Film kann Bewegung zum Thema machen, Film kann Musik zum Klingen bringen. Film kann Tanz veranschaulichen.
Vom 23. November bis 16. März zeigen wir im Cinema Quadrat eine Reihe mit Tanzfilmen, anlässlich der Ausstellung „Tanz!“ in der Kunsthalle Mannheim.
Die ausgewählten Filme beschäftigen sich fast ausschließlich mit der Arbeit der berühmtesten Choreographen des 20. Jahrhunderts. In ihren Choreographien erfuhr der Tanz in unterschiedlichen Formen die Befreiung von der extremen Stilisierung des 19. Jahrhunderts, so dass ein breites Spektrum der tänzerischen Bewegungsmöglichkeiten aufgefächert wird.
Die Filmreihe wurde in enger Zusammenarbeit mit der Kunsthalle erarbeitet, so dass sie eine wunderbare Ergänzung zum Ausstellungsbesuch darstellt oder gar dazu verführt, Filme und Ausstellung im wiederholten Wechsel zu sehen.
Zu allen Filmen wird es Einführungen geben, in denen auch auf die wechselseitigen Bezüge mit der Ausstellung hingewiesen werden wird.
Die deutsche Tänzerin und Choreografin Pina Bausch ist die Pionierin des modernen Tanztheaters. Wim Wenders‘ mitreißende Hommage zeigt Ausschnitte aus vier von Pina Bauschs Tanztheaterstücken: „Le sacre du printemps“, „Café Müller“, „Kontakthof“ und „Vollmond“, getanzt von Tänzer*innen des Tanztheater Wuppertals, das nach ihr benannt wurde.
Im ersten Abschnitt aus „Le Sacre du Printemps“ soll eine auserwählte Jungfrau dem Frühlingsgott geopfert werden. „Café Müller“ handelt vom Suchen, „Kontakthof“ ist ein generationsübergreifendes Stück, und in „Vollmond“ spielen die Darsteller auf einer mit Wasser überschwemmten Bühne.
Wenders drehte seinen Dokumentarfilm in 3D mit phänomenaler Wirkung, die ein tieferes Eintauchen in das Tanzerlebnis ermöglicht.
PINA gewann den deutschen Filmpreis 2011.
Eröffnung der Reihe „Tanzfilme!“ zur Ausstellung „Tanz!“ der Kunsthalle Mannheim
Mit Begrüßungsgetränk
Einführung: Dr. Peter Bär, Cinema Quadrat

Das Fitzwilliam Kunstmuseum in Cambridge/GB besitzt eine große Anzahl von Gemälden und Zeichnungen des französischen Malers Edgar Degas (1834 – 1917). Anlässlich einer dortigen großen Sonderausstellung entstanden, gibt der Film einen guten Überblick über Degas’ künstlerisches Schaffen. Besonders seine mehr als 200 Darstellungen von Ballettszenen, ob bei den Proben oder bei der Aufführung, sind bis heute bekannt und beliebt. Auch in seinen Bronzeplastiken fängt Degas tänzerische Posen und Bewegungen ein, zeigt aber auch die Anstrengungen und Deformationen der Körper, die jahrelang hartem Training ausgesetzt sind.
Aus einer wohlhabenden Familie stammend und finanziell lange Zeit unabhängig, konnte er seinen künstlerischen Interessen und seiner technischen Experimentierfreude ohne Verkaufsdruck nachgehen und ein sorgenfreies Leben in Paris führen. Er war mit vielen Künstlern aus dem Kreis der französischen Impressionisten befreundet, deren Gemälde er auch sammelte.
Der Film ist Teil der Reihe „Film & Kunst“ wie auch der Reihe „Tanzfilme!“ zur Ausstellung „Tanz!“ in der Kunsthalle Mannheim
Einführung: Christiane Wichmann, Kunsthalle Mannheim

Primaballerina Nina will unbedingt die Doppelrolle als weißer und schwarzer Schwan in der neuen „Schwanensee“-Produktion. Die Konkurrenz mit der Mutter, die ihre Tänzerinnenkarriere wegen der Schwangerschaft mit Nina aufgeben musste, schürt Ninas Ehrgeiz und Perfektionswillen. Nach einem aufgezwungenen Kuss durch den Tanzdirektor erhält sie die Rolle. Doch Kolleginnen und Chef werfen ihr einen Mangel an Sex-Appeal vor, und im neu engagierten Talent Lilly erwächst ihr starke Konkurrenz im Ballettensemble…
Darren Aronofsky inszeniert die tänzerische Arbeit als intensive körperliche Erfahrung auch für das Publikum: Er taucht tief ein in die zunehmend in Mitleidenschaft gezogene Psyche seiner Protagonistin. „Wie Portman alle Facetten unterdrückter Lust hervorzaubert, dabei binnen weniger Taktschläge zwischen Schönheit und Schrecken changiert, das ist faszinierend bis zum letzten Augenblick.“ (Frankfurter Rundschau)
Einführung: Anna Baumer, Kunsthalle Mannheim
Die Vorführung des Films ist geplant – es steht aber noch die Genehmigung des Verleihs aus!

