Filmarchiv

Lust zu stöbern? Hier finden Sie Filme, die seit Januar 2001 im Cinema Quadrat gezeigt wurden.

Anansi – Der Traum Von Europa

Deutschland

2002

Fritz Baumann

George Quaye, Naomie Harris

ANANSI erzählt plakativ und subtil, berührend und unterhaltsam die Reise einer Gruppe von Ghanaern und eines Togolesen um die halbe Welt bis nach Deutschland. Die Geschichte von Carla, Kojo und Zaza ist alltäglich. 15.000 Menschen haben im Jahr 2000 versucht, illegal die Straße von Gibraltar zu passieren. Trotzdem erzählt der Film nicht nur vom Elend. Das verhindern das Konzept und die Sachkenntnis von Regisseur Fritz Baumann, der selbst einige Jahre als Entwicklungshelfer gearbeitet hat. Seine Bilder sind dicht und voller Überraschung, er bleibt nah an den Personen, nah an ihrer Sehnsucht, ihrer Stärke, ihrer Angst. Die Helden von ANANSI sind fast alle das, was man bei uns Wirtschaftsflüchtlinge nennt. Müssten nicht gerade die Wirtschaftsflüchtlinge den neoliberalen Globalisierern gefallen? Hochflexibel, risikobereit und immer mobil sind sie der Stoff, aus dem der Westen seine Reserven schöpft. Fast immer sind es auch die mutigsten und intelligentesten, die den riskanten Weg für eine bessere Zukunft nicht scheuen.

Blinde Wut - Fury

USA

1936

Fritz Lang

Spencer Tracy, Silvia Sidney, Bruce Cabot, Walter Brennan

Unterwegs zu seiner Verlobten wird Joe Wilson fälschlich festgenommen unter dem Vorwurf, ein Mädchen entführt zu haben. Alsbald bildet sich ein wütender Lynchmob, der das Gefängnis belagert und schließlich anzündet. Die Verlobte, gerade angekommen, sieht ihren Joe am Zellenfenster inmitten des Feuers. Ein Gerichtsverfahren gegen die Lynchmörder verläuft zunächst im Sande, da sich alle gegenseitig mit Alibis decken. Zudem wurde Joes Leiche nie gefunden. Tatsächlich hat er überlebt – und aus seinem Versteck tut er alles, damit die Teilnehmer des Mobs zum Tode verurteilt werden…
Fritz Lang, einer der größten Regisseure, musste 1933 Deutschland verlassen. BLINDE WUT ist sein erster Hollywoodfilm: Es geht um den Glauben an Gerechtigkeit, die Vorstellung von Zivilisation, den Stolz auf die Heimat, die nur allzu leicht zerstört werden können, weil jeder das Zeug in sich trägt, zum Gewalttäter zu werden.
Einführung: Jost Henze

Der Müde Tod

D

1921

Fritz Lang

Lil Dagover, Bernhard Götzke

Ein junges Mädchen bittet den Tod um das Leben ihres verstorbenen Geliebten. Er führt sie in einen Raum voller Kerzen. Es sind die Lebenslichter der Menschen, die dort brennen und verlöschen, sobald ein Leben zu Ende geht. Drei sind schon weit heruntergebrannt, und wenn es ihr gelingt, nur eines vor dem Verlöschen zu bewahren, erhält sie ihren Geliebten zurück. In drei visionären Episoden – sie spielen an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten im Orient, im Italien der Renaissance und im kaiserlichen China – erlebt sie das Schicksal und Scheitern ihrer Liebe. Erst als sie sich selbst opfert – sie rettet ein Kind aus den Flammen – werden die Liebenden im Tod vereint. Live begleitet vom Tintinambula-Ensemble. Ort: Matthäuskirche MA-Neckarau, Rheingoldstr. 32

M - Eine Stadt sucht einen Mörder

DEU

1931

Fritz Lang

Peter Lorre, Gustaf Gründgens, Otto Wernicke

Ein Kindermörder geht um in der Stadt. Die Presse schürt Angst. Die Stadtbevölkerung gerät mehr und mehr in Panik. Die Polizei fahndet. Und die Unterwelt ist in Aufruhr: Durch diesen perversen Killer werden ihre kriminellen Geschäfte gestört. Und so beginnen auch die Verbrecher, den Serienmörder zu suchen. Fritz Langs Meisterwerk M – EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER ist ein unglaublich spannender Thriller, in dem ein damals noch gänzlich unbekannter Peter Lorre eine fulminante Leistung als getriebener Triebtäter abliefert. Dabei liefert Lang auch ein detailliertes Zeitbild einer aus den Fugen geratenen Gesellschaft – und er nutzt ganz souverän die neue Technik des Tonfilms für seine effektvolle Inszenierung.#
Anschließend Analyse von Dr. Peter Bär

