Während die Rolling Stones ihre Sympathie für den Teufel bekundeten und damit ein recht diffuses politisches Lebensgefühl der 70er-Jahre beschworen, ging die Berliner Punk-Band »Ton, Steine, Scherben« 1970 in die Vollen und propagierte den politischen Ungehorsam: »Macht kaputt, was Euch kaputt macht!« Die »Scherben« und ihr Sänger Rio Reiser betrieben, beeinflusst von der 68er-Bewegung und der Berliner Hausbesetzer-Szene, eine Kulturpolitik der expliziten Einmischung, träumten von einer klassenlosen Gesellschaft und wurden dadurch immer in die Nähe von RAF-Sympathisanten gerückt, was sich nicht nur verkaufshemmend, sondern auch stigmatisierend auswirkte. Die im Eigenverlag herausgebrachten »Scherben«-Platten verkauften sich nur schleppend; trotzdem blieben die »Scherben« ihren musikalischen wie politischen Überzeugung treu. Auch das Liebeslied »Halt’ dich an deiner Liebe fest« war nicht irgendein beliebiges Tralalla, sondern Ausdruck eines Zeitgeists, schließlich war auch Sex Politik – zumindest in den 70er-Jahren. Dieser Traum ist ausgeträumt, wird jedoch in Christoph Schuchs wunderbarem Dokumentarfilm noch einmal beschworen. Dabei kommen Weggefährten und Ex-»Scherben«-Mitglieder ebenso zu Wort wie Musiker einer späteren Generation, deren Musik durch die Berliner Rockband geprägt wurde. Glücklicherweise entsteht daraus kein die 70er-Jahre verklärendes Bild, sondern ein vielschichtiges Zeitporträt, das voller Brüche sein muss, weil die Zeit voller Widersprüche war. Doch Christoph Schuch sucht nicht nur den retrospektive Blick auf eine politisierte Kultur, sondern schaut auch nach vorne, und das mit Humor, einer gehörigen Portion Bewunderung und nicht minder viel Kopfschütteln.