Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Der Deserteur

DEU

2024

Christoph Baumann

Sebastian Fischer, Anna Kaminski, Sandro Kirtzel, Lana-Mae Lopičić

Zum Ende des Weltkriegs in den Tiroler Alpen ist der verletzte SS-Soldat Anton desertiert. Er kommt zu einer entlegenen Alm – hier versteckt sich Hannah, ein Jüdin. Sie versorgt seine Wunden, doch das Misstrauen ist anfangs groß. Während sich in den umliegenden Bergen deutsche Truppen und italienische Partisanen bekämpfen, müssen die beiden ihren erzwungenermaßen gemeinsamen Alltag bewältigen – er, der überzeugte SS-Mann, und sie, die ihre ganze Familie verloren hat. Dann erreicht der SS-Offizier den Hof, der Anton verfolgt…

Mit genauem Blick auf Details und Zwischentöne inszeniert Christoph Baumann ein Kammerspiel, das den ganzen Schrecken, die ganzen mörderischen Untaten der Nazizeit auf einer Bergalm verdichtet.

Der Sog des Krieges – Eine Familiengeschichte

DEU

2020

Christoph Boekel

Dokumentarfilm

Christoph Boekels Vater war von 1942 bis 1945 Offizier der Strafdivision 999. Seine Tagebücher und seine Feldpostbriefe sind eindringliche, schockierende Innenansichten des Kriegs, Dokumente aus dem unmittelbaren Erleben, die sein Denken, Handeln und Fühlen als Soldat offenbaren – ein ständiges Schwanken zwischen Euphorie, Depression und Abstumpfung. Diese Texte des Vaters führen Boekel an Orte in ganz Europa, an denen der Wehrmachtsoffizier stationiert war. „Ein Film über die zerstörerische Kraft des Krieges, über mentale Zerstörung und die Auswirkungen auf zukünftige Generationen. Die Aufzeichnungen meines Vaters zeigen, wie Propaganda verführt und wie die Gesetze des Krieges die Menschheit zerstören. Im heutigen Kontext gelesen und verstanden, sind die Notizen meines Vaters Warnungen für Spätgeborene.“ (Christoph Boekel)

Die Spur des Vaters – Nachforschungen über einen unbeendeten Krieg

DEU/UdSSR

1989

Christoph Boekel

Dokumentarfilm

Anhand der Kriegstagebücher seines Vaters rekonstruiert Christoph Boekel die Route, auf der sein Vater 1941 als Soldat der Deutschen Wehrmacht bis vor Moskau gelangte; er findet Gefechtslöcher und Unterstände, in denen sein Vater hungerte und fror. Briefe, Fotografien und Erinnerungen von Überlebenden in der damaligen Sowjetunion sowie Gespräche des Regisseurs mit seinem Vater ergänzen den Film, der auch die Verbrechen der Wehrmacht thematisiert, was Ende der 1980er noch stark tabuisiert war. Ausgezeichnet mit dem Adolf-Grimme-Preis, dem Preis der deutschen Filmkritik und dem Egon-Erwin-Kisch-Preis.

Der lange Atem

DEU

1981

Christoph Boekel, Beate Rose

Dokumentarfilm

„Die Bundesregierung erklärt ihre feste Entschlossenheit … die Neubildung irgendwelcher Streitkräfte zu verhindern“: Originalton Konrad Adenauer aus dem Jahre 1949. 1956 dann wurde die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Tonaufnahmen, Fotos und Wochenschauausschnitte wechseln ab mit der erzählenden Darstellung des Zeitgenossen und engagierten Militärgegners Oskar Neumann, der in der Nazizeit wegen seiner politischen Widerstandsarbeit im KZ saß und in der ersten Nachkriegsphase die KPD im Münchner Stadtrat vertrat.

Anfang der 1980er war der Film ein aktueller Beitrag zu den Protesten gegen den NATO-Doppelbeschluss. Die Hochschule für Film und Fernsehen verbot zunächst die öffentliche Aufführung dieses Abschlussfilmes; Christoph Boekel und Beate Rose drehten den Film über die Wurzeln der deutschen Friedensbewegung zwei Jahre später unter dem Titel DER LÄNGERE ATEM noch einmal. DER LANGE ATEM erhielt 1982 den Preis der Deutschen Filmkritik.

