Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Oskar In Shorts

Preisträger und nominierte Kurzfilme

Ähnlich wie Robert Altman, Peter Jackson oder David Lynch wurden auch Virgil Widrich, Michael Dudok de Witt oder Anders Thomas Jensen in diesem oder in den letzten Jahren für den begehrtesten Filmpreis der Welt nominiert. Allerdings in der Kategorie Kurzfilm-Oscar. Unter dem Titel „Oskar in Shorts“ zeigen wir acht für den Oscar prämierte oder nominierte Kurzfilme, u.a.: ERNST UND DAS LICHT (R: Anders Thomas Jensen); Jesus kehrt nach 2000 Jahren auf die Erde zurück, um Ernst zu seinem Ersten Jünger zu machen. Jesus muss jedoch feststellen, dass die Welt sich seit seinem letzten Aufenthalt erheblich verändert hat. FATHER AND DAUGHTER (R: Michael Dudok de Witt); Ein Vater sagt seiner Tochter ‚Auf Wiedersehen‘ und geht. Sie wartet auf seine Rückkehr, Tage, Monate, Jahre… BOB´S BIRTHDAY (R: David Fine / Alison Snowden); Ein Mann freut sich darauf, an seinem Geburtstag mit seiner Frau Essen zu gehen. Sie jedoch hat andere Pläne geschmiedet. COPY SHOP (R: Virgil Widrich); Die Geschichte eines Mannes, der in einem Copy Shop arbeitet und sich solange selbst vervielfältigt, bis die ganze Welt nur noch aus ihm besteht. JOLLY ROGER (R: Mark Baker); Rücksichtslose Piraten zerstören und stehlen soviel sie können. Doch eine weibliche Gefangene will Rache um jeden Preis.

Boy Culture

USA

2006

Q. Allan Brocka

Patrick Bauchau, Derek Magyar, Darryl Stephens, Emily Brooke Hands, Jonathon Trent

X ist ein Edel-Callboy mit nie mehr als zwölf Kunden – seine „Jünger“, wie er sie nennt – in der Kartei. Er teilt sein schickes Loft mit seinen beiden höchst attraktiven Mitbewohnern, dem eben erst volljährig gewordenen Testosteron-Pulverfass Joey, der an X täglich seine Verführungskünste vervollkommnet, aber so schnuckelig der hormongesteuerte Youngster auch sein mag, X hat nur Augen für den knackigen und nicht weniger zügellosen Hunk Andrew, der nach Joey’s Vorbild seine Neigungen lieber mit wechselnden Jungs auslebt. Um das Quartett zu vervollständigen wäre da noch X’s Kunde Gregory, der ihn zu Gefühlen verführt, die er im Job seit Jahren unterdrückt hat: Emotionen. Basierend auf dem vielfach preisgekrönten Roman von Matthew Rettenmund, stellt sich BOY CULTURE den Irrungen und Wirrungen eines jungen Schwulen, der wenig ausgelassen hat und neben aller Abgeklärtheit erkennen muss, dass die Welt Kopf steht, wenn echte Gefühle ins Spiel kommen. BOY CULTURE: Ein erotisches Feuerwerk, ein Bonbon für die Sinne!

Grindhouse - Deathproof

USA

2007

Quentin Tarantino

Sydney Poitier, Kurt Russell, Vanessa Ferlito

Drei Freundinnen feiern und trinken in ihrer Lieblingskneipe. Da tritt der vernarbte Mike in Erscheinung. Zunächst wirkt er sympathisch, was sich jedoch recht bald als Fassade erweist: Der Psychopath lockt Pam in sein aufgepimptes Muscle Car und fährt sie und die anderen Girls mit einem Frontalcrash zu Tode. Als er sein Spiel bei einem anderen Trio wiederholen will, trifft er unerwartet auf Widerstand. Lässige Dialoge, brachiale Gewalt und skurrile Ideen. Neben spektakulären Autoverfolgungsjagden glänzt hier ein vermeintlich schwaches Geschlecht mit vis absoluta.

