Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Kings of Kallstadt – Ein Film über Dorfliebe und Größenwahn

DEU

2014

Simone Wendel

Kallstadt ist ein Dorf in der Pfalz. Viel mehr als Weinköniginnen und Kerwe kann es hier nicht geben, sollte man denken. Doch in Kallstadt liegen die Wurzeln zweier großer US-amerikanischer Dynastien: Die Vorfahren der Ketchup-Familie Heinz sowie die von Präsident Donald Trump. Liegt ein Geheimnis in diesem unscheinbaren Ort, in dem es mehr Vereinsmitglieder als Einwohner gibt? Simone Wendel porträtiert das Dorf, aus dem sie selbst stammt, und reist mit einer Delegation aus Kallstadt nach Amerika, um einer Einladung zur deutsch-amerikanischen Parade Folge zu leisten; zum denkbar ungünstigsten Augenblick: mitten in der Weinlese. Gedreht wurde lange, bevor Donald Trump seine Absichten erklärte, USPräsident zu werden – sonst hätte ihn Simone Wendel auch kaum vor die Kamera bekommen: Das war zu Zeiten, als Kuchen und Wein noch geholfen haben, in den 26. Stock des Trump-Towers zu gelangen…
Zur Amtseinführung zeigen wir diesen witzigen, liebevollen Dokumentar-Heimatfilm, der durch den Lauf der Geschichte noch einmal eine ganz andere Bedeutung erhalten hat.
Im Anschluss Gespräch mit den Filmemachern

God Man Dog

TWN

2007

Singing Chen

Tarcy Su, Jack Kao, Chang Han

Sowohl Göttern als auch Hunden wird in Taiwan Respekt und Mitgefühl entgegen gebracht. Warum gibt es dann für den Menschen keine Erlösung? Weder für Ching, die ihre Trauer über den Verlust ihres Kindes nicht überwinden kann, noch für den alkoholabhängigen Biung mit Frau und Tochter, die weit entfernt lebt, noch für den Mann, der herrenlose Buddhastatuen repariert, noch für den durch die Lande ziehenden Jungen Xian. Allen gemeinsam ist ihr Versuch, sich der drohenden Verzweiflung mit Hilfe der Religion zu entziehen. Der Regisseurin Singing Chen gelingt mit diesem Film ein kleines Wunder. Sie schafft es, die verschiedenen Handlungsstränge wie Bälle beim Jonglieren so in der Luft zu halten, dass sich ihre Flugbahnen auf wundersame und unerwartete Weise kreuzen. Bilder von erstaunlicher Schönheit entwickelt, deren Magie durch graziöse Leichtigkeit und eine geradezu unheimlich rhapsodische Form besticht. (also ab 18)

Exte

JAP

2007

Sion Sono

Chiaki Kuriyama, Ren Osugi, Miku Sato

In einer Kleinstadt treiben blutrünstige Haarverlängerungen ihr Unwesen: Am modischen Kopf ihres neuen Besitzers angebracht, entwickeln sie schnell ein mörderisches Eigenleben. Die Spuren führen zu Totenwächter Yamazaki. Als der kahlköpfigen Leiche eines Mädchens meterlange Haare aus den Wunden sprießen, entführt der Haarfetischist sie zu sich nach Hause. Bürstend und striegelnd verbringt er seine Zeit mit ihr und verkauft schließlich Teile der unglaublichen Haarpracht an den Friseursalon Gilles de Rais, in dem auch die langhaarige Yuko arbeitet… Mit der Schauspielerin Chiaki Kuriyama, die als persönliche Leibwächterin von O-Ren Ishii (Lucy Liu) in Quentin Tarantinos KILL BILL Vol. 1 für Aufsehen sorgte.

