Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Horizont

FRA

2021

Émilie Carpentier

Tracy Gotoas, Sylvain Le Gall, Niia, Clémence Boisnard.

Die 18-jährige Adja aus der Banlieue von Paris will vor allem Spaß haben und intensiv leben; sie sucht ihren Weg zwischen ihrer besten Freundin, einer Influencerin in den sozialen Netzwerken, und ihrem großen Bruder, einem erfolgreichen Fußballer. Der Kampf um ein landwirtschaftlich genutztes Gebiet, aus dem die Bauern vertrieben werden sollen für den Bau des größten Freizeitkomplexes Europas, mischt ihr unbeschwertes Leben auf. Zunächst verspottet sie mit ihrer Freundin die Umweltschutz-Gruppe, die das Ackerland besetzt, doch unter den Aktivisten ist Arthur, zu dem sie sich unleugbar angezogen führt – und sie entscheidet, sich dem Aufbegehren für eine bessere Zukunft anzuschließen.
Die rasant-charmante Geschichte um die erste Liebe zweier junger Menschen aus verschiedenen sozialen Hintergründen weitet sich zum vitalen Porträt einer Generation, die sich über ihr politisches und gesellschaftliches Engagement zusammenfindet, weil der Kampf für die Umwelt eine dringende Überlebensfrage ist. Der Film basiert auf dem realen Widerstand gegen das EuropaCity-Projekt im Pariser Norden und entstand in engem Austausch mit Jugendlichen aus den Pariser Randbezirken.

Irgendwann werden wir uns alles erzählen

DEU/FRA

2023

Emily Atef

Marlene Burow, Felix Kramer, Cedric Eich, Silke Bodenbender, Christine Schorn, Jördis Triebel.

Sommer 1990 in Thüringen. Maria, bald 19, hat keine Lust auf Schule, versenkt sich in Dostojewsky-Romanen. Sie lebt bei der Familie ihres Freundes auf einem Bauernhof, das Wetter ist schön, die Zukunft trübe. Irgendwann trifft sie den 40jährigen Eigenbrötler Henner vom Nachbarhof, er berührt sie, und sie beginnen eine Amour fou, wild, leidenschaftlich, begehrend, archaisch, übermächtig…
Emily Atef (DREI TAGE IN QUIBERON, 2018, MEHR DENN JE, 2022) verfilmte Daniela Kriens Bestseller-Roman mit großartigem Ensemble in starken, atmosphärischen Bildern: Eine körperlich-sinnliche Liebesbeziehung ohne Zukunft in einem Land ohne Zukunft: „Ein Film, der durch seine authentische Zeichnung der ausklingenden DDR beeindruckt.“ (Thüringer Allgemeine)

Abluka - Jeder misstraut jedem

Emin Alper

Mehmet Özgür, Berkay Ates, Tülin Özen, Müfit Kayacan, Ozan Akbaba

Die Endzeit einer Gesellschaft: Istanbul wird von heftigen politischen Unruhen erschüttert und versinkt im Chaos. In dieser brenzligen Situation bietet der hochrangige Polizist Hamza dem inhaftierten Kadir die vorzeitige Entlassung an – unter einer Bedingung: Er muss als Spitzel in Müllmann-Tarnung auf den Straßen Hinweise auf verdächtiges Verhalten aufspüren. Zugleich versucht Kadir vorsichtig, sich nach der 20järigen Haft seinem jüngeren Bruder Ahmet wieder anzunähern. Doch der driftet immer weiter in seine eigene, paranoide Welt ab und verschanzt sich mit einem verletzten Hund in seiner Wohnung. Und dann ist da noch der dritte Bruder, der spurlos verschwunden ist…
Ein beunruhigender Politthriller, der Muster von Misstrauen und Verrat schildert, die nicht nur für eine immer autokratischer werdende Türkei gelten
Spezialpreis der Jury in Venedig

Eine Geschichte von drei Schwestern

TUR/DEU/NLD/GRC

2019

Emin Alper

Cemre Ebüzziya, Ece Yüksel, Helin Kandemir, Kayhan Açikgöz, Müfit Kayacan, Kubilay Tunçer