M – Eine Stadt Sucht Einen Mörder

Deutschland

1931

Fritz Lang

Peter Lorre, Ellen Widmann, Inge Landgut, Gustav Gründgens

„Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt der schwarze Mann zu dir…“ Ein Abzählreim, von einem Mädchen aus dem Off gesprochen, führt ohne Umwege zum Thema des Films: Ein Kindermörder versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Groß fällt sein Schatten auf eine Litfasssäule mit Fahndungsplakat, als er erneut ein Kind anspricht. In der Stadt grassieren sich ins Groteske steigernde Verdächtigungen: Jeder könnte der Täter sein. Die Polizei führt immer schärfere Razzien in der kriminellen Unterwelt durch, so dass man dort, um die ständige Überwachung wieder loszuwerden, selbst die Jagd nach dem Mörder aufnimmt. Meisterhaft setzt Lang in seinem ersten Tonfilm die neuen Möglichkeiten ein. Er zeigt keinen einzigen der Morde, ein Motiv aus „Peer Gynt“ genügt ihm, um Thriller-Spannung zu erzeugen. 1931, auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise mit Massenarbeitslosigkeit und politisch-gesellschaftlicher Desorientierung, lieferte das filmische Psychogramm eines Triebtäters einen nicht nur symbolisch zu verstehenden Beitrag zum Soziogramm der Zeit. Die Menschen in diesem Film sind auf unterschiedliche Weise von Angst erfüllt, von Aggressionen bestimmt, zur Gewalt bereit. Mit einem Vortrag von Herrn U. Gaitzsch: „Vom Innenleben eines Menschen und von den Gesetzmäßigkeiten des gesellschaftlichen Lebens“

Metropolis

DEU

1926/27

Fritz Lang

Brigitte Helm, Gustav Fröhlich, Alfred Abel, Rudolf Klein-Rogge

In einer futuristischen Zwei-Klassen-Welt verliebt sich der Sohn des Herrschers in eine Arbeiter-Prophetin und folgt ihr in den Untergrund. Ein Wissenschaftler baut einen „Maschinenmenschen“, der seiner verstorbenen Geliebten gleichen soll. Und alles geht drunter und drüber… „Mittler zwischen Hirn und Händen muss das Herz sein!“ lautet der Sinnspruch dieses Klassikers des Science Fiction- und Stummfilms. Heute als Meilenstein anerkannt, floppte METROPOLIS mit seinen gigantischen Produktionskosten einst gewaltig. Bestehende Kopien wurden seinerzeit gnadenlos vernichtet, lange galten große Teile als verloren. Erst 2010 hatte diese annähernd vollständig restaurierte Fassung der Murnau- Stiftung Premiere, zeitgleich in Frankfurt und Berlin.

Das Testament des Dr. Mabuse

DEU

1933

Fritz Lang.

Rudolf Klein-Rogge, Otto Wernicke, Oscar Beregi, Gustav Diessl, Paul Henckels

Von der Nervenheilanstalt aus schmiedet das Verbrechergenie Dr. Mabuse ununterbrochen Mord- und Terrorpläne. Mittels Telepathie manipuliert er die Menschen in seiner Umgebung und sorgt selbst über seinen Tod hinaus für Angst und Schrecken: Sein Vermächtnis ist ein Testament zur Anleitung für Verbrechen. Kommissar Lohmann steht vor einem Rätsel: Wer gibt Mabuses Anweisungen für sinnlos erscheinende Terrortaten weiter?
Der überaus spannende Thriller wurde unmittelbar nach ihrer Fertigstellung von den Nationalsozialisten verboten. Fritz Langs letzte deutsche Produktion vor dem Exil gilt mit der von Mabuse anvisierten „Herrschaft des Verbrechens“ als meisterhafte Parabel auf die Mechanismen des Machtmissbrauchs und die Hybris menschlichen Herrschaftsstrebens.
Einführung: Dr. Peter Bär

Herr Fuku-Chan von nebenan

JPN/GBR/DEU

2014

Fujita Yosuke.

