Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Naked Opera

DEU/LUX

Angela Christlieb

Marc Rollinger, Jordan Fox

Naked Opera erzählt die Geschichte eines Mannes mit vielen Gesichtern. Marc ist talentiert, intelligent, eloquent und wohlhabend, aber seit Kindheitstagen leidet er an einer unheilbaren Krankheit. Auf den Spuren Don Giovannis ist er stets auf der Suche nach der perfekten Inszenierung seines Lebens und seiner Lieblingsoper. Er entkommt jedes Wochenende aufs Neue seinem geregelten, bürgerlichen Alltag, indem er auf der Jagd nach der ultimativen Aufführung von »Don Giovanni« die Welt bereist. Marc umgibt sich mit jungen hübschen Männern, residiert in den schönsten Hotels der Welt und genießt die Freuden des Lebens.
Regisseurin Angela Christlieb begibt sich mit Marc Rollinger auf eine Reise von Luxemburg bis nach Venedig, auf der sich Marc in einen jungen Pornodarsteller verliebt. Mit Naked Opera gelingt ihr ein ebenso konfrontatives wie intimes Porträt einer tragisch faszinierenden Person.

Pandoras Vermächtnis – Das Privatleben von G. W. Pabst

AUT

2024

Angela Christlieb

Dokumentarfilm

Georg Wilhelm Pabst war einer der größten und wichtigsten Regisseure des deutschen Kinos der Weimarer Zeit. Filme wie DIE FREUDLOSE GASSE (1925), TAGEBUCH EINER VERLORENEN (1929) oder DIE 3-GROSCHEN-OPER (1931) stellen traditionelle Werte in Frage und zeigen Männerbilder und Frauenbilder in radikalem Wandel. Sie präsentieren ein breites Spektrum neuer Frauentypen, das gegen reaktionäre Rollenfestlegungen konzipiert ist. Pabsts private und künstlerische Partnerin war Trude Pabst – die beiden verband eine außergewöhnliche Liebe. Doch als Familienvater war Pabst ein Patriarch, der über den Lebensweg seiner Frau bestimmen wollte und ihr eine eigene Karriere verweigerte. Der Film ist eine Reise durch das Familien-Universum von G. W. Pabst: In Gesprächen mit den Pabst-Enkeln, vor allem aber aufgrund von Briefen und von tausenden losen Seiten, auf denen Trude Pabst ihre Träume, Gedanken und Erlebnisse aufschrieb und die in diesem Film erstmals mit einem Publikum geteilt werden, taucht der Film ein in ein Spannungsfeld aus inniger Seelenverwandtschaft, Konflikten um Elternschaft, Körperbilder und Erotik, Macht und Ohnmacht, Chauvinismus und Auflehnung. „Was diesen Film einzigartig macht, ist sein kompositorisches Ganzes. Christlieb hat die verborgene Welt in eine eigene filmische Romanform gegossen: Sorgsam, aber nicht akribisch, faktentreu und doch voller Fantasie.“ (Frankfurter Rundschau)

Der traumhafte Weg

DEU

2016

Angela Schanelec

Miriam Jakob, Thorbjörn Björnsson, Maren Eggert, Phil Hayes

Griechenland, 1984. Kenneth, ein Engländer, und Theres, eine Deutsche, finanzieren mit Straßenmusik ihre gemeinsamen Ferien. Als Kenneth die Nachricht erhält, dass seine Mutter verunglückt ist, reist er überstürzt ab und lässt Theres zurück. Sein späterer Versuch, sie erneut zu gewinnen, scheitert. 30 Jahre später in Berlin. Ariane, eine 40-jährige Fernsehschauspielerin, trennt sich in einer Krise von ihrem Mann, einem erfolgreichen Anthropologen. Dieser zieht in eine Wohnung nahe dem Hauptbahnhof. Von seinem Fenster aus sieht er einen Obdachlosen: Kenneth…
Angela Schanelec, Veteranin der Berliner Schule, bleibt sich treu: Verlangsamung und Alltäglichkeit, Elliptik und Stilisierung beherrschen ihre Ästhetik. Perfekt kadrierte Bilder und reduzierte Handlung ermöglichen eine Offenheit, eine Konzentration auf Raum und Figuren, die selten ist.