Wem gehört mein Dorf?

DEU

2021

Christoph Eder

Ostseebad Göhren auf der Insel Rügen: Zwischen weißer Bäderarchitektur und sanftem Meeresrauschen das perfekte Urlaubsziel. Christoph Eder stammt von hier, und er kehrt für seinen Film in die Heimat zurück: Denn hinter den Kulissen herrschen Kapitalismus und Goldgräberstimmung. Ausverkauf der Kommune, Gentrifizierung, Strukturwandel, Turbo-Tourismus, Naturausbeutung bewegen die Einwohner, im Gemeinderat hält eine starke Truppe, „die Vier von der Stange“ genannt, die Hand schützend über einen Bauunternehmer und Investor von außen, der den Ort grundsätzlich umbauen möchte… Bis sich eine Bürgerinitiative bildet und die Gemeinderatswahlen bevorstehen.
Eders persönliches Porträt seiner Heimat wandelt sich zu einem starken Plädoyer für demokratische Strukturen: Weil man nicht alles gottgegeben hinnehmen muss, weil sich Engagement und Einsatz für die gute Sache lohnen können.

Der Tod wird kommen

DEU/BEL/LUX

2024

Christoph Hochhäusler

Sophie Verbeeck, Louis-Do de Lencquesaing, Marc Limpach

Unter einem Gemälde findet die Polizei Geld – Geld, das dem todkranken Gangster Charles Mahr gehört. Als auch noch der Geldbote ermordet wird, setzt Mahr die Auftragskillerin Tez auf seinen Rivalen Patric de Boer an. Und ein undurchsichtiges Spiel aus Rache, Intrige, Manipulation und Verrat beginnt…

Christoph Hochhäusler, einer der wichtigsten Protagonisten der Berliner Schule, drehte erstmals auf Französisch: Sein düsterer Gangsterfilm ist angelehnt an die Genrevariationen von Jean-Pierre Melville, er zeigt die kalte Welt der belgischen organisierten Kriminalität: „Pracht­volles, poetisch-kluges Kino! … Auf so einen wunderbaren Genrefilm hat man seit Jahren im deutschen Kino gewartet.“ (Rüdiger Suchsland, artechock.de)

Falscher Bekenner

DEU

2005

Christoph Hochhäusler

Constantin von Jascheroff, Manfred Zapatka, Victoria Trauttmansdorff

Was er denn so mache, fragt Katja beim Pommes-Essen. Das willst du lieber nicht wissen, sagt Armin. Und lächelt. Armin ist ein falscher Bekenner. Mit einem Jaguarunfall auf der leeren Nachtautobahn hat es angefangen. Der junge Schulabgänger wurde Augenzeuge, und am nächsten Morgen wird aus einem Bewerbungsschreiben ein Bekennerbrief: ‚Dieser Unfall war mein Werk…’. Den nächsten Bekennerbrief schreibt Armin nach einem Brand in der Innenstadt. Die Zeitungen berichten groß. Armins Versuch der Selbstfindung führt immer tiefer in eine Verwirrung von Wirklichkeit und Vorstellung.

Unter Dir Die Stadt

D

2010

Christoph Hochhäusler

Nicolette Krebitz, Robert Hunger-Bühler, Mark Waschke, Corinna Kirchhoff

Die flüchtige Begegnung eines Mannes und einer Frau auf einer Vernissage, ein Augenblick schwirrender Intensität. Tage später führt sie der Zufall wieder zusammen. Svenja geht auf das Spiel der unerklärlichen Faszination zwischen ihnen ein, aber lässt es nicht zur Affäre kommen. Cordes befördert Svenjas Mann auf einen hoch dotierten Risikoposten in Indonesien. Ein atemberaubendes Spiel beginnt. UNTER DIR DIE STADT ist der dritte Spielfilm von Christoph Hochhäusler. Auf dem Filmfest München wurde er mit dem Preis für das Beste Drehbuch ausgezeichnet.

