Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Wege in die Nacht

DEU

1999

Andreas Kleinert

Hilmar Thate, Cornelia Schmaus, Henriette Heinze, Dirk Borchardt

Nach dem Ende der DDR hat Walter nichts mehr zu tun. Ende 50, arbeitslos – früher Direktor eines Kombinats, jetzt ein Nichts. Also sucht er Sinn. Und sorgt für „Recht und Ordnung“, wie er es versteht: Zusammen mit zwei Jugendlichen, die ihn verehren, schlägt er zu, wenn jemand andere belästigt. Ratlosigkeit, Frust und Gewalt: Walter rächt sich an den Zeitläuften… In seiner schwarzweißen Hommage an die deutsche Stummfilmzeit – und an den Noir-Film – beschreibt Andreas Kleinert einen Mann, seine Moral und sein Land in Ruinen. „Ein Film Noir zur jüngsten deutschen Geschichte und einer der wichtigsten, spannendsten Filme des jungen deutschen Films.“ (Süddeutsche Zeitung)

The Lost Leonardo

FRA/DNK/SWE/NOR

2021

Andreas Koefoed

Was passiert, wenn ein Kunstkenner glaubt, ein verschollenes Gemälde von Leonardo da Vinci bei einer Auktion in New Orleans entdeckt zu haben (nicht gerade der Ort, an dem man italienische Kunst des 15./16. Jahrhunderts erwarten würde)? Er kauft es für rund 1000 Dollar, weil niemand sonst es für ein Werk des Renaissance-Giganten hält. Aber könnte es nicht vielleicht doch möglich sein? So werden Sachverständige aus Museen hinzugezogen, in denen Werke von Leonardo da Vinci hängen, z. B. Louvre und National Gallery, um das gefundene Gemälde damit zu vergleichen und seine Urheberschaft zu klären. Die Expert*innen sind sich zwar nicht einig, doch wird das Gemälde zunächst Leonardo „zugeschrieben“, mehrmals weiterverkauft und gilt irgendwann offenbar doch als eigenhändiges Gemälde von Leonardo da Vinci. Zwölf Jahre nach dem Fund erzielt es schließlich den aberwitzigen Rekordpreis von 450 Mio. Dollar – und verschwindet in einer privaten Sammlung. Niemand weiß, wem es gehört, wo es sich befindet. Der Film des dänischen Regisseurs Andreas Koefoed beleuchtet ebenso spannend wie sachlich die undurchsichtige Welt des internationalen Kunsthandels.
Einführung: Dr. Dorothee Höfert, Kunsthalle Mannheim

Music for Black Pigeons – Der Jazzfilm

DNK

2022

Andreas Koefoed, Jørgen Leth

Eine filmische Feier der Jazz-Magie: Bill Frisell, Lee Konitz, Paul Motian, Midori Takada – sie und viele andere der bekanntesten und produktivsten Jazzmusiker der Welt treffen sich immer wieder zu Sessions mit dem dänischen Jazzgitarristen Jakob Bro, bei denen in altehrwürdiger Jazztradition das Aufnahmeband einfach laufen gelassen wird. Die Filmemacher haben dieses musikalische Netzwerk im Laufe der letzten 14 Jahre begleitet und fangen intime, improvisierte Momente zwischen Pionieren des zeitgenössischen Jazz auf.
Live-Jazz zur Eröffnung am 21.9. mit Lukas DeRungs (Piano) und Julian Losigkeit (Schlagzeug) – Eintritt am 21.9.: 12 €, erm. 9 €, Mitglieder 8 €

German Angst

DEU

2015

Andreas Marschall, Michal Kosakowski, Jörg Buttgereit

Lola Gave, Axel Holst, Michael Zenner

Deutschland, das ist der "Sandmann", das sind Fritz Haarmann, der "Schlächter von Hannover", Peter Kürten, der Vampir von Düsseldorf und "Totmacher" Rudolf Pleil. Das sind Goebbels und Mengele. Die Kultregisseure Buttgereit, Marschall und Kosakowski haben diesem Deutschland einen „Heimatfilm“ gewidmet, wie es ihn noch nie gegeben hat. Berlin: Ein junges Mädchen und ihr Meerschweinchen hausen scheinbar verlassen in einem Plattenbau. Doch immer wieder zieht es das Mädchen in ein Schlafzimmer, aus dem gedämpfte Schmerzensschreie dringen und das sie blutbefleckt wieder verlässt… Ein taubstummes Pärchen wird von Neonazis attackiert und holt mit Hilfe eines mystischen Talismans zum brutalen Gegenschlag aus… Der erfolgreiche Fotograf Eden wird Mitglied eines so geheimen wie mysteriösen Sexclubs, dessen Mitglieder sich mit dem Saft der Alraune zu ungeahnten ekstatischen Höhen aufschwingen. Mit unkontrollierbaren, höllischen Nebenwirkungen, wie sich zeigt…
Dem Film wurde im ersten Anlauf von der FSK sogar die Freigabe verweigert…

