Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Balkan-Melodie

CHE/DEU/BUL

2012

Stefan Schwietert

Spätestens seit der Russendisko sind Balkanklänge hip, also mal dieses hier als Vorabinfo: Bereits mit den ersten stimmungsvollen Klängen der Tonspur zieht Balkan Melodie von Musikdokumentarfilmer Stefan Schwietert den Zuschauer in seinen Bann. Gespannt lauscht man da mysteriösen Frauenchorälen, der Reinheit ihrer Stimmen, den ätherischen Klangteppichen, die sie bilden. Die älteren unter uns werden sie vielleicht wiedererkennen. Es sind die hypnotisierenden Stimmen von Le Mystère des Voix Bulgares, dem ehemaligen staatlichen Radio- und Fernsehchor Bulgariens. Schwietert hat sich für seinen Film an die Fersen des Schweizer Ehepaares Cellier geklemmt, das seit den 1950er-Jahren regelmäßig hinter dem „Eisernen Vorhang“ nach ursprünglichem oder zeittypischem Klangmaterial forschte. Durch Herrn Cellier wurde auch der rumänische Panflötenvirtuose Gheorghe Zamfir im westlichen Europa bekannt. Die Dokumentation rekonstruiert die Erfahrungen des Ehepaars und spürt auch die Musiker von damals auf…
Präsentiert vom Kulturfestival "DonauQuer – Kunst und Kultur Sudosteuropas"
Mit anschließender Gesprächsrunde.

El Acordeón Del Diablo

CHE

2000

Stefan Schwietert

EL ACORDEÓN DEL DIABLO ist eine Reise an die kolumbianische Karibikküste, in die Heimat des großen Sängers und Komponisten Pacho Rada. Mit ihm taucht der Film ein in die Musik der Karibik, in das Reich von Cumbia, Vallenato und Son. Es ist eine Welt von Musikern wie Alfredo Gutierrez, der die Stierkampfmusik seiner Heimat in einen fiebrigen, pulsierenden Big-Band-Sound verwandelt. Oder Israel Romero, unbestrittener Star und König des Vallenato-Akkordeons, der sich mit seinem Neffen El Morré einen atemberaubenden Zweikampf unter Akkordeonvirtuosen liefert. Francisco ‚Pacho‘ Rada selbst zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 93 Jahre alt. Er lebt in einer Wellblechhütte am Stadtrand von Santa Marta, während seine Musik die Hitparaden stürmt. Seine Lebensgeschichte aber ist eine Legende.

Heimatklänge

CH/DEU

2007

Stefan Schwietert

Was fällt Ihnen zum Thema Jodeln ein? Alpenländische Folklore? Peinliche Volkstümelei? Der Schweizer Regisseur Stefan Schiwetert (EL ACCORDEON DEL DIABLO) zeigt in seinem Dokumentarfilm, dass es in seinem Heimatland Jodelkunst gibt, die nichts mit all dem zu tun hat, sondern innovativ, avantgardistisch, experimentell und cool ist. Sein Porträt der drei Ausnahmekünstler Noldi Alder, Erika Stucky und Christian Zehnder ist der Beweis: Jodeln rockt. Davon kann man sich auch überzeugen, wenn zwei der Protagonisten in der Alten Feuerwache live performen: am 16. Dezember Christian Zehnder und am 30. Dezember Erika Stucky & Roots of Communication.

Imagine Waking Up Tomorrow and All Music Has Disappeared

CHE/DEU

2015

Stefan Schwietert

Regisseur Schwietert unternimmt ein filmisches Gedankenexperiment: Man stelle sich vor, am Morgen aufzuwachen, und alle Musik sei verschwunden. Einfach so. Was bleibt uns, wenn das alles weg ist: Platten, iPods, Instrumente? Wenn wir auch nicht mehr wissen, was das überhaupt war: Musik? Er macht es vor: Bill Drummond. Der Mann, der mit The KLF einst die Popindustrie kaperte. Ein anarchischer Geist und ewiger Punk, der jetzt den größten Chor der Welt leitet: The17, ein wechselndes Ensemble aus Laien, keine Noten und keine Proben.
Stefan Schwietert („Heimatklänge“) begleitet Drummond, wie er immer neue Stimmen findet für seinen Chor: auf offenem Feld oder in einer Fabrik, im Schulzimmer oder in einem Pub. Es ist eine Reise an den Nullpunkt der Musik. Damit wir sie in aller Unschuld nochmals neu erfinden (dürfen). Gemeinsam, in diesem Moment…