Kill Bill - Volume 1

USA

2003

Quentin Tarantino

Uma Thurman, David Carradine

Nach fünf Jahren im Koma kennt die Blonde, die man nur „Die Braut“ nennt, lediglich ein Ziel: Rache an denen, die beinahe ihren Tod verantwortet hätten, die sie mit einer Kugel im Kopf einfach liegen ließen. Rache an ihrem ehemaligen Ausbilder und Chef Bill, der sie einst liebte und den Auftrag für den Mord an ihr gab. „Die Braut“ ahnt nicht, dass eine Reihe von schmerzlichen Überraschungen auf sie wartet…

Kill Bill - Volume 2

USA

2004

Quentin Tarantino

Uma Thurman, David Carradine, Lucy Liu, Daryl Hannah

Der Blutdurst der Braut ist noch nicht gestillt. Vier Jahre zuvor hatten ihr ehemaliger Geliebter Bill und dessen Deadly Viper Assassination Squad am Tag ihrer Hochzeit ihren Verlobten, vermeintlich ihr ungeborenes Baby getötet und die Braut selbst sterbend zurückgelassen. Nachdem sie aus dem Koma erwacht war, hatte sie in Japan O-Ren Ishii und in einer kalifornischen Vorstadt Vernita Green im Duell ausgelöscht. Nun stehen noch drei weitere Namen auf der Todesliste: Bills heruntergekommener Bruder Budd und ihre ewige Rivalin Elle Driver müssen beseitigt werden. Auf dem dornigen Weg wartet so manche Überraschung auf die Rächerin…

Once Upon a Time… in Hollywood

USA

2019

Quentin Tarantino

Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie, Emile Hirsch, Margaret Qualley, Al Pacino, Bruce Dern

Im August 1969 wurden die hochschwangere Sharon Tate und vier weitere Personen von Mitgliedern der Manson-Family bestialisch ermordet. Quentin Tarantinos Filmversion der Ereignisse setzt ein halbes Jahr vorher ein: Rick Dalton, ehemaliger Star einer Western-TV-Serie und Nachbar von Roman Polanski und Sharon Tate, arbeitet an seinem Comeback. Sein Stuntdouble/Fahrer/Freund/Mädchen für alles Cliff Booth lernt ein Hippiemädchen kennen, das zur Manson-Familie gehört. Und Sharon Tate sieht sich im Kino einen Film an, in dem sie mitgespielt hat. Das aufstrebende Starlet am Beginn seiner Laufbahn, der abgehalfterte Schauspieler, der um seine Karriere kämpft, der kleine Handwerker aus dem Maschinenraum Hollywoods – und Tarantinos Erzählkunst, die die ambivalente Stimmung der Endsechziger aufnimmt und andererseits die Realität dem Film unterwirft, machen diesen vielschichtigen, unterhaltsamen, erschreckenden Film zu einem der besten der letzten Jahre.

Pulp Fiction

USA

1994

Quentin Tarantino

John Travolta, Samuel L. Jackson, Uma Thurman, Bruce Willis, Harvey Keite

Zwei Killer, die ihren Job erledigen müssen, ein Boxer, der einen Kampf verschieben soll, ein Gangster, der für die Abendunterhaltung der Frau seines Bosses abgestellt wird: Es sind drei „Pulp“-Stories, Geschichten der Trivialliteratur, die Quentin Tarantino in einer Weise erzählt, wie es sie bis dahin im Kino noch nicht gegeben hat. Chronologisch durchgeschüttelt, popkulturgetränkt, brutal und komisch: PULP FICTION ist ein Kultfilm, der zum Klassiker wurde. Der das amerikanische Independent-Kino auf eine neue Stufe stellte. Der eine ganze Welle von Epigonen nach sich zog. Und der aus Quentin Tarantino einen der größten Regie-Stars der Gegenwart machte. Wer diese Gangstergroteske kennt, wird sie mit Freuden auf der Leinwand noch einmal sehen wollen – im Original mit Untertiteln! –, wem der Film bisher nicht untergekommen ist, der muss ihn ohnehin nachholen.

Reservoir Dogs

USA

1992

Quentin Tarantino

Harvey Keitel, Michael Madsen, Tim Roth, Steve Buscemi, Chris Penn, Quentin Tarantino

Quentin Tarantinos Debütfilm – wüst, intelligent und sehr, sehr cool: Nachdem ein sorgfältig geplanter Raubüberfall schiefgegangen ist, sammeln sich die überlebenden Gangster in einem verlassenen Lagerhaus. Ihnen ist klar: Sie wurden von einem Polizeispitzel verraten. Ein Cop wird gefoltert und getötet, die Verbrecher belauern sich gegenseitig. Und ihr Boss schickt den „netten Eddie“ vorbei…

Die ungewöhnliche Erzählweise, die zitatwütigen Dialoge, die gnadenlose Brutalität und die popkulturelle Affinität der Charaktere wie des Regisseurs ließen den Film schnell zum Kultklassiker aufsteigen. Tim Roths Rolle als Mr. Orange machte den Darsteller international bekannt. „Größter Independentfilm aller Zeiten!“ (Empire)

