Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Koktebel

Russland

2003

Boris Chlebnikow, Alexej Popogrebskij

Gleb Puskepalis, Igor Tschernewitz

Nach dem Tod seiner Frau und dem Verlust seines Arbeitsplatzes macht sich ein Ingenieur gemeinsam mit seinem elfjährigen Sohn auf den Weg von Moskau zum Haus seiner Schwester in Koktebel am Schwarzen Meer. Ohne Geld und ohne Auto überlassen sich die beiden in der hypnotisierend weitläufigen Landschaft ganz dem Zufall. Der Vater ist zufrieden damit, ein bißchen zu trödeln und mit kleinen Jobs Geld zu verdienen. Der Sohn dagegen träumt ungeduldig davon, die Küste zu erreichen, um dort die Segelflieger durch die Lüfte gleiten zu sehen. „Für eine erste Regiearbeit überraschend selbstsicher und souverän geben Chlebnokow und Popogorskij dem Film ein gemächliches Tempo, das perfekt zu dieser Art von Reise paßt. … Es wurde sichtlich Sorgfalt darauf verwendet, die Figuren inmitten der Landschaft zu plazieren, ob in den weiten, frostigen nördlichen Gebieten … oder helleren, weiten Ausblicken im Süden.“ (Dan Fainaru in Screen Daily, Moskau)

Sergej in der Urne

DEU

2010

Boris Hars-Tschachotin

Er war Naturwissenschaftler, Pawlow-Schüler, Sozialist, Pazifist, Antifaschist und mehrfacher Emigrant, fünf Mal verheiratet und hatte acht Söhne: Sergej Tschachotin (1883-1973), zentrale Figur des Dokumentarfilms, verkörpert ein Jahrhundert der Extreme, das den gebürtigen Russen durch zahlreiche europäische Länder und in viele wissenschaftliche Forschungseinrichtungen trieb – für knapp drei Jahre auch ins Kaiser-Wilhelm-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg. SERGEJ IN DER URNE zeigt das komplizierte Leben des Biologen und Visionärs Sergej Tschachotin. Ein beeindruckender Film über einen widerspenstigen Fortschrittsgläubigen im Spiegel seiner zerstrittenen Familie.

Arrhythmia

RUS/FIN/DEU

2017

Boris Khlebnikov

lexander Yatsenko, Irina Gorbacheva, Nikolay Shraiber, Sergey Nasedkin

Der passionierte Sanitäter Oleg gerät mit seinen hehren Absichten, Menschen zu retten, in bösen Konflikt mit den strikten Regeln des neuen Krankenhausdirektors. Der ist ein knallharter Manager-Typ, der vor allem die Effektivität der Notfalleinsätze steigern möchte. Menschenleben kommen in seinem Weltbild nicht vor. Oleg widersetzt sich dem kaltschnäuzigen Boss aus moralischer Verpflichtung heraus, was allerdings seine Beziehung zu seiner Frau Katya, einer Ärztin in der Notaufnahme, schwer belastet: Die hat schon länger das Gefühl, dass sich OIeg mehr um seine Patienten als um sie kümmert. Sie reicht die Scheidung ein – und zwischen Liebes- und Lebenskrisen, gelegentlichen Besäufnissen, neoliberaler Klinikbürokratie und Patientenproblematiken von Nymphomanie bis zum medizinverweigernden Zeugen Jehovas entwickelt sich eine durchaus sarkastische Schilderung von sozialem Zusammenbruch.
„Wir waren fasziniert und berührt, wie es diesem Film virtuos gelungen ist, selbst die groteskesten und härtesten Situationen mit großartigem Humor zu meistern.“ – Jurybegründung Produzentenpreis Filmfest Hamburg.

Souleymans Geschichte

FRA

2024

Boris Lojkine

Abou Sangaré, Alpha Oumar Sow, Nina Meurisse, Emmanuel Yovanie

Souleymane stammt aus Guinea; in Frankreich will er Asyl beantragen. Er verdingt sich unter haarsträubenden Bedingungen als Fahrradkurier für Essenslieferungen, denn er braucht Geld, um an Papiere zukommen. Und in 48 Stunden ist der entscheidende Termin beim Amt für Migration.

