Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Anhell69

COL/ROU/FRA/DEU

2022

Theo Montoya

Ein Leichenwagen fährt durch die Straßen von Medellín, der zweitgrößten Stadt Kolumbiens. Ein Regisseur liegt im Sarg und erinnert sich an den Spielfilm, den er machen wollte, ein B-Movie über Geister. Die Rollen wollte er mit jungen, queeren Menschen besetzen, die gegen ein repressives Umfeld kämpfen. Aber sein Hauptdarsteller, der auf Instagram „Anhell69“ heißt, starb an einer Überdosis, wie viele andere Freunde – dennoch entsteht ein Film, ein anderer als geplant: das zärtliche und morbide dokumentarische Porträt einer queeren Generation in Kolumbien, zusammengesetzt aus Castingaufnahmen, melancholischen Alltagsbeobachtungen und Partyimpressionen. Aus dem fiktiven Horrorfilmprojekt wird eine reale, poetische, zutiefst politische Geisterbeschwörung.
Auf der DOK Leipzig mit der Goldenen Taube des internationalen Wettbewerbs ausgezeichnet.

Relève - Die Geschichte einer Kreation

FRA

2016

Thierry Demaizière, Alban Teurlai

Im Herbst 2014 wurde der Tänzer und Choreograph Benjamin Millepied – im Kinobereich bekannt für seine Ballett-Arbeiten für BLACK SWAN – zum Direktor des renommierten Ballettensembles der Pariser Oper ernannt. Seine Jugend, seine Vision, sein Charisma verleihen ihm den Ansporn, Hierarchien und Traditionen in Frage zu stellen. Während er sich einfindet in die Strukturen des Hauses, macht er sich daran, sein erstes Tanzstück zu erarbeiten. Der Film folgt dem Schaffensprozess Schritt für Schritt, misst die Arbeit an der Entstehung der Tänze aus, schildert das Bemühen um eine Modernisierung der Ballettinstitution. In wundervollen Bildern würdigen Demaizière und Teurlai die Freude an Musik, Bewegung und Kreativität, mit virtuosen Kamerabewegungen und überwältigender elektronisch-orchestraler Musik.
Einführung: Véronique Mayer

Congo River

BEL/FRA

2006

Thierry Michel

Eine faszinierende filmische Reise von der Mündung bis zur Quelle des Kongo. Die Mythologie des Flusses wird ebenso enthüllt, wie die legendären Gestalten, die im Herzen Afrikas Geschichte geschrieben haben sollen: Forscher wie David Livingstone und Sir Henry Morton Stanley, Könige der Kolonialzeit sowie die afrikanischen Führer Lumumba, Mobuto und Kabila. Rostige eiserne Flussbarkassen sind die Haupttransportmittel, wie schwimmende Dörfer beladen mit alten und jungen Menschen, Zelten und Feuerstellen, Ziegen, Leguanen und geschlachteten Affen. Schlichtweg das einzig verbliebene Transportmittel in einem Land, dessen Verkehrssystem ebenso zusammengebrochen ist wie andere staatliche Einrichtungen. Wasserfälle, Stromschnellen und das Profitstreben der Reedereien machen die Reise zum Glücksspiel. Und der Krieg um Rohstoffe, der den Kongo vor allem im Osten immer noch im Griff hat. (damit leider ab 18 Jahren)

Cloudburst

CAN/USA

2011

Thom Fitzgerald

Olympia Dukakis, Brenda Fricker, Ryan Doucette

Stella und Dottie sind seit 31 Jahren ein Paar. Und sie sind auf der Flucht: Damit die blinde Dottie nicht ins Pflegeheim kommt, sind sie auf dem Weg nach Kanada, um zu heiraten. Unterwegs gabeln sie den jungen Gogo-Tänzer Prentice auf, der nach wenigen Tagen lernt: Wer es mit der Liebe ernsthaft versuchen will, soll sich diese beiden alten Lesben ansehen und anfangen zu üben!

Zwei kratzbürstige Heldinnen unterwegs durch die malerischen Herbstlandschaften von Maine und Nova Scotia – so viel Charme, so viel dreckiger Humor war selten.

