Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Viaggio In Italia

Italien

1953

Roberto Rossellini

Ingrid Bergman, George Sanders

Das englische Ehepaar Alex und Catherine Joyce fährt nach Neapel, um ein dort geeerbtes Haus zu verkaufen. Die Reise führt zu einer tiefen Ehekrise und die beiden gehen getrennte Wege. Während Alex seinen erotischen Obsessionen nachgeht, setzt sich Catherine mit ihrer Vergangenheit und einem verschütteten Teil ihrer Seele auseinander. Im Museum und auf den Straßen begegnen ihr Bilder des Lebens und des Todes. Von den jungen Cineasten der „Nouvelle Vague“ wurde VIAGGIO IN ITALIA enthusiastisch gefeiert. Sie lobten Rossellinis Wagnis der kinematographischen Reduktion und den “ganz und gar freien Einsatz seiner Mittel” (Jacques Rivette)

The Wicker Man - Director's Cut

GBR

1973

Robin Hardy

Police Sergeant Howie bekommt einen Brief, in dem er gebeten wird, aufeiner schottischen Insel das Verschwinden eines 12-jährigen Mädchens aufzuklären. Nach seiner Ankunft merkt er ziemlich schnell, das etwas nicht stimmt. Niemand will das Mädchen gesehen oder gekannt haben, Kirchen sind verwüstet, die Einheimischen pflegen seltsame Sitten und Gebräuche… Zu spät merkt Howie, dass der Herscher der Insel, Lord Summerisle (Christopher Lee), ein teuflisches Spiel mit ihm treibt… “WICKER MAN ist der CITIZEN KANE des Horrorfilms.” (Cinefantastique) Wir zeigen den kultigen Gruselklassiker aus Anlaß der Neuverfilmung mit Nicolas Cage und wegen der verblüffenden inhaltlichen Ähnlichkeit mit MADEINUSA.

M. C. Escher – Reise in die Unendlichkeit

NLD

2018

Robin Lutz

Seine phantastisch-surrealen Grafiken, in denen Wasser scheinbar bergauf fließt und sich Vögel in Fische verwandeln, haben längst Eingang in unser pop-kulturelles Gedächtnis gefunden. Der niederländische Künstler Maurits Cornelis Escher (1898-1972) entwickelte mit perspektivischen Unmöglichkeiten und raffinierten optischen Täuschungen eine ganz eigene Bildwelt. Fraktale, Möbiusbänder, Spiegelungen und Kreisfiguren gehören zu seinem Repertoire und bilden oft auch den Ausgangspunkt für seine verblüffenden Darstellungen, die alle Gesetze der Geometrie außer Kraft setzen – scheinbar.
Der Film würdigt den Künstler mit Hilfe von Briefen, Tagebuchaufzeichnungen, Notizen und aufgezeichneten Vorträgen und löst dabei natürlich auch die mathematischen Rätsel seiner elegant konstruierten „Unmöglichkeiten“.
Einführung: Lisa Valentina Riedel, Kunsthalle Mannheim

Bye Bye Blackbird

DEU

2006

Robinson Savary

James Thiérée, Izabella Miko, Derek Jacobi, Jodhi May

Paris um 1900: Der junge Josef (James Thiérée, Enkel von Charlie Chaplin) baut in schwindelerregender Höhe am Eiffelturm. Ein Plakat mit der wunderschönen Trapezkünstlerin Alice (Izabella Miko) reißt ihn in die Welt der Liebe und fortan will er nur noch mit Alice am Trapez durch die Lüfte schweben. Der Film nimmt uns mit in die magische Welt der Artisten, wo sich mitunter düstere Geschichten hinter glitzernden Fassaden verstecken. In der Tradition von Romeo und Julia erzählt der Film in wunderschönen Bildern von der Liebe, die einem Flügel verleihen kann, von blindem Vertrauen, aber auch von Verrat und Verzweiflung.

Gut für alle – Il bene comune

ITA

2025

Rocco Papaleo

Claudia Pandolfi, Rocco Papaleo, Teresa Saponangelo, Vanessa Scalera, Andrea Fuorto

In den Bergen des südlichen Apennins steht der älteste Baum Europas, eine über 1200 Jahre alte Loricato-Kiefer. Eine ungewöhnliche Wandergruppe macht sich auf den Weg zu diesem einzigartigen Naturdenkmal: Da ist der etwas mürrische Touristenführer und Ex-Soldat Biagio, sein junger unbedarfter Neffe Luciano und die exzentrische Schauspielerin Raffaela, die einen Theater-Workshop in einem Frauengefängnis leitet. Im Schlepptau hat sie vier Teilnehmerinnen ihres Kurses, die nur noch eine kurze Reststrafe abzusitzen haben.

