Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Possession

FRA/DEU

1981

Andrzej Żuławski

Isabelle Adjani, Sam Neill, Heinz Bennent, Margit Carstensen

Berlin, Anfang der 1980er: Die Ehe von Mark und Anna liegt in Trümmern. Mark, Geheimdienstagent, ist selten zuhause, Anna ist ihm entfremdet, das gemeinsame Kind leidet. Als Mark von Annas Affäre mit Heinrich erfährt, verlässt er seine Familie – und trifft Helen, die Anna aufs Haar gleicht. Während Anna den Sohn völlig vernachlässigt und immer wieder in einer Kreuzberger Altbauwohnung direkt an der Mauer verschwindet. Bei einem grotesken Monster…

Radikal und verstörend: Andrzej Żuławskis Opus Magnum kennt keine Regeln. Anspannung und Unbehagen, allgegenwärtige Paranoia, grenzensprengende Schauspielleistungen, entfesselte Kamera und extreme Gewalteruptionen – was ein Ehedrama sein könnte, wird zum mörderisch-bizarren Alptraum um das Dämonische in uns allen. „Ein kinematographischer Schrei, der es unbedingt wert ist, noch einmal in den Kinos gehört zu werden!“ (Jungle World) – César und Cannes-Darstellerpreis für Isabelle Adjani.

Brokeback Mountain

CAN/USA

2005

Ang Lee

Heath Ledger, Jake Gyllenhaal, Michelle Williams

Eine ergreifende Liebesgeschichte aus dem Herzen Amerikas. Wyoming 1963: der Rancher Ennis del Mar und der Rodeoreiter Jack Twist werden auf Brokeback Mountain angeheuert, den Sommer über eine Herde Schafe vor Wilderern und Raubtieren zu schützen. In der harten und rauen Einsamkeit der Berge entwickelt sich zwischen den beiden bald mehr als bloße Kameradschaft. Angesichts der engstirnigen Moralvorstellungen in der konservativen US-Provinz bleiben ihnen nur getrennte Wege. Die Cowboys heiraten, gründen Familien und kommen doch nicht voneinanderlos. Nur heimlich können sie über die Jahre bei ihren seltenenTreffen in der Wildnis ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Bis Jack einen letzten verzweifelten Versuch unternimmt, für ihre Zukunft zu kämpfen. Meisterhaft inszenierte Liebesgeschichte: Drei Oscars, Golden Globe und Goldener Löwe in Venedig.

Life of Pi

USA

2012

Ang Lee

Schiffbruch mit Tiger, verdichtet in atemberaubenden Bildern, in dem die Stereoskopie bemerkenswert klug eingesetzt wird.

Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger

USA

2012

Ang Lee

Suraj Sharma, Ilja Richter

Pi Patel ist der Sohn eines indischen Zoodirektors und begleitet seine Eltern auf einen Ozeandampfer, auf dem auch die Tiere des Tierparks untergebracht sind, um nach Kanada auszuwandern. Das Schiff sinkt auf der Passage nach einem schweren Sturm. Seine Eltern und sein Bruder ertrinken. Nur Pi kann sich in ein Rettungsboot retten. Doch er ist nicht allein. Richard Parker, der Tiger des Zoos, hat sich dort ebenfalls verkrochen. Nach einem Schiffbruch muss sich der einzige Überlebende in einem Rettungsboot mit einem bengalischen Tiger arrangieren. Wunderbares Filmmärchen in berauschender 3D-Optik nach Yann Martels Bestseller mit perfekter Tricktechnik und mitreißenden Bildern, die von Überlebenskampf und Menschlichkeit erzählen.
Eintrittspreise: 10,- € normal / 8,- € ermäßigt / 7,- € für Mitglieder von Cinema Quadrat e.V.

Tiger & Dragon

TWN/HKG/CHN/USA

2000

Ang Lee

Michelle Yeoh, Chow Yun-Fat, Zhang Ziyi, Chang Chen, Cheng Pei-pei

Schwertkämpfer Li Mu Bai will sich endlich zur Ruhe setzen. Sein Schwert  will er dem ehrenwerten Sir Te überbringen und vertraut es deshalb seiner Weggefährtin Yu Shu Lien an, mit der ihn eine unglücklich-heimliche Liebe verbindet. Doch eine maskierte Person stiehlt die legendäre Waffe, es beginnt eine wilde Jagd – nicht zuletzt ein Kampf um Gerechtigkeit.
Ang Lee erhebt den Schwertkämpferfilm („Wuxiá“) in die Sphären der höheren Filmkunst: Mit exzellent eleganten Kampfszenen inklusive der typischen fantastisch-federleichten Spung- und Flugkünste erreichte TIGER & DRAGON eine weltweite Öffentlichkeit und wurde unter anderem mit vier Oscars ausgezeichnet. Es war Michelle Yeohs zweiter internationaler Erfolg nach dem James Bond-Abenteuer DER MORGEN STIRBT NIE von 1997; und diesmal gelang es ihr, sich sich auf die Merkzettel internationaler Castingagenten zu setzen.

