Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Männerfreundschaften

DEU

2018

Rosa von Praunheim

Wie queer lesen sich die Klassiker? Wie schwul war Goethe? Hatte er was mit Schiller? Rosa von Praunheim geht von der Studie Warm Brothers des amerikanischen Queer-Forschers Robert Tobin aus und stellt Männerfreundschaften der klassischen Literatur vor in Briefwechseln, Lyrik und Dramen, spricht mit Literaturwissenschaftlern und Historikerinnen – und lässt einige Schauspieler workshopartig die Weimarer Klassik als schwule Epoche wiederauferstehen, lustvoll und gewitzt.
„Weimar queer zu machen, das ist für von Praunheim keine Frage historischer Akkuratesse, sondern eine Frage der Travestie, und eine spielerische Hypothese. Was äußerst vergnüglich ist.“ (Süddeutsche Zeitung)

Meine Mütter - Spurensuche In Riga

DEU

2007

Rosa von Praunheim

Rosa von Praunheim, der „Vater“ des schwulen Films in Deutschland, kommt am 25. November 1942 im lettischen Riga zur Welt, wächst aber in Deutschland auf. Kurz vor dem Tod seiner Mutter erzählt diese ihm, dass sie nicht seine leibliche Mutter ist. Nach anfänglichem Zögern beginnt er mit der Suche nach seiner wahren Herkunft. Mit der Hilfe eines lettischen Journalisten findet er Unglaubliches heraus. Tatsächlich gibt es Beweise, dass er 1942 im Zentral-gefängnis von Riga zur Welt gekommen ist. Im Alter von 63 Jahren macht er sich auf die Reise in die Stadt, um seine Herkunft aufzuklären und das Schicksal seiner Mutter zu erkunden.

New York Memories

DEU

2010

Rosa von Praunheim

Rosa von Praunheim ist einer der renommiertesten Filmemacher und Dokumentaristen der Schwulenszene. 20 Jahre nach „Überleben in New York“ ist er erneut in die Metropole an der amerikanischen Ostküste gereist und stellt nun in diesem wieder einmal sehr persönlichen Werk seinen aktuellen – oft von Ernüchterung geprägten – Eindrücken Aufnahmen aus den vergangenen vier Jahrzehnten gegenüber. Es hat sich viel verändert, seit der Null-Toleranz-Politik der 90er Jahre, seit dem 11. September und seit Barack Obama. Rosa von Praunheim zeigt uns, was.

Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt

DEU

1971

Rosa von Praunheim

Bernd Feuerhelm, Berryt Bohlen, Ernst Kuchling

Spiel- und Dokumentarfilm, Pamphlet und Aufruf: Zwei Jahre nach Abschaffung der Strafbarkeit (männlicher) Homosexualität nach §175 schildert Rosa von Praunheim das schwule Leben Anfang der 1970er in der Subkultur und die daraus zu ziehenden Konsequenzen. Dabei geht er radikal provokant vor, richtet sich an die Szene selbst und ruft den Schwulen zu: Eure schlechte Situation ist hausgemacht! Es geht um „Coming out“ – raus aus der selbstverschuldeten Unsichtbarkeit. Der Film war ein Skandal, die kontroverse Diskussion um den Film wurde zum Auslöser der modernen Schwulenbewegung: „Raus aus den Toiletten, rein in die Straßen!“
Am Samstag, 09.10.2021: Einführung und Filmdiskussion mit Klaus Schirdewahn, Leiter der Gruppe Gay & Gray, und Christian Könne, Historiker

Rex Gildo – Der letzte Tanz

DEU

2022

Rosa von Praunheim

Kilian Berger, Ben Becker, Kai Schumann

Rex Gildo, 1999 nach einem Sprung aus dem Fenster gestorben, hat seine Homosexualität zeitlebens verheimlicht. Rosa von Praunheim schildert in einer faszinierenden Mischung aus Spiel- und Dokumentarfilm dieses Doppelleben: Der junge Ludwig Hirtreiter wird von Manager Fred Miekley zum Schlagerstar aufgebaut – ihre Liebe aber müssen sie heimlich leben. Denn privat muss privat bleiben, für die Öffentlichkeit gibt Sexy Rexy den ewig jungen Frauenschwarm, der mit seinen Schlagern das Glück beschwört: „Hossa!“
Rosa von Praunheim inszeniert einen Dokumentarfilm, der frei erzählt wird, einen Spielfilm, der dokumentarisch fundiert ist: Zart, zweifelnd und zielstrebig spielt Kilian Berger den jungen Rex, Ben Becker als Manager/Liebhaber ist energische Präsenz, inmitten von gemalten Papp-Kulissen, die die Künstlichkeit des falschen Lebens spiegeln. Interviews mit Wegbegleitern – Conny Froboess und Gitte Hænning, Cindy Berger und Costa Cordalis – ergänzen dieses Porträt eines tragischen doppelten Lebens, das nie authentisch sein durfte.