Drei Schwestern aus einem armen Dorf in Zentralanatolien werden in die Stadt geschickt: Die Jüngste, Hevva, kümmert sich um den Sohn der Pflegefamilie, der aber an einer schweren Krankheit stirbt. Die Mittlere, Nurhan, kommt bei einem Arzt unter, dessen Sohn Bettnässer ist. Vor Frust, Wut und Müdigkeit schlägt sie ihn. Die 20jährige Gulsah wird von einem Apothekerlehrling schwanger. Alle kehren zurück in die Heimat, Gulsah wird eiligst mit einem Schafhirten verheiratet – und im Mit- und Gegeneinander der Geschwister wie in der Auseinandersetzung mit der patriachalischen Tradition entfaltet sich ein Familien- und Gesellschaftsdrama mit so epischen wie märchenhaften Dimensionen: In den Geschichten, die an Wintertagen erzählt werden, wie in den eindringlichen Bildern der anatolischen Landschaft wird das Gespür für Kultur und Seelenleben der Protagonisten erlebbar. Der Film wurde auf den Festivals in Istanbul und Sarajevo mehrfach ausgezeichnet.

Schwarze Katze, Weisser Kater

F/D/YU

1997

Emir Kusturica

Bajram Severdzan, Florijan Ajdini, Srdan Todorovic, Sabri Sulejmani

Ein Loblied auf die Lebenslust! Für dieses groteske Zigeunermärchen erhielt der 1955 in Sarajewo geborene Regisseur Emir Kusturica in Venedig einen „Silbernen Löwen“: Der Zigeuner Matko lebt vom Schwarzhandel mit den Russen. Für seinen ersten ganz großen Coup fehlt ihm jedoch das nötige Startkapital. Der Gangster Dadan erklärt sich bereit, ihm zu helfen – allerdings legt er Matko herein. Und obendrein verlangt der skrupellose Dadan auch noch einen „Schadenersatz“! Matkos Sohn Zare soll Dadans jüngste Schwester Ladybird heiraten. Zwar liebt eine Zare andere, dennoch werden er und Ladybird zur Heirat gezwungen. Am Ende kommt jedoch alles ganz anders … Kusturica drehte mit SCHWARZE KATZE, WEISSER KATER seinen opulentesten und skurrilsten Film, der mit seinen schrägen Typen eine Hommage an Fellini sein könnte.

Super-8 Stories

BRD/I

2001

Emir Kusturica

Ein Dokumentarfilm, der über Musik spricht. Musik, die über eine Welt spricht – die wilde, verrückte, kreative, dramatische Welt des Balkans. Der Film verfolgt die Ursprünge dieser rasenden und unwiderstehlichen Musik, die manche Balkanpunk nennen. Musik, die durch die Filme von Emir Kusturica, insbesondere SCHWARZE KATZE, WEISSER KATER, bekannt und beliebt wurde. Protagonist des Films ist die Punkband No Smoking Orchestra, die vor zwanzig Jahren „als alles noch bevorstand“ in Sarajevo gegründet wurde. Einer wilden Horde von musikalischen Zigeunern gleich, die Rock’n Roll, Punk, Polka und den Folk des Balkan mit Teufelsgeigen und Blechbläsern mischen, hat die Band inzwischen einen ähnlichen Kultstatus wie die Leningrad Cowboys erreicht. Aus der bunten Collage von privaten Super-8 Filmen, Fernseharchivbildern und den Konzertmitschnitten entstand nicht nur ein mitreißender Musikfilm, sondern auch die Geschichte des zerrütteten Balkans.

