Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Von Caligari zu Hitler

DEU

2015

Rüdiger Suchsland

Caligari, Mabuse, Nosferatu: Die dämonische Leinwand der Weimarer Republik war voll solcher unheimlichen wie faszinierenden Gestalten. Siegfried Kracauer baute an ihnen eine These auf: dass diese Leinwandfiguren psychologisch den Weg zu Hitler bereiteten – „Da Deutschland so verwirklichte, was in seinen Filmen von Anfang an bereits angelegt war, nahmen die Leinwandgestalten tatsächlich Leben an.“ Für den Filmkritiker Rüdiger Suchsland ist Siegfried Kracauer der ideale Reisebegleiter auf einer Tour durch das Kino der Weimarer Zeit: Eine Epoche der Moderne, in der die deutsche Filmkunst die größte der Welt war und in der zugleich die Zerrissenheit der Gesellschaft im Kern schon angelegt war. Mit vielen Filmausschnitten geht Suchsland der historisch-gesellschaftlichen Frage nach: „Was weiß das Kino, das wir nicht wissen?“
Referentin: Eva Berberich

André Butzer, seine Kunst und seine Zeit

DEU

2023

Rudij Bergmann

Ein Abend mit Rudij Bergmann und mit einer musikalischen Widmung an den Filmemacher durch den international bekannten Komponisten und Gitarristen Claus Boesser-Ferrari:
André Butzer, 1973 in Stuttgart geboren, ist ein Bildender Künstler, der sich zwischen Expressionismus und Disney, Pop-Art und Konzeptkunst verorten lässt. Der Mannheimer Regisseur Rudij Bergmann, kürzlich mit dem renommierten Baerwind-Preis ausgezeichnet, hat Butzer über viele Jahre filmisch begleitet. Ob auf den winterkalten Straßen von Manhattan, im geschichtsträchtig Marais von Paris, am windigen Strand von Venice in Los Angeles, ob im Bilderlager von Rangsdorf bei Berlin oder im Museo Nacional Thyssen-Bornemisza in Madrid – immer geht es um Kunst und um die vielschichtigen künstlerischen Visionen des international agierenden André Butzer.
Der Film, den Bergmann als „zeitloses Dokument“ jenseits vergänglicher Aktualität definiert, wurde ermöglicht durch die langjährige Freundschaft des Filmemachers mit dem Stuttgarter Sammlerehepaar Rudolf und Ute Scharpff. Ihnen hat Rudij Bergmann seinen Butzer-Film gewidmet.
In Kooperation mit Kunsthalle Mannheim
Rudij Bergmann stellt seinen Film persönlich vor.
Der Gitarrist und Komponist Claus Boesser-Ferrari, der die Filmmusik geschrieben hat, führt eine eigens für Bergmann komponierte musikalische Widmung an den Filmemacher live im Kinosaal auf.

Robert Häusser – Leben und Werk

DEU

2009

Rudij Bergmann

Der renommierte Filmemacher und Kunstkritiker Rudij Bergmann begleitete im Jahr 2009 den international berühmten Fotografen Robert Häusser zu den Stationen seiner außergewöhnlichen Karriere und verknüpfte Leben und Werk des Ausnahmekünstlers, der von 1952 bis zu seinem Tod 2013 in Mannheim lebte. Zum 100. Geburtstag des Fotokünstlers zeigen wir den Film in Anwesenheit von Rudij Bergmann.

In Kooperation mit den Reiss-Engelhorn-Museen, begleitend zur Ausstellung „Sachlich neu – Fotografien von August Sander, Albert Renger-Patzsch & Robert Häusser“ (bis 27.4. im Museum Peter & Traudl Engelhornhaus)

Einführung: Prof. Dr. Claude W. Sui, Leiter des Forum Internationale Photographie an den Reiss-Engelhorn-Museen

Anschließend Filmgespräch mit Rudij Bergmann

Robert Häusser – Leben und Werk

DEU

2009

Rudij Bergmann

Der renommierte Filmemacher und Kunstkritiker Rudij Bergmann begleitete im Jahr 2009 den international berühmten Fotografen Robert Häusser zu den Stationen seiner außergewöhnlichen Karriere und verknüpfte Leben und Werk des Ausnahmekünstlers, der von 1952 bis zu seinem Tod 2013 in Mannheim lebte. Zum 100. Geburtstag des Fotokünstlers zeigen wir den Film in Anwesenheit von Rudij Bergmann.