Guilty Of Romance

JAP

2011

Sion Sono

Kanji Tsuda, Megumi Kagurazaka, Miki Mizuno

Izumi ist eine gewöhnliche Hausfrau, deren Alltag und Ehe seit vielen Jahren reine Routine ist. In ihrem Leben und in ihrer Beziehung zu ihrem Mann gibt es keine Romantik, keine Lei-denschaft. Jede Stunde ähnelt der anderen, jede Berührung scheint einstudiert. Eines Tages beschließ Izumi, ihre Sehnsüchte und sexuellen Wünsche nicht länger zu unterdrücken, sondern sie endlich auszuleben… Eine „wilde Mixtur aus Thriller und Melodram, aus Bataille, und Kafka …, garniert mit an italienische „gialli“ erinnernden Farbexplosionen… So überbordend von Ideen, Formexperimenten und anderen Exzentritäten ist im an Talenten nicht ge-rade armen Japan sonst kein Regisseur und selbst weltweit muss man lange suchen, bis man solch eine Lust am Kino auf der Leinwand zu sehen bekommt“, meint Kritiker Joachim Kurz.

Love Exposure

JPN

2008

Sion Sono

Takahiro Nishijima, Hikari Mitsushima, Sakura Ando

Yu ist eigentlich ein braver Schüler, doch um bei seinem Priester-Vater die Beichte ablegen zu können, begeht er absichtlich Sünden – vor allem sexuelle Entgleisungen scheinen bei seinem Vater gut anzukommen. Als Yu bei einem seiner voyeuristischen Streifzüge – in Frauenkleidung – auf seine große Liebe Yoko trifft, wird es allerdings kompliziert: Sie ist die Tochter der Affäre seines Vaters, die von nun an mit ihm unter einem Dach lebt. Als seine ganze neue Familie von einer wahnsinnigen Sekte gekidnappt wird, beginnt für Yu der große Kampf um seine Liebe. Sion Sono, avantgardistischer Filmpoet, mischt in LOVE EXPOSURE Katholizismus und Perversion, Beethoven und japanische Popkultur, Kampfkunst und Liebesdrama zu einem entfesselten, faszinierenden Kinorausch.
Einführung: Jost Henze

The Whispering Star

JAP

2015

Sion Sono

Megumi Kagurazaka, Kenji Endo

In einer fernen Zukunft ist der Mensch zu einer bedrohten Spezies geworden. Durch den unaufhaltbaren technischen Fortschritt bestehen mittlerweile 80 Prozent der Bevölkerung aus Robotern mit künstlicher Intelligenz. Auch die Androidin Yoko Suzuki, Kennziffer 722, zählt dazu. Als interstellares Botenmädchen fliegt sie von Planet zu Planet, um den Menschen, die jetzt an den entlegensten Orten des Universums wohnen, scheinbar banale Pakete zu überbringen: einen Hut, ein Stift oder ein altes Foto – Erinnerungen aus längst vergangenen Zeiten. In ihrem Raumschiff geht Yoko immer denselben Ablauf durch, während sie jahrelang unterwegs zum nächsten Ziel ist. Mit der Zeit findet sie heraus, was es wirklich bedeutet, ein Mensch zu sein…

Tokyo Tribe

JPN

2014

Sion Sono

Akihiro Kitamura, Ryôhei Suzuki

Im Tokio der nahen Zukunft beherrschen die sogenannten Tokyo Tribes die Stadt. Die rivalisierenden Clans ziehen durch die Ghettos, Slums und Nachtclubs, um ihr jeweiliges Territorium zu verteidigen: Sie führen einen brutalen Krieg um die Vorherrschaft in der Unterwelt. In Tokyo Tribe fliegen Worte als Reime über die Bildfläche: Japans Who’s who des Hip-Hop gibt sich in dieser opulenten Rap-Oper die Ehre und verleiht dem Mythos der Bandenkriege einen neuen, kunstvoll-rotzigen Glanz. Regie-Exzentriker Sion Sono („Love Exposure“) verbindet Hip-Hop und Martial Arts zu einer zynischen Gewaltorgie nach einer Manga-Vorlage von Santa Inoue.

Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt

Slatan Dudow

Hertha Thiele und Ernst Busch

Bertolt Brecht interessierte sich früh für das neue Medium Film und machte sich 1931 gemeinsam mit dem Regisseur Slatan Dudow und dem Komponisten Hanns Eisler an ein eigenes Filmprojekt: KUHLE WAMPE ODER: WEM GEHÖRT DIE WELT? Der Film erzählt die Geschichte der Berliner Arbeiterfamilie Bönicke, die während der Weltwirtschaftskrise aus ihrer Wohnung vertrieben wird und in die Gartenkolonie “Kuhle Wampe” zieht. Formal setzen Brecht und Dudow dabei auf die Montagetechnik, die von Sergej Eisenstein entwickelt worden war. Unmittelbar nach der Fertigstellung verhinderte die Zensur zunächst die Uraufführung, 1933 verboten die Nationalsozialisten KUHLE WAMPE endgültig. Heute gilt das Werk als Meilenstein des politischen Kinos. Einführung: Dr. Peter Bär

Anxiety

POL/DEU/CHE

2023

Sławomir Fabicki

Magdalena Cielecka, Marta Nieradkiewicz, Sabine Timoteo

Zwei gegensätzliche Schwestern: Małgorzata ist organisiert, entschlossen, karriereorientiert. Łucja dagegen ist impulsiv, suchend, eine erfüllte Mutter. Das Leben hat sie in unterschiedliche Richtungen geführt – doch sie unternehmen gemeinsam die wichtigste aller Reisen, als Łucja die todkranke Małgorzata in eine Klinik für Sterbebegleitung in die Schweiz bringt. Beide Schwestern haben unterschiedliche Absichten: Małgorzata möchte die Welt zu ihren eigenen Bedingungen verlassen, Łucja hofft, ihre Schwester davon zu überzeugen, für ihr Leben zu kämpfen.

Ein Roadmovie mit dem Lebensende als Ziel: „Ich bin keiner dieser Regisseure, die das Geschichtenerzählen feiern“, sagt Regisseur Sławomir Fabicki, „es ist das ‚Charaktererzählen‘, das mich interessiert.“ So lebt der Film von der Dynamik zwischen den Schwestern, deren gegenseitige Liebe zugleich egoistisch bleibt – und sich vielleicht doch weiterentwickelt.

Sleepy Hollow

GBR/DEU

1999

Tim Burton

Johnny Depp, Christina Ricci, Miranda Richardson, Michael Gambon, Christopher Walken, Christopher Lee

Police Constable Ichabod Crane setzt im New York des Jahres 1799 auf moderne Methoden – zu modern für den Chef. Er wird nach Sleepy Hollow versetzt, um eine geheimnisvolle Mordserie aufzuklären. Dort geht die Legende, dass ein untoter hessischer Söldner als kopfloser Reiter umherzieht und wahllos Menschen umbringt. Ichabod Crane muss seine Methoden der Logik und Rationalität auf den Kampf gegen das Übernatürliche der Unterwelt umstellen…

Tim Burton adaptiert für dieses Horrormärchen frei Washington Irvings Erzählung „The Legend of Sleepy Hollow“ von 1820 (die wiederum von der deutschen Romantik beeinflusst war). Burton lässt dabei seinen düster-makaber-schwarzhumorigen Fantasien freien Lauf – Oscar für das beste Szenenbild!

So sind wir, so ist das Leben - Toni, en famille

FRA

2003

Nathan Ambrosioni

Camille Cottin, Léa Lopez, Thomas Gioria, Louise Labèque, Oscar Pauleau, Juliane Lepoureau

Vor 20 Jahren war Toni ein Pop-Star, heute steht die Familie im Mittelpunkt: Fünf Kinder verschiedener Altersstufen, die sie alleine erzieht. Die großen und kleinen Sorgen der sechs Familienmitglieder bilden einen bunten Alltag, in dem die meisten Probleme mit Bravour gemeistert werden. Doch bald ziehen die beiden Ältesten aus und Toni steht vor der großen Frage: Was, wenn das Nest irgendwann leer ist? Ein musikalisches Comeback? Oder ein längst verschollenes Studium wiederaufnehmen? Mit einer unwiderstehlichen Leichtigkeit balanciert der Film die Bedürfnisse seiner Charaktere aus und bleibt dabei stets unterhaltsam, ohne an Authentizität einzubüßen. Eine beeindruckende Leistung des französischen Nachwuchstalents Nathan Ambrosioni, der den Schnitt, das Drehbuch und die Regie übernahm. Es ist bereits der vierte Langfilm von Ambrosioni, der 1999 geboren wurde.