Regisseur Rocco Papaleo schickt sein bunt gemischtes Figuren-Ensemble auf eine ebenso unterhaltsame wie abenteuerliche Reise zu der berühmten Kiefer als Symbol von Resilienz und Widerstandskraft – und damit auch zu sich selbst. Gedreht wurde in der atemberaubenden Berglandschaft des Naturparks Pollino zwischen Kalabrien und der Basilicata

Regisseur Rocco Papaleo über seinen Film:

Das Filmemachen begeistert mich, und insbesondere IL BENE COMUNE ist ein ehrgeiziges Projekt, da es darauf abzielt, zu vermitteln, wie wichtig es ist, uns alle als gleichwertig anzusehen, allein schon aufgrund der Tatsache, dass wir Menschen sind. Ich habe mir Figuren ausgedacht, die an verschiedenen Ufern leben und Brücken bauen, um zueinander zu gelangen, mit Reisen in ihre Gegenwart und in ihre Geschichten. Die Landschaft des Pollino-Massivs in Kalabrien bildet den Hintergrund für diesen Weg, und die dortige Loricato-Kiefer, der älteste Baum Europas, ist ein Symbol für Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit. Wie immer in meinen Filmen hat die Erzählung einen starken musikalischen, humoristischen und – wenn ich das sagen darf – poetischen Charakter. Das Hauptziel dieses Films war es, die Grenzen zu erkunden, die es zu überwinden gilt, um sich wieder zu finden – zwischen verschiedenen Kulturen, verschiedenen Lebensumständen – und da es sich letztlich auch um einen Unterhaltungsfilm handelt, die Schnittstelle zwischen meinem Geschmack und dem des Publikums zu finden.

Room 237

USA

2012

Rodney Ascher

Stanley Kubricks Horrorfilm The Shining sorgte 1980 für großes Aufsehen und wird auch heute noch viel diskutiert. Zahlreiche Theorien haben sich mit der Bedeutung der Chiffren beschäftigt und noch immer stehen Kritiker vor einem Rätsel. Viele sind der Meinung, der Film enthalte verborgene Botschaften. Die Dokumentation beleuchtet fünf sehr unterschiedliche Ansätze von begeisterten Fans bzw. Intellektuellen, die vom Genozid der amerikanischen Ureinwohner über Holocaust bis hin zur Apollo 11-Landung reichen. Abgefahrener Trip durch ein Labyrinth ohne Ausgang, in dem die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion fließend sind…

Tocá Para Mi

Argentinien

2001

Rodrigo Fürth

Hermes Gaido, Laura Frigerio

Carlos ist Schlagzeuger in einer Punkrock-Band in Buenos Aires. Als sein Adoptivvater Genaro, der sich seinen Lebensunterhalt als Akkordeonspieler in armseligen Dörfern verdiente, stirbt, bricht für Carlos eine Welt zusammen. Er nimmt sich das Akkordeon und macht sich auf die Reise. Je weiter er die Punkmusik hinter sich läßt, desto offener wird er für die Rhythmen der Folklore, wie etwa die Cumbia oder den Cuartelazo. „TOCÁ PARA MI ist eine Reise zu einem geisterhaften Dorf. Ein Trip aus einem Zentrum kultureller Vielfalt an einen Ort, wo man nur das tägliche Überleben kennt. Eine Reise in unser Inneres – und in das unseres Landes.“ (Rodrigo Fürth)

Albert Nobbs

GBR/IRL

2011

Rodrigo García

Glenn Close, Mia Wasikowska

Albert Nobbs (ja, gespielt von Glenn Close) ist eigentlich eine Frau. Doch am Ende des 19. Jahrhunderts ist es in Irland nicht möglich, als eine solche zu arbeiten und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Seit 30 Jahren lebt Albert also das Leben eines Mannes und verdient ihr Geld als Butler in Dublins vornehmsten Hotel. Ihre Pläne, sich mit ihrem Ersparten selbstständig zu machen, drohen zu scheitern, als sie sich in Maler Hubert Page verliebt. Als der hinter Alberts Geheimnis kommt, überrascht er sie nicht nur mit seinem Versprechen, Stillschweigen zu bewahren. „Er“ gesteht Albert, ebenfalls eine Frau zu sein. Dem nicht genug: Hubert ist sogar verheiratet mit einer anderen (echten) Frau. Jetzt geht es erst richtig los …