In Kooperation mit den Reiss-Engelhorn-Museen, begleitend zur Ausstellung „Sachlich neu – Fotografien von August Sander, Albert Renger-Patzsch & Robert Häusser“ (bis 27.4. im Museum Peter & Traudl Engelhornhaus)

Einführung: Prof. Dr. Claude W. Sui, Leiter des Forum Internationale Photographie an den Reiss-Engelhorn-Museen

Anschließend Filmgespräch mit Rudij Bergmann

Das Rote Zimmer

DEU

2010

Rudolf Thome

Katharina Lorenz, Seyneb Saleh, Peter Knaack

ROTE SONNE hieß vor vierzig Jahren der Film, mit dem Rudolf Thome seinen Ruf als herausragender Filmemacher begründete. In seinem neuen Werk mit der gleichen Farbe im Titel geht es um ein ganz ähnliches Thema: starke, selbstbewusste Frauen und ihr Verhältnis zum anderen, manchmal etwas passiven Geschlecht. Es ist eine Ménage-à-trois, von der Thome hier auf wunderbare Weise erzählt: Der Berliner Kussforscher Fred – ja, diesen Beruf gibt es wirklich – wird von Luzie und Sibil dazu auserkoren, einen Harem zu gründen.

Detektive

DEU

1996

Rudolf Thome

Marquard Bohm, Ulli Lommel, Uschi Obermaier, Elke Haltaufderheide, Iris Berben

Marquard Bohm ist einer der coolsten Typen, die es im deutschen Kino je gegeben hat. Ulli Lommel ranchierte zwischen Fassbinder und Trashfilmen. Und Uschi Obermaier ist ohnehin eine Nummer für sich. Mit den interessantesten Darstellern des jungen Films drehte Rudolf Thome seinen Debütfilm: Eine raffinierte Story um zwei schnoddrige Schwabinger Typen, die sich als Detektive versuchen. Mit dem Kniff, sowohl für den Auftraggeber wie auch für ihre Zielpersonen zu arbeiten, um doppelt abzukassieren. Ein Plan, der natürlich nur nach hinten losgehen kann. In der hochkreativen Filmszene Münchens entstand Ende der 1960er ein unglaublich intensives, lebendiges Kino, das den Autorenfilm mit Genrevarianten bereicherte und ihn so in den Pop hinüberführte: Das Bewusstsein von den Möglichkeiten des Kinos war verbunden mit dem Bewusstsein der Gegebenheiten in diesen Zeiten des Umbruchs.
Einführung: Peter Bär

Rote Sonne

BRD

1969

Rudolf Thome

Marquard Bohm, Uschi Obermaier, Diana Körner, Sylvia Kékulé, Gaby Go, Henry van Lyck, Peter Moland, Günter Lemmer, Don Wahl, Peter Berling, Axel Willschrei, Hark Bohm

Thomas (Marquard Bohm) trampt nach München, um seine verflossene Liebe Peggy (Uschi Obermaier, Fotomodell und Mitglied der Berliner „Kommune 1”) wieder zu sehen. Diese hat sich mittlerweile in einem männermordenden Vamp verwandelt, die mit ihren „Partnerinnen in Crime „ eine Kommune bewohnt und einen Liebhaber nach dem anderen um die Ecke bringt. Hin und her gerissen zwischen ihren wieder aufkeimenden Gefühlen für Thomas und den feministischen „Verpflichtungen“ der Kommune, beschließt sie zu fliehen… Ein grotesk-unterhaltsamer 68er-Kultfilm von Rudolf Thome mit einer außerordentlich schönen Fotografie, der das Lebensgefühl einer Generation wiederspiegelt. Präsentiert von APO-OPA Einhart Klucke, in Zusammenarbeit mit ver.di Mitmachprogramm.