Time Of The Gypsies

Emir Kusturica

Davor Dujmovic, Bora Todorovic, Ljubica Adzovic

Perhan wächst in einer Roma-Siedlung am Stadtrand von Skopje auf. Die Großmutter sorgt für den elternlosen Jungen und seine Schwester, die durch ein verkrüppeltes Bein behindert ist. Als Perhan sich in die gleichaltrige Azra verliebt, heißt es Abschied nehmen von der friedlichen Welt der Kindheit. Denn Azras Mutter ist gegen die Verbindung ihrer Tochter mit dem mittellosen Taugenichts. So zieht Perhan mit dem Zigeunerbaron Ahmed und dessen Sippe in die Welt hinaus. In Mailand angekommen, muß Perhan erkennen, was hinter dem Reichtum des bewunderten Patriarchen steckt: Ahmed verdient sein Geld mit Kinderprostitution und -bettelei. In Perhan findet er zunächst einen gelehrigen Schüler, bis der Waisenjunge erkennen muß, daß er aufs Schlimmste hintergangen wurde. Eine Blutfehde beginnt, die immer weitere Kreise zieht. Time of the Gypsies ist eine filmische Odyssee Kusturicas, die in visionären, rauschhaften Bildern Wirklichkeit mit Märchen und Legenden der Roma verknüpft. Mit viel Poesie und verhaltenem Witz zeichnet er eine universelle Initiationsreise zwischen Tradition und Moderne, Verlust von Werten und wehmütiger Rückbesinnung, getragen von der großartigen Musik von Goran Bregovic.

Lesbian Space Princess

AUS

2024

Emma Hough Hobbs, Leela Varghese

Animationsfilm

Saira, die Tochter der lesbischen Königinnen des Planeten Clitopolis, ist am Boden zerstört. Die Kopfgeldjägerin Kiki, ihre Freundin, hat mit ihr Schluss gemacht. Saira sei zu anhänglich. Doch als Kiki von den Straight White Maliens entführt wird, muss sie ihre Ängste überwinden und ihren Heimatplaneten zum ersten Mal verlassen. In einem klapprigen Raumschiff begibt sie sich auf eine intergaylaktische Mission, aber es bleiben nur 24 Stunden, um Kiki zu retten.

Eine humorvolle, krawallige und bonbonbunte animierte Abenteuerreise durch die Weiten des queeren Weltraums. LESBIAN SPACE PRINCESS gewann den Teddy-Award für den besten queeren Spielfilm auf der Berlinale 2025.

Liebesfilm

DEU

2018

Emma Rosa Simon, Robert Bohrer

Eric Klotzsch, Lana Cooper, Gerdy Zint, Hartmut Becker, Sabine Vitua

Lenz ist ein Tagträumer, charmant, phantasievoll und – wie es sich für einen Dreißigjährigen in Berlin gehört – radikal entscheidungsunfähig. Nach einer durchfeierten Nacht wacht Lenz ziemlich derangiert neben Ira auf. Lenz ist verliebt. Ira auch. Es beginnt der Sommer der Liebe: herumalbernd durch die Berliner Nacht, Bier am Kanal, Gespräche über Sex und Kindheit. Alles ist wunderschön. Bis Ira diese eine, alles verändernde Frage stellt: „Willst Du eigentlich Kinder?“ Und dann tut Lenz das, was er am besten kann, wenn es kompliziert wird. Er macht sich aus dem Staub. Eine einfache Geschichte? Vielleicht. Auf jeden Fall aber mit unglaublicher Verve erzählt. Strotzend vor Einfallsreichtum. Mit hoch energiegeladenen Darstellern. Mitunter surreal. Für die Süddeutsche Zeitung ein Highlight des letztjährigen Münchner Filmfests. Kein Wunder, dass ab und an Personen der Zeitgeschichte in die Handlung eingreifen.

Wie im echten Leben - Ouistreham

FRA

2022

Emmanuel Carrère

Juliette Binoche, Hélène Lambert, Léa Carne, Emely Madeleine

Marianne, renommierte Schriftstellerin, gibt den Komfort der Pariser Kulturelite auf und reist in die nordfranzösische Hafenstadt Caen, wo das Wetter launisch ist, das Leben rau und die Arbeit prekär. Um in die wirkliche Welt der sozial Untenstehenden einzutauchen, beginnt sie als Putzfrau auf einer Fähre zu arbeiten, dreckige Schinderei, blöde Sprüche und unfaire Behandlung inklusive. Ein Doppelleben auf Zeit aus gesicherter Position: Der Ausflug in Plackerei und Armut soll Ausgangspunkt für ein Buchprojekt sein.
Juliette Binoche als Putzkraft mit doppeltem Boden überzeugt zusammen mit dem umwerfenden und humorvollen Darstellerinnen-Ensemble, das Emmanuel Carrère für seinen Film versammelt hat. Nach einer wahren Geschichte zeigt er Leid und Liebe einer echten Arbeits-Gemeinschaft.
Einführung: Christian Lohse, Cinema Quadrat & Cosima Besse, Institut Français Mannheim