Mercedes Sosa: La voz de Latinoamérica

ARG

2013

Rodrigo H. Vila

„Gracías a la vida, que me ha dado tanto“, Ich danke dem Leben, das mir so viel geschenkt hat, so sang einst Mercedes Sosa, die Stimme Argentiniens, die Stimme der Menschen in Argentinien. Ihr Name stand bald für die „Nueva Canción“, das neue folkloristische Genre Lateinamerikas, das sich zunehmend politisch artikulierte. „La Negra Sosa“ wurde zu einer der markanten Stimmen der Musikrichtung, die gesellschaftliche Missstände bis zum eigenen Exil anprangerte. Berührende Musikdokumentation über eine starke, unnachgiebige und dabei zutiefst mütterliche und in jedem Falle außergewöhnliche Künstlerin.

Die Missetäter

ARG

2023

Rodrigo Moreno

Daniel Eliás, Esteban Bigliardi, Germán De Silva, Margarita Moflino, Laura Paredes.

Morán, Bankangestellter in Buenos Aires, hat 650.000 Dollar gestohlen: Genug, dass es bis zur Rente reicht. Er weiht Kollege Román ein: Er selbst will sich stellen, Román das Geld verstecken, nach der Haft wird geteilt. Der Plan wird ausgeführt – der Beginn einer Reise in immer absurdere Gefilde, die dieser einfallsreiche Film in immer neuen Wendungen zwischen den bankinternen Ermittlungen, dem Gefängnisaufenthalt und der Begegnung mit Norma an einem Bergsee gewitzt und witzig ausführt. Der Film ist Parodie auf Heist-Movies, eröffnet wie nebenbei eine ganz eigene Welt und erzählt zudem von der drögen Mühle eines auf Geld fixierten Systems und dem Ausbruch aus dem engen Büroumfeld.

Die Augen des Weges – Los ojos del camino

PER

2016

Rodrigo Otero Heraud

Ein Mann aus den Anden, der in verschiedenen Regionen der Kordilleren auftaucht, der wieder verschwindet wie ein Geist, der einen letzten Blick auf die Heiligen Berge werfen möchte, der sich mit dem Wasser, den Felsen, den Männern unterhält, um eine bessere Vorstellung davon zu haben, unter welcher Krankheit die Menschheit der Gegenwart leidet: Hipólito Peralta Ccama ist ein spiritueller Meister der andinen Tradition, ein Heiler, ein Weiser, der die Welt mit dem Herzen eines Kindes der Erde sieht.
Mittels einer traumhaften und poetischen Filmsprache begleitet der Film Ccama auf einer Pilgerreise – ein visuelles Gedicht mit überwältigenden Aufnahmen der Andenbergwelt

La Zona

EX

2007

Rodrigo Plá

Daniel Gimenez Cacho, Maribel Verdu, Carlos Bardem

Utopie oder düstere Realität? Drei Jugendliche aus dem Armenviertel von Mexiko-City dringen in das von Mauern geschützte und privat überwachte Villenviertel „La Zona“ ein. Der spontane Einbruch in eines der Luxushäuser geht schief und die leichtsinnigen Eindringlinge werden geschnappt. Doch nicht etwa von der Polizei, sondern vom aufgebrachten Mob werden die Jugendlichen gerichtet. Eine Hetzjagd ohne Erbarmen beginnt… Ein Film über sozialen Hass, Selbstjustiz und das Scheitern eines schwachen Staates.

Stockholm

ESP

2013

Rodrigo Sorogoyen.

Javier Pereira, Aura Garrido

Zwei junge Menschen treffen aufeinander: Er will sie, sie zögert. Dann lernen sie sich kennen, er begeistert sie, und die beiden lassen sich aufeinander ein. Am nächsten Morgen sieht die Welt dann ganz anders aus: Sie will bei ihm bleiben, er will seine Ruhe. Und noch einmal fängt das Spiel von vorne an – doch dieses Mal ist es nicht das lustvolle Spiel vom Vorabend, sondern trister Ernst und verzweifeltes Verhandeln. Mit STOCKHOLM hat der Spanier Sorogoyen einen Film gedreht, der wie zwei Filme wirkt, die sich in Gattung, Stil und Stimmung gegenüberstehen und doch nicht voneinander zu trennen sind. Ein Film voller Unvorhersehbarkeiten, ein überraschender Kinogenuss jenseits konventioneller Love-Stories.
Es handelt sich übrigens um ein Crowdfunding-Projekt befreundeter Filmschaffender, welches in nur 13 Tagen gedreht wurde und den Publikumspreis auf dem 3. Spanischen Filmfest in Berlin gewann!

