essen Seele Auf

BRD

1972

Rainer Werner Fassbinder

Brigitte Mira, El Hedi Ben Salem, Barbara Valentin

Der Filmtitel ist mittlerweile zum geflügelten Wort geworden, selbst der Duden „Zitate und Aussprüche“ listet den Satz als stehende Redewendung. Entstanden ist der Titel zufällig durch eine Äußerung El Hedi Ben Salems, damaliger Gefährte Fassbinders und Hauptdarsteller des Films.: Die Putzfrau Emmi und der Marokkaner Ali gehören zu den Außenseitern der Gesellschaft. Sie ist verwitwet und einsam, er hat als Gastarbeiter kaum Kontakt zu Deutschen. In einer Kneipe begegnen sie sich, wagen einen Tanz und gehen zu Emmi nach Hause. Aus Sympathie wächst Liebe. Emmi und Ali heiraten. Emmis Kinder, die Nachbarn, die Wirtin, sie alle sind entsetzt über die „unmoralische“ Verbindung des altersmäßig ungleichen Paares. Gleich zwei Tabus werden in Rainer Werner Fassbinders Film gebrochen: Die Beziehung einer älteren Frau zu einem jüngeren Mann und die Ehe mit einem Ausländer, einem Gastarbeiter, der dazu noch ein Farbiger ist. Anfang der 70er Jahre, als der Film gedreht wurde, war das eine skandalöse Konstellation. Heute, mehr als 35 Jahre später, hat die Thematik nichts von ihrer Brisanz eingebüßt. Brigitte Mira in der Hauptrolle war ein Glücksgriff des Regisseurs. Ihre Leistung wurde mit dem Bundesfilmpreis gewürdigt, der Film erhielt u.a. den Preis der internationalen Filmkritik 1974 in Cannes. Im Anschluss zeigen wir den in Mannheim gedrehten Kurzfilm „Angst isst Seele auf“ . Der Regisseur Shabaz Noshir wird anwesend sein.

Die Dritte Generation

BRD

1978

Rainer Werner Fassbinder

Eddie Constantine, Hannah Schygulla, Volker Spengler

Westberlin 1978. Ein Haufen gelangweilter Aussteiger verübt aus Protest eine Reihe von Anschlägen. Was die Möchtegern-Terroristen nicht ahnen: Sie werden manipuliert. Ein internationaler Computerkonzern nutzt ihre Aktionen geschickt für seine eigenen Zwecke. Der Staat soll gezwungen werden, neue Fahndungscomputer zu kaufen… Deutschlands erfolgreichster Nachkriegsregisseur Rainer Werner Fassbinder blickt hinter die Kulissen der dritten RAF-Generation.

Die Sehnsucht Der Veronika Voss

BRD

1982

Rainer Werner Fassbinder

Rosel Zech, Hilmar Thate, Annemarie Düringer, Armin Mueller-Stahl

München 1955: Der Sportlehrer Robert Krohn lernt den früheren UFA-Filmstar Veronika Voss kennen. Die Kriegszeit und der Untergang der glanzvollen deutschen Filmindustrie beendeten Veronikas Karriere und zerstörten ihre Ehe. Niemand interessiert sich mehr für den ehemaligen großen Filmstar. Ihr einziger Ausweg ist die Flucht in Alkohol und Morphium, was wiederum die skrupellose Ärztin Dr. Katz rücksichtslos ausnutzt. Robert will sie aus diesem Teufelskreis befreien und stellt der Ärztin eine Falle… Nach DIE EHE DER MARIA BRAUN und LOLA ist dies der dritte Film von Rainer Werner Fassbinder in seiner Auseinandersetzung mit der Adenauer-Ära – ausgezeichnet mit dem „Goldenen Bären“ 1982.

Effi Briest

BRD

1974

Rainer Werner Fassbinder

Hanna Schygulla, Wolfgang Schenck, Ulli Lommel

Die siebzehnjährige Effi Briest, Tochter eines märkischen Gutsbesitzers, macht eine „gute Partie“. Sie wird mit dem zwanzig Jahre älteren Baron von Instetten, einem preußischen Landrat in Hinterpommern, verheiratet. Unausgefüllt von ihrer Ehe mit dem karrierebewußten Beamten, erlebt die romantisch veranlagte Effi eine kurze Liebesaffäre mit dem attraktiven Major Crampas. Als ihr Mann sechs Jahre später davon erfährt, fordert er den Ex-Liebhaber zum Duell. „Unter den deutschen Literaturverfilmungen zählt EFFI BRIEST, diese bewundernswerte Anstrengung eines 27-jährigen, zu den Meisterstücken.“ (Wolfram Schütte, Frankfurter Rundschau)