Anfang der 1960er Jahre: Das Leningrader Kirow-Ballett gibt ein Gastspiel in Paris – erstmals ist Startänzer Rudolf Nurejew im Westen zu bewundern. Misstrauisch beäugt von den KGB-Begleitern der Compagnie lernt Nurejew Clara Saint kennen und mit ihr Museen, Jazzclubs – Freiheit. Er entschließt sich, politisches Asyl zu beantragen…
Basierend auf Julie Kavanaghs Nurejew-Biografie erzählt Ralph Fiennes von Nurejews spektakulärer Flucht in den Westen wie auch von seinem Aufwachsen, von der Arbeit mit seinem Mentor Alexander Puschkin, von seinen ersten Bühnenerfolgen. „Der ukrainische Tänzer Oleg Ivenko überzeugt als Nurejew nicht nur in den langen Tanzsequenzen“, schreibt die Wiener Zeitung: „Fiennes gelingt es, dem Biopic neben der künstlerischen auch eine zusätzliche politische Ebene zu verleihen.“
Einführung: Alessia Tardivo, Kunsthalle Mannheim

Stuttgart 1960 – als der Choreograph John Cranko mit dem Flugzeug landet, ahnt er nicht, dass dieser Moment sein Leben verändern wird. Er soll als Gast am Stuttgarter Ballett choreografieren. In London musste er aufgrund seiner Homosexualität zahlreiche Demütigungen bis hin zu einem Arbeitsverbot ertragen; hier erholt sich Cranko von den erniedrigenden Erfahrungen, niemand scheint sich an seinem unkonventionellen Lebensstil zu stören. Er wird nach kurzer Zeit Ballettdirektor, Liebling des Publikums, gibt sich seiner Kunst und einem berauschenden Lebensstil hin.
Der rasante und steile Aufstieg bis zur Weltspitze, das „Stuttgarter Ballettwunder“, machen John Cranko zu einem Superstar seiner Zeit: „Sensibles wie auch schweres Porträt des Choreografen John Cranko, der von Stuttgart aus dem Ballett neuen Schwung gegeben hat.“ (taz).
Einführung: Julia Thiemann, Kunsthalle Mannheim

Oscar Schlemmers experimentelle Ballettchoreografie „Triadisches Ballett“ von 1922 zeichnete sich insbesondere durch die Kostümierung der Tänzerinnen und Tänzer in geometrischen Formen aus.
Von der Arbeit Oskar Schlemmers selbst gibt es keine filmischen Aufzeichnungen. Erst ab den 1960ern wurden Versuche der Rekonstruktion der Kostüme und Aufführungen unternommen. Wir zeigen unterschiedliche filmische Bearbeitungen des „Triadischen Balletts“; die Referentin erläutert die Umstände ihrer Entstehung und die Besonderheit dieser frühen experimentellen Choreografie.
Mit Filmen und Filmausschnitten. Dauer ca. 100 Min.
Moderation: Dörte Dennemann, Kunsthalle Mannheim

Isadora Duncan, Pionierin des modernen Ausdruckstanzes, blickt im Jahr 1927 auf ihr Leben zurück: Auf ihre rigorose Haltung gegen die Institution der Ehe, auf ihre Männer, auf den Verlust ihrer Kinder – auf ihren gegen das traditionelle Ballett gerichteten, an der Antike orientierten Tanzstil.
Karel Reisz fängt in seinem Biopic den schillernden Charakter der berühmten Tänzerin und Choreografin in aufwändiger Inszenierung ein. Vanessa Redgrave wurde in Cannes als beste Darstellerin ausgezeichnet: „Es ist Isadora/Vanessa in ihren griechisch anmutenden Gewändern, die den Film beherrscht – frei, ekstatisch, tragisch, ungebunden tanzend über die von Korsetts eingeengten Kontinente.“ (LA Times)
Einführung: Stefano Agresti, Kunsthalle Mannheim

Der Film porträtiert Mary Wigman, die expressionistische deutsche Tänzerin und Choreographin, die mit ihrer bahnbrechenden Kunst des modernen Tanzes international höchste Anerkennung erfuhr. Von ihrer Ausbildung in Hellerau und bei Rudolf von Laban in der Schweiz über ihre Tourneen bis zu seltenen Original-Filmaufnahmen zeigt der Film, wie der Einfluss von Mary Wigman auch auf den heutigen Tanz spürbar ist.
Zusätzlich zu dem Dokumentarfilm veranschaulichen vier weitere Kurzfilme Wigmans Wirken, unter anderem in Mannheim in den 1950er Jahren – 1954 erhielt Wigman den Schillerpreis der Stadt Mannheim.
Einführung: Stefano Agresti, Kunsthalle Mannheim

Die amerikanische Tänzerin Loïe Fuller (1862 – 1928) hat um die Jahrhundertwende beeindruckende Choreografien aus fließenden Bewegungen, wehenden Stoffen und farbigem Licht erfunden. Ihr „Serpentinentanz“ wurde mit der Film-Kamera festgehalten und gehört zur Pioniergeschichte des Kinos. Sie ließ in die Ärmel ihrer Gewänder dünne Stäbe einnähen, um Stoffbahnen mehrere Meter hoch über die Bühne zu wirbeln – eine ungeheure körperliche Anstrengung. Sie imprägnierte die Seidenstoffe ihrer Kostüme mit fluoreszierenden Salzen und verwandelte damit ihre Tänze in ein leuchtendes Spektakel. Ob Shakira oder Red Hot Chili Peppers, ob William Kentridge oder Taylor Swift – bis heute wird ihr exaltierter Körpereinsatz von Künstlerinnen und Künstlern aufgegriffen und weiterentwickelt. Nicht nur auf der Bühne, auch privat akzeptierte Loïe Fuller keine Konventionen und lebte ihre lesbische Beziehung ganz offen aus. Der Spielfilm zeichnet, wenn er sich auch als Biopic einige Freiheiten erlaubt, dennoch die wichtigen Lebensstationen der gefeierten Tänzerin glaubwürdig nach.
Einführung: Peter Bär, Cinema Quadrat