Die Einsamkeit der Großstädter*innen

DEU

2024

Sobo Swobodnik

Margarita Breitkreiz, Sarah Sandeh, Rebecca Rudolph, Susana AbdulMajid

Auf der Suche nach Kommunikation, Auseinandersetzung, Aufmerksamkeit, Gesehenwerden, Lust, Begierde, Sex und ja, auch Liebe: als postpandemischer „Reigen“ im Dating-Zeitalter kommt dieser hybride dokumentarische Spielfilm daher. „Karate“ kontaktiert über Dating-Apps zehn unterschiedliche Frauen, trifft sie, um der Einsamkeitswüste der Großstadt in Krisenzeiten zu entkommen. Und erfährt in diesen ganz unterschiedlichen Begegnungen viel über Leben, komplexe Beziehungsstrukturen, Einsamkeit, sich selbst.

Die Dialoge des Films sind größtenteils den realen Chats zwischen den kommunizierenden Frauen entnommen – „das Werk steckt voller treffender Beobachtungen über modernes Dating, über sich wandelnde Bedürfnisse und Beziehungsmuster und nicht zuletzt über gesellschaftliche Erwartungen.“ (kino-zeit.de)

Gegen den Strom – Abgetaucht in Venezuela

DEU

2019

Sobo Swobodnik

Ein Film über ein Land im Umbruch, über ein transatlantisches Musikprojekt, über zerplatzte und aufrechterhaltene linke Utopien und das Leben als Mitglied einer terroristischen Vereinigung: Thomas Walter wird seit 25 Jahren als linksradikaler Terrorist von der Bundesstaatsanwaltschaft per Haftbefehl gesucht. Im Frühjahr 2017 ist er aus dem illegalen Untergrund aufgetaucht mit einem Asylantrag in Venezuela. Als Musik- und Lebenskünstler komponiert er dort Lieder, oftmals zusammen mit dem aus Heidelberg stammenden Mal Élevé, Ex-Sänger der Band Irie Révoltés: Songs über eine Welt ohne Grenzen, über Hierarchien und Ausbeutung, über Rassismus und Widerstand.
Sobo Swobodnik – seine Tochter ist eine Nichte von Thomas Walter – reiste in die venezolanischen Anden, um Walters Geschichte von Untergrund, Flucht und Illegalität zu erfahren und sein Leben in der schwierigen Situation Venezuelas festzuhalten. Dabei bietet der Film Thomas Walter nicht einfach ein unkritisches Podium, sondern stellt einer gewissen Selbstromantisierung die brachiale Lebenssituation gegenüber.

Ramba Zamba

DEU

2ß22

Sobo Swobodnik

RAMBA ZAMBA ist in Dokumentarfilm über Inklusion, Diversität, Integration und Partizipation anhand des Berliner Theaters RambaZamba, das seit über 30 Jahren die Zusammenarbeit von behinderten und nicht behinderten Menschen lebt. Und der Film ist zugleich selbst Teil des inklusiven künstlerischen Programms, bei dem sich der integrative Ansatz der Theaterarbeit im filmischen Prozess fortsetzt – eine beobachtende Dokumentation, in der das Theater aus sich selbst heraus geschildert wird. Es geht nicht um Beeinträchtigung, sondern um den einzigartigen Menschen, um seine Kreativität, Ausdrucksfähigkeit und Gestaltungskraft – nicht anders, sondern besonders.
Im Anschluss Gespräch mit Ursula Frenz, Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen der Stadt Mannheim, und Kristina Funk, Vorständin Lebenshilfe Region Mannheim-Schwetzingen-Hockenheim e.V.