Ich war zuhause, aber

DEU/SRB

2019

Angela Schanelec

Maren Eggert, Jakob Lassalle, Clara Möller, Franz Rogowski, Lilith Stangenberg

Phillip, 13 Jahre alt, kehrt nach Hause zurück, mit verletztem Fuß. Eine Woche lang war er spurlos verschwunden. In der Schule probt er mit seiner Klasse „Hamlet“, während die Mutter versucht, sich in einer Normalität, die langsam wieder in Gang kommt, zurechtzufinden. Sie arbeitet im Berliner Kunstbetrieb, kauft sich ein Fahrrad, das sich als kaputt herausstellt, muss im Haushalt mit Phillip und seiner kleinen Schwester bestehen. Und sie gerät an den Rand eines Nervenzusammenbruchs.
Angela Schanelecs Filme sind Zustandsbeschreibungen, distanziert erzählt und situativ auf die größeren Prozesse im und unter Menschen verweisend: „Sie öffnen sich auf eine elementare Dimension, für die es in der Philosophie ein Wort gibt: Eigentlichkeit oder Authentizität.“ (Bert Rebhandl)
Ausgezeichnet mit dem Silbernen Bären der Berlinale 2019 für die beste Regie.

Marseille

Deutschland

2004

Angela Schanelec

Maren Eggert, Emily Atef

Wie eine Stadt in das Leben derer, die sich in ihr bewegen, eingreift, wie sich in ihr Geschichte und Geschichten sammeln, davon erzählt dieser Film. Sophie, eine junge Fotografin, bezieht eine Wohnung in Marseille. Sie plaudert mit der Besitzerin des Apartments, läßt sich durch die Stadt treiben, genießt das Februarlicht, das den Dingen und Menschen harte Konturen gibt. Ein Schnitt genügt und sie ist wieder in Berlin und lebt dort ihr eignes Leben weiter. Nicht alles was der Film erzählt ist ohne weiteres als „Story“ zu verstehen, eine lange Sequenz etwa gilt, übergangslos, dem Theater. Auf einer Bühne finden Proben für ein Stück von Strindberg statt. Schanelec gibt dem Unerklärlichen eine Chance. Sie blickt in Gesichter und Städte, sammelt Spuren, die auf Geschichten hinweisen, aber selbst noch keine sind. Angela Schanelec hat einen ausgeprägten eigenen Stil, wie nur wenige in Deutschland. Mit ihrem nun vierten Spielfilm, der in Cannes in einer Nebenreihe lief, machte sie bei der internationalen Presse deutlich mehr Eindruck, als der alluzu gefällige deutsche Wettbewerbsbeitrag DIE GUTEN ZEITEN SIND VORBEI.

Mein Langsames Leben

Deutschland

2001

Angela Schanelec

Ursina Lardi, Andreas Patton

Zwei Frauen im Café, sie sitzen vor dem Fenster, der Blick fällt auf Bäume, einen kleinen Park. MEIN LANGSAMES LEBEN beginnt so unspektakulär, wie es sein Titel verspricht, doch gibt es eine Tiefenschärfe, eine Aufmerksamkeit für Details, die überrascht. Die beiden Frauen sind der dramaturgische Dreh- und Angelpunkt des Films. Sophie wird für ein halbes Jahr nach Rom gehen, mit ihrer Abwesenheit setzt sie den zeitlichen Rahmen. Valerie hingegen bleibt in Berlin, von ihr handelt die Geschichte. Valerie zieht um, findet einen Freund, beobachtet ihre Mitbewohnerin Marie. Auf einen Anruf des Bruders fährt sie zu ihrem Vater, der einen Schlaganfall gehabt hat. Valerie kehrt zurück nach Berlin, dort wartet am Ende Sophie auf ihre Freundin. Weil sie sich verspätet, beginnt Sophie ein Gespräch mit einem Fremden. Der Kreis schließt sich nicht, besser gesagt: er schließt sich anders, als man erwartet, denn das Leben hat seinen eigenen Takt. Dem Leben in seinem Fluss zuschauen, ist Angela Schanelecs subtile Art des Erzählens. Ihre Filme sind Erkundungsreisen ins möglichst minimalistische Spielen vor der Kamera und spiegeln die Wirklichkeit auf eine distanzierte Art, wie man sie sonst nur vom französischen Kino kennt. „Zur Zeit gibt es in Deutschland keine Regisseurin, die dem Geschehen näher wäre als Angela Schanelec.“ (Katja Nicodemus, taz Berlin)