En fanfare / Die leisen und die großen Töne

FRA

2024

Emmanuel Courcol

Benjamin Lavernhe, Pierre Lottin, Sarah Suco, Jacques Bonnaffé

Der Star-Dirigent Thibaut erleidet einen gesundheitlichen Notfall und ist auf die Hilfe eines nahen Verwandten angewiesen. Gerettet wird er von seinem Bruder Jimmy, den er bis vor Kurzem noch gar nicht kannte. Angetrieben von Thibauts Dankbarkeit bauen die verlorenen Brüder eine Beziehung auf. Die Liebe zur Musik ist eine Gemeinsamkeit, aber der Klassenunterschied zwischen einem berühmten Dirigent und einem Posaunist in einem Arbeiter-Orchester lassen sich nicht leicht überwinden.

Emmanuel Courcol, der als Schauspieler begann und immer noch aktiv ist, beweist sich bereits zum zweiten Mal als erstklassiger Regisseur und Autor. Bereits mit UN TRIOMPHE war Courcol Teil der Cinéfête, nun legt er mit EN FANFARE nochmal zu. Seine musikalische Geschichte über zwei Brüder, die nach einer sehr unterschiedlichen Vergangenheit zusammenfinden, lief 2024 in Cannes und stand wochenlang an der Spitze der deutschen Arthouse-Charts.

In Liebe lassen

FRA

2021

Emmanuelle Bercot

Benoît Magimel, Catherine Deneuve, Cécile de France, Gabriel Sara

Schauspiellehrer Benjamin hilft seinen Schülern, zu ihren innersten Gefühlen und Ängsten vorzudringen und sie kreativ einzusetzen. Dem 40-Jährigen selbst gelingt dies nicht, als er erfährt, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist. Er verweigert sich und nimmt die unbeholfenen Hilfsangebote seiner übertrieben fürsorglichen Mutter nur widerwillig an. Erst durch ihren Kontakt zu dem renommierten Onkologen Dr. Eddé und seiner Assistentin Eugénie schafft es Benjamin, sich seiner Krankheit zu stellen.
Emmanuelle Bercot konzipierte den Film speziell für ihre Schauspielstars Benoît Magimel und Catherine Deneuve – und lässt den Arzt von einem Laiendarsteller spielen: der tatsächliche Onkologe Dr. Gabriel Sara verwurzelt das Filmdrama in der Realität.
Referentinnen: Brigitte Pahlke (Bensheim) und Christine Linkert (Frankfurt)

Les filles de l’escadron bleu

FRA

2019

Emmanuelle Nobécourt

Im Juli 1945 übernimmt eine Gruppe junger Französinnen eine riskante Mission: Unter dem Spitznamen L’escadron bleu bilden sie eine mobile Einheit des französischen Roten Kreuzes, um die Rückkehr französischer Soldaten aus dem zerstörten europäischen Kontinent zu koordinieren. Unter den mutigen Frauen: die Ärztin Madeleine Pauliac, die sich mit zehn Krankenschwestern auf den Weg nach Warschau machte, um dort in einem Hospital französische Zwangsarbeiter und Insassen von Konzentrationslagern zu versorgen. Und die schon auf dem Weg nach Osten Überlebende aus Dachau und Buchenwald in langen Hin- und Herfahrten zurück nach Frankreich transportierte.
In Kooperation mit dem Institut Français Mannheim; mit freundlicher Unterstützung der Französischen Filmtage Tübingen/Stuttgart
Produzent, Drehbuchautor und Protagonist Philippe Maynial, Neffe von Madeleine Pauliac, wird bei dieser Matinee-Veranstaltung anwesend sein.