Inglourious Basterds

USA/DEU

2009

Quentin Tarrantino

Brad Pitt, Mélanie Laurent, Christoph Waltz, Diane Kruger, Daniel Brühl, Nichael Fassbender, Eli Roth, Til Schweiger, Gedeon Burkhard

Zwar der bisher jüngste Film dieser Reihe, ab nicht minder meisterhaft: INGLOURIOUS BASTERDS. Irgendwo in Frankreich wird eine Familie von dem „Judenjäger“ Oberst Landa besucht. Die kleine Shosanna ist die einzige der Familie, die den Besuch überlebt und Rache schwört. Lt. Aldo Raine und seine Spezialeinheit, genannt „Bastarde“, machen Jagd auf Nazi-Skalps und schmieden, gemeinsam mit der Schaupielerin und Geheimagentin Bridget von Hammersmark, einen Plan, Hitler und seine Gefolgschaft aus dem Weg zu schaffen. Tarantino hat mit seinem Charakter Hans Landa einen der bösesten Antagonisten der Filmgeschichte geschaffen und damit über Nacht Christoph Waltz zum Weltstar gemacht, der für seine Darstellung einen Oscar, einen Golden Globe und die Goldene Palme gewinnen konnte.

African Blues

Frankreich / Mali

2002

R & B Jacques Sarasin

Boubacar Traouré ist wieder ein Star. In den 60er Jahren lauschten die Menschen in Mali seiner melancholischen Stimme. Er sang von der Unabhängigkeit seines Landes und ermutigte seine Landsleute zurückzukehren, um die Heimat wiederaufzubauen. „KarKar“ nannten sie ihn, „schwarze Jacke“. Mit dem frühen Tod seiner Frau Pierrette änderten sich sein Leben und seine Musik. Der frühere „afrikanische Elvis“ erfand für sich den African Blues. Regisseur Jacques Sarasin. begleitet in seinem mehrfach preisgekrönten Film Boubacar Traoré auf seinen Reisen durch Mali und läßt Freunde und prominente Musikerkollegen wie Ali Farka Touré zu Wort kommen. Das filmische Porträt des engagierten Künstlers gibt zugleich auch Einblicke in die spannungsreiche politische Entwicklung Afrikas seit der Befreiung vom Kolonialismus und beeindruckt durch intensive Bilder von Landschaft und Menschen in Mali. Im Mittelpunkt aber steht die melancholisch-leidenschaftliche Musik von Boubacar Traouré, nach der man süchtig werden kann. Ein sehr entspanntes Musikerporträt mit den schönsten, direktesten Aufnahmen aus dem afrikanischen Alltag, die seit langem auf der großen Leinwand zu sehen waren.

Konzert zum 400jährigen Jubiläum der Stadt Mannheim

r Carsten Gebhardt

Konzertfilm: 85 Minuten + Dokumentation: 40 Minuten
Zum 400. Jubiläum der Stadt Mannheim erarbeitete der Komponist und Pianist Ryuichi Sakamoto zusammen mit dem Installationskünstler Carsten Nicolai alias Alva Noto das multimediale Werk „utp_“. Am 16. November 2007 wurde es mit dem Ensemble Modern im Nationaltheater Mannheim uraufgeführt. Das Werk ist ein Wechselspiel aus Bildern und Tönen, Akustik und Elektronik, aus Determination und Improvisation. Die Musik wird begleitet durch eine visuelle Komposition aus amorphen, am Computer entstandenen Strukturen und komplexen mathematischen Farbverläufen. Die Entstehungsgeschichte und die erste Performance des Werkes wurden von Regisseur Carsten Gebhardt dokumentiert.
Durch Live-Musik, Redebeiträge der Augenzeugen und die Making-of-Dokumentation bekommen die Zuschauer*innen im Cinema Quadrat die seltene Gelegenheit, die Kunst von Sakamoto und seinen Beitrag zur Mannheimer Stadtgeschichte hautnah zu erleben.
Gezeigt werden eine Making of-Dokumentation sowie ein filmischer Mitschnitt des Konzerts zum Stadtjubiläum 2007.
Sektempfang mit Klavierbegleitung durch Akira Nakamura
Einführung: Albrecht Puhlmann, Intendant der Oper des NTM
Filmgespräch mit Regisseur Carsten Gebhardt und Albrecht Puhlmann
Klavier: Akira Nakamura
Mit Einführung
Anschließend Gespräch mit Regisseur Carsten Gebhardt