Mandala

DEU

2012

Christoph Hübner

Eine Industriehalle im Ruhrgebiet. Sechs Mönche aus Bhutan. Farbiger Steinstaub aus dem Himalaya. Mehr als 1000 Jahre alte Texte. Bilder von Gottheiten, Palästen, Gärten und Geistern. Ein Sandmandala. Fünf mal fünf Meter. Zehn Tage Arbeit. Zehn Minuten Zerstörung. Werden und Vergehen. Der Film MANDALA zeigt in großer Ruhe und Eindringlichkeit die Entstehung und Zerstörung des bisher weltgrößten Sandmandalas in der Bochumer Jahrhunderthalle zur Ruhrtriennale 2011. Traditionell werden Sandmandalas zu bestimmten rituellen Anlässen in Klöstern gestreut und sind der Öffentlichkeit kaum zugänglich.

Thomas Harlan - Wandersplitter

DEU

2006

Christoph Hübner

Thomas Harlan

Ein Sanatorium, ein Zimmer, ein Schreibtisch, Aussicht auf die Berge. Der Kamera zugewandt: Thomas Harlan, Autor und Filmemacher, Abenteurer, Nazi-Verfolger. Er spricht, denkt nach, verführt, bricht ab. Ein Film entsteht im Kopf: eine Fahrt durch Moskau, eine Begegnung mit Hitler, „Sprache als Kathedrale“, die stillschweigende Rehabilitierung von Kriegsverbrechern, angezündete Kinos und das Verhältnis zu seinem Vater, dem „Jud Süß“-Regisseur Veit Harlan. Und aus diesen Anekdoten, Erinnerungsfetzen und entwickelt sich allmählich das Bild eines ungewöhnlichen Lebens.

Die Champions

Deutschland

2003

Christoph Hübner & Gabriele Voss

„Wir leben hier wie in einer großen Familie – einer sehr großen Familie.“ (Sven Kirchhoff, Leiter des BVB-Jugendhauses) Über drei Jahre hinweg begleiten Grimme-Preisträger Christoph Hübner und Gabriele Voss den Spielernachwuchs von Borussia Dortmund. Sie zeigen, wie vier junge Fußballer um den Aufstieg ins Profigeschäft kämpfen, ihre Siege und Niederlagen, die persönlichen Tragödien und Rückschläge. Der Dokumentarfilm zieht seine Kraft aus den Bildern des Alltags: die Jungs beim Essen, in der Kabine oder auf ihrem Zimmer im BVB-Jugendhaus. Derart szenische Aufnahmen ersetzen gestellte Interviews und technisch aufwendige Perspektiven. „Insgesamt gibt es wenig Fußball und wenig Tore zu sehen“, entschuldigt sich Autor Hübner zu Beginn der Premierevorstellung augenzwinkernd, denn genau das war seine Absicht. Das Leben der Jugendlichen steht im Vordergrund.

Vom Ende eines Zeitalters

DEU

2023

Christoph Hübner, Gabriele Voss

Was war? Was bleibt? Was kommt? Das Kohlezeitalter ist vorbei. Christoph Hübner und Gabriele Voss begleiten seit 40 Jahren den Wandel im Ruhrgebiet – in ihrem neuesten Dokumentarfilm geht es um die Schließung des letzten Steinkohlebergwerks, der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop. Und es geht um viel mehr, um die Menschen, um ihre Gemeinsamkeiten, um die Stadt und die Siedlungen, um Vereine und Brauchtum, um die Gesellschaft und das Klima, um die Kultur und die Politik. Um das Neue, das kommen muss, weil das Alte – die fossile Ära – der Vergangenheit angehört. Es reicht nicht, Zechen zu schließen und Landschaften zu rekultivieren, auch der soziale Zusammenhalt der Menschen muss neu definiert werden: Das Ende ist noch nicht zu Ende, auch wenn die Zukunft schon begonnen hat.

Di. 01.10.2024, 19:30 Uhr, Mi. 02.10.2024, 16:30 Uhr – Achtung, frühere Uhrzeit!