Dealer

Deutschland

1998

Thomas Arslan

Tamer Yigit, Idil Üner, Birol Ünel

Can verdient sein Geld als Dealer. Er verspricht auszusteigen, aber weiß nicht wie. Seine Freundin trennt sich von ihm; die Polizei ist ihm auf den Fersen, sein Chef, der ihm eine legale Arbeit versprochen hatte, wird erschossen. Und über allem droht die Abschiebung in die Türkei. Thomas Arslan beobachtet Cans Alltag aus kühler Distanz. Bisweilen sieht sein Film wie ein antikes Drama aus: die Sprache stilisiert, die Gesten theatralisch. Das Bild der Großstadt ist statisch, verschlossen: Can bewegt sich in anonymen Wohnstätten, heruntergekommenen Gewerbehöfen. In unwirklich schönem Kontrast stehen die klaren, intensiven Farben des Sommers, bunte Wände, saubere Stiegen, das saftige Grün der Bäume, die vor den Fenstern im Wind rauschen. „Can … bewegt sich in einem Umfeld, das ihm kaum Handlungsspielraum läßt. Dennoch überträgt er die Verantwortung für sein Handeln niemand anderem als sich selbst. Auch wenn es ihm in seiner Verwirrung nicht gelingt, seine Situation klar zu erfassen, ist Cans Zustand nicht einfach nur pathologisch, sondern ist auch Ausdruck eines Gespürs für die Krankheit der ihn umgebenden Wirklichkeit.“ (Thomas Arslan) Die anschließende Diskussion moderiert Philip Gerber vom Drogenverein Mannheim.

Der Schöne Tag

Deutschland

2001

Thomas Arslan

Serpil Turhan, Bilge Bingül

Deniz ist einundzwanzig Jahre alt. Sie ist Deutsch-Türkin, lebt in Berlin und will Schauspie-lerin werden. Die Kamera folgt Deniz auf ihrem Weg durch die Stadt, beobachtet alltägliche, unspektakuläre Momente und lässt die Hauptdarstellerin keinen Moment aus den Augen. Mit ihrem Freund Jan ist sie nicht glücklich. Im Morgengrauen verlässt sie ihn, fährt nach Hause, zur Arbeit, mit der Wäsche zur Mutter, zur Schwester am Bahnhof. Arslans eleganter Film versteckt in seiner Alltagserzählung eine Theorie der Intimität, Wissenssoziologie trifft auf genaue Beobachtung. „Die Figur der Deniz …steht sicher für die Erfahrungen von vielen ihres Alters: Sie hat noch etwas anderes zu tun, als sich ständig mit ihrer Identität zu beschäftigen. … Sie ist eine Person mit eigenen Geheimnissen, Widersprüchen und Besonderheiten, die sich nicht auf ihre Herkunft reduzieren lassen.“ (T. Arslan)

Ferien

DEU

2007

Thomas Arslan

Angela Winkler, Karoline Eichhorn, Uwe Bohm

Sommer. Ein abgelegenes Landhaus in der Uckermark. In diesem weltabgeschiedenen Refugium lebt Anna mit ihrem Mann Robert und ihrem Sohn Max. Im Verlauf eines Sommers kommen in dem Haus mehrere Generationen der verzweigten Familie zusammen. Laura, Annas Tochter aus erster Ehe, reist mit ihrem Freund Paul und ihren Kindern aus Berlin an. Spaziergänge, das Baden im nahen See und gemeinsame Mahlzeiten im Garten verheißen eine schöne Zeit. Doch die scheinbare Idylle hält nicht lange vor. Annas Mutter erkrankt so schwer, dass sie ins Haus geholt werden muss. Die Risse in Pauls und Lauras Beziehung werden immer deutlicher. An dem isolierten Ort brechen die schwelenden Konflikte, die Lebenslügen wieder auf und drohen den brüchigen Zusammenhalt der Familie endgültig zu zerstören. Das regionale Kulturmagazin artmetropol.tv hat mit dem Regisseur Thomas Arslan ein Interview über FERIEN geführt. Zu finden unter: www.film-festival.tv

Im Schatten

DEU

2010

Thomas Arslan

Trojan, soeben aus dem Gefängnis entlassen, beschafft sich eine Waffe und sucht nach Arbeit in seinem ehemaligen kriminellen Metier. Regisseur Thomas Arslan skizziert mit einfühlsamen Einstellungen eine anonyme Welt seiner Gangsterfi gur. Ein ständiger Schauplatzwechsel und rasante Verfolgungsszenen machen den Film kurzweilig und aktionsgeladen. Das Verbrechen wird zum Alltag, kriminelle Energie ist das Handwerk. So wird IM SCHATTEN zum Genrefilm, der konsequent die tiefe Systematik eines Verbrechens im Fokus hat.