Wir Haben Vergessen Zurück Zu Kehren

BRD

2000

R, Fatih Akin

Fatih Akins sehr persönlich inszenierte Dokumentation zeigt das Leben türkischer Gastarbeiter und ihrer Familien in einer neuen Heimat, die ihnen vertraut und gleichzeitig auch oft fremd erscheint. „Wir haben einfach vergessen, wieder zurückzukehren“, kommentiert Akins Vater lakonisch die Frage des Regisseurs nach dem Grund ihres Bleibens. Aus den ursprünglich geplanten zwei Jahren in Deutschland sind mittlerweile 35 geworden. Andere entschieden sich dafür, doch zurückzukehren; viele folgten aus verschiedenen Gründen dem Ruf des Westens nicht und blieben in ihrem beschaulichen Fischerdorf. Und auch diese Daheimgebliebenen kommen zu Wort und reflektieren über den wahren Grund ihrer Heimatverbundenheit. Fatih Akin, der sich in seinem Erstlingswerk „kurz & schmerzlos“ bereits auf unterhaltsame Weise mit dem Leben junger Türken in Hamburg-Altona auseinandersetzte, sucht in seiner Dokumentation nach dem persönlichen und gesellschaftlichen Status der (türkischen) Einwanderer in Deutschland. In Kooperation mit dem Verein Kultur Rhein-Neckar e.V. anlässlich der Tagung „Visa vis – Kulturarbeit in der Einwanderungsgesellschaft. Mehr Informationen zur Tagung unter www.kupoge-rn.de.

Chuck Norris und der Kommunismus

ROU/DEU/GBR

2015

R: Ilinca Calugareanu

Schwarzmarkt-Filme aus Hollywood im Rumänien der 1980er Jahre. Die politische Spitze um Nicolae Ceausescu gibt den Ton in den Medien an. Westfernsehen und Hollywood-Filme werden zensiert und meist nicht gesendet. Doch Schmuggler schaffen es, dennoch Filme aus dem Westen in das Land zu bringen. Kopierte Videokasetten von Hollywood-Filmen wie »Top Gun« und Action-Stars wie Chuck Norris finden ihren ganz eigenen Weg, gesehen zu werden: Hausgemachtes Kino in überfüllten Wohnzimmern vor einem faszinierten Publikum. Daraus ergab sich eine Hollywood-Videokultur von ungeheurem Ausmaß! Aus Spielszenen und Interviews mit Zeitzeugen hat die rumänisch-britische Filmemacherin Ilinca Calugareanu einen amüsanten und spannenden Dokumentar- Spielfilm komponiert, der gleichzeitig eine Hommage an die Macht des Films und der Bilder ist.

Der Amerikanische Soldat

BRD

1970

R. W. Fassbinder

Karl Scheydt, Jan George, Hark Bohm

Drei Münchner Polizisten engagieren den Berufskiller und Vietnamveteranen Ricky, damit er für sie einige Personen aus dem Weg räumt, die sie als „Gesetzeshüter“ nicht töten könnten. Sein erstes Opfer ist ein Zigeuner, sein zweites ein Mädchen, das mit Pornos und Infor-mationen handelt. Schließlich soll Ricky auch Rosa, die Geliebte eines der Polizisten töten. Von allen vergleichbaren Filmen Fassbinders ist dieser sicherlich am deutlichsten eine Paraphrase auf den amerikanischen Polizei- und Gangsterfilm. Doch was oberflächlich betrachtet nur wie ein Spiel mit Filmzitaten aussieht, erweist sich bei näherem Hinsehen als authentische Lebenserfahrung. Fassbinder sprengt die Grenzen des Genres und findet zu einer sehr persönlichen Sicht auf Lebensängste, Hoffnungen und Illusionen. „DER AMERIKANISCHE SOLDAT ist herrlich ironisch, witzig und brillant.“ (AZ Mannheim) + DAS KLEINE CHAOS, BRD 1967. 9 Min. Drei junge Leute sind als Abonnentenwerber für Illustrierte unterwegs. Sie nutzen die Gelegenheit, in Wohnungen zu gelangen, für einen Überfall auf eine Frau.