Eine Mutter – Una madre

ITA

2024

Stefano Chiantini

Aurora Giovinazzo, Micaela Ramazzotti, Angela Finocchiaro, Francesco Salvi, Leonardo Donati

Deva sitzt immer ganz hinten im Bus, der sie nach Hause bringt – zu einem kleinen elenden Wohnwagen, in dem sie mit ihrer ausgeflippten Mutter Giovanna lebt. Ihr im Kragen der Jacke verstecktes Gesicht zeigt eine für ein junges Mädchen ihres Alters unnatürliche Härte. Mit dieser Härte führt Deva nach einer traumatischen Erfahrung ihr Leben, ohne sich einen Moment der Pause oder Entspannung zu gönnen. Dann lernt sie die 60jährige Carla kennen und fängt an, in deren Fischgeschäft zu arbeiten. Und sie trifft dort Carlas einjährigen Enkel, auf den sie gelegentlich aufpassen muss. Wider Willen fasst Deva schließlich eine Zuneigung zu dem Kleinen. Etwas beginnt sich zu ändern.

Ein warmherziger und berührender Film im Geist des Neorealismus über eine junge Frau, die langsam zurück ins Leben findet. Die junge Aurora Giovinazzo als Deva ist eine echte Entdeckung.

Der Regisseur über seinen Film:

Ich glaube, dass Frauen eine größere Verantwortung tragen, darunter auch die Verantwortung, Mutter zu sein. Sicherlich kann das Muttersein auch heute noch zahlreiche Schwierigkeiten mit sich bringen, und eine Frau kann sich in dieser Situation aus verschiedenen Gründen in einer materiellen Lage der emotionalen Schwäche und Verletzlichkeit befinden. UNA MADRE erzählt davon, es geht um eine junge Frau unter vielen, die in einem bestimmten Moment ihres Lebens die Rolle der Mutter übernimmt. Es ist eine filmische Untersuchung, die die Seele und die Emotionen der Protagonistinnen einbezieht und durch eine schlichte und nüchterne Erzählweise versucht, die psychologische Dynamik zu analysieren und innere Turbulenzen aufzudecken. In dieser Hinsicht fühle ich mich dem Kino von Ken Loach nahe. Mich fasziniert die nüchterne und rhetorikfreie Art, mit der er von der Gesellschaft erzählt und gerade von denjenigen, die an ihrem Rand leben.

Stefano Chiantini

Fisch für die Geisel

DEU

2019

Steffen Cornelius Tralles

Enno Hesse, Florian Hacke, Mats Kampen

Piet wartet im Auto vor dem Haus, in das sein Bruder Herm eingebrochen ist. Da kommt er – und trägt einen Gefesselten über den Schultern. Aus Diebstahl wird Geiselnahme – die Brüder verstecken sich mit ihrem Gefangenen in einem leerstehenden Haus. Und Piet gerät in den Zwiespalt zwischen familiärer Loyalität und der Sorge um das Wohlergehen des entführten Konstantin. Während Herm in selbstbewusst-herrischer Art die Situation zu dominieren versucht, stellt Piet mehr und mehr die Motive des Bruders in Frage, und Konstantin sucht angstvoll die schwachen Punkte seiner Entführer.
Gedreht für wenig Geld und ohne Förderung gelingt Steffen Cornelius Tralles in seinem Langfilmdebüt mit drei Darstellern in einem leerstehenden Haus ein spannender Kammerspielthriller, gespickt mit bösem, schwarzem Humor: ein höchst dynamisches Figuren-Mobile mit ständig wechselnden Beziehungen, Bündnissen und Zielsetzungen.
Am 17.06.2022 in Anwesenheit des Regisseurs!