Druck von allen Seiten, Verzweifeltes Durchwurschteln in einer ausbeuterischen Gesellschaft: Boris Lojkine inszeniert in dokumentarisch erscheinender Genauigkeit zwei Tage im Leben eines Migranten, blickt eindringlich auf die Welt papierloser Einwanderer wie auch auf die Schattenseite von Lieferservices. „Perfekt in Szene gesetztes und auf den Punkt gespieltes Sozialdrama.“ (filmstarts.de)

Vielfach preisgekrönt, unter anderem in Cannes mit dem Jury- und Darstellerpreis in der Sektion Un Certain Regard.

Dunkel, fast Nacht

POL

2109

Borys Lankosz

Magdalena Cielecka, Rafal Mackowiak, Modest Rucinski

Alicja Tabor kehrt nach Jahren in ihre schlesische Heimatstadt Walbrzych (Waldenburg) zurück: Als Journalistin will sie eine Reportage schreiben über drei Kinder, die hier spurlos verschwunden sind. Die Ermittlungen der Polizei führen ins Leere, Gerüchte, Schuldzuweisungen, alternative Wahrheiten wuchern; besonders gegen die „Katzenfresser“-Zigeuner wird gehetzt. Alicjas Recherchen führen sie zu lange zurückliegenden Ereignissen: Das Verschwinden der Kinder, die kriegsbefleckte Vergangenheit, die Legende von einem verlorenen Schatz und Alicjas schlimme Erinnerungen an Kindheitstage verbinden sich. Die Geister der Vergangenheit und die Schrecken der Gegenwart erzeugen in diesem polnischen Noir-Thriller eine unheimliche Atmosphäre, der nicht zu entkommen ist.

Eldorado

BEL/FRA

2008

Bouli Lanners

Bouli Lanners, Fabrice Adde, Philippe Nahon

Yvan, nicht mehr der Jüngste, üppig und auf sich gestellt, verschachert alte Amischlitten. Als er nächtens heimkommt, stöbert er unterm Bett einen Einbrecher auf: den jungen Stromer Elie, klapperdürr und geradezu rührend unbeholfen. Eigentlich hätte er eine Tracht Prügel verdient. Aber Elie ist pleite und keiner nimmt ihn mit. Also ringt sich Yvan zähneknirschend dazu durch, ihn einmal bis an die Grenze Belgiens zu seinen Eltern zu kutschieren. Auf ihrer Spritztour durch spektakuläre wallonische Landschaften begegnen ihnen bizarre Gestalten – und wächst dem mürrischen Eigenbrötler sein Schützling wider Willen ans Herz…

Ultranova

BEL

2004

Bouli Lanners

Vincent Lecuyer, Hélène De Reymaeker, Michaël Abiteboul

Dimitry ist ein introvertierter, lebensfremder Außenseiter. Er arbeitet zusammen mit zwei Kollegen als Vertreter für Fertighäuser inmitten seelenloser Landschaften in der Wallonie in Belgien. Sein Privatleben besteht, wenn überhaupt, nur aus Zufälligkeiten. Einzig seine von Indianern faszinierte Nachbarin Jeanne scheint ein Interesse an Dimitry zu haben, traut sich aber nicht, ihn anzusprechen. Bei ihrer Arbeit in einem Möbellager erzählt sie ihrer Freundin Cathy von ihren Beobachtungen. Als Cathy zu einem von Jeannes Indianernachmittagen kommt, begegnet sie Dimitry vor der Haustür. Gemeinsam helfen sie einem heiseren Hundebesitzer bei der Suche nach seinem Tier. Langsam entwickelt sich eine Freundschaft und in Dimitry keimt langsam die Hoffnung auf eine echte Beziehung… Der belgische Regisseur und Drehbuchautor Bouli Lanners erzählt mit lakonischem Stil von einem lakonischen Anti-Helden. Das Drehbuch setzte er aus Anekdoten und Lebensläufen von Bekannten und Freunden zusammen. ULTRANOVA betrachtet er als Gemälde, die Figuren und ihre Geschichten als Pinselstriche. Sein Film ist radikal und mutig und entlarvt das gestörte Verhältnis des modernen Menschen zu sich und seiner Umwelt in genauen Beobachtungen des Alltags. 43. Filmfestival von Gijón – Hauptpreis der Internationalen Jury und Preis der FIPRESCI, des internationalen Kritikerverbandes.

Casper

USA

1995

Brad Silberling

Bill Pullman, Christina Ricci, Cathy Moriarty, Eric Idle

Casper, der freundliche Geist, soll von einem „Spuktherapeuten“ vertrieben werden, doch dessen Tochter Kathleen freundet sich mit Casper an. Während seine grimmigen Geister-Onkel die Menschen piesacken wollen, suchen die Besitzerin der Gespenstervilla und ihr Assistent einen versteckten Schatz im Haus…

Casper ist ein liebenswürdiges Gespenst, das keinen Freund hat – der Film erzählt mit viel Witz und Fantasie seine Geschichte in einer Mischung aus echten Schauspielern und computergenerierter Animation. Ein Spukspaß mit wegweisenden Spezialeffekten!