Thirteen Days

USA

2000

Roger Donaldson

Kevin Costner, Steven Culp

Der Kalte Krieg geht in seine heißeste Phase, als US-Piloten 1962 russische Nuklearraketen mit Zielrichtung USA auf Kuba entdecken. 13 Tage lang ringt Präsident Kennedy um eine Reaktion, bedrängt vom Militär, das die Konfrontation sucht. Ein diplomatischer Wettlauf gegen die Zeit und mächtige Gegner beginnt, in der jede Entscheidung die falsche sein kann. Roger Donaldsons Erinnerung an die Kubakrise verbindet Politlektion, Spannungskino und das Porträt zweier mythischer amerikanischer Helden zu einem Film, der die schwierige Aufgabe, einen diplomatisch ausgetragenen Konflikt auf der Leinwand umzusetzen, mit formaler und darstellerischer Klasse und ohne musealen Historikermief löst. In Kooperation mit der Fachschaft Geschichte der Universität Mannheim. Einführung: Prof. Dr. Julia Angster, Universität Mannheim

Lautrec - Der Maler von Montmartre

FRA

1999

Roger Planchon

Régis Royer, Elsa Zylberstein

Henri Toulouse-Lautrec (1864 – 1901) war eine exzentrische Figur im Paris der Belle Époque und einer der radikalsten Künstler des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Als kleinwüchsiger, von Krankheiten gezeichneter Adelsspross führte er ein Leben am Rande der Gesellschaft. Seine Bilder zeigen die flirrende Atmosphäre einer Gesellschaft im Umbruch. Seine Motive fand er im Zirkus, in den Bars und Bordellen der Großstadt Paris, vor allem im Künstlerviertel Montmartre, wo er selbst lebte und seine Arbeiten in ersten Ausstellungen präsentierte. Eine enge Beziehung verband ihn mit Suzanne Valadon, die als Modell arbeitete und als geniale Autodidaktin ein eigenes bedeutendes malerisches und zeichnerisches Werk schuf. Roger Planchon liefert ein unterhaltsames und opulent ausgestattetes Biopic um einen skandalumwitterten Künstler, der mit gerade mal 36 Jahren an den Folgen seiner Alkoholsucht starb.
Einführung: Dr. Thomas Köllhofer
Veranstaltungsort: Kunsthalle

Life, Animated

USA

2015

Roger Ross Williams

Im Alter von drei Jahren hört ein gesunder und aufgeweckter Junge namens Owen Suskind plötzlich auf zu sprechen. Er verschwindet völlig in seiner eigenen Welt. Die Diagnose: Autismus. Fast vier Jahre vergehen, in denen Owen ausschließlich auf Disney-Filme zu reagieren scheint. Eines Tages streift sein Vater im Spiel eine Handpuppe über – Jago, den Sprüche klopfenden Papagei aus ALADDIN – und – Peng! – Owen spricht seine ersten Worte seit Jahren. Er antwortet mit Dialogen aus seinen heißgeliebten Disney-Filmen, die ihm helfen, seine Gefühle zu begreifen und mit der Umwelt in Kontakt zu treten.
LIFE, ANIMATED stellt klassische Disney-Szenen eindrucksvoll neben Szenen aus Owens Leben und lässt mit wunderschönen Animationen zu Owens ausgedachten Geschichten den Zuschauer in eine fantastische Bilderwelt eintauchen. Ein Dokumentarfilm über das Erwachsenwerden in einer Welt, die durch Disney begreifbar wird.

Kaktusfrüchte – Sabar Bonda

GBR/IND/CAN

2025

Rohan Parashuram Kanawade

Buushaan Manoj, Suraaj Suman, Jayshri Jagtap

Als Anands Vater stirbt, kehrt er aus der Großstadt zurück in seine indische Provinzheimat, um ein zehntägiges Trauerritual zu vollziehen. Dort flammen die Gefühle für seinen einstigen Jugendfreund Balya wieder auf. Dieser kämpft darum, entgegen der Tradition unverheiratet zu bleiben. Ebenso ist Anand inmitten der Trauer den unvermeidlichen Fragen der Großfamilie nach seinem Familienstand ausgesetzt. Als er zurück in die Stadt will, muss er über das Schicksal der Beziehung entscheiden.