Novena

PAR/NL

2011

Enrique Collar

Juan de Dios Collar

Nach dem Tod der Großmutter kehrt der Regisseur Collar in sein Heimatdorf zurück. Während der neuntägigen katholischen Trauerzeit begleitet er seinen Onkel Juan. Als ältester Bruder seines verstorbenen Vaters wurde er in jungen Jahren unfreiwillig Familienoberhaupt. Alternativen? Keine. Er wollte Dichter und Denker sein, doch damit konnte er die Familie nicht durchbringen. So schmerzlich der Verlust der Mutter ist, er öffnet Juan neue Perspektiven. Warum nicht fortgehen und das ärmliche Leben auf dem Land hinter sich lassen. Neu anfangen, z.B. als Gastarbeiter in Buenos Aires? Collar zeichnet ein bildstarkes Porträt über das bittersüße Gefühl des Abschieds. 1983 malte er sein Bild „Novenario“. Dessen filmische Adaption ist ein feinfühliges fotografisches Meisterwerk mit der Ruhe und Lebendigkeit eines Gemäldes. Enrique Collar, 1964 Paraguay geboren, hat an der Escuela Nacional de Bellas Artes Manuel Belgrano in Buenos Aires studiert. Er ist Maler, Drehbuchautor und Regisseur und produzierte Kurz- und Dokumentarfilme. NOVENA ist sein zweiter Spielfilm, der u.a. 2010 den SICA Award als bester lateinamerikanischer Film in Mar del Plata und 2011 den Preis der Jury beim Babel Film Festival gewann.

El Baño Del Papa - Das große Geschäft

URG

2007

Enrique Fernández

César Troncoso, Virginia Méndez, Virginia Ruiz

Beto lebt mit Frau und Tochter im verschlafenen Melo im Nordosten Uruguays. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit waghalsigen Schmuggeltouren. Eines Tages sagt Papst Johannes Paul II. seinen Besuch an. Das dürfte nicht nur der Seele gut tun, da ist auch ein großes Geschäft zu machen. Fortan haben die Einwohner von Melo nur noch den Deal im Sinn: der riesigen Volksmenge, die den Papst empfangen wird, Sandwichs und Getränke zu verkaufen. Anders Beto: Er überlegt sich, vor seinem Haus ein kostenpflichtiges Klo zu bauen: Mal müssen muss man schließlich immer. Das skurrile Abenteuer des Toilettenbaus beginnt…

Die Vampire des Dr. Dracula

ESP/DEU

1968

Enrique López Eguiluz

Paul Naschy, Manuel Manzaneque, Dyanik Zurakowska, Julian Ugarte

Achtung: Wer hier Dracula sucht, wird enttäuscht. Tatsächlich handelt es sich bei LA MARCA DEL HOMBRE LOBO, so der Originaltitel, um Paul Naschys ersten Auftritt als Wolfsmensch Waldemar Daninsky, gedreht im Hi-Fi Stereo 70mm 3D-Format. Fast 60 Jahre nach ihrer Entstehung ist diese seltene Perle des europäischen Horrorfilms nun endlich wieder in 3D zu bestaunen, wenn auch nur in der kürzeren US-Fassung.

Daninsky, ein polnischer Graf, wird bei der Jagd auf einen wiedererweckten Werwolf von der Bestie gebissen und verfällt dadurch selbst dem Fluch der Lykanthropie. Auf der Suche nach einer Heilung wendet er sich verzweifelt an den Spezialisten Dr. Mikhelov und seine Frau. Diese sind in Wirklichkeit jedoch zwei Vampire und verfolgen ihre eigenen düsteren Absichten. Daninskys einzige Chance im Kampf gegen die Blutsauger: den Werwolf in sich selbst zu entfesseln…

A Symphony of Noise – Matthew Herbert’s Revolution

DEU

2001

Enrique Sánchez Lansch

Das Geräusch eines Zahns, der gezogen wird, Geburt und Aufzucht eines Schweins, eine Schwimmerin, der den Ärmelkanal durchquert. Was hört ein Baum im Wald? Wie klingt es, wenn man eine Trompete frittiert – und was sagt das über den Brexit aus? Matthew Herbert, Electronic-DJ und -produzent, erforscht, wie die Welt klingt – und wie man aus Alltag Klänge, aus Klängen Musik machen kann. Ein Film darüber, wie Musik erweitert und ganz neu erlebt werden kann. Beispielsweise in einem Geräusch-Konzert im Berghain – eine reichlich fantastische Erfahrung!