Der Stadtstreicher

BRD

1966

R. W. Fassbinder

Christoph Roser, Susanne Schimkus

Als 1969 die ersten beiden Spielfilme Fassbinders aufgeführt wurden, war das der Beginn einer neuen Epoche im deutschen Kino. Zwar hatten innovative Ideen und Filme in der Folge des Oberhausener Manifests den Tod von Opas Kino bereits besiegelt, aber Fassbinder brachte eine neue Qualität in die Auseinandersetzung um den deutschen Film: Radikal in Form und Inhalt, kompromißlos gegenüber Verleihern und Fernsehredaktionen, operierte er mit Genres und einer Ästhetik, die seine Kritik an lebensfeindlichen Verhältnissen in der BRD einem breiten Publikum nahebringen sollte. Anlässlich von Fassbinders 20. Todestag zeigt Cinema Quadrat bis Anfang August insgesamt 8 Werke dieses bedeutenden Filmemachers. Wir beginnen die Reihe mit Fassbinders erstem Kurzfilm DER STADTSTREICHER und seiner ersten Spielfilmproduktion LIEBE IST KÄLTER ALS DER TOD. Ein Stadtstreicher findet eine Pistole. Vergeblich versucht er, die Waffe loszuwerden. Zwei Männer, die ihn beobachten, nehmen ihm die Pistole schließlich weg. DER STADTSTREICHER ist die Momentaufnahme eine Einsamen. Fassbinders Sympathie zeigt sich im ruhigen, beharrlichen Blick seiner Kamera, in der Wahl der melancholischen Musik und der Poesie eines kleinen Liedes, gesungen für eine Scheibe Brot.

Die Bitteren Tränen Der Petra Von Kant

BRD

1972

R. W. Fassbinder

Margit Carstensen, Hanna Schygulla, Irm Hermann, Eva Mattes

Die Modeschöpferin Petra von Kant lebt in einem kostbar eingerichteten Wohnatelier, zusammen mit ihrer Assistentin und Dienerin Marlene, die wortlos alle Befehle ausführt und alle Launen über sich ergehen lässt. Petra verliebt sich in ein Mädchen, das gut zehn Jahre jünger ist als sie, Karin Thimm. Petra will die junge Karin ganz für sich haben, Karin die vermögende Petra ausnutzen, jedoch ihre Freiheit bewahren. Fassbinder sucht nach dem Leben unter der Schminke. Die Kamera gleitet dahin, umkreist Modellpuppen und puppenhafte Wesen, beobachtet Selbstinszenierung und Selbststilisierung, ein Abtasten, Ahnen, Blickeverschieben, Standortwechseln.

Faustrecht Der Freiheit

BRD

1974

R. W. Fassbinder

R

Franz Biberkopf, der arglose Proletarier, (der Name ist eine der vielen frühen Referenzen Fassbinders an den Helden von Döblins „Berlin Alexanderplatz“) gewinnt eine halbe Million im Lotto, gerät in bessere Kreise, lässt sich ausnehmen von den feinsinnigen Typen mit den geschliffenen Manieren und begreift viel zu spät, wie übel ihm mitgespielt worden ist. Der Mechanismus der Ausbeutung, in den Fassbinders Held gerät, entwickelt sich wie von selbst und funktioniert lückenlos, es bedarf nicht einmal eines Plans, um dieses eingeübte System zu praktizieren. Vorwürfe wurden Fassbinder wegen der Darstellung der Homosexuellen gemacht; die meisten von ihnen sind zickige, eitle, schwule Tunten, exotische Wesen wie fleischfressende Pflanzen. Im Laufe des Films indes erhalten sie ihre notwendige Selbstverständlichkeit. Fassbinder erklärte das Milieu ohnehin zur Nebensache: „Ich glaube, dass es zufällig ist und wurscht, dass die Geschichte unter Schwulen spielt. Sie könnte genauso gut unter anderen Leuten spielen. Ich glaube sogar, dass die Leute gerade deshalb genauer hingucken, als wenn’s nur eine ‘normale Liebesgeschichte’ wäre,…“

Götter Der Pest

BRD

1969

R. W. Fassbinder

Harry Baer, Hanna Schygulla, Margarethe von Trotta

Franz wird aus dem Gefängnis entlassen und sucht frühere Bekannte auf. Die Nachtclub-sängerin Joanna, die ihn liebt, will ihm helfen. Doch um ihrem Besitzanspruch zu entkommen, verläßt er sie. Franz sucht seinen Bruder und findet ihn tot. Der „Gorilla“ Günther gibt zu, ihn erschossen zu haben. Franz lernt Margarethe kennen. Gemeinsam überlegen die drei, wie sie zu Geld kommen können, und Franz und Günther beschließen, einen Supermarkt zu überfallen. Doch die enttäuschte Joanna verrät sie. „Das Gangstermilieu ist sozusagen auch ein bürgerliches Milieu, nur mit umgekehrten Vorzeichen, aber mit den gleichen bürgerlichen Idealen. Meine Gangster sind Opfer der Bürgerlichkeit und keine Rebellen – wenn sie das wären, müßten sie sich anders verhalten. Die verhalten sich im Prinzip genauso wie sich der Kapitalismus und die bürgerliche Gesellschaft verhalten.“ (Fassbinder)