Miyuki Ôshima, Yoshiyoshi Arakawa

Tatsuo Fukuda alias Fuku-Chan ist 32 Jahre alt, Junggeselle und verdient sein Geld als Anstreicher. In seiner Freizeit lässt er Drachen steigen oder spielt den Seelsorger für seine Nachbarn. Nur mit den Frauen hat er kein glückliches Händchen. Das Date mit seiner Kollegin Shimacchi ist ein einziges Desaster. Als seine Jugendliebe Chiho vor der Tür steht, traut er seinen Augen nicht. Sie will sich bei ihm für einen früheren Schülerstreich entschuldigen, der Fuku-Chan stark traumatisiert hat. Die angehende Fotografin Chiho entdeckt im schüchternen Fuku-Chan ihre Muse… Die männliche Hauptrolle wird gespielt von Miyuki Ôshima, der bekanntesten Komikerin Japans. Nicht nur deshalb war Herr Fuku-Chan Eröffnungsfilm des japanischen Festivals Nippon Connection 2014.
„Süß und skurril, mit perfektem komödiantischen Timing.“ (The Japan Times)

We Can't Go Home Again

JAP

2006

Fujiwara Toshi

Torii Mao, Shimoda Atsushi, Takasawa Kurumi

Junges Japanisches Kino: Fujiwara Toshi erzählt fünf Geschichten über fünf junge Sinnsuchende. Mao fühlt sich als Redakteurin in einem Verlag überfordert. Filmstudent Yushin ist dort ebenfalls beschäftigt, aber nur aushilfsweise. Kurumi ist in einem Sado-Maso-Club tätig, weil sie einmal dachte, dass es ihr Vergnügen bereiten würde. Sie trifft sich mit Masato, der vor dem Examen steht, weshalb Kurumi ihn für einen künftigen Professor hält. Atsushi hat stets eine Polaroid Kamera bei sich und macht ständig Fotos von seinem eigenen Gesicht. „Dieser Film entstand als ‘kollektive Improvisation’ von Laiendarstellern. Die meisten Szenen wurden sorgfältig als ungeschnittene Sequenzen komponiert. Ich wollte die esamte Atmosphäre einfangen, als Bruchstück oder Fragment unserer heutigen urbanen Realität, und beobachten, wie wir mit ihr zurechtkommen.“ Fujiwara Toshi (also ab 18 Jahren)

Ghost Night – Notte fantasma

ITA

2022

Fulvio Risuleo

Edoardo Pesce, Yothin Clavenzani

Rom an einem Samstagabend: Der 17-jährige Tarek, Sohn eines ägyptischen Vaters und einer indonesischen Mutter, ist auf dem Weg zu einer Party, in seiner Tasche ein bisschen Gras. Auf der menschenleeren Straße wird er von einer Zivilstreife angehalten. Statt es bei einer Verwarnung zu belassen, nötigt der dubiose Polizist Tarek zum Einsteigen. Doch ist dieser abgehalfterte Typ überhaupt ein Cop? Das diffuse Unbehagen verstärkt sich im Lauf der abenteuerlichen Nacht, bis der Morgen graut und sich die Rollen vielleicht vertauschen könnten.
Eine unfreiwillige nächtliche Spritztour gerät aus der Spur: NOTTE FANTASMA nimmt uns mit auf einen atemlosen Roadtrip zweier Protagonisten, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Der junge Regisseur Fulvio Risuleo war schon 2020 bei Cinema Italia erfolgreich dabei mit der Komödie IL COLPO DEL CANE / DER GANZ GROSSE COUP.
Fulvio Risuleo über seinen Film:
Die Idee zu NOTTE FANTASMA kam mir, als ich mir den Machtmissbrauch eines Polizisten vorstellte, der jemanden, der in flagranti erwischt wurde, dazu zwingt, das zu tun, was er will. Ich denke oft über Macht nach und über die heikle und komplexe Rolle derjenigen, die sie ausüben. Der Schauplatz Rom ist für mich sehr wichtig, und alle Orte habe ich sorgfältig ausgewählt, es sind Orte, die Geschichten erzählen und für mich die Stadt darstellen, in der ich geboren und aufgewachsen bin.