Satanische Sau

DEU

2025

Rosa von Praunheim

Dokufiction mit Armin Dallapiccola, Justus Herrmann, Nico Ehrenteit, Katy Karrenbauer

Rosa von Praunheim, Aktivist, Avantgardekünstler, Ikone des schwulen Kinos und eine Sau vor dem Herrn, starb im Dezember – hier, in diesem Doku-Spielfilm-Essay, lässt er seine wilden Gedanken Revue passieren, ironisch und energisch: „Die Sau bin ich, gespielt von meinem Alter Ego, dem genialen Schauspieler Armin Dallapiccola. Der Film ist ein Traum, eine Parodie, eine Farce meines Lebens. Poetische Assoziationen zu meinem Tod, zu meinem Sexleben, zu meiner Wiedergeburt. Ich erinnere mich an die 150 Filme meines Lebens, an meine Liebhaber, denen ich Rosen in den Arsch stecke und die ich blind malen muss.“ (Rosa von Praunheim)

Chocolat - Monsieur Chocolat

FRA

2016

Roschdy Zem

Omar Sy, James Thiérrée

Im kleinen Wanderzirkus spielt er den exotischen „Negerkönig“, bis der Clown George Footit ihn unter seine Fittiche nimmt: so wird der aus der Sklaverei entflohene Raphaël Padilla unter dem Namen Chocolat zum Star der größten Zirkushäuser seiner Epoche. Eine Sensation zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Ein Schwarzer, der die Menge zum Lachen brachte, dem das Publikum zujubelte. Und für viele ein Skandal, denn Chocolats Feinde wollen seinen Erfolg nicht dulden, und der große Ruhm geht nicht spurlos an der Partnerschaft zwischen Chocolat und Footit vorüber… MONSIEUR CHOCOLAT erzählt nach wahren Begebenheiten von Aufstieg und Fall des ersten großen schwarzen Künstlers auf französischen Bühnen: Eine Geschichte um Anerkennung in einer rassistisch geprägten Gesellschaft. In den Hauptrollen: Omar Sy, der durch ZIEMLICH BESTE FREUNDE zum Star geworden ist, und James Thiérée, Enkel von Charles Chaplin.
In Kooperation mit dem Institut Français Mannheim.
Einführung: Cornelia Ruhe, Professorin für Romanische Literatur- und Medienwissenschaft, Uni Mannheim
 

Love Lies Bleeding

USA/GBR

2024

Rose Glass

Katy O’Brian, Kristen Stewart, Ed Harris, Dave Franco

Power, Pulp und Bodybuilding: Lou fristet ein eintöniges Dasein in einer Kleinstadt in New Mexico. Bis die aufstrebende Bodybuilderin Jackie auftaucht – selbstsicher, ambitioniert, verdammt sexy. Hals über Kopf verlieben sich die beiden ineinander und träumen von einem gemeinsamen Aufbruch zum Bodybuilding-Wettbewerb nach Las Vegas. Doch Lous zwielichtiger Vater geht über Leichen, um seinen Willen zu bekommen…

Rose Glass inszeniert einen energiegeladenen Film-Trip: schwarzer Humor, zügellose Gewalt und ein pulsierender 80s-Soundtrack steigern sich immer weiter bis zum übergroßen Finale. Wild, sexy und berauschend!

Dr. Jekyll und Mr. Hyde

USA

1931

Rouben Mamoulian

Fredric March, Miriam Hopkins, Rose Hobart, Holmes Herbert

Die wohl beste, auf jeden Fall wegweisende Verfilmung der Novelle von Robert Louis Stevenson: Dr. Jekyll ist fasziniert von der Vision, das Gute und das Böse in der menschlichen Seele zu trennen. Er selbst hilft den Armen und Kranken – doch als er seine chemischen Experimente selbst ausprobiert, verwandelt er sich in das Monster Mr. Hyde. Diese Abspaltung von Jekylls Seele verübt die schrecklichsten Untaten…

Dieser Klassiker der Filmgeschichte besticht unter anderem durch eine lange Sequenz in subjektiver Kamera und durch die Tricktechnik der Verwandlungsszenen. „Das ursprüngliche Thema der Vorlage, Gut und Böse in der menschlichen Seele, wurde neu gestaltet als philosophische Reflexion über Natur und Zivilisation, verzichtend auf moralische Wertungen.“ (Filmdienst)

