Film ist Kunst. Und kann als Kunst von Kunst erzählen, kann Kunst dokumentieren, kann Kunst (be)greifbar machen. Der Film und die Bildende Kunst befruchten sich schon immer gegenseitig, und schon immer können beide Kunstgattungen voneinander profitieren. Das Kino nimmt Bezug auf die Bildwelten der Kunstgeschichte; und in der zeitgenössischen Kunst ist das Einbeziehen von Fotographie und Film längst selbstverständlich geworden.
Bereits seit 2008 kooperieren Cinema Quadrat und Kunsthalle Mannheim mit der Veranstaltungsreihe „Film & Kunst“. Beide Kultureinrichtungen wählen gemeinsam Filme aus, die sich mit der Kunst, mit dem Leben und Werk von bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten beschäftigen. Im Fokus steht der Dialog zwischen Kunst und Film. Cinema Quadrat und Kunsthalle Mannheim arbeiten die Berührungspunkte zwischen dem künstlerischen Werk der Protagonisten und der filmischen Bearbeitung des Themas heraus.
In Kurzvorträgen vor den Filmvorführungen werden die Verbindungen beider Gattungen deutlich.
Die Malerin Leonora Carrington (1917 – 2011) und ihr phantasiereiches Werk voller spukhafter Traumwesen wird seit einigen Jahren von der Kunstszene wiederentdeckt. Sie nahm schon 1938 an einer epochalen Surrealismus-Ausstellung in Paris teil, doch im kunsthistorischen Gedächtnis verblieben danach eher die Männer, vor allem Salvador Dalí und Max Ernst. Als Tochter einer englischen Fabrikantenfamilie studierte sie Malerei in London. Sie begegnete Max Ernst und lebte mit ihm in Paris und in Südfrankreich. Im Zweiten Weltkrieg führte ihr Weg sie über Lissabon und New York nach Mexiko, wo sie heiratete und bis zu ihrem Tod lebte und arbeitete. In altmeisterlicher Malweise entstand eine ganz eigene Bilderwelt mit fließenden Grenzen zwischen den Geschlechtern, zwischen Traum und Wachzustand, zwischen archaischem Mythos und Alltag. Darin verarbeitete sie auch die traumatisierenden Erlebnisse ihrer zeitweisen Internierung in einer psychiatrischen Anstalt in den 1940er Jahren. Aus rechtlichen Gründen werden im Film leider keine ihrer Bilder gezeigt – doch er macht neugierig auf das Werk einer großen Künstlerin.
Einführung: Nina Pfister, Cinema Quadrat

Er gehört sicher zu den bekanntesten zeitgenössischen Künstlern – denn sein Werk ist zwischen Kitsch, Kunst und Kommerz angesiedelt und sorgt für Amüsement und Skandal. In seinen (teuer gehandelten!) Gemälden und Objekten beschäftigt sich Jeff Koons immer wieder mit Themen wie Unschuld, Schönheit, Sexualität und Glück. Seine Arbeiten sind inhaltlich für jeden Betrachter sofort zugänglich, und seine quietschbunten Hasen, Welpen, Zwerge aus Porzellan, Metall oder Grünpflanzen ziehen die Blicke in jeder Ausstellung ebenso auf sich wie die von ihm dargestellten Berühmtheiten, ob Porno-Star oder Pop-Musiker. Geboren 1955 in einer Kleinstadt in Pennsylvania/USA faszinieren ihn Kunst und Design sehr früh, und seine ersten Arbeiten zeigt er in den Schaufenstern des elterlichen Möbelhauses. Ein Kunststudium und eine zweitweise Anstellung im MoMa New York bestärken Jeff Koons darin, als freischaffender Künstler zu arbeiten. Ab seiner ersten Einzelausstellung 1985 in einer New Yorker Galerie sorgen seine Werke für kontroverse Kritiken. Der Film gibt einen guten Einblick in die spannenden Produktions- und Kommunikationsmethoden des umstrittenen Künstlers.
Einführung: Dr. Dorothee Höfert, Kunsthistorikerin

Der Film beleuchtet das Schicksal des ehemaligen Kaufhausbesitzers und Millionärs Max Emden (1874 – 1940) und das seiner wertvollen Kunstsammlung. Aus einer alteingesessenen jüdischen Kaufmannsfamilie stammend, konvertierte er 1893 zum Christentum. Die Nazis behandelten ihn jedoch als Juden, um sich seine Immobilien in Hamburg und anderen deutschen Städten sowie sein beträchtliches Vermögen anzueignen. Max Emden war gezwungen, auch seine hochwertige Kunstsammlung nach und nach zu veräußern. Ein Teil davon gelangte in die Sammlung des Waffenhändlers E. G. Bührle, die heute in Zürich gezeigt wird und wiederholt zu Kontroversen um die Provenienz vieler Werke geführt hat. Auch in deutschen Museen finden sich ursprünglich enteignete Kunstschätze aus der Emden-Sammlung. Die beratende Kommission für NS-Raubgut plädierte nach jahrelangem Rechtsstreit 2019 für die Rückgabe an seine Erben. Zusammen mit dem Enkel Juan Carlos Emden suchen die Regisseure nach Spuren von Max Emden und seiner Kunstsammlung.
Einführung: Dr. Peter Bär, Cinema Quadrat

Das Fitzwilliam Kunstmuseum in Cambridge/GB besitzt eine große Anzahl von Gemälden und Zeichnungen des französischen Malers Edgar Degas (1834 – 1917). Anlässlich einer dortigen großen Sonderausstellung entstanden, gibt der Film einen guten Überblick über Degas’ künstlerisches Schaffen. Besonders seine mehr als 200 Darstellungen von Ballettszenen, ob bei den Proben oder bei der Aufführung, sind bis heute bekannt und beliebt. Auch in seinen Bronzeplastiken fängt Degas tänzerische Posen und Bewegungen ein, zeigt aber auch die Anstrengungen und Deformationen der Körper, die jahrelang hartem Training ausgesetzt sind.
Aus einer wohlhabenden Familie stammend und finanziell lange Zeit unabhängig, konnte er seinen künstlerischen Interessen und seiner technischen Experimentierfreude ohne Verkaufsdruck nachgehen und ein sorgenfreies Leben in Paris führen. Er war mit vielen Künstlern aus dem Kreis der französischen Impressionisten befreundet, deren Gemälde er auch sammelte.
Der Film ist eine ideale Ergänzung zum Besuch der Mannheimer Kunsthalle-Ausstellung „Tanz!“
Einführung: Christiane Wichmann, Kunsthalle Mannheim

Welche Architekturideen gab es nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs in Deutschland, und wer entwarf staatliche Gebäude und private Häuser? Der Münchner Architekt Franz-Joseph Ruf (1908 – 1982) zum Beispiel war davon überzeugt, dass nur offene Strukturen, luftige Treppenhäuser und viel Glas die Demokratie der jungen BRD repräsentieren könnten. Sep Ruf ist zwar längst nicht so bekannt wie seine Kollegen Gottfried Böhm, Frei Otto oder Hans Scharoun, doch gehört er zu den wichtigsten Protagonisten der deutschen Nachkriegsarchitektur. Er entwarf 1954 den Neubau für die älteste deutsche Kunstakademie in Nürnberg und schaffte 1958 den internationalen Durchbruch durch den Bau des Deutschen Pavillons der Weltausstellung in Brüssel. 1963 erhielt er den Auftrag für den Entwurf des Bonner Kanzler-Bungalows. Filmregisseur Johann Betz gelingt es, mit Blick auf Rufs Bauten sowie Kommentaren von Zeitgenossen, Architekturexperten sowie Bewohnern seiner Häuser die gestalterische Handschrift von Sep Ruf zu verdeutlichen.
Einführung: Nina Pfister, Cinema Quadrat

Die Künstler der Vergangenheit und ihre Modelle – ein Thema, das kunsthistorisch inzwischen gut beleuchtet ist. Besonders wird dabei nach der Situation der vielen weiblichen Modelle gefragt, die oft genug finanziell und häufig auch sexuell ausgebeutet wurden. Im Spielfilm über die Beziehung zwischen dem Maler Pierre Bonnard (1867 – 1947) und seiner späteren Ehefrau Maria Boursin (1869 – 1942), die sich selbst „Marthe“ nannte und ihre tatsächliche Herkunft lange verschleierte, wird diese Frage unter dem Aspekt einer schwierigen Liebesbeziehung und späten Heirat dargestellt. Während Bonnard als ein wichtiger Vertreter der nachimpressionistischen Kunst zu weltweiter Anerkennung gelangte, blieb Boursin (die selbst eine künstlerische Ausbildung hatte und zeitweise malte) vor allem als sein bevorzugtes Modell und jahrzehntelange Lebensgefährtin in Erinnerung. Der Regisseur macht die eigenwillige „Marthe“ zum Sinnbild für die Konflikte von Frauen, die als Modell, als Geliebte und als Ehefrau von Künstlern lebten.
Einführung: Eva-Maria Höllerer, Kunsthalle Mannheim