Ich. Du. Inklusion. – Wenn Anspruch auf Wirklichkeit trifft

DEU

2017

Thomas Binn

Inklusion: Menschen mit Behinderung sollen gleichberechtigt an der Gesellschaft teilnehmen. Seit Sommer 2014 haben in Deutschland Kinder mit Unterstützungsbedarf einen Rechtsanspruch auf gemeinsamen Unterricht in den Regelschulen. Seitdem werden an immer mehr Schulen gesunde und unterstützungsbedürftige Kinder gemeinsam unterrichtet. Man könnte meinen, dass anfängliche Schwierigkeiten mittlerweile nachgelassen und Lösungsansätze sich bewährt hätten. Hört man allerdings die Stimmen derer, die am Prozess der Inklusion beteiligt sind, bekommt man den Eindruck, dass auch nach zwei Jahren noch viele Fragen offen, noch viele Probleme ungelöst sind.
Thomas Binn hat über zweieinhalb Jahre hinweg die Schüler einer Grundschulklasse begleitet – eine Langzeit-Doku mit kritischem Blick und ernüchternden Beobachtungen von innen heraus. Wie wird Inklusion in der Schule umgesetzt? Was funktioniert – und vor allem: Was funktioniert nicht? Der gute Wille geht manchmal auf Kosten der Kinder – es fehlt an Personal, Räumen, Material, Zeit.

Liebe auf den ersten Schlag

FRA

2014

Thomas Cailley

Adèle Haenel, Kévin Azaïs

“Les Combattants”, die Kämpfer, lautet der Originaltitel dieses Films. Diese Kämpfer sind Symbole einer an sich und an der Gesellschaft verzweifelnden Generation, die vor Wut die Faust ballt, sich aber dennoch aufs emotionale Minenfeld wagt. Es sind junge Leute wie z.B. Madeleine, die nicht wissen, wie sie der aktuellen Krise entkommen und Arbeitslosigkeit vermeiden können. Nach dem Tod des Vaters übernimmt der junge Arnaud mit seinem Bruder den Familienbetrieb, eine kleine Tischlerei. Durch die Begegnung mit der schroffen Madeleine gerät sein Weltbild ins Wanken. Als sie sich nach Ihrem Studium zu einem Survival-Training bei der Armee anmeldet, folgt er ihr nach. Doch dann haut er ab und sie schließt sich ihm an. Es beginnt ein Überlebenstraining, bei dem die beiden zu einem Liebespaar werden und in höchste Not geraten.
Boy meets Girl mutiert hier nicht zum üblichen Rollenspiel der Eroberung des sanften Weibchens durch den kernigen Typ, sondern zum Wechselspiel zwischen Stärke und Schwäche, Nähe und Distanz, Gefühl und Ablehnung. Schon wegen der beiden Protagonisten sehenswert, die mit dem César für die Beste Darstellerin und für den Besten Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet wurden!

Swing Kids

USA

1992

Thomas Carter

Robert Sean Leonard, Christian Bale, Frank Whaley

SWING KIDS ist ein anglo-amerikanischer Film, der in Prag über das Deutschland des Jahres 1939 gedreht worden ist. Hier hat sich eine Gruppe Jugendlicher gefunden, die trotz des wachsenden Drucks durch die Nazis der englischen Mode, der Musik von Benny Goodman, Count Basie und Django Reinhardt und einer ganz und gar zivilen Lebensführung treu bleibt: die Swing Kids. Diese Bewegung ist ohne offenen politischen Anspruch und pflegt ein intensives, zwischen Snobismus und physischer Rebellion oszillierendes Lebensgefühl. Der Konflikt mit den Faschisten ist nicht geplant, aber unausweichlich: die musikalischen Idole der Swing Kids sind schwarz und jüdisch, die Mode feminin, dandyhaft, die Tänze von wilder, obszöner Individualität und die Moral ausgesprochen undeutsch. Der Film beschreibt den Zerfall einer Swing-Kids-Gruppe unter dem unbarmherzigen Druck von Gewalt und Erpressung, und er handelt davon, wie aus einer anfänglich naiven Verweigerung über die Suche eines Lebenskompromisses nur die Geste bewußten Widerstandes werden kann. Im Rahmen des Archivfests.