Tiger And Dragon

Taiwan

2000

Ang Lee

Chow Yun-fat, Michelle Yeoh, Zhang Ziyi

Zwei wundersame Liebesgeschichten verknüpft Regisseur Ang Lee in seinem bildgewaltigen, actionreichem Romantik-Epos vor der exotischen Kulisse des alten Chinas: Da gibt es zum einen den Martial-Arts-Künstler Li Mu Bai und seine ebenso in der Kampfkunst versierte Freundin Yu Shu Lien. Sie verbindet eine unglückliche, heimliche Liebe. Zum anderen gibt es die schöne junge Gouverneurstochter Jen, die sich von den Zwängen der Tradition befreien will und vom Gian Hu, dem freien Leben der Martial-Arts-Kämpfer, träumt. Für die Hauptrollen seiner opulenten Martial-Arts-Saga gewann Ang Lee die Hongkong-Kino-Ikonen Chow Yun Fat und Michelle Yeoh. Gedreht wurde an vielen exotischen Orten wie der Wüste Gobi, dem Taklamakan Plateau, an der Grenze zu Usbekistan oder im Süden des Bambuswaldes bei Anji. TIGER & DRAGON wurde im Jahr 2001 mit vier Oscars ausgezeichnet. Mit einem Vortrag von H. Wieland–Rigamonti und L. Janus zu dem Thema: „West–östliche Grundmuster der Individuation“.

Cinemania

BRD/USA

2002

Angela Christlieb

Sie leben in New York und für sie ist Kino das Größte. Sie richten ihr Leben nach den Spielplänen der Kinos in der Stadt, in der ständig mindestens ein Filmfestival stattfindet. Sie „verschlingen“ so viel Kino wie möglich, für einen Beruf oder für menschliche Begegnungen außerhalb des Kinosaals ist weder Zeit noch Raum. Angela Christlieb und Stephen Kijak porträtieren fünf Filmfreaks, ihre Vorlieben und Obsessionen. Jack kennt alle Laufzeiten auswendig und ruft die Vorführer persönlich an, um sich nach dem Zustand der Kopien zu erkundigen. Bill will das Management eines Kinos auffordern, den Popcornverkauf einzustellen und Eric schwärmt für Ginger Rogers. „Sonderlinge? Durchaus! Aber sympathische.“ (tip)

Naked Opera

DEU/LUX

Angela Christlieb

Marc Rollinger, Jordan Fox

Naked Opera erzählt die Geschichte eines Mannes mit vielen Gesichtern. Marc ist talentiert, intelligent, eloquent und wohlhabend, aber seit Kindheitstagen leidet er an einer unheilbaren Krankheit. Auf den Spuren Don Giovannis ist er stets auf der Suche nach der perfekten Inszenierung seines Lebens und seiner Lieblingsoper. Er entkommt jedes Wochenende aufs Neue seinem geregelten, bürgerlichen Alltag, indem er auf der Jagd nach der ultimativen Aufführung von »Don Giovanni« die Welt bereist. Marc umgibt sich mit jungen hübschen Männern, residiert in den schönsten Hotels der Welt und genießt die Freuden des Lebens.
Regisseurin Angela Christlieb begibt sich mit Marc Rollinger auf eine Reise von Luxemburg bis nach Venedig, auf der sich Marc in einen jungen Pornodarsteller verliebt. Mit Naked Opera gelingt ihr ein ebenso konfrontatives wie intimes Porträt einer tragisch faszinierenden Person.