Das Jüngste Gewitter

SVE

2007

Roy Andersson

Håkan Angser, Björn Englund, Erick Bäckman

Andersson (SONGS FROM THE SECOND FLOOR) erzählt von einer jungen Frau, die von der Hochzeit mit einem Rockstar träumt, von einem Friseur, der aus Wut die Haarpracht eines frechen Kunden zu Skinhead-Stoppeln zusammenstutzt, oder von dem Alptraum eines Mannes, nur wegen eines Scherzes zum Tode verurteilt zu werden. Dank seines mitunter schwarzen Humors und Verständnisses für menschliche Eitelkeiten ist eine bizarr-experimentelle Hymne auf das Leben entstanden.

Songs From The Second Floor

Schweden

2000

Roy Andersson

Lars Nordh, Stefan Larsson

Eines Abends, irgendwo in unserer Hemisphäre ereignet sich Seltsames: Ein Angestellter wird in erniedrigender Art entlassen, ein Immigrant wird brutal auf der Strasse zusammengeschlagen, ein Magier begeht einen verheerenden Fehler während seiner Show. Aus dem Chaos sticht eine Figur heraus – Karl, dessen Gesicht mit Asche bedeckt ist. Er hat gerade seinen Möbelladen angezündet, um die Versicherungssumme zu kassieren. Am folgenden Tag beginnt das Chaos fühlbar zu werden, als eine „Direktorenkommission“ dem Wahnsinn verfällt und die Stadt selbst durch einen entsetzlichen Verkehrsstau lahm gelegt wird. Rigoros reduziert Andersson die filmsprachliche Ausdrucksweise, es gibt keine Kamerabewegungen, Perspektivenwechsel oder Montagetechniken, keine Nahaufnahmen, nur Totalen oder Halbtotalen. Der Blick des Zuschauers bleibt sich selbst überlassen. Mit einem ausgeprägten Sinn für das Absurde präsentiert der Regisseur in einprägsamen Szenenbildern die Welt als Manege für traurige Clowns und wurde dafür in Cannes mit der Silbernen Palme ausgezeichnet. „…with many scenes that linger in the mind – like those of David Lynch`s ERASERHEAD or Terry Gilliam`s BRAZIL“ (Sight and Sound)

The Times of Harvey Milk

Roy Epstein

San Francisco in den 70er-Jahren: Rund um die Castro Street entsteht die erste von Schwulen geprägte Nachbarschaft. Die früher unsichtbare Minderheit entwickelt ein neues Selbstbewusstsein, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich dieses auch politisch manifestiert. In diesem Klima der Emanzipation wird der charismatische Schwulen-Aktivist Harvey Milk zum ersten offen homosexuellen Stadtverordneten. Kaum im Amt, wird der mutige Kämpfer für Bürgerrechte und Gerechtigkeit erschossen. Der Film THE TIMES OF HARVEY MILK, schon selbst ein Stück Filmgeschichte, rekonstruiert Milks Leben, das beispielhaft für Mut und Engagement steht, für die frühe Lesben- und Schwulenbewegung. Grundgerüst des Films war auch ein von Harvey Milk aufgenommenes Tonband, das nach seinem Willen nur dann abgespielt werden sollte, falls er durch einen Anschlag ums Leben käme. Das faszinierende Dokument eines Kampfes um Anerkennung, der 2009 auch im Spielfilm "Milk" von Regisseur Gus van Sant dramatisiert wurde. (also ab 18)

A Thought of Ecstasy

DEU/USA/CHE

2017

RP Kahl

RP Kahl, Deborah Kara Unger, Ava Verne, Lena Morris, Buddy Giovinazzo

August 2019. Frank erkennt in einem neu erschienenen Buch seine eigene zwanzig Jahre zurückliegende Geschichte wieder: Die verlorene Liebe zu Marie, die nach Amerika verschwunden ist. Auf der Suche nach ihr reist Frank in die heiße Wüste der USA, auf einem sonnendurchfluteten Trip durch Verführung und Todessehnsucht …
Inspiriert von George Bataille und Jean Baudrillard, irgendwo zwischen ZABRISKIE POINT und Film Noir, zwischen Nicolas Roeg, Werner Herzog und David Lynch inszenierte RP Kahl seinen Erotik-Wüsten-Thriller in bester Pulp-Tradition mit heftigen S/M-Ausschlägen. So wie Begehren eine neue Realität schafft und Fiktion das Leben durchdringt, kann Wahn die Wirklichkeit verändern. Und ein Kuss der Anfang von Kannibalismus sein.