Music

DEU/FRA/GRC/SRB

2023

Angela Schanelec

Aljocha Schneider, Agathe Bonitzer, Agyris Yacis, Marisha Triantafyllidou

In den Bergen stirbt jemand. Im Ziegenstall liegt ein Baby. Ion erschlägt einen jungen Mann, der ihn zum Kuss zwingt. Im Gefängnis entwickelt Wärterin Iro eine Faszination für Ion, nimmt für ihn Barockmusik auf, nach der Haft werden sie ein Paar. Jahre später erfährt Iro, wen Ion getötet hat.
Bilder, in denen man versinken kann: In der ihr eigenen Art verrätselter Handlung und elliptischer Dramaturgie nimmt Angela Schanelec in ihrem jüngsten Film den Ödipus-Mythos als freie Vorlage für eine Meditation über das Leben, das entsteht und vergeht, und über die Musik, die entsteht und bleibt. Auf der Berlinale erhielt sie den Silbernen Bären für das beste Drehbuch.

Orly

DEU/FRA

2010

Angela Schanelec

Bruno Todeschini, Maren Eggert, Natacha Régnier

Eine junge Frau ist auf dem Weg nach Hause, zu ihrem Mann – und verliebt sich in einen Fremden. Eine Mutter und ihr Sohn sind unterwegs zur Beerdigung von Exmann und Vater, zu dem sie lange keinen Kontakt mehr hatten. Ein junges Paar möchte seine erste gemeinsame Reise in die Fremde antreten. Und eine Frau schafft es endlich, den Brief ihres Mannes zu lesen, der sie verlassen hat. Alle diese Geschichten spielen sich in der Wartehalle des Flughafens Paris-Orly ab. Angela Schanelec hat sie eingefangen, mit professionellen Schauspielern, die sich unter die Reisenden gemischt hatten. Beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen ist sie dafür mit dem „Filmkunstpreis 2010“ ausgezeichnet worden.

Transit

Angela Zumpe

Mal andersherum: Mai 1968, in Westberlin toben die Studentenproteste, mittendrin der 21-jährige Reinhard. Er bekennt sich offen zum Sozialismus, auch aus Protest gegen den konservativen Vater, einem evangelischen Pfarrer. Reinhard beschließt in die DDR überzusiedeln. Der Kontakt zur Familie bricht ab. Acht Monate später, im Januar 1969, ist Reinhard tot. Was hat ihn angetrieben? Knapp vier Jahrzehnte später begibt sich die Regisseurin auf die Spurensuche nach ihrem Bruder… Am 1.10. mit Besuch der Regisseurin! (also leider ab 18)

Absent Present

DEU/SEN/ESP

2009

Angelika Levi

Benji wurde 1979 als kleines Kind aus Namibia in die DDR gebracht und 1990 nach der Wiedervereinigung dorthin zurückgeschickt. Die Regisseurin Angelika Levi lernte ihn 1991 dort kennen. Zwei Jahre später reiste er per Anhalter, als Tourist verkleidet, nach Europa zurück. Doch „in diesem Film gibt es keine Hauptdarsteller. Benji, der es hätte sein sollen, ist verschwunden“, heißt es zu Beginn des Films. Auf ihrer Spurensuche verknüpft Levi assoziativ die Geschichte des Flüchtlings mit den Fluchtgeschichten derer, die sie unterwegs trifft. Die Reise führt von Deutschland nach Namibia, aufs spanische Festland und die Kanarischen Inseln, bis in den Senegal. Ohne eine geografische oder politische Landkarte zeichnen zu wollen entsteht ein essayistischer Dokumentarfilm über verschiedene Formen des Reisens: Urlaub und Migration, gewollte und erzwungene Rückkehr.