Rohan Parashuram Kanawades Debütfilm KAKTUSFRÜCHTE erzählt eine zarte Liebesgeschichte in der rauen Landschaft Westindiens. Ausgezeichnet als bester ausländischer Spielfilm auf dem Sundance Film Festival 2025!

Träum weiter

SWE

2017

Rojda Sekersöz

Evin Ahmad, Ella Åhman, Gizem Erdogan, Segen Tesfa

Mit einer Verbeugung verabschiedet sich Mirja vom Knast. Draußen wird sie stürmisch von ihren Freundinnen empfangen, und alsbald plant die Clique schon das nächste große Ding: Die Beute vom nächsten Überfall soll den großen Traum finanzieren, die Ausreise nach Südamerika. Die Bikinis liegen schon bereit – doch Mirja bekommt Zweifel. Und beginnt ein eigenes, heimliches Projekt: Nämlich den Versuch, ein normales Leben zu führen. Sie bewirbt sich in einem Hotel, um einen Neuanfang zu versuchen. Rojda Sekersöz’ Debütfilm ist bunt, rebellisch, energisch: Können Menschen sich ändern? Und dürfen sie das überhaupt?

Sonita

DEU/IRN/CHE

2016

Rokhsareh Ghaem Maghami

Die 18-jährige Sonita stammt aus Afghanistan und lebt ohne ihre Familie in Teheran. Ihr sehnlichster Wunsch: eine berühmte Rapperin zu sein. Eine soziale Einrichtung unterstützt sie bei der Überwindung der Fluchttraumata und bei der Planung ihrer Zukunft, doch ihre Familie hat ganz andere Pläne: Sie für 9000 Dollar an einen fremden Mann nach Afghanistan zu verkaufen. Sonita verschafft sich mit einer Geldzahlung etwas Zeit, die sie nutzt, um ein Musikvideo aufzunehmen und auf Youtube zu stellen. Der Clip ist ein furioser Aufruf gegen Zwangsheirat und bekommt weltweite Aufmerksamkeit, was das Leben von Sonita entscheidend verändert. Neben aller Sozialkritik macht den Film ein gewagter Genrewechsel bemerkenswert: Mit einem Satz wird die Regisseurin plötzlich von der neutralen Beobachterin zur aktiv Beteiligten, was vielfältige Fragen über die Ethik des Dokumentarfilms aufwirft.

Die Vogelscheuche

Rolan Bykow

Kristina Orbakaite, Juri Nikulin, Jelena Sanajewa, Dmitri Jegorow

Die zwölfjährige Lena zieht zu ihrem geliebten Großvater, der in der Stadt als komischer Kauz gilt, weil er sich mehr um seine Bildersammlung als um die Dinge des Alltags kümmert. Als Lena in ihre neue Schulklasse kommt, wird sie wegen ihrer etwas altmodischen Kleidung und ihrer Frisur von den anderen Kindern bald als „Vogelscheuche” verspottet. In Dima, dem Stärksten in der Klasse, glaubt sie einen Beschützer gefunden zu haben, der auch ihre Zuneigung erwidert. Doch Dima erweist sich als charakterloser Feigling, der nicht den Mut aufbringt, zu seinen Taten zu stehen. Um ihn zu schützen und seine Liebe zu erringen, nimmt Lena die Schuld auf sich. Damit beginnt ein schrecklicher Leidensweg für sie: Sie wird isoliert und mit Psychoterror verfolgt. Zu ihrer Enttäuschung erweist sich Dima sogar als einer der eifrigsten bei dieser „Hexenjagd”. Kahlgeschoren wie eine Verräterin erscheint sie am nächsten Tag vor der Klasse und bekennt sich selbstbewusst und stolz zu ihrem Anderssein. Mit ihrem Großvater verlässt sie daraufhin die unerträglich gewordene Stadt. In der UdSSR nach Fertigstellung zuerst verboten, wurde dieser frühe Perestrojka-Film des bekannten Schauspielers und Regisseurs Rolan Bykow unter Gorbatschow freigegeben und von weit über 54 Millionen Menschen gesehen.

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