Ballada

DEU

2009

Andreas Maus

Michail Ivanovitsch Parnjev, Murad Arevschatian, Tajana Efimovna Xristoferov

1970 verließ der erste Lada die damals größte Autofabrik der Welt in Togliatti an der Wolga. Die kantig-rustikale „Geliebte“, wie Lada auf russisch heißt, eroberte die Herzen der Menschen und wurde Kult. Noch heute fährt die Mehrzahl der Russen Lada. Der beeindruckende Dokumentarfilm BALLADA des Kölner Filmemachers Andreas Maus gibt episodenhaft Einblicke in das Leben der „Geliebten“ und ihrer Liebhaber. Er begleitet Menschen, die sich untrennbar mit dem Lada verbunden fühlen und erzählt persönliche, facettenreiche Geschichten quer durch alle Generationen.

Der Kuaför aus der Keupstraße

DEU

2016

Andreas Maus

Mittwochnachmittag: Vor und in dem Friseurgeschäft der Brüder Özcan und Hasan Yildirim ist viel los, als sich am 9. Juni 2004 plötzlich 700 zehn Zentimeter lange Tischlernägel mit einer Reichweite von 250 Metern in Projektile verwandeln. Sie verletzen 22 Menschen. So infam der Anschlag ist, so skandalös der Verlauf der Ermittlungen: Verdächtigt werden die Opfer. Überwachungsvideos wertet man nicht aus und Bundesinnenminister Schily schließt einen rechtsradikalen Hintergrund aus. Erst 2011 wird mit den Enthüllungen über die rechtsextreme terroristische Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ auch diese Tat aufgedeckt. Der Prozess dauert bis heute an. Regisseur Maus konzentriert sich darauf, zehn Jahre nach dem Kölner Nagelbomben-Attentat jenen eine Stimme zu geben, die lange niemand hören wollte.

Im Weltraum gibt es keine Gefühle

SWE

2010

Andreas Ohman

Bill Skorsgård, Martin Wallström

„Ich habe Asperger“, so begrüßt der 18-jährige Simon die Menschen, bevor sie ihm Fragen stellen können. Als er sich mit den Eltern überwirft, zieht er zu seinem älteren Bruder Sam. Seitdem sind für jenen Privatleben und Intimsphäre perdu, die Freundin zieht genervt aus und auch Simons Ordnungskosmos gerät dadurch in Gefahr. Kurz entschlossen sucht er für den Verlassenen eine neue Frau und trifft auf ein unberechenbares Wesen, das leider in keines seiner mathematischen Muster passt. Dieser Film aus Schweden ist kein Betroffenheitserzeugungsdrama, sondern eine fantasiereiche, zart durchfühlte, popbunt ausgemalte Komödie mit schön trockenem, nordischem Humor.

Das Venedig Prinzip

DEU/AUT/ITA

2012

Andreas Pichler

Bei Venedig denkt man sofort an romantische Gondolieren, mächtige alte Paläste und den allgegenwärtigen Geruch des Meeres. Etwa 20 Millionen Menschen besuchen die Stadt jährlich, Tendenz steigend. Das sind sechzigtausend Köpfe pro Tag. Die Dokumentation zeigt nicht nur die romantische Seite der Stadt, sondern setzt sich mit den Konsequenzen des Massenandrangs auseinander: Immer mehr Venezianer entscheiden sich, die Stadt zu verlassen. Venedig, so ihre Aussage, sei unbewohnbar geworden. Äußerlich noch immer grandios, offenbart sich bei der genauen Betrachtung, was tatsächlich von Venedig geblieben ist.

Das finstere Tal

DEU

2014

Andreas Prochaska

Sam Riley, Tobias Moretti, Helmuth Häusler

Ein Mann will Rache: bildgewaltig und actionreich. Über einen versteckten Pfad, hoch oben in den Alpen, erreicht ein einsamer Reiter ein kleines Dorf. Misstrauen schlägt ihm entgegen. Die Söhne des Brenner-Bauern, der über Wohl und Wehe der Dorfbewohner entscheidet, hätten ihn wohl weggejagt. Doch für eine Handvoll Goldmünzen wird ihm den Winter über Quartier gewährt. Die bevorstehende Hochzeit der jungen Luzi scheint wie ein dunkler Schatten über den Bewohnern des Tals zu liegen. Dann kommt es zu einem tragischen Unfall, bei dem ein Brenner-Sohn sein Leben lässt…
Was niemand weiß: Der Fremde hat eine Rechnung aus längst vergessen geglaubten Zeiten zu begleichen. Andreas Prochaskas Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers mit Sam Riley ist eine furiose Mischung aus vielschichtigem Alpenwestern und packendem Drama.