Fulvio Risuleo (*1991 in Rom) fing schon in seiner Jugend an, Comics zu zeichnen und kleine Kurzfilme zu drehen. 2014 schloss er ein Regiestudium am Centro Sperimentale di Cinematografia ab. Sein Kurzfilm VARIACELLA (2015) wurde in Cannes ausgezeichnet. Nach GUARDA IN ALTO (2017) und IL COLPO DEL CANE (DER GANZ GROSSE COUP, 2019) ist NOTTE FANTASMA sein dritter Langfilm, der beim Festival von Venedig uraufgeführt wurde.
Als Zeichner publizierte er drei vielbeachtete Comic-Alben. Sein neuestes Projekt ist die Webserie „The Ziqqurat Case“.
Weitere Infos: https://www.cinema-italia.net/filme.php?selectedday=37&selectedfilm=6
Mit anschließendem Filmgespräch in Kooperation mit dem Romanischen Seminar der Universität Mannheim

Il colpo del cane - Der ganz große Coup

ITA

2019

Fulvio Risuleo

Edoardo Pesce, Silvia D’Amico, Daphne Scoccia, Anna Bonaiuto

Warum nicht mal Dogsitter spielen? Die beiden Freundinnen Rana und Marti sind pleite und passen am Wochenende auf Ugo auf, den Lieblingshund einer reichen alten Dame. Beim ersten Spaziergang mit Ugo im Park taucht ein junger Mann auf, der sich als Tierarzt vorstellt und zufällig ein Weibchen der gleichen Rasse besitzt. Er überredet die Mädchen zu einem kleinen Zusatzgeschäft. Keine gute Idee. Denn plötzlich wird Ugo gekidnappt und eine abenteuerliche Verfolgungsjagd beginnt. Werden Rana und Marti das kostbare Tier wiederfinden? Und wer steckt eigentlich hinter dem seltsamen Tierarzt Dr. Mopsi?
Eine rasante Komödie voller haarsträubender Situationen mit Kultpotential, die jede Menge Überraschungen bereit hält. Überzeugend eingefangen ist auch die ganz eigene Welt der römischen Vorstädte, die selten zu Kino-Ehren kommt.

Ichi - Die Blinde Schwertkämpferin

JAP

2008

Fumihiko Sori

Haruka Ayase, Takao Osawa

Die blinde Wandermusikantin Ichi begibt sich auf die Suche nach ihrer Vergangenheit. Ihre einzigen Begleiter sind ihr Schwert und ihre Einsamkeit. Schweigsam, stolz und kompromisslos begegnet sie allem, was sich ihr in den Weg stellt. Als sie Toma, einem traumatisierten Samurai, der nicht kämpfen kann, eher unfreiwillig das Leben rettet, erledigt sie von da an seine Samuraipflichten. Für Ichi, die die Grenzen zwischen Licht und Schatten, Leben und Tod und Freund und Feind bisher weder sehen noch spüren konnte, beginnt damit die Reise zu ihrem Innersten. Zatoichi, der blinde Schwertkämpfer auf Suche nach Gerechtigkeit, ist der wohl berühmteste Samurai-Charakter der japanischen Film- und TV-Geschichte. Bislang wurde die Figur lediglich von zwei Schauspielern verkörpert: Shintaro Katsu und Takeshi Kitano. Regisseur Sori revolutioniert mit ICHI den Mythos: Er besetzt in seinem humorvollen Drama die Rolle erstmals mit einer Frau, dem japanischen Jungstar Haruka Ayase. Die eleganten und starken Bilder sind untermalt von dem eindringlichen Soundtrack der australischen Musikerin Lisa Gerrard (Dead Can Dance).

Abwege

DEU

1928

G. W. Pabst

Brigitte Helm, Gustav Diessl, Hertha von Walther, Jack Trevor, Fritz Odemar

Rechtsanwalt Beck scheint mehr mit der Arbeit als mit seiner Frau Irene verheiratet. Ihr Versuch, mit ihrem Verehrer, einem Kunstmaler, ihrem langweiligen Leben entfliehen, wird vereitelt. Nach einer rauschenden Nacht im Tanzlokal tritt erneut Ernüchterung ein. Ein weiterer Flirt mit einem Boxer leitet schließlich die Ehescheidung ein…

Eine Geschichte einer Ehe, eine Geschichte von Vernachlässigung, von Männern, die sich wegducken, eine Geschichte von einer Frau, die mehr sein will als die Frau zuhause: Pabst inszeniert mit ABWEGE ruhig beobachtend eine Ehekrise, ohne moralisch zu verurteilen. Und führt mitten hinein in die „Goldenen Zwanziger“, mit pulsierendem Nachtleben und modernen (und modischen) Frauenfiguren.