Alexander Granach - Da geht ein Mensch

DEU/USA/UKR

2012

Angelika Wittlich

Eigentlich hieß Alexander Granach Jessaja Szajko Gronish. Eigentlich war er ein einfacher jüdischer Bäckerlehrling, der irgendwo im östereichischungarischen Kaiserreich lebte. Doch „eigentlich“ reichte Granach nicht. Nach einem Theaterbesuch mit seinem älteren Bruder wollte, nein – musste er Schauspieler werden. Wer mit solcher Inbrunst sein Schicksal verfolgt, so lehrt die Geschichte, aus dem wird auch was – seine bekannteste Rolle hatte er in Murnaus nosferatu. Als Granach 1945 verfrüht an einem Blinddarmdurchbruch verstarb, befand er sich in den USA und war dort ein erfolgreicher Schauspieler. Was zwischen dem Anfang und dem Ende seines Lebens geschah, ist manchmal unglaublich, manchmal inspirierend, vor allem aber ein spannendes Leben, das, wie für viele Menschen dieser Zeit, stark mit der politischen Weltlage und den beiden Weltkriegen verknüpft ist…

Fremde Haut

DEU/AUT

2005

Angelina Maccarone

Jasmin Tabatabai, Anneke Kim Sarnau

Sie ist jung, sie ist schön und sie liebt Frauen. Weil der intelligenten Dolmetscherin Fariba in ihrem Heimatland Iran die Todesstrafe droht, flieht sie nach Deutschland. Ein neues Leben liegt vor ihr, in einem Land, dessen Literatur und Kultur Fariba liebt. Kaum ist das Flugzeug gelandet, landet auch sie auf dem Boden der Tatsachen: Auffanglager und endlose Befragungen. Durch eine einmalige Gelegenheit schlägt sie sich unter dem Namen Siamak durch und landet in der schwäbischen Provinz – als Mann. FREMDE HAUT erzählt von Entwurzelung und Sehnsucht nach Identität, von unmöglicher Liebe in Zeiten von Exil und Verfolgung, vom unbeugsamen Willen einer Frau, ihren Platz im Leben zu finden und anzukommen…
Diskussionspartnerin: Rechtsanwältin Kirsten Striegler

Klandestin

DEU

2024

Angelina Maccarone

Barbara Sukowa, Lambert Wilson, Banafshe Hourmazdi, Habib Adda

Im Frankfurter Bankenviertel explodiert eine Bombe. Die konservative Politikerin Mathilda sieht einen Anlass, sich als migrationskritische Hardlinerin zu profilieren. Zugleich bringt der mit ihr befreundete britische Künstler Richard aus Tanger den illegal Geflüchteten Malik in ihre Wohnung. Ihre hochqualifizierte und unterforderte Assistentin Amina, die ihre marokkanischen Wurzeln hinter sich lassen will, wird als „kulturelle Vermittlerin“ eingeschaltet. Doch Malik hat eigene Pläne…

Angelina Maccarone inszeniert einen hochspannenden Thriller, in dem Politik und Wirklichkeit aufeinandertreffen: Geschickt erzählt sie aus verschiedenen Perspektiven und verbindet so immer neue Aspekte zu einem vielschichtigen Gesamtbild – „ein leiser, präziser Film, der dennoch einen regelrechten Sog entwickelt in einer Narrationstechnik, die man nicht anders als meisterhaft bezeichnen kann. Paraderolle für Barbara Sukowa!“ (epd Film)

