Mit ‚Heimatfilm‘ assoziieren viele vorrangig knall-bunte, eskapistische, alte und altmodische Filme voller idyllischer Natur-Landschaften, schicksalhafter Liebe, überschwänglicher Lieder, quirliger Menschen in opulenter Trachtenkleidung und viel saftig-grünem Gras, das über die deutsche Geschichte wächst. Der Heimatfilm gilt als das ‚deutsche‘ Genre par excellence und ist zugleich gerade in Deutschland in höchstem Maße verpönt und als anachronistisch verrufen. Allerdings floriert der Heimatfilm seit Jahrzehnten im deutschen Fernsehen, vor allem im föderalen System und durch die betonte Regionalität der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.
Im Kino wiederum finden sich unter den deutschen Gegenwartsfilmen etliche beeindruckende, jedoch eher experimentelle Modernisierungen des Heimatfilms wie beispielsweise Heimat-Western wie DAS FINSTERE TAL (2014), Heimat-Horror wie SCHLAF (2020), Heimat-Noir wie TRASH DETECTIVE (2015), Heimat-Science-Fiction wie DIE FARBE (2010), feministische Heimatfilme wie NIEMAND IST BEI DEN KÄLBERN (2021) oder queere Heimatfilme wie JONATHAN (2016).
Der Vortrag wird seinen Blick weit schweifen lassen durch die letzten Jahre deutscher Filmproduktionen, um den vielseitigen Versuchen nachzuspüren, Heimat und Heimatfilm im deutschen Gegenwartsfilm neu auszuhandeln.
Prof. Dr. Peter Scheinpflug studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Germanistik und Soziologie an der Universität zu Köln und an der Washington University in Saint Louis (USA). 2013 wurde er in Köln im Fach Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft mit der Arbeit „Formelkino. Medienwissenschaftliche Perspektiven auf die Genre-Theorie und den Giallo“ (2014) promoviert. 2025 habilitierte er sich im Fach Medienwissenschaft mit der Habilitationsschrift „Medien begreifen. Eine medienanthropologische Theorie der Taktilität“.
Von 2010 bis 2023 forschte und lehrte Peter Scheinpflug am Institut für Medienkultur und Theater der Universität zu Köln u.a. zur Filmgeschichte, zu Digitalkultur, zur Populärkultur, zu Genres und zu Gender Studies. 2023 ging Peter Scheinpflug nach Mannheim ans Seminar für Deutsche Philologie, um seine Forschung zum Neuen deutschen Genrefilm, zum deutschen Gegenwartsfilm und zur Geschichte des deutschen Genrefilms zu intensivieren. Seit April 2026 hat Peter Scheinpflug zudem die Professur für Medienwissenschaft an der internationalen Filmschule Köln inne.
Peter Scheinpflug hat u.a. zur Geschichte des deutschen Films und Fernsehens, zum deutschen Genrefilm, zur Genretheorie, zu Praktiken und Interdiskursen der Digitalkultur, zu Touchscreens, zu Christoph Schlingensief, zu Weihnachtsfilmen, zu Comics und zu Filmklassikern u.a. von Fritz Lang, Ingmar Bergman, Miloš Forman, Lina Wertmüller und Wong Kar-wai publiziert.