Pandoras Vermächtnis – Das Privatleben von G. W. Pabst

AUT

2024

Angela Christlieb

Dokumentarfilm

Georg Wilhelm Pabst war einer der größten und wichtigsten Regisseure des deutschen Kinos der Weimarer Zeit. Filme wie DIE FREUDLOSE GASSE (1925), TAGEBUCH EINER VERLORENEN (1929) oder DIE 3-GROSCHEN-OPER (1931) stellen traditionelle Werte in Frage und zeigen Männerbilder und Frauenbilder in radikalem Wandel. Sie präsentieren ein breites Spektrum neuer Frauentypen, das gegen reaktionäre Rollenfestlegungen konzipiert ist. Pabsts private und künstlerische Partnerin war Trude Pabst – die beiden verband eine außergewöhnliche Liebe. Doch als Familienvater war Pabst ein Patriarch, der über den Lebensweg seiner Frau bestimmen wollte und ihr eine eigene Karriere verweigerte. Der Film ist eine Reise durch das Familien-Universum von G. W. Pabst: In Gesprächen mit den Pabst-Enkeln, vor allem aber aufgrund von Briefen und von tausenden losen Seiten, auf denen Trude Pabst ihre Träume, Gedanken und Erlebnisse aufschrieb und die in diesem Film erstmals mit einem Publikum geteilt werden, taucht der Film ein in ein Spannungsfeld aus inniger Seelenverwandtschaft, Konflikten um Elternschaft, Körperbilder und Erotik, Macht und Ohnmacht, Chauvinismus und Auflehnung. „Was diesen Film einzigartig macht, ist sein kompositorisches Ganzes. Christlieb hat die verborgene Welt in eine eigene filmische Romanform gegossen: Sorgsam, aber nicht akribisch, faktentreu und doch voller Fantasie.“ (Frankfurter Rundschau)

Der traumhafte Weg

DEU

2016

Angela Schanelec

Miriam Jakob, Thorbjörn Björnsson, Maren Eggert, Phil Hayes

Griechenland, 1984. Kenneth, ein Engländer, und Theres, eine Deutsche, finanzieren mit Straßenmusik ihre gemeinsamen Ferien. Als Kenneth die Nachricht erhält, dass seine Mutter verunglückt ist, reist er überstürzt ab und lässt Theres zurück. Sein späterer Versuch, sie erneut zu gewinnen, scheitert. 30 Jahre später in Berlin. Ariane, eine 40-jährige Fernsehschauspielerin, trennt sich in einer Krise von ihrem Mann, einem erfolgreichen Anthropologen. Dieser zieht in eine Wohnung nahe dem Hauptbahnhof. Von seinem Fenster aus sieht er einen Obdachlosen: Kenneth…
Angela Schanelec, Veteranin der Berliner Schule, bleibt sich treu: Verlangsamung und Alltäglichkeit, Elliptik und Stilisierung beherrschen ihre Ästhetik. Perfekt kadrierte Bilder und reduzierte Handlung ermöglichen eine Offenheit, eine Konzentration auf Raum und Figuren, die selten ist.

Ich war zuhause, aber

DEU/SRB

2019

Angela Schanelec

Maren Eggert, Jakob Lassalle, Clara Möller, Franz Rogowski, Lilith Stangenberg

Phillip, 13 Jahre alt, kehrt nach Hause zurück, mit verletztem Fuß. Eine Woche lang war er spurlos verschwunden. In der Schule probt er mit seiner Klasse „Hamlet“, während die Mutter versucht, sich in einer Normalität, die langsam wieder in Gang kommt, zurechtzufinden. Sie arbeitet im Berliner Kunstbetrieb, kauft sich ein Fahrrad, das sich als kaputt herausstellt, muss im Haushalt mit Phillip und seiner kleinen Schwester bestehen. Und sie gerät an den Rand eines Nervenzusammenbruchs.
Angela Schanelecs Filme sind Zustandsbeschreibungen, distanziert erzählt und situativ auf die größeren Prozesse im und unter Menschen verweisend: „Sie öffnen sich auf eine elementare Dimension, für die es in der Philosophie ein Wort gibt: Eigentlichkeit oder Authentizität.“ (Bert Rebhandl)
Ausgezeichnet mit dem Silbernen Bären der Berlinale 2019 für die beste Regie.

Marseille

Deutschland

2004

Angela Schanelec

Maren Eggert, Emily Atef

Wie eine Stadt in das Leben derer, die sich in ihr bewegen, eingreift, wie sich in ihr Geschichte und Geschichten sammeln, davon erzählt dieser Film. Sophie, eine junge Fotografin, bezieht eine Wohnung in Marseille. Sie plaudert mit der Besitzerin des Apartments, läßt sich durch die Stadt treiben, genießt das Februarlicht, das den Dingen und Menschen harte Konturen gibt. Ein Schnitt genügt und sie ist wieder in Berlin und lebt dort ihr eignes Leben weiter. Nicht alles was der Film erzählt ist ohne weiteres als „Story“ zu verstehen, eine lange Sequenz etwa gilt, übergangslos, dem Theater. Auf einer Bühne finden Proben für ein Stück von Strindberg statt. Schanelec gibt dem Unerklärlichen eine Chance. Sie blickt in Gesichter und Städte, sammelt Spuren, die auf Geschichten hinweisen, aber selbst noch keine sind. Angela Schanelec hat einen ausgeprägten eigenen Stil, wie nur wenige in Deutschland. Mit ihrem nun vierten Spielfilm, der in Cannes in einer Nebenreihe lief, machte sie bei der internationalen Presse deutlich mehr Eindruck, als der alluzu gefällige deutsche Wettbewerbsbeitrag DIE GUTEN ZEITEN SIND VORBEI.