Sprung ins kalte Wasser

CYP/GRC/ITA

2021

Stelios Kammitsis

Vasilis Magoutiotis, Anton Weil, Stela Fyrogeni, Marc Pistono

Victor, Anfang 20 und ehemaliger Turmspringer-Champion, lebt mit seiner Großmutter im griechischen Patras und hält sich mit dem Job in einer Möbelfabrik über Wasser. Als die Großmutter unerwartet stirbt, macht sich Victor in ihrem alten Auto auf den Weg nach Deutschland zu seiner Mutter. Auf der Fähre nach Italien trifft er auf den abenteuerlichen Deutschen Mattias – und lässt sich überreden, in auf seiner Reise mitzunehmen.
Ein Trip durch Italien: In romantisch-verträumten Bildern inszeniert Stelios Kammitis ein sommerliches Roadmovie um gegensätzliche Protagonisten. Der trauernde und generell verspannte Victor und der offenherzige, unkonventionelle Matthias liegen sich in den Haaren und finden zueinander, bei kleinen Gaunereien, beim Baden im See, beim Herbergs-Kuscheln.

Danke für Nichts

DEU

2025

Stella Marie Markert

Lea Drinda, Sonja Weißer, Safinaz Sattar, Zoe Stein, Jan Bülow, Sophie Rois

Vier Freundinnen in einer Betreutes-Wohnen-WG: Die eine versucht ständig, sich umzubringen, die andere wird bald abgeschoben, die dritte steckt in einer manischen Phase, die vierte hat aufgehört zu sprechen, seit sie mit fünf Jahren erfahren hat, dass Wurst in Darm gepresstes Fleisch ist. Und der korrupte Sozialarbeiter versucht, die Situation vor dem Jugendamt zu vertuschen. Was Stella Marie Markert in ihrem Regiedebüt aus dieser Konstellation herausholt, ist großartig: Vier Freundinnen, gefangen in Angst und Depression, vier Geschichten von Freundschaft und Zusammenhalt, und alles im Rahmen einer anarchischen Utopie als Gegenentwurf zur regelbasierten, knarztrockenen Erwachsenenwelt flott und unkonventionell erzählt, mit viel Witz und zugleich viel Ernsthaftigkeit: „So sieht intelligentes, junges deutsches Kino aus.“ (Spiegel)

Der Student von Prag

DEU

2013

Stellan Rye, Paul Wegener

aul Wegener, John Gottow, Grete Berger, Lyda Salmonova

Im Prag des Jahres 1820 träumt der Student Balduin vom gesellschaftlichen Aufstieg. Er verkauft für 100.000 Gulden sein Spiegelbild und will sich in höchste adelige Kreise einheiraten. Doch sein Spiegelbild macht sich selbstständig… In den 1910er Jahren war das Kino noch kaum seinen Ursprüngen als Jahrmarktsattraktion entwachsen – doch DER STUDENT VON PRAG, ein Gemeinschaftswerk von Regisseur Stellan Rye, dem Schauspieler Paul Wegener, Kameramann Guido Seeber und Hanns Heinz Ewers, von dem die Vorlage stammt, war von Grund auf als künstlerisches Werk konzipiert, um „in Darstellung und Dichtung großernste Kunst“ zu zeigen. Ein wegweisender Klassiker des Kinos – Grundstein für die Phantastik des deutschen Stummfilms und für die Weltgeltung des deutschen Films in den 1920ern.
Einführung: Dr. Alexandre Métraux und Dr. Gerhard Schneider

Priscilla - Königin der Wüste

AUS

1994

Stephan Elliott

Terence Stamp, Hugo Weaving, Guy Pearce, Bill Hunter

Die drei Drag-Queens Ralph/Bernadette, Tick/Mitzi und Adam/Felicia erhalten ein Engagement in Alice Springs im australischen Hinterland – also reisen sie in einem alten Schulbus, den sie „Priscilla“ taufen, von Sydney aus quer durch die Wüste… Autopannen, spießige Outback-Bewohner, neue Freunde, persönliche Konflikte sowie prachtvolle Perfomances zur Musik von ABBA, The Village People und Gloria Gaynor sorgen für Unterbrechungen: Das Roadmovie in schrillem Fummel sprüht vor Exzentrik und Dialogwitz.
Ausgewählt von Sabine Fischer, seit 2015 Geschäftsführerin des Cinema Quadrat.

