Claude Lanzmann ist der Regisseur der großen Holocaust-Dokumentation „Shoah“, die seit ihrer Uraufführung 1985 als ein grundlegendes Werk betrachtet wird und auf zahlreichen Festivals ausgezeichnet wurde. Sein neuer Film SOBIBOR schildert den einzigen erfolgreichen Aufstand in einem Konzentrationslager der Nazis, indem er den Erzählungen von einem der Aufständigen folgt und sich dabei auf dessen lebendiges Wort verläßt. „Ausgehend von einem Gespräch, das mir Yehuda Lerner 1979 gewährt hatte, als ich SHOAH drehte, entstand der Film SOBIBOR, 14 OCTOBRE 1943, 16 HEURES – Ort, Tag, Monat, Jahr, Stunde des einzigen jemals gelungenen Aufstands in einem Vernichtungslager der Nationalsozialisten. In der Landschaft und an den Orten von heute, die immer noch dieselben wie damals sind, hat David, der nicht Gewalttätige, den ersten tödlichen Schlag geführt; er ist der Herold eines mythologischen Films und Meister einer sich steigernden Spannung bis zum letzten Bild, bis zu dem Augenblick, in dem die menschliche Ordnung wieder in Kraft tritt und wieder Freiheit herrscht.“ (Claude Lanzmann) Um den Film zu realisieren, folgte Lanzmann den Spuren Yehuda Lerners. Er fuhr nach Polen, nach Weißrußland und nach Sobibor, wo er zuletzt vor zwanzig Jahren gewesen war. Er fand den Bahnhof noch heruntergekommener vor als damals. Seine Rampe, auf der mehr als zweihundertfünfzigtausend Juden entladen wurden, dient nunmehr dem Verladen von Holzstämmen. Ein kleines Museum und die Synagoge von Wlodawa erinnern vage an die Greueltaten der Vergangenheit.