Ernst Lubitsch – einer der großen Meister der Filmkunst. Und der Komödie: Nach großen Erfolgen im Kino der frühen Weimarer Zeit übersiedelte er 1922 nach Hollywood – und entwickelte dort seinen ganz eigenen Inszenierungsstil. Ausgefeilte Eleganz, wortgewandte Pointierung, raffinierte Andeutungen machen den „Lubitsch Touch“ aus.
In dieser Filmreihe präsentieren wir einige Komödienklassiker als herausragende Beispiele für Lubitschs Spiel mit subtiler Anspielung, anzüglichem Humor und gewitzten Dialogen.
Seit sich die Diebe Lily und Gaston gegenseitig zu bestehlen versucht haben, sind sie ein Paar, privat und beruflich. In Paris habe sie es auf die wohlhabende Witwe Mariette Colet abgesehen: Unter falschem Namen lässt sich Gaston bei ihr als Privatsekretär anstellen, Lily wird seine Assistentin. Sie erfahren von 100.000 Francs, die sich im Privatsafe befinden. Doch Gaston ist Mariette nähergekommen, zögert den geplanten Diebstahl hinaus, zum Ärger von Lily…
Anspielungsreich und anzüglich, ironisch und raffiniert: Nach diesem Film begann man, vom „Lubitsch Touch“ zu reden, um die unverwechselbare Inszenierungsweise des Regisseurs zu charakterisieren. Ein Meisterwerk der Filmgeschichte, und für Lubitsch einer seiner Lieblinge: „Was den reinen Stil angeht, glaube ich, dass ich nichts Besseres oder Gleichwertiges geschaffen habe.“
Einführung: Jost Henze

Die Freunde Tom, Schriftsteller, und George, Maler, verlieben sich beide in die Werbezeichnerin Gilda. Die Männer wollen ihre Freundschaft nicht gefährden (und zusammen Gildas Chef als Rivalen ausschalten), Gilda wiederum sieht keinen Anlass, sich zu entscheiden – und so schließt das Trio ein Gentleman’s Agreement: In einer unkonventionellen Dreiecksbeziehung ziehen sie gemeinsam in eine Pariser Dachgeschosswohnung. Einzige Bedingung: kein Sex.
Mit schlagfertigen Dialogen und eleganter Inszenierung bildet diese Komödie um eine unkonventionelle Ménage à Trois einen weiteren Höhepunkt im Schaffen von Ernst Lubitsch, dem Meister der „sophisticated sexiness“: „‚Witzig, menschlich, fortschrittlich und erstaunlich gut gealtert; gilt wohl nach wie vor als Urtext für die Darstellung von Dreierbeziehungen im Film.“ (The Independent)
Einführung: Peter Bär

Bei Matuschek & Co., einem Laden in Budapest, können sich Alfred Kralik, gestandener Verkaufsveteran, und die neue Kollegin Klara Novak überhaupt nicht ausstehen. Beide schreiben am Feierabend an ihnen unbekannte Briefbekanntschaften und ahnen nicht, mit wem sie es dabei tatsächlich zu tun haben…
Eine großartige Liebeskomödie mit melancholischem Touch: Lubitsch zeichnet fast kammerspielhaft ein Panorama über Menschen aus einfachem Milieu. „Durch die Rückkehr zu einem einfachen europäischen Laden um die Ecke gelang es Lubitsch schließlich, auf der Leinwand das auszudrücken, was ihm im Leben am wichtigsten war: Freundschaft, Arbeit und Liebe.“ (Filmhistoriker Kevin Bahr für die National Film Registry der Library of Congress)
1998 drehte Nora Ephron mit E-M@IL FÜR DICH ein aktualisiertes Remake des Films.
Mit Einführung

1939 in Warschau: Das Ehepaar Tura ist Teil einer Theatergruppe, die ein antifaschistisches Stück aufführen will. Auf Druck der Regierung wird es abgesetzt und stattdessen „Hamlet“ gegeben. Während Joseph Turas Monolog verlässt ein Zuschauer den Saal: Der Bomberpilot Sobinski trifft Maria Tura in ihrer Umkleide. Diese lässt ihren jungen Verehrer jedoch abblitzen. Kurze Zeit darauf marschiert die deutsche Wehrmacht in Polen ein und Sobinski wird nach England berufen. Dort deckt er auf, dass ein Spion mit den Deutschen kollaboriert, um eine Widerstandsgruppe hochgehen zu lassen. Sobinski warnt die Turas, die einen Plan aushecken, der alle ihre schauspielerischen Talente fordert, um den Spion, die Gestapo und schließlich sogar Adolf Hitler in die Irre zu führen – während immer wieder Turas Eifersucht ins Spiel kommt.
Ernst Lubitschs SEIN ODER NICHTSEIN verbindet geschickt Humor und Ernsthaftigkeit, um schon Anfang der 1940er Hitler aufs Korn zu nehmen. Mit seiner raffinierten Wortspielerei und dem feinen Timing bietet der Film scharfe, weitsichtige Politsatire: ein zeitloser Klassiker.
Einführung: Ilona Scheidle