Einführung: Harald Mühlbeyer

Stummfilm mit Livemusik von Alexandra Lehmler (Saxophon) und Apollonio Malello (Klavier)

Eintritt: 15 € regulär/ 12 € ermäßigt / 10 € Mitglieder

Tagebuch einer Verlorenen

DEU

1929

G. W. Pabst

Louise Brooks, Josef Rovenský, Fritz Rasp, Valeska Gert

Am Tag ihrer Konfirmationsfeier wird Thymian vom Gehilfen ihres Vaters, einem Apotheker, vergewaltigt und geschwängert. Nach Geburt ihres Kindes kommt sie ins Heim, wo ein grausam-sadistisches Regiment herrscht. Mithilfe des mittellosen Grafen Osdorff, einem Playboy, gelingt die Flucht, sie landet in einem Bordell der Großstadt. In diese neue Umgebung lebt sie sich schnell ein – doch dann stirbt ihr Vater. Durch das Erbe reich geworden, gerät sie in die Kreise des höheren Adels…

Die Verfilmung eines kolportagehaften Bestsellers wird durch Georg Wilhelm Pabsts Inszenierungskunst zu einem faszinierenden Filmklassiker: Beeindruckend fotografiert, erzählt er von sozialen Abgründen und gesellschaftlicher Doppelmoral. Louise Brooks, nach DIE BÜCHSE DER PANDORA aus demselben Jahr zum zweiten Mal unter Pabsts Regie zu sehen, offenbart sich erneut als eine der ikonischen Darstellerinnen der Filmgeschichte, die ganz tief fällt und sich nicht unterkriegen lässt.

Ein Film aus dem Bestand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung (www.murnau-stiftung.de) in Wiesbaden.

Das geht nur langsam

DEU

2011

Gabi Heleen Bollinger

Wer kennt heute noch den Namen Otto Freundlich (1878 – 1943)? Dabei hat der Bildhauer und Maler einen besonderen Gedanken in die Welt gesetzt: Er plante eine „Straße der Skulpturen Paris-Moskau“, die die Völker Europas in Frieden und Solidarität miteinander verbinden sollte. Otto Freundlichs Werke sind einem hohen humanistischen Ziel verpfl ichtet, war er doch der Meinung, dass die Kunst dazu beitragen könne, die bestehenden Gesellschaften zu verbessern. Gabi H. Bollinger hat sich intensiv mit dem Leben und Werk von Freundlich auseinandergesetzt und einen beeindruckenden Dokumentarfilm geschaffen. In der Sonderausstellung „NUR SKULPTUR!“ ist die Bronzeplastik „Sculpture architecturale“ (1934 – 35) von Otto Freundlich zu sehen, die Stefanie Patruno vorstellen wird. Im Anschluss an den Film freuen wir uns auf das Filmgespräch mit der Regisseurin. Veranstaltungsort: Kunsthalle

Nachtlied Des Hundes

UN

1983

Gábor Bódy

Gábor Bódy, András Fekete, János Derzsi, Marietta Méhes

Mitten in der Nacht steigen zwei Passagiere aus einem Überlandbus: ein Pfarrer, der im Begriff ist, sein neues Amt in der Landgemeinde anzutreten, und ein junger Astrophysiker. Er arbeitet in der Nähe des Ortes am Observatorium. Wenige Schritte von der Haltestelle finden die beiden einen Mann im Straßengraben. Er hat offensichtlich versucht, sich das Leben zu nehmen. Während des Volksaufstandes 1956 ist auf ihn geschossen worden. Seitdem sitzt der kommunistische Veteran im Rollstuhl. Seines Daseins schon lange überdrüssig, wehrt er sich vehement gegen seine Rettung. Aber nach dem Amtsantritt des Pfarrers ändert sich einiges im Dorf. Der Priester schließt Freundschaft mit dem Rollstuhlfahrer und gibt auch einer jungen, lungenkranken Frau neue Hoffnung. Die frustrierte Ehefrau eines Offiziers verlässt ihren Mann, um in Budapest in einer Punkband zu singen. Ihr Sohn, den sie im Dorf zurückließ, verbringt viele Stunden mit dem Astrophysiker. Von einem deutschen Touristen bekommt das Kind eine Super-8-Kamera geschenkt und filmt damit seine Erlebnisse. Bald gibt es Gerüchte, dass der Pfarrer ein Hochstapler sein könnte…