Vox Lux

USA

2018

Brady Corbet.

Natalie Portman, Jude Law, Stacy Martin, Raffey Cassidy

1999: Amoklauf an einer Schule. Celeste überlebt. Und wird beim Gedenkgottesdienst als Sängerin entdeckt. Sie entwickelt sich im von Terror und Tragödien geprägten Jahrzehnt der Nullerjahre zum gefeierten Popstar, zur amerikanischen Ikone, zum globalen Superstar, zur weltlichen Gottheit: Ein Unstern ist geboren. VOX LUX, mit Originalsongs von Sia und einer überirdischen Performance von Natalie Portman, verkörpert den Zeitgeist von Gewalt, Narzissmus, Zynismus und prügelt gleichzeitig auf ihn ein. Wie BLACK SWAN das Ballett angegangen ist, geht VOX LUX die Popmusik an.

Caspar David Friedrich - Die Grenzen der Zeit

BRD/DDR/FRA

1986

BRD/DDR/FRA

Helmut Griem, Sabine Sinjen, Hans Peter Hallwachs

Die Ausstellungen zum 250. Geburtstag des Malers Caspar David Friedrich (1774 – 1840) bieten den Anlass, einen preisgekrönten Film-Klassiker wiederzuentdecken, der sich dem Leben und Werk des Malers widmet – ohne ihn selbst zu zeigen. Mit seinen Landschaftsdarstellungen hat Caspar David Friedrich einen ganz besonderen Blick auf die Natur geprägt. Sehnsucht, Einsamkeit, Melancholie und das Verhältnis des Einzelnen zur Erhabenheit der rätselhaften Natur sind die Themen, die sich in seinen Bildern wiederfinden, die ihm zu Lebzeiten kaum Anerkennung brachten. Rasch vergessen, wurden seine Werke erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt. Peter Schamoni nähert sich dem Maler durch Aussagen seiner Freund*innen, Kritiker*innen und Zeitgenoss*innen und zeigt ihn als einen Unangepassten, Suchenden, der nicht nur den künstlerischen Traditionen, sondern auch den politischen Verhältnissen seiner Zeit kritisch begegnete. Die Gegenüberstellung der realen Landschaften im Harz, auf Rügen und in der Sächsischen Schweiz mit den Bildern des Malers verdeutlicht sein Konzept, das nicht auf Nachahmung zielte, sondern künstlerische Neuschöpfung des Gesehenen forderte.
Einführung: Dr. des. Gunnar Saecker, Kunsthalle Mannheim

Love Eternal - Auf ewig Dein

IRL

2013

Brendan Muldowney

Robert de Hoog, Pollyanna McIntosh, Amanda Ryan

So makaber die Geschichte anmutet, so zärtlich, aber auch voller Sehnsucht nach Liebe ist sie: Nach japanischer Romanvorlage von Kei Oishis widmet sie sich gleichermaßen dem Tod wie dem Leben. Der 28-jährige Ian verliert nach dem Tod seiner Mutter den Boden unter den Füßen. Bis ins kleinste Detail plant er seinen Freitod auf einer Waldlichtung. Doch ehe es dazu kommt, findet er den Leichnam einer jungen Frau. Völlig fasziniert nimmt er sie mit nach Hause und schläft selig an ihrer Seite ein. Dies bringt ihn fortan mit todessehnsüchtigen Frauen zusammen: Mit ihnen schließt er einen Pakt, gemeinsam in den Tod zu gehen, wobei Ian doch der Überlebende bleibt. Seine toten Wegbegleiterinnen vergräbt er im Garten.
Dem Iren Muldowney ist ein poetischer und schaurig-schöner Film gelungen, der mit dem Kritikerpreis „Bester irischer Film“ beim Jameson Dublin International Film Festival 2014 ausgezeichnet wurde.

David Bowie: Moonage Daydream

USA/DEU

2022.