Return to Dust

CHN

2022

Ruijun Li

Wu Renlin, Hai-Qing.

Der chinesische Bauer Ma bewirtschaftet sein Land mit Esel und Pflug. Er ist der letzte Unverheiratete in seiner Familie. Guiying ist körperlich fragil, unfruchtbar und über das im ländlichen China übliche Heiratsalter längst hinaus. Zwischen Ma und Guiying wird eine Ehe arrangiert, in der die beiden als zwei Fremde aufeinandertreffen, die Vereinzelung und Demütigung gewohnt sind. Die von außen verordnete Heirat wird zur gemeinsamen Bestimmung, in der die beiden Nähe, Fürsorge und Freude entdecken.
Regisseur Li Ruijun drehte in seinem Heimatdorf in der nordchinesischen Provinz Gansu, feiert die Schönheiten der Natur und thematisiert Zwangsverstädterung und Entwurzelung. Vor allem aber geht es ihm in seiner Erzählung um die unvermutete Liebe seiner arglosen und verletzlichen Charaktere.
Im September 2022 wurde der Film in China verboten – er zeigt wohl eine Wirklichkeit, von der das Regime nichts wissen will.
Die Filmkritik urteilte:
„Nicht bloss beeindruckend, sondern sehr nahe jenem Bereich, wo Begriffe wie ‚Meisterwerk‘ oder ‚filmische Offenbarung‘ angemessen klingen. – Eine tief berührende Parabel über die Arbeit am eigenen Glück.“ (Die Wochenzeitung – WOZ) – „Staatschef Xi verspricht Wohlstand durch Urbanisierung, die Armut sei besiegt. Etwas anderes soll man nicht sehen, kann man auch nicht mehr. Zumindest in China nicht. Hier schon. Und wer den bewegenden Film sehen kann, sollte ihn sich anschauen.“ (Neue Zürcher Zeitung) – „Eine singuläre Liebesgeschichte, die so zärtlich und natürlich wirkt, wie sie schon lange nicht mehr erzählt wurde.“ (OutNow)

Sparrows

ISL/DNK/HRV

2015

Rúnar Rúnarsson

Atli Oskar Jalarsson, Ingvar E. Sigursson, Kristbjörg Kjeld

Der 16jähriga Ari ist gezwungen, von seiner Mutter aus Reykjavik in seine alte Heimat zu seinem Vater zu ziehen, in den abgeschiedenen Nordwesten Islands, wo schlicht gar nichts los ist. Die raue Landschaft spiegelt die schwierigen Beziehungen zum Vater wie auch zu den alten Freunden wider. Nichts ist, wie es war oder wie es sein sollte. Seine Sandkastenfreundin ist jetzt mit dem ruppig-aggressiven Einar zusammen. Seine Großmutter, die ihm Halt gegeben hat, stirbt. Stilistisch souverän erzählt SPARROWS seine Geschichte vom Erwachsenwerden um die Frage, ob aus der Vorhölle der Jugend ein Mindestmaß an Empfindsamkeit ins Erwachsenenleben hinüber zu retten ist, ein existentielles Drama über einen Jungen, geworfen in eine ihm fremde Welt, eine subtile Vater-Sohn-Geschichte – "eines der herausragenden Ereignisse im ausgehenden Kinojahr 2016." (epd Film)

Chasing the Wind

NOR

2013

Rune Denstad Langlo

Sven-Bertil Taube, Tobias Santelmann

Anna ist vor Jahren aus ihrem Heimatdorf in Norwegen weggegangen um vor ihrem Leben zu fliehen und in Berlin neu zu beginnen. Sie startet eine Karriere als Modedesignerin und lebt mit ihrem Verlobten zusammen. Als sie jedoch erfährt, dass ihre Großmutter gestorben ist, kehrt sie zurück zu ihrer Familie – zu ihrem schweigsamen verbitterten Großvater. In ihrer Heimat trifft sie auch auf ihren Ex-Freund einer vergangenen Zeit und sieht sich bald mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Schließlich kommen Erinnerungen an ein altes Unglück in der Familie an die Oberfläche, das das Miteinander nachhaltig verändert hat. Doch schon bald erkennt Anna, dass eine Rückkehr manchmal auch ein Neubeginn sein kann.
Nach seinem erfolgreichen Roadmovie „Nord“ beweist Filmemacher Langlo in seinem bitter-süßen Werk ohne die üblichen Klischees und dramatischen Verwicklungen ein feines Gespür für die alltäglichen Katastrophen und Folgen falscher Entscheidungen, unter denen man ein Leben lang leidet.