Die Frau, Die An Dr. Fabian Verzweifelte

BRD

2001

Andreas Rogenhagen

Robert Glatzeder, Dieter Pfaff, Lilia Lehner, Alexander Strobele, Steffen Schult

Die letzten Droge, die Paul sich einschmiss, bekam ihm nicht so gut, und so landete er im Krankenhaus. Sein Vater Willi, erzürnt über die Drogengeschäfte seines Sohnes, holt ihn aus dem Hospital zurück in die westfälische Heimat, sperrt ihn dort zur Strafe in einen Hundezwinger und lässt ihn nicht eher raus, bis er den titelgebenden Arztroman auswendig kann. Eine unkonventionelle Form der Bestrafung? „Das ist so. Ende.“, sagt sein Vater nur dazu – große Redner waren die Westfalen nie. Währenddessen macht sich Willi auf, seine Frau wiederzugewinnen. Als dann Pauls Drogenboss mitsamt durchgeknalltem Bruder in der Einöde auftauchen und Pauls Freundin, die gerade teures Kokain im Müllschlucker entsorgt hat, dazukommt, spitzt sich aber die Lage etwas zu. Dieser Heimatfilm, der einen Vater-Sohn-Konflikt mit einen Krimi verbindet, ist eigentlich eine Lovestory, die sich als Identitätssuche tarnt. Oder irgendwie umgekehrt. Und er ist wie die Gegend, in der er spielt: wortkarg, skurril, eigenwillig, mit abseitigem Humor.

Menschen. Träume. Taten

DEU

2007

Andreas Stiglmayr

Die vor 10 Jahren gegründete Modellsiedlung „Sieben Linden“ in der Altmark – 150km westlich von Berlin – ist Beispiel für die Verwirklichung eines zukunftsorientierten Gesellschaftsentwurfs. 120 Menschen versuchen dort die verschiedenen Bereiche des Lebens – wie Arbeit, Freizeit, Kommunikation, Heilung, Bildung, Ökonomie, Ökologie und Kultur – miteinander zu verbinden. Einfühlsam aber nicht beschönigend erzählt der Film anhand des Alltags und der Gedanken zweier Mitgründer des Dorfes von den Herausforderungen des Gemeinschaftslebens. Zur Diskussion ist der Regisseur anwesend! Diskussionspartner: Andreas Stiglmayr, Regisseur und Filmemacher

Chill Out

Deutschland

1999

Andreas Struck

Sebastian Blomberg, Tatjana Blacher, Barnaby Metschurat

Anna beschäftigt sich mit der Geschichte fremder Familienlinien. Sie liebt ihre Arbeit als Erbenermittlerin und kennt jedes Archiv in der Stadt. Sie lebt nach ihrem eigenen Rhythmus und hat keine Lust auf einen festen Freund, ihr reichen flüchtige One-Night- Stands. Doch ihr Leben ändert sich, als sie Johann aus einer Schlägerei rettet. Johann, ein Kreditkartendieb und Stricher, zieht bei Anna ein. Als auch noch Max, einer von Annas Liebhabern, einziehen will, versuchen sie ein Leben zu dritt. „Andreas Struck entwickelt in CHILL OUT seinen ganz eigenen Blick auf das Leben im heutigen Berlin. Wie auch bei anderen Dreiecksbeziehungen in der Filmgeschichte hängt die Glaubwürdigkeit von CHILL OUT an der Überzeugungskraft seiner Protagonisten. Tatjana Blacher als Anna ist eine echte Entdeckung.“ (Siegessäule)

Die Stadt als Beute

DEU

2015

Andreas Wilcke.

Vor New York, vor London gilt Berlin derzeit als „the place to be“. Jeder will hier wohnen, viele wollen sich hier eine Wohnung kaufen. Geldgeber winken mit Scheinen, Spekulanten stehen Gewehr bei Fuß. Der Film entstand über vier Jahre und zeigt anschaulich und ungeschminkt, wie Immobilieninvestoren und Makler sich auf dem Berliner Wohnungsmarkt austoben und zu welchen Reibereien es dadurch kommt. Dabei ist DIE STADT ALS BEUTE bei allem Ernst der Lage durchaus ambivalent, und einige skurrile Momente zeigen auf, in welchen Paralleluniversen sich die verschiedenen Akteure bewegen.
In Kooperation mit Wem gehört die Stadt? – Stadtpolitisches Bündnis Mannheim. Anschließend Filmdiskussion

Paradies

RUS(DEU

2016

Andrei Konchalovsky.