Brett Morgen

„Wer ist er? Woher kommt er? Ist er ein Geschöpf einer fremden Macht? Ein komischer Kauz? Gefährlich? Klug? Dumm? Nett zu seinen Eltern? Echt oder aufgesetzt? Verrückt? Mann, Frau, Roboter? Was ist das – Davie Bowie?“ Brett Morgen (COBAIN: MONTAGE OF HECK) hatte Zugriff auf Bowies Nachlass und montiert eine Unmenge an Archivmaterial zu einer faszinierenden Reise, geleitet von Bowies eigenen Worten: eine Bild- und Toncollage, ein kaleidoskopisches Filmporträt, eine experimentelle Odyssee, ein kosmisches Erlebnis auf der Suche nach David Bowies kreativer, musikalischer, spiritueller Substanz – eine überwältigende audiovisuelle Erfahrung.
Filmgespräch mit Udo Dahmen, langjähriger Künstlerischer Direktor der Popakademie Mannheim

Jane

USA

2017

Brett Morgen

Anhand von mehr als 100 Stunden bisher unveröffentlichtem Filmmaterial, das über 50 Jahre lang in den National Geographic-Archiven versteckt war, erzählt der preisgekrönte Regisseur Brett Morgen die Geschichte von Jane Goodall, einer Frau, deren Primatenfoschung die von Männern dominierte Welt der Wissenschaft herauforderte und unser Naturverständnis revolutionierte. Begleitet von Jane Goodalls eigenem Kommentar und einer satten, orchestralen Filmmusik des legendären Komponisten Philip Glass bietet der Film das intime Porträt einer Wegbereiterin, die sich den Widrigkeiten widersetzte, um eine der am meisten bewunderten Naturschützerinnen der Welt zu werden. „Nach Afrika gehen, mit Tieren leben. Das ist alles, worüber ich je nachgedacht habe.“ – Jane Goodall.

Kurt Cobain: Montage of Heck

USA

2015

Brett Morgen

Mit MONTAGE OF HECK benannte Regisseur Brett Morgen seine Dokumentation nach einem von Cobains Mixtapes. Erstmals durfte ein Regisseur sich der Familie nähern und aus privaten Heimvideos, eigenen Gemälden und Kunstwerken Cobains und einem bislang unveröffentlichten Song ein einzigartiges und intimes Porträt des großen Musikers schaffen. Gespräche mit der Familie und Cobains engsten Vertrauten wie seiner Ex-Frau Courtney Love formen ein einzigartiges Kinoerlebnis für alle Nirvana-Fans sowie für Freunde legendärer Rockmusik.

Wildhood

CAB

2021

Bretten Hannam

Phillip Lewitski, Joshua Odjick, Avery Winters-Anthony, Michael Greyeyes

Der 16jährige Link und sein jüngerer Halbbruder Travis leben bei ihrem gewalttätigen Vater in einem Trailerpark an der Ostküste Kanadas. Als Link erfährt, dass seine indigene Mutter entgegen den Erzählungen des Vaters noch lebt, machen sich die Brüder auf die Suche nach ihr und nach einem besseren Leben. Unterwegs treffen sie Pasmay, einen indigenen Two-Spirit, der Link bei der Entdeckung seiner Wurzeln und seiner wahren Identität hilft.
Bretten Hannam drehte WILDWOOD in der betörenden Landschaft von Nova Scotia, dem ehemaligen Stammesgebiet der Mi’kmaq, und teilweise auch in der Sprache des indigenen Volks. Elegant verknüpft sein Roadmovie die Suche eines Jungen nach seiner kulturellen Identität mit seinem sexuellen Erwachen. Der Film wurde auf mehreren Festivals ausgezeichnet.

Tina - What's Love Got To Do With It

USA

1993

Brian Gibson

Angela Bassett, Laurence Fishburne

Das Biopic über die Sängerin Tina Turner basiert auf ihrer Autobiographie „I, Tina“ und konzentriert sich auf die Zeit von den späten 50ern bis zu den frühen 80er Jahren. Ihr Comeback bleibt somit unbeachtet. Im Mittelpunkt des Films steht ihre von Gewalt geprägte Ehe mit Ike Turner, der sie einerseits entdeckte und ihre Karriere aufbaute, andererseits aber beinahe ihr Leben zerstörte. Je erfolgreicher Ike und Tina Turner als ‚act‘ wurden, um so mehr eskalierte der Mißbrauch von Ike. Einen Kontrapunkt zu den düsteren, gewalttätigen Szenen setzen die energiegeladenen Musikperformances. Die Songs wurden von Tina Turner für den Film neu eingespielt. Überzeugend ist Angela Bassett als Tina Turner, obwohl sie äußerlich wenig Ähnlichkeit mit ihr hat. Die Gestik, Mimik, das ganze Auftreten des Popstars scheint ihr in Fleisch und Blut übergegangen zu sein. In Zusammenarbeit mit dem Fraueninformationszentrum Mannheim zur Aktion „Platzverweis“.