Mein Langsames Leben

Deutschland

2001

Angela Schanelec

Ursina Lardi, Andreas Patton

Zwei Frauen im Café, sie sitzen vor dem Fenster, der Blick fällt auf Bäume, einen kleinen Park. MEIN LANGSAMES LEBEN beginnt so unspektakulär, wie es sein Titel verspricht, doch gibt es eine Tiefenschärfe, eine Aufmerksamkeit für Details, die überrascht. Die beiden Frauen sind der dramaturgische Dreh- und Angelpunkt des Films. Sophie wird für ein halbes Jahr nach Rom gehen, mit ihrer Abwesenheit setzt sie den zeitlichen Rahmen. Valerie hingegen bleibt in Berlin, von ihr handelt die Geschichte. Valerie zieht um, findet einen Freund, beobachtet ihre Mitbewohnerin Marie. Auf einen Anruf des Bruders fährt sie zu ihrem Vater, der einen Schlaganfall gehabt hat. Valerie kehrt zurück nach Berlin, dort wartet am Ende Sophie auf ihre Freundin. Weil sie sich verspätet, beginnt Sophie ein Gespräch mit einem Fremden. Der Kreis schließt sich nicht, besser gesagt: er schließt sich anders, als man erwartet, denn das Leben hat seinen eigenen Takt. Dem Leben in seinem Fluss zuschauen, ist Angela Schanelecs subtile Art des Erzählens. Ihre Filme sind Erkundungsreisen ins möglichst minimalistische Spielen vor der Kamera und spiegeln die Wirklichkeit auf eine distanzierte Art, wie man sie sonst nur vom französischen Kino kennt. „Zur Zeit gibt es in Deutschland keine Regisseurin, die dem Geschehen näher wäre als Angela Schanelec.“ (Katja Nicodemus, taz Berlin)

Meine Frau weint

DEU/FRA

2026

Angela Schanelec

Vladimir Vulević, Agathe Bonitzer, Birte Schnöink, Pauline Rebmann

Thomas, Kranführer, erhält auf der Baustelle den Anruf seiner Frau Carla. Aus dem Krankenhaus. Er trifft sich mit ihr, sie erzählt weinend von dem Autounfall: Sie war mit ihrem Tanzkurspartner unterwegs gewesen, dann der Unfall, nur sie hat überlebt…

Angela Schanelec, die in ihren Filmen eine poetische Künstlichkeit der Bilder und der Sprache entwirft, zeigt eine Momentaufnahme des Lebens in der Großstadt voller Schönheit und Trauer. Es geht um die Liebe, um das Reden, vor allem um den Versuch des Verstehens und den Versuch der Ehrlichkeit. Ein eigenwilliger Film, der sich von klassischem Erzählen löst: „Diesen Film kann man nur mit allen Sinnen erspüren, er ist eine Ausnahme im Berlinale-Wett­be­werb, outstan­ding und konkur­renzlos.“ (artechock.de)

Music

DEU/FRA/GRC/SRB

2023

Angela Schanelec

Aljocha Schneider, Agathe Bonitzer, Agyris Yacis, Marisha Triantafyllidou

In den Bergen stirbt jemand. Im Ziegenstall liegt ein Baby. Ion erschlägt einen jungen Mann, der ihn zum Kuss zwingt. Im Gefängnis entwickelt Wärterin Iro eine Faszination für Ion, nimmt für ihn Barockmusik auf, nach der Haft werden sie ein Paar. Jahre später erfährt Iro, wen Ion getötet hat.
Bilder, in denen man versinken kann: In der ihr eigenen Art verrätselter Handlung und elliptischer Dramaturgie nimmt Angela Schanelec in ihrem jüngsten Film den Ödipus-Mythos als freie Vorlage für eine Meditation über das Leben, das entsteht und vergeht, und über die Musik, die entsteht und bleibt. Auf der Berlinale erhielt sie den Silbernen Bären für das beste Drehbuch.