Medusa

BRA

2021

Anita Rocha da Silveira

Mari Oliveira, Lara Tremouroux, Joana Medeiros

Neues brasilianisches Kino: Gesellschaftskritik, Groteske und Genre, vermischt in einer neongetränkten und mit verspielter Kamera eingefangenen Neuinterpretation des Medusa-Mythos.
In einer nicht näher definierten Zukunft wird Brasilien von der Kirche regiert. Mariana und ihre gewaltbereiten Mitstreiterinnen ziehen nachts maskiert durch die Stadt auf der Jagd nach „unreinen“ Frauen, die gegen „Sitte“ und „Anstand“ verstoßen. Als Mariana dabei verwundet wird, passt sie nicht mehr ins perfekte Bild der fanatischen Sekte… Anita Rocha das Silveira inszeniert ein laut- und bildstarkes Statement über (weibliche) Ohnmacht in einer totalitär-patriarchalen Gesellschaft – eine filmisch stilisierte, bewusst überspitzte scharfe Kritik an den demokratiefeindlichen Tendenzen in Brasilien. „Ein wichtiger Film, der weniger von Rache als von Emanzipation, weibliche Solidarität und der Umdeutung reaktionärer Geschichten handelt. Einer der besten Filme des Jahres 2022.“ (Filmdienst)
Anita Rocha da Silveira wurde in Rio de Janeiro geboren, wo sie auch Film an der Päpstlichen Katholischen Universität  studierte. Neben ihrer Arbeit als Editorin und Drehbuchautorin drehte sie drei Kurzfilme. Ihr Langfilm-Debüt KILL ME PLEASE (2015) wurde unter anderem bei den Filmfestspielen in Venedig in der Sektion Orizzonti  und beim South by Southwest Festival in Austin, Texas gezeigt. Ihr zweiter Spielfilm MEDUSA (2021) hatte seine Weltpremiere in der Quinzaine des Réalisateurs in Cannes und gewann beim Internationalen Filmfestival in Rio drei Preise (für besten Spielfilm, beste Regie und beste Nebendarstellerin).

Chris the Swiss

CHE/DEU/HRV/FIN

2018

Anja Kofmel

Kroatien, 7. Januar 1992. 30 Kilometer vom belagerten Vukovar entfernt wird die Leiche des 27jährigen Schweizer Journalisten Christian Würtenberg gefunden – erwürgt, in der Uniform einer internationalen Söldnertruppe. Tatsächlich war Chris wenige Wochen zuvor Mitglied einer paramilitärischen Gruppe geworden, beauftragt mit der „Säuberung“ der serbischen Bevölkerung in den Grenzgebieten. 20 Jahre später geht Chris’ Cousine, die Regisseurin Anja Komfel, auf Spurensuche. Mit seinem Tagebuch als Leitfaden verfolgt sie seine letzten Schritte zurück: Was muss passieren, dass sich ein junger Journalist in einer so dunklen und brutalen Welt verirrt?
Die persönliche Sicht der Regisseurin auf die Geschichte von Chris, dem Schweizer, wird in animierten Sequenzen erzählt, angereichert durch Archivmaterial und Realszenen, die die journalistische Seite dokumentieren: Eine so subjektiver wie poetischer wie erschreckender Blick in einen Abgrund, der sich mitten in Europa aufgetan hat.

Dieser Film ist ein Geschenk

AUT

2019

Anja Salomonowitz

Dokumentarfilm

Nach seiner ersten Karriere als klassischer Tänzer gründete Daniel Spoerri (1930-2024) in Paris zusammen mit Yves Klein, Jean Tinguely und anderen befreundeten Künstlern und Künstlerinnen 1960 die Gruppe der Nouveaux Réalistes und entwickelte sich zu einem prägenden Vertreter der Objektkunst. Mit seinen „Fallenbildern“, in denen er die Spuren eines Mahls mit Tellern, Gläsern und Essensresten mit der Tischplatte verklebte und senkrecht an die Wand hängte, wurde er berühmt. Daniel Spoerri sammelte darüber hinaus alle möglichen Alltagsgegenstände und arrangierte sie in neuen Zusammenhängen. Die Regisseurin Anja Salomonowitz folgt Spoerris Idee vom Dasein als einem ständigen Kreislauf und berührt dabei auch Fragen zur jüdischen Identität. „Eigentlich ist es ein Film über einen Gedanken von Daniel Spoerri: ein Film fast ohne Daniel Spoerri, eigentlich wird er meistens von einem Kind nachgespielt – um nicht weniger zu sagen, als dass alles immer irgendwie weitergeht im Leben, auch wenn man dazwischen mal stirbt.“

Mit einem Tiger schlafen

AUT

2022

Anja Salomonowitz

Birgit Minichmayr, Johanna Orsini, Maria Nicolini.