Pol Pot Dancing

DEU/NOR

101

Enrique Sánchez Lansch

Dokumentarfilm

Vom Tänzer zum Diktator: Im Königspalast von Kambodscha zog die Startänzerin Chea Samy liebevoll den kleinen Bruder ihres Mannes auf, als wäre er ihr eigener Sohn. Erst Jahrzehnte später, als Zwangsarbeiterin unter der Herrschaft der Roten Khmer, erfuhr sie, dass ihr Pflegesohn niemand anderes ist als der Diktator Pol Pot. Trotz des Terrors der Roten Khmer, die zwischen 1975 und 1979 rund ein Viertel der kambodschanischen Bevölkerung ermordeten und den klassischen kambodschanischen Tanz fast völlig ausrotteten, überlebte Chea Samy und widmete sich fortan der Ausbildung hunderter traumatisierter junger Mädchen zu Tänzerinnen.

Enrique Sánchez Lanschs Film begibt sich auf eine filmische und tänzerische Spurensuche in das dunkelste Kapitel der Geschichte Kambodschas. Er erzählt den Werdegang Pol Pots über seine Verbindung zum Tanz und zeichnet zugleich das Porträt einer starken Frau, die niemals aufgibt.

Lemon Tree

ISR

2008

Eran Riklis

Hiam Abbass, Tarik Kopty

Salma Zidane lebt in einem kleinen Palästinenserdorf in der Westbank. Als der israelische Verteidigungsminister auf der anderen Seite der „grünen Linie“ ein Haus baut, geraten Selmas Zitronenbäume ins Visier der Personenschützer. Die Bäume könnten Terroristen verbergen. Auf jeden Fall stehen sie den Sicherheitsbedürfnissen des Ministers im Weg. Aber die Bäume sind auch Salmas Familiengeschichte. Also wird sie kämpfen – und zwar bald nicht mehr allein: Die Frau des erteidigungsministers, seit dem politischen Aufstieg ihres Mannes immer einsamer und unglücklicher, fühlt sich, je länger der ungleiche Kampf zwischen ihrem Mann und der Nachbarin andauert, immer stärker zu Salma hingezogen. Ein unsichtbares Band verbindet die beiden Frauen, und dieses wird den Minister bald noch mehr stören als die Bäume!

Vulcan Junction

IL

1999

Eran Riklis

Oren Shabo, Tomer Sharon, Yael Hadar

Neun Tage im Leben von sechs jungen Israelis, die vor Entscheidungen mit großer Tragweite stehen. Die letzten neun Tage vor dem 6. Oktober 1973, an dem Syrien und Ägypten Israel den Krieg erklärten. Michael und Danny sind die Bandleader der Rockgruppe „Genetic Code“ und träumen davon, mit ihrer Musik die Welt zu erobern. Vorläufig beschränkt sich ihre Berühmtheit jedoch auf die kleine Kneipe „Vulcan Junction“. Dieses Lokal atmet den Geist seines Besitzers Jimmy, eines amerikanischen Juden, Vietnam-Veteranen und alt gewordenen Rockers, der sich hier am Ende seiner wilden Jahre niedergelassen hat. Dalia träumt von einem Aufbruch nach Tel Aviv, wo sie für eine linke politische Wochenzeitung arbeiten möchte. Vorläufig jedoch hat sie Beziehungsstress mit ihrem Freund Avi, einem begnadeten Fußballer, der im Begriff steht zu Ajax Amsterdam zu wechseln. Neun Tage, sechs Menschen, Rock’n Roll: VULCAN JUNCTION untersucht die Naivität, Unschuld und Ahnungslosigkeit des Israels von 1973, die mit dem Überraschungsangriff der arabischen Nachbarn wie eine Seifenblase platzte.

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