Als Susan Sontag im Publikum sass

DEU

2021

RP Kahl

Saralisa Volm, Luise Helm, Heike-Melba Fendel, Celine Yildirim, RP Kahl

April 1971: In New Yorks Town Hall findet eine Podiumsdiskussion statt, die berühmt werden sollte: „A Dialogue on Women’s Liberation“ mit der Autorin Germaine Greer, der feministischen Aktivistin Jacqueline Caballos, der Literaturkritikerin Diana Trilling und der LGBT-Aktivistin Jill Johnston – und mit Norman Mailer als Moderator. Der Abend war ein intellektueller Hochgenuss, ein Streiten und Debattieren voll unterhaltsamer Momente und wichtiger Einsichten. Dieser Essay-Film zeigt ein Re-Enactment dieses Abends im Ballhaus Ost, live performt vor Publikum und vermischt mit vertiefenden Vor- und Nachgesprächen unter den Beteiligten. Damit wird die damalige feministische Debatte mit der heutigen verknüpft: Was stand vor 50 Jahren im Mittelpunkt, was ist inzwischen überwunden, woran hakt es heute noch, und was wird sich nie ändern – beispielsweise die chauvinistische Haltung eines Mannes vom Typus Norman Mailer? „Der Film versteht sich als eine Aufforderung zur notwendigen Diskussion in den Grauzonen – dort, wo es schwierig wird, Position zu beziehen.“ (Kino-zeit.de)

Angel Express - Director's Cut

DEU

2011

RP Kahl

Chris Hohenester, Wilfried Hochholdinger, Ulrike Panse

Großstadt-Singles lassen sich von Club zu Club durch die Nacht treiben, auf der Suche nach dem ultimativen Kick. Eine von Hand zu Hand gehende Pistole setzt ihrem Lebensgefühl ein gefährlich reales Ultimatum und formt den Reigen der Figuren in dieser Sinfonie einer Großstadt. Großstadt-Singles lassen sich von Club zu Club durch die Nacht treiben, auf der Suche nach dem ultimativen Kick. Eine von Hand zu Hand gehende Pistole setzt ihrem Lebensgefühl ein gefährlich reales Ultimatum und formt den Reigen der Figuren in dieser Sinfonie einer Großstadt.

DEU

2024

RP Kahl

Rainer Bock, Clemens Schick, Bernhard Schütz

1965 endete der erste Frankfurter Auschwitzprozess, die erste Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen durch die BRD-Justiz. 1965 kompilierte Peter Weiss aus den Prozessprotokollen ein Theaterstück, das RP Kahl nun für die Leinwand adaptiert hat, als Verdichtung, als Zusammenfassung, als Panorama über das Lager, von der Rampe bis zu den Krematorien, von Phenol bis Zyklon B, von der Medizinbaracke bis zur politischen Abteilung bis zum Tod von Lilly Tofler. Ein Richter, ein Ankläger, ein Verteidiger, dutzende Angeklagte und eine Reihe von Zeug*innen in einem stilisierten Raum: Wir hören erschütternde Berichte von Leben und Tod im Lager, erschütternde Abwiegelungen der Angeklagten, erschütternde Nachfragen durch den Ankläger, erschütternde Widerworte des Verteidigers. In Kahls eindringlicher Inszenierung – mit dynamischer Kamera, Lichtsetzung und Musikakzenten – steht das Wort im Mittelpunkt, das das Unerträgliche umschreibt: „Eine vierstündige Zumutung, der man sich unbedingt unterziehen sollte“ (FAZ); „Erinnerungskultur ist hier kein trockener Schulstoff, sondern lebensnahe Konfrontation.“ (Süddeutsche Zeitung)

Made in Bangladesh

FRA/BGD/DNK/PRT

2019

Rubaiyat Hossain

Rikita Nandini Shimu, Novera Rahman, Deepanwita Martin, Parvin Paru

Bangladesch ist das Land der Textilnäherinnen. In der Hauptstadt Dhaka arbeitet, wie viele andere Frauen, die 23jährige Shimu in einer der zahllosen Nähfabriken. Als wegen eines Kurzschlusses ein Feuer ausbricht und eine Kollegin stirbt, wird den Arbeiterinnen eine Teil des Lohns verweigert – doch Shimu ergreift die Initiative, um mit Hilfe einer NGO eine Gewerkschaft zu gründen…
Nach dem verheerenden Brand in einer Textilfabrik 2013 mit tausenden von Toten begann die Regisseurin Rubaiyat Hossain zu recherchieren – und drehte schließlich diesen auf Tatsachen basierenden Spielfilm, in den sie viele Erzählungen von Gewerkschafterinnen aufnahm, über Druck und Drohungen, über Arbeiter- und Frauenrechte, über patriarchale Familienstrukturen und darüber, welches Ausbeutungssystem hinter einem T-Shirt steckt.
Am 14.09.2021. Einführung und Filmdiskussion mit Susanne Kammer, Eine-Welt-Forum Mannheim