Die Welt ist groß und Rettung lauert überall

BGR/DEU/ITA/SLO

2007

Stephan Komandarev

Miki Manojlovic, Carlo Ljubek

Der Sozialismus im Bulgarien der 1980er Jahre glich einer Tyrannei. Andersdenkende oder Regimekritiker wollte die Führung des Landes, das fest in Kommunistenhand war, nicht tolerieren. Die Geheimpolizei war stets unterwegs, um kritische Äußerungen aus der Bevölkerung aufzuschnappen und manchmal verschwand jemand für etliche Jahre im Gefängnis. Wer es nicht aushielt, musste fliehen. So die Eltern des kleinen Alex. Zwei Jahrzehnte später leben alle in Deutschland, bis ein tragischer Autounfall Opfer fordert. Alex überlebt, seine Eltern sterben. Sein Großvater macht sich nach der schlimmen Nachricht sofort auf den Weg ins Krankenhaus, doch durch eine starke Amnesie kann sich Alex weder an ihn, noch an sonstige Details seines Lebens erinnern. Der Opa überredet Alex zu einer Reise zurück in seine frühere Heimat – mit einem Tandem! Schrullig-herzlicher Film mit poetischem Charme. Perfekt für einen schönen lauen Frei-Kino-Abend! Eine Kooperationsveranstaltung von Quartiermanagement Jungbusch, Kulturamt, Filmcommission und Cinema Quadrat. Beginn: 20.30 Uhr, Eintritt frei. Veranstaltungsort: Vorplatz Jungbuschhalle plus X, Werftstraße 10

Eine Frage der Würde

BGR/DEU

2023

Stephan Komandarev

Eli Skorcheva, Ivan Barnev, Gerasim Georgiev

Blaga, 70, pensionierte Lehrerin, wünscht sich vor allem ein schönes Doppelgrab für ihren verstorbenen Mann und sich selbst. Doch dann ruft ein vermeintlicher Polizist bei ihr an – sie wird Opfer eines Telefonbetrugs, all ihre Ersparnisse sind weg. Schock, Scham, Verzweiflung – und niemand will ihr helfen. Als auch ihr Sohn seinen Teil des Erbes fordert, gibt sie all ihre Prinzipien auf und lässt sich auf die Verbrecherbande ein.
Das erschütternde Sozialdrama über eine harsche, vom Leben gebeutelte und gedemütigte Frau, die die Verbrechen begeht, auf die sie selbst hereingefallen ist, wurde international vielfach ausgezeichnet: Der Film porträtiert unerbittlich die postsozialistische Gesellschaft Bulgariens, in der einzig das Geld regiert und in der Moral und Anstand Luxus sind, die sich Blaga nicht mehr leisten kann.

Fremde Tochter

DEU

2017

Stephan Lacant

Elisa Schlott, Hassan Akkouch, Heike Makatsch

Lena, 17 Jahre, lebt im Plattenbau. Sie lernt Farid kennen – einen Moslem. Und plötzlich ist sie verliebt. Doch diese junge Liebe steht unter keinem guten Stern: Zum Islam hat Lena eine klare Haltung, nämlich Ablehnung – in ihrem Milieu sind Moslems grundsätzlich als Terroristen verschrien. Und für Farids Familie steht eine ernsthafte Beziehung zu einer Nicht- Muslima ganz außer Frage.
FREMDE TOCHTER wurde in Mannheim gedreht – die Gegend um den Herzogenriedpark ist deutlich erkennbar. Stephan Lacant porträtiert sehr genau unterschiedliche soziale, kulturelle und religiöse Milieus, schildert das Ringen von Teenagern um einen Sinn im Leben, zeigt in einer reizvollen Mischung aus Sozialrealismus und Märchenhaftigkeit die Traditionen und Zwänge wie auch die Möglichkeiten, Grenzen zu durchbrechen – das gilt in Mannheim wie überall auf der Welt.
Diskussionsparter*in: Nazan Kapan, Stadträtin
Eröffnung der Agenda 21-Kinowoche durch Nazan Kapan, Vertreterin der Stadt Mannheim
Zur Eröffnung bekommen alle Besucher*innen ein Glas Sekt!
Mitgliederaktion: Eintritt frei für Mitglieder von Cinema Quadrat e. V.