Julia Vysotskaya, Philippe Duquesne, Christian Clauß, Jakob Diehl, Peter Kurth

Zwischen Frankreich, Deutschland und Russland kreuzen sich während des Zweiten Weltkriegs auf schicksalhafte Weise die Wege von Olga, Jules und Helmut. Olga, russischstämmige Aristokratin, engagiert sich in der Résistance; Jules, kollaborierender Polizeikommissar, ist nach ihrer Verhaftung für sie zuständig – und sichert ihr Schonung gegen sexuelle Gefälligkeiten zu. Allerdings wird er im Wald von Widerstandskämpfern gestellt – und Olga ins KZ deportiert, wo sie auf SS-Offizier Helmut trifft, ein fanatischer Himmlerverehrer, der sich erinnert an die gemeinsame Zeit mit Olga, damals, in einem verliebten Sommer zu Friedenszeiten.
Andrei Konchalovsky, legendärer russischer Filmemacher, legte im Alter von fast 80 Jahren ein Meisterwerk vor, in dem in intensiven Schwarzweiß-Bildern und ausgefeilter Dramaturgie vom Untergang von Liebe, Menschlichkeit und Zivilisation erzählt wird: Die komplexen Charaktere durchbrechen dabei das Gut-Böse-Schema ebenso, wie der Film die Schranken zwischen Leben und Tod, zwischen Hölle und Paradies, auflöst: „Ein überragender, anrührender Film über Leben und Tod, Liebe und Verlust, gewagt konzipiert und technisch brillant inszeniert“ (Filmdienst) – Gewinner des Silbernen Löwen von Venedig 2016.

Opfer

SWE/GBR/FRA

1987

Andrei Tarkowski

Erland Josephson, Susan Fleetwood

Der ehemalige Schauspieler Alexander feiert seinen Geburtstag zusammen mit seiner Familie und einigen Freunden in seinem Haus an der Küste. Es ist ein schöner Tag, bis im Radio die Nachricht von einer apokalyptischen Katastrophe kommt, die die ganze Welt bedroht. Um das Unheil abzuwenden, will Alexander ein Opfer bringen…
OPFER war der letzte Film des Meisterregisseurs Andrei Tarkowski. Die Katastrophe im Film deutet stark auf den Ausbruch eines nuklearen Weltkriegs hin. Ganz falsch lag Tarkowski mit dieser Prophezeiung nicht, denn zwei Wochen vor der Premiere des Filmes in Cannes kam es zum Supergau im Kernkraftwerk Tschernobyl…

Solaris

RUS

1972

Andrei Tarkowski

Donatas Banionis, Natalja Bondartschuk, Jüri Järvet, Anatoli Solonizy

Der Psychologe Kris Kelvin wird zu einer entfernten Raumstation geschickt, die den Planeten Solaris beobachtet. Er soll dort befremdlichen Ereignissen auf den Grund gehen. Es scheint, dass die Atmosphäre des Planeten einen erschreckenden Einfluss auf die Psyche des Menschen ausübt. Bald wird auch Kelvin von dieser Macht ergriffen. Denn plötzlich sieht er sich mit seiner verstorbenen Frau Hari konfrontiert …
Neben 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM gilt SOLARIS als einer der bedeutendsten Science-Fiction-Filme der Filmgeschichte. In seiner Verfilmung eines Stanislaw Lem-Romanes erforscht Tarkowski in unvergesslichen Bildern Bewusstsein, Erinnerung, die Leere des Kosmos. Er erhielt 1972 den Großen Preis der Jury auf dem Filmfestival in Cannes.
Einführung; Dr, Wolfgang Gladrow

Stalker

RUS

1979

Andrei Tarkowski

Alexander Kajdanowski, Alissa Frejndlich, Natasha Abramowa, Anatoli Solonizyn, Nikolai Grinko

STALKER gilt als Klassiker des russischen Kinos und des Science-Fiction-Genres. Unter der Führung des Stalkers, eines ortskundigen Kundschafters, der am Rande einer verfallenen, wasserdurchzogenen und zerstörten Industrielandschaft lebt, begeben sich ein Wissenschaftler und ein Schriftsteller in die mysteriöse, abgesperrte „Zone“. Auf dem gottverlassenen Terrain soll es angeblich einen Platz geben, an dem die geheimsten Wünsche der Menschen in Erfüllung gehen. Die Expedition wird zur Reise in die Innenwelt der Protagonisten und gibt einen Ausblick auf eine gescheiterte Zivilisation.
Der visionäre Film löste bei seiner Premiere in Bezug auf die dystopische Grundstimmung und seine ästhetische Radikalität nachhaltige Erschütterungen aus: Genreelemente lösen sich im Phantastisch-Apokalyptischen und im Metaphysischen auf.