Alfonsina

ARG

2013

Christoph Kühn

Alfonsina Storni (1892 – 1938) ist ein Mythos. Als sie vier ist, wandert ihre Familie von der Schweiz nach Argentinien aus. Bereits als Jugendliche schreibt sie Gedichte und fühlt sich von anarchistischen Ideen angezogen. Später erobert Alfonsina die von Männern beherrschte Dichter- Domäne von Buenos Aires. Die Poetin, Avantgardistin, Journalistin und alleinerziehende Mutter kümmert sich nicht um Konventionen. Sie engagiert sich für das Selbstbestimmungsrecht der Frauen – und wird schon zu Lebzeiten zur Legende. Betörend schöne Bilder!
In Anwesenheit des Regisseurs.

Brasch - Das Wünschen und das Fürchten

DEU

2010

Christoph Rüter

Thomas Brasch war der Provokateur, Opportunist und Unruhestifter der deutschen Literatur der Siebzigerjahre. Weil er 1968 mit Flugblättern gegen den Einmarsch des Warschauer Paktes in Prag demonstrierte, musste er – auch wegen des Engagements seines Vaters, der damals Kulturminister in der DDR war – ins Gefängnis. Seine Werke als Schriftsteller und auch als Filmregisseur wurden mehrfach ausgezeichnet. Der Film zeigt u.a. selbst aufgezeichnetes Archivmaterial, das nach seinem Tod gefunden wurde. Bei Selbstgesprächen und Interviews mit Angehörigen lernen wir eine höchst widersprüchliche Persönlichkeit kennen – sensibel, impulsiv, charismatisch, provokant – und erleben Brasch ungewohnt nah. (also mal wieder ab 18) Bei der Premiere am Do 03.11. werden zwei Schauspielerinnen, Sabine Fürst und Louisa Stachowiak, beide aus dem Ensemble des Nationaltheaters Mannheim, aus dem 2.Teil des Stücks von Thomas Brasch "Frauen.Krieg.Lustpiel." lesen.

Hans Blumenberg – Der unsichtbare Philosoph

DEU

2018

Christoph Rüter

Hans Blumenberg (1920 – 1996) war einer der einflussreichsten deutschen Philosophen der Nachkriegszeit. Das „Abenteuer des Denkens“, dem er sich hingab, führte ihn stets an die Fragen von menschlicher Selbstbehauptung gegenüber dem Absolutismus der Wirklichkeit. Drei Spurensucher reisen in einem Bus quer durch Deutschland, von Lübeck über Heidelberg und München bis Zürich, um sich ein Bild des Philosophen und seiner Philosophie zu machen: Blumenberg wollte zeit seines Lebens aus seinen Publikationen reden, Interviews oder Fernsehauftritte vermied er konsequent. Seine berühmten Freitagsvorlesungen dagegen waren bei den Studenten in Münster höchst beliebt. Das philosophische Roadmovie, als das Christoph Rüter sein Porträt anlegt, wirkt daher gegen die dichten Texte Blumenbergs als zwingende Form, sich seinem Denken filmisch anzunähern.

Bird's Nest - Herzog & De Meuron In China

CHE

2007

Christoph Schaub

Die Basler Star-Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron entwerfen den Plan für das Olympiastadion in Chinas Hauptstadt Peking. Die Chinesen nennen den riesigen, modernen Repräsentationsbau wenig beeindruckt schlicht „Vogelnest”. Der Film, vor den Unruhen in Tibet gedreht, ist zum einen ein beeindruckendes Dokument der Komplexität der Entwicklungen in China und zum anderen die richtige Einstimmung auf die Olympischen Spiele im August.

Die Reisen Des Santiago Calatrava

CH

1999

Christoph Schaub

Im Mittelpunkt dieses Dokumentarfilms steht das Schaffen des Star-Architekten Santiago Calatrava. Christoph Schaub, der schon mehrere Dokumentarfilme über architektonische Themen gedreht hat, begleitet ihn auf seinen Reisen zu den Baustellen in aller Welt, zeigt Calatravas hektischen Alltag und die Momente der Ruhe beim Zeichnen irgendwo unterwegs. Der spanische Architekt erzählt auch, wie seine Visionen von Bauwerken als Skulpturen entstehen. Schaubs Film läßt Calatravas verwirklichten Träumen viel Platz. Zusammen mit den gefilmten Bildern strahlen seine Brücken, Museen, Bahnhöfen, Flughäfen und Kirchen eine lebendige Spannung aus.