Nord

NOR

2009

Rune Denstadt Langlo

Anders Baasmo Christiansen, Kyrre Hellum, Marte Aunemo

Jomar raucht, schläft und trinkt ziemlich viel – mit Vorliebe hochprozentigen Alkohol. Seit ein Unfall seine Sportkarriere beendet hat, gibt er sich als Liftwärter in der verschneiten Einöde Norwegens seinem Selbstmitleid hin. Als Jomar erfährt, dass er einen vierjährigen Sohn hoch im Norden haben soll, begibt er sich mit seinem Schneemobil und einem Fünf- Liter-Kanister Alkohol als einzigem Proviant auf eine ebenso kuriose wie poetische Reise. Unterwegs durch atemberaubende Landschaften Richtung Polarkreis begegnen ihm allerhand skurrile Gestalten. Ein einsames junges Mädchen, ein lebensmüder Greis, ein fröhlicher Panzerfahrer und ein Junge mit originellen Trinkgewohnheiten weisen Jomar den Weg zurück ins Leben. NORD ist ein skurriles Road-Movie, so komisch und rührend wie David Lynchs „Straight Story“. Als Eröffnungsfilm des Panorama auf der Berlinale 2009 wurde NORD mit dem Fipresci-Preis und dem Europa Cinema Label ausgezeichnet.

The Phantom Of The Opera

USA

1925

Rupert Julian

Lon Chaney, Mary Philbin

In den Gewölben der Pariser Oper lebt Erik, ein entstellter Musiker, der die Schauspieler und Bühnenarbeiter in Angst und Schrecken versetzt. Er hat sich in die junge Sängerin Christine verliebt und sorgt dafür, daß sie die Hauptrolle bekommt. Als sich Christine einem Verbot Eriks widersetzt, entführt er sie in die Katakomben. Unter den tausenden Gesichtern von Chaney erwies sich Erik, das Phantom, als eines der einfachsten und besten, obwohl es erst nach der Hälfte des Film ganz zu sehen ist. Zunächst ist das Phantom nur ein drohender Schatten, der die Chormädchen in die Flucht schlägt. Erst als ihm Christine die Maske abreißt, sehen wir das totenähnlich knöcherne Gesicht. Rupert Julian ist vor allem bekannt als der Mann, der Stroheim bei der Regie von MERRY-GO-ROUND abgelöst hat. Er selbst wiederum konnte PHANTOM OF THE OPERA nicht beenden. Nach einigen Unstimmigkeiten mit Chaney wurde er durch Edward Sedgwick ersetzt.

Die Geträumten

AUT

2015

Ruth Beckermann

Anja Plaschg, Laurence Rupp

Sie war 22, er 27 Jahre alt, als die dramatische, rauschhafte, auch unendlich traurige Liebesgeschichte begann: 1948 lernen sich Ingeborg Bachmann und Paul Celan kennen, und bis zu Celans Tod 1971 lieben sie sich; und stoßen stets an Grenzen, an die eigenen und die des anderen. Der Briefwechsel zwischen Bachmann und Celan bildet die Grundlage dieses Films, eine poetische Korrespondenz zweier Künstlerseelen, fast ein Minnegesang-Duett. Zwei Schauspieler lesen mit großer Empathie vor, von Liebe, Zweifeln, Sehnsucht, Eifersucht und künstlerischer Selbstvergewisserung, von Rausch und Verlustangst, Entzücken und Erschrecken, Nähe und Fremdheit: Auf diese Weise erreicht Ruth Beckermann eine konzentrierte Intensität von Emotion und Intellekt.