Andiamo

DEU/ITA

2004

Thomas Crecelius

Carmela Tarfaro, Giovanna La Fauci, Ilaria Mollica

Eine Gruppe Jugendlicher in Sizilien wird nach dem Abitur die Entscheidung treffen müssen, zu bleiben oder in den Norden zu gehen. Die, die gehen, verlassen nicht nur Familien und Freunde, sondern auch die Stadt ihrer Kindheit, eine langsam zerfallende Schönheit des sizilianischen Barocks: Noto.

Allein

DEU

2004

Thomas Durchschlag

Ich hasse Dich, verlass mich nicht! Menschen mit Borderline-Syndrom haben Angst vor Nähe und suchen sie zugleich. Die junge Studentin Maria (Lavinia Wilson) führt ein Leben, das geprägt ist von der Sucht nach Nähe, von Exzessen mit Sex, Tabletten, Alkohol und dem Hang zu Selbstzerstörung. Ihr größter Feind ist das Alleinsein, das sie in der Affäre zum älteren Wolfgang (Richy Müller) und zahlreichen One-Night-Stands zu umgehen sucht. Eines Tages lernt sie den jungen Studenten Jan (Maximilian Brückner) kennen und spürt, daß diese Beziehung anders ist als die bisher erlebten. Max Ophüls Preis für die beste Nachwuchsdarstellerin Lavinia Wilson.

Die Mondverschwörung

DEU

2010

Thomas Frickel

Pünktlich zum Vollmond am Freitag zeigt das Cinema Quadrat DIE MONDVERSCHWÖRUNG. Dass man "lechts" und "rinks" leicht "velwechsern" kann, wusste schon der Dichter Ernst Jandl. Der Dokumentarfilmer Thomas Frickel verwirrt uns nun noch mehr – auf eine herrlich vergnügliche Weise. Ob Mondgymnastik oder Hitler-Ufos, ob gutes Wasser oder böse Juden, ob alternative Esoterik oder brauner Sumpf, das kommt alles in den Topf der Realsatire. Prädikat: wertvoll! Am 5.4. ist der Regisseur anwesend! Mitgliederaktion: bei dieser Vorstellung ist der Eintritt für Cinema Quadrat-Mitglieder frei.

Rhythm is it!

DEU

2004

Thomas Grube, Enrique Sánchez Lansch

Im Jahr 2003 haben der Chefdirigent Sir Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker ihr erstes großes „Education-Projekt“ geleitet: 250 Berliner Kinder und Jugendliche aus 25 Nationen tanzen Igor Strawinskys Ballett „Le Sacre du Printemps“. Keiner der Schüler, die überwiegend aus Berliner „Problemschulen“ stammen, ist mit klassischer Musik oder Tanz vertraut. Der preisgekrönte Dokumentarfilm begleitet drei der jugendlichen Protagonisten während der Probenzeit. Dabei zeigen Thomas Grube und Enrique Sánches Lansch die Entwicklung der jungen Menschen zu wachsendem Selbstbewusstsein – und schaffen einen mitreißenden, leidenschaftlichen Film über ein in seiner Radikalität und Schönheit einmaliges Musik-Tanz-Pädagogik-Projekt.

Wäre Die Welt Mein

Thomas Gustafson

Tanner Cohen, Wendy Robie, Judy McLane, Zelda Williams

Ausgerechnet in den hinreißenden Captain der Rugby-Mannschaft ist der schüchterne Einzelgänger Timothy verliebt. Sein Leben als unpopulärer Eigenbrötler, der sich in hinreißenden und perfekt choreographierten Musical-Fantasien verliert, um der tristen Realität seiner engstirnigen Privatschule für Jungs zu entfliehen, ändert sich jedoch schlagartig, als er durch die Rolle des Puck im SOMMERNACHTSTRAUM des Schultheaters an einen magischen Trank kommt. Durch ihn verlieben sich alle sofort in den Ersten, den sie zu Gesicht bekommen, was den extrem konservativen und auch leicht homophoben Kleinstadtmief auf höchst unterhaltende und originelle Weise komplett durcheinanderwirbelt. Und wie schon bei Shakespeare, fehlt es nicht an wahnwitzigen Verwicklungen, großartiger Situationskomik und vor allem ungeahnten Liebeserklärungen! Regisseur Tom Gustafson gelang eine kleine Sensation – eine Perle des neuen Queer Cinema, die sowohl Zuschauer als auch Kritiker begeisterte und auf vielen Top-10-Listen der besten Independent-Filme in den USA landete. WÄRE DIE WELT MEIN besticht durch seine bezaubernden Darsteller, seinen einzigartigen Soundtrack und diese charmante Leichtigkeit, wie sie nur das amerikanische Kino produzieren kann. Ein Muss!