Aus unerfindlichen Gründen

HUN

2014

Gábor Reisz

Áron Ferenczik, Miklós Horváth

Áron, ein absoluter Durchschnittstyp, findet trotz seines abgeschlossenen Studiums keinen Job in Budapest und wird dann auch noch von seiner Freundin verlassen. Alle anderen haben ein Leben. Er stattdessen hat Eltern, die ihn herumkommandieren, Freunde mit denen er immer noch abhängt als sei er 14, Saisonjobs fürs Taschengeld. Als er dreißig wird und etwas tiefer ins Glas schaut, wacht er schließlich mit einem Ticket nach Lissabon in der Hand auf. Ab da ändert sich einiges… Ein ebenso frecher wie verspielter Debütfilm, dessen Ideen vielfach die Grenze zum Absurden und Surrealen überschreiten. Der Film endet mit einem der originellsten und zugleich hoffnungsvollsten Abspänne, die seit langem zu sehen waren.
Die ungarische Komödie erhielt beim Torino Film Festival unter anderem den Jury Preis und den Publikumspreis und beim Sofia Film Festival den Preis für die Beste Regie. Cool.

Eine Erklärung für alles

HUN/SVK

2023

Gábor Reisz

Gáspár Adonyi-Walsh, István Znamenák, András Rusznák, Rebeka Hatházi

Für den 18jährigen Ábel endet die Abschlussprüfung in einem völligen Desaster. Vielleicht war die Liebe zu Janka stärker als sein Lerneifer? Oder hat ihn der Geschichtslehrer durchfallen lassen, weil er einen Ungarn-Anstecker getragen hat? Diese Variante, dass der Lehrer Ábel wegen seiner nationalen Gesinnung hat scheitern lassen, erscheint seinem Vater jedenfalls glaubhaft. Die misslungene Abiturprüfung wird zum landesweiten Skandal. Denn wenn es der rechtspopulistischen Regierung hilft, kann alles instrumentalisiert werden.

Rechte Politik hat Konjunktur, in Ungarn, in Europa, weltweit – Gábor Reisz’ vielfach ausgezeichnete Politsatire ist das bissige und vielschichtige Abbild eines gesellschaftlich gespaltenen Ungarns und ein Lehrstück über den stetig wachsenden Populismus in Europa. „Verblüffend, entlarvend, ungeniert, voll spritziger Dialoge.“ (uncut.at)

Hauptpreis der Sektion Orizzonti in Venedig!

Diamantino

PRT/FRA/BRA

2019

Gabriel Abrantes, Daniel Schmidt

Carloto Cotta, Carla Maciel, Anabela Moreira, Margarida Moreira

Die Angst des Torschützen beim Elfmeter ist wie weggeblasen, wenn er nur Ball, Tor und eine rosafarbene Traumwelt mit puschligen Riesenwelpen sieht. Diamantino ist ein Kind im Körper eines Fußballgottes, und er kann sich spielend ins magische Torschussland versetzen – bis er Bilder von ertrunkenen Flüchtlingen sieht und in der Folge den entscheidenden Elfer verschießt. Während eine (lesbische) Steuerfahnderin als Flüchtlingsjunge verkleidet undercover Diamantino beschattet, gerät dieser durch seine teuflischen Zwillingsschwestern unter den Einfluss von Neofaschisten und genetischer Geschlechtsmanipulation – und der Film, der irre beginnt, entwickelt sich zum unvergesslichen Erlebnis zwischen Einblicken in den Kopf dieses Beinahe-Ronaldo, politischer Satire und queerem Karneval.
Hauptpreis in der Cannes-Reihe „Semaine de la Critique“

Como ganar enemigos – Wie man sich Feinde macht

ARG

2014

Gabriel Lichtmann

Javier Drolas, Fabian Arenillas

Der Anwalt Lucas ist ein sympathischer und fleißiger Mann, kommt aber, weil er ziemlich introvertiert ist, nicht so richtig voran im Leben. Sein älterer Bruder Max, ebenfalls Jurist, ist ihm immer einen Schritt voraus, ist erfolgreicher, eloquenter und souveräner – aber eben auch ein ziemlicher Angeber und kein Feingeist wie Lucas. Als Lucas von einer abendlichen Damenbekanntschaft bestohlen wird, beginnt er zu ermitteln. Er kann sich nicht vorstellen, dass Barbara tatsächlich hinter dieser Tat steckt. Da entdeckt er in der eigenen Familie Abgründe…

Monatsprogramme PDF

Open Air

[ti_openair]
WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner