Das 40. Mannheimer Filmsymposium behandelt das Thema „Filmische Blicke auf Heimat“.

Fiktional und dokumentarisch, politisches Drama und verzweifelte Komödie, autobiografischer Essay und lustvolles Musical: Regisseurin Narges Shahid Kalhor will das „Shahid“ (= Märtyrer) aus ihrem Familiennamen streichen lassen. Die Mission „Namensänderung“ führt sie in die deutsche Bürokratie, wenn das Kreisverwaltungsreferat sie zum Psychologen schickt, und in die eigene Familiengeschichte, wenn der iranische, vor 100 Jahren als Held verstorbene Urgroßvater sie mit seinen tanzenden Kumpels umschwirrt. Und immer wieder verhandelt die Filmemacherin mit ihrem Darsteller*innen deren Rollen, und sie kommentiert aus den Kulissen ihren eigenen (Irr-)Weg. „Ernst, politisch und gleichzeitig urkomisch“ (NDR), „witzige, bilderreiche Autofiktion und persönliche Selbstermächtigung im Exil, die mit jeglicher Form von radikaler Ideologie abrechnet.“ (Süddeutsche Zeitung).
Mehrfach ausgezeichnet, unter anderem auf der Berlinale mit dem vom Bundesverband kommunale Filmarbeit gestifteten Caligari-Filmpreis.
Mit Einführung durch Regisseurin Narges Kalhor
Im Anschluss als Teil des Symposiumsprogramms: Filmgespräch mit der Regisseurin

Hein kehrt zurück in sein Heimatdorf, eine Siedlung in den Dünen auf einer abgelegenen Nordseeinsel, wo allem vom und für den Fischfang leben. Die Dorfgemeinschaft aber erkennt ihn nicht wieder. Selbst sein Kindheitsfreund Friedemann distanziert sich von ihm, obwohl sie einst unzertrennlich waren. Hein muss vor einem Dorftribunal beweisen, dass er er selbst ist. Und muss sich den Umständen stellen, deretwegen er einst das Dorf verlassen hat.
Wie kann man seine eigene Identität beweisen? Wie bringt man unterschiedliche Wahrnehmungen und Erinnerungen zusammen? Und was, wenn jemand lügt? In seinem souverän erzählten Debütfilm verwendet Kai Stänicke einen effektiven Trick: Er erzählt nicht realistisch, sondern baut das Dorf aus Einrichtungsgegenständen ohne Fassaden – ein Illusionsbruch, der die Unbehaustheit unterstreicht.
Mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Jurypreis des Teddy-Awards der Berlinale.
Mit Einführung durch Regisseur Kai Stänicke
Im Anschluss als Teil des Symposiumsprogramms: Filmgespräch mit dem Regisseur

Ein Vierseithof in der Altmark – die Gebäude atmen seit einem Jahrhundert das Leben der Menschen, die hier wohnen. Der Film erzählt von vier Frauen aus unterschiedlichen Epochen – Alma (1910er), Erika (1940er), Angelika (1980er) und Nelly (2020er) –, deren Leben auf geradezu unheimliche Weise miteinander verwoben sind. Während sie ihre eigene Gegenwart durchstreifen, offenbaren sich ihnen Spuren der Vergangenheit: unausgesprochene Ängste, verdrängte Traumata, verschüttete Geheimnisse.
Mascha Schilinski erzählt von den ineinandergreifenden Zeiten dieses Ortes – ein Film, der die feinsten Verzweigungen der Gefühlswelten dieser Frauen durchdringt: „Zeigt eindrucksvoll, was Kino sein kann. Die Sensation von Cannes.“ (Die Zeit) – „Ein Jahrhundertfilm“ (filmstarts.de) – „Ein Meisterwerk, ein Solitär des Kinos“. (kino-zeit.de)
Unter anderem ausgezeichnet mit dem Preis der Jury in Cannes und mit zehn Deutschen Filmpreisen.
Einführung: Peter Scheinpflug

Nach dem Weltkrieg kehrt der junge Paul Simon 1919 aus der Kriegsgefangenschaft zurück zu seiner Familie nach Schabbach. In den folgenden Jahren verliert er seine große Liebe, heiratet anderweitig, Verbrechen geschehen, Juden werden verfolgt – ist die Heimat enger geworden, oder die Sehnsucht größer?
Einführung: Christiane Schleindl

Nach längerer Zeit kehrt der 20jährige Abram zurück in sein niederbayrisches Heimatdorf; er habe in der Stadt gearbeitet, erklärt die Mutter, doch bald kommen Gerüchte auf, dass Abram im Gefängnis war, wegen homosexueller Betätigung nach § 175. Er wird ausgegrenzt und angefeindet – wie auch die anderen Außenseiter, die nicht zur Mehrheitsgesellschaft des Dorfes gehören, etwa eine Witwe mit behindertem Sohn, Langhaarige oder Gastarbeiter oder ein Dienstmädchen, das als „Dorfhure“ verschrien ist. Allmählich steigern sich die Dorfbewohner in blanken Hass gegen Abram hinein.
Das provokante Spielfilmdebüt von Peter Fleischmann, das auf einem Theaterstück seines Hauptdarstellers Martin Sperr beruht, erzählt in möglichst authentischer Inszenierung vom engstirnigen Konzept der „Andersartigkeit“. „Vielleicht der erste wirklich deutsche Film seit Kriegsende, nicht weil es ein Film über Deutschland wäre oder über typisch deutsche Verhaltensweisen: Rassismus, Faschismus, irrationale Ausgrenzungen gibt es überall; sondern weil er tief verwurzelt ist in seinem Land, seiner Kultur, seinem Alltag.“ (Cahiers de Cinema)
Einfühung: Ralf Michael Fischer