Das Mannheim Musik Film Festival ist zurück mit Filmen wie auch mit Livemusik im Kinosaal!
Für die neunte Ausgabe haben wir wieder die besten Musikfilme der Saison versammelt, die Musik nicht nur bebildern, sondern filmisch erfahrbar machen: die Anfänge von Led Zeppelin, die kurze Karriere des grandiosen Singer-Songwriters Jeff Buckley, weiblicher Punk in Deutschland und der Schweiz, die kreative Probenarbeit des Ensemble Modern, John Lennon und Yoko Ono in Greenwich Village – und noch einmal das Filmporträt über Hans Reffert von Christiane Schmied und Bernd Köhler.
Kurz: Musik zum Sehen, Filme zum Hören!

John Bonham, Schlagzeug + John Paul Jones, Bass + Jimmy Page, Gitarre + Robert Plant, Gesang = Led Zeppelin? Nein: Led Zeppelin war viel mehr als die Summe seiner Mitglieder. Wie die vier zusammenfanden, wie sie sich musikalisch ergänzten, wie sie sich ab Herbst 1968 aufmachten, die Größten zu werden: BECOMING LED ZEPPELIN zeigt die Ursprünge der Band und ihren Aufstieg im ersten Jahr ihres Bestehens mit einer Unmenge an Archivmaterial und mit ausgedehnten Liveauftritten, mit aktuellen Gesprächen mit den noch lebenden Mitgliedern und mit einem bisher unveröffentlichten Interview mit dem 1980 verstorbenen John Bonham. Die erste autorisierte – und unabhängig produzierte – Filmbiografie über die Gruppe wurde vielfach ausgezeichnet: „Einer der großartigsten Rock-Dokumentarfilme der Neuzeit – ein Regisseur, dem die Musik am wichtigsten war.“ (Variety)
Zur Eröffnung des Mannheim Musik Film Festivals #9 gibt es für alle ein Begrüßungsgetränk!

Eine vier Oktaven umfassende Stimme, eine charismatische Bühnenpräsenz, emotionale, einfühlsame Texte – Jeff Buckley war einer der großen Musiker der 1990er, er bewegt sich zwischen Led Zeppelin, Leonard Cohen, Nina Simone, Grunge und indischer Musik. Sein 1994er-Album „Grace“ gilt als eines der wichtigsten im Bereich Singer-Songwriter / Alternative Rock. Dann starb Jeff Buckley 1997 im Alter von nur 30 Jahren – ein so tragischer wie banaler Badeunfall.
Amy Berg erhielt für ihr filmisches Denkmal umfassenden Zugriff auf Buckleys Nachlass – und in den vielen Archivaufnahmen kommt man dem ausdruckstarken, empfindsamen Musiker wirklich nahe. Eine einzigartige Stimme, die fehlt – und inzwischen über Social Media eine neue Generation begeistert.
Einführung: Georg Spindler, Musikexperte des Mannheimer Morgen

Punk ist Rebellion und Selbstermächtigung – und Ende der 1970er braucht es auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht mehr Ausbildung oder Perfektion, um Musik zu machen. Was zählt, ist der Mut, sich auf die Bühne zu stellen – und das gilt besonders für Frauen: In Düsseldorf gründen sich Östro 430, in West-Berlin Mania D (später Malaria!) und in Zürich Kleenex (später LiLiput). Es geht darum, sich auszudrücken, sich Freiräume zu schaffen, zu rebellieren gegen das Spießertum wie auch gegen die männerdominierte Musikszene. Es geht darum, laut zu sein!
Der Film porträtiert Frauenpunkbands, die noch heute aktiv sind – ein lange vergessener Teil der damaligen Frauenbewegung: Feminismus mit Gitarrenriffs!
Vor dem Film Livemusik im Kinosaal mit dem Mannheimer FLINTA* Punk-Kollektiv!
Entstanden im Rahmen des durch die Berliner Musiktheatergruppe Glanz&Krawall und das Mannheimer Stadtensemble ins Leben gerufene Musikprojekts „Punkakademie“ – inzwischen unabhängig und selbstorganisiert – mit dem Willen, LAUT zu sein!

Zeitgenössische Musik und der kreative Prozess, der hinter den Aufführungen steckt: Der Dokumentarfilm bietet faszinierende Einblicke in die Probenprozesse und Aufführungspraxen des Ensemble Modern, einer der führenden Institutionen der modernen Klassik: Komponist*innen wie Rebecca Saunders, Heiner Goebbels oder Mark Andre sind dabei, wenn aus Ensemble und Dirigent*in die Musik geformt wird. Alle auf Augenhöhe, in Diskussion um den besten Ausdruck, um das richtige Timbre der Instrumente, um die bestmögliche Wirkung der Musik.
Thorsten Schütte (FRANK ZAPPA – EAT THAT QUESTION, 2016) führt auf nahbare Weise hinein in das Erschaffen von Musik; er porträtiert ein innovatives Ensemble, das sich genossenschaftlich selbst verwaltet, und öffnet die Ohren für den Reiz zeitgenössischen musikalischen Ausdrucks.

John Lennon und Yoko Ono in Greenwich Village Anfang der 1970er: ihre Liebe, ihr politisches Engagement, ihre Kunst. Virtuos arrangiert der Film ein Zeitbild zwischen Gegenkultur und Richard Nixon: Mittels Nachrichten und Archivbildern, bisher unveröffentlichten Home Movies und Telefonaten von John Lennon sowie seinem akribisch für den Film nachgebauten Appartement können wir eintauchen in das privat-politische Leben von John und Yoko. Und immer wieder ausführliche Livemitschnitte – ihre beiden legendären Benefizkonzerte vom 30. August 1972 im Madison Square Garden, mitreißend und powerful, waren die einzigen vollen Post-Beatles-Konzert-Performances von Lennon. „Der seltene Rock-Dokumentarfilm, den man sich unbedingt ansehen muss.“ (Variety)

Eine filmische Dokumentation über Hans Reffert: 1946 geboren und im Arbeiter-Stadtteil Ludwigshafen-Oppau aufgewachsen, entwickelte er schon als Kind ein Faible für Comic-Zeichnen und Jazz- und Skiffle-Musik. Er lernte Gitarre beim Ludwigshafener Meistergitarristen Sigi Schwab, studierte parallel Komposition und wurde sehr schnell zu einer prägenden Figur der Kulturszene des Rhein-Neckar-Raums. Legendär sind seine Musikprojekte wie der Rock’n Roll-Zirkus oder das international beachtete Adolf-Wölfli-Programm. Neben den Tourneen mit Guru Guru oder dem Bandprojekt „Sanfte Liebe” galt sein Engagement ab der Jahrtausendwende der Neudefinition politischer Musik durch das „kleine elektronische Weltorchester” (ewo2), zusammen mit Christiane Schmied und Bernd Köhler, den er schon seit Ende der sechziger Jahre bei Konzerten und Auftritten im Rahmen von Streiks oder Konzerten für die damalige Friedensbewegung begleitete, oft in Kooperation mit Musiker*innen aus der Region wie Barbara Lahr, Laurent Leroi oder Christl Marley.
Die Dokumentation zeigt den 2016 viel zu früh Verstorbenen als Ausnahme-Musiker, Komponist, Gitarrist und Sänger sowie Kultur-Organisator und politischen Akteur und bringt Ausschnitte aus Konzerten und Aktionen dieser Zeiten.
Im Anschluss Filmdiskussion mit Christiane Schmied und Bernd Köhler