Die Verführten

USA

2017

Sofia Coppola

Colin Farrell, Nicole Kidman, Kirsten Dunst, Elle Fanning, Oona Laurence, Angourie Rice, Emma Howard

Eine Mädchenschule in Virginia. Teil der Südstaaten, die im Bürgerkrieg gegen die Yankees kämpfen. Die Front ist nahe. Und plötzlich ist da dieser verletzte Soldat. Ein Feind, einer aus dem Norden. Die Schulleiterin entscheidet, ihn in Pflege zu nehmen – ein Mann, ein Gegner in einem Haus voller Frauen. Die Lehrerinnen und Schülerinnen buhlen alsbald um seine Aufmerksamkeit – halten ihn aber zugleich gefangen.
In ihrer ästhetisch feinfühligen Verfilmung des Romanes A Painted Devil – den Don Siegel schon 1971 mit Clint Eastwood in der Rolle des verwundeten Objektes von Begierde, Hass, Rache und Verführung verfilmt hat – betont Sofia Coppola die aktive Rolle der Frauen: In tiefe Gefühlsverwirrungen gestürzt durch die Störung des Gleichgewichtes, durch Begehren, Pflicht, Nächstenliebe und Selbsterhaltung, wird aus dem erotischen Chaos eine Geschichte von Macht und Ermächtigung.

Lost in Translation

USA

2003

Sofia Coppola

Bill Murray, Scarlett Johansson, Giovanni Ribisi, Anna Faris

Whisky-Werbung in Japan: Das Refugium alternder US-Filmstars, die sich auf einfache Art was dazuverdienen. Bob Harris wohnt eine Woche im Hotel in Tokio, für die Zeit des Werbedrehs. Und er langweilt sich zu Tode. Bis er die Amerikanerin Charlotte kennenlern, jung, lebendig, frisch verheiratet mit einem Boulevardfotografen. Während ihr Mann tagsüber arbeitet, sitzt sie allein im Hotel; und die beiden Verlorenen in einem fremden Land finden einander, werden zu Komplizen in ihrer Einsamkeit…
Der alternde Star, dessen Ehe zerrüttet ist, die junge Frau, die am Anfang ihrer Lebenspartnerschaft steht, das fremde Land mit fremder Sprache und Kultur, die Isolation im Hotel: Aus einfachen Faktoren baut Sofia Coppola – die in den 1990ern in Tokio ein Modeunternehmen gegründet hatte – ihren großen Erfolgsfilm auf, der ihr unter anderem einen Drehbuchoscar einbrachte: Ein Kultfilm, in dem Bill Murray und Scarlett Johansson ihre Müdigkeit, ihre Sprachlosigkeit, ihre Verlorenheit zu einer platonischen Liebesromanze ausbauen.

Marie Antoinette

USA

2006

Sofia Coppola

Kirsten Dunst, Jason Schwartzman, Judy Davis, Rip Torn, Rose Byrne, Asia Argento, Danny Huston Marianne Faithfull

Mit 14 Jahren muss sie ihre österreichische Identität ablegen und eine französische annehmen: Aus der Erzherzogin Maria Antonia wird Marie Antoinette, Ehefrau des französischen Thronfolgers Ludwig. Sie passt sich der engen Hof-Etikette in Versailles an und frönt dem royalen Nichtstun. Zumal ihr Gatte die ehelichen Pflichten vernachlässigt – aus Desinteresse oder Schüchternheit? –, während die Mutter Maria Theresia auf eine Schwangerschaft drängt, um die Stellung bei Hof auszubauen und das staatliche Verhältnis zwischen Österreich und Frankreich zu verbessern…
Sofia Coppola zeichnet in ihrem aufwändigen Kostümfilm – gedreht an Originalschauplätzen – Marie Antoinette als moderne Frau zwischen Lifestyle und Celebrity-Kultur, die sich in der Rokokozeit gefangen sieht:. Die Königin ist schön, vergnügungssüchtig, stilbewusst, verletzlich, eine Pop-Queen, die ihren Glamour ganz für sich hat. Bis die Massen Versailles erstürmen.