Kirschen der Freiheit

DEU

1989

Stephan Reinhardt

Das Cinema Quadrat erinnert mit diesem Dokumentarfilm-Feature an den Schriftsteller Alfred Andersch, der vor dreißig Jahren, am 21. Februar 1980, gestorben ist. Anderschs Erzählungen „Sansibar oder der letzte Grund“ und „Vater eines Mörders“ sind heute Schullektüre; wie seine Romane „Efraim“ und „Winterspelt“ sind sie literarische Abbilder der NS-Zeit. Als Wehrmachtssoldat 1944 in Italien desertiert, in amerikanischer Kriegsgefangenschaft zum Demokraten und Rooseveltanhänger erzogen, wurde Andersch nach 1945 in der Bundesrepublik einer der einflussreichsten Netzwerker der Demokratie. Als Erzähler und Essayist korrigierte er Fehler der Geschichte, auch seiner eigenen Lebensgeschichte. Das trug ihm zu Unrecht den Vorwurf mangelnder moralischer Glaubwürdigkeit ein. Er prägte maßgeblich das intellektuelle Klima der 50er Jahre. Mit freundlicher Genehmigung des SWR. Mit einer Einführung des Andersch-Biografen und Autor des Filmes Stephan Reinhardt und anschließender Diskussion zur Bedeutung von Anderschs Werk.

Einer von uns

AUT

2015

Stephan Richter

Jack Hofer, Simon Morzé, Christopher Schärf, Markus Schleinzer

„Stephan Richter zeigt uns in seinem Drama eindrucksvoll die Perspektivlosigkeit von Menschen, die sich tagtäglich in einem Niemandsland, zwischen prall gefüllten Supermarkt-Regalen und der trostlosen Leere drumherum wieder finden“, so begründete die Jury ihre Vergabe des Max Ophüls Preises 2016 an EINER VON UNS. Der Supermarkt ist der einzige soziale Treffpunkt im industriell geprägten Vorort, in dem sonst nichts los ist. Sicherheitspersonal und Polizei haben alle Hände voll zu tun, Jugendliche am Rumhängen zu hindern. Hier lernt der 14-jährige Julian den 16-jährigen Außenseiter Marko kennen. Beide verstehen sich gut, weil sie der Hass auf das Vorstadtleben eint. Irgendwann beschließen sie, in den Supermarkt einzubrechen…
Ein Jugenddrama nach einer wahren Begebenheit, die in Österreich für großes Aufsehen sorgte: „Wer alt genug zum Einbrechen ist, ist auch alt genug zum Sterben“, schrieb das Boulevardblatt Kronen-Zeitung, und vermutlich stimmten diesem zynischen Kommentar nicht wenige Leser zu.

Der Wert des Menschen

FRA

2015

Stéphane Brizé

Vincent Lindon, Karine de Mirbeck, Matthieu Schaller

Thierry wird mit über 50 Jahren arbeitslos. Arbeitsamt, Umschulung, Bewerbungsgespräche. Das Geld wird knapp. Thierry findet sich in der Situation des Ohnmächtigen, des Bittstellers, des Untergeordneten wieder. Erst, als er einen Job als Sicherheitsmann in einem Supermarkt bekommt, scheint sich seine persönliche Situation zu verbessern – doch nun ist er es, der als Ladendetektiv die Unterprivilegierten argwöhnisch zu beobachten hat … Stéphane Brizé inszeniert sein erschütterndes Drama quasi-dokumentarisch: Abgesehen von Thierry und seiner Familie agieren Laien, die sich selbst spielen. In Cannes wurde der Film mit dem Jurypreis und mit der Auszeichnung für den besten Schauspieler bedacht.
Einführung: Dr. Inge Beisel

Ein Leben

FRA/BEL

2016

Stéphane Brizé

udith Chemla, Jean-Pierre Darroussin, Yolande Moreau, Swann Arlaud

Die junge Landadelige Jeanne kehrt im Jahr 1819 von der Klosterschule auf das Landgut ihrer Eltern an der Küste der Normandie zurück. Sie träumt von der Liebe, die sie aus Büchern kennt, und heiratet voller romantischer Ideen den verarmten Viscount Julien de Lamare. Doch schnell muss Jeanne erkennen, wie naiv sie die Welt bisher gesehen hat, in einem von Alltagssorgen, Untreue, Tragik und Enttäuschung geprägten Leben. Jeanne projiziert all ihre Liebe auf ihren Sohn Paul, der freilich zum verwöhnten, undankbaren jungen Mann und spielsüchtigen Erwachsenen heranwächst…
In vibrierenden Bildern von zarter Schönheit und großer Intensität erzählt Stéphane Brizé (MADEMOISELLE CHAMBON, DER WERT DES MENSCHEN) in seiner Verfilmung des Romandebüts von Guy de Maupassant die zeitlose Geschichte einer Frau, die unfähig scheint, sich mit einer Welt der Lüge und des Betrugs zu arrangieren.