Sieben Mulden und eine Leiche

CHE

2007

Thomas Haemmerli

Im Rahmen des 6. Internationalen Festivals für Theater, Performance, Tanz und Kunst „Wunder der Prärie“ geht es um Müll – und wir sind dabei mit dem Film „SIEBEN MULDEN UND EINE LEICHE“: An seinem 40. Geburtstag erfährt Thomas Hämmerli vom Tod seiner Mutter. Als er ihre Wohnung betritt, ist der Schock groß. Sie hat eine komplett vermüllte Wohnung hinterlassen. Einen Monat lang räumen Thomas und sein Bruder Erik auf und finden im Chaos Filmaufnahmen der Familie, die bis in die 30er Jahre zurück reichen. In schnellem Rhythmus erzählt und unkonventionell montiert – dieser Film ist pietätfrei, schamlos, indiskret und rasend komisch.

Sonnensystem

DEU/ARG

2011

Thomas Heise

Der Alltag eines indianischen Dorfes im Norden Argentiniens: Die Kollas von Tinkunaku führen ein Leben zwischen alten Riten und der einbrechenden Moderne. Neben einer überwältigenden Szenerie zeigt Regisseur Heise aber auch die Kastration eines Stiers in allen Details. Es sind anstößige Bilder für einen Blick, der an zivilisatorische Grenzen gewöhnt ist. Ein beeindruckender, stiller und mächtiger Film, dessen geistige Heimat irgendwo zwischen Werner Herzogs FATA MORGANA und Claudia Llosas MADEINUSA liegt. Eintritt frei für Katholikentagteilnehmer mit Dauerkarte.

Vaterland

Deutschland

2002

Thomas Heise

Straguth ist ein trostloses kleines Dorf, irgendwo in Sachsenanhalt. Im zweiten Weltkrieg befanden sich in der Nähe ein Fliegerhorst der Roten Armee und ein Zwangsarbeitslager, in dem damals auch der Vater und Onkel von Regisseur Thomas Heise inhaftiert waren. Heise hat Briefe gefunden, Briefe, die sein Vater und der Onkel aus dem Lager an die Eltern in Berlin geschrieben haben. Diese Briefe hätten ihn nicht mehr los gelassen, sagt er. Mitte der 70er Jahre ging er mit seinem alten Vater auf Spurensuche und kehrte jetzt zurück, um die Menschen des Dorfes kennen zu lernen. Da ist Otto Natho, der Wirt, der von den Zeiten spricht, in denen er mit den Russen Geschäfte machen konnte. Auch Moni, die gepiercte Hausfrau mit den blauen, kurzen Haaren, erinnert sich an die Russen, an all die schönen, geschminkten Frauen der Offiziere. Axel erzählt von 14 Jahren Gefängnis, von Gewalt und Schlägen, Marschieren und Putzen und der Sehnsucht nach zu Hause. Heise spricht mit den Menschen, zeigt sie in ihren Wohnzimmern, zeigt die gigantischen Plattenbauten und aufgesprungenen Asphaltstraßen, zeigt ein Stück deutscher Wirklichkeit mehr als zehn Jahre nach der Wende. Auf dem 45. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentarfilme wurde VATERLAND mit der Silbernen Taube ausgezeichnet.

Day Is Done

CH

2011

Thomas Imbach

Ein Schornstein sticht hartnäckig in den Himmel. Unten rattert ein Zug vorbei. Als es Nacht wird, gehen im Haus die Lichter an. Dort steht ein Mann hinter einer Kamera, auf der Suche nach einem Bild – von sich selbst? Der Welt? Der Gesellschaft? Tag und Nacht, bei Schnee und bei Sonnenschein, steht schaut er aus dem Fenster seines Studios und filmt. Ab und zu hören wir, wie Menschen Nachrichten auf seinem Anrufbeantworter hinterlassen. Sie sprechen über das Wetter oder gratulieren ihm zu seinem Geburtstag. Sein Vater stirbt, ein Kind wird geboren, die junge Familie bricht auseinander. Zeit vergeht. Langsam verändert sich die Stadt und verwandelt sich schließlich in die innere Landschaft des Mannes hinter der Kamera. Mitgliederaktion: am 23.02. Eintritt für Cinema Quadrat-Miglieder frei. (also leider ab 18)

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