The Bling Ring

USA

2013

Sofia Coppola

Emma Watson, Katie Chang, Israel Broussard, Claire Julien, Taissa Farmiga, Georgia Rock, Leslie Mann

Paris Hilton, Lindsay Lohan, Megan Fox, Orlando Bloom: Ihr Lebensstil macht süchtig. Weshalb eine Gruppe gelangweilter Upper Class-Jugendlicher sich diesen way of life aneignet: Das Internet gibt nur zu gerne Auskunft über den Aufenthaltsort der Stars. Und wenn sie nicht zuhause sind, dann brechen die Kids ein. Designerkleider, Schmuck, Schuhe, Sonnenbrillen: Das Glitzern der Oberfläche ist faszinierend in einer übersättigten Überflussgesellschaft. Tatsächlich basiert der Film auf dem richtigen Leben: Der „Bling Ring“, eine Clique von Jugendlichen, eroberte sich Markenware im Wert von über 3 Millionen Dollar von den Celebrities der Hollywood Hills. Das Posieren auf Facebook mit der Beute wurde ihnen zum Verhängnis…

The Virgin Suicides

USA

199

Sofia Coppola

Kirsten Dunst, James Woods, Kathleen Turner, Hanna R. Hall, Josh Hartnett, Danny DeVito

Paris Hilton, Lindsay Lohan, Megan Fox, Orlando Bloom: Ihr Lebensstil macht süchtig. Weshalb eine Gruppe gelangweilter Upper Class-Jugendlicher sich diesen way of life aneignet: Das Internet gibt nur zu gerne Auskunft über den Aufenthaltsort der Stars, in deren Luxusdomizilen die Kids dann einbrechen. Designerkleider, Schmuck, Schuhe, Sonnenbrillen: Das Glitzern der Oberfläche ist faszinierend in einer übersättigten Überflussgesellschaft. Tatsächlich basiert der Film auf dem richtigen Leben: Der „Bling Ring“, eine Clique von Jugendlichen, eroberte sich Markenware im Wert von über 3 Millionen Dollar von den Celebrities der Hollywood Hills. Das Posieren auf Facebook mit der Beute wurde ihnen zum Verhängnis…
Sofia Coppola blickt klarsichtig auf die wertlosen Werte, nach denen ihre Protagonisten streben: Ihre Schilderung des Lebensgefühls einer auf ihre ganz eigene Weise verlorenen Generation drehte sie teilweise in Paris Hiltons Villa.

Somewhere

USA

2010

Sofia Coppola.

Stephen Dorff, Elle Fanning, Michelle Monaghan, Chris Pontius

Johnny Marco ist ein Schauspielstar, er residiert zwischen den Engagements im Chateau Marmont in L.A. Kuriert eine kleinere Armverletzung aus, ergibt sich dem Alkohol, schläft bei der Darbietung zweier ins Hotelzimmer bestellter Stripteasetänzerinnen ein. Er hat Geld, er hat Ruhm, aber er hat nichts zu tun. Bis sich plötzlich seine elfjährige Tochter Cleo bei ihm einstellt. Marco muss sich kümmern. Muss die Tochter in seinen Lebensstil einfügen. Und muss seinem Leben Struktur geben.
Sofia Coppola, als Tochter von Francis Ford zu einem Gutteil in Hotelzimmern aufgewachsen, schließt thematisch an ihren ersten Erfolgsfilm LOST IN TRANSLATION an: Ennui und Einsamkeit von Hotelzimmern wurde selten so zwingend in eine filmische Form gebannt. Coppola packt Langeweile in ihren Film und gibt dem Stillstand Raum – und kreiert ein kurzweiliges, satirisches, existentielles Drama. Gewinner des Goldenen Löwen von Venedig.

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