Waldheims Walzer

AUT

2018

Ruth Beckermann

„Waldheim nein, Waldheim nein!“ skandiert eine Menschenmenge 1986 im Zentrum von Wien: Im Wahlkampf um das Amt zum österreichischen Bundespräsidenten kam die internationale Debatte um die verleugnete NS-Vergangenheit von Kurt Waldheim voll ins Rollen. Ruth Beckermann war eine der AktivistInnen, die die Wahl des ehemaligen UN-Generalsekretärs Waldheim verhindern wollten, und begab sich mit der Kamera hinein in die Abgründe der österreichischen Seele – unter Waldheim-Verteidigern schlugen Hetze, Verleumdung, Medienschelte und Antisemitismus durch. Mehr als 30 Jahre später analysiert sie mit ihren eigenen Bildern und mit einer Fülle an Archivmaterial diesen Wendepunkt der österreichischen Nachkriegsgeschichte: Die Lebenslüge, dass Österreich sich selbst und der Welt vortäuschte, das erste Opfer der Nazis gewesen zu sein, brach in sich zusammen.

Struggle

A

2003

Ruth Mader

Aleksandra Justa, Gottfried Breitfuß, Margit Wrobel, Martin Brambach, Rainer Egger

„Struggle“ ist ein Film über Existenzkampf, Arbeitskampf und Daseinskampf. „Struggle“ spielt in Arbeitswelten: auf den Erdbeerfeldern, in Fabriken, in Büros, in Autos, auf den Straßen. Die Protagonisten: Eine Erdbeerpflückerin aus dem Osten, die für sich und ihr Kind um eine bessere Existenz ringt – und ein Wiener Immobilienmakler. Kurz gibt es die Chance auf die „Substanz“ im Leben. Mit Ruth Mader (Gfrasta) erobert eine weitere konsequente Vertreterin der jungen Wiener Schule die Filmwelt.

Nächster Halt: Fruitvale Station

USA

2013

Ryan Coogler

Michael B. Jordan, Octavia Spencer, Melonie Diaz, Ahna O’Reilly, Kevin Durand, Chad Michael Murray.

In den frühen Morgenstunden des 1. Januar 2008 wurde in Oakland Oscar Grant III. von einem Polizeibeamten durch einen Schuss in den Rücken getötet. In seinem Regiedebüt rekapituliert Ryan Coogler (BLACK PANTHER, 2018) die letzten 24 Stunden des 22-Jährigen, der viele gute Vorsätze gefasst hat, die er am Silvestertag umsetzen will: Er ist wegen Drogen- und Waffenbesitzes vorbestraft und will nun, gemeinsam mit seiner Freundin, sein Leben ändern. Ein zuverlässiger Vater für die vierjährige Tochter sein. Das Verhältnis zu seiner Mutter zurechtrücken. Eine Arbeit suchen. Abends aber will er den Jahreswechsel feiern und fährt mit der U-Bahn in die Stadt. Doch es kommt zu einer Rangelei. Und die Polizei ist schnell zur Stelle…
Zahlreiche Handyaufnahmen der Tat belegen die grundlose, rassistische Brutalität der Polizei; es kam in den folgenden Tage zu zahlreichen Protestmärschen. Der Täter wurde wegen fahrlässiger Tötung verurteilt und nach 11 Monaten auf Bewährung entlassen. Die Verfilmung der wahren Ereignisse wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem auf dem Sundance Festival mit dem Haupt- und Publikumspreis und in Cannes.
Die Hälfte der Verleih-Erlöse an die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland.

Lost River

USA

2014

Ryan Gosling

Christina Hendricks, Iain De Caestecker, Saoirse Ronan, Eva Mendes.