Die großartige österreichische Schauspielerin Birgit Minichmayr verkörpert die eigenwillige Malerin und Performerin Maria Lassnig – mit dieser kongenialen Besetzung gelingt eine ebenso ernsthafte wie schräge filmische Hommage an die Künstlerin. Wir verfolgen den mühsamen Weg einer hochtalentierten, unangepassten Frau in der Kunstwelt der 1940er Jahre und der Nachkriegszeit, der vor allem durch Männer mit großen Egos geprägt wurde, bis hin zu ihrem späten internationalen Erfolg, der sie von New York zurück nach Wien führte.  Der Film macht deutlich, wie zäh und frustrierend es für Lassnig gewesen sein muss, als Künstlerin viel zu lang unterschätzt zu werden. Dass sie oft genug als eine schwierige Persönlichkeit erschien, wird im Film nicht verschwiegen, aber verständlich gemacht durch intensive Szenen zu den Konflikten und Demütigungen in ihrem privaten und beruflichen Umfeld. Das komplex arrangierte Biopic bringt Spielszenen und dokumentarische Sequenzen, die plausibel ineinander greifen, und zeigen die Entstehung von Lassnigs intensiven, grellfarbigen „Body-Awareness-Bildern“ als direkte Umsetzung ihrer beglückenden bis quälenden Körpererfahrungen.

Einführung: Christina Bergemann, M.A., Mannheim

Ferner schöner Schein

POL

2011

Anka und Wilhelm Sasnal

Elzbieta Okupska, Piotr Nowak

Ein trostloses Dorf irgendwo in Polen: Hier lebt Pawel mit seiner alternden Mutter in ärmlichen Verhältnissen und bestreitet mit dem Sammeln und Verkauf von Altmetall seinen Lebensunterhalt. Tagein, tagaus kümmern er und seine Verlobte sich um die Mutter, die zunehmend an den Nerven des Paares nagt. Diesen Zustand will er nicht länger akzeptieren und so plant er, mit seiner Verlobten ein neues Leben zu beginnen. Von einem Tag auf den anderen verschwindet zunächst die Mutter, kurze Zeit später er selbst und seine Verlobte…
Was passieren kann, wenn man seines Lebens überdrüssig wird, zeigt das Künstlerpaar Sasnal in seinem Spielfilmdebüt auf eindrucksvolle Weise. Entstanden ist ein Sittenporträt über den restlosen Verfall von Moral und Liebe. Ein Film, der die Folgen der Frustration in ihren extremsten Konsequenzen zu Ende denkt und dem Zuschauer den Atem stocken lässt.

Unbelehrbar

DEU/ISR

2010

Anke Hentschel

Leonore Steller, Thorsten Merten

Wer etwas so Fundamentales wie Lesen und Schreiben nicht kann, der braucht ganz besondere Strategien, um zu überleben. Knapp acht Millionen Analphabeten leben in Deutschland. Eine von ihnen ist Ellen. Um die 40, Ehefrau, Mutter zweier Kinder und Küchenhilfe in einem Brandenburger Kaff. Dank ihres unkompliziert sanften Wesens rettet man sie gern, wenn sie vor Buchstaben kapituliert. Hilfsbedürftig und zuverlässig – bequem für ihren Mann. Umso größer ist die Angst, als Ellen plötzlich nach Berlin geht, um Schreiben und Lesen zu lernen… Ausgezeichnet mit dem Preis der Ökumenischen Jury beim Filmfestival Achtung Berlin. In Kooperation mit der Abendakademie.

Tao Jie - ein einfaches Leben

HKG

2011

Ann Hui

Andy Lau, Deanie Yip

Seit ihrer Kindheit arbeitet Ah Tao als Bedienstete, Köchin und Kindermädchen im Haushalt der Familie Leung. In ihren 60 Lebensjahren hat sie drei Generationen aufwachsen sehen. Inzwischen ist jedoch die Mehrzahl der Familienmitglieder ins Ausland emigriert und sie muss sich nur noch um den alleinstehenden Roger, einen erfolgreichen Filmproduzenten, kümmern. Dann aber erleidet Ah Tao, die von allen nur Tao Jie, also “Fräulein Jie”, genannt wird, einen Schlaganfall. Der vielbeschäftigte Roger bringt sie daraufhin im Seniorenheim unter, einem Ort, den die alte Frau äußerst misstrauisch beäugt. Doch nach ihrem Fortgang bemerkt Roger, dass ihm seine Dienerin fehlt und langsam beginnt er, sich um sie zu kümmern.
Beim Filmfest Venedig 2011 wurde die Hauptdarstellerin Deanie Yip für ihr berührendes Spiel zu Recht als beste Schauspielerin ausgezeichnet.

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