Holy Shit

DEU

2023

Rubén Abruña

Dokumentarfilm

Was geschieht mit der Nahrung, die wir verdauen, nachdem sie unseren Körper verlassen hat? Ist es Abfall, der weggeworfen wird, oder eine Ressource, die wiederverwendet werden kann? Regisseur Rubén Abruña begibt sich auf eine investigative und unterhaltsame Suche durch 16 Städte auf vier Kontinenten. Er folgt der Fäkalienspur von den langen Pariser Abwasserkanälen bis zu einer riesigen Kläranlage in Chicago. Er trifft die Poop Pirates aus Uganda, die mit ihrer Arbeit und ihren Liedern den Menschen beibringen, wie sie Fäkalien in sicheren Dünger verwandeln können. Im ländlichen Schweden zeigt ihm ein Ingenieur eine Trockentoilette, die aus Urin Dünger herstellt. In Hamburg und Genf entdeckt er Wohnkomplexe mit dezentralen Kläranlagen, die aus menschlichen Exkrementen Strom und Dünger erzeugen. Am Ende findet Abruña Antworten darauf, wie menschliche Fäkalien weltweit Ernährungssicherheit, Umweltschutz, Hygiene und dem Kampf gegen die Klimakrise dienen können.

Das Neuss-Testament

DEU

2009

Rüdiger Daniel

Wolfgang Neuss (1923-1989) war "Der Mann mit der Pauke", Filmstar, Spielverderber, Bundesfilmpreisträger, Spaßvogel, Haschrebell. Am 5. Mai jährt sich sein Todestag zum zwanzigsten Mal. Als junger Soldat schießt er sich den Zeigefinger der linken Hand ab. Er will raus aus dem Krieg und Clown werden, und er mausert sich zum populärsten Kabarettisten im Nachkriegs-Deutschland. In den 68ern verwandelt er sich zum Kommunisten, dann wandelt er sich zum meditierenden Haschrebellen, den heute im Internet 150.000 Einträge zitieren. Der Querkopf zieht uns in seinen Bann: Er erzählt, dichtet, singt und schreit über sich und über seine Wandlungen. Neuss spaltet die Nation und die Menschen, die ihm begegnen. Am 2. Mai 1989, drei Tage vor seinem Tod, ruft Neuss den Filmemacher Rüdiger Daniel in seine Wohnung in die Lohmeyerstraße in Berlin-Charlottenburg. Er will sprechen und hinterlässt Daniel seinen finalen Monolog. Das vorliegende "Selbstporträt" basiert auf diesen zum Teil unveröffentlichten letzten Aufnahmen. Dazu gesellen sich Zeitzeugen, die das erste Mal vor der Kamera von ihrem Leben mit Wolfgang Neuss erzählen: seine Schwester Eva, seine Geliebte Gisela Groenewold und sein "Sympathisant" Richard von Weizsäcker. Außerdem erinnern sich sein Anwalt, sein Biograf und seine beiden Masseure an das "Ungeheuer von Loch Neuss", wie sich Neuss selbstironisch bezeichnete. (also leider ab 18)

Hitlers Hollywood

DEU

2017

Rüdiger Suchsland

Was weiß das Kino, was wir nicht wissen? Über 1000 Spielfilme wurden in den Jahren 1933 bis 1945 in Deutschland hergestellt. Bei den wenigsten handelt es sich um offene Propaganda. Aber noch weniger der im Nationalsozialismus produzierten Filme sind harmlose Unterhaltung. Rüdiger Suchsland kompiliert in seinem essayistischen Dokumentarfilm Filmausschnitte aus der NS-Zeit, um dieser dunkelsten und dramatischsten Periode deutscher Filmgeschichte näherzukommen: Manipulativ, ideologisch ausgerichtet, eskapistisch – aber mit ihren Stars, Glamour und technische Perfektion auch eine Traumfabrik. Doch welche Träume wurden hier erschaffen? Und was erzählen sie über ihre Zeit?
Referentin: Angelika Zitzelsberger-Schlez

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