Ein surreales Tableau, ein irrer Fiebertraum, ein Abgesang auf die Urbanität: Ryan Goslings bisher einziges Regiewerk vereint hochstilisierte Bilder städtischen Untergangs mit einem morbiden Grand Guignol Etablissement, eine bizarre Unterwasserwelt mit einem verfluchten Haus. Die Einflüsse von David Lynch, Nicolas Winding Refn, Terrence Malick sind unübersehbar, Gosling arrangiert sie zu einem so reizvollen wie unterhaltsamen Bilderbogen: Er setzt seine Neonfarben und die Symbolbilder, die 80er Jahre-Musik und die düstere Erotik zu einem ästhetischen Erlebnis zusammen. Gedreht wurde dieses düstere Stück Americana in Detroit, der sterbenden Stadt…

Aragami

Japan

2002

Ryuhei Kitaamura

Takao Osawa, Masaya Kato

Ein verwundeter Samurai irrt durch die Wälder und bricht an den Pforten eines Tempels zusammen. Als er wieder erwacht, sind seine Wunden geheilt und der Hausherr bittet ihn zu bleiben. Bei einem großzügigen Mahl erklärt der mysteriöse Gastgeber, dass er kein Mensch sondern „Aragami“ sei, der rasende Gott des Krieges. Er fordert seinen Gast zu einem ungewöhnlichen Duell heraus: Der Samurai soll Aragami im Kampf töten, um ihn von seinem ewigen und leidvollen Leben zu erlösen. ARAGAMI steht in der Tradition klassischer japanischer Samuraifilme, geht aber stilistisch darüber hinaus und begeistert neben seiner visuellen Kraft durch pointierte Dialoge, die im Kampf zweier Schwertkunstmeister kulminieren. „Twists im Fünf-Minuten-Takt, urkomisches Understatement im Wechsel mit schwindelerregenden Kamerabeschleunigungen, dazu Schwertkampf-Einlagen, die jedem Fan Standing Ovations abnötigen.“ (Fantasy Filmfest) In der folgenden Woche zeigen wir den zweiten Teil des Duel Project: 2LDK von Jukihiko Tsutsumi.

Drive My Car

JAP

2021

Ryusuke Hamaguchi

Hidetoshi Nishijima, Toko Miura, Masaki Okada, Reika Kirishima

Zwei Jahre nach dem Tod seiner geliebten Frau wird der Schauspieler und Regisseur Yusuke Kafuku eingeladen, bei einem Theaterfestival in Hiroshima Tschechows „Onkel Wanja“ zu inszenieren. Als Chauffeurin wird ihm Misaki, jung und zurückhaltend, zugewiesen. Während der gemeinsamen Autofahrten öffnen sich die beiden füreinander, und Kafuku muss sich den Rätseln der Vergangenheit stellen. Denn im Hauptdarsteller des Stücks weiß er den Liebhaber seiner verstorbenen Frau vor sich.
Die Verfilmung von Haruki Murakamis gleichnamiger Erzählung erhielt in Cannes unter anderem den Drehbuchpreis. In erlesenen Bildern lässt Regisseur Hamaguchi seine Protagonisten um Geheimnis und Wahrheit kreisen, um Schauspiel und Wirklichkeit. „In ruhigem Fluss und intellektuell inspirierend ist DRIVE MY CAR wohl das reifste und eleganteste Drama 2021.“ (Viennale)

Silent Waters

Pakistan / D / F

2003

Sabiha Sumar

Kirron Kher, Aamir Malik

Charkhi, ein Dorf im pakistanischen Punjab, 1979. Ayesha ist eine gut situierte Frau in den besten Jahren. Seit ihr Mann gestorben ist, bessert sie ihre Rente mit Koranstunden für junge Mädchen auf. Doch ihr Leben dreht sich um ihren verträumten Sohn Saleem, der bis über beide Ohren in Zubeida verliebt ist. Derweil wurde über ganz Pakistan Ausnahmezustand verhängt. General Zia ul Haq plant, das Land in einen islamischen Staat zu verwandeln. Auch vor Charkhi macht die Islamisierung nicht halt. Saleem ist fasziniert von der Zielstrebigkeit einer Gruppe islamischer Fundamentalisten, schließt sich ihnen an und verläßt dafür sogar Zubeida. Als Sikh Pilger aus Indien in das Dorf strömen, spitzen sich die Ereignisse zu. SILENT WATERS ist der erste pakistanische Film, bei dem eine Frau Regie führte und wurde ausschließlich an Originaldrehorten in Pakistan realisiert. Beim Filmfestival Locarno 2003 wurde er mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnet, Kirron Kher erhielt darüber hinaus den Leoparden als beste Hauptdarstellerin.

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