Das deutsche Kettensägenmassaker

BRD

1990

Christoph Schlingensief

Karina Fallenstein, Alfred Edel, Susanne Bredehöft, Brigitte Kausch, Volker Spengler, Udo Kier, Sergej Gleithmann

Sie kamen als Freunde und wurden zu Wurst: Ossis geraten in die Fänge einer kannibalischen Wessi-Metzgerfamilie. Im Oktober 1990 (!) feierte der Film Premiere, eine Wiedervereinigungssatire voll Wahnsinn, Chaos und Hysterie. Als billiges Underground-Genreprodukt getarnt haut Christoph Schlingensief seine filmische Karikatur auf Einheitsrausch, Wiedervereinigung, auf die Verschlingung des Ostens durch den Westen auf die Leinwand.
Vorfilm:
Stefan – eine Ost-West-Schnulze
DEU 1992. R: Michael Blume. 13 Min.
Stefan markiert für die DDR-Bezirksfilmdirektion Filmszenen erotischen Inhalts, damit die Filmbilder von Vorführern nicht herausgeschnitten und als Dia verkauft werden. Nach dem Mauerfall soll das Kino schließen…
Am Di. 13.06. mit Einführung von Harald Mühlbeyer

Egomania - Insel Ohne Hoffnung

BRD

1986

Christoph Schlingensief

Udo Kier, Tilda Swinton, Uwe Fellensiek

Der Film EGOMANIA spielt auf einer einst friedlichen, heute von der Zwietracht der Bewohner durchsetzten Ostseeinsel. Hier Herrscht Baron Tante Teufel. Als plötzlich eine wahre Liebe seine Insel „bedroht“, dreht er durch… EGOMANIA gleicht einem Eiswüsten-Bilderrätsel à la Caspar David Friedrich, in dem sich Schlingensief auf originelle Weise mit der deutschen Romantik auseinandersetzt – traurig, romantisch und komisch zugleich!

Der Traum Ist Aus Oder Die Erben Der Scherben

DEU

2001

Christoph Schuch

Während die Rolling Stones ihre Sympathie für den Teufel bekundeten und damit ein recht diffuses politisches Lebensgefühl der 70er-Jahre beschworen, ging die Berliner Punk-Band »Ton, Steine, Scherben« 1970 in die Vollen und propagierte den politischen Ungehorsam: »Macht kaputt, was Euch kaputt macht!« Die »Scherben« und ihr Sänger Rio Reiser betrieben, beeinflusst von der 68er-Bewegung und der Berliner Hausbesetzer-Szene, eine Kulturpolitik der expliziten Einmischung, träumten von einer klassenlosen Gesellschaft und wurden dadurch immer in die Nähe von RAF-Sympathisanten gerückt, was sich nicht nur verkaufshemmend, sondern auch stigmatisierend auswirkte. Die im Eigenverlag herausgebrachten »Scherben«-Platten verkauften sich nur schleppend; trotzdem blieben die »Scherben« ihren musikalischen wie politischen Überzeugung treu. Auch das Liebeslied »Halt’ dich an deiner Liebe fest« war nicht irgendein beliebiges Tralalla, sondern Ausdruck eines Zeitgeists, schließlich war auch Sex Politik – zumindest in den 70er-Jahren. Dieser Traum ist ausgeträumt, wird jedoch in Christoph Schuchs wunderbarem Dokumentarfilm noch einmal beschworen. Dabei kommen Weggefährten und Ex-»Scherben«-Mitglieder ebenso zu Wort wie Musiker einer späteren Generation, deren Musik durch die Berliner Rockband geprägt wurde. Glücklicherweise entsteht daraus kein die 70er-Jahre verklärendes Bild, sondern ein vielschichtiges Zeitporträt, das voller Brüche sein muss, weil die Zeit voller Widersprüche war. Doch Christoph Schuch sucht nicht nur den retrospektive Blick auf eine politisierte Kultur, sondern schaut auch nach vorne, und das mit Humor, einer gehörigen Portion Bewunderung und nicht minder viel Kopfschütteln.

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