Ein Gott inmitten einer bourgeoisen Familie, der Einbruch des Heiligen in eine materialistische und heillose Welt, das ist das Theorem, das der Film in klaren, fast mathematischen Schritten entwickelt: Ein schöner, schweigsamer junger Mann kommt als geheimnisvoll angekündigter Besuch in eine Mailänder Industriellenfamilie. Er erweckt bei allen Hausbewohnern – den Eltern, den beiden erwachsenen Kindern, dem bäuerlichen Hausmädchen – bisher verdrängte und verborgene Wünsche, die sich zuerst als sexuelles Begehren kundtun. Nachdem jeder auf seine Weise diese ersehnte Vereinigung mit dem Unbekannten erfahren hat, verschwindet er wieder – aber nach dem Besuch ist nichts wie vorher. Formale Strenge, Farbe, Star-Schauspieler und gehobenes Milieu: Pasolini überraschte 1968 damit, daß er die Probleme der Bourgeoisie in den Mittelpunkt stellte und die Kritik an dieser Klasse auch noch im Namen des Heiligen vortrug. TEOREMA provozierte sowohl die Marxisten als auch die Katholiken. Mit einem Vortrag von L. Katz nd G. Schneider zu dem Thema „Die Gegenwart des (Ganz-) Anderen“.