Orly

DEU/FRA

2010

Angela Schanelec

Bruno Todeschini, Maren Eggert, Natacha Régnier

Eine junge Frau ist auf dem Weg nach Hause, zu ihrem Mann – und verliebt sich in einen Fremden. Eine Mutter und ihr Sohn sind unterwegs zur Beerdigung von Exmann und Vater, zu dem sie lange keinen Kontakt mehr hatten. Ein junges Paar möchte seine erste gemeinsame Reise in die Fremde antreten. Und eine Frau schafft es endlich, den Brief ihres Mannes zu lesen, der sie verlassen hat. Alle diese Geschichten spielen sich in der Wartehalle des Flughafens Paris-Orly ab. Angela Schanelec hat sie eingefangen, mit professionellen Schauspielern, die sich unter die Reisenden gemischt hatten. Beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen ist sie dafür mit dem „Filmkunstpreis 2010“ ausgezeichnet worden.

Transit

Angela Zumpe

Mal andersherum: Mai 1968, in Westberlin toben die Studentenproteste, mittendrin der 21-jährige Reinhard. Er bekennt sich offen zum Sozialismus, auch aus Protest gegen den konservativen Vater, einem evangelischen Pfarrer. Reinhard beschließt in die DDR überzusiedeln. Der Kontakt zur Familie bricht ab. Acht Monate später, im Januar 1969, ist Reinhard tot. Was hat ihn angetrieben? Knapp vier Jahrzehnte später begibt sich die Regisseurin auf die Spurensuche nach ihrem Bruder… Am 1.10. mit Besuch der Regisseurin! (also leider ab 18)

Absent Present

DEU/SEN/ESP

2009

Angelika Levi

Benji wurde 1979 als kleines Kind aus Namibia in die DDR gebracht und 1990 nach der Wiedervereinigung dorthin zurückgeschickt. Die Regisseurin Angelika Levi lernte ihn 1991 dort kennen. Zwei Jahre später reiste er per Anhalter, als Tourist verkleidet, nach Europa zurück. Doch „in diesem Film gibt es keine Hauptdarsteller. Benji, der es hätte sein sollen, ist verschwunden“, heißt es zu Beginn des Films. Auf ihrer Spurensuche verknüpft Levi assoziativ die Geschichte des Flüchtlings mit den Fluchtgeschichten derer, die sie unterwegs trifft. Die Reise führt von Deutschland nach Namibia, aufs spanische Festland und die Kanarischen Inseln, bis in den Senegal. Ohne eine geografische oder politische Landkarte zeichnen zu wollen entsteht ein essayistischer Dokumentarfilm über verschiedene Formen des Reisens: Urlaub und Migration, gewollte und erzwungene Rückkehr.

Alexander Granach - Da geht ein Mensch

DEU/USA/UKR

2012

Angelika Wittlich

Eigentlich hieß Alexander Granach Jessaja Szajko Gronish. Eigentlich war er ein einfacher jüdischer Bäckerlehrling, der irgendwo im östereichischungarischen Kaiserreich lebte. Doch „eigentlich“ reichte Granach nicht. Nach einem Theaterbesuch mit seinem älteren Bruder wollte, nein – musste er Schauspieler werden. Wer mit solcher Inbrunst sein Schicksal verfolgt, so lehrt die Geschichte, aus dem wird auch was – seine bekannteste Rolle hatte er in Murnaus nosferatu. Als Granach 1945 verfrüht an einem Blinddarmdurchbruch verstarb, befand er sich in den USA und war dort ein erfolgreicher Schauspieler. Was zwischen dem Anfang und dem Ende seines Lebens geschah, ist manchmal unglaublich, manchmal inspirierend, vor allem aber ein spannendes Leben, das, wie für viele Menschen dieser Zeit, stark mit der politischen Weltlage und den beiden Weltkriegen verknüpft ist…

Fremde Haut

DEU/AUT

2005

Angelina Maccarone

Jasmin Tabatabai, Anneke Kim Sarnau

Sie ist jung, sie ist schön und sie liebt Frauen. Weil der intelligenten Dolmetscherin Fariba in ihrem Heimatland Iran die Todesstrafe droht, flieht sie nach Deutschland. Ein neues Leben liegt vor ihr, in einem Land, dessen Literatur und Kultur Fariba liebt. Kaum ist das Flugzeug gelandet, landet auch sie auf dem Boden der Tatsachen: Auffanglager und endlose Befragungen. Durch eine einmalige Gelegenheit schlägt sie sich unter dem Namen Siamak durch und landet in der schwäbischen Provinz – als Mann. FREMDE HAUT erzählt von Entwurzelung und Sehnsucht nach Identität, von unmöglicher Liebe in Zeiten von Exil und Verfolgung, vom unbeugsamen Willen einer Frau, ihren Platz im Leben zu finden und anzukommen…
Diskussionspartnerin: Rechtsanwältin Kirsten Striegler

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