Psychoanalytiker*innen aus der Region beleuchten einzelne Filme renommierter Regisseurinnen und Regisseure und reflektieren dabei Themen, Motive und Strukturen unter der Oberfläche der filmischen Erzählung. Die Referent*innen stellen ihre Sichtweisen zur Diskussion und treten mit dem Publikum in einen Dialog.
Filmvorstellungen dieser Reihe gibt es monatlich von September bis März.
Unser Dank geht an Dr. Gerhard Schneider für die Konzeption und die Filmauswahl in Kooperation mit den Referent*innen.
Zwei Zauberkünstler im viktorianischen London liefern sich eine verbissene Fehde. Die Rivalität gipfelt in Intrige, Sabotage und Verrat rund um einen Teleportationstrick, den sowohl Magier Alfred Borden als auch, in verbesserter Version, Magier Robert Angier im Repertoire haben – Tricks, die nicht nur spektakulär und waghalsig sind, sondern auch tödlich.
Christopher Nolan verbindet den dramatischen Konkurrenzkampf mit psychologischem Drama und Fantasymotiven und zeigt eine Rivalität, die sich zur Besessenheit auswächst. „Einer der innovativsten, überraschendsten und spannendsten Arthouse-Filme des letzten Jahrzehnts.“ (USA Today)
Referent: Timo Storck, Heidelberg

Hans-Christian Schmid fokussiert seinen Film mit unsentimentaler Nüchternheit auf die Situation von Kind und Frau des Entführten: Passiv im Ausnahmezustand müssen sie in einem Zustand völliger Ungewissheit ausharren. „Einer der spektakulärsten deutschen Kriminalfälle – mal aus anderer Perspektive. (…) Durch den Blick von Frau und Sohn wird das Leid der Angehörigen spürbar.“ (filmstarts.de)
Referent: Michael Gingelmaier, Bruchsal

Algier, 1938: Mersault wird ins Gefängnis gesperrt. Er hat einen Araber getötet. Rückblenden zeigen die Zeit vor der Tat: die Eintönigkeit des Angestelltendaseins; die Beerdigung der Mutter, die er ohne Gefühlsregung absolviert; die Affäre mit einer früheren Kollegin; die Komplizenschaft mit seinem Nachbarn, einem gewalttätigen Zuhälter. Und den Strandspaziergang, die Begegnung mit zwei arabischen Männern, die zu einer Auseinandersetzung führt…
François Ozon verfilmt den philosophisch-absurdistischen Roman von Albert Camus in betörenden Schwarz-Weiß-Bildern und zeigt die distanzierte Emotionslosigkeit seines Protagonisten als eine bewusste Abkehr von einer Welt, der er sich nicht angehörig fühlt. „Ozon ist das Kunststück geglückt, einen beseelten Film über eine vermeintlich seelenlose Figur zu drehen und über deren eingeschränkte Weltsicht hinauszublicken. Er ergänzt die Ich-Perspektive des Romans um die Möglichkeiten der Filmkunst, Ambivalenzen einzufangen und vieles zugleich zu sein.“ (kino-zeit.de)
Referentin: Brigitte Pahlke, Bensheim

Als der Automechaniker Vahid dieses charakteristische Quietschen hört, ist er sicher: Es gehört zur Beinprothese des Folterknechts, der ihn im Gefängnis misshandelt hat. Vahid entführt seinen Peiniger – oder handelt es sich doch nur um einen Kunden seiner Werkstatt? Er versammelt frühere Mitgefangene um sich, ein Brautpaar ist auch mit dabei: Das spontan zusammengestellte Tribunal soll über das weitere Schicksal ihres Gefangenen urteilen.
Jafar Panahi gehört zu den bekanntesten und wichtigsten iranischen Regisseuren: Er lässt einen kleinen Unfall eskalieren zum moralischen Drama um Vergeltung, Gerechtigkeit, Schuld – und er lässt komödiantische Momente einfließen, die die Kritik am iranischen Terrorstaat noch verstärken. Er drehte seinen Film heimlich im Iran – und gewann in Cannes die Goldene Palme.
Referentin: Soheila Kiani-Dorff, Offenbach

Vom 15. bis 17. Januar 2027 findet das 27. Mannheimer Filmseminar „Im Dialog: Psychoanalyse und Filmtheorie“ statt. Thema ist der Regisseur Wim Wenders.
Am Sonntag, 10. Januar 2027, gibt es einen Wim Wenders-Film als Vorblick auf das Seminar.
Informationen und Anmeldung: www.cinema-quadrat.de/filmseminar

Eine Stimme aus der Sprechanlage der Haustüre: „Dick Laurent is dead!“ Ein Videoband, das das eigene Haus von außen zeigt. Ein Videoband, das das Innere des Hauses zeigt. Das Ehepaar Fred und Renée, das sich misstrauisch beäugt. Ein Mystery Man, der auf einer Party Fred gegenüber behauptet, in diesem Moment bei ihm zuhause zu sein. Der Mord an Renée, Fred in der Gefängniszelle – und am nächsten Morgen ist er in Pete verwandelt… Unbegreifliches in (alp)traumartigen Szenarien: Willkommen im Lynch-Universum, in das LOST HIGHWAY mitten hineinführt. Film-Noir-Genreelemente, Parallelitäten, Aufspaltungen irgendwo zwischen Déjà vu und Schizophrenie: „Es geht nicht um Verwirrung, sondern darum, das Geheimnis zu fühlen“, meint Lynch: „Jemand sagte mal: ‚Mystery ist gut, Verwirrung ist schlecht, und es gibt einen großen Unterschied zwischen beidem.‘“
Referent: Stefan Hinz, Wilhelmsfeld

Der Lebensweg des armenischen Musikers Sayat Nova aus dem 18. Jahrhundert bildet die Grundlage für die acht Kapitel des Films, die sich aus surrealistischen Tableaus und einer eindrucksvollen Symbiose aus Bild und Ton bestehen: Symbolische Bilder dringen tief ein in die christlich-orientalische Kultur Armeniens – es geht weniger um die konkrete Biografie von Sayat Nova als um das Eintauchen in die Bildwelten seiner Lyrik. Der Film gilt als eines der großen Meisterwerke des poetischen Kinos: „Der kühnste, seltsamste, erstaunlichste Film, der – neben Tarkowskis DER SPIEGEL“ – in jenen Jahren in der Sowjetunion entstanden ist.“ (Der Spiegel)
Referentin: Uta Höninger, Freiburg

Ein Dorf im England des 16. Jahrhunderts: Anstatt im elterlichen Hof mitzuhelfen, verbringt Agnes ihre Zeit im Wald; anstatt Lateinunterricht zu geben, beschäftigt sich Will mit Schreiben. Die beiden lieben sich, heiraten gegen den Willen ihrer Eltern, bekommen Kinder. Will arbeitet in London, als die Pest wütet. Sohn Hamnet stirbt…
Ein Film über Liebe, Beziehung, Familie, Trauer, Kunst – ein Film über Anne/Agnes Hathaway, Ehefrau von William Shakespeare, die angesichts des Stückes „Hamlet“ erkennen muss, dass ihr abwesender Ehemann den Verlust des Sohnes auf ganz eigene Weise verarbeitet. „Jessie Buckley erschafft eine Kinofigur für die Ewigkeit – Chloé Zhao malt Tableaus im Stile alter niederländischer Meister – HAMNET wendet sich mit maximaler Wirkung an Herz und Hirn. Mit einem Wort: Kinomeisterwerk.“ (epd Film)
Referentin: Christa Hack, Mainz