Liebe Ist Kälter Als Der Tod

BRD

1969

R. W. Fassbinder

Ulli Lommel, Hanna Schygulla, R

Als 1969 die ersten beiden Spielfilme Fassbinders aufgeführt wurden, war das der Beginn einer neuen Epoche im deutschen Kino. Zwar hatten innovative Ideen und Filme in der Folge des Oberhausener Manifests den Tod von Opas Kino bereits besiegelt, aber Fassbinder brachte eine neue Qualität in die Auseinandersetzung um den deutschen Film: Radikal in Form und Inhalt, kompromißlos gegenüber Verleihern und Fernsehredaktionen, operierte er mit Genres und einer Ästhetik, die seine Kritik an lebensfeindlichen Verhältnissen in der BRD einem breiten Publikum nahebringen sollte. Anlässlich von Fassbinders 20. Todestag zeigt Cinema Quadrat bis Anfang August insgesamt 8 Werke dieses bedeutenden Filmemachers. Wir beginnen die Reihe mit Fassbinders erstem Kurzfilm DER STADTSTREICHER und seiner ersten Spielfilmproduktion LIEBE IST KÄLTER ALS DER TOD. Der Zuhälter Franz weigert sich, einem Verbrechersyndikat beizutreten. Das Syndikat lässt ihn zusammenschlagen und setzt Bruno auf ihn an. Franz liebt Bruno, will auch seine Freundin Joanna, die für ihn auf den Strich geht, mit ihm teilen. Im Auftrag des Syndikats begeht Bruno Morde, die Franz angelastet werden sollen. Schließlich planen Bruno und Franz einen Banküberfall. Die Lust Fassbinders und seiner Darsteller, mit den Mustern amerikanischer und französischer Gangsterfilme zu spielen, erschöpft sich nicht darin, die Handlung einige bekannte Stationen des Genres durchlaufen zu lassen. Vielmehr ist das Interesse auf die Pausen zwischen den Aktionen gerichtet, auf das ‚Atemholen‘, in dem sich die Welt der Protagonisten entfaltet. „Was übrig bleibt, wenn man diesen Film gesehen hat, das ist nicht,… dass es hier ein paar Tote gegeben hat, sondern dass hier arme Leute waren, die nichts mit sich anfangen konnten,… und denen keine Möglichkeit gegeben wurde – die einfach keine haben. (Fassbinder)

Warnung Vor Einer Heiligen Nutte

BRD

1970

R. W. Fassbinder

Lou Castel, Eddie Constantine, Hanna Schygulla

In einem Hotel am Meer wartet ein Filmteam auf den Regisseur und den Star, das Geld der Staatlichen Filmförderung und das Filmmaterial. Es herrscht eine Stimmung gemischt aus Hysterie und Apathie, Hoffnungen, Gezänk, Neid und Affären. Als der Regisseur mit seinem Star ankommt, wird er sofort zum Mittelpunkt des Chaos. Der Film beginnt mit einer Kamerafahrt und einem 360 Grad-Schwenk durch die Hotelhalle, in der vom Filmemachen geredet wird und die Protagonisten ihre Selbstdarstellungen zelebrieren. Einige Zeit später zeigt ein nahezu gleicher Rundumschwenk einen fast leeren Raum, nur das Rauschen des Meeres ist zu hören. Und doch ist die Szene beredt, der Zuschauer füllt sie mit Erinnerungen an die vorherigen Ereignisse des Films und mit Partikeln seines eigenen Lebens. Fassbinder fordert lebendige Phantasie heraus und öffnet den Film für die Wirklichkeit. „Ohne dass sie es recht bemerken, ist aus dramatischer Hysterie und klischierter Leidenschaft etwas entstanden, was sie nie recht greifen konnten, was den Grund ihrer Verwirrung ausmachte, was sie sündigen und beten ließ: der Film, der sie anzieht und sich ihnen entzieht, der Film – eine heilige Nutte.“ (R. W. Fassbinder)

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