Let Us Prey

GBR/IL

2014

Brian O´Malley

Liam Cunningham, Pollyanna McIntosh

Die frischgebackene Polizistin Rachel steht kurz vor ihrer ersten Nachtschicht in der verwahrlosten Polizeistation eines kleinen schottischen Nests. Der Ort ist schon länger ein Sammelbecken für ziellose, vergessene und verbitterte Menschen, die allesamt der Meinung sind, dass sie eigentlich woanders hingehören und dass sich ihr Leben mit nur ein bisschen Glück zum Besseren wenden würde. Doch als der mysteriöse Fremde Six dort eintrifft, wird leider alles noch schlimmer. Er wird von der Polizei aufgelesen, und auf dem Revier übernimmt er nach und nach die Kontrolle über den Verstand und die Seelen aller Anwesenden und verwandelt die Szene somit in eine Hölle auf Erden…

Nacht Vor Augen

DEU

2008

Brigitte Bertele

Hanno Koffler, Petra Schmidt-Schaller, Jona Ruggaber

Gut gespieltes Kriegsheimkehrerdrama um einen Soldaten, dessen posttraumatische Belastungsstörung eine Psychose auslöst, die in einem Gewaltausbruch zu eskalieren droht. NACHT VOR AUGEN beschreibt sehr realistisch und nüchtern ein Phänomen, das es nach allen Kriegen gibt: Die Sprachlosigkeit der Heimkehrer und das Desinteresse der Gesellschaft an ihren Erlebnissen. Debütantin Brigitte Bertele verschärft den psychoanalytischen Zugang mit alptraumhaften Rückblenden. Anschließend berichtet die Filmautorin über die Arbeit an ihren Filmen.

Die Misandristinnen

DEU

2017

Bruce LaBruce

Susanne Sachße, Cica Ruiz, Kambra Pfahler, Caprice Crawford

Irgendwo in Ger(wo)many. Die Terroristinnen-Zelle „Female Liberation Army“ (FLA) bereitet den Umsturz des Patriarchats und die Installation einer neuen weiblichen Weltordnung vor. Getarnt als katholisches Internat bildet die Anführerin Big Mother in einem abgelegenen Landgut acht schwer erziehbare Mädchen aus. Um die Revolution zu finanzieren und die eigene Ideologie zu verbreiten, möchten die Frauen feministische Pornographie drehen und vertreiben. Doch dann gabelt eine der „Internatsschülerinnen“ einen verletzten linksradikalen Soldaten auf und versteckt ihn im Keller, um ihn gesund zu pflegen. Die strikte Hausordnung droht aus den Fugen zu geraten. Um die Revolution zu retten, muss Big Mother zu drastischen Mitteln greifen…
Bruce LaBruce, Meister des Queer Cinema, legt eine radikalfeministischhyperlesbische- politpornographische Variante von Don Siegels Clint Eastwood-Film BETROGEN (1971) und Sofia Coppolas Remake DIE VERFÜHRTEN (2017) vor: komisch, trashig, clever, wüst, satirisch, derb – und vollkommen genderverrückt.

Otto; Or, Up With Dead People

DEU/CAN

2008

Bruce LaBruce

Jey Crisfar, Katharina Klewinghaus, Susanne Sachsse

Ein junger Zombie namens Otto (Jey Crisfar) taucht an einer abgelegenen Landstraße auf. Er hat nicht die geringste Ahnung, woher er kommt und wohin er will. Nachdem er als Anhalter nach Berlin gelangt ist und ein Unterkommen in einem stillgelegten Vergnügungspark gefunden hat, erkundet er die Stadt. Schon nach kurzer Zeit wird die Underground-Regisseurin Medea Yarn (Katharina Klewinghaus) auf ihn aufmerksam. Sie beginnt mit den Aufnahmen zu einem Dokumentarfilm über ihn und wird dabei von ihrer Freundin Hella Bent (Susanne Sachsse) sowie ihrem Bruder Adolf (Guido Sommer), der die Kamera führt, unterstützt. Gleichzeitig ist Medea bemüht, „Up With Dead People“ fertigzustellen – einen episch angelegten Polit-Porno-Zombie-Streifen, an dem sie schon seit Jahren werkelt. (also ab 18 Jahren)

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