Streik

FRA

2018

Stéphane Brizé

Vincent Lindon, Mélanie Rover, Jacques Borderie, David Rey, Olivier Lemaire, Martin Hauser

Im südfranzösischen Agen ist der Autozulieferer Perrin der einzige größere Arbeitgeber der Region. Obwohl die über tausend Mitarbeiter schon Zugeständnisse bei Lohn und Arbeitszeiten gemacht hatten, um ihre Jobs zu erhalten, trotz Rekordgewinnen in der letzten Bilanz und trotz einer Arbeitsplatzgarantie soll das Werk, das inzwischen einem deutschen Konzern gehört, dichtmachen. Dagegen formt sich heftiger Widerstand: Gemeinsam und solidarisch wollen die Arbeiternehmer protestieren. Am Verhandlungstisch, auf den Straßen, in den Medien wird der Kampf geführt. Der altgediente Gewerkschafter Laurent Amédéo führt den Streik an; doch die Verhandlungen dauern an, der Ton wird rauer, und es entspinnt sich ein nervenzehrender Existenzkampf. Stéphane Brizé setzt wie schon in seinem vorherigen Sozialdrama DER WERT DES MENSCHEN Vincent Lindon als Hauptdarsteller ein, inmitten eines Ensembles von höchst authentisch agierenden Laien: Die fiktive Geschichte des Films ist höchst real. Mit Bildern im Reportagemodus wirft Brizé die Zuschauer unmittelbar hinein in den Kampf gegen das Unvermeidliche.

Und wenn wir alle zusammenziehen

FR/DEU

2011

Stéphane Robelin

Daniel Brühl, Géraldine Chaplin, Pierre Richard

Fünf langjährige Freunde, fünf Charaktere, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Claude: der ewige Liebhaber. Annie und Jean: sie bügerlich und angepasst, er immer noch politischer Aktivist. Und Jeanne und Albert: die Feministin und der Bonvivant. Trotz aller Ge-brechen und Tücken, die mit dem Alter einhergehen, fühlen sie sich eigentlich noch vital. Um dem Altersheim zu entgehen, entwickeln sie einen Plan: Sie werden zusammenziehen und unter einem Dach gemeinsam den Rest ihres Lebens verbringen. Der Student Dirk soll das Praktische erledigen, bringt aber bislang streng gehütete Geheimnisse an den Tag… Ein wunderbar heiterer, warmherziger Film, der das Alter von einer schönen Seite zeigt. In Kooperation mit dem ZZE (Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung).

25° Im Winter

Stéphane Vuillet

Carmen Maura, Jacques Gamblin, Ingeborga Dapkunaite

Gleich mit seinem Debüt als Abschlussfilm der Berlinale gezeigt zu werden, das muss man Stéphane Vuillet erst mal nachmachen! Wenn mitten im Winter plötzlich 25 Grad Außentemperatur herrschen, dann ist das mit Sicherheit kein Tag wie jeder andere. Das gilt nicht nur für die belgische Hauptstadt Brüssel, in der die Menschen von dem plötzlichen Wärmeeinbruch überrascht werden, sondern erst recht für die vier Menschen, die das Schicksal an diesem Tag zusammen führt. Da ist zum einen die Ukrainerin Sonia, die aus der Abschiebehaft geflohen ist und sich vor dem Zugriff der Behörden versteckt. Sonia hat sich ausgerechnet den Wagen des Kurierboten Miguel als Versteck ausgesucht, und der hat mindestens ebenso viele Probleme wie sie. Miguel arbeitet für das Reisebüro seines Bruders und versorgt dessen Kunden mit Reiseunterlagen. Seit er von seiner Frau verlassen wurde, muss sich Miguel alleine mit seiner siebenjährigen Tochter Laura herumschlagen, die häufig von zu Hause ausbüxt. Und wie um das „Familienglück“ zu komplettieren, ist die Hauptbeschäftigung zwischen den Brüdern sich zu streiten und Mutter Abuelita mischt sich in alles ein und kommandiert herum… Mit den drei Frauen als Besatzung, macht sich der sichtlich genervte Miguel auf den Weg, um einem Kunden wichtige Unterlagen zu überbringen. Doch er hat seine Rechnung ohne seine Tochter, seine Mutter und Sonia gemacht…

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