Händler der vier Jahreszeiten

DEU

1971

Rainer Werner Fassbinder

Hans Hirschmüller, Irm Hermann, Andrea Schober, Gusti Kreissl, Klaus Löwitsch, Hanna Schygulla, Kurt Raab, Ingrid Caven

Ende der 1950er, mitten im Wirtschaftswunder, zieht Obsthändler Hans Epp mit seinem Karren durch die Hinterhöfe – doch sein Leben kann mit dem florierenden Gewerbe nicht mithalten: Seine Lebenspläne sind alle gescheitert, der Mutter kann er nie genügen, seine Ehe ist lieblos, und der Suff bietet nur kurzfristige Entlastung vom Druck einer kalt-egoistischen Welt.
Rainer Werner Fassbinder wollte nach eigenen Angaben „ein simples Melodram ohne Mätzchen“ drehen, die hart-realistische Geschichte eines Verlierers in einem so festen wie zermürbenden System des Erfolgs und der Erwartungen. Der Film steht am Anfang von Fassbinders Werken über Tod und Liebe. Die Süddeutsche Zeitung urteilte 1972: „Der beste deutsche Film seit dem Krieg.“

Martha

DEU

1973

Rainer Werner Fassbinder

Die 31-jährige Martha ist noch Jungfrau und arbeitet als Angestellte in einer Bibliothek. Als sie in Rom den Geschäftsmann Helmut kennen lernt, glaubt sie, das große Glück gefunden zu haben. Sie heiraten, doch die Ehe entwickelt sich bald zur Qual. Der dominante und herrschsüchtige Helmut unterdrückt die von Unsicherheit geplagte Frau und unterwirft sie seinen Bedürfnissen. Er unterbindet ihre Kontakte zur Außenwelt und drängt sie immer weiter in die Isolation. Als treue Gattin lässt Martha ihn gewähren. Als sie nach einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt ist, ist sie Helmut schließlich völlig ausgeliefert…

Theater in Trance

BRD

1981

Rainer Werner Fassbinder

12. Juni 1981: Eröffnung des Festivals „Theater der Welt“ in Köln, das mehr als 30 Gruppen aus 15 Ländern und über 100 Vorstellungen umfasste.
Rainer Werner Fassbinder hat zwei Wochen lang das Festival beobachtet und die Auftritte gefilmt. Aus dem Rohmaterial entstand ein Film, der die Impressionen des Beobachters wiedergibt und zugleich aus dem Überangebot die wesentlichen Ereignisse herausfiltert. Der Text, den Fassbinder selbst zu seinem Film spricht, wurde bereits Jahrzehnte vorher geschrieben: Autor ist Antonin Artaud, einer der wichtigsten Theoretiker des modernen Theaters, der in seiner Schriftensammlung „Das Theater und sein Double“ eine radikale Schocktherapie für das in Konventionen erstarrte Theater beschreibt.
Anschließend Podiumsgespräch mit Mitarbeiterinnen des Nationaltheaters Mannheim: Ragna Pitoll, Titelrolle in “Die Sehnsucht der Veronika Voss”, Leonie Thies, Regisseurin von “Warum läuft Herr R. Amok?” und Lena Wontorra, Produktionsdramaturgin bei “Die Sehnsucht der Veronika Voss”.
In Kooperation mit dem Nationaltheater Mannheim

Vincent Will Meer

DEU/ITA

2010

Ralf Huettner

Florian David Fitz, Karoline Herfurth, Heino Ferch

Vincent leidet am Tourette-Syndrom. Als seine Mutter stirbt, will er ihr ihren letzten Wunsch, einmal noch das Meer zu sehen, erfüllen. Mit ihrer Asche in einer Bonbondose flieht er aus seinem Pflegeheim und macht sich im von der Heimleiterin geklauten Auto auf den Weg nach Italien. Begleitet wird er von einer magersüchtigen jungen Frau und einem Zwangsneurotiker. Verfolger lassen nicht lange auf sich warten: Die Heimleiterin und Vincents Vater setzen alles daran, die Ausreißer zu stellen. Der Beginn eines turbulenten Abenteuers. Vorgestellt von Edelgard Tilch-Bauschke.

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