Der Spiegel

UdSSR

1974

Andrei Tarkowskij

Margarita Terechowa, Alla Demidowa, Ignat Danilzew

Ein Mann, Sohn geschiedener Eltern, auf der Suche nach der verlorenen Zeit und nach der eigenen Identität. Ein Schicksal verbunden mit den gesellschaftlichen Erschütterungen und Umbrüchen der Sowjetunion zwischen 1930 und den späten siebziger Jahren. DER SPIEGEL ist eine melancholische Reise durch das fragmentarische Gedächtnis eines Menschen und bricht mit einer linearen Erzählweise zugunsten einer assoziativen Montage. Das Ergebnis ist ein verwirrend vielschichtiger Film, dessen traumhafte Bilderwelt dem Zuschauer noch lange im eigenen Gedächtnis bleibt. Andrej Tarkowskij (SOLARIS) schuf mit DER SPIEGEL seinen am stärksten autobiografisch geprägten Film. Mit einer Einführung von Eva Berberich: „Die Zwischenräume der Zeit“ (Rilke): Tarkowskijs Versuch, das Angekettetsein der Gegenwart an die Vergangenheit filmisch aufzuzeigen und zu bewältigen.

Andrej Rubeljow

Andrej Tarkowski

Anatoli Solonizyn, Iwan Lapikow

Der Mönch und Ikonenmaler Andrej Rubljow wandert durchs Russland des Mittelalters, um mit seiner Kunst die Kirchen des Landes zu gestalten. Was er vorfi ndet sind Dummheit, Intrigen und Intoleranz, korrupte Politiker und verlogene Religionen, schließlich brutalste Gewalt. Er verliert den Glauben an das Leben und an die Menschen und legt ein Schweigegelübde ab. Doch als ein dreizehnjähriger Bursche statt zu verhungern behauptet, er könne Glocken gießen und mit dieser übermächtigen Aufgabe sein Überleben sichert, findet auch Rubljow den Glauben an die Menschen zurück. Tarkowski schuf mit diesem Film ein zeitloses Epos über Gott und die Welt. Der Osten strafte ihn mit Verhinderung. Künstlerische Unausgereiftheit und historische Ungenauigkeit wurden ihm vorgeworfen und seine Arbeit und der Kinoeinsatz über Jahre behindert. Der Westen strafte ihn mit Ignoranz. Erst als die sowjetische Kulturbürokratie so dumm war, einem ihrer größten Künstler die Heimat zu verweigern und ihn damit zum Dissidenten-Dasein zwang, wurde er im westlichen Kulturkreis bekannt. Vorgestellt von Eva Berberich.

Andrej Rubljow

UdSSR

1969

Andrej Tarkowski

Anatoli Solonizyn, Nikolai Grinko

In seinem Schwarz-Weiß-Film, der erst zum Schluss eine farbige Symbolszene beinhaltet, zeichnet Regisseur Andrej Tarkowski in acht Episoden das Leben des russischen Ikonenmalers Andrej Rubljow (ca. 1360-1430) nach, ohne jedoch ein genaues Biopic zu liefern. Als berühmtestes Werk des Malers gilt die Dreifaltigkeits-Ikone, die etwa 1411 entstand und Rubljow künstlerisch mit Giotto vergleichbar macht. Tarkowski zeigt an den Selbstzweifeln der Figur des tiefgläubigen Malers, der sich an humanistischen Ideen der Renaissance orientiert, zugleich die menschenverachtende Machtpolitik des russischen Adels, der als wichtiger Auftraggeber Rubljows gilt. Welche Position hat ein Künstler in der Gesellschaft, wie kann er seine Integrität wahren, wenn er von brutalen Machtmenschen abhängig ist? Der vielschichtige Film mit seiner poetischen Bildsprache gehört zu den bedeutendsten Werken des russischen Kinos nach 1945, auch wenn Tarkowski auf Druck der sowjetischen Behörden Drehbuch, Kameraführung und verschiedene Szenen ändern musste. 1969 konnte der Film endlich beim Filmfest in Cannes einem internationalen Publikum gezeigt werden.
Einführung: Dr. Dorothee Höfert, Mannheim

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